Angelo Branduardi: Die Laude des Heiligen Franziskus am 16.2.2006 im Brückenforum in Bonn-Beuel
Dies ist nun ein für mich etwas ungewohntes Rezensionsobjekt: eine Laude. Dass eine Laude ein Lob ist, weiß man ja als alter Lateiner, dass im katholischen Bereich Loblieder als „laudes" bezeichnet auch. Aber was es nun mit dieser Laude auf sich hatte, erfuhr ich erst zu Beginn der Veranstaltung selbst, zu der ich weniger der Laude wegen, als wegen Maestro troubadouriensis Angelo Branduardi selber, den ich vor einigen Jahren schon mal am selben Ort erleben, und über dessen heurigen Auftritt ich nun eine Rezension schreiben durfte.
Eine Laude also ist ein musikalisches Theater, wie es im Italien des 13. Jahrhunderts in der Franziskanischen Frömmigkeitsbewegung aufkam und in welcher in unterhaltsamer Form religiöse Inhalte dem Volke vermittelt wurden. Und eine solche bot nun Angelo Branduardi dem Volke vom Bonn zu Beginn des 21. Jahrhunderts, wobei er alte und neue Formen der Darbietung meisterhaft miteinander verband. Zunächst sah man auf der Bühne noch eine Bühne, und zwar ein Holzgestell mit Treppen, Rampen und Plattformen, so wie sie damals im mittelalterlichen Italien für die Lauden üblich waren, aber links und rechts auf zwei Leinwänden konnte man wie in einem Filmabspann dann lesen, worum es ging. Angelo stand da mit einer E-Geige, spielte ein wenig, Tänzer und Tänzerinnen erschienen auf der Bühne, zunächst wusste ich das nicht so richtig einzuordnen. Außer Angelo spielten noch drei Musiker mit: Davide Ragazzoni auf Schlagzeug und anderen Percussionsinstumenten wie Gong und E-Trommel hinter einer Glaswand etwas versteckt, Giovanni Vianelli auf Keyboard und später auch mal Akkordeon und Stefano Olivato auf einem E-Kontrabass. Da war also viel Elektronik im Spiel, trotz aller Mittelalterlichkeit. Die Melodien hörten sich großenteils auch nicht mittelalterlich an, sondern waren in dem für Angelo so typischen postmodernen Stil zwischen kräftigen Rhythmen, Sphärenklängen und Volkslied. Angelo überraschte mich dann mit einem besonderen Instrument, mit einem wunderbar vollen Klang, einer Gitarre, die oberhalb des Griffes noch einen Bogen hatte, an dem wie an einer Harfe oder einer Leiser weitere Saiten befestigt waren: eine Harfengitarre, wie er am Schluss erklärte, die um 1820 in Italien erfunden und dann vor allem von Serenadensängern unter den Fenstern ihrer Liebsten benutzt wurde. Diese Liebsten beantworteten die Serenaden aber nicht selten mit einem Wasserschwall, so dass Harfengitarren meist nur wenige Jahre überlebten. Das zumindest erzählte der Meistertroubadour dem staunenden Publikum, so wie Gigi in „Momo" den Touristen allerhand zu erzählen pflegt.
Aber zurück zur Laude: Allmählich entwickelte sich aus Musik und Tanz eine Handlung, die der Maestro auf deutsch ein wenig erklärte. Es war im Endeffekt die Lebensgeschichte des Heiligen Franziskus von Assisi, nicht unbedingt ganz historisch, dafür um so legendärer. Von der Gründung des Franziskanerordens nebst des Clarissinnenordnes über die ersten Missionsreisen in Italien, Spanien und Marokko, die Reise zum Sultan während des 5. Kreuzzuges und zahlreiche Wundertaten bis zur endgültigen Heimkehr im Tode. Angelo erklärte und sang einiges auf Deutsch, Daniel Cafer spielte den Franziskus, Jessica Higgins die Clara und Andreas Thele Franzens engsten Gefährten Bernardo, wobei sie ihre Texte auch alle auf Deutsch sprachen. Vor allem Jessica und Daniel strahlten dabei so eine Begeisterung aus, dass man meinte, es handele sich um eine Liebesgeschichte, und im Grunde war es das ja auch, wenn auch weniger sexuell als spirituell. Italienische Liedertexte wurden auf den schon erwähnten Leinwänden in Übersetzung zum Mitlesen angeboten, wobei Luisa Zappa Branduardi die italienischen und Burkhard Brozat sie deutschen Lyriken geschrieben hat. Die Tänzerinnen Monica Uallini, Elisa Ferrari, Tiziana Uitto, Scilla Zizifo, Daina Pezzoti und Maria Tirelli spielten verschiedene Rollen, mal das Volk, mal die Mönche, zumeist aber die Nonnen rund um Clara, wobei ihre Ballettbewegungen alles andere als monastisch anmuteten, sondern sie wirkten eher wie Elfen oder Feen. Aldo Esposito spielte mal einen Mönch, mal ich weiß nicht wen, und tanzte nicht minder elfisch. Angelo setzte auch mal Blockflöten ein, und es gab zwischendurch doch auch mal mittelalterliche Tunes, wie z.B. „A la via". Eine Melodie aber, die ich sowohl mit Angelo Branduardi als auch mit Franz von Assisi immer in Verbindung gebracht hatte, wurde nur mal in einer anderen Version angespielt, aber kam nicht so, wie ich sie von einem Film über Franziskus, bei dem Angelo die Filmmusik gemacht hatte, im Kopf hatte. Den berühmten Sonnengesang brachte er mit einer für mich neuen Melodie, die in Teilen große Ähnlichkeit zum Loch Lomond-Lied von Runrig hatte.
Die Laude selber dauerte ca. 1 ½ Stunden, und in der Zugabe sang Angelo einige seiner Evergreens wie „La Pulce d’Aqua", „Cogli la Prima Mela" und „Momo’s Lied", das Publikum ging gut mit, ganz zum Abschluss gab es dann noch „Stella Matutina" aus dem Libre Vermell, zu dem er auch eine Panflöte spielte, und Angelo erklärte, dass die Pilgerströme nach San Diago des Compostella die Grundlagen für das heutige Europa gelegt hätten. So erlebte das Volk von Bonn, bzw. so viele davon, dass der Saal im Brückenforum zu ca. ¾ voll war, einen zauberhaften Abend aus Historie und Legende, Spiritualität und Erotik, Tradition und Moderne und vor allem wunderbarer italienischer Musik.
Man mag sich fragen, warum ich immer von „Angelo" schreibe, als kennte ich ihn persönlich. Nein, er ist für mich genau so „nur" eine Berühmtheit, aber ich tue das ja in meinen Rezensionen mit allen Musikern so, dass ich sie beim Vornamen nenne, egal, ob ich sie näher kenne oder nicht. Unter Folkies ist man schnell beim Vornamen, und Angelo Branduardi ist sich sicher nicht zu fein, dazu zu gehören, auch wenn er ein 2-4000 Zuhörer zählendes Publikum als angenehm kleinen Rahmen empfindet. Die Namen der anderen Künstler auf der Bühne konnte man zwar im Abspann lesen, aber eine Liste zum Mitnehmen oder ein Programmheft gab es leider nicht. Einer der beiden CD- und T-Shirt-Verkäufer am Merchandisingstand war aber so nett, sie mir alle aufzuschreiben und mir dann auch noch die Single-CD „die sonne gesang" mitzugeben, worauf das Angelo den Sonnengesang auf Deutsch singt. Mille Grazie!!!
http://www.angelo-branduardi.com/ger/index.htm
http://www.brueckenforum.de/
Mehr interessante Infos unter:
http://www.angelo-branduardi.com/ger/inter_angelo.htm
http://www.tiscali.de/ital/ital_center_cultur.72449500.html
http://www.wz-newsline.de/sro.php?redid=104810
http://www.europamici.com/interview5.html
MAS
Rezensionsseite von http://www.bonn.folk.welt.musik.de.vu --- Inhaltsverzeichnis ganz unten!
Thursday, February 16, 2006
Saturday, February 11, 2006
Konzertrezension: Sahara am 11.2.2006 in der Harmonie in Bonn-Endenich
Sahara am 11.2.2006 in der Harmonie in Bonn-Endenich
Sahara gehört auch wie Le Clou zu den Gruppen, die ich schon oft gehört, über die ich aber noch nie eine Rezension geschrieben habe. Und wie Le Clou und die Lokal Heroes gehört Sahara seit Jahren zum festen Bestandteil der Konzerte im Parkrestaurant Rheinaue und spielen auch oft in der Harmonie, wo ich sie diesmal hörte. Jetzt fehlt nur noch, dass sie auch im Bungertshof auftreten, dann wäre das noch eine Gemeinsamkeit, von denen es tatsächlich noch ein paar gibt, sogar in musikalischer Hinsicht, auch wenn man das auf den ersten Blick bzw. Klang nicht glauben mag.
„Sahara“, das klingt nach Wüste, nach Nordafrika, und da kommt auch die Musik her, sowie zwei der Musiker, nämlich der marokkanische Hauptsänger und Keyboardspieler Ibrahim Hnine und der ägyptische Darabukatrommler Moustafa Osh. Die andern drei Musiker sind Deutsche, nämlich Carol Knauber mit seinen diversen E-Gitarren und einer mit wunderschönen Intarsien versehenen Laute, der E-Bassist Hans Greuel und der Schlagzeuger Andreas Pietralczyk. Carol und Hans sind Besuchern des Bonner Folktreffs eventuell noch durch ihre Zupfinstrument-Kammermusik-Formation String Attack bekannt, wobei ich mit „Kammermusik“ nicht Abwertendes meine, sondern die Filigranität ihrer Spielweise unterstreichen möchte. Sahara aber spielt Raϊ (für den Fall, dass ein Programm das Sonderzeichen falsch wiedergibt: das i hat zwei Punkte; vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Ra%C3%AF), eigentlich eine Popmusik, die vor allem im Maghreb und in Frankreich verbreitet ist, und deren zumindest für mich bekanntester Vertreter Khaled (vgl. http://www.folker.de/200501/02khaled.htm und http://de.wikipedia.org/wiki/Cheb_Khaled) ist. Die Sahara-Musiker aber nennen es nicht „Pop-“, sondern „Weltmusik“, und das nicht nur, damit ich einen Grund habe, diese Rezension zu schreiben.
Ibrahims Stimme transportierte arabische und französische Texte, die wohl kaum jemand aus dem altersmäßig sehr durchmischten Publikum verstand, auch ich nicht, obwohl ich beide Sprachen mal lernte, aber es waren auch nicht die Texte, die faszinierten und schon vor der Pause einige Zuhörer auf die Tanzfläche lockten, sondern diese Mischung aus langen Tönen aus Ibrahims Keyboard und Mund und der ansonsten mehr rhythmischen Spielweise der anderen, insofern eine ähnliche Konstellation wie bei Le Clou. Welche Bestanteile dieser Musik traditionell waren, weiß ich nicht, sicher die arabesken Schnörkel bei Ibrahims Gesang und Moustafas Tamburaspiel, ansonsten war es eine hochmoderne Musik, die sich zahlreicher Provenienzen bediente, so auch nord- und südamerikanischer, ja Reaggaerhythmen konnte man ohne Zweifel bei einigen Lieder ausmachen, und Carols E-Gitarrenspiel erinnerte meine Frau mal an Jimmy Hendrix, mal an Carlos Santana, was ich ihr einfach mal so glaube, während ich diese beiden Berühmtheiten mehr dem Namen nach kenne. Mich erinnerte sein E-Gitarrenspiel und auch wie er da stand an der aus Bühnenperspektive gesehen linkern vorderen Ecke mit seiner Sonnenbrille an Kristap Grasis, der mit den Lokal Heroes noch zwei Wochen zuvor genau an der gleichen Stelle stand und spielte. Carol und Hans entlockten ihren Zupfinstumenten auch einen funkigen Sound, der dem der Lokal Heroes in nichts nachstand, eher sogar noch ein wenig funkiger war. Und Alexander unterstütze das Ganze mit seinem Schlagzeug kräftig. Die meisten Stücke waren noch gecovert von diesem oder jenem aus den Raϊ-Carts, aber Moustafa und Carol hatten auch Selbstkomponiertes dabei. Meine Lieblingsstücke von Sahara heißen „N’ssi, n’ssi“ und „Harba“, wobei ich nicht weiß, was das auf Deutsch heißt, das erste in etwa „Gemach, gemach“, das zweite soll ein algerischer Dialekt sein, den auch Moustafa mir nicht übersetzten konnte. Ganz am Schluss der Zugabe spielten sie das auch westeuropäischen Radiohörern bekannte „Aisha“ von Khaled.
Man merkt wohl, dass ich in dieser Musik nicht so zu Hause bin, aber dass sie mir gefällt. Der nächste mir bekannte und erreichbare Sahara-Gig wird am 29.4.2006 in Siegburg im Kubana (vgl. http://www.kubana.de/kubana/) leider zeitgleich mit dem 5. Bonner Irish Fok Festival in der Harmonie.
Der Saal war dieses Mal übrigens bestuhlt und betischt, so dass ich keine Probleme hatte, mein Bier abzustellen, und auch keines, ein neues zu bestellen, denn es wurde an den Tischen flott bedient. Mir fiel auch erstmals auf, dass sie Kölsch (Sion) halbliterweise ausschenken, nichts für Reagenzglasfanatiker, sorry, Kölschstangenliebhaber, aber ich finde es praktisch!
http://www.oshmusic.com/osh.htm
http://www.carolknauber.de/index.php?option=com_content&task=view&id=22&Itemid=57http://www.harmonie-bonn.de/
MAS
Sahara gehört auch wie Le Clou zu den Gruppen, die ich schon oft gehört, über die ich aber noch nie eine Rezension geschrieben habe. Und wie Le Clou und die Lokal Heroes gehört Sahara seit Jahren zum festen Bestandteil der Konzerte im Parkrestaurant Rheinaue und spielen auch oft in der Harmonie, wo ich sie diesmal hörte. Jetzt fehlt nur noch, dass sie auch im Bungertshof auftreten, dann wäre das noch eine Gemeinsamkeit, von denen es tatsächlich noch ein paar gibt, sogar in musikalischer Hinsicht, auch wenn man das auf den ersten Blick bzw. Klang nicht glauben mag.
„Sahara“, das klingt nach Wüste, nach Nordafrika, und da kommt auch die Musik her, sowie zwei der Musiker, nämlich der marokkanische Hauptsänger und Keyboardspieler Ibrahim Hnine und der ägyptische Darabukatrommler Moustafa Osh. Die andern drei Musiker sind Deutsche, nämlich Carol Knauber mit seinen diversen E-Gitarren und einer mit wunderschönen Intarsien versehenen Laute, der E-Bassist Hans Greuel und der Schlagzeuger Andreas Pietralczyk. Carol und Hans sind Besuchern des Bonner Folktreffs eventuell noch durch ihre Zupfinstrument-Kammermusik-Formation String Attack bekannt, wobei ich mit „Kammermusik“ nicht Abwertendes meine, sondern die Filigranität ihrer Spielweise unterstreichen möchte. Sahara aber spielt Raϊ (für den Fall, dass ein Programm das Sonderzeichen falsch wiedergibt: das i hat zwei Punkte; vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Ra%C3%AF), eigentlich eine Popmusik, die vor allem im Maghreb und in Frankreich verbreitet ist, und deren zumindest für mich bekanntester Vertreter Khaled (vgl. http://www.folker.de/200501/02khaled.htm und http://de.wikipedia.org/wiki/Cheb_Khaled) ist. Die Sahara-Musiker aber nennen es nicht „Pop-“, sondern „Weltmusik“, und das nicht nur, damit ich einen Grund habe, diese Rezension zu schreiben.
Ibrahims Stimme transportierte arabische und französische Texte, die wohl kaum jemand aus dem altersmäßig sehr durchmischten Publikum verstand, auch ich nicht, obwohl ich beide Sprachen mal lernte, aber es waren auch nicht die Texte, die faszinierten und schon vor der Pause einige Zuhörer auf die Tanzfläche lockten, sondern diese Mischung aus langen Tönen aus Ibrahims Keyboard und Mund und der ansonsten mehr rhythmischen Spielweise der anderen, insofern eine ähnliche Konstellation wie bei Le Clou. Welche Bestanteile dieser Musik traditionell waren, weiß ich nicht, sicher die arabesken Schnörkel bei Ibrahims Gesang und Moustafas Tamburaspiel, ansonsten war es eine hochmoderne Musik, die sich zahlreicher Provenienzen bediente, so auch nord- und südamerikanischer, ja Reaggaerhythmen konnte man ohne Zweifel bei einigen Lieder ausmachen, und Carols E-Gitarrenspiel erinnerte meine Frau mal an Jimmy Hendrix, mal an Carlos Santana, was ich ihr einfach mal so glaube, während ich diese beiden Berühmtheiten mehr dem Namen nach kenne. Mich erinnerte sein E-Gitarrenspiel und auch wie er da stand an der aus Bühnenperspektive gesehen linkern vorderen Ecke mit seiner Sonnenbrille an Kristap Grasis, der mit den Lokal Heroes noch zwei Wochen zuvor genau an der gleichen Stelle stand und spielte. Carol und Hans entlockten ihren Zupfinstumenten auch einen funkigen Sound, der dem der Lokal Heroes in nichts nachstand, eher sogar noch ein wenig funkiger war. Und Alexander unterstütze das Ganze mit seinem Schlagzeug kräftig. Die meisten Stücke waren noch gecovert von diesem oder jenem aus den Raϊ-Carts, aber Moustafa und Carol hatten auch Selbstkomponiertes dabei. Meine Lieblingsstücke von Sahara heißen „N’ssi, n’ssi“ und „Harba“, wobei ich nicht weiß, was das auf Deutsch heißt, das erste in etwa „Gemach, gemach“, das zweite soll ein algerischer Dialekt sein, den auch Moustafa mir nicht übersetzten konnte. Ganz am Schluss der Zugabe spielten sie das auch westeuropäischen Radiohörern bekannte „Aisha“ von Khaled.
Man merkt wohl, dass ich in dieser Musik nicht so zu Hause bin, aber dass sie mir gefällt. Der nächste mir bekannte und erreichbare Sahara-Gig wird am 29.4.2006 in Siegburg im Kubana (vgl. http://www.kubana.de/kubana/) leider zeitgleich mit dem 5. Bonner Irish Fok Festival in der Harmonie.
Der Saal war dieses Mal übrigens bestuhlt und betischt, so dass ich keine Probleme hatte, mein Bier abzustellen, und auch keines, ein neues zu bestellen, denn es wurde an den Tischen flott bedient. Mir fiel auch erstmals auf, dass sie Kölsch (Sion) halbliterweise ausschenken, nichts für Reagenzglasfanatiker, sorry, Kölschstangenliebhaber, aber ich finde es praktisch!
http://www.oshmusic.com/osh.htm
http://www.carolknauber.de/index.php?option=com_content&task=view&id=22&Itemid=57http://www.harmonie-bonn.de/
MAS
Thursday, February 09, 2006
CD-Rezension: Battlefield Band. the Road of Tears
Battlefield Band. the Road of Tears
Templerecords 2005 mit zahlreichen englischen Infos und Texten und ein paar Fotos
17 Tracks, 71,50 Minuten
Die Battlefield Band, benannt nach dem Glasgower Stadtteil Battlefield, in dem sich die Band gründete (Dank an Mike Kamp, der dachte, das sei allgemein bakannt, für die Info!) legt mit dieser CD ein Themenalbum vor, wie es auch schon auf ihrer 2006er Konzerttournee zu hören war (vgl. meine Rezension vom Konzert in der Bonner Brofabrik am 1.2.2006: http://tinyurl.com/8jxnl). Das Thema Migration, als Wanderung im Sinne von unfreiwilligem Auswanderen aus der Heimat und Einwandern in ein fremdes Land wird in neun Liedern behandelt, die natürlich auch vom Auswandern aus der schottischen Heimat nach Amerika oder Australien handeln, aber auch von der Auswanderung von Irland nach Schottland oder von Mexiko in die USA. Politische Verfolgung, Armut, Arbeitslosigkeit, Hunger oder geplant durchgeführte Landvertreibung werden in Texten aus drei Jahrhunderten als Ursachen genannt, wobei außer Alan Reid auch Robert Burns und Woody Guthry als Autoren genannt werden, und einige Texte keinen bekannten Autor haben, daunter auch eines von Burns in nur Eingeweihten verständlichem schottischem Englisch, wie z.B. „Wee, sleekit, cow’rin, tim’rous beastie, ...“. Dass dies bei weitem nicht nur historische, sondern hochaktuelle Themen sind, wird im Büchlein ausführlich betont. Abgesehen von Guthrys „Plane Wreck at Los Gatos“ kann man alle Texte im Büchlein mit- oder nachlesen. Ohne die zahlreichen Infos zu den einzelnen Stücken im Büchlein würde man nicht heraus hören, dass auch einige der acht Instrumentals (bzw. es sind ja viel mehr, wenn man die Tunes der Sets einzeln zählt) die Migration oder verwandte politische Ereignisse zum Thema haben, so z.B. „Ely Parker“ benannt nach einem Seneca-Indianer, der im 19. Jh. als erster Indianer Kommissar für Indianerangelegenheiten war bis ihm als Nicht-US-Bürger das Anwaltspatent entzogen wurde, oder „Mr. Galloway goes to Washington“ über einen britischen Abgeordneten, der für die Vermeidung beider Golfkriege eintrat und deshalb nach Washington ging, um eine Anschuldigung wegen angeblicher Ölgeschäfte mit dem Irak zu widerlegen, beide Tunes übrigens im ersten Set. Auch der Ohrwurm, der im Konzert den Opener darstellte, ist dabei, wenn auch auf Position 15, und heißt „Mary’s Dream“, was mit dem Albenthema mal nichts zu tun hat, so wie auch andere Tunes von anderen Themen inspiriert sind, z.B. von der Hochzeit, und da wird im Büchlein versichert, dass „surely girls and marriage have nothing ideologycally to do with hardship, cruelty, pain, slavery, and immigration, or do they?“.
Musikalisch haben wir bei diesem Album wieder mal ein exzellentes Beispiel traditionsverwurzelter und doch moderner schottischer Volksmusik mit einigen irischen und eben einem mexikanisch-amerikanischen Stück dabei. Alan Reid singt und spielt Keyborad, Akkordeon und Melodika, Mike Katz spielt Highland Pipes, Small Pipes, Low Whistles, Tin Whistles (im Konzert auch, die hatte ich nur vergessen zu erwähnen), Bassgitarre und Bouzouki, Sean O’Donnel, der Ire in der Truppe, singt und spielt Gitarre, und Alasdair White spielt Fiddle, Whistles und Bouzouki. Es geht oft rasend schnell zu, oft aber auch sehr melancholisch, dem Thema angemessen. Zwei Lieder sind Übernahmen von zwei früheren Alben, und da singt eine Frau mit, deren Name wahrscheinlich in den Büchlein besagter zwei Alben steht, aber leider nicht in diesem. Vielleicht sind es ja auch zwei verschiedene Frauen.
Zum Schluss noch eine Strophe des Titelliedes und Openers des Albums von Alan Reid :
„They came at dawn out the darkness
Swords and torches in their hand
They said it was the chieftain’s orders
Clear the hillside and the glens
No more we’d smell the broom and the heather
Share the bannock with our kin
Be laid to rest beside our fathers
It almost broke our hearts and minds
To board the ship, the ship of tears
To board the ship, the ship of tears.”
http://www.battlefieldband.co.uk/
http://www.templerecords.co.uk/
http://www.folker.de/200601/02battlefieldband.htm
MAS
Templerecords 2005 mit zahlreichen englischen Infos und Texten und ein paar Fotos
17 Tracks, 71,50 Minuten
Die Battlefield Band, benannt nach dem Glasgower Stadtteil Battlefield, in dem sich die Band gründete (Dank an Mike Kamp, der dachte, das sei allgemein bakannt, für die Info!) legt mit dieser CD ein Themenalbum vor, wie es auch schon auf ihrer 2006er Konzerttournee zu hören war (vgl. meine Rezension vom Konzert in der Bonner Brofabrik am 1.2.2006: http://tinyurl.com/8jxnl). Das Thema Migration, als Wanderung im Sinne von unfreiwilligem Auswanderen aus der Heimat und Einwandern in ein fremdes Land wird in neun Liedern behandelt, die natürlich auch vom Auswandern aus der schottischen Heimat nach Amerika oder Australien handeln, aber auch von der Auswanderung von Irland nach Schottland oder von Mexiko in die USA. Politische Verfolgung, Armut, Arbeitslosigkeit, Hunger oder geplant durchgeführte Landvertreibung werden in Texten aus drei Jahrhunderten als Ursachen genannt, wobei außer Alan Reid auch Robert Burns und Woody Guthry als Autoren genannt werden, und einige Texte keinen bekannten Autor haben, daunter auch eines von Burns in nur Eingeweihten verständlichem schottischem Englisch, wie z.B. „Wee, sleekit, cow’rin, tim’rous beastie, ...“. Dass dies bei weitem nicht nur historische, sondern hochaktuelle Themen sind, wird im Büchlein ausführlich betont. Abgesehen von Guthrys „Plane Wreck at Los Gatos“ kann man alle Texte im Büchlein mit- oder nachlesen. Ohne die zahlreichen Infos zu den einzelnen Stücken im Büchlein würde man nicht heraus hören, dass auch einige der acht Instrumentals (bzw. es sind ja viel mehr, wenn man die Tunes der Sets einzeln zählt) die Migration oder verwandte politische Ereignisse zum Thema haben, so z.B. „Ely Parker“ benannt nach einem Seneca-Indianer, der im 19. Jh. als erster Indianer Kommissar für Indianerangelegenheiten war bis ihm als Nicht-US-Bürger das Anwaltspatent entzogen wurde, oder „Mr. Galloway goes to Washington“ über einen britischen Abgeordneten, der für die Vermeidung beider Golfkriege eintrat und deshalb nach Washington ging, um eine Anschuldigung wegen angeblicher Ölgeschäfte mit dem Irak zu widerlegen, beide Tunes übrigens im ersten Set. Auch der Ohrwurm, der im Konzert den Opener darstellte, ist dabei, wenn auch auf Position 15, und heißt „Mary’s Dream“, was mit dem Albenthema mal nichts zu tun hat, so wie auch andere Tunes von anderen Themen inspiriert sind, z.B. von der Hochzeit, und da wird im Büchlein versichert, dass „surely girls and marriage have nothing ideologycally to do with hardship, cruelty, pain, slavery, and immigration, or do they?“.
Musikalisch haben wir bei diesem Album wieder mal ein exzellentes Beispiel traditionsverwurzelter und doch moderner schottischer Volksmusik mit einigen irischen und eben einem mexikanisch-amerikanischen Stück dabei. Alan Reid singt und spielt Keyborad, Akkordeon und Melodika, Mike Katz spielt Highland Pipes, Small Pipes, Low Whistles, Tin Whistles (im Konzert auch, die hatte ich nur vergessen zu erwähnen), Bassgitarre und Bouzouki, Sean O’Donnel, der Ire in der Truppe, singt und spielt Gitarre, und Alasdair White spielt Fiddle, Whistles und Bouzouki. Es geht oft rasend schnell zu, oft aber auch sehr melancholisch, dem Thema angemessen. Zwei Lieder sind Übernahmen von zwei früheren Alben, und da singt eine Frau mit, deren Name wahrscheinlich in den Büchlein besagter zwei Alben steht, aber leider nicht in diesem. Vielleicht sind es ja auch zwei verschiedene Frauen.
Zum Schluss noch eine Strophe des Titelliedes und Openers des Albums von Alan Reid :
„They came at dawn out the darkness
Swords and torches in their hand
They said it was the chieftain’s orders
Clear the hillside and the glens
No more we’d smell the broom and the heather
Share the bannock with our kin
Be laid to rest beside our fathers
It almost broke our hearts and minds
To board the ship, the ship of tears
To board the ship, the ship of tears.”
http://www.battlefieldband.co.uk/
http://www.templerecords.co.uk/
http://www.folker.de/200601/02battlefieldband.htm
MAS
CD-Rezension: Dán. Stranger at the Gate
Dán. Stranger at the Gate
Eigenverlag 2005 mit mit deutschen Infos und Fotos
12 Tracks, 56,35 Minuten
Ein Foto einer steinernen Buddhafigur auf einem Torpfosten ziert das orangene Cover. Der Buddha als Fremder am Tor auf einem Cover in der Farbe buddhistischer Mönchsroben, aber nein, es handelt sich nicht um eine CD mit buddhistischer Musik, worauf auch die keltische Ornamentik links oben hinweis, sondern um keltische Musik aus Irland und Schottland nebst einigen kontinentaleuropäischen Melodien und einer aus Quebec. Die Musiker sind ein Oldenburger, ein Augsburger und eine Münsterländerin, Joergen W. Lang (Gitarre, Low Whistle und Hauptsänger), Johannes Mayr (Akkordeon, Kontrabass und Gesang) und Franziska Urton (Fiddle und Gesang), eben die selben, deren Konzert am 20.1.2006 im Bungertshof in Königswinter-Oberdollendorf in auch rezensiert habe (vgl. http://tinyurl.com/8fmug). Acht Tunes bzw. Tunesets (Jigs, Reels, Polkas, Lamentations u.a.) und vier Lieder („When I First Came to Caledonia“, „The Snows They Melt the Soonest“, „Hares on the Mountain“ und „Sandy Bell’s Broadstreet“) enthält diese von Anfang bis Ende spannungsreiche Scheibe, zumeist Traditionals oder aus den Federn irischer Musiker wie z.B. Jerry O’Connor, Mick Kensella oder Cathal McConnell, wobei das der CD den Titel gebende „The Stranger“ vom amerikanischen Sackpfeifer Benedict Koehler stammt. Aber auch Joergen Lang hat zwei Eigenkompositionen beigesteuert, das schon in der Konzertrezi erwähnte „Nem Üzemel“ unverkennbar aus seiner und Johannes` Hölderlin Express-Zeit, an dem ich mich gar nicht satt hören kann, und die „Lament for Kim“. Und natürlich sind alle Stücke ganz neu arrangiert, so dass man zwar das eine oder andere kennen mag, aber so gespielt dann doch noch nie gehört hat. Anders als beim Live-Auftritt kann auf der CD Joergen auch mal gleichzeitig Gitarre und Low Whistler spielen. Wunderbar finde ich zum Beispiel auch die Kombination der Meldodie des deutschen Volksliedes „Wie schön blüht uns der Maien“ mit dem irischen Lied „Hares on the Mountain“, wobei diese Zusammenstellung zwei Liebende, die zueinander finden, symbolisiert. Alle diese und viel mehr Infos findet man in dem Büchlein mit sechs schlicht, aber sehr ansprechend gestalteten Innenseiten. So nach dem vierten oder fünften Durchhören mag man da hinein schauen, aber besser ist, man schließt die Augen und hört einfach zu, und das werde ich noch oft tun.
http://www.danmusic.de/ (dort kann man auch die CD bestellen)
MAS
Eigenverlag 2005 mit mit deutschen Infos und Fotos
12 Tracks, 56,35 Minuten
Ein Foto einer steinernen Buddhafigur auf einem Torpfosten ziert das orangene Cover. Der Buddha als Fremder am Tor auf einem Cover in der Farbe buddhistischer Mönchsroben, aber nein, es handelt sich nicht um eine CD mit buddhistischer Musik, worauf auch die keltische Ornamentik links oben hinweis, sondern um keltische Musik aus Irland und Schottland nebst einigen kontinentaleuropäischen Melodien und einer aus Quebec. Die Musiker sind ein Oldenburger, ein Augsburger und eine Münsterländerin, Joergen W. Lang (Gitarre, Low Whistle und Hauptsänger), Johannes Mayr (Akkordeon, Kontrabass und Gesang) und Franziska Urton (Fiddle und Gesang), eben die selben, deren Konzert am 20.1.2006 im Bungertshof in Königswinter-Oberdollendorf in auch rezensiert habe (vgl. http://tinyurl.com/8fmug). Acht Tunes bzw. Tunesets (Jigs, Reels, Polkas, Lamentations u.a.) und vier Lieder („When I First Came to Caledonia“, „The Snows They Melt the Soonest“, „Hares on the Mountain“ und „Sandy Bell’s Broadstreet“) enthält diese von Anfang bis Ende spannungsreiche Scheibe, zumeist Traditionals oder aus den Federn irischer Musiker wie z.B. Jerry O’Connor, Mick Kensella oder Cathal McConnell, wobei das der CD den Titel gebende „The Stranger“ vom amerikanischen Sackpfeifer Benedict Koehler stammt. Aber auch Joergen Lang hat zwei Eigenkompositionen beigesteuert, das schon in der Konzertrezi erwähnte „Nem Üzemel“ unverkennbar aus seiner und Johannes` Hölderlin Express-Zeit, an dem ich mich gar nicht satt hören kann, und die „Lament for Kim“. Und natürlich sind alle Stücke ganz neu arrangiert, so dass man zwar das eine oder andere kennen mag, aber so gespielt dann doch noch nie gehört hat. Anders als beim Live-Auftritt kann auf der CD Joergen auch mal gleichzeitig Gitarre und Low Whistler spielen. Wunderbar finde ich zum Beispiel auch die Kombination der Meldodie des deutschen Volksliedes „Wie schön blüht uns der Maien“ mit dem irischen Lied „Hares on the Mountain“, wobei diese Zusammenstellung zwei Liebende, die zueinander finden, symbolisiert. Alle diese und viel mehr Infos findet man in dem Büchlein mit sechs schlicht, aber sehr ansprechend gestalteten Innenseiten. So nach dem vierten oder fünften Durchhören mag man da hinein schauen, aber besser ist, man schließt die Augen und hört einfach zu, und das werde ich noch oft tun.
http://www.danmusic.de/ (dort kann man auch die CD bestellen)
MAS
CD-Rezension: Woltähr. Trier night & day. bonus tracks 2001 – 2005
Woltähr. Trier night & day. bonus tracks 2001 – 2005
2005 Eigenverlag mit Fotos und wenigen Infos
15 Tracks, 58,17 Minuten
Eine CD voller Bonus Tracks für Fans. Tatsächlich, das ist der Zweck dieser selbstgebrannten Scheibe, die kostenlos an alle abgegeben wird, die „Trier by night“ (vgl. http://tinyurl.com/axchx) schon besitzen und zu schätzen wissen. Sie beginnt mit einer fast melodielosen 1. Versuchsversion von „Trier bei Naocht“, die zwar interessant ist, aber mich doch froh sein lässt, dass für der dann offiziell veröffentlichten CD eine andere Version genommen wurde. Auch der „Kirchgang“ von Heinrich Heine ist hier in einer anderen Version zu hören, mit vertauschten Gesangsrollen von Walter Liederschmitt und Chris Oberweis, und auch viele der anderen Stücke sind Alternativversionen zu den auf „Trier by night“ veröffentlichten, so z.B. vom „Musleindijaner-Singsang“ oder vom „Höhenflug (Santa Fe)“, auch diese weniger gut als die offiziellen Versionen. Aber es gibt auch mehrere Lieder, die einfach nicht mehr drauf gepasst haben, so z.B. „Riki Tiki Tavi“ und „Jersey Thursday“ ursprünglich von Donvan, hier aber frei interpretiert, „Il fait chaud“ von Florence Absolu und ansonsten Eigenkompositionen von Walter Liederschmitt, Carsten Söns und Uwe Heil, allesamt genussreich zu hören für die, die die Musik von Woltähr generell mögen, wie mich eben. Diese drei und Uli Hilsamer, soewie Norbert Brenner, Ron Bankley und Rivière Baudette sind denn auch zu hören, wie sie singen und/oder ihre Instumente bedienen, also Gitarre, Leier, Drums, Bass u.a. Der letzte Titel ist indes ganz neu: „Der Meeres und der Liebe Wellen“, entstanden 2005 im Urlaub in Kanada.
http://www.woltaehr.de
MAS
2005 Eigenverlag mit Fotos und wenigen Infos
15 Tracks, 58,17 Minuten
Eine CD voller Bonus Tracks für Fans. Tatsächlich, das ist der Zweck dieser selbstgebrannten Scheibe, die kostenlos an alle abgegeben wird, die „Trier by night“ (vgl. http://tinyurl.com/axchx) schon besitzen und zu schätzen wissen. Sie beginnt mit einer fast melodielosen 1. Versuchsversion von „Trier bei Naocht“, die zwar interessant ist, aber mich doch froh sein lässt, dass für der dann offiziell veröffentlichten CD eine andere Version genommen wurde. Auch der „Kirchgang“ von Heinrich Heine ist hier in einer anderen Version zu hören, mit vertauschten Gesangsrollen von Walter Liederschmitt und Chris Oberweis, und auch viele der anderen Stücke sind Alternativversionen zu den auf „Trier by night“ veröffentlichten, so z.B. vom „Musleindijaner-Singsang“ oder vom „Höhenflug (Santa Fe)“, auch diese weniger gut als die offiziellen Versionen. Aber es gibt auch mehrere Lieder, die einfach nicht mehr drauf gepasst haben, so z.B. „Riki Tiki Tavi“ und „Jersey Thursday“ ursprünglich von Donvan, hier aber frei interpretiert, „Il fait chaud“ von Florence Absolu und ansonsten Eigenkompositionen von Walter Liederschmitt, Carsten Söns und Uwe Heil, allesamt genussreich zu hören für die, die die Musik von Woltähr generell mögen, wie mich eben. Diese drei und Uli Hilsamer, soewie Norbert Brenner, Ron Bankley und Rivière Baudette sind denn auch zu hören, wie sie singen und/oder ihre Instumente bedienen, also Gitarre, Leier, Drums, Bass u.a. Der letzte Titel ist indes ganz neu: „Der Meeres und der Liebe Wellen“, entstanden 2005 im Urlaub in Kanada.
http://www.woltaehr.de
MAS
CD-Rezension: Walter Liederschmitt & Andreas Sittmann. Treverer Barden. Trier/Mosel
Walter Liederschmitt & Andreas Sittmann. Treverer Barden. Trier/Mosel
Eigenverlag 2005 mit Fotos und deutschen u. teilweise englischen Infos, und einem Text in Latein, Deutsch und Englisch
12 Tracks, 38.07 Minuten
Walter Liederschmitts Spezialität mit seiner Band Woltähr ist die Verbindung von moselfränkischer Mundart, Hochdeutsch und anderen Sprachen mit Texten über seine Trierer und moselländische Heimat mit zahlreichen Bezügen zur keltisch-römischen Antike, zur engen Nachbarschaft zu Frankreich, zu den keltischen Verwandten in der Bretagne und auf den britischen Inseln und zum Kampf gegen jegliche obrigkeitliche Bevormundung. Andreas Sittmann ist Frontsänger der Trierer Irish Folk – Gruppe Ramblin Rovers. Für diese CD haben sie sich mit elf weitern Musikern Triers zusammen getan, nämlich mit Volker Dellwe (Flöten, Dudelsack), Chris Oberweis (Gesang, Violine, Mandola); Ulrike Jockum (Kontrabass), Thommis oder Thomas Kramer (Violine; auch Rambing Rovers), Werner Schlöder (Bass; auch Rambing Rovers), Thomas Meier (Drums); Uli Hilsamer (Brums), Carsten Söns (Bass, Gesang; auch Woltähr), Uwe Heil (Gitarre, Gesang; auch Woltähr), Ralf Hess (Piano) und Walter Jäger (Violine), wobei Walter singt und Concertina, Leier und Gitarre spielt und Andreas singt und Gitarre spielt. Nun ist diese CD keine hundertprozentige Neueinspielung von 2005, sondern enthält auch Aufnahmen von 1986, 1996, 1997, 1998 und 2003.
Das erste Lied „Trever per dulzer“ stammt aus dem 12. Jh. und wird lateinisch gesungen, das letzte „Son ar chistre“ ist die bretonische Urversion von „Was wollen wir trinken“, zwischendurch ist fast alles auf Hochdeutsch und Moselfränkisch mit einzelnen französischen und englischen Einschüben. Dabei geht es sehr frankophil zu, auch politisch, wenn da Sympathie für die französische Revolution bekundet und die Preußen lieber in die Mosel geworfen werden, dann auch im Heuschrecken-Lied von 1848, als mit Heuschrecken noch nicht neoliberale Global Players, sondern eben die Revolutionäre gemeint waren, deren freies Hüpfen von der Obrigkeit nicht geduldet wurde. Zwichendurch gibt es auch Lieder zu Wein und Mosel, wie man sie aber nicht von Kegelclub-Moselwein-Stimmungsplatten kennt. Und mein Lieblingslied aus Walters Repertoire „Meine Heimat“ ist auch wieder dabei, diesmal begleitet von Walter Jäger auf der Violine.
Musikalisch ist es wieder sehr vielfältig, nicht selten countryartig, vor allem Chris Oberweis Geigenspiel, ansonsten klingen oft deutsche und französische Volkstänze an, ein „Trinkwunsch“ ist mehrstimmig a capella, Walters Stimme klingt bisweilen, als habe er Wein und Cidre kräftig zugesprochen, vor allem bei dem Wörtchen „Urbs“ ganz am Anfang.
Trier, zeitweise Regierungssitz des römischen Reiches, heute rheinland-pfälzische Bezirksregierungsstadt am deutsch-luxemburgisch-französischen Dreiländereck in der Eurregio Mosel-Saar-Luxemburg-Lothringen hat in seinen Barden wackere Söhne der Stadt, die mit Tiefgang, Fröhlichkeit, Aufmüfigkeit und Zartheit Heimatliebe beweisen, die keine Grenzen zieht, sondern selbige immer wieder überschreitet und ganz Europa und die Welt mit offenen Armen aufnimmt.
Die nächste Möglichkeit, sie live zu hören:
05.04.06
54318 Mertesdorf Karlsmühle “Treverer Barden“ mit W. Liederschmitt, Dorle Schausbreitner und A. Sittmann
Vgl. auch meine Rezension hier:
http://tinyurl.com/axchx
http://www.woltaehr.de
http://www.r-rovers.de
unter http://www.r-rovers.de/presse01.htm gibt es auch eine Konzertrezension von meinem Bruder Norbert
MAS
Eigenverlag 2005 mit Fotos und deutschen u. teilweise englischen Infos, und einem Text in Latein, Deutsch und Englisch
12 Tracks, 38.07 Minuten
Walter Liederschmitts Spezialität mit seiner Band Woltähr ist die Verbindung von moselfränkischer Mundart, Hochdeutsch und anderen Sprachen mit Texten über seine Trierer und moselländische Heimat mit zahlreichen Bezügen zur keltisch-römischen Antike, zur engen Nachbarschaft zu Frankreich, zu den keltischen Verwandten in der Bretagne und auf den britischen Inseln und zum Kampf gegen jegliche obrigkeitliche Bevormundung. Andreas Sittmann ist Frontsänger der Trierer Irish Folk – Gruppe Ramblin Rovers. Für diese CD haben sie sich mit elf weitern Musikern Triers zusammen getan, nämlich mit Volker Dellwe (Flöten, Dudelsack), Chris Oberweis (Gesang, Violine, Mandola); Ulrike Jockum (Kontrabass), Thommis oder Thomas Kramer (Violine; auch Rambing Rovers), Werner Schlöder (Bass; auch Rambing Rovers), Thomas Meier (Drums); Uli Hilsamer (Brums), Carsten Söns (Bass, Gesang; auch Woltähr), Uwe Heil (Gitarre, Gesang; auch Woltähr), Ralf Hess (Piano) und Walter Jäger (Violine), wobei Walter singt und Concertina, Leier und Gitarre spielt und Andreas singt und Gitarre spielt. Nun ist diese CD keine hundertprozentige Neueinspielung von 2005, sondern enthält auch Aufnahmen von 1986, 1996, 1997, 1998 und 2003.
Das erste Lied „Trever per dulzer“ stammt aus dem 12. Jh. und wird lateinisch gesungen, das letzte „Son ar chistre“ ist die bretonische Urversion von „Was wollen wir trinken“, zwischendurch ist fast alles auf Hochdeutsch und Moselfränkisch mit einzelnen französischen und englischen Einschüben. Dabei geht es sehr frankophil zu, auch politisch, wenn da Sympathie für die französische Revolution bekundet und die Preußen lieber in die Mosel geworfen werden, dann auch im Heuschrecken-Lied von 1848, als mit Heuschrecken noch nicht neoliberale Global Players, sondern eben die Revolutionäre gemeint waren, deren freies Hüpfen von der Obrigkeit nicht geduldet wurde. Zwichendurch gibt es auch Lieder zu Wein und Mosel, wie man sie aber nicht von Kegelclub-Moselwein-Stimmungsplatten kennt. Und mein Lieblingslied aus Walters Repertoire „Meine Heimat“ ist auch wieder dabei, diesmal begleitet von Walter Jäger auf der Violine.
Musikalisch ist es wieder sehr vielfältig, nicht selten countryartig, vor allem Chris Oberweis Geigenspiel, ansonsten klingen oft deutsche und französische Volkstänze an, ein „Trinkwunsch“ ist mehrstimmig a capella, Walters Stimme klingt bisweilen, als habe er Wein und Cidre kräftig zugesprochen, vor allem bei dem Wörtchen „Urbs“ ganz am Anfang.
Trier, zeitweise Regierungssitz des römischen Reiches, heute rheinland-pfälzische Bezirksregierungsstadt am deutsch-luxemburgisch-französischen Dreiländereck in der Eurregio Mosel-Saar-Luxemburg-Lothringen hat in seinen Barden wackere Söhne der Stadt, die mit Tiefgang, Fröhlichkeit, Aufmüfigkeit und Zartheit Heimatliebe beweisen, die keine Grenzen zieht, sondern selbige immer wieder überschreitet und ganz Europa und die Welt mit offenen Armen aufnimmt.
Die nächste Möglichkeit, sie live zu hören:
05.04.06
54318 Mertesdorf Karlsmühle “Treverer Barden“ mit W. Liederschmitt, Dorle Schausbreitner und A. Sittmann
Vgl. auch meine Rezension hier:
http://tinyurl.com/axchx
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unter http://www.r-rovers.de/presse01.htm gibt es auch eine Konzertrezension von meinem Bruder Norbert
MAS
Friday, February 03, 2006
Konzertrezension: Le Clou am 3.2.2006 in Bungertshof in Königswinter-Oberdollendorf
Le Clou am 3.2.2006 in Bungertshof in Königswinter-Oberdollendorf
Le Clou wird in diesem Jahr 30. Deshalb habe ich Michel David, Yves Gueit und Johannes Epremian im letzten Herbst interviewt und aus dem Interview und einigen sonstigen Infos einen Artikel gemacht, der im Folker! 02.06 erscheinen wird. Aber obwohl ich in den letzten cirka zehn Jahren schon einige ihrer Konzerte gehört habe, habe ich noch nie eine Konzertrezension darüber geschrieben, so dass ich das nun hier endlich mal tue:
Johannes Epremian (Geige, Gitarren, E-Gitarre, Gesang), Michel David (Gesang, Gitarre, Waschbrett) und Yves Gueit (diatonische Akkordeons, diverse Flöten, dabei auch eine Okkarina, Oboe, Saxophon, Klarinette) standen aus Zuschauerperspektive von links nach rechts auf der Bühne im restlos gefüllten Bungersthof, hinter ihnen auch von links nach rechts Gero Gelert (E-Bass) und Ralf Schläger (Schlagzeug, was zum Namen passt), wobei letzterer natürlich saß. In der Anordnung stehen und sitzen sie anscheinend immer, was in die quirlige Musik einen Hauch von Ordnung bringt. Fans wissen, was sie erwartet, ihre Musik weist durch die Jahre eine hohe Kontinuität auf, auch neue Stücke passen sich ein in ihren Stil, und neue Stücke gibt es immer wieder, Eigenkompositionen überwiegen gegenüber Traditionals. Doch was ist das für eine Musik, mit der sie seit drei Jahrzehnten erfolgreich in Deutschland touren und von der sie auch leben können? „Cajun Swamp Groove“ nennen sie sie, oder „altmodische Tanzmusik aus dem Mississippi-Delta“.
Na, was heißt schon altmodisch? Johannes legte sofort mit seiner Geige los, schnell, rhythmisch, mehr deftig als verziert, aber äußerst mitreißend. Michel sang ein Lied nach dem anderen, auf Französisch, seiner Muttersprache, die ich leider nur ganz wenig verstehe, und sein Gesang bot einen scharfen Kontrast zur Rhythmik der Instrumente, auch seiner Gitarre oder seines Waschbretts, denn er bestand hauptsächlich auch sehr lang gezogenen Vokalen, na nicht nur, es gab auch schnelle Sätze, aber immer wieder diese lange Os und As und Es. Dann das Akkordeon von Yves, ähnlich dem Gesang, mal schnell, mal lang gezogen. Und so wogte es zwei Stunden lang durch den Raum, immer mitgetragen von E-Bass und Schlagzeug, meistens im 2/4-Takt des Two Step, aber auch mal im 3/4 oder 4/4. Allmählich gingen auch die Gespräche derjenigen Gäste, die Musik mehr zur Begeleitung ihrer Unterhaltung mögen, in Rhythmus über. Das war wirklich interessant, wie die Musik nach und nach die Aufmerksamkeit auch der Leute an den hintersten Tischen, wo auch wir saßen, eroberte. Es gibt Musik, da schwindet die Aufmerksamkeit, und es gibt Musik, da steigt die Aufmerksamkeit, und dazu gehört die von Le Clou. Da lag nicht nur daran, dass die Lautsprecher im hinteren Saalabschnitt nicht von anfang an optimal eingestellt waren, auch nicht nur daran, dass Johannes mit seiner Geige auf die Tische stieg und so auch nach hinten kam, obwohl das schon Eindruck machte. Das macht er übrigens gerne, und bei einer solchen Gelegenheit entstand auch das auf unserer Startseite unseres Internetportals für Folk- und Weltmusik in Bonn und Umgebung zu sehende Foto, ja jetzt habe ich es offiziell verraten: es ist Johannes Epremian, der Teufelsgeiger von Le Clou, der dienstältesten Bonner Folkband.
Der Two Step ist der Reel der Cajuns, eine Verballhorunung von „Arcadiens“, der französischsprachigen Einwanderer in Louisiana, die von den Engländern aus Arcadien in Ostkanada vertrieben worden waren, doch Cajun-Musik hat noch mehr Einflüsse aufgenommen, vom kreolischen Zydeco, vom Blues, vom Jazz, vom Dixieland, von der Country & Western Music, von den Volksmusiken irischer, schottischer, deutscher und anderer Zuwanderer, und das hört man auch bei Le Clou heraus. Wenn Johannes seine 1937er Metallgitarre bedient wird es bisweilen westernartig, wenn Yves seine Flöten spielt wird es französisch, bretonisch, beim Saxophon jazzig, bei der Klarinette dixieländlich. Johannes erzählte zwischendurch wieder lustige Geschichten zum Beispiel von vom Moonshine Whiskey aufgedunsenen Polizisten, Michel machte Grimassen, die bestens in ein Asterixheft passen würden, Yves schaute wie ein Walross über seinen Schurbart, als könne ihn nichts erschüttern, dann spielt er auch mal zwei Blockflöten gleichzeitig oder eine nepalesische Bambusflöte mit mehr Löchern als ein Mensch Finger hat. Mein Liebelingsstück spielten sie erst bei der Zugabe: „La robe à Tante Dolly“, ein Two Step der klassischen Art. Man mag es kaum glauben, dass ein Land, das eigentlich hauptsächlich aus träge dahin fließenden Flussarmen besteht, eine solche Musik hervor gebracht hat. Vielleicht ist das aber auch gar kein Gegensatz, denn Flüsse steigen manchmal über die Ufer wie Johannes auf die Tische, die wirken friedlich, aber haben eine enorme Kraft, sie schleppen eine Menge Treibgut heran und wieder hinweg, sie sind immer in Bewegung, alles fließt. Am Schluss saß niemand mehr, außer Ralf am Schlagzeug. Wenn das altmodisch ist, bin ich gerne altmodisch.
Von meinen Bekannten aus der Bonner Folk-Szene sah ich niemanden im Publikum, aber es wird am 31.3.2006 in der Harmonie wieder die Gelegenheit geben, und im Laufe des Jahres beim Beuler Rheinuferfest und im Sommer im Biergarten des Parkrestaurants Rheinaue, wo auch besagtes Foto entstand. Johannes spielt eigentlich lieber auswärts, wo ihn niemand kennt, als müsste er sich schämen dafür, dass er so gerne auf die Tische steigt. Ob für ihn in der Harmonie extra Tische aufgestellt werden? Warten wir es ab! Zwischenzeit könnt Ihr den im März neuen Folker! kaufen und dort nachlesen, was Ihr schon immer über Le Clou wissen wolltet und Euch nie getraut habt zu fragen: Wie die Band enstanden ist, wie sie zu ihrem Namen kam, wer daran Schuld ist, dass sie überhaupt Cajun spielen, denn das war nicht immer so, was die magische Drei bedeutet, warum sie nicht so gerne in Frankreich spielen, was die Cajuns in Louisiana von Le Clou und was die drei Frontmänner von ihrem Publikum halten.
http://www.leclou.com
http://www.bungertshof.de
http://www.folker.de
MAS
Le Clou wird in diesem Jahr 30. Deshalb habe ich Michel David, Yves Gueit und Johannes Epremian im letzten Herbst interviewt und aus dem Interview und einigen sonstigen Infos einen Artikel gemacht, der im Folker! 02.06 erscheinen wird. Aber obwohl ich in den letzten cirka zehn Jahren schon einige ihrer Konzerte gehört habe, habe ich noch nie eine Konzertrezension darüber geschrieben, so dass ich das nun hier endlich mal tue:
Johannes Epremian (Geige, Gitarren, E-Gitarre, Gesang), Michel David (Gesang, Gitarre, Waschbrett) und Yves Gueit (diatonische Akkordeons, diverse Flöten, dabei auch eine Okkarina, Oboe, Saxophon, Klarinette) standen aus Zuschauerperspektive von links nach rechts auf der Bühne im restlos gefüllten Bungersthof, hinter ihnen auch von links nach rechts Gero Gelert (E-Bass) und Ralf Schläger (Schlagzeug, was zum Namen passt), wobei letzterer natürlich saß. In der Anordnung stehen und sitzen sie anscheinend immer, was in die quirlige Musik einen Hauch von Ordnung bringt. Fans wissen, was sie erwartet, ihre Musik weist durch die Jahre eine hohe Kontinuität auf, auch neue Stücke passen sich ein in ihren Stil, und neue Stücke gibt es immer wieder, Eigenkompositionen überwiegen gegenüber Traditionals. Doch was ist das für eine Musik, mit der sie seit drei Jahrzehnten erfolgreich in Deutschland touren und von der sie auch leben können? „Cajun Swamp Groove“ nennen sie sie, oder „altmodische Tanzmusik aus dem Mississippi-Delta“.
Na, was heißt schon altmodisch? Johannes legte sofort mit seiner Geige los, schnell, rhythmisch, mehr deftig als verziert, aber äußerst mitreißend. Michel sang ein Lied nach dem anderen, auf Französisch, seiner Muttersprache, die ich leider nur ganz wenig verstehe, und sein Gesang bot einen scharfen Kontrast zur Rhythmik der Instrumente, auch seiner Gitarre oder seines Waschbretts, denn er bestand hauptsächlich auch sehr lang gezogenen Vokalen, na nicht nur, es gab auch schnelle Sätze, aber immer wieder diese lange Os und As und Es. Dann das Akkordeon von Yves, ähnlich dem Gesang, mal schnell, mal lang gezogen. Und so wogte es zwei Stunden lang durch den Raum, immer mitgetragen von E-Bass und Schlagzeug, meistens im 2/4-Takt des Two Step, aber auch mal im 3/4 oder 4/4. Allmählich gingen auch die Gespräche derjenigen Gäste, die Musik mehr zur Begeleitung ihrer Unterhaltung mögen, in Rhythmus über. Das war wirklich interessant, wie die Musik nach und nach die Aufmerksamkeit auch der Leute an den hintersten Tischen, wo auch wir saßen, eroberte. Es gibt Musik, da schwindet die Aufmerksamkeit, und es gibt Musik, da steigt die Aufmerksamkeit, und dazu gehört die von Le Clou. Da lag nicht nur daran, dass die Lautsprecher im hinteren Saalabschnitt nicht von anfang an optimal eingestellt waren, auch nicht nur daran, dass Johannes mit seiner Geige auf die Tische stieg und so auch nach hinten kam, obwohl das schon Eindruck machte. Das macht er übrigens gerne, und bei einer solchen Gelegenheit entstand auch das auf unserer Startseite unseres Internetportals für Folk- und Weltmusik in Bonn und Umgebung zu sehende Foto, ja jetzt habe ich es offiziell verraten: es ist Johannes Epremian, der Teufelsgeiger von Le Clou, der dienstältesten Bonner Folkband.
Der Two Step ist der Reel der Cajuns, eine Verballhorunung von „Arcadiens“, der französischsprachigen Einwanderer in Louisiana, die von den Engländern aus Arcadien in Ostkanada vertrieben worden waren, doch Cajun-Musik hat noch mehr Einflüsse aufgenommen, vom kreolischen Zydeco, vom Blues, vom Jazz, vom Dixieland, von der Country & Western Music, von den Volksmusiken irischer, schottischer, deutscher und anderer Zuwanderer, und das hört man auch bei Le Clou heraus. Wenn Johannes seine 1937er Metallgitarre bedient wird es bisweilen westernartig, wenn Yves seine Flöten spielt wird es französisch, bretonisch, beim Saxophon jazzig, bei der Klarinette dixieländlich. Johannes erzählte zwischendurch wieder lustige Geschichten zum Beispiel von vom Moonshine Whiskey aufgedunsenen Polizisten, Michel machte Grimassen, die bestens in ein Asterixheft passen würden, Yves schaute wie ein Walross über seinen Schurbart, als könne ihn nichts erschüttern, dann spielt er auch mal zwei Blockflöten gleichzeitig oder eine nepalesische Bambusflöte mit mehr Löchern als ein Mensch Finger hat. Mein Liebelingsstück spielten sie erst bei der Zugabe: „La robe à Tante Dolly“, ein Two Step der klassischen Art. Man mag es kaum glauben, dass ein Land, das eigentlich hauptsächlich aus träge dahin fließenden Flussarmen besteht, eine solche Musik hervor gebracht hat. Vielleicht ist das aber auch gar kein Gegensatz, denn Flüsse steigen manchmal über die Ufer wie Johannes auf die Tische, die wirken friedlich, aber haben eine enorme Kraft, sie schleppen eine Menge Treibgut heran und wieder hinweg, sie sind immer in Bewegung, alles fließt. Am Schluss saß niemand mehr, außer Ralf am Schlagzeug. Wenn das altmodisch ist, bin ich gerne altmodisch.
Von meinen Bekannten aus der Bonner Folk-Szene sah ich niemanden im Publikum, aber es wird am 31.3.2006 in der Harmonie wieder die Gelegenheit geben, und im Laufe des Jahres beim Beuler Rheinuferfest und im Sommer im Biergarten des Parkrestaurants Rheinaue, wo auch besagtes Foto entstand. Johannes spielt eigentlich lieber auswärts, wo ihn niemand kennt, als müsste er sich schämen dafür, dass er so gerne auf die Tische steigt. Ob für ihn in der Harmonie extra Tische aufgestellt werden? Warten wir es ab! Zwischenzeit könnt Ihr den im März neuen Folker! kaufen und dort nachlesen, was Ihr schon immer über Le Clou wissen wolltet und Euch nie getraut habt zu fragen: Wie die Band enstanden ist, wie sie zu ihrem Namen kam, wer daran Schuld ist, dass sie überhaupt Cajun spielen, denn das war nicht immer so, was die magische Drei bedeutet, warum sie nicht so gerne in Frankreich spielen, was die Cajuns in Louisiana von Le Clou und was die drei Frontmänner von ihrem Publikum halten.
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MAS
Wednesday, February 01, 2006
Konzertrezension: Battlefield Band am 1.2.2006 in der Brotfabrik in Bonn-Beuel
Battlefield Band am 1.2.2006 in der Brotfabrik in Bonn-Beuel
DI dada dideldideldidada DI dada dideldideldidada dadeldideldideldadel DI dada … Ja, ich gebe es zu, so sollte man keine Rezension beginnen, aber ich fand den Opener des Battlefield Band – Konzertes mal wieder so phantastisch, dass er mich nun als Ohrwurm begleitet. Mal wieder? Ja, 1991, also vor 15 Jahren hörte ich die BB zum ersten Mal, damals im Café Hahn in Koblenz, und Iain MacDonald begann damals mit DI dada dada dadadaDAAA di dadada DIII dada dadaDAAA ... auf der Querflöte, ein Stück namens „Farewell my love“, zu högen auf der LP/CD „New Spring“. Diesmal war es Mike Katz, der das mir namentlich nicht bekannte Stück auf der Low Whistle begann, von Anfang an druckvoll begleitet von Sean O’Donnal auf der DADGAD-Gitarre, und dann die Whistle gegen seine Highland Pipe tauschte, besagte Melodie auf selbiger fortsetzte und dann in einen Reel überging. Das fuhr tief in die Nervenbahnen und brachte sie in Wallung!
So ging es weiter, der Spannung wurde keine Chance zum Nachlassen gegeben, auch wenn die Lieder, die mal Sean, mal Alan Reid sang, etwas ruhiger waren. Sie handelten hauptsächlich von Emigration aus Schottland oder auch aus Irland nach Amerika, Australien oder sonst wo hin, unfreiwillig versteht sich, den Wunsch zur Rückkehr immer im Gepäck. Heute geht es Schotten und Iren ja besser, aber weltweit ist das Thema aktuell wie eh und je oder eher noch aktueller als eh und je, worauf Alan hinwies. Sie ist also politisch, die Schlachtfeldbande aus Schottland, daraus machen die Musiker keinen Hehl, verpacken aber ihr politisches Engangement in super gute Musik. Alan begleitete die Songs und Tunes meistens auf dem Keyboard, nur einmal auf einem Akkordeon. Er sang die schottischen, Sean, der aus Nord-Irland stammt, die irischen Lieder, darunter auch „By the hush“, das auch den Namen „The emigrant“ trage, also nun der dritte Name des selben Stücks, das auch als „Paddy’s lamentation“ bekannt ist. Anfangs hatte Sean etwas Probleme mit seiner Stimme, da er „einen Kuli verschluckt“ hatte, aber am Schluss sang er einen Popsong mit Höhen, die männlichen Stimmbändern eigentlich sehr unangenehm sein dürften.
Die Schlachtfeldbande besteht aber aus vier Männern, und Alasdair White von der Isle of Lewis (dem Jubel zufolge war das halbe Publikum schon mal auf dieser letzten schottischen Insel vor Neufundland) bediente zwei Geigen und eine sehr dicke Bouzouki und eimal auch eine Higland Pipe. Wenn er seine Fiddle unisono parallel zu Mikes Highland Pipe spielte, hörte man sie kaum, wenn er aber eine zweite Stimme spielte oder Variationen des Themas oder eben solo, dass fand ich sein Spiel das Faszinierenste des Abends, egal ob bei langsamen oder rasend schnellen Stücken, der Bogen tanzte über die Saiten und verlor dabei so manches Haar. Dabei sind die schottischen Tunes ja meistens etwas härter und kräftiger als die irischen, und wenn er die Taktbetonung im vergleich zur Pipe etwas versetzte, dahinter die Gitarre und das Keyboard, und das zum Beispiel in einem Set, der mit langsamen, dann schneller werdenden Strathpeys begann und in Reels überging, dann vibrierten nicht nur die Gehörknöchelchen, sondern das ganze Publikum. Einige wagten es dann auch zu tanzen, denn es war etwas Platz zwischen der vordersten Stuhlreihe es fast restos besetzten Konzertsaales und der Bühne.
Mike Kamps Artikel über die BB im aktuellen Folker! 01-06 zufolge, war die Battlefield Band die erste, die die Highand Pipe in den 1970ern aus den militärischen Pipes&Drums-Formationen heraus nahm und in die Folkmusik integrierte. Dass dies nicht die ursprüngliche Bestimmung dieses Instruments war, hörte man LAUT UND DEUTLICH. Eines Mikrophons hätte die Pipe nun wirklich nicht mehr bedurft. Und trotzdem passte es, und Mike Katz zeigte, dass man darauf genau so schnell spielen kann, wie man es sonst eher von Uilleann Pipern gewohnt ist.
30 Jahre hat die BB nun schon auf dem Buckel, aber nur Alan ist als Gründungsmitglied noch dabei, so dass ich ihn auch 1991 in Koblenz und 1992 in Sulz am Neckar hörte. Mike Katz hörte ich auch 2000 beim Scottish Folk Festival im Brückenforum, Sean und Alasdair waren mir neu. Und diese Spannung von langer Bandgeschichte und ständiger Erneuerung durch Fluktuation scheint dieser Band nicht schlecht zu bekommen. Auch die Neuen passen sich in den Bandsound hinein, es hört sich auch durch die Jahrzehnte kontinuierlich an, und wirkt doch wie eine junge Band. Ich hatte es ja in Erinnerung, 1991 den Brian MacNeill noch dabei gehört zu haben, aber er verließ die BB schon 1990 wie Mike Kamp es schrieb und Alan Reid es bestätigte. Alan half meinem Gedächtnis nach und da kam es mir, dass ich Brian auch um 1991 herum ebenfalls im Café Hahn zusammen mit Tom McDonagh gehört und die beiden Konzerte in der Erinnerung zusammen geschmissen hatte. Dies war nun auch mein erstes BB-Konzert ohne John McCusker, der fast bei jedem Stück ein anderes Instrument gespielt hatte. Aber wie gesagt, die Fluktuation schadet der Band nicht, sondern es gilt nach wie vor „Forward with Scotland’s Past“.
Eine Rezension der neuen CD „The Road of Tears“ folgt demnächst.
Vielleicht noch das: Brotfabrik-Programmchef Jürgen Becker sagte mir, dass Bonn wohl eine Ausnahmestadt sei, was Folkkonzerte anbelangt. Statt der gewohnten etwa 40 Termine, hatte die Battlefield Band in diesem Jahr nur etwa 20, und hatte z.B. in Köln keinen Auftrittsort gefunden. Aber die Konzerte in der Brotfabrik seien generell gut besucht. Das liegt sicher nicht nur an dem leckeren Baltikabier, das man sich in der Pause an der Theke holen kann, und die gute Akustik und auch, dass man dank der Stufung niemanden so richtig vor der Nase sitzten hat, erklärt es auch nicht alleine. Irgendwie scheinen wir Bonner und Rhein-Sieg-Kreisler ein besonders folkiges Völkchen zu sein. Und das soll auch so bleiben!
http://www.folker.de/200601/02battlefieldband.htm
http://www.battlefieldband.co.uk/
http://www.templerecords.co.uk/
http://www.magnetic-music.de
http://www.brotfabrik-bonn.de/
MAS
DI dada dideldideldidada DI dada dideldideldidada dadeldideldideldadel DI dada … Ja, ich gebe es zu, so sollte man keine Rezension beginnen, aber ich fand den Opener des Battlefield Band – Konzertes mal wieder so phantastisch, dass er mich nun als Ohrwurm begleitet. Mal wieder? Ja, 1991, also vor 15 Jahren hörte ich die BB zum ersten Mal, damals im Café Hahn in Koblenz, und Iain MacDonald begann damals mit DI dada dada dadadaDAAA di dadada DIII dada dadaDAAA ... auf der Querflöte, ein Stück namens „Farewell my love“, zu högen auf der LP/CD „New Spring“. Diesmal war es Mike Katz, der das mir namentlich nicht bekannte Stück auf der Low Whistle begann, von Anfang an druckvoll begleitet von Sean O’Donnal auf der DADGAD-Gitarre, und dann die Whistle gegen seine Highland Pipe tauschte, besagte Melodie auf selbiger fortsetzte und dann in einen Reel überging. Das fuhr tief in die Nervenbahnen und brachte sie in Wallung!
So ging es weiter, der Spannung wurde keine Chance zum Nachlassen gegeben, auch wenn die Lieder, die mal Sean, mal Alan Reid sang, etwas ruhiger waren. Sie handelten hauptsächlich von Emigration aus Schottland oder auch aus Irland nach Amerika, Australien oder sonst wo hin, unfreiwillig versteht sich, den Wunsch zur Rückkehr immer im Gepäck. Heute geht es Schotten und Iren ja besser, aber weltweit ist das Thema aktuell wie eh und je oder eher noch aktueller als eh und je, worauf Alan hinwies. Sie ist also politisch, die Schlachtfeldbande aus Schottland, daraus machen die Musiker keinen Hehl, verpacken aber ihr politisches Engangement in super gute Musik. Alan begleitete die Songs und Tunes meistens auf dem Keyboard, nur einmal auf einem Akkordeon. Er sang die schottischen, Sean, der aus Nord-Irland stammt, die irischen Lieder, darunter auch „By the hush“, das auch den Namen „The emigrant“ trage, also nun der dritte Name des selben Stücks, das auch als „Paddy’s lamentation“ bekannt ist. Anfangs hatte Sean etwas Probleme mit seiner Stimme, da er „einen Kuli verschluckt“ hatte, aber am Schluss sang er einen Popsong mit Höhen, die männlichen Stimmbändern eigentlich sehr unangenehm sein dürften.
Die Schlachtfeldbande besteht aber aus vier Männern, und Alasdair White von der Isle of Lewis (dem Jubel zufolge war das halbe Publikum schon mal auf dieser letzten schottischen Insel vor Neufundland) bediente zwei Geigen und eine sehr dicke Bouzouki und eimal auch eine Higland Pipe. Wenn er seine Fiddle unisono parallel zu Mikes Highland Pipe spielte, hörte man sie kaum, wenn er aber eine zweite Stimme spielte oder Variationen des Themas oder eben solo, dass fand ich sein Spiel das Faszinierenste des Abends, egal ob bei langsamen oder rasend schnellen Stücken, der Bogen tanzte über die Saiten und verlor dabei so manches Haar. Dabei sind die schottischen Tunes ja meistens etwas härter und kräftiger als die irischen, und wenn er die Taktbetonung im vergleich zur Pipe etwas versetzte, dahinter die Gitarre und das Keyboard, und das zum Beispiel in einem Set, der mit langsamen, dann schneller werdenden Strathpeys begann und in Reels überging, dann vibrierten nicht nur die Gehörknöchelchen, sondern das ganze Publikum. Einige wagten es dann auch zu tanzen, denn es war etwas Platz zwischen der vordersten Stuhlreihe es fast restos besetzten Konzertsaales und der Bühne.
Mike Kamps Artikel über die BB im aktuellen Folker! 01-06 zufolge, war die Battlefield Band die erste, die die Highand Pipe in den 1970ern aus den militärischen Pipes&Drums-Formationen heraus nahm und in die Folkmusik integrierte. Dass dies nicht die ursprüngliche Bestimmung dieses Instruments war, hörte man LAUT UND DEUTLICH. Eines Mikrophons hätte die Pipe nun wirklich nicht mehr bedurft. Und trotzdem passte es, und Mike Katz zeigte, dass man darauf genau so schnell spielen kann, wie man es sonst eher von Uilleann Pipern gewohnt ist.
30 Jahre hat die BB nun schon auf dem Buckel, aber nur Alan ist als Gründungsmitglied noch dabei, so dass ich ihn auch 1991 in Koblenz und 1992 in Sulz am Neckar hörte. Mike Katz hörte ich auch 2000 beim Scottish Folk Festival im Brückenforum, Sean und Alasdair waren mir neu. Und diese Spannung von langer Bandgeschichte und ständiger Erneuerung durch Fluktuation scheint dieser Band nicht schlecht zu bekommen. Auch die Neuen passen sich in den Bandsound hinein, es hört sich auch durch die Jahrzehnte kontinuierlich an, und wirkt doch wie eine junge Band. Ich hatte es ja in Erinnerung, 1991 den Brian MacNeill noch dabei gehört zu haben, aber er verließ die BB schon 1990 wie Mike Kamp es schrieb und Alan Reid es bestätigte. Alan half meinem Gedächtnis nach und da kam es mir, dass ich Brian auch um 1991 herum ebenfalls im Café Hahn zusammen mit Tom McDonagh gehört und die beiden Konzerte in der Erinnerung zusammen geschmissen hatte. Dies war nun auch mein erstes BB-Konzert ohne John McCusker, der fast bei jedem Stück ein anderes Instrument gespielt hatte. Aber wie gesagt, die Fluktuation schadet der Band nicht, sondern es gilt nach wie vor „Forward with Scotland’s Past“.
Eine Rezension der neuen CD „The Road of Tears“ folgt demnächst.
Vielleicht noch das: Brotfabrik-Programmchef Jürgen Becker sagte mir, dass Bonn wohl eine Ausnahmestadt sei, was Folkkonzerte anbelangt. Statt der gewohnten etwa 40 Termine, hatte die Battlefield Band in diesem Jahr nur etwa 20, und hatte z.B. in Köln keinen Auftrittsort gefunden. Aber die Konzerte in der Brotfabrik seien generell gut besucht. Das liegt sicher nicht nur an dem leckeren Baltikabier, das man sich in der Pause an der Theke holen kann, und die gute Akustik und auch, dass man dank der Stufung niemanden so richtig vor der Nase sitzten hat, erklärt es auch nicht alleine. Irgendwie scheinen wir Bonner und Rhein-Sieg-Kreisler ein besonders folkiges Völkchen zu sein. Und das soll auch so bleiben!
http://www.folker.de/200601/02battlefieldband.htm
http://www.battlefieldband.co.uk/
http://www.templerecords.co.uk/
http://www.magnetic-music.de
http://www.brotfabrik-bonn.de/
MAS
Saturday, January 28, 2006
Konzertrezension: Lokal Heroes am 28.1.2006 in der Harmonie in Bonn-Endenich
Lokal Heroes am 28.1.2006 in der Harmonie in Bonn-Endenich
Wie schon in der Rezension der neuen CD „Smash the Windows!“ angekündigt, fand am 28. Januar die CD-Releas-Party in der Harmonie statt. Und anders als in besagter Rezension behauptet, sind die Lokal Heroes keineswegs alle, auch nicht fast alle, Hobbymusiker, sondern das trifft nur auf zwei der Stamm- und einen Gastmusiker zu, nämlich auf Christoph Spix (immerhin der Frontsänger), Ralf Wolfgarten und Matthias Höhn. Alle anderen vier Stamm- und auch die zwei zusätzlichen Gastmusiker, die an diesem Abend auf der Bühne waren, verdienen also ihre Brötchen mit Musik, wenn auch nicht hauptsächlich bei den Lokal Heroes. Diese Unterscheidung ist nicht allen Bandmitgliedern gleich wichtig, aber ich möchte es korrekterweise doch nicht auf meiner Fehrleinschätzung beruhen lassen, und fordere alle Musiker auf, meine Rezensionen ihrer CDs und Konzerte kritisch zu lesen und mir Sachfehler mitzuteilen.
Die Plakate der Lokal Heroes, mit denen sie für das Konzert warben, enthielten noch die Stilbezeichnung „Irish Folk Rock“, doch hat die Änderung ihres Repertoires und ihrer Spielweise, auf das ich schon in früheren Rezensionen aufmersksam gemacht habe, nun auch ihren Niederschlag auf der Homepage gefunden: „Scandic-Celtic-Funky-Folk“. So wundert es nicht, dass das erste Stück des Abends „Music for a found Harmonium“ und auch das letzte vor der Zugabe „Üxi Kaksi“ dem skandinavisch inspirierten Repertoire entstammten. Und doch bilden die von Christoph rau und markant gesungenen irischen Songs in Pogues- und Dubliners-Manier die Basis, auf der alles andere aufbaut. Mike Haarman unterlegte die meisten Stücke mit seinem Schlagzeug unüberhörbar, Christoph spielte sein gefundenes Akkordeon, Kristap Grasis diverse Zupfinstrumente von Madoline und Ukulele bis E-Gitarre, Wendel Biskup seinen E-Bass, Liene Séjáne ihre Querflöte, als Gastmusiker waren Matthias Höhn mit diversen Flöten, Dudelsack und Akkordeon, Leons Séjáns mit Gitarre und Inga Meijere mit einem Saxophon dabei, aber – aufmerksame Leser werden es schon gemerkt haben – Hobby- und Stammmusiker Ralf Wolfgarten fehlte leider krankheitsbedingt. Das machte sich besonders bei dem „Flook Salad“ bemerkbar, als Liene alleine flötete und ihr der Flötenpartner fehlte. Sie bekam das schon hin, und die anderen waren ja nicht untätig, aber Flook nur mit Querflöte und ohne Tin Whistle ist eben nicht ganz vollständig. Nichtsdestotrotz groovte es ganz gewaltig, funkig, soulig, jazzig, vor allem wegen der rhythmischen Spielweise Lienes, Kristaps und Wendels. Kristaps meinte später, man dürfe natürlich nicht zu viel auf einmal ändern, sonst hänge man die Fans ab, und Ralf meinte noch später am Telefon, Christophs irsche und schottische Lieder bildeten das Rückrat, und er werde auch weiterhin englisch singen und sich nicht mit skandinavischen Sprachen versuchen, denn das sei schon mal in die Hose gegangen, und auch inselkeltische Tunes, also Reel, Jigs, Polkas usw. werden ebenso noch ausgebaut wie Stücke von rund um die Ostsee, aus der Bretagne und aus Galizien. Ich kann nur wiederholen, was ich bei der CD-Rezi geschrieben habe: Unsere Bonner Lokahelden haben sich in den letzten Jahren nach und nach mit Geduld, Hartnäckigkeit, Disziplin und vor allem unbändiger Spielfreude einen eigenen, unverwechselbaren Bandsound erarbeitet. Den Abschluss der Zugabe bildete wie eh und je – was sonst? - „Molly Malone“.
Der Saal der Harmonie war gut gefüllt. Leider gab es zu wenige Abstellmögliochkeiten für Gläser, und einmal kurz verlassene Stehplätze an den in die Wände eingebauten Glasabstellbänken wurden, eh man sich versah, von anderen Gästen eingenommen, und man konnte mit dem Glas in der Hand nicht mehr klatschen. Man tinkt dann schneller leer, aber ein neues Guinness zu holen müsste sich man durch die wippende, hüpfende und völlige begeisterte Menge zur Seitentheke kämpfen, da es an der Haupttheke keines gab. Nun, so trank man dann doch wieder weniger.
Am St. Patricks Day, also am 17.3.2006 werden sie im Bungertshof spielen, hoffentlich wieder mit Ralf dabei! Da dort weniger Leute rein passen als in die Harmonie, sollte man rechtzeitig reservieren.
http://www.lokalheroes.de/
http://www.harmonie-bonn.de
Frühere Lokal Heroes Rezensionen von mir:
http://folktreff-bonn-rhein-sieg-rezensionen.blogspot.com/2000_12_01_folktreff-bonn-rhein-sieg-rezensionen_archive.html
http://folktreff-bonn-rhein-sieg-rezensionen.blogspot.com/2004_02_01_folktreff-bonn-rhein-sieg-rezensionen_archive.html
http://folktreff-bonn-rhein-sieg-rezensionen.blogspot.com/2005_01_01_folktreff-bonn-rhein-sieg-rezensionen_archive.html
http://folktreff-bonn-rhein-sieg-rezensionen.blogspot.com/2006_01_01_folktreff-bonn-rhein-sieg-rezensionen_archive.html
MAS
Wie schon in der Rezension der neuen CD „Smash the Windows!“ angekündigt, fand am 28. Januar die CD-Releas-Party in der Harmonie statt. Und anders als in besagter Rezension behauptet, sind die Lokal Heroes keineswegs alle, auch nicht fast alle, Hobbymusiker, sondern das trifft nur auf zwei der Stamm- und einen Gastmusiker zu, nämlich auf Christoph Spix (immerhin der Frontsänger), Ralf Wolfgarten und Matthias Höhn. Alle anderen vier Stamm- und auch die zwei zusätzlichen Gastmusiker, die an diesem Abend auf der Bühne waren, verdienen also ihre Brötchen mit Musik, wenn auch nicht hauptsächlich bei den Lokal Heroes. Diese Unterscheidung ist nicht allen Bandmitgliedern gleich wichtig, aber ich möchte es korrekterweise doch nicht auf meiner Fehrleinschätzung beruhen lassen, und fordere alle Musiker auf, meine Rezensionen ihrer CDs und Konzerte kritisch zu lesen und mir Sachfehler mitzuteilen.
Die Plakate der Lokal Heroes, mit denen sie für das Konzert warben, enthielten noch die Stilbezeichnung „Irish Folk Rock“, doch hat die Änderung ihres Repertoires und ihrer Spielweise, auf das ich schon in früheren Rezensionen aufmersksam gemacht habe, nun auch ihren Niederschlag auf der Homepage gefunden: „Scandic-Celtic-Funky-Folk“. So wundert es nicht, dass das erste Stück des Abends „Music for a found Harmonium“ und auch das letzte vor der Zugabe „Üxi Kaksi“ dem skandinavisch inspirierten Repertoire entstammten. Und doch bilden die von Christoph rau und markant gesungenen irischen Songs in Pogues- und Dubliners-Manier die Basis, auf der alles andere aufbaut. Mike Haarman unterlegte die meisten Stücke mit seinem Schlagzeug unüberhörbar, Christoph spielte sein gefundenes Akkordeon, Kristap Grasis diverse Zupfinstrumente von Madoline und Ukulele bis E-Gitarre, Wendel Biskup seinen E-Bass, Liene Séjáne ihre Querflöte, als Gastmusiker waren Matthias Höhn mit diversen Flöten, Dudelsack und Akkordeon, Leons Séjáns mit Gitarre und Inga Meijere mit einem Saxophon dabei, aber – aufmerksame Leser werden es schon gemerkt haben – Hobby- und Stammmusiker Ralf Wolfgarten fehlte leider krankheitsbedingt. Das machte sich besonders bei dem „Flook Salad“ bemerkbar, als Liene alleine flötete und ihr der Flötenpartner fehlte. Sie bekam das schon hin, und die anderen waren ja nicht untätig, aber Flook nur mit Querflöte und ohne Tin Whistle ist eben nicht ganz vollständig. Nichtsdestotrotz groovte es ganz gewaltig, funkig, soulig, jazzig, vor allem wegen der rhythmischen Spielweise Lienes, Kristaps und Wendels. Kristaps meinte später, man dürfe natürlich nicht zu viel auf einmal ändern, sonst hänge man die Fans ab, und Ralf meinte noch später am Telefon, Christophs irsche und schottische Lieder bildeten das Rückrat, und er werde auch weiterhin englisch singen und sich nicht mit skandinavischen Sprachen versuchen, denn das sei schon mal in die Hose gegangen, und auch inselkeltische Tunes, also Reel, Jigs, Polkas usw. werden ebenso noch ausgebaut wie Stücke von rund um die Ostsee, aus der Bretagne und aus Galizien. Ich kann nur wiederholen, was ich bei der CD-Rezi geschrieben habe: Unsere Bonner Lokahelden haben sich in den letzten Jahren nach und nach mit Geduld, Hartnäckigkeit, Disziplin und vor allem unbändiger Spielfreude einen eigenen, unverwechselbaren Bandsound erarbeitet. Den Abschluss der Zugabe bildete wie eh und je – was sonst? - „Molly Malone“.
Der Saal der Harmonie war gut gefüllt. Leider gab es zu wenige Abstellmögliochkeiten für Gläser, und einmal kurz verlassene Stehplätze an den in die Wände eingebauten Glasabstellbänken wurden, eh man sich versah, von anderen Gästen eingenommen, und man konnte mit dem Glas in der Hand nicht mehr klatschen. Man tinkt dann schneller leer, aber ein neues Guinness zu holen müsste sich man durch die wippende, hüpfende und völlige begeisterte Menge zur Seitentheke kämpfen, da es an der Haupttheke keines gab. Nun, so trank man dann doch wieder weniger.
Am St. Patricks Day, also am 17.3.2006 werden sie im Bungertshof spielen, hoffentlich wieder mit Ralf dabei! Da dort weniger Leute rein passen als in die Harmonie, sollte man rechtzeitig reservieren.
http://www.lokalheroes.de/
http://www.harmonie-bonn.de
Frühere Lokal Heroes Rezensionen von mir:
http://folktreff-bonn-rhein-sieg-rezensionen.blogspot.com/2000_12_01_folktreff-bonn-rhein-sieg-rezensionen_archive.html
http://folktreff-bonn-rhein-sieg-rezensionen.blogspot.com/2004_02_01_folktreff-bonn-rhein-sieg-rezensionen_archive.html
http://folktreff-bonn-rhein-sieg-rezensionen.blogspot.com/2005_01_01_folktreff-bonn-rhein-sieg-rezensionen_archive.html
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MAS
Thursday, January 26, 2006
CD-Rezension: Lokal Heroes. Smash the Windows.
Lokal Heroes. Smash the Windows.
Eigenverlag 2005 mit englischen Infos und Texten, sowie Fotos
12 Tracks, 49,42 Minuten
Der Reihenfolge des Eingangs nach, müssten zwei andere CDs noch vorher besprochen werden, aber da ja am Samstag der offizielle CD-Release in der Harmonie sein wird und Ralf Wolfgarten (Tin & Low Whistle, Vocals) kürzlich die CD-Werbung rund schickte, will ich diese Scheibe vorziehen.
Unsere Bonner Lokalhelden haben diesen Silberling in Lettland eingespielt, denn wie bestimmt einige wissen, stammen Kristaps Grasis (Vocals, E & A-Guitars, Mandolin, Ukulele und Saz) und Liene Sêjâne (Flute, Piccolo Flute, Overtone Flute und Vocals) aus eben diesem baltischen Land und haben dort Verbindungen. Wer die Lokal Heroes kennt und ihre Entwicklung in den letzten Jahren verfolgt hat, wird nicht sehr überrascht sein, den harten und rauhen Folk-Rock-Gesang Christophs Spix (Leas Vocals, Akkordeon), das eine oder andere skandinavische Stück umrahmt von vielen irischen und schottischen, sowie eine sich immer weiter in den Vordergund schiebende funkige Spielweise vorzufinden. Da wird „The Rocky Road to Dublin“ zum Sprechgesang, da werden die Songmelodien von Tanztunes unterbrochen und ergänzt, da haut Mike Haarmann mal kräftiger, mal weicher auf seine Drums und Perrcussions. Überrascht, na zumindest etwas, war ich aber, im Inhaltsverzeichnis ein Stück namens „Flook Salad“ zu entdecken. Das spielte ich auch gleich als erstes an, und tatsächlich, es ist ein Set aus drei Tunes der berühmten Formation Flook, natürlich, und das zu lesen wird niemandem weh tun, nicht ganz so flookig wie Flook selbst, aber durchaus hörenswert. Nun, Ralf war ja auch in der Brotfabrik als Flook dort spielte, und der Besuch hat sich gelohnt. Man merkt es also, die Lokal Heroes entfernen sich immer mehr vom Klischee der „Pogues von überall“ und entwickeln mehr und mehr einen eigenen und unverwechselbaren Bandsound, und das obwohl sie fast alle Hobbymusiker sind. Gratulation!
Noch nicht erwähnt aber mit von der Party sind auf dieser Scheibe Wendel Biskup (Bass), der zur Stammbesetzung gehört, und als lettische Gastmusiker Reinis Sêjâns (Tablas & Frogs), Juris Kulakovs (melodica, Accordeon), Leon Sêjâns (Acousic Guitar) und als ehemals Stamm-, aber schon seit Jahren gern gehörter deutscher Gastmusiker Matthias Höhn (Gadulka, Bagbipes, Recorder, Kaval). Ja, ich habe die englischen Instrumentbezeichnungen von dem durch und durch englischsprachigen mit meisterhaften Fotos versehenen Booklet übernommen.
Klar, diese Rezension hört sich an wie eine Werbung für Freunde. Aber ich meine es ehrlich!
Für Veranstalter gibt es übrigens auch eine Demo-DVD mit fünf Stücken darauf.
http://www.lokalheroes.de
MAS
Eigenverlag 2005 mit englischen Infos und Texten, sowie Fotos
12 Tracks, 49,42 Minuten
Der Reihenfolge des Eingangs nach, müssten zwei andere CDs noch vorher besprochen werden, aber da ja am Samstag der offizielle CD-Release in der Harmonie sein wird und Ralf Wolfgarten (Tin & Low Whistle, Vocals) kürzlich die CD-Werbung rund schickte, will ich diese Scheibe vorziehen.
Unsere Bonner Lokalhelden haben diesen Silberling in Lettland eingespielt, denn wie bestimmt einige wissen, stammen Kristaps Grasis (Vocals, E & A-Guitars, Mandolin, Ukulele und Saz) und Liene Sêjâne (Flute, Piccolo Flute, Overtone Flute und Vocals) aus eben diesem baltischen Land und haben dort Verbindungen. Wer die Lokal Heroes kennt und ihre Entwicklung in den letzten Jahren verfolgt hat, wird nicht sehr überrascht sein, den harten und rauhen Folk-Rock-Gesang Christophs Spix (Leas Vocals, Akkordeon), das eine oder andere skandinavische Stück umrahmt von vielen irischen und schottischen, sowie eine sich immer weiter in den Vordergund schiebende funkige Spielweise vorzufinden. Da wird „The Rocky Road to Dublin“ zum Sprechgesang, da werden die Songmelodien von Tanztunes unterbrochen und ergänzt, da haut Mike Haarmann mal kräftiger, mal weicher auf seine Drums und Perrcussions. Überrascht, na zumindest etwas, war ich aber, im Inhaltsverzeichnis ein Stück namens „Flook Salad“ zu entdecken. Das spielte ich auch gleich als erstes an, und tatsächlich, es ist ein Set aus drei Tunes der berühmten Formation Flook, natürlich, und das zu lesen wird niemandem weh tun, nicht ganz so flookig wie Flook selbst, aber durchaus hörenswert. Nun, Ralf war ja auch in der Brotfabrik als Flook dort spielte, und der Besuch hat sich gelohnt. Man merkt es also, die Lokal Heroes entfernen sich immer mehr vom Klischee der „Pogues von überall“ und entwickeln mehr und mehr einen eigenen und unverwechselbaren Bandsound, und das obwohl sie fast alle Hobbymusiker sind. Gratulation!
Noch nicht erwähnt aber mit von der Party sind auf dieser Scheibe Wendel Biskup (Bass), der zur Stammbesetzung gehört, und als lettische Gastmusiker Reinis Sêjâns (Tablas & Frogs), Juris Kulakovs (melodica, Accordeon), Leon Sêjâns (Acousic Guitar) und als ehemals Stamm-, aber schon seit Jahren gern gehörter deutscher Gastmusiker Matthias Höhn (Gadulka, Bagbipes, Recorder, Kaval). Ja, ich habe die englischen Instrumentbezeichnungen von dem durch und durch englischsprachigen mit meisterhaften Fotos versehenen Booklet übernommen.
Klar, diese Rezension hört sich an wie eine Werbung für Freunde. Aber ich meine es ehrlich!
Für Veranstalter gibt es übrigens auch eine Demo-DVD mit fünf Stücken darauf.
http://www.lokalheroes.de
MAS
Saturday, January 21, 2006
Konzertrezension: „Klang der Kulturen“ auf dem Symposium des Annemarie Schimmel-Forums am 21.01.2006 im Haus der Evangelischen Kirche in Bonn
„Klang der Kulturen“ auf dem Symposium des Annemarie Schimmel-Forums am 21.01.2006 im Haus der Evangelischen Kirche in Bonn
Das soll nur eine kurze Bemerkung sein. Im Rahmen des Internationalen Symposiums „Islamisches Denken im Wandel und die Europäische Aufklärung“ des Annemarie Scuimmel-Forums gab es nicht nur Vorträge und Diskussionen, sondern auch ein kleines Konzert. Ich weiß es gerade nicht mehr ganz genau, aber ca. zehn Musiker aus dem Iran und der Türkei spielten auf Rahmentrommeln, anderen Trommeln, einem mit namentlich unbekannten Zupfinstrument, dessen Klangkörper aus zwei kürbisähnlichen Teilen bestand, einer Gitarre, einer Geige und der berühmten Flöte Ney klassische Musik aus eben diesen Ländern, mit Texten des berühmten Sufis Dschalaledin Rumi auf persisch, deutsch und auch englisch. Wenn man diese Musik hört, weiß man, wo die europäische mittelalterliche Musik ihre Inspiration her hatte. Die Gitarrenspielerin aber spielte Eigenkompistionen, die muslimische Texte mit einer klezmer- und gospelbeeinflussten Musik begleitete. Und der blinde Geiger bediente auch mal ein Klavier. Da ich diese Musik zwar mag, aber in ihr nicht so sehr zu Hause bin wie in der irischen und deutschen, lasse ich es mit diesem Textlein mal gut sein.
MAS
Das soll nur eine kurze Bemerkung sein. Im Rahmen des Internationalen Symposiums „Islamisches Denken im Wandel und die Europäische Aufklärung“ des Annemarie Scuimmel-Forums gab es nicht nur Vorträge und Diskussionen, sondern auch ein kleines Konzert. Ich weiß es gerade nicht mehr ganz genau, aber ca. zehn Musiker aus dem Iran und der Türkei spielten auf Rahmentrommeln, anderen Trommeln, einem mit namentlich unbekannten Zupfinstrument, dessen Klangkörper aus zwei kürbisähnlichen Teilen bestand, einer Gitarre, einer Geige und der berühmten Flöte Ney klassische Musik aus eben diesen Ländern, mit Texten des berühmten Sufis Dschalaledin Rumi auf persisch, deutsch und auch englisch. Wenn man diese Musik hört, weiß man, wo die europäische mittelalterliche Musik ihre Inspiration her hatte. Die Gitarrenspielerin aber spielte Eigenkompistionen, die muslimische Texte mit einer klezmer- und gospelbeeinflussten Musik begleitete. Und der blinde Geiger bediente auch mal ein Klavier. Da ich diese Musik zwar mag, aber in ihr nicht so sehr zu Hause bin wie in der irischen und deutschen, lasse ich es mit diesem Textlein mal gut sein.
MAS
Friday, January 20, 2006
Konzertrezension: Dán am 20.01.2006 im Bungertshof in Königswinter-Oberdollendorf
Dán am 20.01.2006 im Bungertshof in Königswinter-Oberdollendorf
Als ich erfuhr, dass Dán am 20. Januar im Bungertshof auftreten sollte, war ich traurig darüber, den Abend schon anders verplant zu haben. Mein Zug aus Würzburg sollte nämlich erst um 19.42 Uhr in Bonn ankommen, und da ich seit Dienstag ein Journalistenseminar besucht hatte, zu dem mich der Folker! geschickt hatte, wohl damit die Redaktion nicht mehr so viel Arbeit mit meinen Texten hat, wollte ich den Abend dann gemütlich zu Hause mit Petra verbringen, zumal ich am Samstag und Sonntag wieder auf eine Tagung wollte. Die Dozentin des besagten Seminars hätte mir diesen viel zu langen Satz vermutlich um die Ohren gehauen, aber dies ist ja auch keine Nachricht auf der Titelseite einer Tageszeitung, sondern eine Rezension in einem E-Post-Rundbrief, und da er laube ich mir einen etwas anderen Stil.
Nun habe ich aber eine sehr verständnisvolle Frau, und sie sagte, wenn mir das Konzert so wichtig sei, dann solle ich da ruhig hingehen. Und warum war es mir so wichtig? Nun, zwei der Musiker, nämlich Joergen W. Lang und Johannes Mayr, sind alte Freunde von mir. Mit ihnen und einigen anderen hatte ich 1991/92 meine ersten Session-Erlebnisse im Boulanger in Tübingen, und sehr oft sah und hörte ich die beiden seit dem nicht. Joergen war 2004 beim 3. Bonner Irish Folk Festival dabei mit seiner anderen Band Laundry List, Johannes, der ja jetzt im Westerwald wohnt, durfte ich auch ein paar mal mit Lynch the Box, Mensch Mayr oder Jostal hören, aber Dán kannte ich bisher nur aus dem Internet. So schmiss ich also meinen Koffer in die Wohung und startete durch zum Bungertshof.
Glücklicherweise hatten sie trotz meiner Verspätung gerade erst angefangen. Der Doppelsaal stand dem Konzert nur zur Hälfte zur Verfügung, da es generell recht spät angekündigt war und nicht mehr genug Leute erreicht werden konnten, mal abgesehen davon dass der Januar als der Monat der Versicherungs- und Abonnementrechnungen bei vielen eh nicht mehr viel Geld für Konzertbesuche übrig lassen dürfte. Soweit mein Präludium, aber ich will ja auch von der Musik erzählen.
Fetzige Reels waren das erste, was ich vernahm. Joergen mit seiner auf DADGAD gestimmten Gitarre (Joergen bat mich, nicht zu erwähnen, dass ... und das tue ich auch nicht), Johannes auf seinem riesigen Akkordeon (mein Platznachbar meinte: „Der Jackie Daly Deutschlands!“) und zwischen den beiden Franziska Urton, die ich noch nicht gekannt hatte, auf der Fiddle. Die Reels, Polkas und anderen schnellen Tunes steigerten sich im Laufe des Konzerts zu einer Komplexität und einem Variantenreichtum, die und der nicht nur mir bisweilen einen Schauer durch den Körper schickte. Franziska spiele einen recht harten und sehr punktierten Stil, der auch die kleinste der zahlreichen Verzierungen haargenau auf den Punkt brachte. Wenn ich nicht befürchten würde, ein schon von andern Schreibern benutztes Wortspiel zu benutzen, würde ich jetzt eines mit ihrem Nachnamen machen. Zwischendurch sang Joergen mit seiner expressiven Stimme Lieder aus Irland und Schottland, die die andern beiden bisweilen im Hintergrund begleiteten und die vom Auswandern, von der Liebe, vom Krieg und von den Vorteilen einer Frau, die einen guten Tee bereiten kann, handelten. Franzi meinte auf erdverbunden Münsterländisch dazu: „Schönheit vergeht, Hektar besteht.“ Und dann gab es auch langsame Tunes, wirklich traumhaft, mal die Geige in der ersten, das Akkordeon in der zweiten Stimme, dann umgekehrt, dann beide parallel, so dass kein Blatt mehr dazwischen passte. Einige der Melodien passten indes nicht in die pure irisch-schottische Stimmung, sondern waren von hier und da kontinentaleuropäisch beeinflust, so zum Beispiel das Stück mit dem ungarischen Titel “Nem Üzemel“, auf deutsch „Nicht benutzen“, zu dem es eine lustige Geschichte gibt, bei der ich aber empfehle, sie sich von Joergen persönlich erzählen zu lassen. Mir kam beim Hören des balkanischen Rhythmuses, den ich ja eh mag, sofort die Assoziation „Hölderlin Express“, die Independet-Folk-Band, die Joergen und Johannes dereinst mitbegründet haben und die derzeit eine hoffentlich kreative Pause einlegt. Und tatsächlich las ich dann im CD-Büchlein, dass das Stück aus der gemeinsamen HöEx-Zeit stammt. Äußerst hörenswert! Joergen spielte zwischendurch auch mal Lowwhistles und Johannes seinen noch riesigeren Kontrabass und sogar mal Klavier. Man mag sich einen mit dem gezupften Bass jazzig begleiteten Reel vorstellen, wenn man kann. Nun genug der Musikbeschreibung, denn etwas muss ich ja auch noch für die CD-Rezension in der Hinterhand behalten.
Mehr oder weniger nahtlos ging das Konzert in eine Session über, der sich außer den drei Abendsternen (das kommt dabei hereaus, wenn man „stars of the evening“ eindeutschen will) dreizehn andere Musiker aus Bonn und Umgebung zugesellten, darunter auch meine Wenigkeit. Auch dabei war Till, den ich auch schon in Tübingen kennen gelernt hatte, und der seine schon damals atemberaubende Whistleakrobatik noch weiter ausgebaut hatte. Er lebt jetzt in Köln und bat mich, nicht zu erwähnen, dass es auch dort ... ja, richtig, ich schweige wie ein Grab. Aber Johannes wollte durchaus eine Sache der Öffentlichkeit nicht vorenthalten, nämlich dass er im Gegensatz zu dem, was eine Überschrift eines Artikels über ihn in einer Westerwälder Tageszeitung suggiert, nicht deshalb irische Musik mache, weil er Irland so sehr liebe, sondern weil diese Musik sein Lebensgefühl ausdrücke. Ich denke, das geht nicht nur ihm so, sondern z.B. auch ... mir. Im Gegensatz zu den meisten anderen hatte ich aber nicht nur Mühe, sondern es war nicht selten unmöglich, bei den schnellen und variationsreichen Tunes mitzuhalten. Nun, ich besuche auch viel zu selten Sessions, aber umso mehr genoss ich diese bis um ca. 2 Uhr nur noch die Häfte der Musiker da waren, und ich mich auch im Angsicht eines Seminars mit wenig Schlaf hinter und zweier vortragsreicher Symposiumstage vor mir zurückzog, nicht ohne Stolz, dass ein kleines Stücklein, das ich mir erdachte, gut angekommen war.
Besonders muss ich an dieser Stelle auch mal die Kellner loben, die sich erstens nicht aufdrängten, wenn das Glas leer war, aber schnell da waren, wenn man was wollte, und deren einer sich zweitens um 2 Uhr einfach dazu setzte und die Musik genoss. So müssen Kellner von Musikkneipen sein!
Die nächste mir bekannte Gelegenheit, Dán life zu hören, gibt es am 16.03.2006 im Buergerhaus Gieleroth bei Altenkirchen im Westerwald.
http://www.danmusic.de/
http://www.bungertshof.de
MAS
Als ich erfuhr, dass Dán am 20. Januar im Bungertshof auftreten sollte, war ich traurig darüber, den Abend schon anders verplant zu haben. Mein Zug aus Würzburg sollte nämlich erst um 19.42 Uhr in Bonn ankommen, und da ich seit Dienstag ein Journalistenseminar besucht hatte, zu dem mich der Folker! geschickt hatte, wohl damit die Redaktion nicht mehr so viel Arbeit mit meinen Texten hat, wollte ich den Abend dann gemütlich zu Hause mit Petra verbringen, zumal ich am Samstag und Sonntag wieder auf eine Tagung wollte. Die Dozentin des besagten Seminars hätte mir diesen viel zu langen Satz vermutlich um die Ohren gehauen, aber dies ist ja auch keine Nachricht auf der Titelseite einer Tageszeitung, sondern eine Rezension in einem E-Post-Rundbrief, und da er laube ich mir einen etwas anderen Stil.
Nun habe ich aber eine sehr verständnisvolle Frau, und sie sagte, wenn mir das Konzert so wichtig sei, dann solle ich da ruhig hingehen. Und warum war es mir so wichtig? Nun, zwei der Musiker, nämlich Joergen W. Lang und Johannes Mayr, sind alte Freunde von mir. Mit ihnen und einigen anderen hatte ich 1991/92 meine ersten Session-Erlebnisse im Boulanger in Tübingen, und sehr oft sah und hörte ich die beiden seit dem nicht. Joergen war 2004 beim 3. Bonner Irish Folk Festival dabei mit seiner anderen Band Laundry List, Johannes, der ja jetzt im Westerwald wohnt, durfte ich auch ein paar mal mit Lynch the Box, Mensch Mayr oder Jostal hören, aber Dán kannte ich bisher nur aus dem Internet. So schmiss ich also meinen Koffer in die Wohung und startete durch zum Bungertshof.
Glücklicherweise hatten sie trotz meiner Verspätung gerade erst angefangen. Der Doppelsaal stand dem Konzert nur zur Hälfte zur Verfügung, da es generell recht spät angekündigt war und nicht mehr genug Leute erreicht werden konnten, mal abgesehen davon dass der Januar als der Monat der Versicherungs- und Abonnementrechnungen bei vielen eh nicht mehr viel Geld für Konzertbesuche übrig lassen dürfte. Soweit mein Präludium, aber ich will ja auch von der Musik erzählen.
Fetzige Reels waren das erste, was ich vernahm. Joergen mit seiner auf DADGAD gestimmten Gitarre (Joergen bat mich, nicht zu erwähnen, dass ... und das tue ich auch nicht), Johannes auf seinem riesigen Akkordeon (mein Platznachbar meinte: „Der Jackie Daly Deutschlands!“) und zwischen den beiden Franziska Urton, die ich noch nicht gekannt hatte, auf der Fiddle. Die Reels, Polkas und anderen schnellen Tunes steigerten sich im Laufe des Konzerts zu einer Komplexität und einem Variantenreichtum, die und der nicht nur mir bisweilen einen Schauer durch den Körper schickte. Franziska spiele einen recht harten und sehr punktierten Stil, der auch die kleinste der zahlreichen Verzierungen haargenau auf den Punkt brachte. Wenn ich nicht befürchten würde, ein schon von andern Schreibern benutztes Wortspiel zu benutzen, würde ich jetzt eines mit ihrem Nachnamen machen. Zwischendurch sang Joergen mit seiner expressiven Stimme Lieder aus Irland und Schottland, die die andern beiden bisweilen im Hintergrund begleiteten und die vom Auswandern, von der Liebe, vom Krieg und von den Vorteilen einer Frau, die einen guten Tee bereiten kann, handelten. Franzi meinte auf erdverbunden Münsterländisch dazu: „Schönheit vergeht, Hektar besteht.“ Und dann gab es auch langsame Tunes, wirklich traumhaft, mal die Geige in der ersten, das Akkordeon in der zweiten Stimme, dann umgekehrt, dann beide parallel, so dass kein Blatt mehr dazwischen passte. Einige der Melodien passten indes nicht in die pure irisch-schottische Stimmung, sondern waren von hier und da kontinentaleuropäisch beeinflust, so zum Beispiel das Stück mit dem ungarischen Titel “Nem Üzemel“, auf deutsch „Nicht benutzen“, zu dem es eine lustige Geschichte gibt, bei der ich aber empfehle, sie sich von Joergen persönlich erzählen zu lassen. Mir kam beim Hören des balkanischen Rhythmuses, den ich ja eh mag, sofort die Assoziation „Hölderlin Express“, die Independet-Folk-Band, die Joergen und Johannes dereinst mitbegründet haben und die derzeit eine hoffentlich kreative Pause einlegt. Und tatsächlich las ich dann im CD-Büchlein, dass das Stück aus der gemeinsamen HöEx-Zeit stammt. Äußerst hörenswert! Joergen spielte zwischendurch auch mal Lowwhistles und Johannes seinen noch riesigeren Kontrabass und sogar mal Klavier. Man mag sich einen mit dem gezupften Bass jazzig begleiteten Reel vorstellen, wenn man kann. Nun genug der Musikbeschreibung, denn etwas muss ich ja auch noch für die CD-Rezension in der Hinterhand behalten.
Mehr oder weniger nahtlos ging das Konzert in eine Session über, der sich außer den drei Abendsternen (das kommt dabei hereaus, wenn man „stars of the evening“ eindeutschen will) dreizehn andere Musiker aus Bonn und Umgebung zugesellten, darunter auch meine Wenigkeit. Auch dabei war Till, den ich auch schon in Tübingen kennen gelernt hatte, und der seine schon damals atemberaubende Whistleakrobatik noch weiter ausgebaut hatte. Er lebt jetzt in Köln und bat mich, nicht zu erwähnen, dass es auch dort ... ja, richtig, ich schweige wie ein Grab. Aber Johannes wollte durchaus eine Sache der Öffentlichkeit nicht vorenthalten, nämlich dass er im Gegensatz zu dem, was eine Überschrift eines Artikels über ihn in einer Westerwälder Tageszeitung suggiert, nicht deshalb irische Musik mache, weil er Irland so sehr liebe, sondern weil diese Musik sein Lebensgefühl ausdrücke. Ich denke, das geht nicht nur ihm so, sondern z.B. auch ... mir. Im Gegensatz zu den meisten anderen hatte ich aber nicht nur Mühe, sondern es war nicht selten unmöglich, bei den schnellen und variationsreichen Tunes mitzuhalten. Nun, ich besuche auch viel zu selten Sessions, aber umso mehr genoss ich diese bis um ca. 2 Uhr nur noch die Häfte der Musiker da waren, und ich mich auch im Angsicht eines Seminars mit wenig Schlaf hinter und zweier vortragsreicher Symposiumstage vor mir zurückzog, nicht ohne Stolz, dass ein kleines Stücklein, das ich mir erdachte, gut angekommen war.
Besonders muss ich an dieser Stelle auch mal die Kellner loben, die sich erstens nicht aufdrängten, wenn das Glas leer war, aber schnell da waren, wenn man was wollte, und deren einer sich zweitens um 2 Uhr einfach dazu setzte und die Musik genoss. So müssen Kellner von Musikkneipen sein!
Die nächste mir bekannte Gelegenheit, Dán life zu hören, gibt es am 16.03.2006 im Buergerhaus Gieleroth bei Altenkirchen im Westerwald.
http://www.danmusic.de/
http://www.bungertshof.de
MAS
Wednesday, January 04, 2006
CD-Rezension: Positano. Mehr.
Positano. Mehr.
Posiversum Records 2005 mit wenigen Infos und lustigen Zeichnungen
18 Tracks, 42,03 Minuten
Was kommt mir denn da ins Haus? Was bedeutet denn das, dass da ein Bleistift, ein Aschenbecher, ein Würfel, eine Zigarettenkippe und ein Mikrophon im Strandsand stecken und ein roter Doppeldecker übers mehr fliegt? Es liegt oder sitzt oder springt noch mehr darum, an diesem Strand, aber kommen wir zur Musik.
Daniel Schult (Gesang, Gitarre) und John Brandi (Gitarre Gesang) singen zu erwähnten Instrumenten eigene deutsche Texte mit Inhalten, die auf sehr eigenartige Weise den Alltag interpretieren, in dem man sich als Bonner Student schon hier und da wiederfindet, nicht nur in dem Lied „Langzeitstudent“, sondern zum Beispiel auch dem Lamento über einen total verregneten Sommer und das Lob einer warmen Dusche. Kritisiert wird auch, z.B. dass weniger die Gedanken, als viel mehr der Markt frei ist, dass das menschenrecht auf Liebe zu wenig geachtet wird, und die UNO mit der humanitären Intervention auf sich warten lässt, gegenüber dem weiblichen Teil der Menschen äußern sie Gebärmutterneid, während ein Wal sich beim Rodeln die Hoden quetscht und dann nicht mehr so gut Jodeln kann, und vieles mehr wird angesungen, wie der Titel schon sagt. Bonner Lokalflair kommt auch ohne Bönnsche Mutart auf, wenn der Posttower oder der Hofgarten erwähnt wird. In dem Lied, das der CD den Titel gab, spielt noch einer mehr mit, nämlich ein Peter am Piano, während Daniel die Drumz und John den Bass bedient.
Ich könnte die CD auch ganz anders und viel kürzer beschreiben: Eine neue Scheibe für Freunde eines Musikstils wie bei Joint Venture oder beim PS-Gitarrenduo. Frech, schräg, alltäglich-surrealistisch, nicht immer appetitlich, manchmal aber auch hochpoetisch.
http://www.posiversum.de
MAS
Posiversum Records 2005 mit wenigen Infos und lustigen Zeichnungen
18 Tracks, 42,03 Minuten
Was kommt mir denn da ins Haus? Was bedeutet denn das, dass da ein Bleistift, ein Aschenbecher, ein Würfel, eine Zigarettenkippe und ein Mikrophon im Strandsand stecken und ein roter Doppeldecker übers mehr fliegt? Es liegt oder sitzt oder springt noch mehr darum, an diesem Strand, aber kommen wir zur Musik.
Daniel Schult (Gesang, Gitarre) und John Brandi (Gitarre Gesang) singen zu erwähnten Instrumenten eigene deutsche Texte mit Inhalten, die auf sehr eigenartige Weise den Alltag interpretieren, in dem man sich als Bonner Student schon hier und da wiederfindet, nicht nur in dem Lied „Langzeitstudent“, sondern zum Beispiel auch dem Lamento über einen total verregneten Sommer und das Lob einer warmen Dusche. Kritisiert wird auch, z.B. dass weniger die Gedanken, als viel mehr der Markt frei ist, dass das menschenrecht auf Liebe zu wenig geachtet wird, und die UNO mit der humanitären Intervention auf sich warten lässt, gegenüber dem weiblichen Teil der Menschen äußern sie Gebärmutterneid, während ein Wal sich beim Rodeln die Hoden quetscht und dann nicht mehr so gut Jodeln kann, und vieles mehr wird angesungen, wie der Titel schon sagt. Bonner Lokalflair kommt auch ohne Bönnsche Mutart auf, wenn der Posttower oder der Hofgarten erwähnt wird. In dem Lied, das der CD den Titel gab, spielt noch einer mehr mit, nämlich ein Peter am Piano, während Daniel die Drumz und John den Bass bedient.
Ich könnte die CD auch ganz anders und viel kürzer beschreiben: Eine neue Scheibe für Freunde eines Musikstils wie bei Joint Venture oder beim PS-Gitarrenduo. Frech, schräg, alltäglich-surrealistisch, nicht immer appetitlich, manchmal aber auch hochpoetisch.
http://www.posiversum.de
MAS
CD-Rezension: Katy Sedna. ...for you
Katy Sedna. ...for you
LogicTide Entertainment 2005 mit Fotos, englischen Infos und englischen, portugiesischen, spanischen, kisuahelischen und russischen Texten
12 Tracks, 46,46 Minuten
Beim Anblick des Coverfotos überkam mich spontan Mitleid und Hilfsbereitschaft: Es zeigt die Musikerin in einem schier endlosen und steilen Treppenhaus neben vier riesigen Gitarrenkoffern sitzen, mit Sommerkleid und Sandaletten zwar hübsch, aber für den eigenhändigen Transport der Musikmöbel denkbar ungeeignet gekleidet, und niemand ist zu sehen, der ihr hilf.
Beim Hören der CD überkommt mich aber viel mehr Bewunderung. Nicht nur, weil Katy die Gitarren, nachdem sie irgendwie doch ins Studio gelangt sein müssen, auch zu bedienen weiß, sondern weil sie wunderschön zu singen versteht, und das auf Englisch, Portugiesisch, Spanisch, Kisuaheli und Russisch und noch einer Sprache, die ich gar nicht identifizieren kann. Und mit jeder Sprache wechselt auch der Stil: die englischsprachigen Songs erinnern mich an teilweise Bob Dylon in ihrer Schrägheit, eines ist ein bekanntes schottisches Volkslied, die portugiesischen Lieder sind Fados, die anderen kann ich nicht so zuordnen, aber sie gefallen mir. Begleitet wird sie nur sehr sparsam von Alan Jelt (Percussion) und Josephine McKalthy (Bass).
Die Texte entstammen teils von ihr selbst, teils von Carl Sigman, Amadeu Augusto Santos Dos, B. Ferreire, Fadhili William Mdawida, Lhasa De Sela und Yves Desrosiers und sind allesamt im Büchlein nachzulesen und eventuell mitzusingen, wenn man nicht lieber mit geschlossenen Augen einfach nur zuhören und träumen will. Die nichtenglischen Texte haben zudem eine englische Übersetzung, damit man auch sehen kann, worum es geht, wenn man nicht einfach nur...
Einen hidden Track gibt es auch, aber nicht nach dem letzten Stück, sondern... Nee, das verrate ich nicht. Hört es Euch an!
http://www.katysedna.com/m_news/main_news_d.php
MAS
LogicTide Entertainment 2005 mit Fotos, englischen Infos und englischen, portugiesischen, spanischen, kisuahelischen und russischen Texten
12 Tracks, 46,46 Minuten
Beim Anblick des Coverfotos überkam mich spontan Mitleid und Hilfsbereitschaft: Es zeigt die Musikerin in einem schier endlosen und steilen Treppenhaus neben vier riesigen Gitarrenkoffern sitzen, mit Sommerkleid und Sandaletten zwar hübsch, aber für den eigenhändigen Transport der Musikmöbel denkbar ungeeignet gekleidet, und niemand ist zu sehen, der ihr hilf.
Beim Hören der CD überkommt mich aber viel mehr Bewunderung. Nicht nur, weil Katy die Gitarren, nachdem sie irgendwie doch ins Studio gelangt sein müssen, auch zu bedienen weiß, sondern weil sie wunderschön zu singen versteht, und das auf Englisch, Portugiesisch, Spanisch, Kisuaheli und Russisch und noch einer Sprache, die ich gar nicht identifizieren kann. Und mit jeder Sprache wechselt auch der Stil: die englischsprachigen Songs erinnern mich an teilweise Bob Dylon in ihrer Schrägheit, eines ist ein bekanntes schottisches Volkslied, die portugiesischen Lieder sind Fados, die anderen kann ich nicht so zuordnen, aber sie gefallen mir. Begleitet wird sie nur sehr sparsam von Alan Jelt (Percussion) und Josephine McKalthy (Bass).
Die Texte entstammen teils von ihr selbst, teils von Carl Sigman, Amadeu Augusto Santos Dos, B. Ferreire, Fadhili William Mdawida, Lhasa De Sela und Yves Desrosiers und sind allesamt im Büchlein nachzulesen und eventuell mitzusingen, wenn man nicht lieber mit geschlossenen Augen einfach nur zuhören und träumen will. Die nichtenglischen Texte haben zudem eine englische Übersetzung, damit man auch sehen kann, worum es geht, wenn man nicht einfach nur...
Einen hidden Track gibt es auch, aber nicht nach dem letzten Stück, sondern... Nee, das verrate ich nicht. Hört es Euch an!
http://www.katysedna.com/m_news/main_news_d.php
MAS
Friday, December 16, 2005
Konzertrezension: Whisht! im Bungersthof in Königswinter-Oberdollendorf am 16.12.2005
Whisht! im Bungersthof in Königswinter-Oberdollendorf am 16.12.2005
„Interessiert sich überhaupt einer dafür, was ich hier labere?“ Nein, diese Frage stellte niemand an diesem Abend im Bungersthof, sondern es war zwei Tage später Tumalon, alias Mathias Aring auf dem mittelalterlichen Weihnachtsmarkt in Siegburg, als das Publikum ein wenig passiv auf seine Fragen reagierte. Er meinte es scherzhaft, denn sein Publikum war sehr aufmerksam, aber einige der Leute, die am Freitagabend das Konzert von Whisht! im Bungertshof besuchten, hielten die Musik wohl eher für Tafelmusik zur hintergründigen Untermalung ihrer Tischgespräche, die sie auch dann nicht unterbrachen, als die Musiker die Inhalte der je folgenden Lieder erklärten. Erst nach einer doch diesbezüglichen Bitte Johannes Schiefners wurde es in der zweiten Hälfte etwas besser.
Nun, dafür konnten die vier Musiker vorne auf der Bühne nichts, sie gaben ihr Bestes, und das war so gut, dass auch das Ehepaar aus Ulmen in der Eifel, das an unserm Tisch saß, seine eineinhalbstündige Herfahrt nicht bereute. Ekhart Topp (Gitarre, Gesang), Holger Ries (Percussion, Bhodrán, Gesang), Johannes Schiefner (Uilleann Pipes, wooden Tin Whistles, Keyboard und Gesang) und Sabrina Palm (Fiddle) präsentierten ihre schon in den Rezensionen vom 3. Bonner Irish Folk Festival am 24.4.2004 und ihrem Konzert im Feuerschlösschen am 9.10.2004 beschriebene Mischung aus Tunes und Songs (Ekhart erklärte fachkundig, Tunes seien Melodien ohne und Songs Melodien mit Text) im Rhythm&Reel-Stil, moderne Arrangement traditioneller Stücke, vor der Pause evtl. ein wenig unter zu lauter Percussion leidend, was aber laut Info von Johannes in der Pause daran lag, dass die anderen Instrumente zu leise seien, so dass das nach der Pause behoben war, lustige Ansagen zwischendurch, sehr flotte Hornpipes (das waren doch welche, oder?) und Reels, gefühlvolle Liebeslieder, wieder das mystische „Broceliande“, bei dem man Sabrinas schaurig gekratzte Geige leider nicht so deutlich hörte wie sonst, auch wieder die Laridée, auf die aber leider niemand tanzte, ein seemännischer Shanty, bei dem das Publikum den Refrain so kräftig mitsang, dass wir dafür eigentlich einen Segelschein bekommen müssten, und besonders zu erwähnen, Irish Step Dancing-Einlagen zweier Damen namens Antje und Anike, die einen Hauch der großen Tanzshows in die Gaststube brachte. Das Einzige was nun eigentlich noch fehlte, war, dass auch Sabrina mal sang, denn während die drei Männer sich nicht scheuten, auch ihre natürlichen Instrumente, erklingen zu lassen und nicht nur die künstlichen, erklang Sabrinas Kehlkopf nur für ihre Ansagen. Zum Ausgleich hüpfte sie aber ab und zu wieder ausgelassen beim Geigespielen, während die drei Herren die meiste Zeit nur saßen oder vielleicht auch mal kurz standen.
Nee, es fehlte eigentlich nichts, außer, dass sie endlich mal ein Whisht!-CD produzieren sollten. Na, die wird bestimmt eines Tages kommen.
Der Bungertshof mausert sich immer mehr zum folkigen Szenelokal, das nächste irische Konzert mit Nadja Birkenstock am 22.12. soll schon ausverkauft sein, aber am 25.12., also nicht am Stephen’s Day, sondern einen Tag davor, am 1. Weihnachtsfeiertag soll die monatliche Session statt finden. Ansonsten, wie schon mal angekündigt, wird am 3.2.2006 die wohl dienstälteste Bonner Folkband ihr 30. Bühnenjahr im Bungertshof einleuten, und wer den Geiger auf unserer Homepage noch immer nicht erkannt hat, wird ihn dann leibhaftig kennen lernen dürfen.
http://www.whisht.de/
http://www.bungertshof.de/
MAS
„Interessiert sich überhaupt einer dafür, was ich hier labere?“ Nein, diese Frage stellte niemand an diesem Abend im Bungersthof, sondern es war zwei Tage später Tumalon, alias Mathias Aring auf dem mittelalterlichen Weihnachtsmarkt in Siegburg, als das Publikum ein wenig passiv auf seine Fragen reagierte. Er meinte es scherzhaft, denn sein Publikum war sehr aufmerksam, aber einige der Leute, die am Freitagabend das Konzert von Whisht! im Bungertshof besuchten, hielten die Musik wohl eher für Tafelmusik zur hintergründigen Untermalung ihrer Tischgespräche, die sie auch dann nicht unterbrachen, als die Musiker die Inhalte der je folgenden Lieder erklärten. Erst nach einer doch diesbezüglichen Bitte Johannes Schiefners wurde es in der zweiten Hälfte etwas besser.
Nun, dafür konnten die vier Musiker vorne auf der Bühne nichts, sie gaben ihr Bestes, und das war so gut, dass auch das Ehepaar aus Ulmen in der Eifel, das an unserm Tisch saß, seine eineinhalbstündige Herfahrt nicht bereute. Ekhart Topp (Gitarre, Gesang), Holger Ries (Percussion, Bhodrán, Gesang), Johannes Schiefner (Uilleann Pipes, wooden Tin Whistles, Keyboard und Gesang) und Sabrina Palm (Fiddle) präsentierten ihre schon in den Rezensionen vom 3. Bonner Irish Folk Festival am 24.4.2004 und ihrem Konzert im Feuerschlösschen am 9.10.2004 beschriebene Mischung aus Tunes und Songs (Ekhart erklärte fachkundig, Tunes seien Melodien ohne und Songs Melodien mit Text) im Rhythm&Reel-Stil, moderne Arrangement traditioneller Stücke, vor der Pause evtl. ein wenig unter zu lauter Percussion leidend, was aber laut Info von Johannes in der Pause daran lag, dass die anderen Instrumente zu leise seien, so dass das nach der Pause behoben war, lustige Ansagen zwischendurch, sehr flotte Hornpipes (das waren doch welche, oder?) und Reels, gefühlvolle Liebeslieder, wieder das mystische „Broceliande“, bei dem man Sabrinas schaurig gekratzte Geige leider nicht so deutlich hörte wie sonst, auch wieder die Laridée, auf die aber leider niemand tanzte, ein seemännischer Shanty, bei dem das Publikum den Refrain so kräftig mitsang, dass wir dafür eigentlich einen Segelschein bekommen müssten, und besonders zu erwähnen, Irish Step Dancing-Einlagen zweier Damen namens Antje und Anike, die einen Hauch der großen Tanzshows in die Gaststube brachte. Das Einzige was nun eigentlich noch fehlte, war, dass auch Sabrina mal sang, denn während die drei Männer sich nicht scheuten, auch ihre natürlichen Instrumente, erklingen zu lassen und nicht nur die künstlichen, erklang Sabrinas Kehlkopf nur für ihre Ansagen. Zum Ausgleich hüpfte sie aber ab und zu wieder ausgelassen beim Geigespielen, während die drei Herren die meiste Zeit nur saßen oder vielleicht auch mal kurz standen.
Nee, es fehlte eigentlich nichts, außer, dass sie endlich mal ein Whisht!-CD produzieren sollten. Na, die wird bestimmt eines Tages kommen.
Der Bungertshof mausert sich immer mehr zum folkigen Szenelokal, das nächste irische Konzert mit Nadja Birkenstock am 22.12. soll schon ausverkauft sein, aber am 25.12., also nicht am Stephen’s Day, sondern einen Tag davor, am 1. Weihnachtsfeiertag soll die monatliche Session statt finden. Ansonsten, wie schon mal angekündigt, wird am 3.2.2006 die wohl dienstälteste Bonner Folkband ihr 30. Bühnenjahr im Bungertshof einleuten, und wer den Geiger auf unserer Homepage noch immer nicht erkannt hat, wird ihn dann leibhaftig kennen lernen dürfen.
http://www.whisht.de/
http://www.bungertshof.de/
MAS
Thursday, December 15, 2005
CD-Rezension: The Duggans & Friends. Rubicon
The Duggans & Friends. Rubicon
MDM Records 2004 mit Fotos und Infos (engl.)
15 Tracks, 64,12 Minuten
Die Brüder Pádraig & Noel Duggan (Gesang, Mandoline & Gesang, Akustische Gitarre) legen mit dieser Scheibe eine großenteils ruhige, nur in wenigen Liedern etwas temporeichere CD vor, die sehr gut in das Kielwasser der Clannad-Veröffentlichungen passt. Im Büchlein ist auch erzählt, wie die beiden dereinst die heute als Cultband gehandelte Familiencombo gründeten. Dass die beiden in den vergangenen drei Jahrzehnten ihrer musikalischen Karriere aber nicht alles nur auf das eine Pferd setzten, beweist die lange Reihe der Freunde, die als Gastmusiker mitwirken: Eamonn de Barra (Holzquerflöte), Kerstin Blodig (Gesang, Akustische Gitarre, Bouzouki, Bhodrán), Máire Breathnach (Fiddle, Viola, Hintergrundgesang), Brídín Brennan (Gesang), Deidre Brennan (Gesang, Bones), Moya Brennan (Gesang), Ciaran Byrne (Hintergrundgesang), Paul Byrene (Percussion, Akustischer Bass), Orlagh Fallon (Gesang), Urs Fuchs (Percussion, Akustischer Bass), Finbar Furey (Gesang, Uilleann Pipes), Peter Jack (Bass), David James (Cello), Ingolf Kurkowski (Trommeln, Percussions), Thomas Loefke (Keltische Harfe), Patsy Dan MacRuidhrí (Gesang), Ian Melrose (Akustische & Elektrische Gitarre), Sean More (Piano), Aidan O’Brian (Uilleann Pipes), Ian Parker (Piano), Andres Roberts (Hintergrundgesang).
Diese hier wie im Büchlein alfabetisch wieder gegebene Liste zeigt sehr schön die Verzahnung irischer und deutscher Musiker, und Fans wissen ja eh, dass die Duggans auch Mitglieder der in Berlin ansässigen Norland Wind sind. Das besondere an dieser CD scheint mir in Abgrenzung zu den Clannad-CDs weniger der Stil zu sein, als viel mehr, dass die beiden Brüder, obwohl Nichte Moya auch in einigen Liedern mitsingt, ihre eigenen Stimmen mehr zu Gehör bringen. Und auch Kerstin Blodig, die dabei Norland Wind sie Hauptsängerin ist, hält sich hier sehr zurück. Nun sind die beiden aber wohl bessere Instrumentalisten als Sänger, denn die Lieder wirken großenteils eher gehaucht als markant gesungen. Lustig klingt das 70er-Jahre Pop-Lied „Lisa“ aus der Feder der Duggans, das mich an manche Blääck Fööss-Lieder aus dieser Zeit erinnert. Hauptsächlich sind es aber traditionelle Lieder in gälischer Sprache, und für Könner dieser Sprache ist die CD bestimmt ein poetischer Genuss, aber das kann ich nur erahnen. Das müsste z.B. Michael Klevenhaus beurteilen. Nützlich wäre eine zweisprachige Widergabe der Texte im Büchlein. Es gibt auch ein englisches Lied, in dem es heißt: „A bird can sing with a broken wing but not with a broken heart“, was mich an „These broken wings wont’t fly“ von Cherish the Ladies erinnert. Nun mag man den Vogel fragen, was für ihn wichtiger ist, das Fliegen oder das Singen.
Die CD ist ein Muss für Clannad- und Norland Wind-Fans und überhaupt sehr empfehlenswert für Freunde ruhiger, verträumter und dabei gleichzeitig traditioneller und moderner Musik aus dem mystischen Irland.
http://www.clannad.ie/
http://www.thomasloefke.de/
http://www.concertidee.de/norlandwind/
MAS
MDM Records 2004 mit Fotos und Infos (engl.)
15 Tracks, 64,12 Minuten
Die Brüder Pádraig & Noel Duggan (Gesang, Mandoline & Gesang, Akustische Gitarre) legen mit dieser Scheibe eine großenteils ruhige, nur in wenigen Liedern etwas temporeichere CD vor, die sehr gut in das Kielwasser der Clannad-Veröffentlichungen passt. Im Büchlein ist auch erzählt, wie die beiden dereinst die heute als Cultband gehandelte Familiencombo gründeten. Dass die beiden in den vergangenen drei Jahrzehnten ihrer musikalischen Karriere aber nicht alles nur auf das eine Pferd setzten, beweist die lange Reihe der Freunde, die als Gastmusiker mitwirken: Eamonn de Barra (Holzquerflöte), Kerstin Blodig (Gesang, Akustische Gitarre, Bouzouki, Bhodrán), Máire Breathnach (Fiddle, Viola, Hintergrundgesang), Brídín Brennan (Gesang), Deidre Brennan (Gesang, Bones), Moya Brennan (Gesang), Ciaran Byrne (Hintergrundgesang), Paul Byrene (Percussion, Akustischer Bass), Orlagh Fallon (Gesang), Urs Fuchs (Percussion, Akustischer Bass), Finbar Furey (Gesang, Uilleann Pipes), Peter Jack (Bass), David James (Cello), Ingolf Kurkowski (Trommeln, Percussions), Thomas Loefke (Keltische Harfe), Patsy Dan MacRuidhrí (Gesang), Ian Melrose (Akustische & Elektrische Gitarre), Sean More (Piano), Aidan O’Brian (Uilleann Pipes), Ian Parker (Piano), Andres Roberts (Hintergrundgesang).
Diese hier wie im Büchlein alfabetisch wieder gegebene Liste zeigt sehr schön die Verzahnung irischer und deutscher Musiker, und Fans wissen ja eh, dass die Duggans auch Mitglieder der in Berlin ansässigen Norland Wind sind. Das besondere an dieser CD scheint mir in Abgrenzung zu den Clannad-CDs weniger der Stil zu sein, als viel mehr, dass die beiden Brüder, obwohl Nichte Moya auch in einigen Liedern mitsingt, ihre eigenen Stimmen mehr zu Gehör bringen. Und auch Kerstin Blodig, die dabei Norland Wind sie Hauptsängerin ist, hält sich hier sehr zurück. Nun sind die beiden aber wohl bessere Instrumentalisten als Sänger, denn die Lieder wirken großenteils eher gehaucht als markant gesungen. Lustig klingt das 70er-Jahre Pop-Lied „Lisa“ aus der Feder der Duggans, das mich an manche Blääck Fööss-Lieder aus dieser Zeit erinnert. Hauptsächlich sind es aber traditionelle Lieder in gälischer Sprache, und für Könner dieser Sprache ist die CD bestimmt ein poetischer Genuss, aber das kann ich nur erahnen. Das müsste z.B. Michael Klevenhaus beurteilen. Nützlich wäre eine zweisprachige Widergabe der Texte im Büchlein. Es gibt auch ein englisches Lied, in dem es heißt: „A bird can sing with a broken wing but not with a broken heart“, was mich an „These broken wings wont’t fly“ von Cherish the Ladies erinnert. Nun mag man den Vogel fragen, was für ihn wichtiger ist, das Fliegen oder das Singen.
Die CD ist ein Muss für Clannad- und Norland Wind-Fans und überhaupt sehr empfehlenswert für Freunde ruhiger, verträumter und dabei gleichzeitig traditioneller und moderner Musik aus dem mystischen Irland.
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http://www.concertidee.de/norlandwind/
MAS
Thursday, November 24, 2005
Konzertrezension: Norland Wind im Bungertshof in Oberdollendorf am 24.11.2005
Konzertrezension: Norland Wind im Bungertshof in Oberdollendorf am 24.11.2005
„Der liebe Gott hat die Zeit erschaffen, und er hat genug davon gemacht.“ An dieses irische Sprichwort dachte ich wirklich nicht, als ich um 19.15 Uhr an der U-Bahn stand, die nächste Bahn erst um 19.36 Uhr kommen sollte, und ich beschloss das Auto zu nehmen, um rechtzeitig um 20 Uhr am Bungertshof zu sein, das Auto aber nicht ansprang, ich so die Bahn um 20.06 Uhr nehmen musste und um 20.30 Uhr am Bungersthof ankam. Aber die Musiker waren so freundlich, mit dem Konzert noch nicht angefangen zu haben. Das lag aber doch nicht an meiner Verspätung, sondern daran, dass sie von Berlin kommend zehn Stunden auf der Straße verbracht hatten, davon drei im absoluten Stau. Nun, sie mussten erst einmal das ganze elektronische Equipment aufbauen und einrichten, einige hatten zwischendurch auch noch Zeit für ein Schwätzchen, das Publikum in dem vollständig besetzen Raum, inklusive einer Hochzeitsgesellschaft, wartete geduldig, die Leute unterhielten sich, aßen und tranken, ganz im Sinne einer französischen Mittagspause, wie David Michel von Le Clou, die am 3.2.2006 im Bungertshof spielen werden, es gerne sagt, und schauten den Musikern beim Aufbau zu. Nachdem ich so eine Stunde da stand, mit Wirt und Wirtin, sowie den Duggan-Brüdern sprach, dann plötzlich Matthias Klose von Till Nine auftauchte und sagte, an ihrem Tisch ganz vorne sei noch ein Platz frei, begann dann so gegen 21.30 Uhr das Konzert, und es wundert nun eigentlich nicht, dass mir da oben zitiertes irisches Sprichwort einfiel.
Eine der besten deutschen oder – besser gesagt – in Deutschland ansässigen – da ja deutsch-irisch-norwegisch-schottisch/englisch besetzt – Irish Folk-Gruppen zu hören, nimmt man doch gerne mal etwas in Kauf, zumal ich sie noch von ihrem Konzert 2001 in der Harmonie in angenehmster Erinnerung hatte, und Kerstin Blodig zwischendurch noch in der Brotfabrik mit Kelpi und in Rudolstadt mit Malbrook gehört hatte. Und als sie da nun mit ihrer Gitarre wieder vor mir stand und ihre faszinierende Stimme erklingen ließ, neben ihr, aus Publikumsperspektive links Noel Duggan mit einer Mandoline, hinter ihm Matthias Kießling am Keyboard, rechts von Kerstin Thomas Loefke an seiner Harfe, etwas versteckt hinter ihm Pádraig Duggan mit Bongos, rechts von Thomas Máire Breathnach mit ihrer Geige und ganz rechts Colin (den Nachnamen habe ich jetzt leider nicht) an der Low Whislte, und zwar in Vertretung für Ian Melrose, der sich lieber auf einem Gitarrenfestival herum trieb, als uns die Ehre zu erweisen, nahm mich die Magie dieser Musik sofort wieder gefangen. Wie schon 2001 beschrieben, spielen sie einen sehr an die frühen Clannad erinnernden Sound, ohne sie einfach nachzuahmen. Kerstins Stimme ist auch etwas schärfer als die von Moya Brennan, der berühmten Nichte der Duggan-Brüder, und diese klare Stimme verbunden mit dem recht harten Klang der Harfe, die beide rhythmisch und melodisch zugleich klangen, oft unterstützend ein mehrstimmiger Satzgesang der Duggans und Máires, der Klangteppich des Keyboards, dann die Geige und die Whistle entschädigten sofort für die Wartezeit. Zwischendurch gab es auch einige Soli, leider nicht von Colin, der an diesem Abend seinen ersten Gig in dieser Formation hatte und extra von Mönchengladbach, wo der Engländer wohnt, nach Berlin geflogen war, um sich für drei Tage der Tour anzuschließen. Ein solches hoffe ich doch irgendwann mal hören zu dürfen, denn der junge Mann spielte genau so erstklassig wie die anderen.
Für Gitarristen dürfte es interessant gewesen sein, Kerstins Gitarrenspiel zu beobachten, das sie bei einem norwegischen Trollsang, welcher besseres Wetter herbei rufen sollte, einsetzte: Sie tippte zuerst die Saiten mit den Fingernagelspitzen an, strich dann einen harten Akkord mit den Fingernägeln, dann einen weichen mit den Fingerkuppen. Der Till Niner Bernd meinte, das machten Rockmusiker manchmal mit E-Gitarren, aber Kerstin hatte eine elektroakkustische, und ihr ruhiges, aus sehr langen Vokalen bestehendes Lied wurde dadurch rhythmisch und um noch eine Spur sphärischer, als es eh schon war. Die meisten Lieder wurden natürlich nicht auf Norwegisch, sondern auf Gälisch gesungen, wenige auf Englisch. Dass die Duggans Gälisch können, ist ja allgemein bekannt, und auch bei Máire Breathnach wundert es nicht, aber auch Kerstin Gälisch hörte sich für meine Ohren authentisch an. Das Besondere am Norland Wind- und frühen Clannad-Sound ist meines Erachtens, dass sich selbst die ruhigen und eher langsamen Stücke sehr rhythmisch und vielschichtig anhören. In dieser Art ist auch eines der Stücke aus Thomas Loefkes Feder, zugleich eines meiner Lieblingsstücke überhaupt. Es wurde von Thomas mit der Geschichte angekündigt, dass am 2. Weihnachtsfeiertag in Dublin viele Leute mit Geigenkoffern unterwegs seien, die Träger eines geheimen keltischen Wissens seien, nämlich, welche Kneipen an diesem Tag offen hätten und dass man diesen Geigenkofferträgern in Dublin dann ruhig folgen sollte, was in Palermo nicht anzuraten sei. Das Publikum lachte, so dass wohl auch viele zum ersten Mal Norland Wind hörten und den Witz noch nicht kannten. Natürlich kam nach dieser Ankündigung kein Pubsong, sondern ein filigran-rhythmisches Harfenstück namens „Stephen’s Day Session“.
So ging das Konzert dann bis ca. 23.30Uhr ohne Pause, und irgendwie wollten die Leute das nicht so richtig begreifen, und es war wohl eher der Gedanke, dass der Freitag ein Arbeitstag sei, der sie dann aufbrechen ließ, und bestimmt ging ihnen am Freitag die Arbeit viel besser von der Hand als sonst.
Pádraig Duggan konnte mir übrigens während der Wartezeit am Anfang eine Frage beantworten, die ich schon mit vielen Musikern und Irish Folks-Fans diskutiert hatte, ohne eine befriedigende Antwort zu erhalten: Wie wird „Clannad“ ausgesprochen, „Clännäd“, wie die meisten meinten, oder „Clannâd“, wie Ted Furey es 1974 beim 2. Irish Folk Festival in Deutschland ankündigte und dem ich immer geglaubt hatte? Weder noch, sondern schlicht und einfach „Clannad“, also schnell und kurz, auf dem ersten a betont, aber nicht mit ä. Pádraig meinte, Ted Furey habe es warum auch immer falsch ausgesprochen damals vor 32 Jahren. Die Duggans gaben mir dann auch noch ihre neue CD „Rubicon“ zur Besprechung mit. Die folgt dann also auch noch demnächst.
Wer die angenehme Mischung aus gemütlichem Restaurant mit guter Wein- und Bierauswahl und irischer Musik demnächst noch mal erleben will, kann das am 16.12., denn dann werden Whisht! dort spielen, und am 22.12., wenn Nadia Birkenstock mit ihrer Harfe da sein wird.
http://www.thomasloefke.de/
http://www.concertidee.de/norlandwind/
http://www.kerstinblodig.de/
http://www.clannad.ie/
http://www.mairebreatnach.com/
http://www.bungertshof.de
Nachtrag:
Margret Hüffer beantwortete die im folkigen Rundbrief rund geschickte Rezension:
"Hallo Michael,
wenn es sich bei Norland Wind um Colin aus MG handelt, ist es Colin Goldie, der die Overton- Whistles in Lizenz baut und selbst ein ganz exzellenter Whistlespieler ist. Schade, hätte ich gewußt, daß er dabei ist, hätte ich es mir glatt noch überlegt...Colin hat übrigens eine ganze Reihe von Whistlern hier ([Namen lasse ich hier raus; MAS] mich selbst etc) mit seinen Whistles versorgt.
Nun weißt Du was Neues, schönes Wochenende
Margret"
Ja, nun weiß ich was Neues. Derartige Rückmeldungen auf Grund sorgfältig gelesener Rundbriefe sind mir immer willkommen.
Und hier deshalb gleich der Link auf Colin Goldies Seite:
http://www.overton.de/texte/csghomedeu.html
MAS
„Der liebe Gott hat die Zeit erschaffen, und er hat genug davon gemacht.“ An dieses irische Sprichwort dachte ich wirklich nicht, als ich um 19.15 Uhr an der U-Bahn stand, die nächste Bahn erst um 19.36 Uhr kommen sollte, und ich beschloss das Auto zu nehmen, um rechtzeitig um 20 Uhr am Bungertshof zu sein, das Auto aber nicht ansprang, ich so die Bahn um 20.06 Uhr nehmen musste und um 20.30 Uhr am Bungersthof ankam. Aber die Musiker waren so freundlich, mit dem Konzert noch nicht angefangen zu haben. Das lag aber doch nicht an meiner Verspätung, sondern daran, dass sie von Berlin kommend zehn Stunden auf der Straße verbracht hatten, davon drei im absoluten Stau. Nun, sie mussten erst einmal das ganze elektronische Equipment aufbauen und einrichten, einige hatten zwischendurch auch noch Zeit für ein Schwätzchen, das Publikum in dem vollständig besetzen Raum, inklusive einer Hochzeitsgesellschaft, wartete geduldig, die Leute unterhielten sich, aßen und tranken, ganz im Sinne einer französischen Mittagspause, wie David Michel von Le Clou, die am 3.2.2006 im Bungertshof spielen werden, es gerne sagt, und schauten den Musikern beim Aufbau zu. Nachdem ich so eine Stunde da stand, mit Wirt und Wirtin, sowie den Duggan-Brüdern sprach, dann plötzlich Matthias Klose von Till Nine auftauchte und sagte, an ihrem Tisch ganz vorne sei noch ein Platz frei, begann dann so gegen 21.30 Uhr das Konzert, und es wundert nun eigentlich nicht, dass mir da oben zitiertes irisches Sprichwort einfiel.
Eine der besten deutschen oder – besser gesagt – in Deutschland ansässigen – da ja deutsch-irisch-norwegisch-schottisch/englisch besetzt – Irish Folk-Gruppen zu hören, nimmt man doch gerne mal etwas in Kauf, zumal ich sie noch von ihrem Konzert 2001 in der Harmonie in angenehmster Erinnerung hatte, und Kerstin Blodig zwischendurch noch in der Brotfabrik mit Kelpi und in Rudolstadt mit Malbrook gehört hatte. Und als sie da nun mit ihrer Gitarre wieder vor mir stand und ihre faszinierende Stimme erklingen ließ, neben ihr, aus Publikumsperspektive links Noel Duggan mit einer Mandoline, hinter ihm Matthias Kießling am Keyboard, rechts von Kerstin Thomas Loefke an seiner Harfe, etwas versteckt hinter ihm Pádraig Duggan mit Bongos, rechts von Thomas Máire Breathnach mit ihrer Geige und ganz rechts Colin (den Nachnamen habe ich jetzt leider nicht) an der Low Whislte, und zwar in Vertretung für Ian Melrose, der sich lieber auf einem Gitarrenfestival herum trieb, als uns die Ehre zu erweisen, nahm mich die Magie dieser Musik sofort wieder gefangen. Wie schon 2001 beschrieben, spielen sie einen sehr an die frühen Clannad erinnernden Sound, ohne sie einfach nachzuahmen. Kerstins Stimme ist auch etwas schärfer als die von Moya Brennan, der berühmten Nichte der Duggan-Brüder, und diese klare Stimme verbunden mit dem recht harten Klang der Harfe, die beide rhythmisch und melodisch zugleich klangen, oft unterstützend ein mehrstimmiger Satzgesang der Duggans und Máires, der Klangteppich des Keyboards, dann die Geige und die Whistle entschädigten sofort für die Wartezeit. Zwischendurch gab es auch einige Soli, leider nicht von Colin, der an diesem Abend seinen ersten Gig in dieser Formation hatte und extra von Mönchengladbach, wo der Engländer wohnt, nach Berlin geflogen war, um sich für drei Tage der Tour anzuschließen. Ein solches hoffe ich doch irgendwann mal hören zu dürfen, denn der junge Mann spielte genau so erstklassig wie die anderen.
Für Gitarristen dürfte es interessant gewesen sein, Kerstins Gitarrenspiel zu beobachten, das sie bei einem norwegischen Trollsang, welcher besseres Wetter herbei rufen sollte, einsetzte: Sie tippte zuerst die Saiten mit den Fingernagelspitzen an, strich dann einen harten Akkord mit den Fingernägeln, dann einen weichen mit den Fingerkuppen. Der Till Niner Bernd meinte, das machten Rockmusiker manchmal mit E-Gitarren, aber Kerstin hatte eine elektroakkustische, und ihr ruhiges, aus sehr langen Vokalen bestehendes Lied wurde dadurch rhythmisch und um noch eine Spur sphärischer, als es eh schon war. Die meisten Lieder wurden natürlich nicht auf Norwegisch, sondern auf Gälisch gesungen, wenige auf Englisch. Dass die Duggans Gälisch können, ist ja allgemein bekannt, und auch bei Máire Breathnach wundert es nicht, aber auch Kerstin Gälisch hörte sich für meine Ohren authentisch an. Das Besondere am Norland Wind- und frühen Clannad-Sound ist meines Erachtens, dass sich selbst die ruhigen und eher langsamen Stücke sehr rhythmisch und vielschichtig anhören. In dieser Art ist auch eines der Stücke aus Thomas Loefkes Feder, zugleich eines meiner Lieblingsstücke überhaupt. Es wurde von Thomas mit der Geschichte angekündigt, dass am 2. Weihnachtsfeiertag in Dublin viele Leute mit Geigenkoffern unterwegs seien, die Träger eines geheimen keltischen Wissens seien, nämlich, welche Kneipen an diesem Tag offen hätten und dass man diesen Geigenkofferträgern in Dublin dann ruhig folgen sollte, was in Palermo nicht anzuraten sei. Das Publikum lachte, so dass wohl auch viele zum ersten Mal Norland Wind hörten und den Witz noch nicht kannten. Natürlich kam nach dieser Ankündigung kein Pubsong, sondern ein filigran-rhythmisches Harfenstück namens „Stephen’s Day Session“.
So ging das Konzert dann bis ca. 23.30Uhr ohne Pause, und irgendwie wollten die Leute das nicht so richtig begreifen, und es war wohl eher der Gedanke, dass der Freitag ein Arbeitstag sei, der sie dann aufbrechen ließ, und bestimmt ging ihnen am Freitag die Arbeit viel besser von der Hand als sonst.
Pádraig Duggan konnte mir übrigens während der Wartezeit am Anfang eine Frage beantworten, die ich schon mit vielen Musikern und Irish Folks-Fans diskutiert hatte, ohne eine befriedigende Antwort zu erhalten: Wie wird „Clannad“ ausgesprochen, „Clännäd“, wie die meisten meinten, oder „Clannâd“, wie Ted Furey es 1974 beim 2. Irish Folk Festival in Deutschland ankündigte und dem ich immer geglaubt hatte? Weder noch, sondern schlicht und einfach „Clannad“, also schnell und kurz, auf dem ersten a betont, aber nicht mit ä. Pádraig meinte, Ted Furey habe es warum auch immer falsch ausgesprochen damals vor 32 Jahren. Die Duggans gaben mir dann auch noch ihre neue CD „Rubicon“ zur Besprechung mit. Die folgt dann also auch noch demnächst.
Wer die angenehme Mischung aus gemütlichem Restaurant mit guter Wein- und Bierauswahl und irischer Musik demnächst noch mal erleben will, kann das am 16.12., denn dann werden Whisht! dort spielen, und am 22.12., wenn Nadia Birkenstock mit ihrer Harfe da sein wird.
http://www.thomasloefke.de/
http://www.concertidee.de/norlandwind/
http://www.kerstinblodig.de/
http://www.clannad.ie/
http://www.mairebreatnach.com/
http://www.bungertshof.de
Nachtrag:
Margret Hüffer beantwortete die im folkigen Rundbrief rund geschickte Rezension:
"Hallo Michael,
wenn es sich bei Norland Wind um Colin aus MG handelt, ist es Colin Goldie, der die Overton- Whistles in Lizenz baut und selbst ein ganz exzellenter Whistlespieler ist. Schade, hätte ich gewußt, daß er dabei ist, hätte ich es mir glatt noch überlegt...Colin hat übrigens eine ganze Reihe von Whistlern hier ([Namen lasse ich hier raus; MAS] mich selbst etc) mit seinen Whistles versorgt.
Nun weißt Du was Neues, schönes Wochenende
Margret"
Ja, nun weiß ich was Neues. Derartige Rückmeldungen auf Grund sorgfältig gelesener Rundbriefe sind mir immer willkommen.
Und hier deshalb gleich der Link auf Colin Goldies Seite:
http://www.overton.de/texte/csghomedeu.html
MAS
Saturday, November 19, 2005
Konzertrezension: Gambrinus beim Folk im Feuerschlösschen in Bad Honnef am 19.11.2005
Konzertrezension: Gambrinus beim Folk im Feuerschlösschen in Bad Honnef am 19.11.2005
Das letzte FiF-Konzert in diesem Jahr bestritt die Gruppe Gambrinus, deren Mitglieder nicht so weit anreisen mussten, wie die der anderen Gruppen aus England, Schottland und Schweden, sondern im engeren Umkreis zwischen Asbach im Westerwald und Dormagen am Niederrhein wohnen. Ulrich Joosten, der schon in den Gruppen Rhodochrosit, Seidelbast und Filou spielte und auf Deutschfolk spezialisierter Autor im Folker! ist, Matthias Götze-Wittschier, ehemals Musiker bei Whyr, Zaunkönig und auch Filou, Ralf Mrazek, Ex-Skiffle Train , -Maddox und –Stringdance, sowie als „Anstandsdame“ Sylvia Stephan, ehemals Musikern bei Die Lauten, Trumscheyd, Till Nine und Boncompagno nennen ihr Gambrinus-Programm „Kontrastissimo“, und wahrlich, der Name trog nicht.
Uli bediente die Dreheleier und zwei Gitarren, Sylvia ihren Kehlkopf (Instrumentbeschreibung siehe auf deren Homepage) und Percussion, Ralf Banjo und Gitarre und Matthias Geige, Cister und diatonisches Knopfakkordeon und auch die drei Herren ihre Kehlköpfe (Instrumentbeschreibung siehe ...). Und was produzierten sie dabei? Nun zum Beispiel französische, galizische und deutsche Tanzstücke mit Drehleier, Banjo und Geige, wobei sich die ungewöhnliche Drehleier-Banjo-Kombination besonders gut anhörte, man müsste nur, wenn die Drehleier so richtig lauf zu schnarren anfängt, dem Banjo ein Mikrophon extra noch hinstellen, aber das ist ein dermaßen schmissiger Sound, dass ich mich wundere, warum es so was nicht öfter gibt. Oder gibt es das? Oder vierstimmigen Gesang, sogar ein Madrigal auf Kölsch. Mit vier Stimmen vierstimmig zu singen, ohne sich gegenseitig raus zu bringen, das will geübt sein – und war es auch. Oder Übertragungen von tragischen Tierliedern aus der Feder von Eric Bogle ins Deutsche, schottische und quebecoische Lieder in Originalsprachen, eine reine Instrumetalversion des jiddischen „Bei mir bist du schön“, Vertonungen von Gedichten von Fritz Grasshoff, das Till Nine-Fans bekannte „My Johnny was a shoemaker“, das Sylvia in deren Repertoire hinein gebracht hat und anderes mehr. Kontrastissimo eben.
Eigentlich war es schade, dass das Konzert so gut besucht war, dachten wir am Schluss, nachdem das Publikum weg war (Petra und ich waren noch da), als Sylvia und Tontechniker Alex Thieme noch ein paar zweistimmige mittelalterliche Lieder sangen und zusammen mit Mathias eine Schnulze aus dem 20. Jh., denn so ohne die ca. 80 schallschluckenden Körper wirkte die Akustik der Aula (ich habe sonst immer „Foyer“ geschrieben, aber offiziell heißt es „Aula“) noch besser. Aber im Grunde waren doch alle Beteiligten froh, dass so viele Leute kamen, und wenn ich von mir auf andere schließe, waren auch diese 80 froh, gekommen zu sein. Und die von Gambrinus können auch gerne noch öfter kommen.
http://www.gambrinus-folk.de/
http://www.inter-times.de/Components/Vereine/Vereine_Bad_Honnef/Stapelseiten_Bad_Honnef_/stapelseiten_bad_honnef__33.html
MAS
Das letzte FiF-Konzert in diesem Jahr bestritt die Gruppe Gambrinus, deren Mitglieder nicht so weit anreisen mussten, wie die der anderen Gruppen aus England, Schottland und Schweden, sondern im engeren Umkreis zwischen Asbach im Westerwald und Dormagen am Niederrhein wohnen. Ulrich Joosten, der schon in den Gruppen Rhodochrosit, Seidelbast und Filou spielte und auf Deutschfolk spezialisierter Autor im Folker! ist, Matthias Götze-Wittschier, ehemals Musiker bei Whyr, Zaunkönig und auch Filou, Ralf Mrazek, Ex-Skiffle Train , -Maddox und –Stringdance, sowie als „Anstandsdame“ Sylvia Stephan, ehemals Musikern bei Die Lauten, Trumscheyd, Till Nine und Boncompagno nennen ihr Gambrinus-Programm „Kontrastissimo“, und wahrlich, der Name trog nicht.
Uli bediente die Dreheleier und zwei Gitarren, Sylvia ihren Kehlkopf (Instrumentbeschreibung siehe auf deren Homepage) und Percussion, Ralf Banjo und Gitarre und Matthias Geige, Cister und diatonisches Knopfakkordeon und auch die drei Herren ihre Kehlköpfe (Instrumentbeschreibung siehe ...). Und was produzierten sie dabei? Nun zum Beispiel französische, galizische und deutsche Tanzstücke mit Drehleier, Banjo und Geige, wobei sich die ungewöhnliche Drehleier-Banjo-Kombination besonders gut anhörte, man müsste nur, wenn die Drehleier so richtig lauf zu schnarren anfängt, dem Banjo ein Mikrophon extra noch hinstellen, aber das ist ein dermaßen schmissiger Sound, dass ich mich wundere, warum es so was nicht öfter gibt. Oder gibt es das? Oder vierstimmigen Gesang, sogar ein Madrigal auf Kölsch. Mit vier Stimmen vierstimmig zu singen, ohne sich gegenseitig raus zu bringen, das will geübt sein – und war es auch. Oder Übertragungen von tragischen Tierliedern aus der Feder von Eric Bogle ins Deutsche, schottische und quebecoische Lieder in Originalsprachen, eine reine Instrumetalversion des jiddischen „Bei mir bist du schön“, Vertonungen von Gedichten von Fritz Grasshoff, das Till Nine-Fans bekannte „My Johnny was a shoemaker“, das Sylvia in deren Repertoire hinein gebracht hat und anderes mehr. Kontrastissimo eben.
Eigentlich war es schade, dass das Konzert so gut besucht war, dachten wir am Schluss, nachdem das Publikum weg war (Petra und ich waren noch da), als Sylvia und Tontechniker Alex Thieme noch ein paar zweistimmige mittelalterliche Lieder sangen und zusammen mit Mathias eine Schnulze aus dem 20. Jh., denn so ohne die ca. 80 schallschluckenden Körper wirkte die Akustik der Aula (ich habe sonst immer „Foyer“ geschrieben, aber offiziell heißt es „Aula“) noch besser. Aber im Grunde waren doch alle Beteiligten froh, dass so viele Leute kamen, und wenn ich von mir auf andere schließe, waren auch diese 80 froh, gekommen zu sein. Und die von Gambrinus können auch gerne noch öfter kommen.
http://www.gambrinus-folk.de/
http://www.inter-times.de/Components/Vereine/Vereine_Bad_Honnef/Stapelseiten_Bad_Honnef_/stapelseiten_bad_honnef__33.html
MAS
Tuesday, November 15, 2005
Konzertrezension: The Irish Folk Festival – Tunes for Tara Tour in der Philharmonie in Köln am 15.11.2005
Konzertrezension: The Irish Folk Festival – Tunes for Tara Tour in der Philharmonie in Köln am 15.11.2005
Man könnte meinen, eine Tournee durchzuführen ist wie Flöhe hüten, denn waren schon Rüdiger Oppermann beim Klangwelten-Festival vier Damen abhanden gekommen bzw. erst gar nicht erschienen, so traf es Petr Pandula zwar nicht ganz so hart, aber auch bei seinem Irish Folk Festival fehlte eine angekündigte Musikerin, nämlich Phamie Gow, auf deren Gesang, sowie Harfen- und Pianospiel wir somit leider verzichten mussten. Als Vertretung fungierte Alan Burke, der ganz folkig mit Gesang und Gitarre den musikalischen Einstieg in das diesjährige IFF in Köln bescherte. Irgendwie wirkte er von der obersten Sitzreihe her gesehen ja winzig klein da unten auf der runden Bühne der Philharmonie, aber seine kräftige Stimme erfüllte mit elektronischer Unterstützung trotzdem die ganze Halle. (Ich erinnere mich noch an Noel Hill mit der kleinsten Concertina der Welt beim 1990er IFF in der riesigen Schwabenlandhalle in Fellbach.) Ihm folgten mit Gesang, Gitarre und Fiddle Kevin Burke & Ged Foley, auch „the high kings of tradition“ genannt, verbindet der Kenner/die Kennerin ihre Namen doch mit Formationen wie der Bothy Band, der Battlefield Band und Patrick Street, also altehrwürdigen Gruppen der irischen und schottischen Folkszene. (Die Battlefield Band wird übrigens am 1.2.2006 in der Bonner Brotfabrik spielen, natürlich in aktueller Besetzung, wenn es stimmt, was da im IFF-Programmheft steht.) Puristische Freunde traditioneller Musik hätten sich nach diesen beiden Acts eigentlich auf den Heimweg machen können, aber solche Spezialisten finden eh immer seltener den Weg zu einem IFF.
Beoga nämlich, eine fünfköpfige Band aus Nordirland, machte sowohl der Bedeutung ihres Namens „lebendig“ als auch der Zusatzbezeichnung „new folk wizards“ alle Ehre. Liam Bradley (Piano, Keyboard), Sean Óg Graham (Knopfakkordeon), Damian McKee (auch Knopfakkordeon), Eamon Murry (Bhodrán) und Niamh Dunne (Gesang, Fiddle) legten nicht nur ein schnelles Tempo vor, sondern mixten Stile unterschiedlicher ethnischer Provenienz zur einem Irish Stew zusammen, dass ich mich gar nicht satt hören konnte. Die beiden Akkordeons wurden so gespielt, dass jedes einzeln heraus zu hören war, das Bhodránspiel erinnerte mich an Jatinder Thakurs Tablaspiel beim Klangwelten-Festival, die Fiddle und vor allem auch der druckvolle Gesang der Gastmusikerin hätte mich beinahe aus dem bequemen Sitz gerissen. Wirklich sehr, sehr schade, dass dann viel zu schnell die Pause kam.
Die zweite Hälfte des Festvials bestritt Solas alleine, aber auch wenn der Name so klingt, so hat Solas nicht mit solo zu tun, sondern viel mehr mit Licht, und hatte Beoga den akustischen Luxwert schon in blendende Höhe geschraubt, so war man bei Solas der Gefahr ausgesetzt, einen musikalischen Sonnenbrand zu bekommen, ach was heißt Gefahr, vielmehr war diese Bestrahlung ein Hochgenuss. Die irisch-amerikanische Truppe, bestehend aus Seamus Egan (Flöte, Tenorbanjo, Mandoline, Tinwhistle, Lowwhistle, Gitarre, Bodhrán), Winifred Horan (Ex-Cherish the Ladies; Fiddle), Mick MacAuley ( Knopfakkordeon, Concertina, Akkordeon, Lowwhistle, Hintergundgesang), Deidre Scanlan (Gesang), Eamon McElholm (Gitarre, Gesang, Keyboard) legten auf die Vorlage von Beaga noch einen drauf, und gefielen mir auch noch besser als im letzten Jahr, als sie auch schon dabei waren. Vielleicht habe ich mich ja auch verhört, aber ich habe hauptsächlich ungerade Rhythmen in Erinnerung, als läge zwischen Amerika und Irland nicht der Atlantik, sondern der Balkan. Aber was ist schon Geographie bei einer Gruppe, die ein Stück, das nach Österreich-Ungarn klingt „The highlands of Holland“ nennt? Aber Amerikaner dürfen das, denn auch Willy Schwarz, in Deutschland lebender amerikanischer Liedermacher bescheinigt seinen Landsleuten nicht eben die besten Geographiekenntnisse (Vgl. Folker! 6.05 S. 63).
Viel zu schnell war auch dieser Act vorbei, und es blieb nur noch die Festival-Session aller beteiligter Musiker, in der sie bewiesen, dass sie neben dem Spaß auch den Ernst des Lebens zu würdigen wissen. Die Folk-Szene ist heutzutage ja nicht mehr so politisch, wie sie mal war, aber das diesjährige IFF war ja den durch den geplanten Bau eines Motorways gefährdeten Hügeln von Tara gewidmet, dem irischen Nationaldenkmal schlechthin, das in einer Archäologenherzen höher schlagen lassenden Landschaft liegt, und warum auch immer noch nicht als Unesco-Kulturerbe der Menschheit geadelt wurde. Dias von Thomas Frühwacht, umspielt von dem extra dafür komponierten „The hills of Tara“, das auch die Festival-CD so unendlich melancholisch beginnen lässt und „The march of Brian Born“, versuchten, die Herzen des Publikums für die Rettung Taras zu gewinnen. Man konnte dann auch gleich eine Petition unterschreiben. Das Programmheft enthält zudem noch ein paar andere Schauergeschichten historischer und aktueller irischer Politik, Wirtschaft und Religion, geschrieben von Petr Pandula und Gabriele Haefs (Folker!-Lesern bekannt), in denen es um lebensgefährliche Ölpipelines und inhaftierte Anwohner, die sich nicht fügen wollen, geht, und um eine englische Religionsgemeinschaft namens „British Israelites“, die die Engländer für einen verschollenen Stamm Israels hielt und in den Hügeln von Tara die verloren gegangene Bundeslade vermutete, was sie zu Raubgrabungen veranlasste. Heute ist Tara auch ohne solchen religiösen Wahnwitz gefährdet durch pekuniäres Kalkül korrupter Politiker irischer Nationalität. Ich meine, solche aktuelle Politik gehört nicht minder in ein Folks Festival, als Rebelsongs vergangener Zeiten.
http://www.irishfolkfestival.de/
http://www.tradmusic.com/artistinfo.asp?artistID=525
http://www.kevinburke.com/
http://www.gedfoley.com/
http://www.solasmusic.com/
http://www.beogamusic.com/
http://www.savetara.com/
http://www.taraskryne.org/
http://www.protect-tara.org/
http://folktreff-bonn-rhein-sieg-rezensionen.blogspot.com/2005/09/cd-rezension-irish-folk-festival-05.html
http://www.folker.de/200506/16magneticmusic.htm
http://www.magnetic-music.com/http://www.koelner-philharmonie.de/
MAS
Man könnte meinen, eine Tournee durchzuführen ist wie Flöhe hüten, denn waren schon Rüdiger Oppermann beim Klangwelten-Festival vier Damen abhanden gekommen bzw. erst gar nicht erschienen, so traf es Petr Pandula zwar nicht ganz so hart, aber auch bei seinem Irish Folk Festival fehlte eine angekündigte Musikerin, nämlich Phamie Gow, auf deren Gesang, sowie Harfen- und Pianospiel wir somit leider verzichten mussten. Als Vertretung fungierte Alan Burke, der ganz folkig mit Gesang und Gitarre den musikalischen Einstieg in das diesjährige IFF in Köln bescherte. Irgendwie wirkte er von der obersten Sitzreihe her gesehen ja winzig klein da unten auf der runden Bühne der Philharmonie, aber seine kräftige Stimme erfüllte mit elektronischer Unterstützung trotzdem die ganze Halle. (Ich erinnere mich noch an Noel Hill mit der kleinsten Concertina der Welt beim 1990er IFF in der riesigen Schwabenlandhalle in Fellbach.) Ihm folgten mit Gesang, Gitarre und Fiddle Kevin Burke & Ged Foley, auch „the high kings of tradition“ genannt, verbindet der Kenner/die Kennerin ihre Namen doch mit Formationen wie der Bothy Band, der Battlefield Band und Patrick Street, also altehrwürdigen Gruppen der irischen und schottischen Folkszene. (Die Battlefield Band wird übrigens am 1.2.2006 in der Bonner Brotfabrik spielen, natürlich in aktueller Besetzung, wenn es stimmt, was da im IFF-Programmheft steht.) Puristische Freunde traditioneller Musik hätten sich nach diesen beiden Acts eigentlich auf den Heimweg machen können, aber solche Spezialisten finden eh immer seltener den Weg zu einem IFF.
Beoga nämlich, eine fünfköpfige Band aus Nordirland, machte sowohl der Bedeutung ihres Namens „lebendig“ als auch der Zusatzbezeichnung „new folk wizards“ alle Ehre. Liam Bradley (Piano, Keyboard), Sean Óg Graham (Knopfakkordeon), Damian McKee (auch Knopfakkordeon), Eamon Murry (Bhodrán) und Niamh Dunne (Gesang, Fiddle) legten nicht nur ein schnelles Tempo vor, sondern mixten Stile unterschiedlicher ethnischer Provenienz zur einem Irish Stew zusammen, dass ich mich gar nicht satt hören konnte. Die beiden Akkordeons wurden so gespielt, dass jedes einzeln heraus zu hören war, das Bhodránspiel erinnerte mich an Jatinder Thakurs Tablaspiel beim Klangwelten-Festival, die Fiddle und vor allem auch der druckvolle Gesang der Gastmusikerin hätte mich beinahe aus dem bequemen Sitz gerissen. Wirklich sehr, sehr schade, dass dann viel zu schnell die Pause kam.
Die zweite Hälfte des Festvials bestritt Solas alleine, aber auch wenn der Name so klingt, so hat Solas nicht mit solo zu tun, sondern viel mehr mit Licht, und hatte Beoga den akustischen Luxwert schon in blendende Höhe geschraubt, so war man bei Solas der Gefahr ausgesetzt, einen musikalischen Sonnenbrand zu bekommen, ach was heißt Gefahr, vielmehr war diese Bestrahlung ein Hochgenuss. Die irisch-amerikanische Truppe, bestehend aus Seamus Egan (Flöte, Tenorbanjo, Mandoline, Tinwhistle, Lowwhistle, Gitarre, Bodhrán), Winifred Horan (Ex-Cherish the Ladies; Fiddle), Mick MacAuley ( Knopfakkordeon, Concertina, Akkordeon, Lowwhistle, Hintergundgesang), Deidre Scanlan (Gesang), Eamon McElholm (Gitarre, Gesang, Keyboard) legten auf die Vorlage von Beaga noch einen drauf, und gefielen mir auch noch besser als im letzten Jahr, als sie auch schon dabei waren. Vielleicht habe ich mich ja auch verhört, aber ich habe hauptsächlich ungerade Rhythmen in Erinnerung, als läge zwischen Amerika und Irland nicht der Atlantik, sondern der Balkan. Aber was ist schon Geographie bei einer Gruppe, die ein Stück, das nach Österreich-Ungarn klingt „The highlands of Holland“ nennt? Aber Amerikaner dürfen das, denn auch Willy Schwarz, in Deutschland lebender amerikanischer Liedermacher bescheinigt seinen Landsleuten nicht eben die besten Geographiekenntnisse (Vgl. Folker! 6.05 S. 63).
Viel zu schnell war auch dieser Act vorbei, und es blieb nur noch die Festival-Session aller beteiligter Musiker, in der sie bewiesen, dass sie neben dem Spaß auch den Ernst des Lebens zu würdigen wissen. Die Folk-Szene ist heutzutage ja nicht mehr so politisch, wie sie mal war, aber das diesjährige IFF war ja den durch den geplanten Bau eines Motorways gefährdeten Hügeln von Tara gewidmet, dem irischen Nationaldenkmal schlechthin, das in einer Archäologenherzen höher schlagen lassenden Landschaft liegt, und warum auch immer noch nicht als Unesco-Kulturerbe der Menschheit geadelt wurde. Dias von Thomas Frühwacht, umspielt von dem extra dafür komponierten „The hills of Tara“, das auch die Festival-CD so unendlich melancholisch beginnen lässt und „The march of Brian Born“, versuchten, die Herzen des Publikums für die Rettung Taras zu gewinnen. Man konnte dann auch gleich eine Petition unterschreiben. Das Programmheft enthält zudem noch ein paar andere Schauergeschichten historischer und aktueller irischer Politik, Wirtschaft und Religion, geschrieben von Petr Pandula und Gabriele Haefs (Folker!-Lesern bekannt), in denen es um lebensgefährliche Ölpipelines und inhaftierte Anwohner, die sich nicht fügen wollen, geht, und um eine englische Religionsgemeinschaft namens „British Israelites“, die die Engländer für einen verschollenen Stamm Israels hielt und in den Hügeln von Tara die verloren gegangene Bundeslade vermutete, was sie zu Raubgrabungen veranlasste. Heute ist Tara auch ohne solchen religiösen Wahnwitz gefährdet durch pekuniäres Kalkül korrupter Politiker irischer Nationalität. Ich meine, solche aktuelle Politik gehört nicht minder in ein Folks Festival, als Rebelsongs vergangener Zeiten.
http://www.irishfolkfestival.de/
http://www.tradmusic.com/artistinfo.asp?artistID=525
http://www.kevinburke.com/
http://www.gedfoley.com/
http://www.solasmusic.com/
http://www.beogamusic.com/
http://www.savetara.com/
http://www.taraskryne.org/
http://www.protect-tara.org/
http://folktreff-bonn-rhein-sieg-rezensionen.blogspot.com/2005/09/cd-rezension-irish-folk-festival-05.html
http://www.folker.de/200506/16magneticmusic.htm
http://www.magnetic-music.com/http://www.koelner-philharmonie.de/
MAS
Monday, November 14, 2005
CD-Rezension: Deitsch. Königskinder.
CD-Rezension: Deitsch. Königskinder.
(rough trade) 2005, 14 Tracks, 55,47 Minuten mit Texten, Infos und Fotos
Das schrieb ich ganz spontan am 31.10.205 im folkigen Rundbrief:
„Hi Folks,
eben war die neue Klingende Post im Briefkasten mit 22 Stücken aus 22 CDs von Old Songs New Songs in Bochum, darunter eines, auf dass ich in dieser Runde aufmerksam machen muss. Jürgen Treyz und Gudrun Walter, bekannt als Musiker bei Adaro, La Marmotte bzw. Lynch the Box, More Maids u.a. haben sich zu dem Duo Deitsch zusammengefunden und auf der CD "Königskinder" alte deutsche Lieder eingespielt und -gesungen, und zwar in einer solchen Qualität (zumindest nach dem Hörbeispiel der Klingen Post aus zu urteilen), dass mir Tränen der Begeisterung kamen. So zeigt es sich, dass die beiden viele Jahre die irische und französische Musik geübt haben, um nicht nur den Gesang, sondern auch die Instrumentalpartien mitreißend zu spielen, was ja bei Deutschfolkbands oft zu wünschen übrig lässt. Ich kann die CD nicht rezensieren, da ich sie nicht selbst habe, aber lest mal die Rezi von Klaus Sahm und Erich Schmeckenbecher unter:
http://osns.sam-ip.com/detail2.asp?Produkt_ID=453373192.
Wie ich unter http://www.deitsch.de lese, ist es nicht nur ein Duo, sondern auch dabei sind:
Johannes Uhlmann: diatonisches Akkordeon
Henrik Mumm: Fretless-Bass, Akustik-Bass, Kontrabass, Cello
Herbert Wachter: Perkussion, Schlagzeug
Christoph Pelgen: Dudelsäcke (Schäferpfeife, Hümmelchen)
Andreas Uhlmann: Posaune
Konstanze Kulinsky: Satzgesang
Hans Ehrenpreis: Satzgesang
Konstanzes Drehleier ist also leider nicht dabei.“
[Ich habe gegenüber dem Original ein paar Tippfehler korrigiert und den Klaus Sahm eingefügt.]
Und nun, da mir die CD vorliegt, die zwei Tage später kam, ergänze ich zunächst die Instrumente der beiden Hauptprotagonisten:
Gudrun Walter: Gesang, Violine, Viola, Satzgesang
Jürgen Treyz: Akustik-Gitarre, 12-saitige Gitarre, Dobro, Telecaster, Mandoline, Mandola, Satzgesang
Potzblitz, was ist denn da der Esslinger Musikschmiede entstiegen? Eine Stimme wie Nena, ein Bandsound wie Altan, eine Liedauswahl wie bei Garmana oder Triakl, nur eben keine Neue Deutsche Welle und auch keine Irish Folk Music oder Svensk Folkmusik, sondern deutsche Volksmusik, und zwar Lieder, die auch meine Schwiegermutter kennt und mir am Telefon vorsingt, als ich ihr von der CD erzähle. Na zumindest das Titellied „Es waren zwei Königskinder“ singt sie, aber schon geht die Diskussion los: War es nun eine falsche Norne, die die Kerzen ausblies, so wie im Text der CD, oder vielmehr eine falsche Nonne, wie meine Schwiegermutter meint? Ich recherchiere im Internet und finde eine Version von „Deutsche Volkslieder“ von 1807, in der die Norne bestätigt ist, aber auch eine lateinische Version, in der eine monacha falsa, also eine Nonne die Übeltäterin ist, desgleichen in der plattdütschen Version im „Hausbuch deutscher Balladen“, das ich neulich beim Bücherbasar der ULB Bonn erstand, in der es eine Nunne ist. Lassen wir die Frage offen, ob es nun eine germanische Schicksalsgöttin oder eine christliche Ordensfrau war, zumal die Herkunft der Geschichte im antiken Griechenland liegen soll, und schauen, was es sonst noch gibt:
Gesungene Lieder und rein instrumental gespielte Melodien, zumeist Tänze, wechseln einander ab, d.h. Lieder sind es etwas mehr, nämlich acht der 14 Stücke. Gudrun singt hochdeutsch, eines ist von Jürgen auf Schwäbisch. Die Texte, in denen es nicht nur um besagte Königkinder, sondern auch um ein um ihren untreuen Geliebten trauerndes Mädchen, einen Wassermann (ein sehr beliebtes Motiv deutscher Balladen, nicht nur bei Achim Reichel und Johannes Mayr), ein Mädchen das Brombeeren pflückt und dabei schwanger wird, ein anderes Mädchen, das lieber einem jungen Reiter folgt als bei der Mutter zubleiben, einen heimgekehrten Mann, der seine wartende Geliebte hart auf ihre Treue prüft, die Schönheit der Maienzeit und einen schwäbischen Schumacherburschen geht, sind alle traditionell und auch die Liedmelodien, abgesehen von „Der Lindenbaum“, und während die tradierten Melodien recht einfach sind, wie man sie so kennt, werden sie von komplexen und rhythmischen Instrumentaleinlagen begleitet, komplex vor allem dahin gehend, als sie sich dem jeweiligen Textinhalt anpassen, bei dramatischen Stellen an Intensität zunehmen oder ihre Stimmung je nach inhaltlicher Wendung ändern. Mit einfachen Begleitakkorden hat das nichts zu tun, sondern ist Kunst in Hochform. Man merkt den Musikerinnen und Musikern eine langjährige intensive Beschäftigung mit irischer, französischer, balkanischer und anderer Musik an, wobei sich alle diese Einflüsse harmonisch der deutschen Leitlinie anpassen und sie bereichern, ohne exotisch oder zu experimentell zu wirken. Es ist eher so, wie auch irische Musiker sehr viel Fremdes importieren und verarbeiten und zu Eigenem machen. Das gilt auch für die Instumentals: Zwiefacher, Schottische, Rheinländer, Polkas (na, die eine spontan im Studio geschriebene Polka könnte aus Kerry stammen) und anderes (ich kann nicht alles genau identifizieren, da fehlt mir noch etwas Sachverstand), auch mal ein ganz ruhiges Stück mit oben aufgelisteten Instrumenten, wobei Christophs Sackpfeifen etwas sehr zurückhaltend sind, aber Geige und diatonisches Akkordeon verbreiten eine so gute Laune, die bei der doch sehr zu Herzen gehenden Dramatik der Balladen sehr gut tut, und dabei ist der Klang so voll, wie eben bei Altan und anderen der irischen Spitzengruppen.
Fazit: Auf so eine CD habe ich lange gewartet. Endlich widmen sich mal wieder Spitzenmusiker(innen) auch außerhalb der Mundart-, Kabarett- und Bordunszene der deutschen Volksmusiktradition und katapultieren sie ins 21. Jahrhundert, so dass „wir“ endlich mal wieder auf einer Ebene mit unseren europäischen Freunden stehen. Ich setze das „wir“ in Anführungszeichen, weil ich von Kollektividentitäten wie bei „Wir sind Papst“ nicht sehr viel halte, aber etwas Wir-Gefühl ist doch dabei, nicht nur, weil ich die Texte verstehe. Jedenfalls haben wir wieder etwas zum Vorzeigen, wenn wir woanders zu Gast sind: Guck mal, bei uns gibt es auch sehr gute Volksmusik, jenseits von Tümelei, Museum und Kindergarten. Und da sie auch meine Schwiegermutter mit 74 anspricht – wobei sie auch Jazz und Soul hört und El Hussein Kili – könnte diese Musik die Generationen wieder verbinden, und vielleicht auch die Folk- und die volkstümliche Szene, es sei denn letzterer ist diese Musik zu ernst, zu tief, zu bewegend. Wenn sie Schule macht, könnte sie auf jeden Fall eine Neue Deutsche Folkwelle in Gang bringen. Behalten wir es im Ohr!
Interessant zu wissen wäre es, wie sich Deitsch life anhört, nur als Duo, oder ob nicht doch eine größere Band daraus wird, damit der schöne und volle Bandsound erhalten bleibt. Im Folker! 1/06 wird ein Artikel über Deitsch von Uli Joosten erscheinen. Darauf bin ich sehr gespannt. Im Übrigen hat der Folker! die Entstehung der CD unterstützt.
http://www.deitsch.de
http://osns.sam-ip.com/detail2.asp?Produkt_ID=453373192
MAS
(rough trade) 2005, 14 Tracks, 55,47 Minuten mit Texten, Infos und Fotos
Das schrieb ich ganz spontan am 31.10.205 im folkigen Rundbrief:
„Hi Folks,
eben war die neue Klingende Post im Briefkasten mit 22 Stücken aus 22 CDs von Old Songs New Songs in Bochum, darunter eines, auf dass ich in dieser Runde aufmerksam machen muss. Jürgen Treyz und Gudrun Walter, bekannt als Musiker bei Adaro, La Marmotte bzw. Lynch the Box, More Maids u.a. haben sich zu dem Duo Deitsch zusammengefunden und auf der CD "Königskinder" alte deutsche Lieder eingespielt und -gesungen, und zwar in einer solchen Qualität (zumindest nach dem Hörbeispiel der Klingen Post aus zu urteilen), dass mir Tränen der Begeisterung kamen. So zeigt es sich, dass die beiden viele Jahre die irische und französische Musik geübt haben, um nicht nur den Gesang, sondern auch die Instrumentalpartien mitreißend zu spielen, was ja bei Deutschfolkbands oft zu wünschen übrig lässt. Ich kann die CD nicht rezensieren, da ich sie nicht selbst habe, aber lest mal die Rezi von Klaus Sahm und Erich Schmeckenbecher unter:
http://osns.sam-ip.com/detail2.asp?Produkt_ID=453373192.
Wie ich unter http://www.deitsch.de lese, ist es nicht nur ein Duo, sondern auch dabei sind:
Johannes Uhlmann: diatonisches Akkordeon
Henrik Mumm: Fretless-Bass, Akustik-Bass, Kontrabass, Cello
Herbert Wachter: Perkussion, Schlagzeug
Christoph Pelgen: Dudelsäcke (Schäferpfeife, Hümmelchen)
Andreas Uhlmann: Posaune
Konstanze Kulinsky: Satzgesang
Hans Ehrenpreis: Satzgesang
Konstanzes Drehleier ist also leider nicht dabei.“
[Ich habe gegenüber dem Original ein paar Tippfehler korrigiert und den Klaus Sahm eingefügt.]
Und nun, da mir die CD vorliegt, die zwei Tage später kam, ergänze ich zunächst die Instrumente der beiden Hauptprotagonisten:
Gudrun Walter: Gesang, Violine, Viola, Satzgesang
Jürgen Treyz: Akustik-Gitarre, 12-saitige Gitarre, Dobro, Telecaster, Mandoline, Mandola, Satzgesang
Potzblitz, was ist denn da der Esslinger Musikschmiede entstiegen? Eine Stimme wie Nena, ein Bandsound wie Altan, eine Liedauswahl wie bei Garmana oder Triakl, nur eben keine Neue Deutsche Welle und auch keine Irish Folk Music oder Svensk Folkmusik, sondern deutsche Volksmusik, und zwar Lieder, die auch meine Schwiegermutter kennt und mir am Telefon vorsingt, als ich ihr von der CD erzähle. Na zumindest das Titellied „Es waren zwei Königskinder“ singt sie, aber schon geht die Diskussion los: War es nun eine falsche Norne, die die Kerzen ausblies, so wie im Text der CD, oder vielmehr eine falsche Nonne, wie meine Schwiegermutter meint? Ich recherchiere im Internet und finde eine Version von „Deutsche Volkslieder“ von 1807, in der die Norne bestätigt ist, aber auch eine lateinische Version, in der eine monacha falsa, also eine Nonne die Übeltäterin ist, desgleichen in der plattdütschen Version im „Hausbuch deutscher Balladen“, das ich neulich beim Bücherbasar der ULB Bonn erstand, in der es eine Nunne ist. Lassen wir die Frage offen, ob es nun eine germanische Schicksalsgöttin oder eine christliche Ordensfrau war, zumal die Herkunft der Geschichte im antiken Griechenland liegen soll, und schauen, was es sonst noch gibt:
Gesungene Lieder und rein instrumental gespielte Melodien, zumeist Tänze, wechseln einander ab, d.h. Lieder sind es etwas mehr, nämlich acht der 14 Stücke. Gudrun singt hochdeutsch, eines ist von Jürgen auf Schwäbisch. Die Texte, in denen es nicht nur um besagte Königkinder, sondern auch um ein um ihren untreuen Geliebten trauerndes Mädchen, einen Wassermann (ein sehr beliebtes Motiv deutscher Balladen, nicht nur bei Achim Reichel und Johannes Mayr), ein Mädchen das Brombeeren pflückt und dabei schwanger wird, ein anderes Mädchen, das lieber einem jungen Reiter folgt als bei der Mutter zubleiben, einen heimgekehrten Mann, der seine wartende Geliebte hart auf ihre Treue prüft, die Schönheit der Maienzeit und einen schwäbischen Schumacherburschen geht, sind alle traditionell und auch die Liedmelodien, abgesehen von „Der Lindenbaum“, und während die tradierten Melodien recht einfach sind, wie man sie so kennt, werden sie von komplexen und rhythmischen Instrumentaleinlagen begleitet, komplex vor allem dahin gehend, als sie sich dem jeweiligen Textinhalt anpassen, bei dramatischen Stellen an Intensität zunehmen oder ihre Stimmung je nach inhaltlicher Wendung ändern. Mit einfachen Begleitakkorden hat das nichts zu tun, sondern ist Kunst in Hochform. Man merkt den Musikerinnen und Musikern eine langjährige intensive Beschäftigung mit irischer, französischer, balkanischer und anderer Musik an, wobei sich alle diese Einflüsse harmonisch der deutschen Leitlinie anpassen und sie bereichern, ohne exotisch oder zu experimentell zu wirken. Es ist eher so, wie auch irische Musiker sehr viel Fremdes importieren und verarbeiten und zu Eigenem machen. Das gilt auch für die Instumentals: Zwiefacher, Schottische, Rheinländer, Polkas (na, die eine spontan im Studio geschriebene Polka könnte aus Kerry stammen) und anderes (ich kann nicht alles genau identifizieren, da fehlt mir noch etwas Sachverstand), auch mal ein ganz ruhiges Stück mit oben aufgelisteten Instrumenten, wobei Christophs Sackpfeifen etwas sehr zurückhaltend sind, aber Geige und diatonisches Akkordeon verbreiten eine so gute Laune, die bei der doch sehr zu Herzen gehenden Dramatik der Balladen sehr gut tut, und dabei ist der Klang so voll, wie eben bei Altan und anderen der irischen Spitzengruppen.
Fazit: Auf so eine CD habe ich lange gewartet. Endlich widmen sich mal wieder Spitzenmusiker(innen) auch außerhalb der Mundart-, Kabarett- und Bordunszene der deutschen Volksmusiktradition und katapultieren sie ins 21. Jahrhundert, so dass „wir“ endlich mal wieder auf einer Ebene mit unseren europäischen Freunden stehen. Ich setze das „wir“ in Anführungszeichen, weil ich von Kollektividentitäten wie bei „Wir sind Papst“ nicht sehr viel halte, aber etwas Wir-Gefühl ist doch dabei, nicht nur, weil ich die Texte verstehe. Jedenfalls haben wir wieder etwas zum Vorzeigen, wenn wir woanders zu Gast sind: Guck mal, bei uns gibt es auch sehr gute Volksmusik, jenseits von Tümelei, Museum und Kindergarten. Und da sie auch meine Schwiegermutter mit 74 anspricht – wobei sie auch Jazz und Soul hört und El Hussein Kili – könnte diese Musik die Generationen wieder verbinden, und vielleicht auch die Folk- und die volkstümliche Szene, es sei denn letzterer ist diese Musik zu ernst, zu tief, zu bewegend. Wenn sie Schule macht, könnte sie auf jeden Fall eine Neue Deutsche Folkwelle in Gang bringen. Behalten wir es im Ohr!
Interessant zu wissen wäre es, wie sich Deitsch life anhört, nur als Duo, oder ob nicht doch eine größere Band daraus wird, damit der schöne und volle Bandsound erhalten bleibt. Im Folker! 1/06 wird ein Artikel über Deitsch von Uli Joosten erscheinen. Darauf bin ich sehr gespannt. Im Übrigen hat der Folker! die Entstehung der CD unterstützt.
http://www.deitsch.de
http://osns.sam-ip.com/detail2.asp?Produkt_ID=453373192
MAS
Tuesday, November 08, 2005
Konzertrezension: Klangwelten-Festival in der Kunst- und Ausstellungshalle in Bonn am 8.11.2005
Konzertrezension: Klangwelten-Festival in der Kunst- und Ausstellungshalle in Bonn am 8.11.2005
Rüdiger Oppermanns Klangwelten-Festival tourt dieses Jahr nun schon zum 19. Mal durch Deutschland, für mich indes war es eine Premiere, es einmal zu besuchen. Oppermanns Dialekt kam mir als im Rhein-Lahn-Kreis Aufgewachsenem sehr heimatlich-vertraut vor, hatte er doch den hessischen Einschlag, der auch in meiner Kindheitsheimat ansatzweise durchzuhören ist, die an diesem Abend zu hörende Musik aber war alles andere als heimatlich und vertraut, sondern exotisch, ungewohnt und meisterhaft schön. Und das, obwohl zwei Fünftel der angekündigten Musiker bzw. Acts nicht anwesend waren. Das inuitische (gibt es das Adjektiv überhaupt?) Katajaq Duo aus Kanada war wegen Krankheit verhindert, die deren Gesang auch beherrschende und als Ersatz angekündigte Toni Pope aus San Fransisco war wieder abgereist, weil ihre Großmutter gestorben war, und die kasachische Sängerin Uljana Baibusjnova war auch nicht da. Nun kündigte Oppermann an, dass die Inuit-Frauen doch noch kämen, aber erst am nächsten Tag, und wer sie hören wolle, dürfe mit dem Bonner Ticket zum halben Preis ein beliebiges anderes Klangwelten-Konzert dieser Tour besuchen.
Anwesend waren aber Rüdiger Oppermann selber, das Ranga Panga Trio aus Madagaskar, benannt nach einem Reiswassergetränk ihrer Heimat, der indische, in Wien lebende Trommler Jatinder Thakur, und nicht angekündigt und Irish Spring Festival-Besuchern bekannt – nein, kein Ire, sondern – Enkh Jargal, besser bekannt als Epi, aus der Mongolei, aber wohnhaft in Karlsruhe. Oppermann erklärte ein wenig, was es mit der jeweiligen Musik und den Instrumenten auf sich habe, aber übertrieb es damit nicht, denn es war weder eine musikwissenschaftliche Vorlesung, noch eine musikethnologische Museumsführung, sondern ein Konzert, bei dem die Musik absolut im Mittelpunkt stand. Das kleine Programmheftchen aber gibt umfangreiche Auskunft. Madagaskar soll musikalisch und auch sonst kulturell viel von indonesischem Erbe bewahrt haben und weniger von afrikanischem, aber die Musik des Ranga Panga Trios mit Monjamahafay Zeze (kurz Monja), Sammy Andriamalalaharijaona Samoela und Jean Bosco Rakotonirina kam meinem Gehör sehr afrikanisch vor, wohl weil sie von der mehr afrikanisch beeinflussten Südküste der Insel stammen. Mehrstimmiger Gesang, im besten Sinne es Wortes merk-würdige Saiteninstrumente (z.B. die Maro-Vaani, ein Kasten mit an zwei Seiten angebrachten Fahrrad-Bowden-Zug-Saiten, die Vailiha, ein runder Bambusstamm (oder sagt man „Bambushalm“, da es doch ein Gras ist?) mit aus diesem herausgeschnittenen Saiten rundherum, die Jejy Voatavo, ein schmaler Kasten mit Saiten an allen vier Seiten und einem Kürbis als Klangkörper und die Jeji Iava, ein Baum oder ein Ast mit gespannten Basssaiten und Tonabnehmer), ein Blasinstrument, ein sehr einfaches Percussionsinstrument, nämlich ein Büschel trockenen Grases. Das alles zusammen klang arachaisch und hochmodern zugleich, besonders auch, wenn der Gesang durch ein eingeatmetes Jiha oder durch ein Hahnenkrähen ergänzt wurde. Epi spielte seine mongolische Pferdekopfkniegeige und sang in Unter- , Ober- und normalen Tönen mongolische und kasachische Lieder, so dass man akustisch und gefühlsmäßig vom madagassischen Urwald in die zentralasiatische Steppe wechselte. Thakur bewies sich als rasanter Tablavirtuose, dass es nur so staubte (er hatte die Trommelfelle mit Talk eingepudert), aber auch als Stimmenpercussionist, denn nach indischer Tradition lernt man die Trommelpartien durch gesungene Parteien eben der selben, und Oppermann spielte einige Tunes auf einer großen und einer kleinen keltische Harfe, teilweise mit elektronischen Loops, Echos usw. gedehnt und wiederholt. Und wenn das dann alles zusammen erklang, also nicht ordentlich ethnologisch und geographisch getrennt, sondern crossover vermischt, ohne dass die Eigenarten der jeweiligen Stile (zumindest für meine Ohren) verloren gingen, dann wurde daraus das, was ich eigentlich als „Weltmusik“ bezeichne: multiethnische, jazzige-jam-session-mäßige, traditions-innovative, mitreißende Arrangements, die die Halle zum Beben brachten. Interessant war dabei auch ein auf der Harfe statt einer Sitar gespielter Raga mit Tablabegleitung.
Fazit: Die Klangwelten sind nichts für Puristen und nichts für Leute, die vorher schon wissen wollen, was sie erwartet, aber sehr zu empfehlen für Liebhaber experimentierender musikalischer Vielfalt, die ihre traditionellen Wurzeln zwar kräftig gedehnt, aber noch nicht aus dem Boden gerissen hat.
http://www.klangwelten.com/
http://www.folker.de/200406/07opper.htm
MAS
Rüdiger Oppermanns Klangwelten-Festival tourt dieses Jahr nun schon zum 19. Mal durch Deutschland, für mich indes war es eine Premiere, es einmal zu besuchen. Oppermanns Dialekt kam mir als im Rhein-Lahn-Kreis Aufgewachsenem sehr heimatlich-vertraut vor, hatte er doch den hessischen Einschlag, der auch in meiner Kindheitsheimat ansatzweise durchzuhören ist, die an diesem Abend zu hörende Musik aber war alles andere als heimatlich und vertraut, sondern exotisch, ungewohnt und meisterhaft schön. Und das, obwohl zwei Fünftel der angekündigten Musiker bzw. Acts nicht anwesend waren. Das inuitische (gibt es das Adjektiv überhaupt?) Katajaq Duo aus Kanada war wegen Krankheit verhindert, die deren Gesang auch beherrschende und als Ersatz angekündigte Toni Pope aus San Fransisco war wieder abgereist, weil ihre Großmutter gestorben war, und die kasachische Sängerin Uljana Baibusjnova war auch nicht da. Nun kündigte Oppermann an, dass die Inuit-Frauen doch noch kämen, aber erst am nächsten Tag, und wer sie hören wolle, dürfe mit dem Bonner Ticket zum halben Preis ein beliebiges anderes Klangwelten-Konzert dieser Tour besuchen.
Anwesend waren aber Rüdiger Oppermann selber, das Ranga Panga Trio aus Madagaskar, benannt nach einem Reiswassergetränk ihrer Heimat, der indische, in Wien lebende Trommler Jatinder Thakur, und nicht angekündigt und Irish Spring Festival-Besuchern bekannt – nein, kein Ire, sondern – Enkh Jargal, besser bekannt als Epi, aus der Mongolei, aber wohnhaft in Karlsruhe. Oppermann erklärte ein wenig, was es mit der jeweiligen Musik und den Instrumenten auf sich habe, aber übertrieb es damit nicht, denn es war weder eine musikwissenschaftliche Vorlesung, noch eine musikethnologische Museumsführung, sondern ein Konzert, bei dem die Musik absolut im Mittelpunkt stand. Das kleine Programmheftchen aber gibt umfangreiche Auskunft. Madagaskar soll musikalisch und auch sonst kulturell viel von indonesischem Erbe bewahrt haben und weniger von afrikanischem, aber die Musik des Ranga Panga Trios mit Monjamahafay Zeze (kurz Monja), Sammy Andriamalalaharijaona Samoela und Jean Bosco Rakotonirina kam meinem Gehör sehr afrikanisch vor, wohl weil sie von der mehr afrikanisch beeinflussten Südküste der Insel stammen. Mehrstimmiger Gesang, im besten Sinne es Wortes merk-würdige Saiteninstrumente (z.B. die Maro-Vaani, ein Kasten mit an zwei Seiten angebrachten Fahrrad-Bowden-Zug-Saiten, die Vailiha, ein runder Bambusstamm (oder sagt man „Bambushalm“, da es doch ein Gras ist?) mit aus diesem herausgeschnittenen Saiten rundherum, die Jejy Voatavo, ein schmaler Kasten mit Saiten an allen vier Seiten und einem Kürbis als Klangkörper und die Jeji Iava, ein Baum oder ein Ast mit gespannten Basssaiten und Tonabnehmer), ein Blasinstrument, ein sehr einfaches Percussionsinstrument, nämlich ein Büschel trockenen Grases. Das alles zusammen klang arachaisch und hochmodern zugleich, besonders auch, wenn der Gesang durch ein eingeatmetes Jiha oder durch ein Hahnenkrähen ergänzt wurde. Epi spielte seine mongolische Pferdekopfkniegeige und sang in Unter- , Ober- und normalen Tönen mongolische und kasachische Lieder, so dass man akustisch und gefühlsmäßig vom madagassischen Urwald in die zentralasiatische Steppe wechselte. Thakur bewies sich als rasanter Tablavirtuose, dass es nur so staubte (er hatte die Trommelfelle mit Talk eingepudert), aber auch als Stimmenpercussionist, denn nach indischer Tradition lernt man die Trommelpartien durch gesungene Parteien eben der selben, und Oppermann spielte einige Tunes auf einer großen und einer kleinen keltische Harfe, teilweise mit elektronischen Loops, Echos usw. gedehnt und wiederholt. Und wenn das dann alles zusammen erklang, also nicht ordentlich ethnologisch und geographisch getrennt, sondern crossover vermischt, ohne dass die Eigenarten der jeweiligen Stile (zumindest für meine Ohren) verloren gingen, dann wurde daraus das, was ich eigentlich als „Weltmusik“ bezeichne: multiethnische, jazzige-jam-session-mäßige, traditions-innovative, mitreißende Arrangements, die die Halle zum Beben brachten. Interessant war dabei auch ein auf der Harfe statt einer Sitar gespielter Raga mit Tablabegleitung.
Fazit: Die Klangwelten sind nichts für Puristen und nichts für Leute, die vorher schon wissen wollen, was sie erwartet, aber sehr zu empfehlen für Liebhaber experimentierender musikalischer Vielfalt, die ihre traditionellen Wurzeln zwar kräftig gedehnt, aber noch nicht aus dem Boden gerissen hat.
http://www.klangwelten.com/
http://www.folker.de/200406/07opper.htm
MAS
Saturday, October 22, 2005
Konzertrezension: The Midden beim Folk im Feuerschlösschen in Bad Honnef am 22.10.2005
The Midden beim Folk im Feuerschlösschen in Bad Honnef am 22.10.2005
Am Samstag dem 22.10.2005 konnte oder musste – je nach Betrachtungsweise – man sich als Bonner Folkie ja entscheiden, ob man sich den Allan Taylor im Kloster Steinfeld, Currach in der Museumsnacht der Kelten im Rheinischen Landesmuseum oder The Midden im Feuerschlösschen anhören wollte. Ich entschied mich für letzteres und – nicht wissend wie die andern beiden Konzerte waren, so dass ich Rezensionen darüber gerne lesen würde – bereue meine Entscheidung nicht. Drei junge Damen aus Glasgow, Kate Reid mit Gesang und Gitarre, Meggan Reid mit Geige und Gesang und Hazel Reid mit Whistles, E-Bass und Gesang und als einzigem Mann der Truppe Jay (Nachname?) aus Ayreshire mit einer arabischen Trommel, deren Name mir nicht einfällt (Moustafa Osh spielt eine solche bei Sahara; ah es ist eine Darabuka) boten ein abwechslungsreiches Konzert aus traditioneller und moderner schottischer und etwas irischer Folkmusik. Die drei Schwestern bilden eigentlich die Band, während Jay anscheinend für diese Deutschlandtournee dazu stieß, aber so genau wurde das nicht erklärt. Sie spielten – abgesehen vom E-Bass – rein akustisch, gänzlich ohne Mikrophon, was sie, so Kate, die ihre Ansagen gemischt auf Deutsch und Englisch hielt, ansonsten nur zu Hause zu Weihnachten tun, so dass die gute Akustik des Feuerschlösschen-Foyers voll zum Zuge kam. Vor allem Kates Gesang und Meggans Fiddlespiel bildeten den Hauptpart der Musik, aber Bass und Whistles gaben hier und da eine besondere Note hinzu, wobei die Whistles gegen die Geige meistens ein bisschen zu leise blieben, außer in dem Stück, in dem Hazel eine Susato einsetzte. Ja, Näx hat recht, die sind wirklich lauter. Besonders bei den Jigs, Reels und anderen schnelleren Tunes gab die arabische Trommel als Alternative zur Bodhrán dem Ganzen einen besondern Touch, der gut passte und zeigte, wie weltoffen traditionelle Musik sein kann. Die Tunes waren großenteils typische Sessionmusik, dabei auch das Eine oder Andere von Michael MacGoldrick. Die Lieder hatten eine große Spannbreite von alten Traditionals, auch welchen von Robert Burns, bis zu modernen poppigeren, jazzigeren, teils auch souligeren Songs, deren Stil denen vertraut sein dürfte, die z.B. Gruppen wie Tarras oder Tamalin kennen. Was davon nun Eigenkompositionen und was von anderen Band übernommen war, erkannte ich nicht immer. Nur mit Bier kennt Kate sich nicht aus: Überlegend, ob „The Lark in the Morning“ ein irisches oder ein englisches Lied sei, meinte sie, es sei irisch, da darin ein Porter erwähnt sei, und Porter sei ein alter Name von Guinness. Das stimmt aber nicht, denn Porter ist eine alte englische Biersorte, dunkel, recht stark und obergärig, während Guinness ein irischer Firmenname ist, dessen berühmtestes Produkt ein Stout ist, eine ebenfalls dunkle und obergärige Biersorte, die ursprünglich stärker (stouter) war als ein Porter, heute aber meistens etwas alkoholärmer ist. Ungeachtet dieser Überlegung ist „The Lark in the Morning“ wirklich ein irisches Lied, da hat sie Recht, trotz des fehlerhaften Lösungsweges. Fazit: Bevor die drei Schwestern und ihr Trommler nun back to Caledonia reisten, bezauberten sie hier am Rhein die Besucher des total ausverkauften Feuerschlösschens und dürfen gerne wieder kommen!
http://www.the-midden.com/
http://www.folker.de/200305/rezi-eu.htm#11
http://www.folker.de/200406/rezi-eu.htm#07
http://www.the-midden.com/press_pack/Folker!%20live%20review%20german.pdf
http://www.regenbogenklang.de/img/Darabuka01.jpg
MAS
Am Samstag dem 22.10.2005 konnte oder musste – je nach Betrachtungsweise – man sich als Bonner Folkie ja entscheiden, ob man sich den Allan Taylor im Kloster Steinfeld, Currach in der Museumsnacht der Kelten im Rheinischen Landesmuseum oder The Midden im Feuerschlösschen anhören wollte. Ich entschied mich für letzteres und – nicht wissend wie die andern beiden Konzerte waren, so dass ich Rezensionen darüber gerne lesen würde – bereue meine Entscheidung nicht. Drei junge Damen aus Glasgow, Kate Reid mit Gesang und Gitarre, Meggan Reid mit Geige und Gesang und Hazel Reid mit Whistles, E-Bass und Gesang und als einzigem Mann der Truppe Jay (Nachname?) aus Ayreshire mit einer arabischen Trommel, deren Name mir nicht einfällt (Moustafa Osh spielt eine solche bei Sahara; ah es ist eine Darabuka) boten ein abwechslungsreiches Konzert aus traditioneller und moderner schottischer und etwas irischer Folkmusik. Die drei Schwestern bilden eigentlich die Band, während Jay anscheinend für diese Deutschlandtournee dazu stieß, aber so genau wurde das nicht erklärt. Sie spielten – abgesehen vom E-Bass – rein akustisch, gänzlich ohne Mikrophon, was sie, so Kate, die ihre Ansagen gemischt auf Deutsch und Englisch hielt, ansonsten nur zu Hause zu Weihnachten tun, so dass die gute Akustik des Feuerschlösschen-Foyers voll zum Zuge kam. Vor allem Kates Gesang und Meggans Fiddlespiel bildeten den Hauptpart der Musik, aber Bass und Whistles gaben hier und da eine besondere Note hinzu, wobei die Whistles gegen die Geige meistens ein bisschen zu leise blieben, außer in dem Stück, in dem Hazel eine Susato einsetzte. Ja, Näx hat recht, die sind wirklich lauter. Besonders bei den Jigs, Reels und anderen schnelleren Tunes gab die arabische Trommel als Alternative zur Bodhrán dem Ganzen einen besondern Touch, der gut passte und zeigte, wie weltoffen traditionelle Musik sein kann. Die Tunes waren großenteils typische Sessionmusik, dabei auch das Eine oder Andere von Michael MacGoldrick. Die Lieder hatten eine große Spannbreite von alten Traditionals, auch welchen von Robert Burns, bis zu modernen poppigeren, jazzigeren, teils auch souligeren Songs, deren Stil denen vertraut sein dürfte, die z.B. Gruppen wie Tarras oder Tamalin kennen. Was davon nun Eigenkompositionen und was von anderen Band übernommen war, erkannte ich nicht immer. Nur mit Bier kennt Kate sich nicht aus: Überlegend, ob „The Lark in the Morning“ ein irisches oder ein englisches Lied sei, meinte sie, es sei irisch, da darin ein Porter erwähnt sei, und Porter sei ein alter Name von Guinness. Das stimmt aber nicht, denn Porter ist eine alte englische Biersorte, dunkel, recht stark und obergärig, während Guinness ein irischer Firmenname ist, dessen berühmtestes Produkt ein Stout ist, eine ebenfalls dunkle und obergärige Biersorte, die ursprünglich stärker (stouter) war als ein Porter, heute aber meistens etwas alkoholärmer ist. Ungeachtet dieser Überlegung ist „The Lark in the Morning“ wirklich ein irisches Lied, da hat sie Recht, trotz des fehlerhaften Lösungsweges. Fazit: Bevor die drei Schwestern und ihr Trommler nun back to Caledonia reisten, bezauberten sie hier am Rhein die Besucher des total ausverkauften Feuerschlösschens und dürfen gerne wieder kommen!
http://www.the-midden.com/
http://www.folker.de/200305/rezi-eu.htm#11
http://www.folker.de/200406/rezi-eu.htm#07
http://www.the-midden.com/press_pack/Folker!%20live%20review%20german.pdf
http://www.regenbogenklang.de/img/Darabuka01.jpg
MAS
Monday, October 10, 2005
CD-Rezension: Günter Hochgürtel. Troubadour. Günter Hochgürtel singt eigene und andere gute Lieder.
Günter Hochgürtel. Troubadour. Günter Hochgürtel singt eigene und andere gute Lieder.
(Eigenverlag) 2005.
17 Tracks, mit Coverfoto
Wer vom Wibbelstetz-Frontsänger Günter Hochgürtel Lieder in Nordeifeler Mundart oder unter dem Titel „Troubadour“ mittelalterliche Minnelieder erwartet, wird von dieser CD zunächst enttäuscht sein, wer Günter aber mal als Solosänger mit Gitarre und Mundharmonika erleben will und sich in der deutschen Liedermacher- und der französischen Chanson-Szene wohl fühlt, für den ist sie genau richtig. Zwölf hochdeutsche, drei französische, ein englisches und dann doch noch ein ripuarisches Lied, allesamt angenehm anzuhören, sind hier versammelt. Leider gibt es keinerlei Infos darüber, welche Lieder nun von ihm selbst und von dem die anderen sind. Gut, „Heute hier, morgen dort“ ist von Hannes Wader, „Ma Liberté“ von George Moustaki, „Time in a Bottle“ von Jim Croce, anderes z.B. von Jacques Brel und von Berthold Brecht, aber ich denke, man kann nicht voraussetzen, dass das jeder weiß. Trotzdem ist es eine schöne Platte, die zum Nachdenken und Träumen einlädt, und Günter teilte mir mit, dass er auf seinen Livegigs auch lustige Kommentare zwischendurch bringe, die auf der CD nicht drauf seien.
MAS
(Eigenverlag) 2005.
17 Tracks, mit Coverfoto
Wer vom Wibbelstetz-Frontsänger Günter Hochgürtel Lieder in Nordeifeler Mundart oder unter dem Titel „Troubadour“ mittelalterliche Minnelieder erwartet, wird von dieser CD zunächst enttäuscht sein, wer Günter aber mal als Solosänger mit Gitarre und Mundharmonika erleben will und sich in der deutschen Liedermacher- und der französischen Chanson-Szene wohl fühlt, für den ist sie genau richtig. Zwölf hochdeutsche, drei französische, ein englisches und dann doch noch ein ripuarisches Lied, allesamt angenehm anzuhören, sind hier versammelt. Leider gibt es keinerlei Infos darüber, welche Lieder nun von ihm selbst und von dem die anderen sind. Gut, „Heute hier, morgen dort“ ist von Hannes Wader, „Ma Liberté“ von George Moustaki, „Time in a Bottle“ von Jim Croce, anderes z.B. von Jacques Brel und von Berthold Brecht, aber ich denke, man kann nicht voraussetzen, dass das jeder weiß. Trotzdem ist es eine schöne Platte, die zum Nachdenken und Träumen einlädt, und Günter teilte mir mit, dass er auf seinen Livegigs auch lustige Kommentare zwischendurch bringe, die auf der CD nicht drauf seien.
MAS
Saturday, October 08, 2005
Konzertrezension: Pure Irish Drops in der Brotfabrik in Bonn-Beuel am 8.8.2005
Pure Irish Drops in der Brotfabrik in Bonn-Beuel am 8.8.2005
War das 16. Pure Irish Drops – Konzert im letzten Jahr Micho Russel gewidmet, so stand in diesem Jahr beim 17. Turlough O’Carolan (1670- 1738) im Mittelpunkt, jener Ire, der als junger Mann erblindete und, um mit seiner Behinderung überleben zu können, das Harfespiel erlernte und im Nachhinein der berühmteste Komponist Irlands wurde. Sein Name fällt oft in Irish Folk – Konzerten, aber zumeist wird er eben als traditioneller Musiker vorgestellt und nur selten als das, was er eigentlich war, nämlich ein Barock-Komponist, der manchmal auch als „der Vivaldi Irlands“ bezeichnet wird. Kathleen Loughnane, die auch 2003 bei den Pure Irish Drops dabei war, auf der Harfe, ihr Sohn Cormac Cannon auf Uilleann Pipes und Whistles und ihr Neffe Martin Hughes auf der Querflöte brachten dem Publikum, das den Konzertsaal der Bonner Brotfabrik an diesem Abend füllte, diese Seite O’Carolans zu Bewusstsein. Gleich das erste Stück klang zugleich so barock und so irisch, dass ich ins Träumen geriet und mir eine Kutsche vorstellte, die durch eine Allee auf ein barockes Schloss in einer grünen Hügellandschaft zufährt, und aus der dann Männer mit Dreispitzen auf den Köpfen und in langen Gehröcken und Kniebundhosen aussteigen. Im Laufe des Abend gab es dann auch Stücke italienischer Barock-Komponisten, wie z.B. Arcangelo Corelli (1653-1713), der auch eine Zeit lang in Irland lebte, aber O’Carolan nicht kennen lernte, dann aber auch „normale“ Traditionals, die Besuchern der Fiddler’s Session nicht unbekannt sind. Dass Martin eine metallene, statt einer, wie beim Irish Folk üblich, hölzernen Flute spielte und Cormac keine metallenen, sondern Kunststoff-Whistles von Susato, die einen etwas blockflötenartigeren Klang haben, passte auch in den Ohren der im Publikum anwesenden Sessionmusiker sehr gut in diese Arrangements hinein. Es kam dann die Frage auf, ob das nun Crossover-Musik sei, wenn man barocke und traditionelle Musik so miteinander vermische. Florian Fürst, der Tourmanager, meinte dazu, diese Musik sei so zu Zeiten O’Carolans gespielt worden, und nur uns heute sei das etwas ungewohnt. Crossover ist es demnach eigentlich nicht, es sei denn, man spielte damals Crossover, dann schon. Wenn ich eine traditionelle irische Band nennen müsste, deren Musik der an diesem Abend gebotenen am ähnlichsten ist, dann fällt mir keine geringere als die berühmten Chieftains ein, die musikalischen Kulturbotschafter Irlands, nicht nur was das Harfespiel des leider mittlerweile verstorbenen Derek Bell anbelangt, sondern auch die Spielweise der Blasinstrumente. Das Wort „Chieftains“ fiel an diesem Abend auch des öfteren, aber nicht als Name der Band, sondern als Bezeichnung der Adeligen Irlands, an deren Höfen sich die Musiker, und so auch O’Carolan verdingten und ihren Lebensunterhalt verdienten. So passt der Vergleich auch von da her, aber nichts desto trotz muss ich sagen, dass ich eine genau so gespielte Musik noch nie gehört habe, so dass diesem Konzert beigewohnt zu haben, eine echte und wertvolle Bereicherung meiner musikalischen Erfahrung ist.
http://www.ffmusik.de/
http://www.brotfabrik-bonn.de/
http://www.breizh.de/aktuell/aktuell_188.htm
MAS
War das 16. Pure Irish Drops – Konzert im letzten Jahr Micho Russel gewidmet, so stand in diesem Jahr beim 17. Turlough O’Carolan (1670- 1738) im Mittelpunkt, jener Ire, der als junger Mann erblindete und, um mit seiner Behinderung überleben zu können, das Harfespiel erlernte und im Nachhinein der berühmteste Komponist Irlands wurde. Sein Name fällt oft in Irish Folk – Konzerten, aber zumeist wird er eben als traditioneller Musiker vorgestellt und nur selten als das, was er eigentlich war, nämlich ein Barock-Komponist, der manchmal auch als „der Vivaldi Irlands“ bezeichnet wird. Kathleen Loughnane, die auch 2003 bei den Pure Irish Drops dabei war, auf der Harfe, ihr Sohn Cormac Cannon auf Uilleann Pipes und Whistles und ihr Neffe Martin Hughes auf der Querflöte brachten dem Publikum, das den Konzertsaal der Bonner Brotfabrik an diesem Abend füllte, diese Seite O’Carolans zu Bewusstsein. Gleich das erste Stück klang zugleich so barock und so irisch, dass ich ins Träumen geriet und mir eine Kutsche vorstellte, die durch eine Allee auf ein barockes Schloss in einer grünen Hügellandschaft zufährt, und aus der dann Männer mit Dreispitzen auf den Köpfen und in langen Gehröcken und Kniebundhosen aussteigen. Im Laufe des Abend gab es dann auch Stücke italienischer Barock-Komponisten, wie z.B. Arcangelo Corelli (1653-1713), der auch eine Zeit lang in Irland lebte, aber O’Carolan nicht kennen lernte, dann aber auch „normale“ Traditionals, die Besuchern der Fiddler’s Session nicht unbekannt sind. Dass Martin eine metallene, statt einer, wie beim Irish Folk üblich, hölzernen Flute spielte und Cormac keine metallenen, sondern Kunststoff-Whistles von Susato, die einen etwas blockflötenartigeren Klang haben, passte auch in den Ohren der im Publikum anwesenden Sessionmusiker sehr gut in diese Arrangements hinein. Es kam dann die Frage auf, ob das nun Crossover-Musik sei, wenn man barocke und traditionelle Musik so miteinander vermische. Florian Fürst, der Tourmanager, meinte dazu, diese Musik sei so zu Zeiten O’Carolans gespielt worden, und nur uns heute sei das etwas ungewohnt. Crossover ist es demnach eigentlich nicht, es sei denn, man spielte damals Crossover, dann schon. Wenn ich eine traditionelle irische Band nennen müsste, deren Musik der an diesem Abend gebotenen am ähnlichsten ist, dann fällt mir keine geringere als die berühmten Chieftains ein, die musikalischen Kulturbotschafter Irlands, nicht nur was das Harfespiel des leider mittlerweile verstorbenen Derek Bell anbelangt, sondern auch die Spielweise der Blasinstrumente. Das Wort „Chieftains“ fiel an diesem Abend auch des öfteren, aber nicht als Name der Band, sondern als Bezeichnung der Adeligen Irlands, an deren Höfen sich die Musiker, und so auch O’Carolan verdingten und ihren Lebensunterhalt verdienten. So passt der Vergleich auch von da her, aber nichts desto trotz muss ich sagen, dass ich eine genau so gespielte Musik noch nie gehört habe, so dass diesem Konzert beigewohnt zu haben, eine echte und wertvolle Bereicherung meiner musikalischen Erfahrung ist.
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