CD-Rezensionen für den Folker! 06.06
von Michael A. Schmiedel
hier veröffentlicht mit Genehmigung der Folker!-Redaktion
Whisky Trail. Chaosmos
In: Folker! 06.06, S. 83.
online: http://www.folker.de/200606/rezi-eu.htm#14
WHISKY TRAIL
Chaosmos
(Amiata records 2006, http://www.amiatarecords.com, http://www.whiskytrail.it/)
8 Tracks, 43:47, mit englischen und italienischen Infos und Fotos
Irish Folk made in Italy macht den Rezensenten neugierig. Anders als der Bandname vermuten lässt, kommt da aus den Boxen alles andere als Pubsongs, eher lässt der griechische CD-Titel einen in die richtige Richtung vermuten. Diese seit 1975 neunte CD des florentinischen Quintetts überrascht mich zutiefst: Acht Minisymphonien, fast durchweg zweistimmig, teilweise auch zwei Melodien nebeneinander oder ineinander verwoben, jeder Track mit Rhythmus- oder auch Tonartwechseln, mit ruhigen und schnellen Partien, teilweise mit Gesang, vor allem aber sehr komplexer Instrumentik, allesamt Kompositionen von Vieri Bugli (Fiddle), Stefano Corsi (Celtic Harp, Harmonica,, Harmonium, Vocals), Guilia Daneo Lorimer (Voice, Fiddle), Massimo Giutini (Uilleann Pipes, Tin und Low Whistles), Pietro Sabatini (Guitars, Bouzouki, Pedal Bass Pipe, Voice), denen als Gastmusiker Piero Bubbico mit Scottish Snare Drums zur Seite steht. Ähnlichkeiten zu den Chieftains und auch zu Flairck höre ich heraus, des weiteren zu Rekonstruktionen antiker griechischer Musik durch das Atrium Musicae de Madrid und zur ägyptisch-schweizerischen Ethojazzband Sharkiat, also durchaus nicht nur zur keltischen Musik. Im Büchlein kann man nachlesen, dass jedes der Stücke einem der acht Elemente der keltischen Mythologie zugeordnet ist: Luft, Stein, Feuer, Sterne, Farben, Gerüche, Wasser und Seele. Mehr davon bitte!
*
Currach. Farewell to Old Ireland
In: Folker! 06.06, S. 79.
online: http://www.folker.de/200606/rezi-d.htm#05
CURRACH.
Farewell to Old Ireland
(Eigenverlag 2006, http://www.currach.de )
10 Tracks, 48:40, mit fast allen Texten, englischen Infos und Fotos
Aus der Bonner Irish-Session-Szene gingen schon einige Bands hervor, eine davon ist Currach, die im Kern aus Ellen D. Jeikner (Hauptsängerin, keltische Harfe, Gitarre, Mandoline, Tin Whistle), Ralf P. Wackers (Gitarre, Banjo, Irish Bouzouki, Mundharmonika, Bodhrán, Hintergrundgesang, der auch das Celtic Attractions Festival im Zirkuszelt in Köln organisiert, auf dessen erstem 2005 auch Teile der CD aufgenommen wurden) und Katja Martens (Fiddle), sowie der mittlerweile in Wien lebenden Antonia Werding (Uilleann Pipes, Tin Whistle) besteht. Auf dieser ihren zweiten CD seit 2004 spielen außerdem noch Olaf Sickmann (Tin Whistle), LeAnn Guyton (Querflöte) und Michael Heuser (Five-string Banjo) mit. Anders als bei ihren Lifegigs überwiegen auf dieser CD mit 8:2 die Lieder, die auch eindeutig die Stärke der Band bilden. Ellen Jeikner trägt sie mit ihrer unverwechselbaren ausdrucksstarken Stimme vor, begleitet sich dabei mal mit der Gitarre, mal mit der Harfe, Ralf Wackers singt oft in zweiter Stimme im Hintergrund mit, die anderen Instrumente umspielen sie und füllen die Lücken zwischen den Strophen mit der Liedmelodie oder aber einer anderen. „Never Tire of the Road“ von Andy Irvine klingt sehr nach Country, damit sollten sie sich mal beim European Song Contest bewerben. Die beiden Instrumentals sind ein verträumtes Harfen-Flöten-Bodhrán-Set und ein flotteres mit den Pipes im Zentrum.
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Ballycotton. Eyla
In: Folker! 06.06, S. 90.
BALLYCOTTON
Eyla
(Eigenverlag 2006, http://www.ballycotton.at)
14 Tracks, 53:24, mit wenigen englischen Infos, einem Refrain in Phantasiesprache und Fotos
Das Quintett aus St. Pölten bietet auf seiner dritten CD eine „Fantasy-Folk“ genannte Programmmusik, die mit keltischen, alpenländischen, orientalischen und anderen Einflüssen instrumental und in „Feensprache“ eine Geschichte erzählt, die man ohne die Erzählung auf der Homepage aber nicht versteht.
*
Banshee. live
In: Folker! 06.06, S. 90.
BANSHEE
live
(Eigenverlag 2006, http://www.banshee-music.de)
16 Tracks, 58:38, mit englischen Infos und Fotos
Das Quintett aus dem oberbayerischen Wildsteig erfreut mit einer Mischung aus zugleich deftigen und im Detail feinen irischen Sessiontunes und Songs, einer idealen CD für Liebhaber des Typischen, aber auch 7/8-taktmäßig am Puls der Mode, und das alles trotz Liveaufnahme in sehr guter Klangqualität.
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Gaelic Wind Project. along the enchanted way
In: Folker! 06.06, S. 91
GAELIC WIND PROJECT
along the enchanted way
(Eigenverlag 2005, http://www.gaelicwindproject.de)
16 Tracks, 57:07, mit deutschen Infos und Fotos
Eine feine Musik bietet dieses Sextett aus Essen, flotte irische Tunes, zum Teil auch unter Einfluss McGoldricks mit Balkantouch, getragene Songs mit weiblicher Stimme, fröhliche gemischtgeschlechtliche, und bei „Raglan Road“ lässt van Morrison grüßen. Ein bemerkenswertes Erstlingswerk!
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Karrik’s & The Sugarloafs
In: Folker! 06.06, S. 92
KARRIK’S & THE SUGARLOAFS
(Eigenverlag 2006, http://www.karriks.se)
3 Tracks, 10:24 Minuten, mit englischen Infos und Fotos
Das Duo Karrik’s und das Quartett The Sugarloafs aus Schweden begnügen sich auf dieser Scheibe im Pappschuber mit der Wiedergabe von drei Liedern von Marc Seymour, Andy M. Steward und aus der irischen Tradition, die sie folk-pop-countrymäßig vortragen.
*
Tantallon. live Irish & Scottish Folk Music
verschoben auf Folker! 01.07
TANTALLON
live Irish & Scottish Folk Music
(Seven Rays 2006, http://www.tantallonband.com)
17 Tracks, 57:18, mit deutschen und englischen Infos und Fotos
Das schottisch-deutsche Trio aus Bremen hat zusammen mit einem Gastmusiker für diese CD ein Konzert mit allen Ansagen, Scherzen und Publikumsgeklatsche aufgenommen. Sie singen und spielen deftigen Irish & Scottish Folk in Dubliners-Manier, aber weiblicher Frontstimme.
MAS
Rezensionsseite von http://www.bonn.folk.welt.musik.de.vu --- Inhaltsverzeichnis ganz unten!
Wednesday, November 01, 2006
Thursday, October 26, 2006
CD-Rezension: The Irish Folk Festival. Tribute to the Galway Hooker Boats.
The Irish Folk Festival. Tribute to the Galway Hooker Boats.
(Manetic Music 2006, http://www.magnetic-music.com, http://www.irishfolkfestival.de)
17 Tracks, 65:38, mit englischen Infos und Fotos
Da ich das diesjährige Irish Folk Festival leider nicht besuchen kann, werde ich auch nicht darüber berichten können. Vielleicht geht ja Johannes Schiefner hin, denn es findet ja quasi vor seiner Haustüre statt. Aber mir liegt hier die Festival-CD vor, und darüber schreibe ich gerne was.
Das IFF ist in diesem Jahr einem Segelboottyp gewidmet, dem Galway Hooker, dessen letzte Stunde im sozusagen fahrplanmäßigen Verkehr vor der irischen Westküste geschlagen zu haben scheint. Die sechsköpfige Band Arcanadh mit Martin Gallen (Gesang, Gitarre, Bodhrán), Margret Frances Gallen (Gesang, Piano), Fiona Walsh (Gesang, Fiddle), Maria Bernadette Corbet (Gesang, Harfe), Sinead Gibson (Gesang, Low Whistle) und Colm Breathnach (Gesang, Banjo, Bousouki) besingt diese Boote auch gleich im ersten Lied auf der Scheibe. Es folgt ein Lied mit maritimem Inhalt, eines auf Gälisch aus der Waterford-Gegend, also Déise, und zuletzt das berühmte Lied über den Grenzfluss zwischen Schottland und England, teilweise mehrstimmig, etwas an Clannad erinnernd, gesungen.
Das Duo Cormac Breathnach (Whistles) & Martin Dunlea (akustische Gitarre, E-Bass) bringt sodann vier Instrumentals, im ersten Set auch ein paar Reels, im zweiten wieder ruhigere Double Jigs, und sodann einen reinen, verträumt ruhigen Gitarrentune und zum Abschluss „Sí beag si mór“ vom O’Carolan, das ich besonders liebe und das auch in dieser Version mit Gitarre und Whistle vorgetragen.
Das dritte Viertel der CD gehört der Sängerin Pauline Scanlon. Sie verabschiedet sich gleich zu Beginn mit „The parting glass“, geht dann aber doch nicht, sondern lässt drei weitere Lieder folgen, darunter das Gälisch-Englische „Síl a rún“, und allesamt sehr sehr ruhige Songs. Die Arrangements stammen laut Bandinfo von Donogh Hennessy von Lúnasa, aber ob er es ist, der sie auch auf der Gitarre begleitet oder ob sie das selber tut, kann ich nicht herausfinden. Wer also die Pauline Scanlon Band ist, bleibt unklar.
Zoë Conway (Fiddle, Gesang), John MacIntyre (Gitarre; nein, nicht der Unterwasserfilmer, den man im Internet findet) bestreiten die letzten fünf Tracks, die sie zwar mit Reels beginnen, von denen sie dann aber doch wieder in langsamere Rhythmen, wenn auch Jigs, zurück fallen. Auf Track 16 singt Zoë noch schöner als Pauline vorher, richtig süß, und auf Track 16 entführt sie einen mit einer Air auf ihrer Fiddle in eine sehr melancholische Stimmung, aus der sie einen dann aber mit zwei Reels wieder heraus holt Auf Track 17 werden sie von Robin Harris auf dem Bodhrán begleitet.
Die Grundstimmung der CD ist moll(ig), passend zum Herbst und zum Lamento über das Ende einer Küstenseefahrtsära. Wer aufregenden Rythm’n’Reel sucht, greife besser nicht zu, aber wer den passenden Soundtrack für gemütliche Stunden am Kamin oder gute bodenständige Traditionals sucht, ist mit dieser Scheibe bestens beraten.
Trackliste:
1. Arcanadh: The Galway Hooker
2. Arcanadh: Willie and Mary
3. Arcanadh: An Crútscin Ián
4. Arcanadh: Both sides of the Tweed
5. Cormac Breathnach & Martin Dunlea: Beech tree / glass of beer / Sweeney’s dream
6. Cormac Breathnach & Martin Dunlea: Tailor’s / James Morrison’s / Butterfly
7. Cormac Breathnach & Martin Dunlea: The Mermaid
8. Cormac Breathnach & Martin Dunlea: Sí beag si mór
9. Pauline Scanlon Band: The parting glass
9. Pauline Scanlon Band: I am a maid that sleeps in love
10. Pauline Scanlon Band: Siúl a rún
11. Pauline Scanlon Band: The bonnie blue-eyed lassie
12. Zoë Conway & John MacIntyre: Riscommon reel / Kilavell fancy
13. Zoë Conway & John MacIntyre: Lonesome jig / McCallums
14. Zoë Conway & John MacIntyre: Crazy man Michael
15. Zoë Conway & John MacIntyre: An beinsin luachra / ril gan ainn / the oak tree
16. Zoë Conway & John MacIntyre: Decorate the mahogany / ringing the bell
http://www.arcanadh.com/
http://www.folkmusic.net/cormacbreatnach/index.htm
http://www.paulinescanlon.com/
http://www.zoeconway.com/
http://www.galwayhookerassociation.ie
Frühere IFF-Rezis von mir:
The Irish Folk Festival 04 – Celtic Legends am 25.10.2004 in der Philharmonie in Köln
http://folktreff-bonn-rhein-sieg-rezensionen.blogspot.com/2004/10/konzertrezension-irish-folk-festival.html bzw. http://tinyurl.com/dzpjs
The Irish Folk Festival – Tunes for Tara Tour am 15.11.2005 in der Philharmonie in Köln
http://folktreff-bonn-rhein-sieg-rezensionen.blogspot.com/2005/11/konzertrezension-irish-folk-festival.html bzw. http://tinyurl.com/bvnoe
The Irish Folk Festival 05. Tunes for Tara. (CD)
http://folktreff-bonn-rhein-sieg-rezensionen.blogspot.com/2005/09/cd-rezension-irish-folk-festival-05.html
bzw. http://tinyurl.com/cnypa
MAS
(Manetic Music 2006, http://www.magnetic-music.com, http://www.irishfolkfestival.de)
17 Tracks, 65:38, mit englischen Infos und Fotos
Da ich das diesjährige Irish Folk Festival leider nicht besuchen kann, werde ich auch nicht darüber berichten können. Vielleicht geht ja Johannes Schiefner hin, denn es findet ja quasi vor seiner Haustüre statt. Aber mir liegt hier die Festival-CD vor, und darüber schreibe ich gerne was.
Das IFF ist in diesem Jahr einem Segelboottyp gewidmet, dem Galway Hooker, dessen letzte Stunde im sozusagen fahrplanmäßigen Verkehr vor der irischen Westküste geschlagen zu haben scheint. Die sechsköpfige Band Arcanadh mit Martin Gallen (Gesang, Gitarre, Bodhrán), Margret Frances Gallen (Gesang, Piano), Fiona Walsh (Gesang, Fiddle), Maria Bernadette Corbet (Gesang, Harfe), Sinead Gibson (Gesang, Low Whistle) und Colm Breathnach (Gesang, Banjo, Bousouki) besingt diese Boote auch gleich im ersten Lied auf der Scheibe. Es folgt ein Lied mit maritimem Inhalt, eines auf Gälisch aus der Waterford-Gegend, also Déise, und zuletzt das berühmte Lied über den Grenzfluss zwischen Schottland und England, teilweise mehrstimmig, etwas an Clannad erinnernd, gesungen.
Das Duo Cormac Breathnach (Whistles) & Martin Dunlea (akustische Gitarre, E-Bass) bringt sodann vier Instrumentals, im ersten Set auch ein paar Reels, im zweiten wieder ruhigere Double Jigs, und sodann einen reinen, verträumt ruhigen Gitarrentune und zum Abschluss „Sí beag si mór“ vom O’Carolan, das ich besonders liebe und das auch in dieser Version mit Gitarre und Whistle vorgetragen.
Das dritte Viertel der CD gehört der Sängerin Pauline Scanlon. Sie verabschiedet sich gleich zu Beginn mit „The parting glass“, geht dann aber doch nicht, sondern lässt drei weitere Lieder folgen, darunter das Gälisch-Englische „Síl a rún“, und allesamt sehr sehr ruhige Songs. Die Arrangements stammen laut Bandinfo von Donogh Hennessy von Lúnasa, aber ob er es ist, der sie auch auf der Gitarre begleitet oder ob sie das selber tut, kann ich nicht herausfinden. Wer also die Pauline Scanlon Band ist, bleibt unklar.
Zoë Conway (Fiddle, Gesang), John MacIntyre (Gitarre; nein, nicht der Unterwasserfilmer, den man im Internet findet) bestreiten die letzten fünf Tracks, die sie zwar mit Reels beginnen, von denen sie dann aber doch wieder in langsamere Rhythmen, wenn auch Jigs, zurück fallen. Auf Track 16 singt Zoë noch schöner als Pauline vorher, richtig süß, und auf Track 16 entführt sie einen mit einer Air auf ihrer Fiddle in eine sehr melancholische Stimmung, aus der sie einen dann aber mit zwei Reels wieder heraus holt Auf Track 17 werden sie von Robin Harris auf dem Bodhrán begleitet.
Die Grundstimmung der CD ist moll(ig), passend zum Herbst und zum Lamento über das Ende einer Küstenseefahrtsära. Wer aufregenden Rythm’n’Reel sucht, greife besser nicht zu, aber wer den passenden Soundtrack für gemütliche Stunden am Kamin oder gute bodenständige Traditionals sucht, ist mit dieser Scheibe bestens beraten.
Trackliste:
1. Arcanadh: The Galway Hooker
2. Arcanadh: Willie and Mary
3. Arcanadh: An Crútscin Ián
4. Arcanadh: Both sides of the Tweed
5. Cormac Breathnach & Martin Dunlea: Beech tree / glass of beer / Sweeney’s dream
6. Cormac Breathnach & Martin Dunlea: Tailor’s / James Morrison’s / Butterfly
7. Cormac Breathnach & Martin Dunlea: The Mermaid
8. Cormac Breathnach & Martin Dunlea: Sí beag si mór
9. Pauline Scanlon Band: The parting glass
9. Pauline Scanlon Band: I am a maid that sleeps in love
10. Pauline Scanlon Band: Siúl a rún
11. Pauline Scanlon Band: The bonnie blue-eyed lassie
12. Zoë Conway & John MacIntyre: Riscommon reel / Kilavell fancy
13. Zoë Conway & John MacIntyre: Lonesome jig / McCallums
14. Zoë Conway & John MacIntyre: Crazy man Michael
15. Zoë Conway & John MacIntyre: An beinsin luachra / ril gan ainn / the oak tree
16. Zoë Conway & John MacIntyre: Decorate the mahogany / ringing the bell
http://www.arcanadh.com/
http://www.folkmusic.net/cormacbreatnach/index.htm
http://www.paulinescanlon.com/
http://www.zoeconway.com/
http://www.galwayhookerassociation.ie
Frühere IFF-Rezis von mir:
The Irish Folk Festival 04 – Celtic Legends am 25.10.2004 in der Philharmonie in Köln
http://folktreff-bonn-rhein-sieg-rezensionen.blogspot.com/2004/10/konzertrezension-irish-folk-festival.html bzw. http://tinyurl.com/dzpjs
The Irish Folk Festival – Tunes for Tara Tour am 15.11.2005 in der Philharmonie in Köln
http://folktreff-bonn-rhein-sieg-rezensionen.blogspot.com/2005/11/konzertrezension-irish-folk-festival.html bzw. http://tinyurl.com/bvnoe
The Irish Folk Festival 05. Tunes for Tara. (CD)
http://folktreff-bonn-rhein-sieg-rezensionen.blogspot.com/2005/09/cd-rezension-irish-folk-festival-05.html
bzw. http://tinyurl.com/cnypa
MAS
CD-Rezension: Tantallon. live. Irish & Scottish Folk Music
Tantallon. live. Irish & Scottish Folk Music
(Seven Rays 2006, http://www.tantallonband.com)
17 Tracks, 57:18, mit deutschen und englischen Infos und Fotos
Auch zweimal erhielt ich die CD des Bremer Irish & Scottish Folk Trios Tantallon, und da ich im Folker! dafür nur 300 Zeichen Platz hatte und diese so genannten Kurzschlüsse nicht ins Netz gestellt werden, ist diese zweite Veröffentlichung hier vielleicht wirklich vorteilhaft für die Band. Das Trio besteht aus der Schottin Joanna Scott Douglas (Gesang, Bodhrán, Percussion), ihrem deutschen Mann Arndt Scott Douglas (Gesang, Gitarre) und David Niedermayer (Gesang, Mandoline, Gitarre und Mundharmonika), und als spezieller Gast ist auf der CD auch Imke Albert (Viola, Gesang, Percussion) mit dabei. Laut beigelegter Info ist auch Pascal Gentner (Gesang, Bass, Akkordeon) ein neues Bandmitglied, aber auf der CD nicht dabei. Die Scheibe enthält einen Mitschnitt eines Konzertes vom Februar 2006 mit allen Ansagen, Scherzen und dem Beifall und Mitklatschen des Publikums. Die deftigen Songs, in Dubliners- und Tannanhill Weavers-Manier nur eben mit Joannas weiblicher Stimme vorgetragen, machten beim Konzert bestimmt viel Spaß, und ich wäre gerne dabei gewesen. Allein, auf der CD kommt die Stimmung nicht ganz so rüber bzw. das Publikumsgeklatsche stört eher den Musikgenuss, und die scherzhaften Ansagen sind wohl eher aus der Situation geboren, die man als Nur-CD-Hörer eben nicht kennt und nicht vor Augen hat. Auch klingt Joannas Stimme im Laufe der Spielzeit merklich angestrengter, was aber auch wieder als authentische Konzertstimmung gewertet werden kann, denn wenn die Zuhörer eventuell rauchen, ist das unumgehbar. Zwei Stücke, nämlich „Monsters“ und „Hexenbesen“ sind Eigenkompositionen, letzteres und die „Irish Suite“ sind die einzige Instrumentals auf der CD, und bei beiden ist die Mandoline das Hauptinstrument. Die Band ist zwei Jahre alt, und wenn ich mich erinnere, wie so manche heute zehn und mehr Jahre alte Band vor acht und mehr Jahren klang, dann kann aus Tantallon noch einiges werden, so dass ich ihnen nur wünschen kann, nicht nachzulassen, sondern weiter zu singen, zu spielen, zu experimentieren und zu üben.
Trackliste:
1. Botany Bay
2. Hills of Connemara
3. Step it out Mary
4. Boys of Killibegs
5. Mount and Go
6. Irish Suite
7. I‘m a Rover
8. Barnyards of Delgaty
9. Raglan Road
10. I Know My Love
11. Bonnie Ship the Diamonts
12. Bonnie Lassie of Fife
13. Monsters
14. Horro Harra Barra
15. Hexenbesen
16. I’ll Tell Me Ma
17. Maids When Your [sic!] Young [Heißt es nicht “You’re”?]
Meine Folker!-Rezi dieser CD ist (noch) nicht online lesbar, aber im Folker!-Heft 06.06 bei den Kurzschlüssen.
MAS
(Seven Rays 2006, http://www.tantallonband.com)
17 Tracks, 57:18, mit deutschen und englischen Infos und Fotos
Auch zweimal erhielt ich die CD des Bremer Irish & Scottish Folk Trios Tantallon, und da ich im Folker! dafür nur 300 Zeichen Platz hatte und diese so genannten Kurzschlüsse nicht ins Netz gestellt werden, ist diese zweite Veröffentlichung hier vielleicht wirklich vorteilhaft für die Band. Das Trio besteht aus der Schottin Joanna Scott Douglas (Gesang, Bodhrán, Percussion), ihrem deutschen Mann Arndt Scott Douglas (Gesang, Gitarre) und David Niedermayer (Gesang, Mandoline, Gitarre und Mundharmonika), und als spezieller Gast ist auf der CD auch Imke Albert (Viola, Gesang, Percussion) mit dabei. Laut beigelegter Info ist auch Pascal Gentner (Gesang, Bass, Akkordeon) ein neues Bandmitglied, aber auf der CD nicht dabei. Die Scheibe enthält einen Mitschnitt eines Konzertes vom Februar 2006 mit allen Ansagen, Scherzen und dem Beifall und Mitklatschen des Publikums. Die deftigen Songs, in Dubliners- und Tannanhill Weavers-Manier nur eben mit Joannas weiblicher Stimme vorgetragen, machten beim Konzert bestimmt viel Spaß, und ich wäre gerne dabei gewesen. Allein, auf der CD kommt die Stimmung nicht ganz so rüber bzw. das Publikumsgeklatsche stört eher den Musikgenuss, und die scherzhaften Ansagen sind wohl eher aus der Situation geboren, die man als Nur-CD-Hörer eben nicht kennt und nicht vor Augen hat. Auch klingt Joannas Stimme im Laufe der Spielzeit merklich angestrengter, was aber auch wieder als authentische Konzertstimmung gewertet werden kann, denn wenn die Zuhörer eventuell rauchen, ist das unumgehbar. Zwei Stücke, nämlich „Monsters“ und „Hexenbesen“ sind Eigenkompositionen, letzteres und die „Irish Suite“ sind die einzige Instrumentals auf der CD, und bei beiden ist die Mandoline das Hauptinstrument. Die Band ist zwei Jahre alt, und wenn ich mich erinnere, wie so manche heute zehn und mehr Jahre alte Band vor acht und mehr Jahren klang, dann kann aus Tantallon noch einiges werden, so dass ich ihnen nur wünschen kann, nicht nachzulassen, sondern weiter zu singen, zu spielen, zu experimentieren und zu üben.
Trackliste:
1. Botany Bay
2. Hills of Connemara
3. Step it out Mary
4. Boys of Killibegs
5. Mount and Go
6. Irish Suite
7. I‘m a Rover
8. Barnyards of Delgaty
9. Raglan Road
10. I Know My Love
11. Bonnie Ship the Diamonts
12. Bonnie Lassie of Fife
13. Monsters
14. Horro Harra Barra
15. Hexenbesen
16. I’ll Tell Me Ma
17. Maids When Your [sic!] Young [Heißt es nicht “You’re”?]
Meine Folker!-Rezi dieser CD ist (noch) nicht online lesbar, aber im Folker!-Heft 06.06 bei den Kurzschlüssen.
MAS
CD-Rezension: Whisky Trail. Chaosmos
Whisky Trail. Chaosmos
(Amiata records 2006, http://www.amiatarecords.com, http://www.whiskytrail.it/)
8 Tracks, 43:47, mit englischen und italienischen Infos und Fotos
Beim Lesen des Bandnamens erwartete ich whiskyseelige Pubsongs. Dem Whisky- und Whiskeykenner wird gleich auffallen, dass es sich wegen des fehlenden e vor dem y eher um schottische, als um irisches Lebenswasser handeln muss, und wer sich noch besser auskennt, weiß, dass es in Schottland einen Whisky Trail bzw. Malt Whisky Trail in der Speyside-Gegend gibt. Was nun aber die Band konkret damit zu tun hat, erschloss sich mir bisher nicht, meine Aufmerksamkeit wurde auch bald in eine andere Richtung gelenkt. Die Band kommt nämlich aus Italien, genauer aus der Toskana, noch genauer aus der Gegend von Florenz, und da war ich mal sehr gespannt, wie sich denn Irish oder Scottish Folk made in Italy anhören mag. Und was ich dann hörte war alles andere als Pubmusic. Gleich das Intro des ersten Stückes elektrisierte mich: Gitarren- und Glockenspiel führen zuerst ganz behutsam in eine geheimnisvolle akustische Welt hinein, Flöte und Geige ergänzen dieses dann mit einzelnen Tönen, aus denen sich dann eine Flötenmelodie im 4/4-Takt entwickelt, die Geige übernimmt später, wird schneller und schneller, schafft Spannung, die dann eine Uilleann Pipe erlöst und entspannt mit einer fröhlichen Melodie, die dann aber wieder reelig davon gallopiert. Super! Auch die anderen sieben Stücke sind auf ähnliche Weise kleine Symphonien, alle von den Musikern und der Musikerin selber komponiert, die da heißen: Vieri Bugli (Fiddle), Stefano Corsi (Keltische Harfe, Ziehharmonika, Harmonium, Gesang), Guilia Daneo Lorimer (Stimme, Fiddle), Massimo Giutini (Uilleann Pipes, Tin und Low Whistles), Pietro Sabatini (Gitarren, Bouzouki, Pedal Bass Pipe, Stimme). Außerdem bedient Piero Bubbico als Gastmusiker die Scottish Snare Drums. Solche Arrangements habe ich kaum jemals gehört: Zwei- und Mehrstimmigkeiten, Rhythmus- und Tonartenwechsel, mehrere Melodien gleichzeitig ineinander verwoben, sich abwechselnde ruhig und schnelle Partien, sehr komplexe Instrumenteinsätze, keine Volks-, sondern Kunstmusik, wenn man diese Dichotomie bemühen will. Auf der Suche nach Ähnlichkeiten fallen mir die Chieftains ein oder das Atrium Musicae de Madrid mit seinem Versuch, antike griechische Musik zu rekonstruieren oder Sharkiat, eine schweizerisch-ägyptische Ethojazzband oder auch Blowazabella, wenn auch ohne Drehleier, aber all diese Ähnlichkeiten sind entfernt, Whisky Trail erschuf eine ganz eigene Musik mit unverkennbaren irisch-schottischen Bezügen, aber eben auch ganz anderen Einflüssen. Ich bin so begeistert von dieser Musik, dass ich sie hier in meinem eigenen Medium, wenn auch Mike Kamp vom Folker! anderer Meinung ist, als eine Besondere bezeichne. Die Band brachte seit 1975 schon acht CD vorher heraus, so dass es nun aber Zeit wird, dass man auch hierzulande von ihr erfährt. Sehr schön ist auch das Büchlein, das auf Italienisch und Englisch erklärt, dass jedes der acht Stücke einem Element aus der keltischen Mythologie zugeordnet ist, nämlich Luft, Stein, Feuer, Sterne, Farben, Gerüche, Wasser und Seele. Ob das nun autochton oder eher postmoderne Keltenschwärmerei ist, sei dahin gestellt, man könnte den Religionswissenschaftler Bernhard Maier fragen, dessen Steckenpferd es ist, moderne sich auf keltische und germanische Religionen berufende Ideen zu entzaubern, der könnte da wohl aufklären, und genau so könnten vielleicht auch Musikwissenschaftler die Musik entzaubern, aber das wäre doch schade. Ich lasse mich lieber verzaubern von Whisky Trail aus der Toskana!
Trackliste:
1. Air
2. Stones
3. Fire
4. Stars
5. Colours
6. Flavours
7. Water
8. Soul
http://www.artenomade.com/festival/attuali/montelago/montelago_2006.htm
http://www.maltwhiskytrail.com/
Meine Folker!-Rezi dieser CD:
http://www.folker.de/200606/rezi-eu.htm#14
MAS
(Amiata records 2006, http://www.amiatarecords.com, http://www.whiskytrail.it/)
8 Tracks, 43:47, mit englischen und italienischen Infos und Fotos
Beim Lesen des Bandnamens erwartete ich whiskyseelige Pubsongs. Dem Whisky- und Whiskeykenner wird gleich auffallen, dass es sich wegen des fehlenden e vor dem y eher um schottische, als um irisches Lebenswasser handeln muss, und wer sich noch besser auskennt, weiß, dass es in Schottland einen Whisky Trail bzw. Malt Whisky Trail in der Speyside-Gegend gibt. Was nun aber die Band konkret damit zu tun hat, erschloss sich mir bisher nicht, meine Aufmerksamkeit wurde auch bald in eine andere Richtung gelenkt. Die Band kommt nämlich aus Italien, genauer aus der Toskana, noch genauer aus der Gegend von Florenz, und da war ich mal sehr gespannt, wie sich denn Irish oder Scottish Folk made in Italy anhören mag. Und was ich dann hörte war alles andere als Pubmusic. Gleich das Intro des ersten Stückes elektrisierte mich: Gitarren- und Glockenspiel führen zuerst ganz behutsam in eine geheimnisvolle akustische Welt hinein, Flöte und Geige ergänzen dieses dann mit einzelnen Tönen, aus denen sich dann eine Flötenmelodie im 4/4-Takt entwickelt, die Geige übernimmt später, wird schneller und schneller, schafft Spannung, die dann eine Uilleann Pipe erlöst und entspannt mit einer fröhlichen Melodie, die dann aber wieder reelig davon gallopiert. Super! Auch die anderen sieben Stücke sind auf ähnliche Weise kleine Symphonien, alle von den Musikern und der Musikerin selber komponiert, die da heißen: Vieri Bugli (Fiddle), Stefano Corsi (Keltische Harfe, Ziehharmonika, Harmonium, Gesang), Guilia Daneo Lorimer (Stimme, Fiddle), Massimo Giutini (Uilleann Pipes, Tin und Low Whistles), Pietro Sabatini (Gitarren, Bouzouki, Pedal Bass Pipe, Stimme). Außerdem bedient Piero Bubbico als Gastmusiker die Scottish Snare Drums. Solche Arrangements habe ich kaum jemals gehört: Zwei- und Mehrstimmigkeiten, Rhythmus- und Tonartenwechsel, mehrere Melodien gleichzeitig ineinander verwoben, sich abwechselnde ruhig und schnelle Partien, sehr komplexe Instrumenteinsätze, keine Volks-, sondern Kunstmusik, wenn man diese Dichotomie bemühen will. Auf der Suche nach Ähnlichkeiten fallen mir die Chieftains ein oder das Atrium Musicae de Madrid mit seinem Versuch, antike griechische Musik zu rekonstruieren oder Sharkiat, eine schweizerisch-ägyptische Ethojazzband oder auch Blowazabella, wenn auch ohne Drehleier, aber all diese Ähnlichkeiten sind entfernt, Whisky Trail erschuf eine ganz eigene Musik mit unverkennbaren irisch-schottischen Bezügen, aber eben auch ganz anderen Einflüssen. Ich bin so begeistert von dieser Musik, dass ich sie hier in meinem eigenen Medium, wenn auch Mike Kamp vom Folker! anderer Meinung ist, als eine Besondere bezeichne. Die Band brachte seit 1975 schon acht CD vorher heraus, so dass es nun aber Zeit wird, dass man auch hierzulande von ihr erfährt. Sehr schön ist auch das Büchlein, das auf Italienisch und Englisch erklärt, dass jedes der acht Stücke einem Element aus der keltischen Mythologie zugeordnet ist, nämlich Luft, Stein, Feuer, Sterne, Farben, Gerüche, Wasser und Seele. Ob das nun autochton oder eher postmoderne Keltenschwärmerei ist, sei dahin gestellt, man könnte den Religionswissenschaftler Bernhard Maier fragen, dessen Steckenpferd es ist, moderne sich auf keltische und germanische Religionen berufende Ideen zu entzaubern, der könnte da wohl aufklären, und genau so könnten vielleicht auch Musikwissenschaftler die Musik entzaubern, aber das wäre doch schade. Ich lasse mich lieber verzaubern von Whisky Trail aus der Toskana!
Trackliste:
1. Air
2. Stones
3. Fire
4. Stars
5. Colours
6. Flavours
7. Water
8. Soul
http://www.artenomade.com/festival/attuali/montelago/montelago_2006.htm
http://www.maltwhiskytrail.com/
Meine Folker!-Rezi dieser CD:
http://www.folker.de/200606/rezi-eu.htm#14
MAS
CD-Rezension: Currach. Farewell to Old Ireland
Currach. Farewell to Old Ireland
(Eigenverlag 2006, http://www.currach.de )
10 Tracks, 48:40, mit fast allen Texten, englischen Infos und Fotos
Ralf Wackers hat es im irischen Rundbrief schon angekündigt: Currach hat eine neue, die zweite CD draußen. Mich versorgte er gleich zweimal damit, für je eine Rezi für den Folker! und eine für den folkigen Rundbrief. Wer Currach schon live gehört hat, sei es beim 1. Celtic Attractions Festival im Zirkuszelt 2005 in Köln, sei es bei einem anderen Konzert, zum Beispiel bei Frau Holle in Bonn, freut sich vielleicht auf Ellen D. Jeikners (Hauptsängerin, keltische Harfe, Gitarre, Mandoline, Tin Whistle) unverwechselbare, sich bisweilen countryähnlich leicht überschlagende Stimme mit englischen und gälischen Texten und auf Ralf P. Wackers (Gitarre, Banjo, Irish Bouzouki, Mundharmonika, Bodhrán, Hintergrundgesang) Gitarren- und Mundharmonikaspiel, und wird auch nicht enttäuscht werden. Wer sich aber vor allem an die schnellen Instrumentals erinnert, der insofern schon, als davon nur ein Jigset auf der Scheibe ist, in welcher Antonia Werding (Uilleann Pipes, Tin Whistle) mit ihren Pipes im Mittelpunkt sitzt. Das Set wurde beim 1. CAF aufgenommen, wobei Ellens Ansage „es kann wieder getanzt werden“ auf der CD nur dann sinnvoll wäre, wenn sie das „wieder“ weg gelassen hätte. Antonia, die früher auch bei Rolling Wave mitspielte, wohnt mittlerweile in Wien und betreibt dort ein Tonstudio. Außer diesem Jigset ist nur noch ein einziges anderes Instrumental auf der CD, nämlich ein ruhiger Harfen-Flöten-Bodhrán-Set. Auch mit von der Partie sind Katja Martens (Fiddle), Olaf Sickmann (Gesang, Gitarre, Tin Whistle), LeAnn Guyton (Querflöte) und Michael Heuser (der auch bei Foggy Stew mitspielt; Five-string Banjo), erstere auch zum Kernteam gehörend, die anderen drei hier „nur“ Gastmusiker. Die CD ist durchweg sehr schön anzuhören, die Arrangements sind abwechslungsreich, die Liedstrophen werden von oft zweistimmig, es fehlt nur eben ein wenig das von den Livegigs gewohnte Tempo. Ich muss sagen, dass mir besonders gut „Never Tire of the Road“ gefällt. Das Lied stammt zwar von Andy Irvine, ist aber meines Erachtens ein typischer Country Song, und ich meine, mit diesem Lied hätten sie beim European Song Contest keine geringeren Chancen gehabt, als die in den Massenmedien vielfach gefeierten Texas Lighting. Allerdings hätten sie die Jury dann davon überzeugen müssen, dass das restliche Repertoire irisch und sonst wie keltisch ist und sich trotzdem gut anhört. Ob man soviel guten Geschmack von einer Schlagerjury erwarten darf? Ach, bleibt im Lande und nährt Euch folkig, davon versteht Ihr was, und da findet Ihr Euer Publikum, dem ich diese CD hiermit an Herz lege. Sehr begrüße ich auch, dass man fast alle Liedtexte im Büchlein nachlesen kann, alle bis auf Olaf Sickmanns in Ellens Küche aufgenommene „Smiling Eyes“, das mich an Chris Simmances zusammen mit Kirsten Hense gesungenen Lieder erinnert.
Trackliste:
1. The Emigrant’s Farewell
2. The Gypsy
3. Tri Martolod – Brian Boru’s March
4. Never Tire of the Road
5. Caide Sin – Far Away
6. Antonia’s Set
7. The Verdants Braes of Skreen
8. Farewell of Nova Scotia
9. Smiling Eyes
10. Shannon Dolphins – For the Sake o’ Somebody
meine Folker!-Rezi dieser CD:
http://www.folker.de/200606/rezi-d.htm#05
frühere Currach-Rezis von mir:
1. Celtic Attractions Festival
Celtic Attractions – 1. Irish/Scottish Folkfestival im Zirkuszelt am 8.4.2005 in Köln-Weiß
http://folktreff-bonn-rhein-sieg-rezensionen.blogspot.com/2005/04/konzertrezension-celtic-attractions-1.html bzw. http://tinyurl.com/85qdj
MAS
(Eigenverlag 2006, http://www.currach.de )
10 Tracks, 48:40, mit fast allen Texten, englischen Infos und Fotos
Ralf Wackers hat es im irischen Rundbrief schon angekündigt: Currach hat eine neue, die zweite CD draußen. Mich versorgte er gleich zweimal damit, für je eine Rezi für den Folker! und eine für den folkigen Rundbrief. Wer Currach schon live gehört hat, sei es beim 1. Celtic Attractions Festival im Zirkuszelt 2005 in Köln, sei es bei einem anderen Konzert, zum Beispiel bei Frau Holle in Bonn, freut sich vielleicht auf Ellen D. Jeikners (Hauptsängerin, keltische Harfe, Gitarre, Mandoline, Tin Whistle) unverwechselbare, sich bisweilen countryähnlich leicht überschlagende Stimme mit englischen und gälischen Texten und auf Ralf P. Wackers (Gitarre, Banjo, Irish Bouzouki, Mundharmonika, Bodhrán, Hintergrundgesang) Gitarren- und Mundharmonikaspiel, und wird auch nicht enttäuscht werden. Wer sich aber vor allem an die schnellen Instrumentals erinnert, der insofern schon, als davon nur ein Jigset auf der Scheibe ist, in welcher Antonia Werding (Uilleann Pipes, Tin Whistle) mit ihren Pipes im Mittelpunkt sitzt. Das Set wurde beim 1. CAF aufgenommen, wobei Ellens Ansage „es kann wieder getanzt werden“ auf der CD nur dann sinnvoll wäre, wenn sie das „wieder“ weg gelassen hätte. Antonia, die früher auch bei Rolling Wave mitspielte, wohnt mittlerweile in Wien und betreibt dort ein Tonstudio. Außer diesem Jigset ist nur noch ein einziges anderes Instrumental auf der CD, nämlich ein ruhiger Harfen-Flöten-Bodhrán-Set. Auch mit von der Partie sind Katja Martens (Fiddle), Olaf Sickmann (Gesang, Gitarre, Tin Whistle), LeAnn Guyton (Querflöte) und Michael Heuser (der auch bei Foggy Stew mitspielt; Five-string Banjo), erstere auch zum Kernteam gehörend, die anderen drei hier „nur“ Gastmusiker. Die CD ist durchweg sehr schön anzuhören, die Arrangements sind abwechslungsreich, die Liedstrophen werden von oft zweistimmig, es fehlt nur eben ein wenig das von den Livegigs gewohnte Tempo. Ich muss sagen, dass mir besonders gut „Never Tire of the Road“ gefällt. Das Lied stammt zwar von Andy Irvine, ist aber meines Erachtens ein typischer Country Song, und ich meine, mit diesem Lied hätten sie beim European Song Contest keine geringeren Chancen gehabt, als die in den Massenmedien vielfach gefeierten Texas Lighting. Allerdings hätten sie die Jury dann davon überzeugen müssen, dass das restliche Repertoire irisch und sonst wie keltisch ist und sich trotzdem gut anhört. Ob man soviel guten Geschmack von einer Schlagerjury erwarten darf? Ach, bleibt im Lande und nährt Euch folkig, davon versteht Ihr was, und da findet Ihr Euer Publikum, dem ich diese CD hiermit an Herz lege. Sehr begrüße ich auch, dass man fast alle Liedtexte im Büchlein nachlesen kann, alle bis auf Olaf Sickmanns in Ellens Küche aufgenommene „Smiling Eyes“, das mich an Chris Simmances zusammen mit Kirsten Hense gesungenen Lieder erinnert.
Trackliste:
1. The Emigrant’s Farewell
2. The Gypsy
3. Tri Martolod – Brian Boru’s March
4. Never Tire of the Road
5. Caide Sin – Far Away
6. Antonia’s Set
7. The Verdants Braes of Skreen
8. Farewell of Nova Scotia
9. Smiling Eyes
10. Shannon Dolphins – For the Sake o’ Somebody
meine Folker!-Rezi dieser CD:
http://www.folker.de/200606/rezi-d.htm#05
frühere Currach-Rezis von mir:
1. Celtic Attractions Festival
Celtic Attractions – 1. Irish/Scottish Folkfestival im Zirkuszelt am 8.4.2005 in Köln-Weiß
http://folktreff-bonn-rhein-sieg-rezensionen.blogspot.com/2005/04/konzertrezension-celtic-attractions-1.html bzw. http://tinyurl.com/85qdj
MAS
Friday, October 20, 2006
Konzertrezension: Chris While & Julie Matthews am 20.10.2006 beim Folk im Feuerschlösschen in Bad Honnef
Chris While & Julie Matthews am 20.10.2006 beim Folk im Feuerschlösschen in Bad Honnef
Am 20. Oktober waren mal wieder Musiker, bzw. Musikerinnen aus merry old England im Feuerschlösschen zu Gast, und zwar Julie Matthews aus Nordostengland, genauer Yorkshire, noch genauer Sheffield, und Chris While aus Nordwestengland, genauer aus der Nähe des Lake Districts. Wer jetzt denkt, von so weit im Norden, kurz vor der schottischen Grenze kommend, müsste ihre Musik auch schon ein wenig schottisch klingen, der irrt sich. Viel mehr klangen die ersten akustischen Eindrücke eher amerikanisch, und zwar nach Spirituals, zumindest musikalisch, wenn auch nicht textlich, die waren, sofern ich sie verstand oder aus den Ankündigungen erschloss, eher handfest und bodenständig: Es ging um das Problem, einem lieben Menschen viel zu selten die wirklich wichtigen Dinge zu sagen, bis man sich eines Tages auseinander lebt, es ging selbstredend um Liebeskummer, aber auch um den Kummer von Chris’ Vater, der mit 58 Jahren als Stahlarbeiter zwangsweise in den Vorruhestand geschickt wurde, weil die Stahlindustrie in Sheffield nur noch auf Sparflamme lief, und der dann mit 65 zurück geholt wurde, weil doch plötzlich seine berufliche Erfahrung gefragt und kein Nachwuchs da war, es ging aber auch um die Freude, einer ehemaligen Mitschülerin, die Julie, die nie gut in Sport war, immer in ihr Team nehmen musste, da sie immer als letzte noch übrig blieb, und die ihr deshalb immer böse war, weil die Mannschaft Julies wegen immer wieder verlor, ein freches „Nana nana naana“ hinterher zu rufen. Diese doch sehr verschiedenen Themen wurden indes nicht alle mit spiritual-ähnlichen Melodien vorgetragen, sondern vieles klang sehr country-ähnlich, einiges nach John Denver, ja bei einem Lied, ich weiß nicht mehr, worum es dabei ging, sah ich mich plötzlich in meinem 85er Buick Skylark-Mietwagen durch die Prairie von Alberta fahren. Und ein Lied erinnerte mich an Rawlin’s Cross, also wenn schon nicht schottisch, so doch neu-schottisch. An Instrumenten bedienten die beiden Sängerinnen Gitarren, Piano, Bouzouki, Mandoline und Ziehharmonika (Julie) und Gitarre, Bodhrán, Banjo, Dulcimer und Percussion (Chris). Ja, ein Lied mit Bouzouki und Banjo klang besonderes intensiv nach Country, eines mit Gitarre und Ziehharmonika klang noch am englischsten, wenn ich Chris Simmance als Maßstab nehme, wobei ich nicht weiß, ob man das tun kann.
Das Konzert fing eher langsam und zum Zuhören mit geschlossenen Augen einlandend an, nahm aber bald an Druck und Groove zu, um nach der Pause, in der man sich dieses Jahr wohl letztmalig mit Juttas leckerem Kümmel-Zwiebelkuchen versorgen konnte, ging es richtig ab. Der WDR war auch da, sogar Werner Führmann persönlich, und sie wollen den Mitschnitt Anfang 2007 senden. Wenn ich rechtzeitig davon erfahre, gebe ich den Termin an Euch weiter.
http://www.whileandmatthews.co.uk/
http://www.folkimfeuerschloesschen.de.vu
MAS
Am 20. Oktober waren mal wieder Musiker, bzw. Musikerinnen aus merry old England im Feuerschlösschen zu Gast, und zwar Julie Matthews aus Nordostengland, genauer Yorkshire, noch genauer Sheffield, und Chris While aus Nordwestengland, genauer aus der Nähe des Lake Districts. Wer jetzt denkt, von so weit im Norden, kurz vor der schottischen Grenze kommend, müsste ihre Musik auch schon ein wenig schottisch klingen, der irrt sich. Viel mehr klangen die ersten akustischen Eindrücke eher amerikanisch, und zwar nach Spirituals, zumindest musikalisch, wenn auch nicht textlich, die waren, sofern ich sie verstand oder aus den Ankündigungen erschloss, eher handfest und bodenständig: Es ging um das Problem, einem lieben Menschen viel zu selten die wirklich wichtigen Dinge zu sagen, bis man sich eines Tages auseinander lebt, es ging selbstredend um Liebeskummer, aber auch um den Kummer von Chris’ Vater, der mit 58 Jahren als Stahlarbeiter zwangsweise in den Vorruhestand geschickt wurde, weil die Stahlindustrie in Sheffield nur noch auf Sparflamme lief, und der dann mit 65 zurück geholt wurde, weil doch plötzlich seine berufliche Erfahrung gefragt und kein Nachwuchs da war, es ging aber auch um die Freude, einer ehemaligen Mitschülerin, die Julie, die nie gut in Sport war, immer in ihr Team nehmen musste, da sie immer als letzte noch übrig blieb, und die ihr deshalb immer böse war, weil die Mannschaft Julies wegen immer wieder verlor, ein freches „Nana nana naana“ hinterher zu rufen. Diese doch sehr verschiedenen Themen wurden indes nicht alle mit spiritual-ähnlichen Melodien vorgetragen, sondern vieles klang sehr country-ähnlich, einiges nach John Denver, ja bei einem Lied, ich weiß nicht mehr, worum es dabei ging, sah ich mich plötzlich in meinem 85er Buick Skylark-Mietwagen durch die Prairie von Alberta fahren. Und ein Lied erinnerte mich an Rawlin’s Cross, also wenn schon nicht schottisch, so doch neu-schottisch. An Instrumenten bedienten die beiden Sängerinnen Gitarren, Piano, Bouzouki, Mandoline und Ziehharmonika (Julie) und Gitarre, Bodhrán, Banjo, Dulcimer und Percussion (Chris). Ja, ein Lied mit Bouzouki und Banjo klang besonderes intensiv nach Country, eines mit Gitarre und Ziehharmonika klang noch am englischsten, wenn ich Chris Simmance als Maßstab nehme, wobei ich nicht weiß, ob man das tun kann.
Das Konzert fing eher langsam und zum Zuhören mit geschlossenen Augen einlandend an, nahm aber bald an Druck und Groove zu, um nach der Pause, in der man sich dieses Jahr wohl letztmalig mit Juttas leckerem Kümmel-Zwiebelkuchen versorgen konnte, ging es richtig ab. Der WDR war auch da, sogar Werner Führmann persönlich, und sie wollen den Mitschnitt Anfang 2007 senden. Wenn ich rechtzeitig davon erfahre, gebe ich den Termin an Euch weiter.
http://www.whileandmatthews.co.uk/
http://www.folkimfeuerschloesschen.de.vu
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Sunday, October 08, 2006
Konzertrezension: Pure Irish Drops - Music from the Déise am 8.10.2003 in der Brotfabrik in Bonn-Beuel
Pure Irish Drops - Music from the Déise am 8.10.2003 in der Brotfabrik in Bonn-Beuel
Die 18. Pure Irish Drops Tour in Deutschland, zum zehnten Mal zu Gast in der Brotfabrik, und nun zum dritten Mal hintereinander am 8. Oktober, Petra und ich besuchten es zum vierten oder fünften Mal. Das Datum sollte man beibehalten, symbolisiert die 8 doch die Unendlichkeit, und so doppelt (der Oktober ist ja der achte Monat im römischen Kalender, wie der Name schon sagt) genommen, sollte das ein gutes Omen sein. Waren die letzten beiden Jahre Personen gewidmet, nämlich 2004 Micho Russel und 2005 Turlough O’Carolan, so nahm man nun wie 2003, als Nordirland das Thema war, wieder eine Region Irlands zum Motto, nämlich den Landstrich Déise in Südostirland, aus dem die drei Musiker des Abends kamen: Dónal Clancy (Gitarre), Fionn Mac Giolla Chuda (Fiddle) und Benny McCarthy (Knopfakkordeon, Melodeon). Der angekündigte Donnchadh Gough (Uillean Pipes, Bodhrán, Tin Whistle) war also nicht dabei. Veranstalter Florian Fürst kündigte an, dass man nun also typische südostirische Musik zu hören bekomme, während sonst ja meistens westirische Musik bekannt sei.
Wie verhielt es sich aber damit? Sie spielten rein instrumentale Airs, Hornpipes, Polkas Jigs und Reels, von denen mir nicht wenige Tunes bekannt waren, obwohl ich mich noch nie mit Déise beschäftigt habe, aber die Cliffs of Moher z.B. liegen ja auch im Südwesten. Sie spielten sie sehr schön, die Airs verträumt und doch von einer inneren Spannung durchzogen, die Tanztunes schnell, rhythmisch, groovig, wie es sich für Spitzenmusiker von der grünen Insel gehört. Was aber war nun typisch südostirisch? Ich fragte ein paar Fachleute: Sabrina Palm (Whisht! u.a.) meinte, es seien die Airs, Florian Fürst meinte, es seien die Stücke, die sie solo spielten, während die zusammen gespielten Stücke irisches Allgemeingut seien, Ellen Jeikner (Currach u.a.) meinte, es sei die besondere Art, wie die Stücke gespielt wurden. Aha! Nun gut, da fehlte mir wohl die Kenntnis der Tune-Vielfalt und das feine Gehör, um das von meiner seite so zu spezifizieren. Ich dachte schon, dass einige Melodien, vor allem eine Polka und zwei Reels, die auf dem Melodeon gespielt wurden, sich für mich französisch bzw. quebecois bzw. cajunmäßig anhörten, das sei es. Nein, meinte Sabrina, da höre sich nichts französisch an, und Florian meinte, es gebe einen so regen Austausch der Musiker, da könnten die Tunes überall her kommen und von überall her beeinflusst sein. Einig waren wir uns aber darin, dass die Spielweise sehr traditionell war, Sabrina nannte es „erdig“, was mich zu dem Schluss kommen lässt, dass Musikrezensionen ein bisschen wie Weinverkostungen sind. Mir fehlten ein wenig die Variationen bei den Wiederholungen, Sabrina meinte, da seien genug von dabei, ja so kann man diskutieren: „der Riesling hat einen erdigen Abgang“, „nein, einen fruchtigen“, ...
Ach lassen wir die Fachsimpelei, denn so simpel ist die gar nicht, und ich sage einfach, es war ein sehr schönes Konzert, das mich davon überzeugte, dass auch Südostirland eine blühende und faszinierende Musiktradition und –kultur hat, war ich im Übrigen nie bestritten habe.
Mehr Infos zu den Musikern findet man hier:
http://www.parterre.net/kultur/pure_irish_drops06137170118
http://www.brotfabrik-bonn.de/
frühere Pure Irish Drops – Rezis von mir:
http://folktreff-bonn-rhein-sieg-rezensionen.blogspot.com/2004/10/konzertrezension-pure-irish-drops-am.html bzw. http://tinyurl.com/acx5c
http://folktreff-bonn-rhein-sieg-rezensionen.blogspot.com/2005/10/konzertrezension-pure-irish-drops-in.html bzw. http://tinyurl.com/csqne
MAS
Die 18. Pure Irish Drops Tour in Deutschland, zum zehnten Mal zu Gast in der Brotfabrik, und nun zum dritten Mal hintereinander am 8. Oktober, Petra und ich besuchten es zum vierten oder fünften Mal. Das Datum sollte man beibehalten, symbolisiert die 8 doch die Unendlichkeit, und so doppelt (der Oktober ist ja der achte Monat im römischen Kalender, wie der Name schon sagt) genommen, sollte das ein gutes Omen sein. Waren die letzten beiden Jahre Personen gewidmet, nämlich 2004 Micho Russel und 2005 Turlough O’Carolan, so nahm man nun wie 2003, als Nordirland das Thema war, wieder eine Region Irlands zum Motto, nämlich den Landstrich Déise in Südostirland, aus dem die drei Musiker des Abends kamen: Dónal Clancy (Gitarre), Fionn Mac Giolla Chuda (Fiddle) und Benny McCarthy (Knopfakkordeon, Melodeon). Der angekündigte Donnchadh Gough (Uillean Pipes, Bodhrán, Tin Whistle) war also nicht dabei. Veranstalter Florian Fürst kündigte an, dass man nun also typische südostirische Musik zu hören bekomme, während sonst ja meistens westirische Musik bekannt sei.
Wie verhielt es sich aber damit? Sie spielten rein instrumentale Airs, Hornpipes, Polkas Jigs und Reels, von denen mir nicht wenige Tunes bekannt waren, obwohl ich mich noch nie mit Déise beschäftigt habe, aber die Cliffs of Moher z.B. liegen ja auch im Südwesten. Sie spielten sie sehr schön, die Airs verträumt und doch von einer inneren Spannung durchzogen, die Tanztunes schnell, rhythmisch, groovig, wie es sich für Spitzenmusiker von der grünen Insel gehört. Was aber war nun typisch südostirisch? Ich fragte ein paar Fachleute: Sabrina Palm (Whisht! u.a.) meinte, es seien die Airs, Florian Fürst meinte, es seien die Stücke, die sie solo spielten, während die zusammen gespielten Stücke irisches Allgemeingut seien, Ellen Jeikner (Currach u.a.) meinte, es sei die besondere Art, wie die Stücke gespielt wurden. Aha! Nun gut, da fehlte mir wohl die Kenntnis der Tune-Vielfalt und das feine Gehör, um das von meiner seite so zu spezifizieren. Ich dachte schon, dass einige Melodien, vor allem eine Polka und zwei Reels, die auf dem Melodeon gespielt wurden, sich für mich französisch bzw. quebecois bzw. cajunmäßig anhörten, das sei es. Nein, meinte Sabrina, da höre sich nichts französisch an, und Florian meinte, es gebe einen so regen Austausch der Musiker, da könnten die Tunes überall her kommen und von überall her beeinflusst sein. Einig waren wir uns aber darin, dass die Spielweise sehr traditionell war, Sabrina nannte es „erdig“, was mich zu dem Schluss kommen lässt, dass Musikrezensionen ein bisschen wie Weinverkostungen sind. Mir fehlten ein wenig die Variationen bei den Wiederholungen, Sabrina meinte, da seien genug von dabei, ja so kann man diskutieren: „der Riesling hat einen erdigen Abgang“, „nein, einen fruchtigen“, ...
Ach lassen wir die Fachsimpelei, denn so simpel ist die gar nicht, und ich sage einfach, es war ein sehr schönes Konzert, das mich davon überzeugte, dass auch Südostirland eine blühende und faszinierende Musiktradition und –kultur hat, war ich im Übrigen nie bestritten habe.
Mehr Infos zu den Musikern findet man hier:
http://www.parterre.net/kultur/pure_irish_drops06137170118
http://www.brotfabrik-bonn.de/
frühere Pure Irish Drops – Rezis von mir:
http://folktreff-bonn-rhein-sieg-rezensionen.blogspot.com/2004/10/konzertrezension-pure-irish-drops-am.html bzw. http://tinyurl.com/acx5c
http://folktreff-bonn-rhein-sieg-rezensionen.blogspot.com/2005/10/konzertrezension-pure-irish-drops-in.html bzw. http://tinyurl.com/csqne
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Saturday, September 30, 2006
Konzertrezension: Paul Millns & Butch Coulter am 30.9.2006 beim Folk im Feuerschlösschen in Bad Honnef
Paul Millns & Butch Coulter am 30.9.2006 beim Folk im Feuerschlösschen in Bad Honnef
Nein, es war nicht der von Jutta Mensing extra angekündigte Zwiebelkuchen und Federweißer, der Petra und mich dazu veranlasste, mal wieder das Feuerschlösschen aufzusuchen, sondern ich gebe zu, dass mir diese Einrichtung als nichtkommerzieller Verein besonders sympathisch ist und Speis und Trank dort zwar nicht in für Restaurants typische Weise, sondern so eher wie bei Straßenfesten üblich kredenzt werden, dafür aber auch erschwinglicher sind. Und vor allem Petra als alter Alexis Corner-Fan lockte auch die Ankündigung, dass Paul Millns mit ihm zusammen musiziert habe.
Es war nun also ein Konzert mit zwei Musikern, deren einer (Paul Millns aus England) Klavier spielte und Sang und deren anderer (Butch Coulter aus Kanada) die Gitarre und die Mundharmonika (blues harp) bediente. Trotz dieser sparsamen Besetzung boten die beiden eine mitreißende Musik, die auch zeigte, wie vielfältig Blues sein kann. Von den Texten verstand ich nicht viel, obwohl ich englisch kann und Paul ein gut verständliches englisches Englisch sprach, aber wenn es gesungen wird, achte ich meistens mehr auf die Musik und nicht auf die Texte. Natürlich sang er von der Liebe, die bisweilen nicht so langsam wie ein Eselsritt sei, und er sang Kritisches über Tony Blair, aber mehr kann ich jetzt dazu nicht sagen. Stilistisch kam neben dem typisch cool wiegenden Bluesrhythmus auch einiges an Boogie und an Ragtime vor, und einiges Lieder klangen nach englischem Folk oder nach Country, nur eben am Klavier, nicht auf der Gitarre gespielt. Butch bediente die Gitarre die meiste Zeit über sehr zurück haltend mit einfachen Akkorden, die man neben dem Klavier kaum hörte, aber seine besondere Stärke war die Mundharmonika. Ich möchte sagen, und die vielen Zwischenapplause, die er zeigten, dass nicht nur ich es so empfand, dass er Paul damit ein wenig die Show stahl, ähnlich wie Ralf Grottian es mal beim Bonner Folktreff mit dem Eifelslider tat. Butch holte aus seiner Bluesharp Töne heraus, die mich an der E-Gitarrenspiel von Carlos Santana oder Carol Knauber erinnerten. Einfach sagenhaft!
Ja, doch, Juttas Zwiebelkuchen wäre abgesehen von der Musik auch den Abend wert gewesen. Sie gab etwas Kümmel hinzu, damit er bekömmlicher ist.
Und da ich nun über Speis und Trank rede, möchte ich für Bierfreunde mal wieder was hinzu fügen; die anderen Leser(innen) können hier mit dem Lesen aufhören. Beim FiF gibt es ein schönes Sortiment an Flaschenbieren: Guinness Extra Stout, Newcastle Brown Ale von den Inseln, also von weit her, und eine Menge Biersorten der fast benachbarten Steffens Brauerei in Linz-Casbach: Steffi (Kölsch), Alt, Pils, Braunbier (was ich besonders mag), Hefe-Weizen, Kräusen, Malzbier, Radler. Ich erfuhr aber letztens und ließ es mir vom Brauereichef Christian Runkel bestätigen, dass die Brauerei den Braubetrieb eingestellt hat. Sie lässt ihrer Biere nun im Lohnbrauverfahren herstellen und zwar die Obergärigen in Herborn bei der Bärenbrauerei und die Untergärigen und Mixgetränke in Alsfeld bei der Alsfelder Brauerei, also ca. 100 bzw. 200 km von Linz entfernt. Die Ursache für diese Entscheidung war die zu hohe Konkurrenz durch die sogenannten Fernsehbiere (also die mit Fernsehwerbung) und die Billigbiere. Der Jahrsausstoß der Steffensbrauerei ging so von 50000 auf 20000 Hektoliter im Jahr zurück, eine für eine Brauerei in der Größe technisch und wirtschaftlich zu geringe Menge. Die Moral von der Geschicht’, warum ich das hier thematisiere ist die: Wenn Ihr gerne Bier trinkt, dann schaut doch zu, dass Ihr hauptsächlich a) der Umwelt zuliebe Biere mit wenigen Transportkilometern, b) der Arbeitsplätze zuliebe Biere kleiner und mittlererer (Privat-)Brauereien, c) der Biervielfalt zuliebe auch unterschiedliche Biersorten trinkt. Geschmacklich wird dabei jeder etwas finden, was ihm mundet, während die Auswahl an „Fernsehbieren“ geschmacklich viel eintöniger ist und Fernseh- und Billigbiere zumeist in solchen Megabrauerein hergestellt werden, dass sie weniger Arbeitsplätze bieten, als die vielen kleinen Brauereien zusammen. Das meine ich ganz (bier)ernst.
http://www.paulmillns.co.uk
http://www.folkimfeuerschloesschen.de.vu
http://www.brauerei-steffens.de/
MAS
Nein, es war nicht der von Jutta Mensing extra angekündigte Zwiebelkuchen und Federweißer, der Petra und mich dazu veranlasste, mal wieder das Feuerschlösschen aufzusuchen, sondern ich gebe zu, dass mir diese Einrichtung als nichtkommerzieller Verein besonders sympathisch ist und Speis und Trank dort zwar nicht in für Restaurants typische Weise, sondern so eher wie bei Straßenfesten üblich kredenzt werden, dafür aber auch erschwinglicher sind. Und vor allem Petra als alter Alexis Corner-Fan lockte auch die Ankündigung, dass Paul Millns mit ihm zusammen musiziert habe.
Es war nun also ein Konzert mit zwei Musikern, deren einer (Paul Millns aus England) Klavier spielte und Sang und deren anderer (Butch Coulter aus Kanada) die Gitarre und die Mundharmonika (blues harp) bediente. Trotz dieser sparsamen Besetzung boten die beiden eine mitreißende Musik, die auch zeigte, wie vielfältig Blues sein kann. Von den Texten verstand ich nicht viel, obwohl ich englisch kann und Paul ein gut verständliches englisches Englisch sprach, aber wenn es gesungen wird, achte ich meistens mehr auf die Musik und nicht auf die Texte. Natürlich sang er von der Liebe, die bisweilen nicht so langsam wie ein Eselsritt sei, und er sang Kritisches über Tony Blair, aber mehr kann ich jetzt dazu nicht sagen. Stilistisch kam neben dem typisch cool wiegenden Bluesrhythmus auch einiges an Boogie und an Ragtime vor, und einiges Lieder klangen nach englischem Folk oder nach Country, nur eben am Klavier, nicht auf der Gitarre gespielt. Butch bediente die Gitarre die meiste Zeit über sehr zurück haltend mit einfachen Akkorden, die man neben dem Klavier kaum hörte, aber seine besondere Stärke war die Mundharmonika. Ich möchte sagen, und die vielen Zwischenapplause, die er zeigten, dass nicht nur ich es so empfand, dass er Paul damit ein wenig die Show stahl, ähnlich wie Ralf Grottian es mal beim Bonner Folktreff mit dem Eifelslider tat. Butch holte aus seiner Bluesharp Töne heraus, die mich an der E-Gitarrenspiel von Carlos Santana oder Carol Knauber erinnerten. Einfach sagenhaft!
Ja, doch, Juttas Zwiebelkuchen wäre abgesehen von der Musik auch den Abend wert gewesen. Sie gab etwas Kümmel hinzu, damit er bekömmlicher ist.
Und da ich nun über Speis und Trank rede, möchte ich für Bierfreunde mal wieder was hinzu fügen; die anderen Leser(innen) können hier mit dem Lesen aufhören. Beim FiF gibt es ein schönes Sortiment an Flaschenbieren: Guinness Extra Stout, Newcastle Brown Ale von den Inseln, also von weit her, und eine Menge Biersorten der fast benachbarten Steffens Brauerei in Linz-Casbach: Steffi (Kölsch), Alt, Pils, Braunbier (was ich besonders mag), Hefe-Weizen, Kräusen, Malzbier, Radler. Ich erfuhr aber letztens und ließ es mir vom Brauereichef Christian Runkel bestätigen, dass die Brauerei den Braubetrieb eingestellt hat. Sie lässt ihrer Biere nun im Lohnbrauverfahren herstellen und zwar die Obergärigen in Herborn bei der Bärenbrauerei und die Untergärigen und Mixgetränke in Alsfeld bei der Alsfelder Brauerei, also ca. 100 bzw. 200 km von Linz entfernt. Die Ursache für diese Entscheidung war die zu hohe Konkurrenz durch die sogenannten Fernsehbiere (also die mit Fernsehwerbung) und die Billigbiere. Der Jahrsausstoß der Steffensbrauerei ging so von 50000 auf 20000 Hektoliter im Jahr zurück, eine für eine Brauerei in der Größe technisch und wirtschaftlich zu geringe Menge. Die Moral von der Geschicht’, warum ich das hier thematisiere ist die: Wenn Ihr gerne Bier trinkt, dann schaut doch zu, dass Ihr hauptsächlich a) der Umwelt zuliebe Biere mit wenigen Transportkilometern, b) der Arbeitsplätze zuliebe Biere kleiner und mittlererer (Privat-)Brauereien, c) der Biervielfalt zuliebe auch unterschiedliche Biersorten trinkt. Geschmacklich wird dabei jeder etwas finden, was ihm mundet, während die Auswahl an „Fernsehbieren“ geschmacklich viel eintöniger ist und Fernseh- und Billigbiere zumeist in solchen Megabrauerein hergestellt werden, dass sie weniger Arbeitsplätze bieten, als die vielen kleinen Brauereien zusammen. Das meine ich ganz (bier)ernst.
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http://www.brauerei-steffens.de/
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Sunday, September 24, 2006
Konzertrezension: Eitre am 24.9.2006 bei Frau Holle in der Bonner Altstadt
Eitre am 24.9.2006 bei Frau Holle in der Bonner Altstadt
Es kommt ja selten vor, dass ich mir innerhalb eines halben Jahres zweimal die selbe Band anhöre, aber wenn man zweitens so nett eingeladen wird und erstens die Musik so spitzenmäßig ist, kann ich doch nicht nein sagen. Und da es wirklich nett war bei Frau Holle schreibe ich auch ein paar Zeilen dazu.
Zur Musik selber brauche ich eigentlich nicht viel zu schreiben, denn die war nicht viel anders als am 11.5. im Feuerschlösschen oder auf der CD, nur dass sie gänzlich ohne Mikrophone spielten und dass Kevin nicht Tin Whistle spielte, sondern „nur“ Flute und Low Whistle, während Marco außer seinen Uilleann Pipes auch die Tin Whistle bediente. Und ich sollte vielleicht doch mal die nationalen Provenienzen der fünf Musiker erwähnen (in der Hoffnung, dass ich diese jetzt richtig auf die Reihe kriege), denn immer wieder werden diese falsch vorgestellt, so auch an diesem Vormittag (ja, es war eine Matinee, die um 11.30 Uhr begann):
Dag Westling ist ein in Deutschland (Berlin) geborener Schwede, der jetzt in Schweden (Stockholm) lebt,
Esbjörn Hazelius ist ein in Schweden (Schonen) geborener Schwede, der auch in Schweden (Stockholm) lebt,
Fredrik Bengtsson ist auch ein in Schweden (Schonen) geborener Schwede, der ebenfalls in Schweden (Stockholm) lebt,
Kevin Ryan ist ein in England geborener Ire, der jetzt in Irland lebt, und
Marco Pollier ein Frankreich (Nancy in Lothringen, also nicht in der Bretagne) geborener Franzose, der auch in Frankreich lebt.
Diese fünf verstanden es auf’s Beste mit Pipes, Flute, Whistle, Gitarre, Banjo, Cittern, Bass und Gesang auch den eventuell am Samstagabend etwas länger Aufgebliebenen den letzten Rest der Sonntagmorgenträgheit aus den Nerven und Gliedern zu treiben. Zwar tanzte nur ein kleines Mädchen sichtbar, aber im Inneren tat das bestimmt jeder im Publikum, das eng gedrängt auf Klappstühlen saß, oder in der ersten Reihe auf einem alten Sofa.
Zum Etablissement muss ich auf jeden Fall was schreiben. Es ist eigentlich eine kleine Modeboutique mit einer nostalgischen Café-Theke. Ich fragte mich, wo denn hier die Musiker spielen sollten, etwa zwischen den Kleidern im Schrank oder dahinter. Der zweite Gedanke war so verkehrt nicht, denn zumindest um auf die Toilette zu kommen musste man ein Regal aufklappen und durch eine versteckte Tür entschwinden. Geheimnisvoll! Aber im Grunde war es doch profaner, denn durch eine schmale Einfahrt gerieten wir in einen kleinen Innenhof, und von dort aus in Nebengebäude. Dag meinte, es sei wohl der schönste Hinterhof Deutschlands, und wenn man de herein komme, sei es, als betrete man eine andere Welt. Dem schließe ich mich an. Die Zeiten, in denen das eine heutige Atelier als Waschküche benutzt wurde, ist lange vorbei, heute befindet sich dort ein Büro und eine Bibliothek und eben ein Atelier, und in dem anderen Raum, in dem das Konzert in gemütlicher Enge stattfand, so dass die Zuhörer in der ersten Reihe den Musikern beinahe auf den Füßen saßen, ist ansonsten ebenfalls ein Maleratelier. Und im Hof selber stehen Tische, Bänke und Stühle bereit, damit man noch in Ruhe einen Kaffee oder anderes schlürfen kann. Weg vermutet solches hinter den Fassaden der Altstadt aus dem 19. Jahrhundert? Schaut mal auf die Frau Holle-Homepage, wann sie die nächste Matinee haben, und dann geht da mal hin, es lohnt sich! ich glaube, es ist jeden vierten Sonntag im Monat.
Den Auftritt von Eitre hat übrigens unser guter alter Ralf Wackers vermittelt.
http://www.eitre.com/
http://www.frau-holle.com/matinee.0.html
Vgl. auch meine Konzertrezi unter:
http://folktreff-bonn-rhein-sieg-rezensionen.blogspot.com/2006/05/konzertrezension-eitre-am-1152006-beim.html
und die CD-Rezi unter:
Link kommt noch
Es kommt ja selten vor, dass ich mir innerhalb eines halben Jahres zweimal die selbe Band anhöre, aber wenn man zweitens so nett eingeladen wird und erstens die Musik so spitzenmäßig ist, kann ich doch nicht nein sagen. Und da es wirklich nett war bei Frau Holle schreibe ich auch ein paar Zeilen dazu.
Zur Musik selber brauche ich eigentlich nicht viel zu schreiben, denn die war nicht viel anders als am 11.5. im Feuerschlösschen oder auf der CD, nur dass sie gänzlich ohne Mikrophone spielten und dass Kevin nicht Tin Whistle spielte, sondern „nur“ Flute und Low Whistle, während Marco außer seinen Uilleann Pipes auch die Tin Whistle bediente. Und ich sollte vielleicht doch mal die nationalen Provenienzen der fünf Musiker erwähnen (in der Hoffnung, dass ich diese jetzt richtig auf die Reihe kriege), denn immer wieder werden diese falsch vorgestellt, so auch an diesem Vormittag (ja, es war eine Matinee, die um 11.30 Uhr begann):
Dag Westling ist ein in Deutschland (Berlin) geborener Schwede, der jetzt in Schweden (Stockholm) lebt,
Esbjörn Hazelius ist ein in Schweden (Schonen) geborener Schwede, der auch in Schweden (Stockholm) lebt,
Fredrik Bengtsson ist auch ein in Schweden (Schonen) geborener Schwede, der ebenfalls in Schweden (Stockholm) lebt,
Kevin Ryan ist ein in England geborener Ire, der jetzt in Irland lebt, und
Marco Pollier ein Frankreich (Nancy in Lothringen, also nicht in der Bretagne) geborener Franzose, der auch in Frankreich lebt.
Diese fünf verstanden es auf’s Beste mit Pipes, Flute, Whistle, Gitarre, Banjo, Cittern, Bass und Gesang auch den eventuell am Samstagabend etwas länger Aufgebliebenen den letzten Rest der Sonntagmorgenträgheit aus den Nerven und Gliedern zu treiben. Zwar tanzte nur ein kleines Mädchen sichtbar, aber im Inneren tat das bestimmt jeder im Publikum, das eng gedrängt auf Klappstühlen saß, oder in der ersten Reihe auf einem alten Sofa.
Zum Etablissement muss ich auf jeden Fall was schreiben. Es ist eigentlich eine kleine Modeboutique mit einer nostalgischen Café-Theke. Ich fragte mich, wo denn hier die Musiker spielen sollten, etwa zwischen den Kleidern im Schrank oder dahinter. Der zweite Gedanke war so verkehrt nicht, denn zumindest um auf die Toilette zu kommen musste man ein Regal aufklappen und durch eine versteckte Tür entschwinden. Geheimnisvoll! Aber im Grunde war es doch profaner, denn durch eine schmale Einfahrt gerieten wir in einen kleinen Innenhof, und von dort aus in Nebengebäude. Dag meinte, es sei wohl der schönste Hinterhof Deutschlands, und wenn man de herein komme, sei es, als betrete man eine andere Welt. Dem schließe ich mich an. Die Zeiten, in denen das eine heutige Atelier als Waschküche benutzt wurde, ist lange vorbei, heute befindet sich dort ein Büro und eine Bibliothek und eben ein Atelier, und in dem anderen Raum, in dem das Konzert in gemütlicher Enge stattfand, so dass die Zuhörer in der ersten Reihe den Musikern beinahe auf den Füßen saßen, ist ansonsten ebenfalls ein Maleratelier. Und im Hof selber stehen Tische, Bänke und Stühle bereit, damit man noch in Ruhe einen Kaffee oder anderes schlürfen kann. Weg vermutet solches hinter den Fassaden der Altstadt aus dem 19. Jahrhundert? Schaut mal auf die Frau Holle-Homepage, wann sie die nächste Matinee haben, und dann geht da mal hin, es lohnt sich! ich glaube, es ist jeden vierten Sonntag im Monat.
Den Auftritt von Eitre hat übrigens unser guter alter Ralf Wackers vermittelt.
http://www.eitre.com/
http://www.frau-holle.com/matinee.0.html
Vgl. auch meine Konzertrezi unter:
http://folktreff-bonn-rhein-sieg-rezensionen.blogspot.com/2006/05/konzertrezension-eitre-am-1152006-beim.html
und die CD-Rezi unter:
Link kommt noch
Thursday, September 14, 2006
CD-Rezension: Eitre. The Coming of Spring
Eitre. The Coming of Spring
Sjelvar Records HB (www.sjelvar.com) 2005 mit Fotos und wenigen englischen Infos
11 Tracks, 50,18 Minuten
Am 11.5.2006 spielte die schwedische Irish Traditional Rythm’n’Reel Band Eitre im Feuerschlösschen in Bad Honnef, wovon ich ganz begeistert berichtet habe. Nun, rechtzeitig bevor sie am 24.9.2006 bei Frau Holle in Bonn wieder auftreten, schickte mir Dag Westling deren 2005 erschienene CD „The Coming of Spring“, die sich auch im Spätsommer und Frühherbst gut anhört.
Es ist eine sehr feine Musik, die die Schweden Dag Westling (Gesang, Gitarre, Five-string Bajo), Esbjörn Hazelius (Fiddle, Zister, Gesang), Fredrik Bengtson (Doppelbass), der Ire Kevin Ryan (Querflöte) und der Franzose Marco Pollier (Uilleann Pipes, Tin Whistles) auf dieser Scheibe darbieten. Sie beginnt rasant schnell mit dem Reelset „Fairy Reel“, von dem ich auch auf dem Konzert schon so begeistert war, mit den im ersten und zweiten Reel unterschiedlich nacheinander einsetzenden Instrumenten. Rasend schnelle Reels sind zu Hauf auf der CD, in unterschiedlichen Arrangements, immer wieder mit Solo-Teilen zum Beispiel der Uilleann Pipe dabei, die mir Schauer der Spannung und Spannungsentladung durch den Körper jagen. Und keine kleinste Passage wirkt trotz des Tempos gehetzt, vielmehr fließt, treibt, groovt die Musik dahin, keine Anstrengung ist ihr anzuhören, wie es bei guten Akrobaten ja auch sein soll.
Die von Dag und Esbjörn gesungenen Lieder bilden dazu einen Kontrast, denn sie sind langsam vorgetragen, manche langsamer, als ich die gleichen Lieder von anderen Interpreten kenne, aber immer begleitet mit einem minutiösen Gitarren- und meistens doch wieder angereichert mit einem flotten Zwischenspiel. Alles in allem, das habe ich auch zum Konzert geschrieben, wird die Musik sehr weicht gespielt, auch wo Pipe und Fiddle hohe Töne anschlagen.
Auch an die CD ging ich mit dem Interesse heran, ob da nicht doch etwas heraus zu hören ist, das schwedisch klingt. Esbjörns Englisch hat wohl einen etwas schwedischen Akzent, aber es ist doch alles original irische Musik oder solche von irisch stämmigen Nordamerikanern. Doch da ist eines, das klingt etwas anders, obwohl von Tomy Peoples, also einem Iren, komponiert und zwar „Tomy Peoples’ Mazurka“, die mir auf einer CD mit svensk folkmusik nicht als fremd aufgefallen wäre, die teilweise aber auch deutsch klingt. Sie ist der erste Teil des Sets dessen Namen die CD bekam, dessen zweiter Teil, der auch „The Coming of Spring“ heißt, dann aber doch wieder ein typisch irischer Jig ist. Zwischen Mazurka und Jig bildet ein Gittarrenintermezzo eine Pause, die den Fluss dieses Sets etwas stört und das Durchtanzen wahrscheinlich verhindert, sofern man überhaupt tanzend von einer Mazurka zu einem Jig wechseln kann. Es ist wohl doch eher Zuhör- als Tanzmusik, aber das ist ja auch typisch für irische Instrumentals, wie mir Tänzer immer wieder mal vermitteln. Tilman Teuscher sagte mir letztens in einem Interview über die Hummelkurse, dass in der Irish Folk Music in den letzten 30, 40 Jahren die Session- und die Tanzszene in ihren Spielweisen wie eine Schere auseinander klafften. Nehmen wir diese CD also als Repräsentantin der Session- und Konzertszene und zwar als Spitzenrepräsentantin.
Ich kann also allen Freundinnen und Freunden erstklassiger Irish Traditional Music nun guten Herzens zwei Schritte des Vorgehens empfehlen: 1. Zum Konzert zu Frau Holle kommen und 2. Geld für eine CD mitbringen. Nein, ich werde nicht für diese Werbung bezahlt, sondern bekam nur die übliche Rezi-CD. Sollte Dag im Hinterkopf gehabt haben, dass die Rezension eine Werbung werden könnte, liegt das wohl an der Konzertrezi vom Mai, aber die Musik hat es auch wirklich verdient!
Inhalt:
Fairy Reel (Fairy Reel / The Man from Banduran / McFadden’s Favourite)
William Taylor
Princess Nancy (Princess Nancy, The Tar Road to Sligo / Thompson’s Jig)
Brackagh Hill
Killarney Boys of Pleasure (Big John’s Reel / Pickinig the Spud / Killarney Boys of Pleasure)
Flat River Girl (Flat River Girl / The Rose in the Heather)
Sliabh Geal gGua (Sliabh Geal gGua / The Garden of Daisies)
Coleraine Regatta (Coleraine Regatta / The Lads of Laois)
The Coming of Spring (Tommy Peoples Mazurka / The Coming of Spring)
The Flower of Magherally
The Crosses of Annagh (The Glen Road to Carrick / The Porthole of the Kelp / The Merry Sisters / The Crosses of Annagh)
(Das Lies “Flat River Girl” ist mir ansonsten unter dem Namen “Jack Haggerty” bekannt.)
http://www.eitre.com/
Vgl. auch meine Konzertrezi unter:
http://folktreff-bonn-rhein-sieg-rezensionen.blogspot.com/2006/05/konzertrezension-eitre-am-1152006-beim.html
Johannes Schiefner rezensierte die CD auch schon mal:
http://www.folker.de/200503/rezi-eu.htm#02
MAS
Sjelvar Records HB (www.sjelvar.com) 2005 mit Fotos und wenigen englischen Infos
11 Tracks, 50,18 Minuten
Am 11.5.2006 spielte die schwedische Irish Traditional Rythm’n’Reel Band Eitre im Feuerschlösschen in Bad Honnef, wovon ich ganz begeistert berichtet habe. Nun, rechtzeitig bevor sie am 24.9.2006 bei Frau Holle in Bonn wieder auftreten, schickte mir Dag Westling deren 2005 erschienene CD „The Coming of Spring“, die sich auch im Spätsommer und Frühherbst gut anhört.
Es ist eine sehr feine Musik, die die Schweden Dag Westling (Gesang, Gitarre, Five-string Bajo), Esbjörn Hazelius (Fiddle, Zister, Gesang), Fredrik Bengtson (Doppelbass), der Ire Kevin Ryan (Querflöte) und der Franzose Marco Pollier (Uilleann Pipes, Tin Whistles) auf dieser Scheibe darbieten. Sie beginnt rasant schnell mit dem Reelset „Fairy Reel“, von dem ich auch auf dem Konzert schon so begeistert war, mit den im ersten und zweiten Reel unterschiedlich nacheinander einsetzenden Instrumenten. Rasend schnelle Reels sind zu Hauf auf der CD, in unterschiedlichen Arrangements, immer wieder mit Solo-Teilen zum Beispiel der Uilleann Pipe dabei, die mir Schauer der Spannung und Spannungsentladung durch den Körper jagen. Und keine kleinste Passage wirkt trotz des Tempos gehetzt, vielmehr fließt, treibt, groovt die Musik dahin, keine Anstrengung ist ihr anzuhören, wie es bei guten Akrobaten ja auch sein soll.
Die von Dag und Esbjörn gesungenen Lieder bilden dazu einen Kontrast, denn sie sind langsam vorgetragen, manche langsamer, als ich die gleichen Lieder von anderen Interpreten kenne, aber immer begleitet mit einem minutiösen Gitarren- und meistens doch wieder angereichert mit einem flotten Zwischenspiel. Alles in allem, das habe ich auch zum Konzert geschrieben, wird die Musik sehr weicht gespielt, auch wo Pipe und Fiddle hohe Töne anschlagen.
Auch an die CD ging ich mit dem Interesse heran, ob da nicht doch etwas heraus zu hören ist, das schwedisch klingt. Esbjörns Englisch hat wohl einen etwas schwedischen Akzent, aber es ist doch alles original irische Musik oder solche von irisch stämmigen Nordamerikanern. Doch da ist eines, das klingt etwas anders, obwohl von Tomy Peoples, also einem Iren, komponiert und zwar „Tomy Peoples’ Mazurka“, die mir auf einer CD mit svensk folkmusik nicht als fremd aufgefallen wäre, die teilweise aber auch deutsch klingt. Sie ist der erste Teil des Sets dessen Namen die CD bekam, dessen zweiter Teil, der auch „The Coming of Spring“ heißt, dann aber doch wieder ein typisch irischer Jig ist. Zwischen Mazurka und Jig bildet ein Gittarrenintermezzo eine Pause, die den Fluss dieses Sets etwas stört und das Durchtanzen wahrscheinlich verhindert, sofern man überhaupt tanzend von einer Mazurka zu einem Jig wechseln kann. Es ist wohl doch eher Zuhör- als Tanzmusik, aber das ist ja auch typisch für irische Instrumentals, wie mir Tänzer immer wieder mal vermitteln. Tilman Teuscher sagte mir letztens in einem Interview über die Hummelkurse, dass in der Irish Folk Music in den letzten 30, 40 Jahren die Session- und die Tanzszene in ihren Spielweisen wie eine Schere auseinander klafften. Nehmen wir diese CD also als Repräsentantin der Session- und Konzertszene und zwar als Spitzenrepräsentantin.
Ich kann also allen Freundinnen und Freunden erstklassiger Irish Traditional Music nun guten Herzens zwei Schritte des Vorgehens empfehlen: 1. Zum Konzert zu Frau Holle kommen und 2. Geld für eine CD mitbringen. Nein, ich werde nicht für diese Werbung bezahlt, sondern bekam nur die übliche Rezi-CD. Sollte Dag im Hinterkopf gehabt haben, dass die Rezension eine Werbung werden könnte, liegt das wohl an der Konzertrezi vom Mai, aber die Musik hat es auch wirklich verdient!
Inhalt:
Fairy Reel (Fairy Reel / The Man from Banduran / McFadden’s Favourite)
William Taylor
Princess Nancy (Princess Nancy, The Tar Road to Sligo / Thompson’s Jig)
Brackagh Hill
Killarney Boys of Pleasure (Big John’s Reel / Pickinig the Spud / Killarney Boys of Pleasure)
Flat River Girl (Flat River Girl / The Rose in the Heather)
Sliabh Geal gGua (Sliabh Geal gGua / The Garden of Daisies)
Coleraine Regatta (Coleraine Regatta / The Lads of Laois)
The Coming of Spring (Tommy Peoples Mazurka / The Coming of Spring)
The Flower of Magherally
The Crosses of Annagh (The Glen Road to Carrick / The Porthole of the Kelp / The Merry Sisters / The Crosses of Annagh)
(Das Lies “Flat River Girl” ist mir ansonsten unter dem Namen “Jack Haggerty” bekannt.)
http://www.eitre.com/
Vgl. auch meine Konzertrezi unter:
http://folktreff-bonn-rhein-sieg-rezensionen.blogspot.com/2006/05/konzertrezension-eitre-am-1152006-beim.html
Johannes Schiefner rezensierte die CD auch schon mal:
http://www.folker.de/200503/rezi-eu.htm#02
MAS
Friday, September 08, 2006
Konzertrezension: Ben Bulben am 8.9.2006 im Bungertshof in Königswinter-Oberdollendorf
Ben Bulben am 8.9.2006 im Bungertshof in Königswinter-Oberdollendorf
Es war schon vier Jahre her, dass ich Ben Bulben zum letzten Mal hörte, und zwar beim 1. Bonn Irish Folk Festival 2001. So war es höchste Zeit, da mal wieder rein zu hören, wobei der gemütliche Bungertshof zudem die richtige Atmosphäre zum Ausklang unseres kurzen Moselurlaubes bot.
Nun standen dort fünft Musiker(innen) auf der Bühne, wobei es unsinnig ist zu beschreiben, wer wo stand, da sie ihre Positionen ständig wechselten. Ich war mir auch gar nicht ganz sicher, wen außer Uli Wosnitza von ihnen ich noch kannte und wen nicht. Uli bediente die Tin und Low Whisltes, den E-Bass, das Bodhrán und die Cajon, Christoph Antony die Fiddle, die akustische Gitarre, den E-Bass und seine Stimmbänder, Joe Thar, den ich wirklich zum ersten Mal sah und hörte fungierte als Hauptsänger und A- und E-Gitarrist, Claudia Anthony die Querflöte, das Keyboard, die Percussion und ihre Stimme und Judith Bergerhausen tat es instrumentell Claudia gleich. Die beiden waren 2001 auch schon dabei.
Bevor es irisch zur Sache ging, erklang die Titelmelodie von „James Bond“ und Christoph stellte die Band vor: „Unser Name ist Bulben, Ben Bulben“. Später gab es auch noch die Medodie von „Mission Impossible“, aber abgesehen von diesen Gags blieben sie bei irischen und einigen schottischen Songs und Tunes, bei denen sich schnelle Jigs’n’Reels mit getragenen Balladen abwechselten. Bei den schnellen Stücken kamen sie mir anfangs noch zu hastig vor, zu wenig fließend, doch legte sich das im Laufe des Konzertes. Die Lieder aber waren durchweg so schön arrangiert, zum Beispiel wurde Joes Stimme von den Damen mit Satzgesang beleitet, wobei Männer- und Frauenstimmen leicht versetzt klangen. Selbst das oft gehörte „Back home in Derry“ war keineswegs langweilig, sondern mit Chorgesang und Querflötenzwischenspielen aufgepeppt, ohne dass es aufgesetzt wirkte. Auch mit Whistles und Querflöten gaben Uli, Claudia und Judith mehrstimmige Partien zum Besten, und es gab Passagen mit versetzten Rhythmen, Jazzeinlagen auf Flöte und Keyboard, funkige und rockige Gitarrenriffs, und sie spielten auch Reels wie „Cliffs of Moher“ und „Toss the Feathers“ sehr fließend und überzeugend. Dass Christoph sich am Schluss bei der vorletzten Zugabe den Finger zwischen den Fiddlesaiten klemmte, tat mir sehr leid, nicht nur seinetwegen, sondern weil ich dann sein Spiel nicht mehr genießen konnte. Aber vielleicht sollten sie auch nicht unbedingt auf Hochgeschwindigkeitsspiel setzen, sondern noch mehr auf den Fluss der Musik.
Anders als bei den Lokal Heroes (deren neuste CD in der Pause lief) stimmt es hier wirklich, dass kein Bandmitglied seine Brötchen mit Musik verdient. Eine Probe pro Woche in Vinxel reichte aber aus, die Band sich so vorteilhaft entwickeln zu lassen. Es war ein wahrer Genuss, ihrer Musik zuzuhören! Nur sollten sie es meiner Meinung nach sein lassen, das Publikum zum Mitklatschen zu animieren. Entweder klatschen die Leute von selber mit oder sie hören ruhig zu, aber das sollte man ihnen nicht vorschreiben, zumal viele Leute einfach totlangweilig mitklatschen und den Genuss der Musik stören. An einem Tisch neben uns wurde zuerst laut geschwätzt, bis ich ihnen sagte, dass das störe, aber hinterher klatschten sie nicht nur klapp -- klapp -- klapp, sondern klapp-klapp-klapp – klapp – klapp-klapp – klapp – klapp-klapp-klapp, oder so ähnlich, jedenfalls leicht versetzt mit Zwischenklatschern, und nicht so langweilig im reinen Vierteltakt wie die meisten andern. Ja, ein Konzert lebt auch vom Publikum.
Seit der CD „A Seven Course Dinner“ von 1997 sind Welten vergangen. Eine zweite CD sollte meines Erachtens mal in Angriff genommen werden. Für’s Erste aber ist eine DVD angekündigt mit einem Mitschnitt ihres Konzertes in der Balver Höhle im August 2006. Die wird dann bei ihnen zu erwerben sein.
http://www.ben-bulben.de/
http://www.bungertshof.de/
Vgl. auch meine Rezi von 1. BIFF u.a. mit Ben Bulben:
http://folktreff-bonn-rhein-sieg-rezensionen.blogspot.com/2002/04/konzertrezension-1-bonner-irish-folk.html bzw. http://tinyurl.com/8oltl
MAS
Es war schon vier Jahre her, dass ich Ben Bulben zum letzten Mal hörte, und zwar beim 1. Bonn Irish Folk Festival 2001. So war es höchste Zeit, da mal wieder rein zu hören, wobei der gemütliche Bungertshof zudem die richtige Atmosphäre zum Ausklang unseres kurzen Moselurlaubes bot.
Nun standen dort fünft Musiker(innen) auf der Bühne, wobei es unsinnig ist zu beschreiben, wer wo stand, da sie ihre Positionen ständig wechselten. Ich war mir auch gar nicht ganz sicher, wen außer Uli Wosnitza von ihnen ich noch kannte und wen nicht. Uli bediente die Tin und Low Whisltes, den E-Bass, das Bodhrán und die Cajon, Christoph Antony die Fiddle, die akustische Gitarre, den E-Bass und seine Stimmbänder, Joe Thar, den ich wirklich zum ersten Mal sah und hörte fungierte als Hauptsänger und A- und E-Gitarrist, Claudia Anthony die Querflöte, das Keyboard, die Percussion und ihre Stimme und Judith Bergerhausen tat es instrumentell Claudia gleich. Die beiden waren 2001 auch schon dabei.
Bevor es irisch zur Sache ging, erklang die Titelmelodie von „James Bond“ und Christoph stellte die Band vor: „Unser Name ist Bulben, Ben Bulben“. Später gab es auch noch die Medodie von „Mission Impossible“, aber abgesehen von diesen Gags blieben sie bei irischen und einigen schottischen Songs und Tunes, bei denen sich schnelle Jigs’n’Reels mit getragenen Balladen abwechselten. Bei den schnellen Stücken kamen sie mir anfangs noch zu hastig vor, zu wenig fließend, doch legte sich das im Laufe des Konzertes. Die Lieder aber waren durchweg so schön arrangiert, zum Beispiel wurde Joes Stimme von den Damen mit Satzgesang beleitet, wobei Männer- und Frauenstimmen leicht versetzt klangen. Selbst das oft gehörte „Back home in Derry“ war keineswegs langweilig, sondern mit Chorgesang und Querflötenzwischenspielen aufgepeppt, ohne dass es aufgesetzt wirkte. Auch mit Whistles und Querflöten gaben Uli, Claudia und Judith mehrstimmige Partien zum Besten, und es gab Passagen mit versetzten Rhythmen, Jazzeinlagen auf Flöte und Keyboard, funkige und rockige Gitarrenriffs, und sie spielten auch Reels wie „Cliffs of Moher“ und „Toss the Feathers“ sehr fließend und überzeugend. Dass Christoph sich am Schluss bei der vorletzten Zugabe den Finger zwischen den Fiddlesaiten klemmte, tat mir sehr leid, nicht nur seinetwegen, sondern weil ich dann sein Spiel nicht mehr genießen konnte. Aber vielleicht sollten sie auch nicht unbedingt auf Hochgeschwindigkeitsspiel setzen, sondern noch mehr auf den Fluss der Musik.
Anders als bei den Lokal Heroes (deren neuste CD in der Pause lief) stimmt es hier wirklich, dass kein Bandmitglied seine Brötchen mit Musik verdient. Eine Probe pro Woche in Vinxel reichte aber aus, die Band sich so vorteilhaft entwickeln zu lassen. Es war ein wahrer Genuss, ihrer Musik zuzuhören! Nur sollten sie es meiner Meinung nach sein lassen, das Publikum zum Mitklatschen zu animieren. Entweder klatschen die Leute von selber mit oder sie hören ruhig zu, aber das sollte man ihnen nicht vorschreiben, zumal viele Leute einfach totlangweilig mitklatschen und den Genuss der Musik stören. An einem Tisch neben uns wurde zuerst laut geschwätzt, bis ich ihnen sagte, dass das störe, aber hinterher klatschten sie nicht nur klapp -- klapp -- klapp, sondern klapp-klapp-klapp – klapp – klapp-klapp – klapp – klapp-klapp-klapp, oder so ähnlich, jedenfalls leicht versetzt mit Zwischenklatschern, und nicht so langweilig im reinen Vierteltakt wie die meisten andern. Ja, ein Konzert lebt auch vom Publikum.
Seit der CD „A Seven Course Dinner“ von 1997 sind Welten vergangen. Eine zweite CD sollte meines Erachtens mal in Angriff genommen werden. Für’s Erste aber ist eine DVD angekündigt mit einem Mitschnitt ihres Konzertes in der Balver Höhle im August 2006. Die wird dann bei ihnen zu erwerben sein.
http://www.ben-bulben.de/
http://www.bungertshof.de/
Vgl. auch meine Rezi von 1. BIFF u.a. mit Ben Bulben:
http://folktreff-bonn-rhein-sieg-rezensionen.blogspot.com/2002/04/konzertrezension-1-bonner-irish-folk.html bzw. http://tinyurl.com/8oltl
MAS
Wednesday, September 06, 2006
Konzertrezension: Deitsch am 6.9.2006 beim Folk im Feuerschlösschen in Bad Honnef
Deitsch am 6.9.2006 beim Folk im Feuerschlösschen in Bad Honnef
Der Folk im Feuerschlösschen e.V. startete sein zweites Halbjahresprogramm 2006 mit einem Act, der mir so wichtig war, dass Petra und ich sogar von Winningen angereist kamen, wo wir gerade ein paar Tage moselweinseligen Urlaub machten. Nach dem ich von fast einem Jahr die CD „Königskinder“ gehört hatte, die von Ulrich Joosten im Folker! als Besondere eingestuft worden war, war ich sehr gespannt, wie sie sich life anhören. Deitsch ist ja eigentlich ein Duo, bestehend aus Gudrun Walter und Jürgen Treyz, auf der CD werden sie aber von sieben weiteren Musiker(inne)n unterstützt. An diesem Abend war von diesen sieben Johannes „Philipp“ Uhlmann mit dabei, so dass es also die Trio-Version von Deitsch war.
Sie spielten zunächst mehr oder weniger den CD-Inhalt, den sie nach der Pause um drei, vier Stücke erweiterten. Ich merkte bald, dass es wenig Sinn macht, eine CD-Produktion mit einem Life-Auftritt zu vergleichen. Sicher war ich gespannt, wie sie mit den Stellen umgingen, bei denen auf der CD ein mehrstimmiger Satzgesang zu hören war, oder ob es arg ins gewicht fällt, wenn Sackpfeife, Cello, Bass und andere Instrumente nicht zu hören sind. Nun, den Satzgesang brachte auch Jürgen alleine ganz gut oder an anderer Stelle wurde er einfach weg gelassen, und die drei Instrumente auf der Bühne brachten die Liedbegleitungen und Instrumentals auch sehr gut und echt herüber. Und anstatt immer hin und her zu vergleichen, tat ich viel besser daran, die Musik auf mich wirken zu lassen, wie sie in dem Augenblick dargeboten wurde.
Vom Publikum aus gesehen saß linkt Johannes mal mit Geige, meistens aber mit diatonischem Akkordeon, in der Mitte stand Gudrun, die sang, Geige und Viola spielte, und rechts saß Jürgen mit verschiedenen Gitarren und ab und zu seiner eigenen Stimme. Gudrun benutzte ein Mikrophon, denn ihre Stimme war doch sehr zart, was aber auch ihren Reiz ausmachte. Sie sang die Lieder von unglücklicher Liebe, gefährlichen Wassernixen, listigen Liebesprüfungen und anderen ernsten Themen in einer einerseits sehr lockeren und recht minimalistischen Art, die in einem gewissen Widerspruch zur Ernsthaftigkeit der Themen stand, die dann andererseits aber auch an bestimmten Stellen Tonfolgen hervorbrachte, die die Dramatik um so mehr unterstrich. Manchmal strich sie gleichzeitig rhythmisch mit dem Bogen über die Violasaiten. Außer begleitenden Akkorden und unterlegenden Quasi-Bordunen gab es zwischen den Strophen immer wieder instrumentale Intermezzi, häufig sehr rhythmische, nahezu zum Tanzen einladende, jedenfalls keine, die einfach nur die Liedmelodie spielten, sondern einen musikalischen Kontrast hinein brachten. Bei irischen und schottischen Folkbands ist das schon fast normal, in der deutschen Volksmusik aber bislang noch sehr selten. Die Lieder wechselten sich mit Instrumentals ab, zumeist Tänzen wie Polkas, Walzern, Rheinländern und Schottischen, und es war sogar ein Reel dabei, kein irischer oder schottischer, sondern einer aus Quebec. Gudrun verlieh ihrem Bedauern darüber Ausdruck, dass die deutsche Volksmusik keine Reels kenne und meinte, das lasse sich doch bestimmt ändern, und so einer aus Quebec höre sich wie ein zu schnell gespielter Rheinländer oder Schottischer an. Nun ja, aber welcher 08/15-Volksmusiker kennt heutzutage noch Rheinländer und Schottische? Aber vielleicht gelingt es ihnen, zumindest die Balfolk-Szene davon zu überzeugen. Schön wäre es! Außer Tanzmelodien gab es auch bedächtige Märsche und lustige, inhaltlich unwichtige Reime auf Schwäbisch, und zum Schluss ein pfälzisches Spottlied auf von ihren Frauen „dressierte“ Männer.
Also für mich hat sie die Anfahrt von Winningen her sehr gelohnt, und als wir dann im Vollmondlicht rheinaufwärts wieder der Mosel zu rollten, klangen die Lieder und Melodien noch lange in uns nach und verbanden sich mit dem Fluss, dem Mond, den angestrahlten Kirchen und Burgen zu einer Stimmung, die man wohl mit Recht als „romantisch“ bezeichnen kann.
Die Romantik war ja im 19. Jahrhundert eine Bewegung, in der sich die Menschen der eigenen, im Gegensatz zu fremden, und der gemeinsamen im Gegensatz zu regional unterschiedlichen nationalen Wurzeln bewusst wurden oder zu werden suchten. Deitsch als Vertreter des neuen deutschen Folk-Revivalchens, wie Mike Kamp es in der diesbezüglichen Diskussion in Rudolstadt nannte, sind in diesem Sinne romantisch, aber sie verschließen die deutschen Grenzen nicht, sondern öffnen sie weit für Einflüsse anderer Wurzelmusiken. Während viele Volks- und vor allem volkstümliche Musiker eher von Rock, Pop und Schlager beeinflusst sind, sind diese es von den Volksmusikern Irlands, Schottlands, Frankreichs, des Balkans, Skandinaviens und anderer Gegenden Europas, die sie jahrlang mit Liebe und Hingabe studiert und praktiziert haben und es auch weiterhin tun. Und diese Einflüsse verschmelzen mit den deutschen traditionellen Liedern und Melodien so harmonisch, dass ich diese Beurteilung mit einem in der Pause aufgeschnappten Zitat von Tom Kannmacher beenden möchte, der (sinngemäß) zu Gudrun und Walter sagte: „Ihr macht das, was ich vor 30 Jahren gemacht habe, nur auf einem beneidenswerten Niveau.“
http://www.deitsch.de/
http://www.folkimfeuerschloesschen.de.vu/
Vgl. auch meine CD-Rezi:
http://folktreff-bonn-rhein-sieg-rezensionen.blogspot.com/2005/11/cd-rezension-deitsch-knigskinder.html bzw. http://tinyurl.com/ddp3h
Vgl. auch Ulrich Joostens Texte:
http://www.folker.de/200601/04deitsch.htm
http://www.folker.de/200601/bescd.htm#01
MAS
Der Folk im Feuerschlösschen e.V. startete sein zweites Halbjahresprogramm 2006 mit einem Act, der mir so wichtig war, dass Petra und ich sogar von Winningen angereist kamen, wo wir gerade ein paar Tage moselweinseligen Urlaub machten. Nach dem ich von fast einem Jahr die CD „Königskinder“ gehört hatte, die von Ulrich Joosten im Folker! als Besondere eingestuft worden war, war ich sehr gespannt, wie sie sich life anhören. Deitsch ist ja eigentlich ein Duo, bestehend aus Gudrun Walter und Jürgen Treyz, auf der CD werden sie aber von sieben weiteren Musiker(inne)n unterstützt. An diesem Abend war von diesen sieben Johannes „Philipp“ Uhlmann mit dabei, so dass es also die Trio-Version von Deitsch war.
Sie spielten zunächst mehr oder weniger den CD-Inhalt, den sie nach der Pause um drei, vier Stücke erweiterten. Ich merkte bald, dass es wenig Sinn macht, eine CD-Produktion mit einem Life-Auftritt zu vergleichen. Sicher war ich gespannt, wie sie mit den Stellen umgingen, bei denen auf der CD ein mehrstimmiger Satzgesang zu hören war, oder ob es arg ins gewicht fällt, wenn Sackpfeife, Cello, Bass und andere Instrumente nicht zu hören sind. Nun, den Satzgesang brachte auch Jürgen alleine ganz gut oder an anderer Stelle wurde er einfach weg gelassen, und die drei Instrumente auf der Bühne brachten die Liedbegleitungen und Instrumentals auch sehr gut und echt herüber. Und anstatt immer hin und her zu vergleichen, tat ich viel besser daran, die Musik auf mich wirken zu lassen, wie sie in dem Augenblick dargeboten wurde.
Vom Publikum aus gesehen saß linkt Johannes mal mit Geige, meistens aber mit diatonischem Akkordeon, in der Mitte stand Gudrun, die sang, Geige und Viola spielte, und rechts saß Jürgen mit verschiedenen Gitarren und ab und zu seiner eigenen Stimme. Gudrun benutzte ein Mikrophon, denn ihre Stimme war doch sehr zart, was aber auch ihren Reiz ausmachte. Sie sang die Lieder von unglücklicher Liebe, gefährlichen Wassernixen, listigen Liebesprüfungen und anderen ernsten Themen in einer einerseits sehr lockeren und recht minimalistischen Art, die in einem gewissen Widerspruch zur Ernsthaftigkeit der Themen stand, die dann andererseits aber auch an bestimmten Stellen Tonfolgen hervorbrachte, die die Dramatik um so mehr unterstrich. Manchmal strich sie gleichzeitig rhythmisch mit dem Bogen über die Violasaiten. Außer begleitenden Akkorden und unterlegenden Quasi-Bordunen gab es zwischen den Strophen immer wieder instrumentale Intermezzi, häufig sehr rhythmische, nahezu zum Tanzen einladende, jedenfalls keine, die einfach nur die Liedmelodie spielten, sondern einen musikalischen Kontrast hinein brachten. Bei irischen und schottischen Folkbands ist das schon fast normal, in der deutschen Volksmusik aber bislang noch sehr selten. Die Lieder wechselten sich mit Instrumentals ab, zumeist Tänzen wie Polkas, Walzern, Rheinländern und Schottischen, und es war sogar ein Reel dabei, kein irischer oder schottischer, sondern einer aus Quebec. Gudrun verlieh ihrem Bedauern darüber Ausdruck, dass die deutsche Volksmusik keine Reels kenne und meinte, das lasse sich doch bestimmt ändern, und so einer aus Quebec höre sich wie ein zu schnell gespielter Rheinländer oder Schottischer an. Nun ja, aber welcher 08/15-Volksmusiker kennt heutzutage noch Rheinländer und Schottische? Aber vielleicht gelingt es ihnen, zumindest die Balfolk-Szene davon zu überzeugen. Schön wäre es! Außer Tanzmelodien gab es auch bedächtige Märsche und lustige, inhaltlich unwichtige Reime auf Schwäbisch, und zum Schluss ein pfälzisches Spottlied auf von ihren Frauen „dressierte“ Männer.
Also für mich hat sie die Anfahrt von Winningen her sehr gelohnt, und als wir dann im Vollmondlicht rheinaufwärts wieder der Mosel zu rollten, klangen die Lieder und Melodien noch lange in uns nach und verbanden sich mit dem Fluss, dem Mond, den angestrahlten Kirchen und Burgen zu einer Stimmung, die man wohl mit Recht als „romantisch“ bezeichnen kann.
Die Romantik war ja im 19. Jahrhundert eine Bewegung, in der sich die Menschen der eigenen, im Gegensatz zu fremden, und der gemeinsamen im Gegensatz zu regional unterschiedlichen nationalen Wurzeln bewusst wurden oder zu werden suchten. Deitsch als Vertreter des neuen deutschen Folk-Revivalchens, wie Mike Kamp es in der diesbezüglichen Diskussion in Rudolstadt nannte, sind in diesem Sinne romantisch, aber sie verschließen die deutschen Grenzen nicht, sondern öffnen sie weit für Einflüsse anderer Wurzelmusiken. Während viele Volks- und vor allem volkstümliche Musiker eher von Rock, Pop und Schlager beeinflusst sind, sind diese es von den Volksmusikern Irlands, Schottlands, Frankreichs, des Balkans, Skandinaviens und anderer Gegenden Europas, die sie jahrlang mit Liebe und Hingabe studiert und praktiziert haben und es auch weiterhin tun. Und diese Einflüsse verschmelzen mit den deutschen traditionellen Liedern und Melodien so harmonisch, dass ich diese Beurteilung mit einem in der Pause aufgeschnappten Zitat von Tom Kannmacher beenden möchte, der (sinngemäß) zu Gudrun und Walter sagte: „Ihr macht das, was ich vor 30 Jahren gemacht habe, nur auf einem beneidenswerten Niveau.“
http://www.deitsch.de/
http://www.folkimfeuerschloesschen.de.vu/
Vgl. auch meine CD-Rezi:
http://folktreff-bonn-rhein-sieg-rezensionen.blogspot.com/2005/11/cd-rezension-deitsch-knigskinder.html bzw. http://tinyurl.com/ddp3h
Vgl. auch Ulrich Joostens Texte:
http://www.folker.de/200601/04deitsch.htm
http://www.folker.de/200601/bescd.htm#01
MAS
Monday, August 14, 2006
Konzertrezension: Openmic am 14.8.2006 im Café Tiferet in Bonn
Openmic am 14.8.2006 im Café Tiferet in Bonn
von Mario Dompke:
Hallo Michael,
das erste openmic-bonn (oder wie ich inzwischen finde bon(n) musik) ist gelaufen und war ganz gut. Für alle die mehr wissen wollen steht ein Bericht auf der Webseite www.openmic-bonn.de.
Das nächste openmic findet am 11.09.2006 wieder im Tiferet statt. Ein Datum an dem mit der eigenen Musik für Liebe, Frieden und Freiheit geworben und Terror, egal von welcher Seite, verurteilt werden kann.
Gruß
Mario
Erstes Event am 14.08.2006 war ein Erfolg
sicher, etwas mehr Publikum wäre nicht schlecht gewesen, aber jede Situation hat immer zwei Gesichter. So konnten in einer netten familiären Atmosphäre die Künstler und das Team des Cafe Tiferet dieses neue Veranstaltungsformat ausprobieren und erste Erfahrungen für weitere (dann sicher gut besuchte) Termine sammeln.
Den Anfang machte Ann Bishop. Angesiedelt zwischen romatischem Lied und groovigem Jazz sorgte sie erstmal für die zuhörende Stille im Raum, indem sie leise Töne auf der Gitarre zupfte und mit der Stimme intonierte. Aber es sollte nicht nur bei leiser Musik bleiben. Mit rhythmisch gut durchdachtem strumming und einer, viele Emotionen, vom gepressten Ton über reine Klänge zu kopfstimmigen Passagen oder auch tierische Urtöne, abbildenden Stimme, präsentierte sie vier Balladen ihres Repertoires. Eine gelungene Darbietung, zu der eigentlich nur der Rat gegeben werden kann, das Pressen der Stimme nicht zu häufig als musikalisches Element zu nutzen.
Philipp Hümmerich drehte die Musikrichtung ein wenig um. Mit einem Plectron unterstützten Flatpicking stelllte er während seines Vortrages die Gitarre oft in den Vordergrund, was seine ein wenig dünne, aber sehr schöne Stimme entlastete. Auch Philipp stellte seine songs in englischer Sprache vor und deutete seine Anlehnung an den amerikanischen Western-Folk an. Allerdings bleibt er seinem eigenen Stil, welcher auch in seinen noch jungen Jahren deutlich zu erkennen ist treu und versucht nicht zu kopieren. Für eine openmic Veranstaltung, die die Kreativität am eigenen Lied verdeutlichen soll eine angenehme Eigenschaft. Auch hier ein Rat. Stimmen können auch in ihrem Volumen trainiert werden.
Quasi eine neue (oder hier besser ältere) Generation der Liedermacher wurde von Gerd Schinkel als drittem Künstler des Abends eingeleitet. Mit sehr bluesiger Gitarre eines zwischen Flatpicking und strumming angesiedelten Styles brachte er Alltagsgeschichten aus dem (Spannungs) Verhältnis zwischen Vater und Tochter und Mutter und Sohn. Eigene Erfahrung wie seine Beobachtungsgabe des Alltags diktierten ihm die Texte in die Feder. Deutsche Texte, die klar intoniert und gut zu verstehen waren. Die Tradition der Liedermacher aus den 70ern, also die kritische Aussage verpackt in oft zum schmunzeln anregende Geschichten wurde von Gerd im Tiferet zu neuem Leben erweckt. Der totale Verzicht auf eine Verstärkung brachte zudem noch eine zusätzliche Nähe zu dem Publikum.
Den offiziellen Teil des Abends beschloss dann der ebenfalls deutschsprachige Liedermacher Mario Dompke. Was soll ein Rezensent über sich selber schreiben. Nun vielleicht, dass ich versuche ein Gleichgewicht zwischen dem Gitarrespiel (Fingerpicking, Melodie) und Inhalt der Geschichte herzustellen. Und, dass ich leider immer noch nicht textfest genug bin und so zweimal erst nach einem suchenden Blick auf die Textvorlage weiter wusste. Aber ich glaube es hat gefallen, was mir eine mail am Tag danach bewies, die da sagte: "....das war ganz wunderbar gestern :)))!" und weiter zu einem Lied von mir: "p.s. `Meine Hälfte` ist SPITZE :))))!!!"
Also, am 11. September 2006 heißt es nicht nur für die Musiker
OUT OF THE BEDROOM
sondern auch für das interessierte Publikum (selbst jene, die glauben zu müde zum Ausgehen zu sein). Lasst euch nicht die besondere Atmosphäre der handgemachten, akustischen Livemusik entgehen.
Mario
MD
http://www.openmic-bonn.de/news.htm
von Mario Dompke:
Hallo Michael,
das erste openmic-bonn (oder wie ich inzwischen finde bon(n) musik) ist gelaufen und war ganz gut. Für alle die mehr wissen wollen steht ein Bericht auf der Webseite www.openmic-bonn.de.
Das nächste openmic findet am 11.09.2006 wieder im Tiferet statt. Ein Datum an dem mit der eigenen Musik für Liebe, Frieden und Freiheit geworben und Terror, egal von welcher Seite, verurteilt werden kann.
Gruß
Mario
Erstes Event am 14.08.2006 war ein Erfolg
sicher, etwas mehr Publikum wäre nicht schlecht gewesen, aber jede Situation hat immer zwei Gesichter. So konnten in einer netten familiären Atmosphäre die Künstler und das Team des Cafe Tiferet dieses neue Veranstaltungsformat ausprobieren und erste Erfahrungen für weitere (dann sicher gut besuchte) Termine sammeln.
Den Anfang machte Ann Bishop. Angesiedelt zwischen romatischem Lied und groovigem Jazz sorgte sie erstmal für die zuhörende Stille im Raum, indem sie leise Töne auf der Gitarre zupfte und mit der Stimme intonierte. Aber es sollte nicht nur bei leiser Musik bleiben. Mit rhythmisch gut durchdachtem strumming und einer, viele Emotionen, vom gepressten Ton über reine Klänge zu kopfstimmigen Passagen oder auch tierische Urtöne, abbildenden Stimme, präsentierte sie vier Balladen ihres Repertoires. Eine gelungene Darbietung, zu der eigentlich nur der Rat gegeben werden kann, das Pressen der Stimme nicht zu häufig als musikalisches Element zu nutzen.
Philipp Hümmerich drehte die Musikrichtung ein wenig um. Mit einem Plectron unterstützten Flatpicking stelllte er während seines Vortrages die Gitarre oft in den Vordergrund, was seine ein wenig dünne, aber sehr schöne Stimme entlastete. Auch Philipp stellte seine songs in englischer Sprache vor und deutete seine Anlehnung an den amerikanischen Western-Folk an. Allerdings bleibt er seinem eigenen Stil, welcher auch in seinen noch jungen Jahren deutlich zu erkennen ist treu und versucht nicht zu kopieren. Für eine openmic Veranstaltung, die die Kreativität am eigenen Lied verdeutlichen soll eine angenehme Eigenschaft. Auch hier ein Rat. Stimmen können auch in ihrem Volumen trainiert werden.
Quasi eine neue (oder hier besser ältere) Generation der Liedermacher wurde von Gerd Schinkel als drittem Künstler des Abends eingeleitet. Mit sehr bluesiger Gitarre eines zwischen Flatpicking und strumming angesiedelten Styles brachte er Alltagsgeschichten aus dem (Spannungs) Verhältnis zwischen Vater und Tochter und Mutter und Sohn. Eigene Erfahrung wie seine Beobachtungsgabe des Alltags diktierten ihm die Texte in die Feder. Deutsche Texte, die klar intoniert und gut zu verstehen waren. Die Tradition der Liedermacher aus den 70ern, also die kritische Aussage verpackt in oft zum schmunzeln anregende Geschichten wurde von Gerd im Tiferet zu neuem Leben erweckt. Der totale Verzicht auf eine Verstärkung brachte zudem noch eine zusätzliche Nähe zu dem Publikum.
Den offiziellen Teil des Abends beschloss dann der ebenfalls deutschsprachige Liedermacher Mario Dompke. Was soll ein Rezensent über sich selber schreiben. Nun vielleicht, dass ich versuche ein Gleichgewicht zwischen dem Gitarrespiel (Fingerpicking, Melodie) und Inhalt der Geschichte herzustellen. Und, dass ich leider immer noch nicht textfest genug bin und so zweimal erst nach einem suchenden Blick auf die Textvorlage weiter wusste. Aber ich glaube es hat gefallen, was mir eine mail am Tag danach bewies, die da sagte: "....das war ganz wunderbar gestern :)))!" und weiter zu einem Lied von mir: "p.s. `Meine Hälfte` ist SPITZE :))))!!!"
Also, am 11. September 2006 heißt es nicht nur für die Musiker
OUT OF THE BEDROOM
sondern auch für das interessierte Publikum (selbst jene, die glauben zu müde zum Ausgehen zu sein). Lasst euch nicht die besondere Atmosphäre der handgemachten, akustischen Livemusik entgehen.
Mario
MD
http://www.openmic-bonn.de/news.htm
Saturday, July 08, 2006
Festivalbericht: 16. Tanz & Folk Fest Rudolstadt vom 7. bis 9.7.2006 – Eindrücke
16. Tanz & Folk Fest Rudolstadt vom 7. bis 9.7.2006 – Eindrücke
Es soll ja Leute geben, so hieß es in einer Radiosendung auf WDR3, die in Rudolstadt Kraft für den Rest des Jahres tanken. Nun, ganz so geht es mir nicht, aber immer wieder klingt die Musik noch wochenlang in mir nach und mir kommt Bonn dann immer so still vor und die Straßenmusiker so vereinzelt und allein auf weiter Flur bzw. in weiter Fußgängerzone, und selbst wenn ich ein Konzert besuche und das vorbei ist, habe ich das Gefühl, es müsste doch gleich noch eines folgen. Wenn man während des Tanz & Folk Festes (Michael Kleff, Chefredakteur vom Folker!, der das Abschlusskonzert am Sonntagabend moderierte sagte, das dürfe man gar nicht sagen, sondern müsse „TFF“ sagen, was ich zwar praktisch finde, solange jeder weiß, was gemeint ist, aber es ist doch immer noch nur eine Abkürzung und kein Name) durch die Straßen und Gassen von Rudolstadt geht, hört man alle 50 oder weniger Meter ein anderes Konzert, hier eine Folkjazzcombo, dort eine Trommelgruppe, dann ein Irish Folk Trio, etwas weiter ein Besucher, der gar nicht im Programm steht, aber auf Flöte, Geige, Harfe oder Gitarre auch was vorspielt, dann kommt man an einer großen Bühne vorbei, etwa auf dem Marktplatz, wo eine Trachtengruppe Volkstänze vorführt, und weiter geht es in beschriebener Weise. Und dabei hat die Stadt jeden Tag noch mal so viele Besucher wie Einwohner, was hier und da schon mal zu etwas Gedrängel führt, aber (fast) nie zu Ungeduld oder gar Aggression, sondern man fühlt sich eigentlich immer unter netten Gleichgesinnten, die meistens auch Rücksicht aufeinander nehmen. (Nur Regenschirme werden einem immer wieder ganz rücksichtslos in den Blick auf die Bühne gestreckt.) Das TFF beginnt abgesehen von dem Sonderkonzert am Donnerstagabend immer am ersten Freitag im Juli (worauf man achten sollte, denn es reicht nicht, dass der Samstag im Juli liegt, aber ich weiß nicht, ob auch der Donnerstag im Juli liegen muss) abends und geht dann fast pausenlos durch bis Sonntag ca. 23.30 Uhr. Die Nächte können auch durchgetanzt oder -gehört werden. Ich bin meistens zusammen mit meiner Frau Petra und meinem Freund Lothar, der in Suhl wohnt, und bei dem wir übernachten, samstags und sonntags da, diesmal aber ohne Petra, da sie sich das vorherige Wochenende urlaubsmäßig frei genommen hatte, da wir eben nicht auf den ersten Freitag im Juli geachtet hatten. So hörten Lothar und ich von Samstag ca. 11.00 bis Sonntag ca. 1.00 Uhr und von Sonntag ca. 13.00 Uhr bis ca. 23.30 Uhr fast ununterbrochen Musik, aber auch so war es nur möglich, bestenfalls ein 25stel dessen zu hören, was auf 25 Bühnen geboten wurde, denn Bilokalität beherrschen wir nicht. Davon will ich nun ein wenig erzählen, nicht ganz chronologisch, sondern..., ach das sehen wir dann.
Schwerpunkte
Es gibt immer einen Länderschwerpunkt, einen Instrumentenschwerpunkt und einen Tanzschwerpunkt. Dieses Jahr waren das Frankreich, der Dudelsack und der Tango. Es gab auch mal einen deutschen Regionalschwerpunkt, aber das konnten sie anscheinend nicht durchhalten. Ein weiterer Schwerpunkt ist immer die Verleihung des Preises für Folk, Weltmusik und Lied, die Ruth. Abseits der Schwerpunkte gibt es aber so viel zu hören, dass es einem auch ohne diese nicht langweilig wird.
Magische Dudelsäcke
Dudelsackmusik mag ich ja eh, aber so ein Magieprojekt, wie man die Schwerpunktinstrumentenkonzerte nennt, wie es Wolfgang Meyring wieder zusammen gestellt hat, habe ich noch nie erlebt. Da saßen und standen Musiker(innen) aus Schottland (Fraser Fifield), Galizien (Lorena Freijeiro Alonso), Estland (Cätlin Jaago), Österreich (Sepp Pichler), dem Iran (Saeid Shanbezadeh), der Bretagne (Pascal Lamour) und Ungarn (Béla Ágoston) mit ihren verschiedenen Sackpfeifen auf der Bühne im Hof der Heidecksburg, begleitet vom dreizehnjährigen Sohn Naghib des iranischen Pfeifers auf einer Doppeltrommel. Jeder(r) spielte ein Solo, das dann aber doch von dem einen oder der anderen begleitet wurde, oder es ergaben sich schottisch-galizische oder ungarisch-iranische oder andere Duette, und der kleine Trommler heizte den Pfeifern ordentlich ein. Beim Abschlusskonzert waren sie noch mal da, abgesehen von der schon abgereisten Estin, und spielten zwischen den Soli alle zusammen eine etwas schwere, wuchtige Tanzmelodie, die am Ende vom Publikum aufgegriffen wurde, bis die Musiker auf die Bühne zurück kehrten und weiter spielten. Das war ein schönes Gemeinschaftsgefühl, da brauche ich keinen Fußball. Die Iraner erlebten wir auch noch mal am Sonntagnachmittag und ihr Auftritt war in einer bestimmten Hinsicht klischeesprengend: Wenn irgendwo ein Mann einen Rock trägt oder Dudelsack spielt oder gar beides gleichzeitig tut, dann wird doch wie selbstverständlich davon ausgegangen, dass er ... Hi hi, den Satz brauche ich wohl nicht zu beenden. Diese kamen aber aus dem Iran. Und von all den anderen rocktragenden oder dudelsackspielenden Männern an diesem Wochenende in Rudolstadt kam bestimmt kaum einer aus Schottland. Eine Folkerkollegin meinte, sie sehe nirgends so viele rocktragende Männer wie in Rudolstadt. Ach, ich fühlte mich sehr wohl, auch wenn ich anscheinend der einzige rocktragende Journalist in der Stadt war! Vielleicht ändert sich das aber auch noch.
Wir hörten auch ein ganzes Konzert der Esten, deren Band Re:Toro heißt, auf der Burgterrasse. Sie verbanden traditionelle Melodien mit Jazzeinlagen und hatten – so der Moderator – das „teuerste“ Instrument auf der Bühne, nämlich sechs Plastikschüsseln, wobei drei mit Wasser gefüllt waren und die andern drei umgedreht darin schwebten, worauf dann der Schlagzeuger trommelte. Das hörte sich gut an und verband sich mit Dudelsack und Saxophon zu einem zugleich urigen und hochmodernen Sound. Nicht wenige der estnischen Melodien könnten auch deutsche Volkstänze sein, z.B. „Im Grunewald ist Holzauktion“ das die Pfeiferin auf einer dieser skandinavischen Flöten ohne Grifflöcher (mir fällt der Name nicht ein) spielte.
Fronkreisch
Frankreich war durch den Bretonen beim Magiekonzert auch vertreten, aber von den vielen anderen französischen Beiträgen hörten wir nur Les Primitives du Future, die eine Mischung aus Musette, Chanson, Ragtime und Dixieland zum Besten gaben, und La Chavanée, eine eher traditionelle Tanzkapelle mit drei Drehleiern, deren eine von keinem Geringeren als Patric Bouffard bedient wurde. Die hatten auch nachts zum Tanze aufgespielt, aber das überschnitt sich mit der Ruth-Preisverleihung und wurde uns danach zu spät. Und dann noch beim Abschlusskonzert Francoiz Breut, die das Titelbild vom Folker! 04.06 ziert und einen nouvelle Chanson sang, dem ich nicht so viel abgewinnen konnte, was auch meiner mangelnden Beherrschung des Französischen anzukreiden ist.
(Zu) viel Jazz (?)
Nicht nur Esten und Franzosen mischten ordentlich Jazz unter den Folk, sondern auch Österreicher und Slovenen. Beefolk aus Graz könnte meines Erachtens genau so gut in Leverkusen, Moers oder Montreux auftreten, es war mehr oder weniger reiner Jazz, auch die von Helgi Hrafn Jonsson auf Isländisch gesungenen Lieder. Es wirkte surrealistisch, teils etwas sehr kunstvoll, aber teils auch mitreißend temporeich und groovig, und dann tauchten hier und da doch wieder traditionelle Elemente auf, die irgendwo zwischen Schwarzem Meer und Nordatlantik zu Hause waren. Katalena aus Slovenien war auf den ersten Eindruck traditioneller und volkstümlicher. Sie nahmen slovenische Volkstanzmelodien auf, die Sängerin Vesna Zornik sang die Texte dazu mit einer rauen Stimme, die man ihrer zarten Gestalt nicht zugetraut hätte, Gitarre, Schlagzeug, Whistles, Klarinette und anderes begleiteten sie, wobei es dann doch wieder jazzig wurde. Im Gegensatz zu den jazzigen Elementen bei den modernen Irish Folk Gruppen, die eher ihre Jigs&Reels leicht jazzig spielen, wirkt der Jazz bei den hier beschriebenen Gruppen weniger integriert, sondern es wirkt eher noch wie ein Mischung der Stile, aber es klang gut, wirklich gut. Das ist es wohl, was mit „von archaischen Klängen bis zu avantgardistischen Experimenten“ (oder so ähnlich), wie ich es irgendwo las, gemeint ist.
Finnische Wölfinnen mit zarter Stimme
Suden Aika aus Finnland brachte kein Wolfgeheul hervor, obwohl der Bandname auf Deutsch „Zeit der Wölfe“ heißt, an den (im Deutschen) gleichnamigen Fantasyfilm erinnerten sie auch nicht, sondern das Quartett aus Liisa Matveinen, Tellu Turkka, Katarina Airas und Nora Vaura sang mit zarten Frauenstimmen archaisch-sphärische Lieder, nicht so druckvoll, wie man es von Verttinä und Hedningarna kennt, bei denen eine der Sängerinnen auch mitmacht oder mitmachte. Dazu spielten sie Nykelharpa (Schlüsselfiedel) , Kantele (Hackbrett oder Zither) und anderes Instrumentarium. Die Texte stammten zum Teil aus der mythischen Liedersammlung Runolaulu, die vom Autor des Nationalepos Kalevala stammt, und dessen Geist ich durchzuhören meinte.
Volkstänze – der Tradition verpflichtet
Auf der großen Marktplatzbühne wurden aber auch traditionellere Volkstänze aufgeführt, wovon wie am Sonntagnachmittag die litauische Formation Dainava sahen und hörten. Begleitet von einer Band mit Geigen, Gitarren, Trompete, Flöte und einem Schlagwerk aus Holzglocken zeigen Männer und Frauen und Jungs und Mädchen althergebrachte Tänze, deren Melodieformen auch deutschen Volkstanzmelodien ähnelten, und waren dabei in schönen, aber bei dem Wetter viel zu warme Trachten gekleidet, mit Pelzgamaschen über den Tanzschuhen.
Das deutsche Volkslied
Man mag sich fragen, ob es auch deutsche Volksmusik gab, und ja, es gab sie, aber wir bekamen irgendwie davon nichts mit, außer einer Podiumsdiskussion über ein eventuelles Revival des deutschen Volksliedes, an der außer eher theoretischen Fachleuten wie Barbara Book (Deutsches Volksliedarchiv Freiburg), Dr. Werner Fuhr (WDR), Mike Kamp (Herausgeber vom Folker!), Manfred Wagenbreth (Musiker und Mitarbeiter beim WDR) und Gesprächleiter Bernhard Hanneken vom TFF-Team auch die Sängerin Bobo und der Sänger Otto Göttler teilnahmen, aber eben redend, nicht singend. Bobos Konzert, das ich eigentlich sehr gerne gehört hätte, war zeitlich und räumlich zu ungünstig gelegen, um es zu hören. Ob nun also Gruppen wie Deitsch oder Schöne Weile oder eben Bobo ein Revival ausmachten oder anzeigten, darüber wurde diskutiert. Mike Kamp nannte es ein Revivalchen, Otto Göttler erzählte von niederbayerischen Wirtshaussessions, die bis spät in die Nacht gingen. Ein Musiker aus Unterfranken aus dem Publikum meinte, es sei gut, in der Umgangssprache zu singen, also weder in Mundart, noch in Hochdeutsch und man solle Themen des Alltags aufgreifen. Einer aus Schleswig-Holstein erzählte von erfolgreicher Begeisterung junger Leute bei sich zu Hause für deutsche Volkslieder, nachdem sie lange dänische und andere skandinavische Sachen gespielt hatten. Einer meinte, in den 1970ern wären neun von zehn in Deutschland produzierten Folk-LPs Irish Folk Platten gewesen, und das Irische sei auch die gemeinsame Klammer der deutschen Folkies gewesen, während die Szene heute viel größer und differenzierter sei, viel Ost- und Südosteuropäisches gespielt werde, obwohl immer noch viel Irisches gespielt werde. Was aber generell fehle, ist, dass in den Familien mit Kindern gesungen werde. Oft wisse man ja auch nur noch die erste Strophe eines Liedes. Mike Kamp versicherte aber, dass die Musik auf den vielen vielen zur Rezension eingesandten CDs qualitativ besser sei als sie es in den 70ern oft gewesen sei. Die aus den 70ern kenne ich kaum, aber dass heute qualitativ hochwertige Musik von deutschen Amateur- und Halbprofibands (natürlich auch von den Vollprofis) gespielt wird, kann ich als Rezensent ja auch bestätigen. Deshalb macht der Job ja auch so einen Spaß!
Ruth’n’Rap
Von solchen Fragen gänzlich unbeleckt schienen die Ohrbooten zu sein, eine Berliner Gruppe, die mit einer Mischung aus Reggae, Rap, Hihop, Zigeunermusik, Marengue und anderen Einflussen einen Stil entwickelten, den sie „Gyphop“ nennen und damit eine der beiden dieses Jahr vergebenen Newcomer-Ruths gewannen. Ich hatte die Gelegenheit, zwei der vier Ohrbooten, nämlich Ben und Matze zu interviewen (die andern beiden nennen sich Onkel und Noodt), zusammen mit einem Reporter vom SWR, hinter dem ich mich laut Anweisung des Bandmanagers mit der blauen Deutschlandfunkmütze, der sich schützend vor seine Musiker stellten, damit sie nach ihrem Konzert erst mal verschnaufen konnten, hätte anstellen müssen, weil er schon vor mir nachgefragt habe. Wir führten unser Interview aber zusammen, so das jeder auch was von den Fragen des anderen hatte. „Gyphop“ ist eine Konglomeration von „Gypsie Music“ und „Hiphop“. Ja ist denn das Folk- oder zumindest Weltmusik? Vor allem das junge Volk vor der Bühne war jedenfalls sehr begeistert und wippte und hüpfte eifrig mit, aber meines Erachtens ist es so viel oder so wenig Folk- oder Weltmusik wie z.B. die der Lecker Sachen, deren Bandleader Markus Brachtendorf ja auch in der Jury saß und den Preis überreichte. Sie fühlten sich jedenfalls genau richtig auf einem Tanz & Folk Fest und meinten, etwas Schwung in die Sache zu bringen, wo sonst Trachtenvereine zu Musik vom Band alte Tänze aufführten. Ihre Texte, deren Darbietung die Berliner Herkunft nicht verleugnen konnte und auch nicht wollte, haben zum Ziel, den Zuhörern zunächst einfach Spaß zu machen. Gesellschaftskritik und dergleichen, wie sie beim Hiphop sonst recht häufig vorkommt, sei zwischen den Zeilen vorhanden, aber man wolle dem Publikum keine Moral aufdrängen. Wer drüber nachdenken wolle, könne das tun, aber keiner müsse das. Sie setzen auf das Gute im Menschen, das durch positive Ansprachen eher heraus komme, als durch Kritik. So setzen sie sich auch vehement vom aggressiven Gangsta-Rap ab und von Rapperschlachten wie bei Aggro Berlin. Nette Jungs! Ich gönne ihnen den Preis, egal in welche Schublade man ihre Musik stecken mag.
Ruth’n’Tango
Die anderen Newcomer-Ruth-Gewinner, das Duo Vicente Bögeholz & Juanjo Mosalini war der einzige Tangobeitrag, den wir auf dem Festival hörten. Die beiden sind in Argentinien bzw. Chile geboren und spielten auf Bandoneon und Gitarre einen modernen Tango, eine sehr feine Musik. Ich verstehe indes fast nichts vom Tango und las begeistert den Artikel von Helena Rüegg im TFF-Programmheft über die Geschichte des anfänglichen Armeleutetanzes aus Buenos Aires, der zuerst von konservativen Bürgern benasrümpft und zwei Generationen später vom selben Menschenschlag gegen Veränderungen verteidigt wurde. Man lernt aus dem Artikel, wie sehr Musik eingebunden ist in das gesamte Kulturleben eines Volkes, eines Staates, einer Bevölkerungsschicht usw., abhängig vom wirtschaftlichen Auf und Ab, von technischen Neuerungen (so hat die Einführung des Tonfilmes vielen Tangomusikern den Arbeitsplatz gekostet), von Mode, Konservativismus und Inovationswillen. Tango, so scheint mir, ist sowohl Volks- als auch Weltmusik, nämlich seit gut 150 Jahren verwurzelt in der Seele Argentiniens, aber mittlerweile viele Grenzen überschritten habend, in Europa zum Standardtanz geworden und ganz neue Stilrichtungen entwickelt habend. Man denke nur mal an Tango Crash vom TFF 2005, die auch die Newcomer-Ruth bekamen.
Karawanen-Ruth
Man trifft ja immer wieder Bekannte und Freunde in Rudolstadt, so mehrer Folker!-Kollegen und auch jedes Jahr Jutta Mensing vom Folk im Feuerschlösschen, aber als ich Joergen Lang am Samstagmorgen entdeckte, war ich doch überrascht, was nicht hätte sein müssen, wenn ich mal die Weltmusikpreis-Homepage genauer gelesen hätte. Nein, er bekam keinen Preis (hatte es aber schon mal, nämlich 1994 mit Hölderlin Express) und er trat auch nicht mit Dán (obwohl Johannes Mayr auch da war) auf, sondern mit Rüdiger Oppermann, der die Globale Ruth gewonnen hat. Dieser tourt gerade mit seinem Projekt „Karawane“, bestehend aus Rüdiger Oppermann (Keltische Harfen, E-Harfe, Konzeption), Jatinder Thakur (Indische Tablas), Dimitar Gougov (Bulgarische Gadulka), Dost Matur (Saz, Gesang), Lars Lindval (Trompete), Enkh Jargal (= Epi) (Morin Khoor =Pferdegeige, Gesang von Oberton bis Rap auf Mongolisch), Rainer Granzin (Piano, Hammond, sounds), WuWei (Sheng = Mundorgel), Bawu (Bambusflöte), Bijan Mahjub (Bombarde, Whistle), Julius Oppermann (Drums und Percussion) und Joergen Lang (Gitarre, Low Whistle), welches eine musikalische Reise von der Bretagne bis nach China, also quer durch den Kontinent ist, teilweise entlang der Seidenstraße. Es handelt sich um ein durcharrangiertes Konzert, gewissermaßen eine Symphonie, die Elemente der traditionellen Musiken der Länder und Völker entlang der Reiseroute enthält. Bijan (ja, der vom Kölner Folkstanztreff) und Joergen repräsentierten mit Bombarde, Whistles und Gitarre die keltische Musik, Wu Wei, der vor zwei Jahren die Globale Ruth gewonnen hatte, war mit einer überdimensionalen Mundorgel für die chinesische Musik zuständig, dazwischen ging es einerseits von Station zu Station wie an der Besetzung abzulesen, aber es gab auch transkontinentale Zusammenspiele. Ein wunderbares Werk, das ich gerne auf CD oder DVD hätte, wenn es das gäbe!
Bürgermeister-Ruth
Die Ehrenruth wurde an Dr. Hartmut Franz vergeben, der als Bürgermeister von Rudolstadt seit 1991 das Festival unterstützt und sich bei der Bevölkerung dafür stark gemacht hat. Man mag es ja nicht glauben, aber es sollen doch 1991 ein paar Bürger der Stadt die Polizei gerufen haben, weil sie die Musik als Ruhestörung empfunden hatten. Er ist nun in den Ruhestand gegangen, und sein Nachfolger im Amt Jörg Reichl wirkte bei der Abschlussrede am Sonntagabend doch sehr steif und musste sogar ein paar Allgemeinfloskeln vom Blatt ablesen.
Die deutsche Ruth am Hindukush
Die Deutsche Ruth bekam Konstantin Wecker mit seinem Bagdad-Kabul-Projekt zusammen mit Laith Abdul Ameer (Oud), Hakim Ludin (Percussion), Cetin Oraner (Saz, Oud, Percussion), Sven Faller (Bass), Gerd Baumann (E-Gitarre ) und Jo Barnickel (Keyboard)
(siehe auch die Titelgeschichte im Folker! 02.06). Er hatte vorher noch nie vom TFF gehört, war dann aber restlos begeistert. Begeistert war er auch davon, dass bei dieser Menschenmenge im Burghof kein einziges Deutschlandfähnchen wehte. Es war ja der Abend, an dem die deutsche Herrenfußballnationalmannschaft um den dritten Platz der WM spielte, um den mehr Bohei gemacht wurde als um den Weltmeistertitel der deutschen Damenfußballnationalmannschaft. Wenn er das angemahnt hätte, aber nein, er brachte die neue Begeisterung für schwarz-rot-goldene Flaggen zwischen den Zeilen in einen Zusammenhang mit den Nazis, die ihm in Halberstadt ein Konzert mit der Gruppe Strom und Wasser vermasselt haben. Es ist eine Sache, wenn man die Bundeswehreinsätze in Afghanistan kritisiert, aber eine ganz andere, wenn man die Flagge des demokratischen Deutschlands mit Nationalsozilisten in Verbindung bringt. Dafür eine gelbe Karte von mir, Herr Wecker! Die Musik die er und seine irakischen und afghanischen Musiker uns zu Gehör brachten war indes von Feinsten. Und auch die antirassistischen und obrigkeitskritische Texte neben den auf Türkisch, Kurdisch und wahrscheinlich Baschtu gesungenen Liedern der Mitmusiker kreierten eine wunderbare Stimmung des Zusammengehörigkeitsgefühls, auch ohne Fußball und Fähnchen. Ah ja, eine Zuhörerin spannte demonstrativ ihren schwarz-rot-goldenen Regenschirm auf.
Folk & Welt im Wandel der Mode
Im Folker! 05.05 hatte ich ja darüber geschrieben, dass der Folk-Begriff zugunsten eines reinen Weltmusik-Begriffs aus dem Namen der Ruth verschwunden sei. Vor einem Jahr hießt aber immerhin die Internetadresse http://www.folkpreis.de/, mittlerweile heißt sie http://www.weltmuiskpreis.de/. Peter Schneckmann von der Ruth-Jury sagte, er habe das nicht weiter verfolkt [SIC!]. Aber das ist momentan der Trend. Wer bei Mr. Music in Bonn nach Folk-CDs sucht, sucht vergebens die gewohnten grünen Karteikarten mit der Aufschrift „Folk“, sondern das ist alles jetzt unter „Weltmusik“ mit gelben Karten einsortiert. Die einst riesige Folk-Abteilung im Kölner Saturn-Stammhaus soll, wie ich hörte, auch gewaltig geschrumpft sein. Ich finde es insofern schade, als man zwar einerseits sagen kann, Weltmusik sei der Überbegriff auch für die vielen Volksmusiken der Welt, aber in dem Doppelbegriff „Folk- und Weltmusik“ wird doch der Spannungsbogen zwischen regionaler und ethnischer Verwurzelung einer- und globaler Grenzüberschreitung andererseits sehr gut deutlich. Aber vielleicht will man eher den Konsumenten erreichen, für den selbst eine Radiosendung, in der ihm erklärt wird, dass Dudelsäcke nicht nur in Schottland gespielt werden, schon zu kompliziert ist. Solche Leute gibt es, wie mir der Reporter vom SWR versicherte.
Ein berühmter Name
Nach Mitternacht sang dann noch Suzanne Vega im Burghof, eine amerikanische Folksängerin, die anscheinend vielen vielen Menschen bekannt war, denn der Platz war voller als bei der Ruthpreisverleihung, was mich dann doch verwunderte, denn sie hatte einen Bassisten als Begleiter und ansonsten nur eine Gitarre und ihre Stimme. Das wäre nach meinem Geschmack eher etwas für einen kleinen Saal gewesen, aber da hätten ja diese vielen Fans nicht rein gepasst.
Finish
Beim Abschlusskonzert hörten wir außer den bisher erwähnten Musikern auch noch das Leschenko Orchester aus Prag, das Polkas, Tangos und anderes recht jazzig zum Besten gab, Liu Fang aus China bzw. Kanada auf der Guzheng, eine 3000 Jahre alten Zither aus dem Reich der Mitte, das Mundharmonikaquartett Sväng aus Finnland, das Tangos, Polkas, Ragtime und anderes zu Gehör brachte und Lila Downs aus Mexiko mit ihrer Band, die eine Mestizomusik mit europäischen, indianischen und afrikanischen Elementen spielte. Bevor dann die magischen Dudelsäcke das TFF ausklingen ließen moderierte Michael Kleff noch das Elfmeterschießen des Fußball-WM-Endspiels aus einer Kneipe mit Fernseher heraus über Lautsprecher und war dann doch sehr enttäuscht, dass die Franzosen, die doch den diesjährigen TFF-Länderschwerpunkt bildeten, nicht gewannen, wo doch TFF-2004-Länderschwerpunktbilder Griechenland vor zwei Jahren Europameister wurde und TFF-2005-Länderschwerpunktbilder Brasilien letztes Jahr den Confederationscup (heißt das so?) gewannen. Er spekulierte schon darauf, dass der TFF-Länderschwerpunkt doch irgendeinen Einfluss auf den Ausgang vom Fußballmeisterschaften haben könnte und wollte der FIFA einen auf dieser Annahme beruhenden Geschäftsvorschlag machen. Nun aber muss das TFF auch künftig ohne FIFA-Gelder finanziert werden.
Im nächsten Jahr wird es trotzdem wieder ein Tanz & Folk Fest geben, mit dem Länderschwerpunkt Tansania, diversen Tasteninstrumenten als Magieinstrument(en) und der Polonäse als Tanz des Jahres. Letzteres wird bestimmt lustig!
Soweit jedenfalls meine Eindrücke, und inzwischen habe ich auch die Fernsehsendung „Ein irrer Hauch von Welt gesehen“, worin einiges von dem, was ich gehört habe und vieles was ich nicht gehört hatte gezeigt wurde, das Dudelsackmagieprojekt ganz ausgeklammert wurde, aber Joergen und Bijan wunderbar mit der Camera eingefangen wurden. Und ich war auch kurz am linken unteren Bildrand zu sehen, wie ich neben dem Folker!-Fotografen Michael Pohl vor der Bühne stand, auf der die Karawane los war. Es kamen auch einige Radiosendungen, die ich zum Teil gehört habe. Aber life ist es immer noch am besten!!!
Und habe ich nun Kraft für den Rest des Jahres getankt? Och ja, man will ja nicht übertreiben, aber ich kann das TFF jedenfalls wärmstens weiter empfehlen!
Wer sich noch für einen Bericht aus anderer Perspektive interessiert, dem oder der empfehle ich den von Peter Lindwedel alias Paddy the Busker, der mir die wegen der Terminverwechslung zu viel gekaufte Karte abgekauft hatte, den man hier findet:
http://www.paddythebusker.de/TFF2006.html
Und hier noch ein paar Links zum TFF und den erwähnten Musikern:
http://www.tff-rudolstadt.de/
Ruth:
http://www.tff-rudolstadt.de/htm/06/ruth.htm
http://www.weltmusikpreis.de/
http://www.ohrbooten.de
http://www.duo-boegeholz-mosalini.com/
http://www.klangwelten.com/ro/index_d.html
http://www.wecker.de/
Magischer Dudelsack:
http://www.tff-rudolstadt.de/htm/06/magic.htm
http://www.mdr.de/kultur/musik_buehne/3131781-hintergrund-3125224.html
http://www.agostones.hu/
http://www.lamour-music.com/
http://www.boushehrmusic.com/
http://www.frazerfifield.com/
http://www.sepp-pichler.at/
Frankreich:
http://www.tff-rudolstadt.de/htm/06/land.htm
http://www.lachavanee.com/
Tango:
http://www.tff-rudolstadt.de/htm/06/tanz.htm
sonstige:
http://www.beefolk.com/
http://www.bobo-in-white-wooden-houses.de/
http://www.liladowns.com/
http://luifangmusic.net/English
http://www.katalena.net/
http://www.sudenaika.com/
http://www.sväng.fi/
http://www.suzannevega.com/
Viele haben keine Webadresse.
MAS
Es soll ja Leute geben, so hieß es in einer Radiosendung auf WDR3, die in Rudolstadt Kraft für den Rest des Jahres tanken. Nun, ganz so geht es mir nicht, aber immer wieder klingt die Musik noch wochenlang in mir nach und mir kommt Bonn dann immer so still vor und die Straßenmusiker so vereinzelt und allein auf weiter Flur bzw. in weiter Fußgängerzone, und selbst wenn ich ein Konzert besuche und das vorbei ist, habe ich das Gefühl, es müsste doch gleich noch eines folgen. Wenn man während des Tanz & Folk Festes (Michael Kleff, Chefredakteur vom Folker!, der das Abschlusskonzert am Sonntagabend moderierte sagte, das dürfe man gar nicht sagen, sondern müsse „TFF“ sagen, was ich zwar praktisch finde, solange jeder weiß, was gemeint ist, aber es ist doch immer noch nur eine Abkürzung und kein Name) durch die Straßen und Gassen von Rudolstadt geht, hört man alle 50 oder weniger Meter ein anderes Konzert, hier eine Folkjazzcombo, dort eine Trommelgruppe, dann ein Irish Folk Trio, etwas weiter ein Besucher, der gar nicht im Programm steht, aber auf Flöte, Geige, Harfe oder Gitarre auch was vorspielt, dann kommt man an einer großen Bühne vorbei, etwa auf dem Marktplatz, wo eine Trachtengruppe Volkstänze vorführt, und weiter geht es in beschriebener Weise. Und dabei hat die Stadt jeden Tag noch mal so viele Besucher wie Einwohner, was hier und da schon mal zu etwas Gedrängel führt, aber (fast) nie zu Ungeduld oder gar Aggression, sondern man fühlt sich eigentlich immer unter netten Gleichgesinnten, die meistens auch Rücksicht aufeinander nehmen. (Nur Regenschirme werden einem immer wieder ganz rücksichtslos in den Blick auf die Bühne gestreckt.) Das TFF beginnt abgesehen von dem Sonderkonzert am Donnerstagabend immer am ersten Freitag im Juli (worauf man achten sollte, denn es reicht nicht, dass der Samstag im Juli liegt, aber ich weiß nicht, ob auch der Donnerstag im Juli liegen muss) abends und geht dann fast pausenlos durch bis Sonntag ca. 23.30 Uhr. Die Nächte können auch durchgetanzt oder -gehört werden. Ich bin meistens zusammen mit meiner Frau Petra und meinem Freund Lothar, der in Suhl wohnt, und bei dem wir übernachten, samstags und sonntags da, diesmal aber ohne Petra, da sie sich das vorherige Wochenende urlaubsmäßig frei genommen hatte, da wir eben nicht auf den ersten Freitag im Juli geachtet hatten. So hörten Lothar und ich von Samstag ca. 11.00 bis Sonntag ca. 1.00 Uhr und von Sonntag ca. 13.00 Uhr bis ca. 23.30 Uhr fast ununterbrochen Musik, aber auch so war es nur möglich, bestenfalls ein 25stel dessen zu hören, was auf 25 Bühnen geboten wurde, denn Bilokalität beherrschen wir nicht. Davon will ich nun ein wenig erzählen, nicht ganz chronologisch, sondern..., ach das sehen wir dann.
Schwerpunkte
Es gibt immer einen Länderschwerpunkt, einen Instrumentenschwerpunkt und einen Tanzschwerpunkt. Dieses Jahr waren das Frankreich, der Dudelsack und der Tango. Es gab auch mal einen deutschen Regionalschwerpunkt, aber das konnten sie anscheinend nicht durchhalten. Ein weiterer Schwerpunkt ist immer die Verleihung des Preises für Folk, Weltmusik und Lied, die Ruth. Abseits der Schwerpunkte gibt es aber so viel zu hören, dass es einem auch ohne diese nicht langweilig wird.
Magische Dudelsäcke
Dudelsackmusik mag ich ja eh, aber so ein Magieprojekt, wie man die Schwerpunktinstrumentenkonzerte nennt, wie es Wolfgang Meyring wieder zusammen gestellt hat, habe ich noch nie erlebt. Da saßen und standen Musiker(innen) aus Schottland (Fraser Fifield), Galizien (Lorena Freijeiro Alonso), Estland (Cätlin Jaago), Österreich (Sepp Pichler), dem Iran (Saeid Shanbezadeh), der Bretagne (Pascal Lamour) und Ungarn (Béla Ágoston) mit ihren verschiedenen Sackpfeifen auf der Bühne im Hof der Heidecksburg, begleitet vom dreizehnjährigen Sohn Naghib des iranischen Pfeifers auf einer Doppeltrommel. Jeder(r) spielte ein Solo, das dann aber doch von dem einen oder der anderen begleitet wurde, oder es ergaben sich schottisch-galizische oder ungarisch-iranische oder andere Duette, und der kleine Trommler heizte den Pfeifern ordentlich ein. Beim Abschlusskonzert waren sie noch mal da, abgesehen von der schon abgereisten Estin, und spielten zwischen den Soli alle zusammen eine etwas schwere, wuchtige Tanzmelodie, die am Ende vom Publikum aufgegriffen wurde, bis die Musiker auf die Bühne zurück kehrten und weiter spielten. Das war ein schönes Gemeinschaftsgefühl, da brauche ich keinen Fußball. Die Iraner erlebten wir auch noch mal am Sonntagnachmittag und ihr Auftritt war in einer bestimmten Hinsicht klischeesprengend: Wenn irgendwo ein Mann einen Rock trägt oder Dudelsack spielt oder gar beides gleichzeitig tut, dann wird doch wie selbstverständlich davon ausgegangen, dass er ... Hi hi, den Satz brauche ich wohl nicht zu beenden. Diese kamen aber aus dem Iran. Und von all den anderen rocktragenden oder dudelsackspielenden Männern an diesem Wochenende in Rudolstadt kam bestimmt kaum einer aus Schottland. Eine Folkerkollegin meinte, sie sehe nirgends so viele rocktragende Männer wie in Rudolstadt. Ach, ich fühlte mich sehr wohl, auch wenn ich anscheinend der einzige rocktragende Journalist in der Stadt war! Vielleicht ändert sich das aber auch noch.
Wir hörten auch ein ganzes Konzert der Esten, deren Band Re:Toro heißt, auf der Burgterrasse. Sie verbanden traditionelle Melodien mit Jazzeinlagen und hatten – so der Moderator – das „teuerste“ Instrument auf der Bühne, nämlich sechs Plastikschüsseln, wobei drei mit Wasser gefüllt waren und die andern drei umgedreht darin schwebten, worauf dann der Schlagzeuger trommelte. Das hörte sich gut an und verband sich mit Dudelsack und Saxophon zu einem zugleich urigen und hochmodernen Sound. Nicht wenige der estnischen Melodien könnten auch deutsche Volkstänze sein, z.B. „Im Grunewald ist Holzauktion“ das die Pfeiferin auf einer dieser skandinavischen Flöten ohne Grifflöcher (mir fällt der Name nicht ein) spielte.
Fronkreisch
Frankreich war durch den Bretonen beim Magiekonzert auch vertreten, aber von den vielen anderen französischen Beiträgen hörten wir nur Les Primitives du Future, die eine Mischung aus Musette, Chanson, Ragtime und Dixieland zum Besten gaben, und La Chavanée, eine eher traditionelle Tanzkapelle mit drei Drehleiern, deren eine von keinem Geringeren als Patric Bouffard bedient wurde. Die hatten auch nachts zum Tanze aufgespielt, aber das überschnitt sich mit der Ruth-Preisverleihung und wurde uns danach zu spät. Und dann noch beim Abschlusskonzert Francoiz Breut, die das Titelbild vom Folker! 04.06 ziert und einen nouvelle Chanson sang, dem ich nicht so viel abgewinnen konnte, was auch meiner mangelnden Beherrschung des Französischen anzukreiden ist.
(Zu) viel Jazz (?)
Nicht nur Esten und Franzosen mischten ordentlich Jazz unter den Folk, sondern auch Österreicher und Slovenen. Beefolk aus Graz könnte meines Erachtens genau so gut in Leverkusen, Moers oder Montreux auftreten, es war mehr oder weniger reiner Jazz, auch die von Helgi Hrafn Jonsson auf Isländisch gesungenen Lieder. Es wirkte surrealistisch, teils etwas sehr kunstvoll, aber teils auch mitreißend temporeich und groovig, und dann tauchten hier und da doch wieder traditionelle Elemente auf, die irgendwo zwischen Schwarzem Meer und Nordatlantik zu Hause waren. Katalena aus Slovenien war auf den ersten Eindruck traditioneller und volkstümlicher. Sie nahmen slovenische Volkstanzmelodien auf, die Sängerin Vesna Zornik sang die Texte dazu mit einer rauen Stimme, die man ihrer zarten Gestalt nicht zugetraut hätte, Gitarre, Schlagzeug, Whistles, Klarinette und anderes begleiteten sie, wobei es dann doch wieder jazzig wurde. Im Gegensatz zu den jazzigen Elementen bei den modernen Irish Folk Gruppen, die eher ihre Jigs&Reels leicht jazzig spielen, wirkt der Jazz bei den hier beschriebenen Gruppen weniger integriert, sondern es wirkt eher noch wie ein Mischung der Stile, aber es klang gut, wirklich gut. Das ist es wohl, was mit „von archaischen Klängen bis zu avantgardistischen Experimenten“ (oder so ähnlich), wie ich es irgendwo las, gemeint ist.
Finnische Wölfinnen mit zarter Stimme
Suden Aika aus Finnland brachte kein Wolfgeheul hervor, obwohl der Bandname auf Deutsch „Zeit der Wölfe“ heißt, an den (im Deutschen) gleichnamigen Fantasyfilm erinnerten sie auch nicht, sondern das Quartett aus Liisa Matveinen, Tellu Turkka, Katarina Airas und Nora Vaura sang mit zarten Frauenstimmen archaisch-sphärische Lieder, nicht so druckvoll, wie man es von Verttinä und Hedningarna kennt, bei denen eine der Sängerinnen auch mitmacht oder mitmachte. Dazu spielten sie Nykelharpa (Schlüsselfiedel) , Kantele (Hackbrett oder Zither) und anderes Instrumentarium. Die Texte stammten zum Teil aus der mythischen Liedersammlung Runolaulu, die vom Autor des Nationalepos Kalevala stammt, und dessen Geist ich durchzuhören meinte.
Volkstänze – der Tradition verpflichtet
Auf der großen Marktplatzbühne wurden aber auch traditionellere Volkstänze aufgeführt, wovon wie am Sonntagnachmittag die litauische Formation Dainava sahen und hörten. Begleitet von einer Band mit Geigen, Gitarren, Trompete, Flöte und einem Schlagwerk aus Holzglocken zeigen Männer und Frauen und Jungs und Mädchen althergebrachte Tänze, deren Melodieformen auch deutschen Volkstanzmelodien ähnelten, und waren dabei in schönen, aber bei dem Wetter viel zu warme Trachten gekleidet, mit Pelzgamaschen über den Tanzschuhen.
Das deutsche Volkslied
Man mag sich fragen, ob es auch deutsche Volksmusik gab, und ja, es gab sie, aber wir bekamen irgendwie davon nichts mit, außer einer Podiumsdiskussion über ein eventuelles Revival des deutschen Volksliedes, an der außer eher theoretischen Fachleuten wie Barbara Book (Deutsches Volksliedarchiv Freiburg), Dr. Werner Fuhr (WDR), Mike Kamp (Herausgeber vom Folker!), Manfred Wagenbreth (Musiker und Mitarbeiter beim WDR) und Gesprächleiter Bernhard Hanneken vom TFF-Team auch die Sängerin Bobo und der Sänger Otto Göttler teilnahmen, aber eben redend, nicht singend. Bobos Konzert, das ich eigentlich sehr gerne gehört hätte, war zeitlich und räumlich zu ungünstig gelegen, um es zu hören. Ob nun also Gruppen wie Deitsch oder Schöne Weile oder eben Bobo ein Revival ausmachten oder anzeigten, darüber wurde diskutiert. Mike Kamp nannte es ein Revivalchen, Otto Göttler erzählte von niederbayerischen Wirtshaussessions, die bis spät in die Nacht gingen. Ein Musiker aus Unterfranken aus dem Publikum meinte, es sei gut, in der Umgangssprache zu singen, also weder in Mundart, noch in Hochdeutsch und man solle Themen des Alltags aufgreifen. Einer aus Schleswig-Holstein erzählte von erfolgreicher Begeisterung junger Leute bei sich zu Hause für deutsche Volkslieder, nachdem sie lange dänische und andere skandinavische Sachen gespielt hatten. Einer meinte, in den 1970ern wären neun von zehn in Deutschland produzierten Folk-LPs Irish Folk Platten gewesen, und das Irische sei auch die gemeinsame Klammer der deutschen Folkies gewesen, während die Szene heute viel größer und differenzierter sei, viel Ost- und Südosteuropäisches gespielt werde, obwohl immer noch viel Irisches gespielt werde. Was aber generell fehle, ist, dass in den Familien mit Kindern gesungen werde. Oft wisse man ja auch nur noch die erste Strophe eines Liedes. Mike Kamp versicherte aber, dass die Musik auf den vielen vielen zur Rezension eingesandten CDs qualitativ besser sei als sie es in den 70ern oft gewesen sei. Die aus den 70ern kenne ich kaum, aber dass heute qualitativ hochwertige Musik von deutschen Amateur- und Halbprofibands (natürlich auch von den Vollprofis) gespielt wird, kann ich als Rezensent ja auch bestätigen. Deshalb macht der Job ja auch so einen Spaß!
Ruth’n’Rap
Von solchen Fragen gänzlich unbeleckt schienen die Ohrbooten zu sein, eine Berliner Gruppe, die mit einer Mischung aus Reggae, Rap, Hihop, Zigeunermusik, Marengue und anderen Einflussen einen Stil entwickelten, den sie „Gyphop“ nennen und damit eine der beiden dieses Jahr vergebenen Newcomer-Ruths gewannen. Ich hatte die Gelegenheit, zwei der vier Ohrbooten, nämlich Ben und Matze zu interviewen (die andern beiden nennen sich Onkel und Noodt), zusammen mit einem Reporter vom SWR, hinter dem ich mich laut Anweisung des Bandmanagers mit der blauen Deutschlandfunkmütze, der sich schützend vor seine Musiker stellten, damit sie nach ihrem Konzert erst mal verschnaufen konnten, hätte anstellen müssen, weil er schon vor mir nachgefragt habe. Wir führten unser Interview aber zusammen, so das jeder auch was von den Fragen des anderen hatte. „Gyphop“ ist eine Konglomeration von „Gypsie Music“ und „Hiphop“. Ja ist denn das Folk- oder zumindest Weltmusik? Vor allem das junge Volk vor der Bühne war jedenfalls sehr begeistert und wippte und hüpfte eifrig mit, aber meines Erachtens ist es so viel oder so wenig Folk- oder Weltmusik wie z.B. die der Lecker Sachen, deren Bandleader Markus Brachtendorf ja auch in der Jury saß und den Preis überreichte. Sie fühlten sich jedenfalls genau richtig auf einem Tanz & Folk Fest und meinten, etwas Schwung in die Sache zu bringen, wo sonst Trachtenvereine zu Musik vom Band alte Tänze aufführten. Ihre Texte, deren Darbietung die Berliner Herkunft nicht verleugnen konnte und auch nicht wollte, haben zum Ziel, den Zuhörern zunächst einfach Spaß zu machen. Gesellschaftskritik und dergleichen, wie sie beim Hiphop sonst recht häufig vorkommt, sei zwischen den Zeilen vorhanden, aber man wolle dem Publikum keine Moral aufdrängen. Wer drüber nachdenken wolle, könne das tun, aber keiner müsse das. Sie setzen auf das Gute im Menschen, das durch positive Ansprachen eher heraus komme, als durch Kritik. So setzen sie sich auch vehement vom aggressiven Gangsta-Rap ab und von Rapperschlachten wie bei Aggro Berlin. Nette Jungs! Ich gönne ihnen den Preis, egal in welche Schublade man ihre Musik stecken mag.
Ruth’n’Tango
Die anderen Newcomer-Ruth-Gewinner, das Duo Vicente Bögeholz & Juanjo Mosalini war der einzige Tangobeitrag, den wir auf dem Festival hörten. Die beiden sind in Argentinien bzw. Chile geboren und spielten auf Bandoneon und Gitarre einen modernen Tango, eine sehr feine Musik. Ich verstehe indes fast nichts vom Tango und las begeistert den Artikel von Helena Rüegg im TFF-Programmheft über die Geschichte des anfänglichen Armeleutetanzes aus Buenos Aires, der zuerst von konservativen Bürgern benasrümpft und zwei Generationen später vom selben Menschenschlag gegen Veränderungen verteidigt wurde. Man lernt aus dem Artikel, wie sehr Musik eingebunden ist in das gesamte Kulturleben eines Volkes, eines Staates, einer Bevölkerungsschicht usw., abhängig vom wirtschaftlichen Auf und Ab, von technischen Neuerungen (so hat die Einführung des Tonfilmes vielen Tangomusikern den Arbeitsplatz gekostet), von Mode, Konservativismus und Inovationswillen. Tango, so scheint mir, ist sowohl Volks- als auch Weltmusik, nämlich seit gut 150 Jahren verwurzelt in der Seele Argentiniens, aber mittlerweile viele Grenzen überschritten habend, in Europa zum Standardtanz geworden und ganz neue Stilrichtungen entwickelt habend. Man denke nur mal an Tango Crash vom TFF 2005, die auch die Newcomer-Ruth bekamen.
Karawanen-Ruth
Man trifft ja immer wieder Bekannte und Freunde in Rudolstadt, so mehrer Folker!-Kollegen und auch jedes Jahr Jutta Mensing vom Folk im Feuerschlösschen, aber als ich Joergen Lang am Samstagmorgen entdeckte, war ich doch überrascht, was nicht hätte sein müssen, wenn ich mal die Weltmusikpreis-Homepage genauer gelesen hätte. Nein, er bekam keinen Preis (hatte es aber schon mal, nämlich 1994 mit Hölderlin Express) und er trat auch nicht mit Dán (obwohl Johannes Mayr auch da war) auf, sondern mit Rüdiger Oppermann, der die Globale Ruth gewonnen hat. Dieser tourt gerade mit seinem Projekt „Karawane“, bestehend aus Rüdiger Oppermann (Keltische Harfen, E-Harfe, Konzeption), Jatinder Thakur (Indische Tablas), Dimitar Gougov (Bulgarische Gadulka), Dost Matur (Saz, Gesang), Lars Lindval (Trompete), Enkh Jargal (= Epi) (Morin Khoor =Pferdegeige, Gesang von Oberton bis Rap auf Mongolisch), Rainer Granzin (Piano, Hammond, sounds), WuWei (Sheng = Mundorgel), Bawu (Bambusflöte), Bijan Mahjub (Bombarde, Whistle), Julius Oppermann (Drums und Percussion) und Joergen Lang (Gitarre, Low Whistle), welches eine musikalische Reise von der Bretagne bis nach China, also quer durch den Kontinent ist, teilweise entlang der Seidenstraße. Es handelt sich um ein durcharrangiertes Konzert, gewissermaßen eine Symphonie, die Elemente der traditionellen Musiken der Länder und Völker entlang der Reiseroute enthält. Bijan (ja, der vom Kölner Folkstanztreff) und Joergen repräsentierten mit Bombarde, Whistles und Gitarre die keltische Musik, Wu Wei, der vor zwei Jahren die Globale Ruth gewonnen hatte, war mit einer überdimensionalen Mundorgel für die chinesische Musik zuständig, dazwischen ging es einerseits von Station zu Station wie an der Besetzung abzulesen, aber es gab auch transkontinentale Zusammenspiele. Ein wunderbares Werk, das ich gerne auf CD oder DVD hätte, wenn es das gäbe!
Bürgermeister-Ruth
Die Ehrenruth wurde an Dr. Hartmut Franz vergeben, der als Bürgermeister von Rudolstadt seit 1991 das Festival unterstützt und sich bei der Bevölkerung dafür stark gemacht hat. Man mag es ja nicht glauben, aber es sollen doch 1991 ein paar Bürger der Stadt die Polizei gerufen haben, weil sie die Musik als Ruhestörung empfunden hatten. Er ist nun in den Ruhestand gegangen, und sein Nachfolger im Amt Jörg Reichl wirkte bei der Abschlussrede am Sonntagabend doch sehr steif und musste sogar ein paar Allgemeinfloskeln vom Blatt ablesen.
Die deutsche Ruth am Hindukush
Die Deutsche Ruth bekam Konstantin Wecker mit seinem Bagdad-Kabul-Projekt zusammen mit Laith Abdul Ameer (Oud), Hakim Ludin (Percussion), Cetin Oraner (Saz, Oud, Percussion), Sven Faller (Bass), Gerd Baumann (E-Gitarre ) und Jo Barnickel (Keyboard)
(siehe auch die Titelgeschichte im Folker! 02.06). Er hatte vorher noch nie vom TFF gehört, war dann aber restlos begeistert. Begeistert war er auch davon, dass bei dieser Menschenmenge im Burghof kein einziges Deutschlandfähnchen wehte. Es war ja der Abend, an dem die deutsche Herrenfußballnationalmannschaft um den dritten Platz der WM spielte, um den mehr Bohei gemacht wurde als um den Weltmeistertitel der deutschen Damenfußballnationalmannschaft. Wenn er das angemahnt hätte, aber nein, er brachte die neue Begeisterung für schwarz-rot-goldene Flaggen zwischen den Zeilen in einen Zusammenhang mit den Nazis, die ihm in Halberstadt ein Konzert mit der Gruppe Strom und Wasser vermasselt haben. Es ist eine Sache, wenn man die Bundeswehreinsätze in Afghanistan kritisiert, aber eine ganz andere, wenn man die Flagge des demokratischen Deutschlands mit Nationalsozilisten in Verbindung bringt. Dafür eine gelbe Karte von mir, Herr Wecker! Die Musik die er und seine irakischen und afghanischen Musiker uns zu Gehör brachten war indes von Feinsten. Und auch die antirassistischen und obrigkeitskritische Texte neben den auf Türkisch, Kurdisch und wahrscheinlich Baschtu gesungenen Liedern der Mitmusiker kreierten eine wunderbare Stimmung des Zusammengehörigkeitsgefühls, auch ohne Fußball und Fähnchen. Ah ja, eine Zuhörerin spannte demonstrativ ihren schwarz-rot-goldenen Regenschirm auf.
Folk & Welt im Wandel der Mode
Im Folker! 05.05 hatte ich ja darüber geschrieben, dass der Folk-Begriff zugunsten eines reinen Weltmusik-Begriffs aus dem Namen der Ruth verschwunden sei. Vor einem Jahr hießt aber immerhin die Internetadresse http://www.folkpreis.de/, mittlerweile heißt sie http://www.weltmuiskpreis.de/. Peter Schneckmann von der Ruth-Jury sagte, er habe das nicht weiter verfolkt [SIC!]. Aber das ist momentan der Trend. Wer bei Mr. Music in Bonn nach Folk-CDs sucht, sucht vergebens die gewohnten grünen Karteikarten mit der Aufschrift „Folk“, sondern das ist alles jetzt unter „Weltmusik“ mit gelben Karten einsortiert. Die einst riesige Folk-Abteilung im Kölner Saturn-Stammhaus soll, wie ich hörte, auch gewaltig geschrumpft sein. Ich finde es insofern schade, als man zwar einerseits sagen kann, Weltmusik sei der Überbegriff auch für die vielen Volksmusiken der Welt, aber in dem Doppelbegriff „Folk- und Weltmusik“ wird doch der Spannungsbogen zwischen regionaler und ethnischer Verwurzelung einer- und globaler Grenzüberschreitung andererseits sehr gut deutlich. Aber vielleicht will man eher den Konsumenten erreichen, für den selbst eine Radiosendung, in der ihm erklärt wird, dass Dudelsäcke nicht nur in Schottland gespielt werden, schon zu kompliziert ist. Solche Leute gibt es, wie mir der Reporter vom SWR versicherte.
Ein berühmter Name
Nach Mitternacht sang dann noch Suzanne Vega im Burghof, eine amerikanische Folksängerin, die anscheinend vielen vielen Menschen bekannt war, denn der Platz war voller als bei der Ruthpreisverleihung, was mich dann doch verwunderte, denn sie hatte einen Bassisten als Begleiter und ansonsten nur eine Gitarre und ihre Stimme. Das wäre nach meinem Geschmack eher etwas für einen kleinen Saal gewesen, aber da hätten ja diese vielen Fans nicht rein gepasst.
Finish
Beim Abschlusskonzert hörten wir außer den bisher erwähnten Musikern auch noch das Leschenko Orchester aus Prag, das Polkas, Tangos und anderes recht jazzig zum Besten gab, Liu Fang aus China bzw. Kanada auf der Guzheng, eine 3000 Jahre alten Zither aus dem Reich der Mitte, das Mundharmonikaquartett Sväng aus Finnland, das Tangos, Polkas, Ragtime und anderes zu Gehör brachte und Lila Downs aus Mexiko mit ihrer Band, die eine Mestizomusik mit europäischen, indianischen und afrikanischen Elementen spielte. Bevor dann die magischen Dudelsäcke das TFF ausklingen ließen moderierte Michael Kleff noch das Elfmeterschießen des Fußball-WM-Endspiels aus einer Kneipe mit Fernseher heraus über Lautsprecher und war dann doch sehr enttäuscht, dass die Franzosen, die doch den diesjährigen TFF-Länderschwerpunkt bildeten, nicht gewannen, wo doch TFF-2004-Länderschwerpunktbilder Griechenland vor zwei Jahren Europameister wurde und TFF-2005-Länderschwerpunktbilder Brasilien letztes Jahr den Confederationscup (heißt das so?) gewannen. Er spekulierte schon darauf, dass der TFF-Länderschwerpunkt doch irgendeinen Einfluss auf den Ausgang vom Fußballmeisterschaften haben könnte und wollte der FIFA einen auf dieser Annahme beruhenden Geschäftsvorschlag machen. Nun aber muss das TFF auch künftig ohne FIFA-Gelder finanziert werden.
Im nächsten Jahr wird es trotzdem wieder ein Tanz & Folk Fest geben, mit dem Länderschwerpunkt Tansania, diversen Tasteninstrumenten als Magieinstrument(en) und der Polonäse als Tanz des Jahres. Letzteres wird bestimmt lustig!
Soweit jedenfalls meine Eindrücke, und inzwischen habe ich auch die Fernsehsendung „Ein irrer Hauch von Welt gesehen“, worin einiges von dem, was ich gehört habe und vieles was ich nicht gehört hatte gezeigt wurde, das Dudelsackmagieprojekt ganz ausgeklammert wurde, aber Joergen und Bijan wunderbar mit der Camera eingefangen wurden. Und ich war auch kurz am linken unteren Bildrand zu sehen, wie ich neben dem Folker!-Fotografen Michael Pohl vor der Bühne stand, auf der die Karawane los war. Es kamen auch einige Radiosendungen, die ich zum Teil gehört habe. Aber life ist es immer noch am besten!!!
Und habe ich nun Kraft für den Rest des Jahres getankt? Och ja, man will ja nicht übertreiben, aber ich kann das TFF jedenfalls wärmstens weiter empfehlen!
Wer sich noch für einen Bericht aus anderer Perspektive interessiert, dem oder der empfehle ich den von Peter Lindwedel alias Paddy the Busker, der mir die wegen der Terminverwechslung zu viel gekaufte Karte abgekauft hatte, den man hier findet:
http://www.paddythebusker.de/TFF2006.html
Und hier noch ein paar Links zum TFF und den erwähnten Musikern:
http://www.tff-rudolstadt.de/
Ruth:
http://www.tff-rudolstadt.de/htm/06/ruth.htm
http://www.weltmusikpreis.de/
http://www.ohrbooten.de
http://www.duo-boegeholz-mosalini.com/
http://www.klangwelten.com/ro/index_d.html
http://www.wecker.de/
Magischer Dudelsack:
http://www.tff-rudolstadt.de/htm/06/magic.htm
http://www.mdr.de/kultur/musik_buehne/3131781-hintergrund-3125224.html
http://www.agostones.hu/
http://www.lamour-music.com/
http://www.boushehrmusic.com/
http://www.frazerfifield.com/
http://www.sepp-pichler.at/
Frankreich:
http://www.tff-rudolstadt.de/htm/06/land.htm
http://www.lachavanee.com/
Tango:
http://www.tff-rudolstadt.de/htm/06/tanz.htm
sonstige:
http://www.beefolk.com/
http://www.bobo-in-white-wooden-houses.de/
http://www.liladowns.com/
http://luifangmusic.net/English
http://www.katalena.net/
http://www.sudenaika.com/
http://www.sväng.fi/
http://www.suzannevega.com/
Viele haben keine Webadresse.
MAS
Thursday, July 06, 2006
CD-Rezension: Foggy Stew. Traditional Irish Music. one more payment and it’s mine
Foggy Stew. Traditional Irish Music. one more payment and it’s mine
Eigenverlag 2006 mit Foto und wenigen englischen Infos
6 Tracks, 26,59 Minuten
Aus Südniedersachsen stammt nicht nur Olaf Sickmann, sondern auch Margret Hüffer, aus Südamerika Nicole Maldonado. Woher Michael Heuser stammt, weiß ich gar nicht, obwohl ich ihn schon viel länger als die andern beiden kenne, jedenfalls wohnen alle im Süden Bonns und haben sich nordwesteuropäischer, genauer gesagt irischer Musik verschrieben und sich zur Band „Foggy Stew“ zusammengefunden. Wie ein nebliger Eintopf klingt ihre Musik, die sie auf Gitarre (Margret und Michael), Bodhrán (Margret), Tin und Low Whistles (Margret), Fiddle (Nicole), 5-String und Tenor Banjo (Michael) und mit Gesang (Margret und Nicole) vortragen aber gar nicht, dazu ist sie viel zu klar und wohl geordnet. Die Formation ist nun etwa zwei Jahre alt, spielt des öfteren im Weinhaus Alt Kessenich, trat aber auch beim 1. Celtic Attractions Festival im Zirkuszelt auf, und legt nun ihre erste CD vor. Diese ist eigentlich nur eine Promo-CD mit fünf Stücken, aber erweitert um ein sechstes, bei dem als Gastmusiker Ralf P. Wackers, der auch für die Aufnahme und das Layout verantwortlich zeichnet, und Ellen D. Jeikner dabei sind, und diese erweiterte Promo-CD wird auch an Interessierte verkauft.
Ich sagte, die Musik sei sehr klar und wohl geordnet. Das ist zugleich ein Plus- und ein Minuspunkt. Positiv daran ist, dass die schönen Melodien und Texte so deutlich zu hören und auch zu merken sind, negativ, dass es ihr wenig Schwung fehlt. Nun ist es aber auch Margrets erklärtes Ziel, traditionell zu spielen und nicht etwa modern und jazzig, und somit ist das Ziel erreicht, was auch immer „traditionell“ bedeutet, denn die Tradition der irischen Musik ist höchst lebendig und verändert sich ständig, was sie als alljährliche Irlandreisende sicher besser weiß als ich. Die sechs Stücke sind zwei Tunesets und vier Lieder, wobei Nr. 2 und Nr. 6 identisch sind, „Caledonia“ (und somit schottisch), nur eben das bei Nr. 6 Ralf und Ellen mit von der Partie sind, wodurch es etwas voller klingt, nicht nur weil der Refrain gleich von drei oder gar vier Stimmen gesungen wird. Nr. 1 und Nr. 5 weisen außer dem Lied auch noch einen Jig bzw. einen Reel auf, eine Kombination von Song und Tune, die ich sehr mag. Margret leistet mit ihrer tiefen Stimme die meiste Gesangsarbeit, „Two Sisters“ aber wird von Nicole mit einer sehr hohen Stimme und mit viel Swing gesungen, ein sehr reizvoller Kontrast! Den müssten sie mal in einem Lied in abwechselnden Strophen zu Gehör bringen, so wie zum Beispiel Triona Ní Dhomhnaill und Claudine Langine mit der Band Touchstone „Jack Haggerty“ singen. Diesen Tipp gebe ich hier gerne mal. Die Tunearrangements weisen unterschiedliche Modelle auf: Bei „The Irish Washerwoman“ sind die einzelnen Instrumente, wenn sie sich ablösen, durch meines Erachtens zu starke Absätze voneinander getrennt, bei „The Butterfly“ spielt das neu hinzu kommende Instrument ein wenig mit dem schon anwesenden mit, und erst dann schweigt das erste, und es gibt auch Zweistimmigkeiten zwischen Fiddle und Whistle; wirklich gut gemacht!. „Charlie Harris / Finnish Polka / Magic Slipper Polker“ spielen sie, nachdem nach und nach Fiddle, Whistle und Gitarre dabei sind, recht monophon. Interessanter wäre Michaels Gitarre, wenn er auch sie auch noch zum Melodieinstrument machen würde, wie bei Nr. 1 das Banjo, und dann vielleicht Margret die Whistle percussiv einsetzen würde. Nun ja, kann ja alles noch kommen, wenn sie es wollen.
Das Cover zeigt übrigens ein Foto eines grasüberwachsenen, anscheinend unbewohnten irischen Hauses aus grau-weißen Steinen. Den Titel „one more payment and it’s mine“ kann man symbolisch interpretieren: Da kauft eine junge Combo der deutschen Bundesstadt Bonn ein altes irisches Haus Rate für Rate, macht sich mit seinen Eigenarten vertraut, gewinnt es lieb, beginnt es zu restaurieren, und das die Bedürfnisse deutscher Städter andere sind als die irischer Bauern, mag man gespannt sein, wie das Haus in zehn Jahren aussieht.
Hier nun die Trackliste:
1. The Irish Washerwoman (song, jig)
2. Caledonia (song)
3. The Butterfly (slip jig)
4. Charlie Harris / Finnish Polka / Magic Slipper Polka
5. Two Sisters (song, reel)
6. Caledonia (song; version with guest musicians)
Eine Website von Foggy Stew exisitert noch nicht.
Hier meine Rezi zu einem ihrer Auftritte:
1. Celtic Attractions Festival
Celtic Attractions – 1. Irish/Scottish Folkfestival im Zirkuszelt am 8.4.2005 in Köln-Weiß
http://folktreff-bonn-rhein-sieg-rezensionen.blogspot.com/2005/04/konzertrezension-celtic-attractions-1.html bzw. http://tinyurl.com/85qdj
MAS
Eigenverlag 2006 mit Foto und wenigen englischen Infos
6 Tracks, 26,59 Minuten
Aus Südniedersachsen stammt nicht nur Olaf Sickmann, sondern auch Margret Hüffer, aus Südamerika Nicole Maldonado. Woher Michael Heuser stammt, weiß ich gar nicht, obwohl ich ihn schon viel länger als die andern beiden kenne, jedenfalls wohnen alle im Süden Bonns und haben sich nordwesteuropäischer, genauer gesagt irischer Musik verschrieben und sich zur Band „Foggy Stew“ zusammengefunden. Wie ein nebliger Eintopf klingt ihre Musik, die sie auf Gitarre (Margret und Michael), Bodhrán (Margret), Tin und Low Whistles (Margret), Fiddle (Nicole), 5-String und Tenor Banjo (Michael) und mit Gesang (Margret und Nicole) vortragen aber gar nicht, dazu ist sie viel zu klar und wohl geordnet. Die Formation ist nun etwa zwei Jahre alt, spielt des öfteren im Weinhaus Alt Kessenich, trat aber auch beim 1. Celtic Attractions Festival im Zirkuszelt auf, und legt nun ihre erste CD vor. Diese ist eigentlich nur eine Promo-CD mit fünf Stücken, aber erweitert um ein sechstes, bei dem als Gastmusiker Ralf P. Wackers, der auch für die Aufnahme und das Layout verantwortlich zeichnet, und Ellen D. Jeikner dabei sind, und diese erweiterte Promo-CD wird auch an Interessierte verkauft.
Ich sagte, die Musik sei sehr klar und wohl geordnet. Das ist zugleich ein Plus- und ein Minuspunkt. Positiv daran ist, dass die schönen Melodien und Texte so deutlich zu hören und auch zu merken sind, negativ, dass es ihr wenig Schwung fehlt. Nun ist es aber auch Margrets erklärtes Ziel, traditionell zu spielen und nicht etwa modern und jazzig, und somit ist das Ziel erreicht, was auch immer „traditionell“ bedeutet, denn die Tradition der irischen Musik ist höchst lebendig und verändert sich ständig, was sie als alljährliche Irlandreisende sicher besser weiß als ich. Die sechs Stücke sind zwei Tunesets und vier Lieder, wobei Nr. 2 und Nr. 6 identisch sind, „Caledonia“ (und somit schottisch), nur eben das bei Nr. 6 Ralf und Ellen mit von der Partie sind, wodurch es etwas voller klingt, nicht nur weil der Refrain gleich von drei oder gar vier Stimmen gesungen wird. Nr. 1 und Nr. 5 weisen außer dem Lied auch noch einen Jig bzw. einen Reel auf, eine Kombination von Song und Tune, die ich sehr mag. Margret leistet mit ihrer tiefen Stimme die meiste Gesangsarbeit, „Two Sisters“ aber wird von Nicole mit einer sehr hohen Stimme und mit viel Swing gesungen, ein sehr reizvoller Kontrast! Den müssten sie mal in einem Lied in abwechselnden Strophen zu Gehör bringen, so wie zum Beispiel Triona Ní Dhomhnaill und Claudine Langine mit der Band Touchstone „Jack Haggerty“ singen. Diesen Tipp gebe ich hier gerne mal. Die Tunearrangements weisen unterschiedliche Modelle auf: Bei „The Irish Washerwoman“ sind die einzelnen Instrumente, wenn sie sich ablösen, durch meines Erachtens zu starke Absätze voneinander getrennt, bei „The Butterfly“ spielt das neu hinzu kommende Instrument ein wenig mit dem schon anwesenden mit, und erst dann schweigt das erste, und es gibt auch Zweistimmigkeiten zwischen Fiddle und Whistle; wirklich gut gemacht!. „Charlie Harris / Finnish Polka / Magic Slipper Polker“ spielen sie, nachdem nach und nach Fiddle, Whistle und Gitarre dabei sind, recht monophon. Interessanter wäre Michaels Gitarre, wenn er auch sie auch noch zum Melodieinstrument machen würde, wie bei Nr. 1 das Banjo, und dann vielleicht Margret die Whistle percussiv einsetzen würde. Nun ja, kann ja alles noch kommen, wenn sie es wollen.
Das Cover zeigt übrigens ein Foto eines grasüberwachsenen, anscheinend unbewohnten irischen Hauses aus grau-weißen Steinen. Den Titel „one more payment and it’s mine“ kann man symbolisch interpretieren: Da kauft eine junge Combo der deutschen Bundesstadt Bonn ein altes irisches Haus Rate für Rate, macht sich mit seinen Eigenarten vertraut, gewinnt es lieb, beginnt es zu restaurieren, und das die Bedürfnisse deutscher Städter andere sind als die irischer Bauern, mag man gespannt sein, wie das Haus in zehn Jahren aussieht.
Hier nun die Trackliste:
1. The Irish Washerwoman (song, jig)
2. Caledonia (song)
3. The Butterfly (slip jig)
4. Charlie Harris / Finnish Polka / Magic Slipper Polka
5. Two Sisters (song, reel)
6. Caledonia (song; version with guest musicians)
Eine Website von Foggy Stew exisitert noch nicht.
Hier meine Rezi zu einem ihrer Auftritte:
1. Celtic Attractions Festival
Celtic Attractions – 1. Irish/Scottish Folkfestival im Zirkuszelt am 8.4.2005 in Köln-Weiß
http://folktreff-bonn-rhein-sieg-rezensionen.blogspot.com/2005/04/konzertrezension-celtic-attractions-1.html bzw. http://tinyurl.com/85qdj
MAS
CD-Rezension: Olaf Sickmann. Reise nach Neuseeland
Olaf Sickmann. Reise nach Neuseeland
Wonderland Records 2006 mit Fotos und deutschen Infos
12 Tracks, 46,20 Minuten
„Reise nach Neuseeland“ ist nach „Sommertiefe“ die zweite CD von Olaf Sickmann, die ich für den Folker! rezensieren durfte und die erste, die er mir noch mal zuschickte, damit ich für den folkigen Rundbrief noch eine (längere) Rezension schreibe.
Olaf lebt in Melle in Südniedersachsen, meines Wissens in einer alten Mühle, die er auch zu einem Tonstudio ausgebaut hat. Ich stelle mir das so vor, dass er dann dort tagein, tagaus am Bach oder am Fenster, bei schlechtem Wetter auch mal bei geschlossenen Fenster drinnen auf der Couch sitzt und Gitarre oder Flöte spielt. Da ich noch nie dort war und ihn auch gar nicht persönlich kenne, weiß ich aber nicht, ob meine romantische Vorstellung nicht doch etwas trügt, befürchte es aber. Besuch hat er dieser meiner Vorstellung nach nicht oft, denn er musiziert fast immer alleine. Bei „Sommertiefe“ assistierten ihn noch Rolf Wagels und Marcus Praed, die musikalische Reise nach Neuseeland hingegen trat Olaf ganz alleine an. Das hört man der CD indes nicht an, denn Olaf spielt Gitarre, Tin Whistles und Percussion gleichzeitig. Ja, okay, ich weiß auch, dass er sie nacheinander spielte, aufnahm und dann abmischte, solche entlarvenden, analytischen Gedanken passen aber gar nicht zum Zauber der alten Mühle und ihrer Musik. Und meine Analysefähigkeit ist eh bald an ihrem Ende angelangt, denn die Musik bildet so eine Einheit, dass ich kaum zu raten wage, welche Einflüsse da alles mit hinein spielen. Es ist eine ruhige Musik, ähnlich der vom Duo Sars, sie ist wohl durchkomponiert, wirkt aber wie spontan entstanden, hat unverkennbar irische Wurzeln, aber auch deutsche, vor allem norddeutsche, wirkt manchmal etwas barock, manchmal leicht jazzig. Und der Bezug zu Neuseeland erschließt sich mir gar nicht. Ich weiß nicht, ob Olaf in Neuseeland war oder in seiner Mühle von Neuseeland träumt so wie Janoschs Tiger und Bär von Panama. Aber das ist bei der Programmmusik des 19. Jahrhunderts ja auch nicht anders. Wer assoziiert mit Smetanas „Die Moldau“ oder Sibelius „Finlandia“ tatsächlich die gemeinten Landschaften, wenn es ihm nicht erklärt wird. Und solche Erklärungen fehlen, na, sie fehlen fast, denn die Titel der zwölf Stücke haben stimmungsvolle Untertitel wie „Sunshine on Sunday: Der Wind streichelt sanft mein Gesicht und die Sonne wärmt meine Haut“, „An Old Court Dance: Ein junger Mann aus Malta, der in London lebt, leiht mir seine Gitarre“ oder „Isabella: Eine wunderschöne Italienerin kreuzt meine Wege“. Von Neuseeland ist da aber so direkt nirgends die Rede, ach doch, die Cook’s Bay liegt glaube ich dort. Hätte das Album einen anderen Namen, wir würden es ihm aber auch glauben.
Ich schließe mit dem eindeutigen Fazit: Wer „Sommertiefe“ kennt und mag, der mag auch „Reise nach Neuseeland“. Wer beide noch nicht kennt und nur eine von beiden kaufen will, nehme doch lieber „Sommertiefe“ und stelle sich die Mühle vor an einem heißen Sommernachmittag so wie der heutige (4.7.2006), ein Gewitter zieht vorüber, Olaf sitzt am Fenster und musiziert, hinter ihm auf dem Tisch Tee und Kuchen, was er liebt, wenn man dem Untertitel des Stückes „Whistle Waltz“ glauben mag. Ah ja, ein Tee wäre schon recht. Ich mache mir gleich einen.
Hier die Trackliste:
Sunshine on Sunday
On the Beach
Joseph
Brandenburg
An Old Court Dance
Whistle Waltz
Dancing the Day
Drift away Café
City of Sails
Isabella
Cooks’s bay
Underpass
Wer die Untertitel lesen will, möge sich die CD besorgen. Doch, einen Untertitel gebe ich hier noch wieder: City of Sails: Mit einem rötlich schimmernden Streifen am Horizont beginnt der Tag...“, denn der passt zum Coverfoto.
http://www.olaf-sickmann.de/
meine Rezis von Olafs CDs im Folker!:
Olaf Sickmann. Sommertiefe.
In: Folker! 03.05., S. 86.
online: http://www.folker.de/200503/rezi-d.htm#01
Olaf Sickmann. Reise nach Neuseeland
In: Folker! 04.06., S. 93
(Kurzschluss, daher nicht online)
Korrekturmeldung im folkigen Rundbrief Nr. 2006-21:
Entgegen meiner romantischen Vorstellung in der CD-Rezension von Olaf Sickmanns „Reise nach Neuseeland“ befindet sich zwar das Tonstudio in der erwähnten Mühle, Olaf wohnt dort aber nicht und klimpert auch nicht den ganzen Tag vor sich hin. Und er war tatsächlich in Neuseeland, seine Musik handelt aber nicht von Landschaftsimpressionen, sondern von Begegnungen mit Menschen. Und die CD erschien nicht im Eigenverlag sondern bei Wonderland Records. Letzteres steht leider falsch im Folker!-Heft, aber im Netz (http://www.folker.de/) ist es korrigiert: OLAF SICKMANN: Reise nach Neuseeland (Wonderland Records WR 9034); 12 Tracks, 46:20; 4/2006
Wonderland Records 2006 mit Fotos und deutschen Infos
12 Tracks, 46,20 Minuten
„Reise nach Neuseeland“ ist nach „Sommertiefe“ die zweite CD von Olaf Sickmann, die ich für den Folker! rezensieren durfte und die erste, die er mir noch mal zuschickte, damit ich für den folkigen Rundbrief noch eine (längere) Rezension schreibe.
Olaf lebt in Melle in Südniedersachsen, meines Wissens in einer alten Mühle, die er auch zu einem Tonstudio ausgebaut hat. Ich stelle mir das so vor, dass er dann dort tagein, tagaus am Bach oder am Fenster, bei schlechtem Wetter auch mal bei geschlossenen Fenster drinnen auf der Couch sitzt und Gitarre oder Flöte spielt. Da ich noch nie dort war und ihn auch gar nicht persönlich kenne, weiß ich aber nicht, ob meine romantische Vorstellung nicht doch etwas trügt, befürchte es aber. Besuch hat er dieser meiner Vorstellung nach nicht oft, denn er musiziert fast immer alleine. Bei „Sommertiefe“ assistierten ihn noch Rolf Wagels und Marcus Praed, die musikalische Reise nach Neuseeland hingegen trat Olaf ganz alleine an. Das hört man der CD indes nicht an, denn Olaf spielt Gitarre, Tin Whistles und Percussion gleichzeitig. Ja, okay, ich weiß auch, dass er sie nacheinander spielte, aufnahm und dann abmischte, solche entlarvenden, analytischen Gedanken passen aber gar nicht zum Zauber der alten Mühle und ihrer Musik. Und meine Analysefähigkeit ist eh bald an ihrem Ende angelangt, denn die Musik bildet so eine Einheit, dass ich kaum zu raten wage, welche Einflüsse da alles mit hinein spielen. Es ist eine ruhige Musik, ähnlich der vom Duo Sars, sie ist wohl durchkomponiert, wirkt aber wie spontan entstanden, hat unverkennbar irische Wurzeln, aber auch deutsche, vor allem norddeutsche, wirkt manchmal etwas barock, manchmal leicht jazzig. Und der Bezug zu Neuseeland erschließt sich mir gar nicht. Ich weiß nicht, ob Olaf in Neuseeland war oder in seiner Mühle von Neuseeland träumt so wie Janoschs Tiger und Bär von Panama. Aber das ist bei der Programmmusik des 19. Jahrhunderts ja auch nicht anders. Wer assoziiert mit Smetanas „Die Moldau“ oder Sibelius „Finlandia“ tatsächlich die gemeinten Landschaften, wenn es ihm nicht erklärt wird. Und solche Erklärungen fehlen, na, sie fehlen fast, denn die Titel der zwölf Stücke haben stimmungsvolle Untertitel wie „Sunshine on Sunday: Der Wind streichelt sanft mein Gesicht und die Sonne wärmt meine Haut“, „An Old Court Dance: Ein junger Mann aus Malta, der in London lebt, leiht mir seine Gitarre“ oder „Isabella: Eine wunderschöne Italienerin kreuzt meine Wege“. Von Neuseeland ist da aber so direkt nirgends die Rede, ach doch, die Cook’s Bay liegt glaube ich dort. Hätte das Album einen anderen Namen, wir würden es ihm aber auch glauben.
Ich schließe mit dem eindeutigen Fazit: Wer „Sommertiefe“ kennt und mag, der mag auch „Reise nach Neuseeland“. Wer beide noch nicht kennt und nur eine von beiden kaufen will, nehme doch lieber „Sommertiefe“ und stelle sich die Mühle vor an einem heißen Sommernachmittag so wie der heutige (4.7.2006), ein Gewitter zieht vorüber, Olaf sitzt am Fenster und musiziert, hinter ihm auf dem Tisch Tee und Kuchen, was er liebt, wenn man dem Untertitel des Stückes „Whistle Waltz“ glauben mag. Ah ja, ein Tee wäre schon recht. Ich mache mir gleich einen.
Hier die Trackliste:
Sunshine on Sunday
On the Beach
Joseph
Brandenburg
An Old Court Dance
Whistle Waltz
Dancing the Day
Drift away Café
City of Sails
Isabella
Cooks’s bay
Underpass
Wer die Untertitel lesen will, möge sich die CD besorgen. Doch, einen Untertitel gebe ich hier noch wieder: City of Sails: Mit einem rötlich schimmernden Streifen am Horizont beginnt der Tag...“, denn der passt zum Coverfoto.
http://www.olaf-sickmann.de/
meine Rezis von Olafs CDs im Folker!:
Olaf Sickmann. Sommertiefe.
In: Folker! 03.05., S. 86.
online: http://www.folker.de/200503/rezi-d.htm#01
Olaf Sickmann. Reise nach Neuseeland
In: Folker! 04.06., S. 93
(Kurzschluss, daher nicht online)
Korrekturmeldung im folkigen Rundbrief Nr. 2006-21:
Entgegen meiner romantischen Vorstellung in der CD-Rezension von Olaf Sickmanns „Reise nach Neuseeland“ befindet sich zwar das Tonstudio in der erwähnten Mühle, Olaf wohnt dort aber nicht und klimpert auch nicht den ganzen Tag vor sich hin. Und er war tatsächlich in Neuseeland, seine Musik handelt aber nicht von Landschaftsimpressionen, sondern von Begegnungen mit Menschen. Und die CD erschien nicht im Eigenverlag sondern bei Wonderland Records. Letzteres steht leider falsch im Folker!-Heft, aber im Netz (http://www.folker.de/) ist es korrigiert: OLAF SICKMANN: Reise nach Neuseeland (Wonderland Records WR 9034); 12 Tracks, 46:20; 4/2006
Monday, June 05, 2006
Konzertrezension: Drei Geiger unter Euch! Klaus der Geiger, Manni Neumann (Farfarello) und Christoph Broll (Szenario) am 5.6.2006 in der Lutherkirche
Drei Geiger unter Euch! Klaus der Geiger, Manni Neumann (Farfarello) und Christoph Broll (Szenario) am 5.6.2006 in der Lutherkirche in Köln-Nippes (von Gerhard Winter)
Konzertrezension:
von Gerhard Winter:
Am Montag Abend waren Ritsy und ich in einem 1 Euro Konzert in der Lutherkirche in Nippes mit Klaus dem Geiger, Manni Neumann und ein Gitarrist vom Trio Farfarello und Christoph Broll von Szenario. Sie haben fast ausschließlich improvisiert. Klaus den Geiger kannte ich schon und wusste daher, dass der Abend gut wird.
Klaus stimmte das Publikum schon mit seinem unnachahmlichen Lachen und seiner Lebensfreude in den Abend ein. Mit seiner ganzen Art zu geigen und singen ist er ein
Unikum in Köln. Manni Neumann fand ich live zu erleben noch grandioser als auf einer
Schallplatte vom Trio. Sein wildes Temperament gepaart mit einer Konzentrationskraft und einem absolut sauberem Bogenstrich erzeugte eine unglaubliche Spannung in der Kirche. So traten die 'Drei Geiger unter Euch' mit dem Gitarristen von Trio Farfarello in ein temperamentvolles musikalisches Gespräch.
Es gab auch einige Einzelauftritte. Klaus sang eines seiner alten Lieder über die Freiheit.
Christoph Broll trat alleine mit seiner Geige in einen Dialog mit einem ebenfalls von ihm selbst gespielten Klavier. Und Manni brachte als Einlage ein irisch angehauchtes Spiel auf 2 Flöten in
das die anderen dann einstimmten. Auch der Gitarrist überzeugte mit einem 6-saitigem Solo.
Die Idee, nur einen Euro Eintritt zu verlangen, hat Klaus als Protest gegenüber den 1-Euro-Jobs begründet und damit, dass sich auch Arbeitslose Konzerte leisten können. Ritsy und ich waren sehr begeistert von diesem Konzert.
Jetzt ist zufällig eine kleine Konzertbeurteilung entstanden. Wenn Du willst, und wenn Sie passt, kannst Du Sie im Rundbrief verschicken.
Infos im Netz:
http://www.kulturkirche-koeln.de/content/cont_4.php
http://www.klausdergeiger.de/
http://www.farfarello.de/ (funktioniert evtl. nicht)
http://www.szenario.de/
GW
Konzertrezension:
von Gerhard Winter:
Am Montag Abend waren Ritsy und ich in einem 1 Euro Konzert in der Lutherkirche in Nippes mit Klaus dem Geiger, Manni Neumann und ein Gitarrist vom Trio Farfarello und Christoph Broll von Szenario. Sie haben fast ausschließlich improvisiert. Klaus den Geiger kannte ich schon und wusste daher, dass der Abend gut wird.
Klaus stimmte das Publikum schon mit seinem unnachahmlichen Lachen und seiner Lebensfreude in den Abend ein. Mit seiner ganzen Art zu geigen und singen ist er ein
Unikum in Köln. Manni Neumann fand ich live zu erleben noch grandioser als auf einer
Schallplatte vom Trio. Sein wildes Temperament gepaart mit einer Konzentrationskraft und einem absolut sauberem Bogenstrich erzeugte eine unglaubliche Spannung in der Kirche. So traten die 'Drei Geiger unter Euch' mit dem Gitarristen von Trio Farfarello in ein temperamentvolles musikalisches Gespräch.
Es gab auch einige Einzelauftritte. Klaus sang eines seiner alten Lieder über die Freiheit.
Christoph Broll trat alleine mit seiner Geige in einen Dialog mit einem ebenfalls von ihm selbst gespielten Klavier. Und Manni brachte als Einlage ein irisch angehauchtes Spiel auf 2 Flöten in
das die anderen dann einstimmten. Auch der Gitarrist überzeugte mit einem 6-saitigem Solo.
Die Idee, nur einen Euro Eintritt zu verlangen, hat Klaus als Protest gegenüber den 1-Euro-Jobs begründet und damit, dass sich auch Arbeitslose Konzerte leisten können. Ritsy und ich waren sehr begeistert von diesem Konzert.
Jetzt ist zufällig eine kleine Konzertbeurteilung entstanden. Wenn Du willst, und wenn Sie passt, kannst Du Sie im Rundbrief verschicken.
Infos im Netz:
http://www.kulturkirche-koeln.de/content/cont_4.php
http://www.klausdergeiger.de/
http://www.farfarello.de/ (funktioniert evtl. nicht)
http://www.szenario.de/
GW
Sunday, June 04, 2006
Konzertrezension: Duo Sart und Walter Boscheinen am 4.6.2006 in der Kapelle des Katholisch-Sozialen Instituts in Bad Honnef
Duo Sart und Walter Boscheinen am 4.6.2006 in der Kapelle des Katholisch-Sozialen Instituts in Bad Honnef
Am Pfingstsonntagabend wurde in der Kapelle des Katholisch-Sozialen Institutes in Bad Honnef zum einen den Teilnehmern eines Pfingstseminars im Hause, zum anderen uns auswärtigen interessierten Gästen ein poetisch-musikalisches Programm geboten. Für den poetischen Teil sorgte Walter Boscheinen, seines Zeichens Theologe und Mitarbeiter des Instituts, der das genannte Seminar durchführte, für den musikalischen Teil das Duo Sart, bestehend aus Rolf Beydemüller, der Folker!-Leserinnen und -Lesern für seine gitarrenkundigen Texte bekannt ist, und Ernst Nellessen.
Walter Boscheinen trug fünf selbstgeschriebene Gedichte vor, allesamt, passend zum Festtag, mit christlichen Inhalten. Glaube, Liebe und Hoffnung sind den Texten zu entnehmen, aber auch Verantwortungsbewusstsein und der Aufruf zum Engagement in unserer Welt, in der Ungerechtigkeit und Lieblosigkeit so vieles bestimmen. Da heißt es zum Beispiel: „Wer heut noch Jesu Freund will sein / in seinem Alltagsleben / der mischt in unsere Welt sich ein, / ihr Christi Geist zu geben: / Wer heute Christus folgen will / gestalte mit und schweig nicht still.“
Rolf Beydemüller und Ernst Nellessen, ersterer mit zwei verschiedenen Gitarren, zweiterer mir drei verschiedenen Saxophonen und einer Klarinette, spielten zwischen den einzelnen Gedichten eine ruhige, zum Nachdenken oder Träumen einladende Musik, die sich aus diversen ethnischen Traditionen Europas speiste und auch Jazz- und Klassikanklänge aufwies. Die Musik hatte eigentlich gar nichts mit den Gedichten zu tun, war also nicht eigens für diese komponiert, aber verdichtete die Stimmung oder lockerte sie auf, wie man will. Jedenfalls bildeten beide Teile des Programms zusammen mit der fast runden Architektur und der Akustik der Kapelle eine Harmonie.
Petra und ich waren vorneweg noch gewandert von Thomasberg über Kloster Heisterbach nach Königswinter, und waren dann mit der Bahn nach Bad Honnef gefahren, wo wir noch in einem griechischen Restaurant zu Abend gegessen haben. Unter diesen Vorraussetzungen wurden wir bei all den ruhigen Tönen auch ein wenig müde. Schön war es aber dennoch!
http://www.beydemueller.de/
http://www.ksi.de/
MAS
Am Pfingstsonntagabend wurde in der Kapelle des Katholisch-Sozialen Institutes in Bad Honnef zum einen den Teilnehmern eines Pfingstseminars im Hause, zum anderen uns auswärtigen interessierten Gästen ein poetisch-musikalisches Programm geboten. Für den poetischen Teil sorgte Walter Boscheinen, seines Zeichens Theologe und Mitarbeiter des Instituts, der das genannte Seminar durchführte, für den musikalischen Teil das Duo Sart, bestehend aus Rolf Beydemüller, der Folker!-Leserinnen und -Lesern für seine gitarrenkundigen Texte bekannt ist, und Ernst Nellessen.
Walter Boscheinen trug fünf selbstgeschriebene Gedichte vor, allesamt, passend zum Festtag, mit christlichen Inhalten. Glaube, Liebe und Hoffnung sind den Texten zu entnehmen, aber auch Verantwortungsbewusstsein und der Aufruf zum Engagement in unserer Welt, in der Ungerechtigkeit und Lieblosigkeit so vieles bestimmen. Da heißt es zum Beispiel: „Wer heut noch Jesu Freund will sein / in seinem Alltagsleben / der mischt in unsere Welt sich ein, / ihr Christi Geist zu geben: / Wer heute Christus folgen will / gestalte mit und schweig nicht still.“
Rolf Beydemüller und Ernst Nellessen, ersterer mit zwei verschiedenen Gitarren, zweiterer mir drei verschiedenen Saxophonen und einer Klarinette, spielten zwischen den einzelnen Gedichten eine ruhige, zum Nachdenken oder Träumen einladende Musik, die sich aus diversen ethnischen Traditionen Europas speiste und auch Jazz- und Klassikanklänge aufwies. Die Musik hatte eigentlich gar nichts mit den Gedichten zu tun, war also nicht eigens für diese komponiert, aber verdichtete die Stimmung oder lockerte sie auf, wie man will. Jedenfalls bildeten beide Teile des Programms zusammen mit der fast runden Architektur und der Akustik der Kapelle eine Harmonie.
Petra und ich waren vorneweg noch gewandert von Thomasberg über Kloster Heisterbach nach Königswinter, und waren dann mit der Bahn nach Bad Honnef gefahren, wo wir noch in einem griechischen Restaurant zu Abend gegessen haben. Unter diesen Vorraussetzungen wurden wir bei all den ruhigen Tönen auch ein wenig müde. Schön war es aber dennoch!
http://www.beydemueller.de/
http://www.ksi.de/
MAS
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