Saturday, August 11, 2007

Konzertrezension: Keltische Nacht – Oidhche na Gáidhlig am 11.8.2007 auf dem Marktplatz in Bonn

Keltische Nacht – Oidhche na Gáidhlig am 11.8.2007 auf dem Marktplatz in Bonn

Ein schottisch-irisches Konzert mit ethnologischen Qualitäten

Bei diesem vorletzten Konzert des Keltischen Sommers in Bonn durften auch vier unserer Bonner „Kelten“ mitmachen, beziehungsweise einer der beiden, Michael Klevenhaus, Dozent im Haus für Keltische Sprachen und Kulturen, leitete durch den Abend und zeichnete wohl verantwortlich für das ganze Konzept. Verwundert schaute ich zu Beginn auf einen Tisch mit einer krumepligen Tischdecke, der auf der Bühne stand, dessen Sinn aber schnell klar wurde. Eine Gruppe von Frauen und Männern, die ich namentlich nicht vorstellen kann, nahm an diesem Platz und begannen ein taktvollens Lied zu singen, in dessen Rhythmus ... ach nee, das klingt jetzt missverständlich, besser so: sie begannen ein rhythmisches Lied zu singen, in dessen Takt sie die Tischdecke noch weiter verkrumpelten. Ja, klar, es war keine Tischdecke, sondern ein Tweedstoff, und der wurde nicht verkrumpelt, sondern gewalkt, so dass das dazu gesungene Lied ein Waulking Song (nicht „Walking Song“, wie ich bei anderen Rezensionen schon mal schrieb; Warum korrigiert mich eigentlich niemand?). Es war also ein Arbeitslied, welches das stundenlange Weichkneten des Stoffes kurzweiliger, ja erträglicher machen sollte. Nun, bei diesem Konzert waren es nur ein paar Minuten, so dass sie nicht hätten singen müssen. Ach so, darum ging es ja. Desweiteren stand bald der Amerikaner Barneby mit einer Highland Pipe, also einer schottischen Hochlandsackpfeife, oder wem das lieber ist, einem Hochlanddudelsack auf der Bühne und spielte ein Solo, das nicht nur den üblichen Vorstellungen von schottischer Musik entsprach, sondern auch wirklich schön war. Interessanter, da unbekannter, war dann aber das Instrumtent, das Barneby anschließend vorstellte: eine Tripple Pipe. Die bestand aus drei Pfeifenröhren, aber deren zwei aber miteinandner verbunden waren. Dieses Instrument sei in Schottland schon gespielt worden, da habe dort noch keiner den Dudelsack gekannt. Mich erinnerte es aber eher an sardinische Schilfpfeifen, und wie ich gerade bei der Internetrecherche feststelle (Link siehe unten) handelt es sich auf Sardinien und in Schottland um ein ganz ähnliches Instrument, die Launeddas, die dort seit der Brinzezeit gespielt wird. Es hört sich ähnlich an wie eine Schalmei, aber leiser und noch etwas nasaler. Der zweite Bonner Musiker des Abends, wenn auch in Grafschaft wohnend, war Tom Kannmacher, der in die bislang schottische Aufführung einen irischen Beitrag hinein brachte, nämlich mit den Uilleann Pipes, der irischen Ellbogensackpfeife, worauf er Jigs & Reels zu besten gab, dabei auch begleitet von Thoma Zöller wiederum auf der Highland Pipe. Ja, das geht. Dann war da noch das amerikanische Ehepaar Ann und Charly Heymann, das mit Harfe und Zister auch ein paar typische irische Zupfinstrumente vorstellte. Michael Klevenhaus wiederum moderierte nicht nur und erklärte die traditionellen Kontexte, in denen die vorgestellten Musikbeiträge entstanden und tradiert wurden, sondern sang ein paar Lieder in der Sean Nos – Weise, der alten gälischen Art, Lieder ohne jede Instrumentalbegleitung zu singen. Was für’s Auge gab es dann auch noch, als zuerste die beiden Töchter von Ann und Charly, und sodann unsere Bonner Irish Dance-Lehrerinnen Jelena Haramis und Heike Fröhling ein paar Kostproben ihres Steptanzes vorführten. Und ganz am Schluss gab es, wie es sich für ein Festival gehört, eine Session aller Musiker, wenn diese auch nicht saßen, sondern standen, und sie alle zusammen ganen noch einen kräftigen Waulking Sing zu Besten. Tom meinte dann zu mir: „Das haben wir aber verpatzt, hast Du das nicht gehört?“. Ich: „Nee, da wo ich stand, hörte sich das gut an.“ „Dann will ich nichts gesagt haben.“ Und ich sage auch nichts, denn die Ohren eines Musiklehrers sind eben feiner als meine. Ich erinnere mich daran dass er bei einer Session, während sei seine lauten Pipes spielte mal zu mir sagte, meine Tin Whistle, die man neben seinen Pipes kaum hörte, sei einen halben Ton zu hoch. Da sieht oder hört man mal, welche Koryphäen wir hier in Bonn haben!

Im Übrigen war kaum einer der Bonner Folkies, die ich kenne, im Publikum, nur Ellen und Ralf. Na, die andern kennen das sicher schon alles. Zwei Begebenheiten seien noch am Rande erwähnt: Mich fragte ein Mann, ob ich meinen Schottenrock aus Sympathie trage. Es war aber ein Jeansrock, und ich sagte, es sei zwar kein Schottenrock, aber ich sei voller Sympathie. Und ein Junge fragte Barnaby Brown hinter der Bühne: „When you play teh bagpipe, why don’t you wear a kilt?“ Seine Antwort: “Because I am American.” Ja, so hat jeder seine Ansichten. Im Männerrockforum im Internet gabe es letztens eine heftige Diskussion darüber, ob Kilts auch Röcke seien oder was ganz eigenes. Wir kamen zu dem Schluss, es seien ganz besondere Röcke.


Homepages von, Infos und Rezensionen von mir zu den Musikern:

Michael Klevenhaus:
http://www.schottisch-gaelisch.de/
1. Celtic Attractions Festival
Celtic Attractions – 1. Irish/Scottish Folkfestival im Zirkuszelt am 8.4.2005 in Köln-Weiß
http://folktreff-bonn-rhein-sieg-rezensionen.blogspot.com/2005/04/konzertrezension-celtic-attractions-1.html bzw. http://tinyurl.com/85qdj

Barneby Brown:
http://www.dudelsack-akademie.de/brown.html

Ann & Charly Heyman:
http://www.annheymann.com

Tom Kannmacher:
http://www.Kannmachmusik.de
1. Bonner Irish Folk Festival am 20.4.2002 in der Harmonie in Bonn-Endenich
http://folktreff-bonn-rhein-sieg-rezensionen.blogspot.com/2002/04/konzertrezension-1-bonner-irish-folk.html bzw. http://tinyurl.com/8oltl
Weihnachtskonzert „mit Dudelsack und Drehleier“ am 26.12.2004 in der Nachfolge-Christi-Kirche in Bonn-Beuel
http://folktreff-bonn-rhein-sieg-rezensionen.blogspot.com/2004/12/konzertrezension-weihnachtskonzert-mit.html bzw. http://tinyurl.com/clmks
Die Erkelteten und Rolling Wave am 13.4.2005 in der Musikschule Bonn
http://folktreff-bonn-rhein-sieg-rezensionen.blogspot.com/2005/04/konzertrezension-die-erkelteten-und.html bzw. http://tinyurl.com/8oy6w
4. Bonner Irish Folk Festival am 23.4.2005 in der Harmonie in Bonn-Endenich
http://folktreff-bonn-rhein-sieg-rezensionen.blogspot.com/2005/04/konzertrezension-4-bonner-irish-folk.html bzw. http://tinyurl.com/auwdz
Die Erkelteten und Keen on Tunes am 28.3.2006 in der Musikschule Kirschallee in Bonn
http://folktreff-bonn-rhein-sieg-rezensionen.blogspot.com/2006/03/konzertrezension-die-erkelteten-und.html bzw. http://tinyurl.com/jnsoe
5. Bonner Irish Folk Festival am 29.4.2006 in der Harmonie in Bonn-Endenich
http://folktreff-bonn-rhein-sieg-rezensionen.blogspot.com/2006/04/konzertrezension-5-bonner-irish-folk.html bzw. http://tinyurl.com/ftoh5
Bach meets Irish Folk am 3.12.2006 in der Nachfolge-Christi-Kirche in Bonn-Beuel
http://folktreff-bonn-rhein-sieg-rezensionen.blogspot.com/2006/12/konzertrezension-bach-meets-irish-folk.html
Bach meets Celtic am 3.6.2007 in der Nommensens-Kirche in Bonn-Beuel-Pützchen
http://folktreff-bonn-rhein-sieg-rezensionen.blogspot.com/2007/06/konzertrezension-bach-meets-celtic-am.html
CD: The Reel Bach Consort – Bach goes Celtic
(noch nicht im Netz)

Thomas Zöller:
http://www.thomaszoeller.com/

Jelena Haramis & Heike Fröhling:
http://www.schottisch-gaelisch.de/texte/storas/Jelenaheike.html
http://www.lag-tanz-nds.de/2006/16-H3
http://www.irishdancer.de/Deutsch/WERWO/body_werwo.html


Infos zu einigen der erwähnten Musikstile und Instrumente:
Waulking Songs:
http://www.houseofscotland.org/waulking.html
Tripple Pipe:
http://www.triplepipe.net/
Sean Nos:
http://www.folkmusic.net/htmfiles/inart378.htm
(Wer mehr wissen will mag mich fragen oder googeln.)

MAS

Saturday, July 28, 2007

Konzertrezension: Currach am 28.7.2007 auf dem 3. Michel-Fest in Siegburg

Currach am 28.7.2007 auf dem 3. Michel-Fest in Siegburg

Bonner Irish Folk-Band zu Gast in Siegburg

Das Michel-Fest ist zwar nicht nach dem FolkMICHEL, dem einen der beiden Vorläufer des Folker!, benannt, sondern nach dem Michel-Bier, dem Siegburger Kölsch, gebraut vom Siegburger Brauhaus Zum Roten Löwen, das seit einiger Zeit auch als Abteibrauerei firmiert und somit mit der Abtei auf dem Michaelsberg verbandelt ist, woher das Bier und dadurch das Fest ihren Namen haben, aber der Auftritt von Currach könnte schon zu solchen Gedanken führen und tat es bei mir ja auch. Das Wochenende war ja sehr verregnet, aber während des Konzerts schien die Sonne von einem blau-weiß-grauen Himmel auf die Wiese auf halber Höbe des Michaelsberges herab. Ganz oben auf dem Berg gab es auch Programmpunkte des Festes, und auch unten in der Stadt nahe des Brauhauses, aber hier hatte ein Verein von Freunden des Mittelalters einen kleinen Kunst- und Handwerkermarkt organisiert und eine Bühne, auf der es aber keine mittelalterliche, sondern irische Muski zu hören gab, auch wenn sich Ralf, Ellen und Katja ein wenig mittelalterlich gewandet hatten. Ja, sie spielten nur zu dritt, Ralf P. Wackers auf Gitarre, Bouzouki, Mundharmonika, Banjo und Bodhán, sowie mit Hintergrundgesang, Ellen D. Jeikner auf Tin Whistle, Gitarre, Harfe und als Hauptsängerin und Katja Mertens auf der Fiddle und mit Hintergrundgesang, aber es war noch ein vierter Künstler mit auf der Bühne, nämlihc Florian Reiners, nicht als Musiker, sondern als Geschichtenerzähler, story teller, doch eines nach dem anderen.

Ellen begann den Gig mit einer traumhaft melancholischen Air auf der Whistle, woraus sich ein Jig entwickelte, in den die beiden anderen einstiegen. Dann folgten Lieder und Tunes in schöner, kurzweiliger Abwechlsung, das Publikum lauschte andächtig oder wippte fröhlich im Takt mit, und genoss Michel oder andere Getränke. Florian erzählte zwischendurch als Fortsetzungsgeschichte, also immer wieder von Musik unterbrochen, die Geschichte von ... – hups, wie hießen die Typen noch mal? – jedenfalls von einem Wettrennen zwischen einem starken Burschen und einem schmächtigen Bettler, der aber aufgrund seiner Zauberkräfte ... ach das verrate ich lieber nicht, besucht lieber selber mal ein solches Konzert mit story teller. Ellen hatte die Geschichte aus dem Englischen übersetzt, wenngleich sie aus einer Zeit stammt, da in Irland noch niemand englisch sprach, ja, in der noch nicht mal der heilige Patrick die Gestaden der Insel betreten hatte. Florian, ein gelernter Schauspieler, erzählte mit verstellten Stimmen, so dass es leicht fiel, sich nach Phantásien zu begeben und sich die grüne Wiese am Hang des Michaelsberges als irische Landschaft vorzustellen und die auf selbiger tolenden Kinder als die beiden Wettläufer. Die drei Musiker(innen) sorgten auch immer wieder für einen passenden Soundtrack. Matthias Mertens am Mischpult spielte hin und wieder ein wenig heftig an den Knöpfen, worauf die Aufmerksamkeit der Zuhörer, die sich doch eher ihrem Tischnachbarn zugewandt hatten, wieder erschrocken der Bühne zuwandte. Und noch ein kleines Manko sei erwähnt: Die Polkas könnten sie ein wenig schneller spielen. So, das waren die beiden Haare in der ansonsten sehr schmackhaften Suppe, die ich mir gerne noch öfter bestelle. Never tire of Currach!

Frühere Rezis zur Currach von mir:
Konzert: 1. Celtic Attractions Festival
Celtic Attractions – 1. Irish/Scottish Folkfestival im Zirkuszelt am 8.4.2005 in Köln-Weiß
http://folktreff-bonn-rhein-sieg-rezensionen.blogspot.com/2005/04/konzertrezension-celtic-attractions-1.html bzw. http://tinyurl.com/85qdj
CD: Currach. Farewell to Old Ireland
In: Folker! 06.06, S. 79.
online: http://www.folker.de/200606/rezi-d.htm#05
und: http://folktreff-bonn-rhein-sieg-rezensionen.blogspot.com/2006/11/cd-rezensionen-fr-den-folker-0606.html
und länger hier:
http://folktreff-bonn-rhein-sieg-rezensionen.blogspot.com/2006/10/cd-rezension-currach-farewell-to-old.html

MAS

Thursday, July 26, 2007

Konzertrezension: Funxion am 25.7.2007 im Parkrestaurent Rheinaue in Bonn

Funxion am 25.7.2007 im Parkrestaurent Rheinaue in Bonn

Nein, das ist eigentlich keine Rezension, sondern nur eine Notiz. Gestern waren Petra und ich mal in den Rheinauen beim Sommerfestival im Biergarten des Parkrestaurents Rheinauen. Dort spielte eine neunköpfige Combo guten Funk & Soul. Es waren eine Sängerin (Svenja Schmidt), ein Sänger (Ralf Alreuther), ein E-Gitarrist (Oliver Stark), ein E-Bassist (Roman Fuchß), ein Schlagzeuger (Garbit Langosch), ein Keyboarder (Gregor Szopa), ein Trompeter (Claus Thormälen) und zwei Sayophonisten (Lothar Paul und Luc Rod). Petra, deren Musikstil es ja eher ist als der Folk, den ich sonst so gerne höre, meinte, die seien nicht so gut wie Souled Out, aber mir gefielen die Bläsereinsätze, die oft aus kurzen, trockenen Trompeten- oder Saxophonstößen bestanden (Souled Out haben keine Bläser) und das wirklich groovige, oft leicht versetze, mit langen und kurzen Takten abwechselnde Rhythmusspiel von Schlagzeug und Bass sehr gut. Zwischendurch sangen zwei Kinder „Alle meine Entchen“ mit Begleitung der Band. Köstlich! Leider war die Akustik an unserm Platz nicht sehr gut und das Publikum schwätzte munter drauf los. Die Ansagen verstanden wir fast gar nicht. Aber es kostet keinen Eintritt, wofür das Bier mit 3,40 € für 0,4 l Sion Kölsch oder Radeberger Pilsner oder noch etwas mehr für eine Hofbräu Hefeweiße etwas teuerer als normal ist.
Und traf ich wen aus der Bonner Folkszene? Ja, Keth war da, und wir fuhren zusammen mit der Bahn zurück.

Funxion:
http://www.funxion-liveband.de/
Parkrestaurant Rheinaue:
http://www.rheinaue.de/

MAS

CD-Rezension: The Reel Bach Consort – Bach goes Celtic

The Reel Bach Consort – Bach goes Celtic

Eigenverlag 2007, http://www.kannmachmusik.de/
14 Tracks, 40:09, mit ausführlichen deutschen Infos und Foto

Nun haben sie eine CD draußen, unsere Bonner Experimentalisten, die deutsche Barockmusik, vornehmlich von Johann Sebastian Bach (1685-1750) mit Irish Folk zu verbinden suchen und selbiges auch gekonnt bewerkstelligen und die sich nun The Reel Bach Consort nennen. Irish Traditionals oder das Concerto vom Turlough O’Carolan (1670- 1738) werden mit Stücken aus dem Bachwerkeverzeichnis BWV zu Sets kombiniert, aber auch Bach selber widmete ein Stück Irland, das er wohl damit zu erwecken hoffte (Ja, schlief es denn, oder war Bach etwa ein Rebell und sein Stück somit ein Rebel Song?) Tom Kannmachers und Alexanders Mays Uilleann Pipes und Hubert Arnolds Cembalo bilden schon ein merk-würdiges Gespann, was nicht negativ gemeint sind, sondern besagt, dass man es sich merken sollte. Tom und Näx holen aus den Pipes raus, was irgend geht, um zum Beispiel ein Gavotte zu spielen, Julian Goertz’ Bodhrán gibt einer Bourée einen wilden Rhythmus. Die Bach’schen Stücke werden auf diese Weise ein wenig vom höfischen Zeremoniell zurück geholt auf den Dorfplatz. Teilweise erinnert mich ihr Spiel an die Chieftains, die ja auch eine Art traditionell irischer Kammermusik aufführten.

Wer also meine beiden Konzertrezis gelesen hat und noch nicht die Kurve kriegte, ein Bach meet Celtic-Konzert zu besuchen, der greife beherzt zu dieser Scheibe, die eine Live-Aufzeichnung ist, wie ich dem einen oder anderen Huster aus dem Publikum entnehmen kann. Bach und O’Carolan würden sich freuen, denke ich, oder vielleicht sitzen sie auch gerade in einem himmlischen Pub zusammen und freuen sich tatsächlich.

Die Musiker(innen) sind:
Hubert Arnold: Akkordeon, Cembalo, Orgel
Tom Kannmacher: Uilleann Pipes, Flute
Alexander may: Uilleann Pipes, Flute, Tin Whistle
Matthias Höhn: Bouzouki, Mandoline, Gitarre
Anne Lück: Harfe
Heike Kosmider: Fiddle, Vocals
Julian Goertz: Bodhrán, Spoons, Gitarre

Trackliste:
1. The Battle of Aughrim / Return from Fingal (Trad.)
2. Wake Ireland, awake! (BWV 645)
3. Marche (V Anh. 126) / Carolan’s Concerto
International Suite No 1:
4. Allemande (BWV 816)
5. Sarabande (BWV 816)
6. Gavotte (BWV 811/ BWV 808)
7. Bourée (BWV 820)
8. Gigue (Kesh Jig, Gigue BWV 816, Haste of Wedding)
9. The Wise Musette (Musette BWV Anh. 126 / The Wise Maid)
10. Major Minuets (BWV Anh. 114, The Munster Cloak, BWV Anh. 116, Si Bheag Si Mhore, The Disty Miller II)
11. Gavotte 1012 (BWV 1012, Quodlibet: Musette BWV Anh. 126)
12. Minor Minuet (BWV Anh. 114 / Eleanor Plunkett / Comb your Hair and Curl it)
13. My Llittle Bourée (Song: “My little Boat” / Bourée MWV 996)
14. Finale (George Brabazon / Carolan’s Draught/ Wir gehn nun, wo der Tudelsack in unsrer Schenke brummt BWV 212,14)

Meine bisherigen Rezensionen dieses Projektes (auch, weil ich mich bei der CD-Rezi nicht unnötig wiederholen wollte):
Bach meets Irish Folk am 3.12.2006 in der Nachfolge-Christi-Kirche in Bonn-Beuel
http://folktreff-bonn-rhein-sieg-rezensionen.blogspot.com/2006/12/konzertrezension-bach-meets-irish-folk.html
Bach meets Celtic am 3.6.2007 in der Nommensens-Kirche in Bonn-Beuel-Pützchen
(bisher noch nicht im Netz)

Im Zusammenhang von Irish Folk und Barock vielleicht auch interessant:
Pure Irish Drops am 8.10.2005 in der Brotfabrik in Bonn-Beuel
http://folktreff-bonn-rhein-sieg-rezensionen.blogspot.com/2005/10/konzertrezension-pure-irish-drops-in.html bzw. http://tinyurl.com/csqne

MAS

CD-Rezension: Trio Manfred Ulrich. Hallo Freunde. Volkslieder pur

Trio Manfred Ulrich. Hallo Freunde. Volkslieder pur

Musikverlag Eifelkrone 2007, http://www.manfred-ulrich.net
12 Tracks, 60:15 mit deutschen Texten, Infos und Fotos

Ja, jetzt haben wir hier mal echte deutsche Volksmusik vorliegen, ohne das jetzt musikwissenschaftlich diskutieren zu wollen, was das denn ist und ob das überhaupt gibt. Es geht um traditionelle Lieder und um Eigenkompositionen und -dichtungen im Stile derselben, aber auch (eingedeutscht) ein französisches Volks- und ein italienisches Partisanenlied. Es ist Manfred Ulrichs Anliegen, seinen Zuhörern den Zugang zu echter, unverfälschter traditioneller deutscher Volksmusik zu erleichtern. Das machen er und seine Mitstreiter Thomas Kagermann, der dereinst Fiedel Michel mitbegründete, und Wolfram Cramer von Clausbruch bei Liveauftritten rein akustisch, sogar ohne Mikrophon. Ohne ein solches kamen sie für die Aufnahme der CD freilich nicht aus, genau so wenig, wie ich ohne Lautsprecher auskomme, wenn ich sie hören will. Solche Kompromisse muss man schon eingehen. Ulrich singt die Lieder in guter alter Bänkelsängermanier, schlicht, ohne viel Schnörkel, hier und da aber auch an volkstümliche Stars wie Ronny und Heino erinnernd, was ja rein gesangsmäßig kein Manko ist. Dank Thomas’ Geige oder Mandoline und Wolframs Akkordeon oder Bouzouki klingt die Instrumentbegleitung recht abwechslungsreich, bisweilen auch vielstimmig. Da sind Einflüsse von Bluegrass, Klezmer, Musette, Dixieland zu hören, und eigentlich ist es das, was vielen volkstümlichen Interpretationen des traditionellen Liedgutes oft fehlt. Ohne das wäre es hier und da doch ein wenig langweilig. So aber ist es eine fröhliche Musik auf dieser Scheibe, empfehlenswert auf jeden Fall für Freunde des besagten Liedgutes, denen Ronny zu langweilig und Achim Reichel zu rockig ist.

Die Musiker sind:
Manfred Ulrich: Gesang, Gitarre, Mundharmonika (Kärtnerland Harmonika)
Thomas Kagermann: Gesang, Geige, Mandoline, Flöte, Gitarre, Tasteninstrumente
Wolfram Cramer von Clausbruch: Gesang, Gitarre, Akkordeon, Bouzouki, Perkussion, Bass

Trackliste:
Jetzt kommen die lustigen Tage
Der Krauter zu Frankfurt
Oh Mariechen
Bella Ciao
Hallo Freunde
Die Krone in der Kapelle zu Niederkail
Scholaren auf Reisen
Sascha
So wie wir beide
Adam und Eva
Abschied
Abends im Tal

Thomas Kagermann hat auch eine einen Seite im Netz:
http://www.kagermann.com/

MAS

CD-Rezension: Finsbury Park. fading

Finsbury Park. fading

Eigenverlag 2007, http://www.finsbury-park.de
13 Tracks, 58:18 mit englischen Texten, Infos und Fotos

Folk ist ein weites Feld, sogar die Sparte Irish Folk lässt vieles zu. So kann man auch bei dieser CD des Kölner Trios Finsbury Park dem kleingedruckten Hinweis auf der Rückseite der Hülle folgen: file under: folk. Aber vielleicht ist es doch eher Pop; oder eben Folk Pop. Ja, in diese Schublade passen die 13 fast ausnahmslos von den Musikern selbst geschriebenen Stücke, die sich zum Teil am Irish Folk orientieren, aber ansonsten ganz frei mit den Stilelementen umgehen und dabei in ruhigen Rhythmen und getragenem Gesang dahin treiben. Ines Caffiers Gesang dominiert vor einem Klangteppich von E-Gitarren, Elektronik und Schlagzeug. Mich erinnert einiges an Filmmusik aus den 1980ern, etwa von „Patrick Pacard“ oder „Oliver Maas“, gerade das Titellied „Fading“ hat aber auch was von Gothic, und so wäre die CD vielleicht ja auch was für Antichrisis-Fans, vielleicht. Auch wer Sperris & Wicca mag, wird Gefallen an dieser CD finden. Sie ist vor allem sehr verträumt, was auch für die Texte gilt und für die schönen Naturfotos im Büchlein. Mir persönlich fehlt etwas der Drive, auch bei „Farewall To Ireland“ das eher so dahin plätschert, während der „Monaghan’s Jig“ mit etwas Orient- und Mittelalter-Rock-Flair sehr interessant klingt. Aber ich bin nicht das Maß aller Dinge. Meine siebenjährige Großnichte Sarah zum Beispiel, der ich eine meiner beiden CDs schenkte (ich erhielt zwei, da ich auch für den Folker! eine Rezi schreiben soll) war ganz hin und weg und hörte sich die Scheibe immer wieder von vorne an. Und da meinte meine Schwester, Sarahs Oma, ich solle ihr doch nicht immer so Musik schenken, die sei doch nichts für Kinder, ich hätte sie in dem Alter auch nicht gehört. Ich entgegnete, ich hätte auch keinen Onkel gehabt, der mich da heran geführt hätte. Nun ja, meine liebe Schwester hört immer Schlager und behauptete felsenfest, es gebe kein mallorcinische Volksmusik, nur weil sie solche in den Strandrestaurants in Palma de Mallorca nie gehört hat. Und Sarah, die ich frug, was ihr denn an dieser CD so besonders gut gefalle, erklärte: „Sie ist einfach schön!“

Die Musiker(innen) sind:
Ines Caffier: Vocals & Flutes
Volker Hauswald : Electric & Acoustic Guitars, Mandolin, Dobro, Percussion, Backing Vocals
Volker Müller: Akkordeon, Keyboards, Samples & Programing, Reed Organ, Percussion, backing Vocals
Und als Gäste:
Stefan Neldner: Frettless Bass
Christian Saettele: Clarinet
Andreas Lasonczyk: Percussion
Melanie Pickhard: Violin

Trackliste:
Semi-Cowgirl
Cuja
Fading
Morning Dew
Sweet Sir Galahad
The World Can Wait
Farewell To Ireland
Hills Of Clare
The Flower Of Magherallyo
Emma’s Garden
Goodbye
Monaghan’s Jig
Silly Dream

Anschließend gibt es noch einen Hidden Track, ein fröhliches, schwungvolles countryähnliches Lied namens “It’s a sunny day“, das mir wirklich gut gefällt!

MAS

Saturday, July 14, 2007

Konzertrezension: Urban Trad am 14.7.2007 auf dem Marktplatz in Bonn

Urban Trad am 14.7.2007 auf dem Marktplatz in Bonn

Das dritte keltische Konzert des diesjährigen Bonner Sommers, der seinen Keltenschwerpunkt wegen des derzeit in Bonn stattfindenden Keltologenkongresses erhielt, bestritt eine Band, die keine keltische Folkband im strengen Sinne ist, also weder aus einem heute keltischen Land stammt, noch sich ausschließlich oder auch nur schwerpunktmäßig der keltischen Musik verschrieben hat, aber die dennoch einen unverkennbaren Einfluss der keltischen Musik unterliegt. Es handelte sich um Urban Trad aus Belgien, und ja, die Belger waren Kelten, aber das ist lange her.

Der eigentliche Grund, Urban Trad zu buchen ist wohl in deren 2. Platz beim European Song Contest 2003 zu suchen. Das hatte mich damals sehr gefreut, dass eine Folkband bei diesem Schlagerwettbewerb so gut abschnitt. Umso enttäuschender war, dass Dervish, die dieses Jahr für Irland antraten, keinen einzigen Punkt erlangten. Ich hörte dazu verschiedene Meinungen, habe ihren Beitrag aber selber nicht gehört, und will dazu auch nicht mehr schreiben.

Der Marktplatz war kurz vor 20 Uhr bei weitem noch nicht so voll wie zur gleichen Uhrzeit vor dem Capercaillie-Konzert. Ist Capercaillie doch noch bekannter, auch beim „normalen“ Publikum, also nicht nur bei den Folkies? Aber auch bei Urban Trad füllte er sich schnell, nachdem sie erst mal angefangen hatten. Auch Bonner und Kölner Folkies waren dabei, wenn auch weniger als bei Capercaillie. Bijan war da, Till auch, und auch Ralf & Ellen.

Und wer war auf der Bühne: Aus Zuschauerperspektive stand zunächst links Dirk Naessens aus Leuven (Violine), Philip Masure aus Schoten (Gitarre), Yves Barbieux aus Gossellies (Blockflöte, Tin & Low Whistle, Sackpfeife, Bandleader), Sophie Cavez aus Woluwé (Diatonisches Akkordeon), dahinter von rechts nach links Cédric Waterschoot aus Elsene (E-Bass) und Michel Morvan aus Brüssel (Schlagzeug). Nach einem Instrumental traten noch Véronica Codesal aus Uccle und Soetkin Collier aus Beveren-Waas, die beiden Sängerinnen der Band hinzu. Außerdem gab es noch einen Musiker am Computer, der den eine oder anderen Rhythmus elektronisch beisteuerte. Das ging ordentlich ab, heftig, kräftig, groovig, folkig, poppig, etwas jazzig, und sich aus allerlei europäischen Musiktraditionen speisend, natürlich der irischen und schottischen, und auch der flämischen, wallonischen und französischen, der bretonischen, der galizischen, dann auch der bulgarischen, mazedonischen, ukrainischen, dass alles mal ordentlich von einander getrennt, mal in ungebremster Fusionsfreude. Die beiden Damen sangen auf Französisch, Englisch und in der Phantasiesprache, mit der sie besagten zweiten Platz des ESC gewonnen hatten, wobei das Lied „Sanomi“, das ihnen den Preis bescherte, in der Zugabe dran kam.

Sie verbreiteten eine ausgezeichnete und mitreißende Partylaune. Yves, Sophie und Dirk waren sehr gut auf ihren Instrumenten, sofern man das hören konnte, Philip und Cédric sicher auch, und die beiden Sängerinnen waren auch nicht ohne, aber leider leider übertönte nicht selten das Schlagzeug alles mit seinem dumpfen Rhythmus. Das war nicht schlecht, aber einfach viel zu laut im Vergleich zu den anderen Instrumenten. Und zu dumpf, zu schlagermäßig. Dass auch elektronischer Rhythmus zum Tragen kam, sei verziehen, wenngleich ich das bei Folk nicht sehr mag. Aber selbst Garmana erlebte ich mal darauf zurück greifend. Die Perfomance war profimäßig, vielleicht daher aber auch ein wenig zu showmäßig. Das sind so die kleinen Haare in der Suppe, die aber doch ganz gut schmeckte. Die Musik von Urban Trad ist meines Erachtens absolut massentauglich und kann Folkies, Schlagerfreunde, Volkstümliche und generell das partysüchtige Volk erreichen (Ferdi war außer Rand und Band), ähnlich wie DJ Ötzi oder die Zillertaler Schürzenjäger, aber doch zehnmal besser. Ich kann mir vorstellen, dass sie auf ihre Weise Leuten den Geschmack am Folk nahe bringen, denen der Einstieg zum Beispiel über Capercaillie zu schwierig wäre und die sonst schwerlich mit Folk in Berührung kämen. Ja, lasst Urban Trad das Musikantenstadl oder die Arena in Palma de Mallorca stürmen und erobern! Den Erfolg wünsche ich ihnen! Und nach Bonn können sie auch gerne wieder kommen, ich höre sie mir gerne wieder an.

Was Ferdi und mich auch besonders freute war, dass Cédric einen Rock trug, wenn auch unsommerlich einen langen schwarz-grünen. Damit zeigte er, dass er emanzipiert ist, und hoffentlich gucken sich das wieder mal ein paar Männer mehr ab. Es wird doch wirklich langsam Zeit, dass wir Männer uns vom Hosenzwang befreien, und zwar nicht nur Ferdi und ich und eine recht überschaubare Anzahl von Männerockbewegten, sondern generell!


Urban Trad:
http://www.urbantrad.com/
http://de.wikipedia.org/wiki/Urban_Trad
http://www.folker.de/200603/20urbantrad.htm

Bonner Sommer:
http://www.bonn.de/tourismus_kultur_sport_freizeit/bonn_ist_kultur/bonner_sommer/?lang=de

Keltologen-Kongress:
http://www.celtic-congress-2007.com/
http://www.kultur-in-bonn.de/nc/nachrichten/archiv/anzeige/article/1184495934.html


MAS

Saturday, July 07, 2007

17. TFF Rudolstadt 6.- 8.7.2007 – Eindrücke

17. TFF Rudolstadt 6.- 8.7.2007 – Eindrücke

Das TFF, also das Tanz & Folk Fest in Rudolstadt steht seit Jahren ganz fest in meinem Kalender, und nun zum dritten Mal besuchte ich es nicht nur als Musikfreund, sondern auch als Journalist für den Folker! und den folkigen Rundbrief. Meine journalistische Tätigkeit beschränkte sich nun aber in erster Linie auf das Fotografieren, denn zusätzlich zu der üblichen Doppelseite mit Fotos vom TFF, sollen künftig auf der Folker!-Homepage noch mehr Fotos veröffentlicht werden. Und wenn ich dann ein paar Lichtbilder dabei habe, die unserem Bildredakteur Ingo Nordhofen gut genug dünken, wird man sie demnächst irgendwann online begutachten können. Interviewaufträge hatte ich sonst keine, sperrte aber trotzdem nicht nur meine Augen, sondern auch meine Ohren weit auf, um zumindest im folkigen Rundbrief ein wenig von dem Fest berichten zu können. Anders als im letzten Jahr gehe ich jetzt nicht themenmäßig, sondern chronologisch vor.

Ankunft am Samstag und eine nicht offizielle Reggae-Band

Ich bin ja immer nur am Samstag und Sonntag vor Ort, so dass ich vom Freitag oder gar vom Sonderkonzert am Donnerstag nichts berichten kann. Aber am Samstag von 10 bis 23 Uhr und am Sonntag von 11 bis 23 Uhr war ich dort und bekam schon einiges mit von dem, was 125 Solisten, Ensembles, Band mit 1091 Musiker aus 29 Ländern bei 245 Auftritten auf 26 Bühnen darboten. Petra und ich übernachten ja immer bei unserm Freund Lothar in Suhl, was auch noch eine Autostunde entfernt liegt. Gerde rechtzeitg kam ich am Samstagmorgen zu Folker!-Mitarbeitertreffen, und konnte mich danach in den Musikgenuss stürzen. Den ersten Musikkontakt hatten wir mit einer Reggae-Band, die vor dem Kino außerhalb des eigentlichen Festivalgeländes spielte und gar nicht im Programm stand. U-Free hieß sie, spielte flott und rhythmisch, auch mit Trompete und Saxophon ein wenig jazzig, und zudem sehr laut.

Mein Höhepunkt direkt am Anfang – Alkinoos Ioannidis aus Zypern

Wir mussten erst noch die vorbestellten Karten in Armbändchen umtauschen und ich meinen Presseanstecker besorgen, spinxten mal kurz in den Tanzworkshop im Stadthaus, zu dem Tants in gartn eydn aufspielte, wobei es aber sehr stark nach dem Schweiß der Tänzerinnen und Tänzer roch, dann passierten wir die Absperrung in den Innenstadtbereich, passierten einige Straßenmusiker und den Marktplatz, auf dem gerade die Brassberries aus England spielten, stoppten kurz am Folker!-Stand, wo uns Lutz einen der Werbe-Luftballons mit der Aufschrift „Folker! liebt Dich“ mitgab, der kurz darauf als Folge der sich im Sonnenlicht ausdehenden Luft zerplatzte, und stiegen hinauf zur Heidecksburg, um einen zypriothischen Liedermacher zu hören, auf den ich durch die Sonder-Klingende Post von Old Songs New Songs aufmerksam geworden war. Und ja, dieser junge Bursche mit seinen drei Mitstreitern (ich lasse Aufzählung von Bandmitgliedern in diesem Bericht mal weg, aber wer sie haben möchte, mag mich fragen, sie stehen nämlich im Programmheft) bot eine Musik mit Gitarre, Laute, Cello, Perkussion, Keyboard, Bass und vor allem Stimme, die mich total begeisterte. Es waren teils traditionelle, teils eigene zypriotische und griechische Lieder mit allerlei mediterranen und orientalischen Einflüssen, mit Polyphonien, mit Satzgesang, mit viel- und mehrschichtigen Einsätzen der Instrumente: da war es gar nicht nötig, auch noch die Texte zu verstehen, um das genießen zu können. Die Moderatorin hatte gesagt, Alkinoos Ionannidis gebe keine Interviews und mache keine Werbung und habe erst durch sie erfahren, dass seine Fans eine Fanhomepage ins Netzt gestellt haben. Ich fragte ihn aber lieber selber mal, und nein, er habe schon viele Interviews gegeben, aber ja, er meine, es sei nicht notwendig, auf diese Art Werbung für sich zu machen, die mache er lieber nur durch die Musik, und die habe ihm auch schon Platin eingebracht. Die meisten seiner Fans lebten in Griechenland und auf Zypern, wo man auch seine Texte verstehe, aber er habe auch Fans in USA, und englische Übersetzungen der Texte wolle er auch mal ins Netz stellen, wobei es auch Deutsche gebe, die extra griechisch lernten, um seine Texte zu verstehen. Das liest sich hier jetzt so, als habe er von einem hohen Ross zu mir herab gesprochen, aber nein, er war sehr freundlich und offen.

Pause auf der Burgterasse mit Dziuks Küche im Hintergrund

Vom Innenhof der Heidecksburg mit der großen Bühne sind es nur ein paar Meter hinunter zur Burgterrasse. Dort spielte Danny Dziuk mit seiner Band Dziuks Küche eine Art deutschen Folkrock mit humorvollen Texten. Doch waren die Wiese vor der Bühne und die nun der Bühne gegenüber statt wie bisher an der Wiesenseite aufgebaute Tribüne proppevoll, so dass wir nur noch hinter der Tribüne Platz für unsere Faltstühle fanden, und da war die Akustik so schlecht, dass wir von den Texten nichts verstanden und auch die Musik nicht richtig mit bekamen. Aber es gab Thüringer Bratwürste und Apoldaer Glocken-Pils (auf der Burgterrasse ist der einzige Bierausschank, bei dem es kein Köstritzer gibt, wobei mit das Köstritzer Edel-Pils eigentlich doch besser schmeckt, da es nicht so bitter ist, aber so zur Bratwurst ist mit das etwas bitterere Apoldaer auch recht), zudem den Blick über die Stadt, von woher zwei, drei andere Konzerte herauf schallten, dann kam noch Folker!-Kollegin Sabine Froese mit ihrem Mann vorbei und wir tauschten Erfahrungen und Meinungen aus, und bald hieß es weiter gehen, zum nächsten Konzert.

Vertreter des ursprünglich geplanten Länderschwerpunkts Tansania – das Mlimani Park Orchestra

Das fand wieder auf der Bühne im Burghof statt. Gut, dass die Bühne wirklich groß ist, denn das Mlimani Park Orchestra spielte mit elf Leuten, und das ist nur die Sparbesetzung. Ursprünglich war ja Tansania als Länderschwerpunkt für dieses TFF geplant gewesen, aber es war wohl zu schwierig, genug Musiker von dort zu organisieren, so dass nun die USA den Schwerpunkt bildeten. Drei Sänger, etliche Perkussionisten und Gitarristen, ein Trompeter, ein Saxophonist spielten zum Tanzen auf. Man konnte aber auch sitzen bleiben, was wir auch taten, und während diese ungemein rhythmische und melodiöse, aber nicht sehr abwechslungsreiche Musik auf mich einwirkte, entspannte ich mich total und schlief ein, zwar nur ganz kurz, aber hinterher war ich wieder voll frisch und genoss die Musik weiter und konnte nicht aufhören, mitzuwippen. Es gibt meines Erachtens keine Musik, die so eine fröhliche und entspannende Wirkung zugleich hat wie afrikanische Musik in ihrer Mischung aus Traditioneller Musik, Pop und Jazz.

Navajo Punk: Blackfire

Durch eine Bemerkung Michael Kleffs neugierig geworden, wollten wir uns anschließend Blackfire anhören, wozu wir in den Heinepark mussten, also runter von der Burg, quer durch die Innenstadt, hinüber auf die andere Seite der Saale, an deren grünem Strande besagter Park liegt, der mit großer Bühne, Tanzzelt und Konzertzelt nebst Kinderspielplatz auch immer ein wichtiger Veranstaltungsort beim TFF ist. Unterwegs trafen wir Bijan beim Tanzzelt; wo sonst? Aus dem Konzertzelt dröhnte uns eine Musik entgegen, die ich als Heavy metal, Punk oder sonst was eingestuft hätte, niemals aber als Musik der Navajo. Aber doch, es war welche, erstgenanntes aber auch. Die drei Geschwister Klee, Jenenda und Clyson Benally gaben auf E-Gitarre, E-Bass und Schlagzeug und mit Gesang eine Metal- oder Punk-Musik zum Besten, bei der ich mir Typen wie ZZ Top vorgestellt hätte, aber es waren tatsächlich Navavo, ohne Bärte, aber mit langen Haaren. Wie kann so ein schlanker Bursche wie Klee so eine tiefe, röhrende Stimme haben? Die Ansagen zwischendurch wiesen auf die Benachteiligung der Indianer in den USA, auf die Zerstörung der Wildnis, auf Krieg und Terror überall auf der Welt und die Notwenigkeit der Solidarität aller fried- und naturliebenden Menschen hin. Aus der Musik konnte ich solche Themen nicht heraushören. Und dann kam doch noch etwas He-ya-ya-Gesang, wie man ihn sich vorstellt.

Ruth-Preisverleihung an Etta Scollo, Mike Kamp, Charlie Mariano und Achim Reichel

Und wieder ging es hinauf auf die Burg. Wie üblich, gab es dort nun am Samstagabend die Verleihung der Ruth, des Deutschen Weltmusikpreises. Wie schon anlässlich der 2005er Ruth-Verleihung erwähnt, ist Folk jetzt in „Weltmusik“ integriert, auch wenn eingefleischte Folkies das bedauern. Aber gerade die diesjährige Verleihung dürfte Folkies wieder versöhnen, denn zumindest zwei der vier Preisträger sind eindeutig Folkies und keine Welties oder integrieren letzteres in ersteres. Im Übringen gab es dieses Mal keine Newcomer-Ruth, da der neue Wettbewerb Creole dieser irgendwie das Wasser abgrub, aber es gab eine Globale und eine Deutsche Rurth und zwei Ehrenruths.
Die Globale Ruth ging an die in Deutschland und Italien aufgewachsene Sizilianerin Etta Scollo, die eine jazzbeeinflusste Version traditioneller sizilianischer Musik mit Gesang, Streichern, Mandoline, Rahmentrommeln und singender Säge zum Besten gab, natürlich das alles nicht alleine, sondern unterstützt durch drei Mitmusiker. Auf diese Weise rettet sie eine alte, bäuerliche Musiktradition, ohne sie zu viel zu verändern, in die Moderne.
Die erste Ehrenruth ging an Mike Kamp für seine musikjournalistische Arbeit seit 30 Jahren. Er begründete den Folk-Michel und gibt nun seit 1998 den Folker! mit heraus. In seiner Bescheidenheit lehnte Mike es ab, im Folker! selbst gefeiert zu werden, aber wir Mitarbeiter ließen wir ihm zu Ehren (und zu Werbezwecken) schon erwähnte Luftballons vor der Bühne in den Abendhimmel steigen. Das rührte ihn dann doch. Und es platzte (fast) keiner!
Die zweite Ehrenruth ging an den amerikanisch-deutschen Saxophonisten Charlie Mariano für sein Lebenswerk. Zusammen mit Musiker(inne)n aus Südindien bot er uns eine Mischung aus traditionell indischer Musik auf diversen Trommeln, Mridangam und Gesang und Jazz auf dem Saxophon. Ich hätte kaum gedacht, dass das geht und sich auch noch so gut anhört.
Die Deutsche Ruth ging an Achim Reichel für seine „Volxlieder“. Der Hamburger Folkrocker sang auf seine rockige Weise eigene und alte deutsche Volkslieder. Dabei erinnerte er mich mal an Hans Albers, mal an Shane McGowan von den Pogues, und auch die Instrumentalbegleitung mit Gitarren, Geige, Akkordeon, Schlagzeug, Mandoline, diversen Whisltles und Flöten war sehr irisch beeinflusst, zum Teil aber auch bluegrassig und countryähnlich. Das war echt mitreißend, zu erleben, wie er bekannte Lieder, ein wenig verfremdet, aber gut erkennbar präsentierte. Und wo erlebt man es sonst, dass in der ersten Reihe stehende Männer mit tätowierten Oberarmen und Piratenkopftuch auf dem Schädel „Der Mond ist aufgegangen“ mitsingen?
Ich möchte extra auch mal den Multiinstrumentalisten Frank Wulf erwähnen, der sowohl Etta Scollo, als auch Achim Reichel auf Gitarre, Mandoline, Tin Whisles, singender Säge und anderen Instrumenten begleitete. Hut ab!

Tagesabschluss mit Nathan & The Zydeco Cha Chas

Nach so einem Konzert kann man ja schlecht schon in die Heia gehen, sondern braucht noch was zum Nachtisch. Auf der total überfüllten Burgterrasse spielte noch Nathan Williams aus Lousiana mit seiner Band heiße Zydeco-Musik, die zum Runterkommen eigentlich nicht geeignet war, sondern nur noch mehr anheizte. Wir standen auf dem Abgang zur Burgterrasse und schauten von oben auf die Bühne und konnten kaum still stehen, so jagten uns die Two Steps und dergleichen in die Beine. Nathan mit einem riesigen weißen Akkordeon und Gesang, Mark William mit dem Waschbrett, zwei weitere Brüder und noch zwei Musiker mit Gitarre, Keyboard, Schlagzeug und Bass holten die Swamps nach Rudolstadt. Was nun aber der Unterschied zwischen Zydeco und Cajun ist, ob es an der schwarzen Hautfarbe der Zydeco-Musiker liegt oder woran sonst, dass das hier nicht „Cajun“ hieß, dass muss ich noch heraus finden. Vielleicht frage ich mal Rainer Zellner, ihren Tourmanager, der mich ja auch in Bonn beim Capercaillie-Konzert auf diese hier aufmerksam machte. Oder ich lese mal den Zydeco-Artikel im TFF-Programm und sage Euch Bescheid, wenn es darin erklärt wird.
Ah, und schon schickte mir Rainer Zellner eine Erklärung:
„Cajun ist rein weiße Musik, abgeleitet von der Kultur der Acadiens, die per schicksalsvoller Geschichte aus Frankreich über Canada nach Louisiana kamen. Typisch sind Walzer und Two Steps. Hauptinstrument Knopfakkordeon, Geige. Rhythmus spielt die Triangel. Gesungen in altmodischem Französisch. Zydeco ist die Adaption von Cajun durch die Kreolen, abstammend durch die Vermischung von u.a. Südamerikanern und Afrikanischen Sklaven. Deswegen auch Blues, Rock'n'Roll und Karibische Rhythmen neben Walzern, Foxtrotts und Two Steps. Beides ist Tanzmusik!“
Leider hatte Lothar Kopfschmerzen, so dass wir uns doch los rissen und die einstündige Rückfahrt nach Suhl antraten.

Achim Reichel im Schminkkasten

Am Sonntag ging es noch mal mit Achim Reichel weiter, und zwar im Schminkkasten, einem kleinen Theaterraum, in dem Mike Kamp immer Musiker interviewt. Dieses Mal interviewte hier ein Ruthpreisträger den anderen. Achim zeigte sich ein wenig belustigt darüber, dass es doch tatsächlich Hörer gibt, die meinten, ihn darauf aufmerksam machen zu müssen, dass er die Volkslieder ein wenig verfremdet singt, als ob ihm das aus versehen unterlaufe und er das nicht absichtlich mache.

Country, wie man es nicht erwartet – die Old Time Music der Crooked Jades

Hier geht es nicht um Verfremdungen, die die Erwartungen ent-täuschen, sondern eher darum, dass wir uns so sehr an einen bestimmten, von Nashville geprägten Countrysound gewohnt haben, dass die alte Art, Country zu spielen, uns ungewohnt vor kommt. Diese alte Art, die so in den 1920ern Oldtime genannt wurde, wurde uns beim TFF im Konzertzelt im Heinepark von den Crooked Jades vorgeführt, einer Band von der amerikanischen Westküste, wo diese Art der Musik eigentlich nicht tradiert wurde. Statt in Cowboy- oder Westerkleidung standen sie da in Anzügen oder im weißen Kleid, Jeff Kazor, Robin Aigner, Josh Rabie, Seth Folsom und Charlie Rose, die übringens auch von Rainer Zellner gemanagt werden. Auf Fiddle, Gitarre, Ukulele, Slide Guitar und Kontrabass, sowie mit Gesang spielten und sangen sie Tanzmusik, wie sie anno dazumal auf dem Lande im Osten der USA zu Tanzveranstaltungen aufgeführt wurde. Instrumental überwogen, wobei manchem auch mal acht Takte gesungen wurde, mehr aber nicht. Seth sang aber auch mal ein langsames Lied, anderes erinnerte an Gospellieder, eine alles in allem sehr mitreißende Musik.

Norwegische Geiger – Majorstuen

Und wieder ging es hinauf auf die Heidecksburg, auf dessen großer Bühne sechs junge Norwegerinnen und Norweger, Ranhild Furebotten, Jorun Marie Kvenberg, Andreas Ljones, um nur die Hälfte zu nennen, uns eine reine, traditionelle norwegische Streichmusik zu Gehör brachten. Geigen und Cellos kamen zum Einsatz, mehr nicht. Aber auch das ging ab, urig, etwas schwerfällig und doch flott. Die mittlerweile einsetzende Mittagshitze ließ indes weniger uns Menschen tanzen als einen Schwarm fliegender Ameisen, der den Burghof bald erfüllte. Die Tierchen hatten anscheinend Orientierungsprobleme und stießen andauernd mit uns Zweibeinern zusammen und krabbelten dann auf uns herum. Das Ende des Konzerts warteten wir trotzdem ab, da die Musik einfach zu schön war, verließen dann aber die Stätte, auf der wir uns ohne die Ameisen sonst noch das Magie-Projekt „Magic Keyboards“ angesehen und -gehört hätten.

Deutsch-Kanadischer Singer/Songwriter – Delf Maria Hohmann

Ein paar Ameisen hatten sich auch in andere Orte der Stadt verirrt, aber dennoch waren wir Menschen im Amtgerichtshof, einem gemütlichen Innenhof, wieder mehr oder weniger unter uns, abgesehen von den Mauerseglern und Turmfalken, die über uns um die Häuser kreisten. Delf Maria Hohmann hatte ich tags zuvor im Medienbüro getroffen. Ich hatte ihn vor zwei Jahren in Rudolstadt kennen gelernt. Er ist ein alter Folker!-Mensch, lebt aber seit 1982 oder so in Neufundland, in Kanada. Hier nun trat er als Straßenmusiker mit Gitarre, Banjo und kanadischen Liedern auf, zumeist auf Englisch, mit skurillen Beziehungsgeschichten und anderem zum Inhalt, dann aber auch „Frère Jaques“ auf Inuktitut, der Sprache der Inuit. Leider waren die Musiker auf der Neumarktsbühne draußen vor dem Tor des Innenhofes so Laut, dass Delf dagegen schwerlich ankam. Seine Lieder kann man aber auch auf der CD „on both sides of the main“ bestellen.

Zum Abschluss – das Abschlusskonzert

Den Abschluss des diesjährigen TFF bildete zwar nicht das Abschlusskonzert, denn danach sang noch Laurie Anderson auf der Heidecksburg, aber für uns war es so. Michael Kleff führte durch das vierstündige Programm auf der großen Marktplatzbühne, ein Gewitter schien herauf zu ziehen, entschied sich aber zum Glück für einen anderen Weg, denn von den vielen Tausend Musik freunden, die sich hier noch versammelt hatten, hatte wohl kaum jemand Regenklamotten dabei. Ich traf auch Joergen W. Lang, der mir verriet, dass er sogar mehrmals aufgetreten sei. Schade, da hatte ich das Programmheft nicht ordentlich genug gelesen. Er spielte bei 3PO mit, einer Tanzband beim Tanzschwerpunkt Polonaise. Und ich traf Heijo Hütt vom Trio Plus aus Remscheid. Aber nun zum Abschlusskonzert: Hui, das kriege ich jetzt gar nicht mehr alles zusammen, wer denn da noch je drei, vier, fünf Stücke zum Besten geben durfte: Blackfire waren dabei, Dazkarieh, eine erstklassige Folkband aus Portugal, Rainald Grebe mit der Kapelle der Versöhnung, der deutsche Volkslieder satirisch auf die Schippe nahm und ein kritisches und doch lustiges Lied über Brandenburg sang, Majorstuen geigten noch mal, Shilpagya, eine but gekleidete Tanzgruppe aus Indien bot Akrobatisches zu langweiliger Musik an, eher was für’s Auge als für’s Ohr, Tutarchela, ein georgischer Frauenchor bezauberte durch Mehrstimmenpower, einige Musiker des Magic Keyboard-Projektes, zum Beispiel Lulinha Alencar aus Brasilien, boten noch Tango und dergleichen auf Akkordeons an, und zum Schuss des Abschlusses konnten wir mit Nathan & The Zydeco Cha Chas noch ein wenig abtanzen. Ich habe jetzt sicher wen vergessen, und bitte schon mal um Entschuldigung. Nicht vergessen hatte ich, dass mir Jutta Mensing noch gar nicht über den Weg gelaufen war. Die traf ich dann hinter der Bühne, doch war sie in heller Aufregung, weil einige ältere Musiker noch wohin chauffiert werden mussten und es da Probleme gab. Rainer Zellner beklagte sich bei mir, dass so viele deutsche Freunde der irischen Musik so enge Scheuklappen hätten, sobald es um amerikanische Musik gehe. Ich konnte ihm aber einige Namen von Bonner Irish-Folkies aufzählen, die da gar keine Berührungsängste haben.

Das war es dann also wieder für dieses Jahr. Wie immer habe ich mehr nicht gehört als gehört und manches musste ich mir mangels Bilokationsvermögen schweren Herzens verkneifen. Ich schwebte noch tage- oder gar wochenlang. Nun ja, nächstes Jahr – so Gott will – geht es wieder nach Rudolstadt. Und zwischendurch gibt es hier bei uns ja auch einiges an Musik.
Und ach ja: 2008 wird Israel der Länderschwerpunkt sein, die Rahmenprogramm das Magie-Instrument, der Rcok’n’Roll der Tanz des Jahres, und es wird auch mal wieder einen Deutschland-Regionalsschwerpunkt geben, nämlich Sachsen.



Hier noch ein paar Links zu Seiten des oder über das TFF und der oder über die oben erwähnten Musiker:

TFF
http://www.tff-rudolstadt.de/
http://de.wikipedia.org/wiki/TFF.Rudolstadt
Wenn Ihr hier rein schaut, seht Ihr, wie klein der Ausschnitt ist, den ich beschrieben habe:
http://www.tff-rudolstadt.de/htm/07/07.htm
Ruth
http://www.weltmusikpreis.de/
http://de.wikipedia.org/wiki/Ruth_(Musikpreis)
U-Free:
http://www.kulturmuehle.de/fileroom/u_free.html
Tants in Gartn Eydn
http://www.gartn-eydn.de/
Alkinoos Ioannidis
http://www.rainaldgrebe.de/
Dziuks Küche
http://www.dziuks-kueche-de/
Mlimani Park Orchestra
http://members.aol.com/dpaterson/mlimani.htm
http://www.masala-festival.de/aktuell/kuenstler/mlimani.shtml
Blackfire
http://www.blackfire.net/
Etta Scollo
http://www.ettascollo.de/
Mike Kamp
http://www.schallplattenkritik.de/bio/kamp.html
Charlie Mariano
http://www.charliemariano.de/
http://de.wikipedia.org/wiki/Charlie_Mariano
Achim Reichel
http://www.achim-reichel.de/
The Crooked Jades
http://www.crookedjades.com/
Majorstuen
http://www.majostuen.biz/
Delf Maria Hohmann
http://www.biohof-gensler.de/Kunststation.html
Dazakrieh
http://www.dazakreih.com/
Rainald Grebe
http://www.rainaldgrebe.de/

Und wer wissen will, wer die Menschen sind, die ich dort so zwischendurch traf und im Text erwähnte:

Michael Kleff
http://www.wdr5.de/moderatoren/michael_kleff.phtml
Sabine Froese
http://komm.bildung.hessen.de/pipermail/politik/2004-December/002730.html
Bijan
http://www.bijan-derspielmann.de/
Joergen W. Lang
http://www.oreilly.de/catalog/csstdg3ger/translator.html
http://www.danmusic.de/band/joergen_d.html
Heijo Hütt
http://www.trioplus.de/seite1.htm

MAS

Wednesday, July 04, 2007

Konzertrezension: Beoga am 4.7.2007 auf dem Marktplatz in Bonn

Beoga am 4.7.2007 auf dem Marktplatz in Bonn

Qurilig-jazziger Irish Folk riß den Bonner Marktplatz aus der Siesta eines heißen Sommertages

Es war Halbzeit des Keltischen Sommers in Bonn, denn drei Konzerte lagen schon hinter uns und mit diesem drei vor uns. Nach Bretonen, Schotten und Belgiern waren nun die Iren dran, als deren Delegation Beoga fungierte, deren Mitglieder zu 4 zu 1 aus Nordirland stammen. Ganz links (aus Zuschaeuerperspektive) saß hinter seinem Keyboard Liam Bradley aus Tobermore im County Derry, dann folgten nach rechts Damian McKee aus Dunloe und Seán Óg Graham aus Portglenone, beide aus dem County Antrim und beide Knopfakkordeons, wobei letzterer auch mal zur Gitarre griff, dann weiter rechts Eamon Murray aus Randalstown im County Antrim, der eine Bodhrán bediente und als einzige Dame, einzige Republikirin und zugleich einziges Bandmitglied, das immer stehen musste, Niamh Dunne aus dem County Limerick, die mit ihrer Fiddle und ihrer Stimme die Frontfrau der Band war.

Bei so vielen sitzenden Musikern ist es klar, dass rein optisch nicht viel Bewegung zu vernehmen war, aber was da akustisch rüber kam, ließ kaum noch jemanden ruhig bleiben. Jigs, Reels, Polkas und andere schnelle Tanztunes in atemberaubender Geschwindigkeit und dazu noch akurrater Punktgenauigkeit, manchmal stakatohaft, manchmal fließend, und dabei trotz irisch-taditioneller Wurzelhaftung voller Anspielungen auf Ragtime und andere Jazzarten, die aber keineswegs als aufgesetzte Fremdkörper dienten. Niamh begeisterte zwischendurch immer wieder mit schnellen, aber auch ruhigen Liedern das Publikum, und auch ruhige Instrumentals gab es hier und da, so dass auch für die Zuhörer, für die Jigs&Reels wie ein gleichförmiges Dideldidelda klingen (solche Leute gibt es tatsächlich) keine Gefahr der Langweile bestand. Am ehesten noch dürften die Folkies mit dieser Musik unzufrieden sein, die entweder keine Jazzeinflüsse mögen oder die meinen, Folk müsse immer etwas fehlerhaft klingen und dürfe nicht minutiös ausgearbeitet sein (auch solche Leute gibt es).

Ich finde es immer interessant, wer von unseren Bonner Folkies, soweit ich sie kenne, zu welchen Konzerten geht. Bei Beoga waren derer viele da: Sabrina, Wini, Näx & Nicole, Ellen & Ralf, Herbert, Andreas mit Freundin, und wohl noch andere. Andreas, der ja bei den Tannahill Weavers vor allem wegen der Lautstärke der Highland Pipe im geschlossenen Raum Reißaus genommen hatte, sagte zu Beoga, das sei seine Musik, und die könne gar nicht zu laut sein. Ja, so sind die Geschmäcker in der Folkszene durchaus differenziert, so differenziert wie die Musikstile ja auch sind. Einige hofften im Anschluss an das Konzert noch auf eine Chance einer gemeinsamen Session mit den Iren. Ob es dazu kam, weiß ich nicht, aber Näx erzählte voller Freude und Stolz, dass es nach dem Capercailliekonzert zu einer Session mit Michael McGoldrick gekommen sei. Ha, da wäre ich gerne dabei gewesen!

Die Seite von Beoga:
http://www.beogamusic.com/
Die von deren Tourmanager:
http://www.magnetic-music.com/
Die vom Bonner Sommer:
http://www.bonn.de/tourismus_kultur_sport_freizeit/bonn_ist_kultur/bonner_sommer/?lang=de

Frühere Rezis von mir zu Beoga :
The Irish Folk Festival – Tunes for Tara Tour am 15.11.2005 in der Philharmonie in Köln
http://folktreff-bonn-rhein-sieg-rezensionen.blogspot.com/2005/11/konzertrezension-irish-folk-festival.html bzw. http://tinyurl.com/bvnoe
CD: The Irish Folk Festival 05. Tunes for Tara.
http://folktreff-bonn-rhein-sieg-rezensionen.blogspot.com/2005/09/cd-rezension-irish-folk-festival-05.html bzw. http://tinyurl.com/cnypa

MAS

Saturday, June 30, 2007

Konzertrezension: Capercaillie am 30.6.2007 auf dem Marktplatz in Bonn

Capercaillie am 30.6.2007 auf dem Marktplatz in Bonn

Innovativer schottischer Folk beim Bonner Sommer

Der Bonner Sommer, die Freiluftkonzertreihe, die uns die Bundesstadt Bonn jeden Sommer umsonst und draußen präsentiert, steht in diesem Jahr unter keltischen Vorzeichen. Am letzten Freitag schon spielte die bretonische Folk Rock-Band Red Cardell, die ich aber nicht hören konnte, weil ich zeitgleich bei den Tannahill Weavers im Bungertshof war. Meine Kommilitonin Yolande indes war ganz begeistert von der Mischung aus traditionellen bretonischen und modernen rockigen Elementen von deren Musik und lamentiert nur etwas, dass das Bonner Publikum so gar nicht dazu zu bewegen gewesen sei, auf bretonische Weise zu tanzen, abgesehen von ganz am Schluss des Konzertes. Nun ja, aber das ist doch normal.

Nun zu Capercaillie musste ich aber hin. Doch bevor ich von diesem Konzert berichte, mache ich einen kleinen subjektiven Rückblick in das Jahr 1992. Da hörte ich nämlich Capercailllie zum ersten Mal, und zwar auf dem Irish Folk Festival in der Schwabenlandhalle in Fellbach. Und schon damals gefielen sie mir ausgezeichnet. Noch ein halbes Jahr vorher, im März 1992 hörte ich im Rahmen des St. Patrick’s Day Celebration Festival in der Mensa der Tübinger Uni die in Liverpool ansässige Irish Folk Rock-Band Toss the Feathers. Auch die gefiel mir sehr gut, obgleich ihre Musik ganz anders war, rockiger, härter. Unter den Musikern viel mir aber einer auf, der sein Instrument, die Querflöte, besonders virtuos beherrschte. Ich wusste nicht, wer das war, überhaupt merke ich mir Namen von Bandmitgliedern nicht so leicht, sondern muss die häufig wieder nachlesen, doch bei diesem ist es was anderes, sein Name ist für mich (und nicht nur für mich) ein Markenzeichen innovativer keltischer Flötenmusik geworden: Michael McGoldrick, in Manchaster geborener Ire, Mitbegründer von Flook und seit Ende der 1990er Mitglied bei Capercaillie.

Nun zum Konzert: Der Marktplatz war voller Leute. Einige hatten sich rechtzeitig, also so gegen19 Uhr, an Tischen der Restaurant nieder gelassen, so auch einige unserer Bonner Folkies, wie Näx und Nicole, Margret, Michael Heuser, Mattes, Ralf Wolfgarten, Sabrina, aber die meisten standen, so auch Till Storz, Manuel, Karsten, Ralf Wackers, Winni. Margret war sogar extra aus Ostfriesland, wo sie zu einer Familienfeier war, rechtzeitig zurück gekopmmen, um Capercaillie hören zu können. Ralf stand hinterm Mischpult in Platzmitte und schickte mir ein paar Bemerkungen, die Ihr unten lesen könnt.
Auf der Bühne tat sich ab 20 Uhr auch was. Von links nach rechts aus Zuschauerperspektive standen und saßen dort Ewen Vernal (Bass), dahinter Che Beresford (Drums), dann wieder vorne Karen Matheson (Gesang), Charlie McKerron (Fiddle), Michael McGoldrick (Querflöte, Low Whistle, Uilleann Pipes), Donald Shaw (Keyboard, Akkordeon), Manus Lunny (Bouzouki, Gitarre) und recht hinten in der Ecke, David Chimp Robertson (Percussion; Bodhrán), der aus Petras und meiner Perspektive, die wir neben dem China-Restaurant an der Hauswand standen, leider durch einen Bühnendachtragepfeiler verdeckt. Sie spielten den für sie typischen, modernen, etwas poppigen, leicht jazzigen, ganz leicht rockigen und doch immer folkigen Folk, hauptsächlich schottisch, aber auch mal irisch, und natürlich mit allerlei Einflussen aus genannten anderen Musikrichtungen und auch vom Balkan. Das war ein sehr voller Sound, ein großenteils wiegender und keineswegs hektischer Rhythmus, der vom Schlagzeug merklich, aber unaufdringlich angetrieben wurde. Viele Folkies mögen ja keine Schlagzeuge, so meinte auch Margret, das hätte man ruhig weg lassen können, während meine Kommilitonin Yolande meinte, der Schlagzeuger hätte ruhig noch ein bisschen mehr Einsatz zeigen können. Wie war das mit den Geschmäckern? Meines Erachtens passte es sehr gut zu der Musik von Capercaillie, und unterstützte sehr angenehm den manchmal funkigen Stil von Bass und Gitarre. Karen sang mit markanter, doch schön femininer Stimme. Fiddle, Flute und Akkordeon zeigten, das man Jigs und Reels nicht im Affenzahn herunter spielen muss und diese trotzdem schnell und mitreißend klingen können. Fiddle und Akkordeon brachten auch mal ein wenig Cajun-Stimmung hinein, und Fiddle im Zusamenspiel mit den Uilleann Pipes klangen zwischendurch mal bluegrassig, obgleich die Pipes ja kein Bluegrassinstument ist (oder sind? „Pipes“ ist ja Plural). Ja, da sind wir ja schon beim Michael McGoldrick. Sein Pipesspiel erinnerte mich in seiner jazzig-poppigen Art an Davy Spillane, sein Flute- und Whistlespiel an ... Michael McGoldrick. Ja, gut, das Flutespiel auch mal Ian Andersson, aber wer ist hier der Meister? Michael hat einfach einen ganz eigenen Stil, den zu beschreiben meine Kenntnis übersteigt: mal traditionell irisch, mal funkig, mal jazzig, mal balkanisch und das alles in einer Mischung, die ein Ganzes bildet. Nicht umsonst ist er Vorbild für viele Flöter und Whistler. Ich fragte Margret, die doch sonst die zu modernen und balkanischen Einfluss in der irischen und schottischen Musik nicht so schätzt, warum ihr dieses Konzert so wichtig gewesen sei. Antwort: Michael McGoldrick. Nach meiner Einschätzung hat sich die Band seit 1992 extrem weiter entwickelt, aber so genau sind meine Erinerungen an damals auch wieder nicht. Zweieinhalb Stunden und zwei Zugaben vergingen viiieeel zu schnell!!!

Wie oben erwähnt stand Ralf Wackers hinterm Mischpult und schickte mir ein paar Bemerkungen zu, die ich hier als Gastbeitrag hinzufügen darf:
Capercaillie waren schon klasse, auch wenn sicher viele das Schlagzeug verflucht haben, waren Schlagzeuger und Bassist exakt aufeinander abgestimmt und haben einen tollen Teppich für den Rest der Band gelegt.
Ich stand hinter dem Mixer. Berufsbedingt guckt man natürlich was die Kollegen so machen. Er fummelte mir zu viel in die Stücke rein, so dass sie sich nach dem Start noch teilweise hart veränderten. Instrumente drehte er zu spät auf, oder vergas sie einfach. Und mir war die Bassdrum zu laut, so dass die Folkinstrumente etwas untergingen. Ausserdem zerrte sie im Kick. Die Snare kam größtenteils nur von der Monitoranlage. Irgendwann hat er es dann doch gemerkt und den Mute `rausgedrückt. Irgendwie hatte ich das Gefühl, er verliert teilweise die Übersicht. Dem Mixer der Verleihfirma ging es wohl sichtlich ähnlich wie mir, aber er sagte nichts. Der Kunde ist eben König!
Und zur Erklärung lieferte Ralf noch nach:
Die "Mute"-taste schaltet einen Kanalzug aus und damit das Mikrofon für das Publikum stumm, lässt aber den Monitorweg bestehen. Das passiert jedem mal (auch mir), dass man den vergisst wieder einzuschalten. Dafür haben die meistem Mischpulte eine große rote Lampe
an der Taste. Die Snare rasselt gerne, wenn sie nicht gebraucht wird, weswegen er sie wohl weggedrückt hat.

Soweit Ralf, mit einer Expertise, die ich nicht hätte liefern können.

Capercaillie:
http://www.capercaillie.co.uk
http://de.wikipedia.org/wiki/Capercaillie
Bonner Sommer:
http://www.bonn.de/tourismus_kultur_sport_freizeit/bonn_ist_kultur/bonner_sommer/?lang=de
MusicContact, Rainer Zellner
http://www.musiccontact.de


Und hier zur Erinnerung die nächsten keltischen Bonner Sommer-Termine:

Urban Trad am 14. Juli, 20 Uhr Marktplatz
Trans-European sound adventure
http://www.urbantrad.com/
http://de.wikipedia.org/wiki/Urban_Trad
http://www.folker.de/200603/20urbantrad.htm

Beoga am 4. August, 20 Uhr Marktplatz
New Folk Wizards
http://www.beogamusic.com
Und vgl. auch meine Rezi:
The Irish Folk Festival – Tunes for Tara Tour am 15.11.2005 in der Philharmonie in Köln
http://folktreff-bonn-rhein-sieg-rezensionen.blogspot.com/2005/11/konzertrezension-irish-folk-festival.html bzw. http://tinyurl.com/bvnoeKeltische Nacht – Oidhche na Gàidhlig des Deutschen Zentrums für gälische Sprache und Kultur am 11. August, 20 Uhr Marktplatz
http://www.schottisch-gaelisch.de
Vgl. auch Punkt I.8. unten, denn das dürfte mehr oder weniger identisch sein

Tri Yann am 8. September, 20 Uhr, Marktplatz
http://de.wikipedia.org/wiki/Tri_Yann
http://www.folker.de/9806/triyann.htm

MAS

Sunday, June 24, 2007

Konzertrezension: Solas am 24.6.2007 in der evangelischen Kirche in Höhr-Grenzhausen

Solas am 24.6.2007 in der evangelischen Kirche in Höhr-Grenzhausen

Urbaner amerikanisch-irischer Rhythm & Reel in Westerwälder Dorfkirche

Dieses Konzert besuchte ich im Auftrag des Folker!, allerdings nicht wegen Solas, sondern um den Veranstalter Uli Schmidt über die Kleinkunstbühne Mons Tabor e.V. und die Veranstaltungsreihe „Musik in alten Dorfkrichen“ zu interviewen. Über diesen Zusammenhang verliere ich hier also kein weiteres Wort sondern vertröste Interessenten auf meinen Heimspiel-Artikel, den ich für den Folker! 05.07 noch schreiben werde. Ich sollte einfach ein Konzert der Reihe besuchen, und ich wähle Solas.

Solas hörte ich nun zum dritten Mal, nach ihren IFF-Aufrtitten 2004 und 2005 nun aber erstmals ein ganzen Konszert von ihnen, mit Pause gut 2 ½ Stunden full power. Und das in einer Kirche, die in ihren 800 Jahren wohl schon so manches erlebt hat, und auch nach diesem Konzet sichtlich unbeeindruckt stehen blieb. Ich indes bin nicht aus Stein und Holz, und mich beeindruckte es tief. Die Kirche war rappelvoll, aber Uli hatte Petra und mir Plätze reserviert und mich sogar offiziell als Vertreter von Deutschlands wichtigster Folk-Zeitschrift begrüßt. Uih, da kam ich mir aber vor ...

Im Altarraum bauten sich die fünf Musiker(innen) auf, aus Zuschauerperspektive von links nach rechts: Seamus Egan aus Pennsylvania (Querflöte, Tenorbanjo, Mandoline, Gitarre, Low Whistle), Mick McAuley aus Irland (Akkordeon, Low Whislte, Gesang), Deidre Scanlan auch aus Irland (Hauptsängerin, Fiddle), Winifred Horan aus New York (Fiddle, Gesang) und Eamon McElholm wiederum aus Irland (Gitarren, Keyboardm Gesang). Full power war von Anfang an angesagt: ein grooviges, teibendes Liebeslied auf Gälisch, gefolgt von einem Reelset. So ging das weiter, schnell, sehr schnell, noch schneller, ungemein rhythmisch und das ganz ohne Percussion, so rhythmisch, dass die Melodien manchmal nicht so richtig durchkamen, was aber auch an der immensen Lautstärke lag, die mir nichts ausmachte (Petra meint manchmal, ich sei schwerhörig), über die ein paar Leute in der Pasue aber lamentierten. Rhythm & Reel, wenn es den Begriff nicht schon gäbe, müsste er für Solas erfunden werden. Richard Schubert schreibt im CrossRoots-Lexikon außerdem auch was von Celtic Swing und Newgrass. Ja, das passt. Aufbauend auf traditioneller Spielweise wurde es ungemein jazzig, urban, newyorkerisch, aber das war nicht aufgesetzt, sondern kam aus der Mitte heraus. Die beiden Seiten des Nordatlantiks begrüßten sich und tanzten miteinander, vom Empire State Building wehte die orange-weiß-grüne Flagge mit 50 Sternen um eine Harfe herum oder viel mehr um Akkordeon, Banjo und Fiddle. Es gabe auch ruhige Stücke, Instrumentals und Lieder, bei einem solchen, dass ein wenig osteuropäisch anmutete – also nicht balkanisch, sondern eher russisch – war Fiddlerin Winifred selbst so gerührt, dass sie dem Publikum versichern musste, dass sie ansonsten ganz fröhlich drauf sei und es ihr gut gehe. Ein anderes Stück basierte auf Erlebnissen in einem Amsterdamer Coffee-Shop und klang französisch-musette-mäßig. Ja, der Balkan war auch vertreten, ganz klar, aber eingebettet in irische Tunes, ganz organisch, wie selbstverständlich. Standing ovations am Schluss, drei Zugaben wurden ihnen abverlangt. Sie sagten, das sei von allen Deutschlandtourneen, die sie bislang gemacht hatten, ihr schönstes Wochenende gewesen, am Freitag waren sie in Bad Rappenau beim Folk im Schlosshof, und nun in einer alten Westerwälder Kirche. Und das sagt eine Band, die sonst in riesigen Hallen spielt, wie in Chicago, wo sie ihren nächsten Gig haben. Mick hatte übrigens Geburtstag. Petra übrigens auch, Und so konnte ich die beiden Geburtstagskinder mal zusammen ablichten.

Was Uli mir dann im Interview erzählte, wie gesagt, davon berichte ich im Folker! 05.07. erhältlich im gut Sortierten Zeitschriftenhandel im Septmeber 2007 oder abonnierbar.
Ah doch, eine bat mich Uli zu erwähnen: Die Kreissparkasse Westerwald unterstützt die Konzertreihe großzügig und zuverlässig, dafür das im Gegenzug Werbing für sie gemacht wird.


Solas:
http://www.solasmusic.com/
Kleinkunstbühne Mons Tabor, Region Montabour:
http://www.kleinkunst-mons-tabor.de
Magnetic Music, Petr Pandula:
http://www.magnetic-music.com/
Folk im Schlosshof 2007:
http://www.folkig.de/news/news.php3#wn56
http://www.folk-im-schlosshof.de/index.htm?partner.htm


Hier zur Erinnerung die nächsten Termine der Musik in alten Dorfkirchen:

Kal am 22.7.2007 in Neuhäusel
http://www.asphalt-tango.de/kal/artist.html
http://www.musicballkan.com/kal.htm

Urs Karpatz am 5.8.2007 in Selters
http://www.urskarpatz.com/

Cantos del Pueblo am 23.9.2007 in Nordhofen
http://www.cantosdelpueblo.com/


MAS

Friday, June 22, 2007

Konzertrezensionen: Tannahill Weavers am 22.6.2007 im Bungertshof in Königswinter-Oberdollendorf

Tannahill Weavers am 22.6.2007 im Bungertshof in Königswinter-Oberdollendorf

Schottlands härteste Folkband lässt den Bungertshof beben

Nun ja, zumindest kenne ich keine schottische Folkband, die härter spielt, aber eines nach dem anderen: Wenn ich es richtig zusamenzähle, hörte ich sie sein Anfang der 1990er nun zum vierten Mal. Da hätte ich ja eigentlich auch Red Cardell auf dem Marktplatz hören können, die, wie mit meine Kommilitonin Yolande berichtete, auch ein mitreißendes bretonisches Konzert boten. Aber ich hatte im Bungertshof schon zugesagt, dass ich komme, und so ging ich auch dahin.

Dort standen dann aus zuschauerperspektive von links nach rechts John Martin (Fiddle, Bassgesang), Phil Smillie (Querflöte, Tin Whistle, Bodhrán, Harmoniegesang), Roy Gullane (Gesang, Gitarre, Gitouki (so nenne ich mal das eine Instrument, das halb wie eine Gitarre und halb wie eine Bouzouki aussah)), Leslie Wilson (Gitarre, Bouzouki, Keyboards, Gesang) und Colin Melville (Highland Bagipe). Und direkt bei den ersten beiden Stücken zeigten sie ihre zwei Stärken: schnelle pipelastige Tunes und mehrstimmiger Gesang, und das alles auf eine harte, druckvolle, mitreißende, laute, ja gerade zu matialische Weise, so als wollten sie gleich die blaue Flagge mit dem weißen Andreaskreuz hissen und damit über die Hügel stürmen, um die Engländer oder sonst wen das Fürchten zu lehren. Trotz seines zur Fklagge passenden Vornamens ergriff ein Andreas im Publikum auch sogleich die Flucht in der Pause. Ihm war es einfach zu laut, zu songlastig und zu hart. Mir gefiel es, ich wäre sonst auch kaum zum vierten Mal zu einem Tannie-Konzert gegangen. „The Standard On The Braes O’Mar / Haughs O’Cromdale” ist so ein Song aus kriegerischen Zeiten, der mich einfach immer wieder überwältigt. Unsere Bonner Lokal Heroes haben ihn auch im Repertoire, aber ich finde, den bringt niemand so gut wie die Tannahill Weavers. Oder Roys Leadgesang begleitet vom Harmoniegesang von Phil und Leslie, auch bei langsameren Stücken, „a kind of love songs“, einfach phänomenal! Oder auch Highland Pipe und Tin Whistle im Duett, letztere dabei natürlich durch ein Mikro verstärkt, erstere nicht: da sind die Highlands so weit und melancholisch, Moorhühner steigen auf, Wolkenfetzen lassen ab und zu einen Blick auf die kahlen Gipfel der Monroes zu. So schottisch können wohl doch nur echte Schotten klingen, auch wenn Roy in Groningen wohnt, in den Niederlanden, und Leslie gar in England. Letzterer spricht auch gut deutsch – und kann so auch diese Rezi lesen – und sagt, seine Frau habe fest gestellt, dass die Männer ihres Wohnortes – der, wo der Glasgower Flughafen liegt – früher sehr hässlich gewesen seien, was die Männer heute mit ihnen gemeisam hätten, was er kommentierte: „Nun, damit muss ich leben. Und sie auch.“ Phil, bei dem mir eine komische Bewegung von Zeige- und Mittelfinger der rechten Hand aufgefallen waren, da diese bei der Tin Whistle dort Löcher zuzuhalten schienen, wo die linke Hand zuständig war, zeigte mir dann einen Trick: Tippt man mit besagten zwei Fingern ganz schnell auf Mittel- und Ringfinger der linken Hand, so dass diese ganz kurz das zweit- und drittoberste Loch der Whistle schließen, kommt ein kurzer Triller zusande, den man mit der linken Hand alleine so nicht hinkriegen würde. Na, man lernt doch nie aus, das muss ich mal üben.

Eigentlich hätte ich einen Whisky bestellen sollen, aber so klischeehaft muss man ja auch nicht sein, obwohl bei dem Wetter ... (Ja, ich habe mir jetzt, da ich dies schreibe, einen eingeschenkt, einen Loch Lomond Single Malt – leicht nach Apfel, etwas zitronig, leicht rauchig, fruchtig, recht mild dabei, vor allem im Abgang auch leicht süßlich.) Aber ich kann Euch endlich verraten, wo denn das Höfe-Bräu gebraut wird, das sie im Bungertshof seit ein paar Monaten neu im Ausschank haben, nämlich in Herborn in der Bären-Brauerei, wo ja auch die obergärigen Biere von Steffens seit über einem Jahr gebraut werden. Frau Jansen, die Wirtin hatte es mir neulich mal erklärt, dass das eine Sonderanfertigung sei für ein paar Restaurants hier in der Umgebung, so auch den Margaretenhof auf der Margaretenhöhe im Siebengebirge, wo ich sie auch traf und fragen konnte. Leider aber haben sie das Weizen wieder aus dem Verkehr genommen, da es zu sehr geschäumt habe. So halte ich mich an Kölsch oder Export, und kann das auch für das nächste Mal dem Leslie empfehlen, der meinte, in Jever Fun sei doch gar kein Fun drin. Na, ich hoffe doch, dass es ein nächstes Mal gibt, denn die Tannies höre ich mir auch gerne zum fünften Mal an.



Tannahill Weavers:
http://www.tannahillweavers.com/
Bungertshof:
http://www.bungertshof.de/

MAS

CD-Rezension: Tom Bombadil Folkband. dans mon village

Tom Bombadil Folkband. dans mon village

Leiselaut 2007 http://www.leislaut.de/; http://www.tombombadilband.de/
13 Tracks, 49:53, mit deutschen Infos, Fotos und Zeichnungen

Rheinhessisch-französische Bordun-Tanzmusik

Wie ich an diese CD kam, das erzähle ich gerne bei einem Bierchen. Das ist recht kompliziert, und ich gehe hier lieber gleich in media res.

Roihesse war bekanntlich, wie der gesamte linksrheinische Bereich, von Zeit zu Zeit französisch besetzt, verwaltet, regiert oder wie auch immer. Das ist aber mindestens so 50 Jahre her, dass das das letzte Mal der Fall war, und eigentlich spielt das hier auch keine sonderliche Rolle, denn wir waren ja auch noch nie irisch bestzt und trotzdem spielen und lieben viele von uns die irische Musik. Und Tom Bombadil lebt ja bekanntlich auch nicht in Frankreich sondern in Mittelerde.

Der Titel der CD „dans mon village“ ist schon mal ein hübsches Wortspiel. Heißt es nun „in meinem Dorf“ oder „tanz mein Dorf“? Das Cover zeigt Dorfhäuser in Form einer Drehleier, eines Akkordeons, einer Gitarre und einer Sackpfeife die irgendwie schlumpfig anmuten. Der Inhalt – der CD, nicht der Häuser, aber vielleicht auch das – besteht aus fünf Liedern und acht Instrumentalstücken, großenteils in französischer Balfolk-, und bretonischer Fest Noz-, zum Teil aber auch in deutscher Volkstanztradition: Schottische, Walzer, Ridées, Polkas und Bourées und Lieder in rheinhessischer Mundart, einer Unterart des Rheinfränkischen, und eines auf Französisch. Die Idee, diese Traditionen zusammen zu bringen finde ich besonders schön. Sie ist nicht neu, sondern wird von vielen Balfolk- und Bordunbands praktiziert, ist also gewissermaßen typisch für die Szene. Gerade die Verwendung der rheinhessischen Mundart lässt die Musik der Tom Bombadill Folkband aber noch ein bisschen bodenständiger und in der Region verwurzelter erscheinen. Und trotzdem musste die Band die Erfahrung machen, auf die auch Harald Schmidt mal aufmerksam machte, als er sagte, man solle sich als Fernsehschauspieler nie eine Mundartrolle geben lassen, denn die werde nie ernst genommen. Im CD-Büchlein steht zum Lied „Frederike“: „Dieses schöne und traurige Lied haben wir in Hanns von der Aus Sammlung „Hessische Volkstänze“ gefunden. Bei unseren Konzerten lachen die Leute oft bei den ersten Strophen – vielleicht, weil Mundartlieder immer erst mal für lustig gehalten werden.“ Gut, dass sie sich diesem Problem stellen und der Mundart wie jeder Sprache das gesamte Spektrum menschlicher Themen zutrauen. Und zu diesem Spektrum gehören dann natürlich auch lustige Lieder, wie das über „Weck, Worscht und Woi“.

Die Musik selber ist tanzbar und rhythmisch auch ohne viel Percussion, was auch für die Lieder gilt. Zum Nurhören fehlt es hier und da etwas an Abwechlung bei den Arrangements, die mir doch ein weing zu brav vorkommen. Themen werden bei der Widerholung so gespielt wie im ersten Durchgang, da würde ich mir etwas mehr Variation wünschen. Auch könnte für meinen Geschmack die Drehleier etwas lauter und durchdringender sein und mehr schnarren. Es gibt aber auch wirklich schöne zweistimmige Passagen von Drehleier und Akkordeon. Es ist also für meine Bedürfnisse keine ganz hervorragende, aber doch eine sehr schöne CD. Besonders freue ich mich darüber, dass da „Allons en Bois“ mit drauf ist, ein Schottischer, den ich oft und gerne von Elke Rogge in Tübingen gehört habe und bislang auf keiner CD hatte.

Wer spielt und singt nun mit: Lothar Schwab (Drehleier, Concertina, Mandoline, Gesang), Klaus Ebling (Diatonisches Akkordeon, Piano-Akkodeon, Gesang), Rudi Winkler (Dudelsäcke, Flöten, Bodhrán, Löffel, Gesang), Friedrich Vollrath (Gitarren, Bouzouki, Gesang) und als Gäste Nils Nolte (Holzquerflöte) und Frederick Schwamb (Recken).

Trackliste:
1. Allons en Bois, Varg Timmens, Bosse Nordins
2. Scottish du Marronnier, Gasdebois, Mominette
3. Frederike
4. La Belle Jardinière, La Mal Aimable
5. Ridées
6. Madeleine, Polka Champeix
7. Suite Plinn
8. Rosenstock
9. Valse Clog
10. Bourrées
11. Weck, Worscht un Woi
12. La Boite à Frissons
13. Wingertsweiber

Einige der Bandmiglieder spielen auch bei Goo Birds Flight mit.
Vgl. http://www.folker.de/200703/rezi-d.htm#06 bzw.
http://folktreff-bonn-rhein-sieg-rezensionen.blogspot.com/2007/05/cd-rezensionen-im-folker-0307.html

MAS

Friday, June 15, 2007

Konzertrezension: Günter Gall & Konstantin Vassiliev am 15.6.2007 beim Folk im Feuerschlösschen in Bad Honnef

Günter Gall & Konstantin Vassiliev am 15.6.2007 beim Folk im Feuerschlösschen in Bad Honnef

Zeitreise nach Stockholm im Jahre 1768

Das war mal ganz was anderes. Als der in Dortmund wohnende Russe Konstantin Vassiliev anfing, auf der Gitarre zu zupfen, begann ich, entspannt dieser schönen und feinen Musik zu lauschen, und dachte, das werde ein stiller Abend des gehobenen Musikgenusses, wohl aber ein wenig ohne Mitreißendes dabei. Als dann aber der in Osnabrück lebende Niederrheiner Günter Gall aus der Tür des Nebensraumes ins Foyer trat, gekleidet in Rokokospitzen und einen Schellenbaum kräftig auf den Boden stampfte, so dass das so rein gar nicht zur Stimmung der Gitarre passte, war wohl nicht nur ich überrascht und gespannt, was da wohl kommen werde. „Stockholm im Jahre 1768“ rief er in den Saal und begann zu erzählen von Carl Michael Bellmann, der in einer Dichtung einer illustre Runde von Lebemännern und –frauen rund um einen gewissen Fredmann ein Denkmal gesetzt habe. Diese Runde war wohl mehr oder weniger frei erfunden, aber zu den Vorbildern gehörte wohl auch Bellmann selber, der mit seinen Freunden ein geradezu epikureeisches Lebens führte.
Günter sang nun also Lieder aus den Sammlungen „Fredmans Lieder“ und „Fredmanns Episteln“, zum Glück ins Deutsche übersetzt, wofür eine reihe deutscher Dichter verantwortlich zeichneten, die sich des schwedischen Nationaldichters – ja als solcher gilt Bellmann – angenomen hatten. Es ging zu einem nicht geringen Teil ums Saufen. Trink- und Kneipenlieder, mal deftig in Vorfreude auf einen feuchtfröhlichen Abend oder schon in angeheiterter Stimmung oder auch melancholisch, wenn die Geldbörse leer oder aber der Kopf schon zu voll des Weines war oder wenn nach durchzechter Nacht aus Brummschädelperspektive die Welt gar zu traurig und ihre Vergänglichkeit allzu offensichtlich war. Natürlich blieb auch die Liebe oder zumindest das geschlechtliche Verlangen nicht aus, und da wurde vor allem einer gewissen Dama namens Ulla gedacht, die sich der sauflustigen Herren wohl all zu gerne angenommen hatte. Die engen Gassen der schwedischen Hauptstadt, das geschäftige Treiben im Hafen, die Dürftigkeit billiger Wohnungen, die ländliche Idylle außerhalb der Stadt, das alles wurde besungen. Dabei erinnerten die Melodien nicht selten an Mozart, während mir schwedisch eigentlich nichts vorkam, außer wenn Günter mal eine Stophe auf Schwedisch sang. Und geradezu als Kontrast zum epikureischen Günter Gall zupfte Konstantin Vassiliev in stoischer Gelassenheit seine Gitarre und bediente zwischendurch mal ein Harmonium. Er sagte mir auch, dass tatsächlich auch ein Stück von Mozart dabei gewesen sei. Er war ja ein Zeitgenosse Belmanns.

War das nun Folk? Na, wer wird das schon so eng sehen? Es war ein interessanter Ausflug 200 Jahre zurück, akustischer Geschichtsunterricht sozusagen, und ein Unterricht in einem mir bislang unbekannten Teil schwedischer Kultur. Eine schwedische Dame im Publikum war mit Bellman viel vertrauter. Mike Kamp wunderte sich, dass nicht noch mehr Schweden gekommen waren. Nun ja, vielleicht hatten sie zu viel Bellmann in der Schule. Wer weiß?

Folk im Feuerschlösschen ging nach diesem letzten Konzert des ersten Halbjahres 2007 in die Sommerpause und erwartet neue Musiker und alte wie neue Zuhörer im September wieder.

Hompage von und Infos zur Günter Gall:
http://www.guenter-gall.de/
http://www.folker.de/200506/08guentergall.htm

Infos zu Konstantin Vassiliev:
http://www.orphee.com/solos/vassiliev.html


Infos zu Carl Michael Bellmann:
http://de.wikipedia.org/wiki/Carl_Michael_Bellman
http://www.waggonhalle.de/veranstaltungen/2000/0011bagge.htm

Homepage des Folk im Feuerschlösschen e.V.:
http://www.folkimfeuerschloesschen.de.vu/

MAS

CD-Rezension: Marcel Adam. Starke Frauen. Femmes de caractère

Marcel Adam. Starke Frauen. Femmes de caractère

LEICO-music 2006 http://www.leico.de/ ; http://www.marcel-adam.de/,
17 Tracks, 60:28, mit deutschen Infos, lothringischen, deutschen und französischen Texten, sowie Fotos

Der lothringische Liedermacher und Sänger Marcel Adam widmet seine mindestens sechste CD seit mindestens 1994 dem wahrhaft starken Geschlechte, dem weiblichen. Er lobt die Frauen, die ihr Schicksal tapfer (er)tragen, und das aus zweifelsohne männlicher Perspektive, voller Be- aber auch Verwunderung darüber, wie frau das alles so schafft, zum Beispiel alleine ein Kind aufzuziehen und sich dabei noch vom Tratsch der Leute verachtet zu fühlen. Oder er singt vom eigenen (fiktiven?) Fremdgehen und zugleich Verwundertsein, dass seine Frau sich das gleiche Recht heraus nimmt. Eine jungen Frau passiert es dummerweise, eines Mordes beschuldigt zu werden, obwohl das Blut am Messer ihr eigenes ist. Aber auch das Leben eines Klavierspielers wird in drei Stophen besungen, ein Liebeslied an das Saarland vor dem Krieg ist auch dabei und einiges andere.

Die Texte erfordern Aufmerksamkeit beim Zuhören oder man liest sie am besten mal mit, denn sie sind alle vollständig im Büchlein abgedruckt., z.B.:

Unne uff de Trepp, do steht e Kind
Es luhd in de Leere, so als wär es blind
Owwe uff de Brig wartet e herrlisch scheeni Frau
De longe roode Hoor fladdere im Wind
Din Babbe isch iwwerall gelond
Uff em Meer von Venus uff em Sond vom Mond
Dehemm im e Bunker waad e stolzi juni Frau
Die kennt Baba nur vom Foto on de Wond.
(1. Strophe von „Elaine im Weltall“)

Und da sieht man schon, was einen Großteil des Reizes von Marcel Adams Liedern ausmacht, nämlich die Lothringische Mundart, ein Unterdialekt des Rheinfränkischen. Und da Lothringen nun mal in Frankreich liegt, mischt sich ab und zu auch mal etwas Französisch hinein:

„E alder Monn om Klavier
Verliert sich in e so scheener Souvenir
Wie isch die Zitt verfloh
Zitt domols do im Salon
De Finger flieh’n noch uff’s Klavier
Trotz all die Wehwesche unn
Magegeschwihr
Er denkt on e Mademoiselle
A oui, la vie était belle.
(3. Strophe von „Das Kind om Klavier.“)

Zwei Lieder sind fast vollständig auf Französisch und zwei auf Hochdeutsch, eines davon von Gerd Schinkel aus Köln aus dem kanadischen Französisch übersetzt: „Das Mädchen und der Apotheker“ von Felix Leclerc, bei dem es „La chanson du pharmacien“ heißt. Auf Türkisch ist nur ein Liedtitel: „Bir iki ütz“, also „Eins, zwei, drei“.
Die meisten Lieder stammen aus Marcels Feder, aber ander sind von Wolfgang Eickelberg und Pete Wyoming Bender, Nono Ferrer, Chopin, Angel Cabral und Enrique Dizeo oder eben Felix Leclerc. Und auch Herr oder Frau Trad. aus Mexiko ist einmal mit von der Partie.
Bei einigen Liedern wird marcel auch stimm- oder klangkräftig unterstützt von Petra Lamy (Gesang), Méllanie Hamm (Gesang), Helmut Eisel (Klarinette)m Wolf Giloi (Klavier), Yann Loup Adam (Marcels Sohn; Klavier), Laurent Kremer (Gitarren, Ukulele, Tasteninstrumente, Drums, Gesang), Ivo Müller (Gitarre, Bass, Dobro), Sabine Heimsch (Cello), Joscho Stephan (Gitarre) Rainer Rodin (Gesang), Vincent Carduccio (Akkordeon, Gesang), Dirko Juchem (Sax, Klarinette), Helmut Engelhadt (Sax, Klarinette), Perre Paquette (Sax, Klarinette), Oliver Strauch (Schlagzeug), René El Payo (Gitarre, Gesang), Michel Sully (Gesang), Roland Helm (Gesang), und andere haben natürlich auch mit gestaltet, organsiert, aufgenommen und so weiter.

Die Melodien sind zumeist eher still, unaufdringlich, den nachdenklichen Texten entsprechend, abere auch ein echet Ohrwurm ist dabei, den ich manchmal vor mich hin pfeife, nämlich die Melodie von „Noh die Liebe geh’ ich hämm zu minni Frau.“

Trackliste:

1. Lisa im Donzpalaschd
2. Elaine im Weltall
3. Lolita Rose
4. Ich habe diese Frau geliebt
5. Noh die Liebe geh’ ich hämm zu minni Frau
6. Vor de Kriesch (Le sud)
7. Lousie unn de Ligne Maginot
8. Désirée von Lindenallee
9. Das Kind om Klavier
10. Die Menge (Que na die sepa mi sa frir)
11. Doña Gabriella
12. De kläne Dod von Papa Sitas
13. Regine, hibscher Giftzwersch
14. Bir iki ütz 2006
15. Das Mädchen und der Apotheker
16. Liane 2006
17. Bir iki ütz 2006 – Bonus

Ich wollte jetzt gerne den Link zu meiner Konzertrezension von Marcel Adam am 18.5.2007 im Bungertshof in Königswinter-Oberdollendorf hier angeben, aber ich habe sie noch nicht im Netz. Das wird nachgeholt.

Hier könnt Ihr Euch über den Rheinfränlischen Dilekt
http://de.wikipedia.org/wiki/Rheinfränkisch
und hier über Lothringen
http://de.wikipedia.org/wiki/Lothringen
informieren.


MAS

Sunday, June 03, 2007

Konzertrezension: Bach meets Celtic am 3.6.2007 in der Nommensens-Kirche in Bonn-Beuel-Pützchen

Bach meets Celtic am 3.6.2007 in der Nommensens-Kirche in Bonn-Beuel-Pützchen

Es war ein Gemeindefest einer evangelischen Gemeinde in Pützchen, einem Ortsteil von Beuel, was wiederum ein Stadtteil von Bonn ist, op dr schäl Sick, also rechtrheinisch. Pützchen ist vor allem wegen Pützchens Makt bekannt, Deutschlands größtem Rummel jedes jahr im September. Das Gemeindefest der Nommensens-Kirche war klein und überschaubar, mit Reibekuchen, Würtchen, Steaks, Kartoffelsalat und Kölsch, Kaffee und Kuchen, Hüpfburg für die Kinder, Theater- und Musikaufführungen, darunter das des Bach meet Celtic – Projektes, das vor kurzem noch „Bach meets Irish Folk“ hieß. Ich vergaß nach dem Grund der Umbenennung zu fragen. Das Konzert bildete am Sonntagnachmittag den Abschluss des Gemeindefestes, es fand in der Kirche statt, die zwar nicht groß ist, dafür aber recht voll war.

Die Besetzung des Ensembles (das Wort passt hier besser als „Band“) war etwas anders als bei meinem letzten Besuch. Cembalo, Akkordeon und Orgel wurde wieder von Hubert Arnold bedient und die Uilleann Pipes von Tom Kannmacher und von Alexander „Näx“ May, der auch Tin Whistle spielte, aber statt Heike Kosmider bediente diesmal Ann Kölsch die Fiddle und statt Charlotte Schmidt spielte Anna Lück auf der Harfe. Julian Görtz und Matthias Höhn waren anderwärtig verhindert und somit nicht anwesend. Und Stefen Hennes war auch nicht da.

Worin es bei dem Projekt geht, nämlich die Konfrontation und Verbindung von traditioneller irischer Musik mit der von Johann Sebastian Bach bzw. der seiner Familie und Zeitgenossen, habe ich schon geschrieben. Mir fiel nun auch nicht sonderlich auf, wie anders das Repertoire war, so sehr anders war es wohl nicht, aber mit fiel auf, dass Toms Ankündigung, schwer geübt zu haben, stimmte. Ja, es passte nun alles noch besser zusammen, Sets, die sich aus Stücken beider Musikrichtungen zusammen setzten, bildeten in sich eine harmonische Einheit, ohne dass alles einfach gleichgeschaltet war. Nicht nur die Fiddle, sondern auch die Tin Whistle wirkte überzeugend bei den deutschen barocken Stücken, allein bei den Uilleann Pipes hapert es noch. Das aber lag nicht an den Musikern, sondern, wie mir Tom erklärte, daran, dass die irischen Sackpfeifen nicht temperiert waren. Nein, das hat nun nichts mit dem schwül-warmen Wetter dieses Sonntags zu tun, sondern damit, dass die Abstände zwischen den Noten nicht gleichmäßig sind und somit die Pipes anders gestimmt sind als es für die deutsche Barockmusik und überhaupt auch für die Klassik und so weiter nötig wäre. Das lässt sich nicht ändern, es sei denn, man würde ein neues Instrument bauen, aber dann wären es keine irischen Uilleann Pipes mehr. Und so schräg war es auch gar nicht, nur hier und da passte es nicht so ganz, aber das machte durchaus auch einen Teil des Reizes dieser Fusion aus. Und die Kombination Orgel & Uilleann Pipes gefiel mir wieder wunderbar!

Auch das gemeine, äh, Gemeinde-Publikum war ganz hin und weg und verlangte ein paar Zugaben. Ws mich nur wunderte, war, dass ihm gar nicht erst großartig erklärt wurde, worum es ging, sondern Hubert machte recht kurze Ansagen und ließ die Musik dann für sich sprechen. Das tat sie dann auch und sprache die Evangelischen aus Pützchen auch an. Auch für ein paar Folkies, die weit aus anderen Stadtteilen angereist kamen – oder gar geradewegs von einem Gig aus Bad Neuenahr – Ahrweiler – war das eine neuer Hörgenuss. Margret Hüffer, Michael Heuser, Sabrina Palm und Jonathan William lauschten gespannt und fasziniert.

Es gibt mittlerweile auch eine CD des Projekts. Die Rezi davon muss ich aber noch schreiben.

vgl. auch meine frühere Rezi:
Bach meets Irish Folk am 3.12.2006 in der Nachfolge-Christi-Kirche in Bonn-Beuel
http://folktreff-bonn-rhein-sieg-rezensionen.blogspot.com/2006/12/konzertrezension-bach-meets-irish-folk.html

MAS

Friday, May 25, 2007

CD-Rezensionen im Folker! 03.07.

CD-Rezensionen im Folker! 03.07.

Hier veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung der Folker!-Redaktion.

Colman Conolly, Tobi Kurig, Franziska Urton. Blue

In Folker! 03.07, S. 80
online http://www.folker.de/200703/rezi-d.htm#01

COLMAN CONOLLY, TOBI KURIG, FRANZISKA URTON
Blue
(Fox Music 2007, www.colmanconnolly.com/blue
11 Tracks, 47:16 mit Fotos u. engl. Infos)

Es häufen sich in letzter Zeit die Beispiele dafür, dass auch deutsche Musikerinnen und Musiker die moderne Spielweise der keltischen Trad- und Folkmusik nicht nur nachahmen, sondern in der Meisterklasse mitspielen, und ein solches liegt hier vor. Zwar ist Frontpiper, -whistler und -flöter Colman Conolly Ire und sein traumhaft schönes Spiel dominiert auch die elf ausnahmslos instrumentellen Tunes, aber man muss sich auf jeden Fall genau anhören, was sich neben und hinter ihm tut, denn da fabrizieren Tobias Krug (Ten String Bouzouki), Fanziska Urton (Fiddle), Catriona Price (Fiddle), Johannes Mayr (Kontrabass), Holger Ries (Cajon, Percussion), Camine Roja (E-Bass), Rolf Wagels (Bodhrán) und Wolfgang Brammertz (E-Bass) ein ungemein dichtes, vielstimmiges und -schichtiges, durchdringendes melodiöses und rhythmisches Spiel mit inselkeltischen, französischen, balkanischen und anderen Wurzeln, so dass ich nach vollendetem Track 11 sofort wieder auf Play drücke, weil ich gar nicht genug bekomme. Die neun Musiker(innen) spielen ansonsten großenteils bei Déirin Dé, Dán, Whisht!, Steampacket und anderen Avangardebands der deutschen Keltenszene, das heißt, Catriona Price ist von Orkney und spielt dort bei Hadhirgaan.



*

Goo Birds Flight. Villains and Brides

In Folker! 03.07, S. 80
online http://www.folker.de/200703/rezi-d.htm#06

GOO BIRDS FLIGHT
Villains and Brides
(Leiselaut 2006, http://www.goobirdsflight.de/
9 Tracks, 44:42 mit Fotos u. engl. Texten und Infos)

Selten bis nie hörte ich eine Musik der Rubrik Celtic Folk Rock made in Germany, die mich so ansprach wie die dieser Band aus Sörgenloch in Rheinhessen. Frontsängerin Ina Breivogel singt mit feiner, mädchenhafter Stimme zumeist in einem atemberaubenden Tempo, das aber in keiner Weise gehetzt wirkt. Dabei bewegt sie sich auf einem wiegenden, rockigen, groovigen Klangteppich, den Lothar Schwamb auf Keyboards und Drehleier, Volker Hünefeld auf Bass und Mandoline, Peter Erb auf Gitarre, Akkordeon und Low Whistle und Manfred Vollrath auf Schlagzeug und Percussion, sowie die Gastmusiker Nils Nolte auf Low Whistle und mit Hintergrundgesang und Klaus Ebeling auf dem diatonischen Knopfakkordeon produzieren, der zu dem zarten Gesang eine sehr spannende und zugleich entspannende Kontrastharmonie bildet. Am ehesten erinnert mich die Musik von Melodieführung und Takt her an Paddy goes to Holyhead, die ja auch schräg gegenüber auf der anderen Rheinseite zu Hause sind. Die Texte sind indes anders als bei PdgtH fast alle traditionell, wenn auch ganz eigen, zumindest teilweise geradezu genial arrangiert.

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Fling. Lost in Dunkineely

In Folker! 03.07, S. 91

FLING
Lost in Dunkineely
(Eigenverlag 2006, http://www.flingmusic.com/
11 Tracks, 48:19 mit Fotos u. engl. Texten und Infos)
Das vierte Album dieses niederländischen Quartetts begeistert mich mit melancholischen Airs und Songs und mitreißenden Tunes in der Tradition des Irish Folks Revivals der 1970er, aber auch mit neueren Anklängen. Evertjan ’t Harts Uilleann Pipes-Spiel und Annemarie de Bies Gesang dringen tief ein und vermitteln Sehnsucht und Lebensfreude.

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Guitavio. songs of love and loss

In Folker! 03.07, S. 91

GUITAVIO
songs of love and loss
(Moon Sound Records 2007, http://www.guitavio.de/
15 Tracks, 54:46 mit Fotos u. engl. Texten und Infos)

Das Acoustik Folk’n Soul-Quartett aus Kellinghusen nördlich von Hamburg präsentiert sein siebtes Album in 20 Jahren. Die zehn Songs und fünf Tunes sind eine interessante Mischung aus Irish & Scottish Folk mit Soul, Blues und Jazz, dabei viele Eigenkompositionen der Musiker und Texte des in Israel lebenden Engländers Paul Thomas, aber auch Traditionals.

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Mohanders. End of our Lies

In Folker! 03.07, S. 92

MOHANDERS
End of our Lies
(Relax Records 2006, http://www.mohanders.de/
14 Tracks, 53:06 mit Fotos, dt. u. engl. Infos u. engl. Texten)

Sven Bäzner und Michael Graefe aus Elmshorn bei Hamburg ließen sich für ihr Debutalbum, das sie dann mit fünf Kolleg(inn)en aufnahmen, drei Jahre Zeit. Auch ich brauche Zeit, mich in ihre Singer/Songwriter-Musik hinein zu hören und mich mit den Texten zu beschäftigen. Aber sie klingt gut: Rauhe Stimme zum Spiel von Gitarren und anderen Instrumenten.

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Sperris & Wicca. Indian Queen

In Folker! 03.07, S. 93

SPERRIS & WICCA
Indian Queen
(Eigenverlag 2006, www.sperris-wicca.de
14 Tracks, 51:45 mit Fotos u. engl. Texten und Infos)

Das Münsteraner Duo Ralf Schomacher und Sabine Hillen liefert in seinem vierten Album wieder eine CD mit sehr, sehr ruhigen englischen, irischen und schottischen Liedern zur Gitarre, nebst Gasteinsprengeln eines Cellos, einer Drehleier, eines Kontrabasses, einer Highland Bagpipe und im Titelsong einer Sitar.

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Whistling to the Bird. road to lisdoonvarna

In Folker! 03.07, S. 93

WHISTLING TO THE BIRD
road to lisdoonvarna
(Eigenverlag 207, www.wttb.de
15 Tracks, 55:07 mit Fotos u. dt. Infos)
Zweite CD des Irish-English-Deutsch-Svenska-Folk-Quartetts aus Bastheim in der Rhön. Die Musik ist eher ruhig, aber keineswegs langatmig, sondern mit meist weiblichem Gesang, Gitarren, Geige, Harfe und Bhodhrán dargebracht klingt sie sympathisch, angenehm rhythmisch, ohne viel Schnickschnack, bodenständig folkig eben.


MAS