Friday, December 16, 2005

Konzertrezension: Whisht! im Bungersthof in Königswinter-Oberdollendorf am 16.12.2005

Whisht! im Bungersthof in Königswinter-Oberdollendorf am 16.12.2005


„Interessiert sich überhaupt einer dafür, was ich hier labere?“ Nein, diese Frage stellte niemand an diesem Abend im Bungersthof, sondern es war zwei Tage später Tumalon, alias Mathias Aring auf dem mittelalterlichen Weihnachtsmarkt in Siegburg, als das Publikum ein wenig passiv auf seine Fragen reagierte. Er meinte es scherzhaft, denn sein Publikum war sehr aufmerksam, aber einige der Leute, die am Freitagabend das Konzert von Whisht! im Bungertshof besuchten, hielten die Musik wohl eher für Tafelmusik zur hintergründigen Untermalung ihrer Tischgespräche, die sie auch dann nicht unterbrachen, als die Musiker die Inhalte der je folgenden Lieder erklärten. Erst nach einer doch diesbezüglichen Bitte Johannes Schiefners wurde es in der zweiten Hälfte etwas besser.

Nun, dafür konnten die vier Musiker vorne auf der Bühne nichts, sie gaben ihr Bestes, und das war so gut, dass auch das Ehepaar aus Ulmen in der Eifel, das an unserm Tisch saß, seine eineinhalbstündige Herfahrt nicht bereute. Ekhart Topp (Gitarre, Gesang), Holger Ries (Percussion, Bhodrán, Gesang), Johannes Schiefner (Uilleann Pipes, wooden Tin Whistles, Keyboard und Gesang) und Sabrina Palm (Fiddle) präsentierten ihre schon in den Rezensionen vom 3. Bonner Irish Folk Festival am 24.4.2004 und ihrem Konzert im Feuerschlösschen am 9.10.2004 beschriebene Mischung aus Tunes und Songs (Ekhart erklärte fachkundig, Tunes seien Melodien ohne und Songs Melodien mit Text) im Rhythm&Reel-Stil, moderne Arrangement traditioneller Stücke, vor der Pause evtl. ein wenig unter zu lauter Percussion leidend, was aber laut Info von Johannes in der Pause daran lag, dass die anderen Instrumente zu leise seien, so dass das nach der Pause behoben war, lustige Ansagen zwischendurch, sehr flotte Hornpipes (das waren doch welche, oder?) und Reels, gefühlvolle Liebeslieder, wieder das mystische „Broceliande“, bei dem man Sabrinas schaurig gekratzte Geige leider nicht so deutlich hörte wie sonst, auch wieder die Laridée, auf die aber leider niemand tanzte, ein seemännischer Shanty, bei dem das Publikum den Refrain so kräftig mitsang, dass wir dafür eigentlich einen Segelschein bekommen müssten, und besonders zu erwähnen, Irish Step Dancing-Einlagen zweier Damen namens Antje und Anike, die einen Hauch der großen Tanzshows in die Gaststube brachte. Das Einzige was nun eigentlich noch fehlte, war, dass auch Sabrina mal sang, denn während die drei Männer sich nicht scheuten, auch ihre natürlichen Instrumente, erklingen zu lassen und nicht nur die künstlichen, erklang Sabrinas Kehlkopf nur für ihre Ansagen. Zum Ausgleich hüpfte sie aber ab und zu wieder ausgelassen beim Geigespielen, während die drei Herren die meiste Zeit nur saßen oder vielleicht auch mal kurz standen.
Nee, es fehlte eigentlich nichts, außer, dass sie endlich mal ein Whisht!-CD produzieren sollten. Na, die wird bestimmt eines Tages kommen.

Der Bungertshof mausert sich immer mehr zum folkigen Szenelokal, das nächste irische Konzert mit Nadja Birkenstock am 22.12. soll schon ausverkauft sein, aber am 25.12., also nicht am Stephen’s Day, sondern einen Tag davor, am 1. Weihnachtsfeiertag soll die monatliche Session statt finden. Ansonsten, wie schon mal angekündigt, wird am 3.2.2006 die wohl dienstälteste Bonner Folkband ihr 30. Bühnenjahr im Bungertshof einleuten, und wer den Geiger auf unserer Homepage noch immer nicht erkannt hat, wird ihn dann leibhaftig kennen lernen dürfen.

http://www.whisht.de/
http://www.bungertshof.de/

MAS

Thursday, December 15, 2005

CD-Rezension: The Duggans & Friends. Rubicon

The Duggans & Friends. Rubicon

MDM Records 2004 mit Fotos und Infos (engl.)
15 Tracks, 64,12 Minuten

Die Brüder Pádraig & Noel Duggan (Gesang, Mandoline & Gesang, Akustische Gitarre) legen mit dieser Scheibe eine großenteils ruhige, nur in wenigen Liedern etwas temporeichere CD vor, die sehr gut in das Kielwasser der Clannad-Veröffentlichungen passt. Im Büchlein ist auch erzählt, wie die beiden dereinst die heute als Cultband gehandelte Familiencombo gründeten. Dass die beiden in den vergangenen drei Jahrzehnten ihrer musikalischen Karriere aber nicht alles nur auf das eine Pferd setzten, beweist die lange Reihe der Freunde, die als Gastmusiker mitwirken: Eamonn de Barra (Holzquerflöte), Kerstin Blodig (Gesang, Akustische Gitarre, Bouzouki, Bhodrán), Máire Breathnach (Fiddle, Viola, Hintergrundgesang), Brídín Brennan (Gesang), Deidre Brennan (Gesang, Bones), Moya Brennan (Gesang), Ciaran Byrne (Hintergrundgesang), Paul Byrene (Percussion, Akustischer Bass), Orlagh Fallon (Gesang), Urs Fuchs (Percussion, Akustischer Bass), Finbar Furey (Gesang, Uilleann Pipes), Peter Jack (Bass), David James (Cello), Ingolf Kurkowski (Trommeln, Percussions), Thomas Loefke (Keltische Harfe), Patsy Dan MacRuidhrí (Gesang), Ian Melrose (Akustische & Elektrische Gitarre), Sean More (Piano), Aidan O’Brian (Uilleann Pipes), Ian Parker (Piano), Andres Roberts (Hintergrundgesang).
Diese hier wie im Büchlein alfabetisch wieder gegebene Liste zeigt sehr schön die Verzahnung irischer und deutscher Musiker, und Fans wissen ja eh, dass die Duggans auch Mitglieder der in Berlin ansässigen Norland Wind sind. Das besondere an dieser CD scheint mir in Abgrenzung zu den Clannad-CDs weniger der Stil zu sein, als viel mehr, dass die beiden Brüder, obwohl Nichte Moya auch in einigen Liedern mitsingt, ihre eigenen Stimmen mehr zu Gehör bringen. Und auch Kerstin Blodig, die dabei Norland Wind sie Hauptsängerin ist, hält sich hier sehr zurück. Nun sind die beiden aber wohl bessere Instrumentalisten als Sänger, denn die Lieder wirken großenteils eher gehaucht als markant gesungen. Lustig klingt das 70er-Jahre Pop-Lied „Lisa“ aus der Feder der Duggans, das mich an manche Blääck Fööss-Lieder aus dieser Zeit erinnert. Hauptsächlich sind es aber traditionelle Lieder in gälischer Sprache, und für Könner dieser Sprache ist die CD bestimmt ein poetischer Genuss, aber das kann ich nur erahnen. Das müsste z.B. Michael Klevenhaus beurteilen. Nützlich wäre eine zweisprachige Widergabe der Texte im Büchlein. Es gibt auch ein englisches Lied, in dem es heißt: „A bird can sing with a broken wing but not with a broken heart“, was mich an „These broken wings wont’t fly“ von Cherish the Ladies erinnert. Nun mag man den Vogel fragen, was für ihn wichtiger ist, das Fliegen oder das Singen.
Die CD ist ein Muss für Clannad- und Norland Wind-Fans und überhaupt sehr empfehlenswert für Freunde ruhiger, verträumter und dabei gleichzeitig traditioneller und moderner Musik aus dem mystischen Irland.

http://www.clannad.ie/
http://www.thomasloefke.de/
http://www.concertidee.de/norlandwind/

MAS