Thursday, November 09, 2006

CD-Rezension: Talking Water. power of the moon.

Talking Water. power of the moon.

(Westpark 2006, http://www.westparkmusic.com/)
10 Tracks, 48:15, mit wenigen englischen Infos und zwei Fotos

Man sollte ja wie ein seriöser Weinverkoster eine Blindverkostung machen, sich also eine CD anhören, ohne zu wissen, von wem sie ist und vor allem, ohne vorher eine andere Rezension gelesen zu haben. So aber mit dem Wissen, dass da Kerstin Blodig und Ian Melrose mit dabei sind, die ich eh schon in ihren Formationen Norland Wind und Kelpie unheimlich gerne höre, und dann auch noch mit Chris Elstrods Worten im Hinterkopf: „Wer sich nur eine CD im Jahr kauft, sollte 2006 Talking Water erwerben“ (Folker! 06.06, S. 82 bzw. online unter http://www.folker.de/200605/rezi-de.htm ) kann ich gar nicht anders, als sehr positiv voreingenommen die CD in den Spieler zu legen und sehr sehr gespannt auf sie zu sein.

Nun war ich doch sehr überrascht und merke sehr deutlich, was es heißt, dass Musiker an unterschiedlichen Projekten arbeiten. Mein erster Eindruck: Irish Soul. Ja, interessant, hört sich gut an, eine gute Fusion. Die anderen Stücke gehen dann in eine andere Richtung, oder viel mehr, in viele andere Richtungen. Da ist Elektonik im Spiel, Synthesizer klänge, dann Trommeln, dann eine Flöte die von Ian ähnlich gespielt wird, wie Davy Spillane seine Pipes spielt, jazzig-poppig-folkig, und Kerstin singt, wie bei einer Filmmusik etwa von „James Bond“ oder „Patrick Pacard“ (erinnert sich noch jemand?), dann wird es ruhiger, Gesang mit Pianobegleitung, mich erinnert es Iona, später Harfenspiel mit einer Melodie, die zu Sally Oldfield passen würde, dann wird es wieder volltönender, Schlagzeug, Keyboard, Gitarre, eine männliche Stimme, die von Urs Fuchs, sehr weich, die nächsten zwei Lieder übernimmt wieder Kerstin gesangsmäßig, dann folgt ein im Kern traditioneller, aber jazz-poppig gespielter Slow Reel, und es folgt wieder, und Kerstin beschließt die CD mit zwei weiteren Liedern, deren letztes im Gegensatz zu den anderen, die englisch gesungen sind, auf Norwegisch. Wenn ich Vergleiche für die Grundstimmung der CD suche, fallen mit die späteren Clannad ein, sowie Iona und Enya. Sie selber nennen den Stil „Groovy Celtic Ethnopop“. Für Trad-Puristen ist die CD nichts, Chris Elsrodt ist wohl keiner, ich bin ja auch keiner, mir gefällt sie gut. Und wenn man den Stil mag, wird man auch diese Darbietung mögen, denn sie ist vielseitig, voll klingend, fein in den Arrangements, hat schöne, manchmal überraschende Details, man merkt, da sind Profis am Werk, die erstens ihre Kunst lieben und zweitens ihr Handwerk beherrschen.

Leider erfährt man nicht viel von dem Pappschuber, in dem die Scheibe steckt. Talking Water sind: Kerstin Blodig (vocals, acoustic guitar, mandolin), Urs Fuchs (vocals, bass, programming, percussion, piano, wolf’s howl (ah, der Wolf ist nicht echt?)), Ian Melrose (vocals, acoustic & electric guitar, whistles, dobro), Wolfgang Cramer von Clausbruch (vocals, harp, keyboards, accordeon, persussion, programming) und Ingolf Kurkowsi (drums). Als Rezensent bekommt man noch eine PDF-Datei mit Bandinfos, auf der auch einige meiner Assoziationen bestätigt werden (ich hatte sie aber, bevor ich da hinein schaute), die kann ich auf Nachfrage gerne nachliefern, und ich werde auf die Westparkmusic-Homepage verwiesen, von der man das Büchlein runter laden kann. Warum ist es nicht direkt bei der CD? Ich denke, da spart man am falschen Ende, denn wer will schon beim Hören schöner Musik ins Internet gehen, anstatt einfach ins vorliegende Büchlein zu schauen, wenn es denn vorläge?

Aber die Trackliste, die habe ich auch offline vorliegen:
1. power of the moon
2. nightglider
3. the ferryman
4. the golden fly
5. the woman of whom i dream
6. wonderland
7. deep blue tonder
8. jenny nettles
9. green meadows
10. bånsull

http://www.kerstinblodig.de/projects/talkingwater.html
Das Booklet findet man unter:
http://web18.lohmar.com/specials.html, es enthält auf sechs Seiten alle Texte und schöne Fotos. Schade, dass es nicht direkt bei der CD dabei ist!

Frühere Rezensionen von mir zu Kerstin Blodig und Ian Melrose:
Norland Wind am 21.3.2001 in der Harmonie in Bonn-Endenich
http://folktreff-bonn-rhein-sieg-rezensionen.blogspot.com/2001/03/konzertrezension-norland-wind-am.html bzw. http://tinyurl.com/8fhwv
Norland Wind am 24.11.2005 im Bungertshof in Oberdollendorf
http://folktreff-bonn-rhein-sieg-rezensionen.blogspot.com/2005/11/konzertrezension-norland-wind-im.html bzw. http://tinyurl.com/dux2q

MAS

Nachtrag: Erst nachträglich erfuhr ich von Kerstin Blodig, dass ich nur ein Promo-Exemplar der CD erhalten hatte, das ohne Büchlein war, bei den Verkaufsexemplaren aber sehr wohl eines dabei ist.