Monday, July 26, 2004

CD-Rezension: Unkenschnabel. le Percheron

auch rundgeschickt am 26.7.2004 12:04 Uhr
Unkenschnabel. le Percheron
7 Tracks; 22,31; Fotos; Eigenverlag; http://www.unkenschnabel.de (dahinter kommt aber nichts)



Ich eilte durch das Rudolstädter Festivalgewühl meiner Bande nach, die einem Café entgegen strebte, da schickten am Straßenrand drei Straßenmusiker sich zum Spielen an. Ich ließ meine Bande ziehen und blieb wie festgenagelt stehen, als die drei auf Drehleier, Akkordeon und E-Gitarre einen französischen Tanz spielten. Nach dem letzen Ton, griff ich schnell nach einer CD, zahlte (weswegen ich hier gegen die Regel, nur kostenlose Rezensionsexemplare zu besprechen, verstoße, und hoffe, dass die Musiker, die mir bislang solche geschickt haben, mir deshalb jetzt nicht böse sind), und eilte den Meinen nach und fand sie auch bei Tee und Kuchen.

Die CD ist äußerlich einfachst gestaltet: Ein gebrannter Rohling ohne Beschriftung in einer dünnen Hülle mit schwarzweiß kopiertem Heftlein, dass immerhin zweimal einen Schimmel zeigt. Das Trio ist aus dem Münsterland, fand ich mittlerweile heraus (sie stehen ja auch im Festivalprogramm), und wenn so mancher Drehleierspieler darüber stöhnen mag, schon wieder erklären zu müssen, dass er keine mittelalterliche, sondern zeitgenössische Musik spielt, so spielen diese beides, und das mit einem Drive, mit verschiedenrhythmischem Schnarren, mit mal Flöten, mal Schalmei dabei, mal auch mit lateinischem Gesang, es reißt mich einfach mit. Wenn die weiter üben und die Themen noch etwas vielfältiger variieren, dann hat Blowzabella bald Nachfolger gefunden!

Trackliste:
1. Orientalisches
2. Branle des Chevaux
3. Flötenstück
4. Boulevard Garibaldi
5. An Dro
6. Tetus Floxo
7. D-Stück
8. le Percheron

MAS

CD-Rezension: Woltähr. Trierer Venus + Trier by night

rundgeschickt am 26.7.2004 12:04 Uhr:

Woltähr. Trierer Venus
(1996)
15 Tracks; 62,16; Texte, Infos, Fotos; Op der Lay, CD 60200, L-9650 Esch/Sauer

Woltähr. Trier by night
(2003)
20 Tracks; 72,33; Texte, Infos, Fotos; Op der Lay, CD 60800, L-9650 Esch/Sauer


Meine Frau und ich besichtigten während des Waldeckfestivals unterhalb des Festivalgeländes die Ruine der alten Burg Waldeck, da vernahmen wir aus den Mauern heraus einen harten Saitenklang und einen Gesang. „Meine Heimat ist das Land der Sommersterne“ sang es, „die funkeln mich voll an, damit ich lerne, was manchem Christ verborgen ist“. Ein Sänger stand da im alten Gemäuer, schlug die Leier und formte romantische Verse. Erst etwas später kam ich mit ihm ins Gespräch, und er stellte sich vor: Walter Liederschmitt von der Gruppe Woltähr aus Trier. Bei einer späteren elektronischen Kontaktaufnahme nach einem Blick auf die Homepage der Gruppe frug ich an nach einer Rezensions-CD und Walter bot mir an, mir zwei CDs zum Preis von einer zu schicken, und ich solle was schreiben, wenn ich wolle. Nun das will ich, wenn ich jetzt auch nicht weiß, welche der beiden CDs die bezahlte und welche das Rezensionsexemplar ist. Na egal, ich schreibe über beide was:


http://www.woltaehr.de/abb_cd_trierervenus.jpg
http://www.woltaehr.de/cover_bynight_gr.jpg


http://www.woltaehr.de/

Beide CDs überraschten mich zutiefst: Die Gruppe Wöltähr kreiert eine Musik, die schwieriger als fast alles, was ich sonst so aus dem Folk-Bereich höre, in eine Schublade zu stecken ist. Wie wäre es mit der Schublade: moselfränkische und hochdeutsche, keltenromantische, heimatverliebte, obrigkeits- und kirchenkritische, frankophile, folk-jazz-rockige Chansons? Das trifft es zum Teil, aber lasst uns einen Blick auf ein paar Details werfen.

Die meisten Lieder sind in moselfränkischem Dialekt gesungen, jener westmitteldeutschen Mundart, die in verschiedenen Variationen ungefähr vom Siegerland bis Luxemburg und von Sieg und Ahr bis Lahn und Nahe reicht. Als Lahnsteiner bin ich ja selber gerade noch so in diesem Dialektbereich aufgewachsen (allerdings han mir do schon e bissje ne hessische Inschlach, aach wenn mir noch nit babbele sondern schwätze), und doch ist mir die moselfränkische Mundartszene weit weniger vertraut als die ripuarische, also rheinische im Sinne von kölsche, nordeifeler usw.. So klingt es mir teils heimatlich-vertraut, teils aber auch fremd, z.B.:

„Hei stiehn die, die ömmer hei stiehn
on nochgaor nöt esu flott haam giehn,
wu deWeinstand obbm Maort scho lang zu hat’t
ös hihr Aort, dat se nor maol wie obb grußerFaohrt
aweil dorch de Naocht hei giehn …“
(aus „Trier by night“)

Beiden CD sind sämtliche Texte beigelegt, bei „Trierer Venus“ auch mit hochdeutscher Übersetzung. In mir erwuchs jedenfalls das Interesse, mich ein wenig mit den Mundarten zu beschäftigen, und wer sich auch dafür interessiert, kann ja mal diesen Links folgen:
http://members.tripod.com/~radde/Mundarten.html
http://de.wikipedia.org/wiki/Fränkische_Sprache
http://de.wikipedia.org/wiki/Lautverschiebung
http://de.wikipedia.org/wiki/Mittelfränkisch
http://de.wikipedia.org/wiki/Moselfränkisch
http://www.suertenich.com/html/moselfr.html
http://de.wikipedia.org/wiki/Ripuarisch


Einige Lieder sind auf hochdeutsch, ein paar wenige auf englisch, französisch oder gar griechisch vorgetragen. In den Texten wird immer wieder Kritik an der Obrigkeit, sei sie kommunal, staatlich oder kirchlich, laut, Querdenker aus der Trierer Geschichte werden gewürdigt, Sympathie mit unterdrückten Völkern und Bevölkerungsgruppen, seien es die Kelten, die Hexen oder die Indianer, kommt zum Vorschein. Viele Texte wirken aber auch traumhaft surrealisitsch und/oder enthalten Biografisches, das in seinen Zusammenhängen dem Uneingeweihten nicht so recht verständlich ist.


Die Kirchenkritik, zum Beispiel an dem Wallfahrtskult um den Heiligen Rock, kann aber bisweilen auch Töne annehmen, die eventuell nicht nur scheinheiligen Schabernack anprangern, sondern, wie eine Freundin aus unserer interreligiösen Dialoggruppe, der ich von dem Lied erzählte, es einschätzte, auch religiöse Gefühle verletzen kann, wenn es zum Beispiel heißt:

„De Jesus waor die Woch öm Duhm
o' wollt nao'm Heilije Rock siehn
Dao sieht n dn O.B.
voll öm Ornat vir dr Kabell stiehn ‚
Wat ös dat hei fier e Bahai?
Seid dihr dann allegaor' doll?
Mensch, schröer kann't gaor nömmi gänn,
dihr krit namma all dn Aorsch voll!‘“
(aus „Trierer Venus“)

Die Trierer Venus ist übrigens ein Torso jener römischen Göttin, der von christlichen Pilgern bis zur Unkenntlichkeit gesteinigt wurde.

Immer wieder wird auf die alten Treverer Bezug genommen, jenem keltischen Stamm der zu römischen Zeiten rund um Trier siedelte und nach denen die Stadt benannt ist. Walter Liederschmitt ist auch Heimatforscher und Stadtführer, und weiß teils historisch-sachlich, teils romantisch-verklärt von deren Kultur und Religion zu erzählen und zu singen und auch die ethnischen Verwandten in der Bretagne und auf den britischen Inseln miteinzubeziehen.

Die Autoren der Texte sind neben Walter Liederschmitt Rudolf Löwenstein, Karl Marx, Heinrich Heine und andere.

Was die Musik selber anbelangt, so ist sie nicht minder vielseitig: die Melodien klingen mal wie französische Chansons (Walter liebt Georges Brassens), mal sind es traditionelle deutsche Volksliedmelodien, vieles klingt jazzig, nicht weniges rockig, und oft klingt es schräg, ähnlich wie die Songs von Bob Dylan, eines anderen Idols von Walter, und dass sie einen Reel spielen können, wird auch gezeigt.

Ja, sie spielen, was mich daran erinnert, die Bandmitglieder zu nennen: Außer Walter Liederschmitt wirken auf „Trierer Venus“ noch Andreas Sittmann (Gesang, Gitarre), Thomas Kramer (Violine, Chor), Ulrike Jochum (Kontrabaß), Volker Dellwo (Flöten), sowie 12 weitere Gast-Musiker(innen) auf diversen Instrumenten mit, auf „Trier by night“ sind es Uwe Heil (Gitarre, Gesang und Hintergrundgesang), Carsten Söns (Bass, Hintergrundgesang), Carola Heiner (Altsaxophon) und Uli Hilsamer (Trommeln). Es herrscht also eine hohe Fluktuation in der Gruppe, da der Frontmann aber der selbe bleibt, ist Kontinuität gewahrt.

Was mit indes noch negativ aufstößt ist die Bitburger-Werbung auf der Rückseite von „Trier by night“. Ist es wirklich notwendig, für diese Brauerei mit ihren über 4 Millionen Hektoliter Jahresausstoß und ihr „meistgezapftes Bier Deutschlands“ auf dieser ansonsten so querdenkerischen CD Werbung zu machen? Was ich von Bitburger halte, kann man hier
http://www.biertest-online.de/cgi-bin/show/ebs.pl?Bier=Bitburger+Premium+Pils
unter MAS nachlesen. Und ich könnte noch einiges mehr erzählen.

Welche der beiden CDs ich eher empfehlen würde, ist schwer zu sagen, eventuell doch „Trierer Venus“, denn auf der befindet sich das Heimatlied:

„Meine Heimat ist das Land der Sommersterne
Die munkeln untereinander, wer wohl gerne
mit wem noch mehr verbunden wär‘.“

MAS

PS: Walter Liederschmitt versicherte mir per E-Mail, dass er nicht von Bitburger gesponsert werde, dass er deren Bier aber nunmal gerne trinke und deshalb die Fotomontage mit der Bitburger-Werbung über der Tür seiner Stammkneipe, die aber Karlsberg ausschenke, gemacht habe.

Sunday, May 23, 2004

CD-Rezension: Johannes Mayr. blue bellow

Johannes Mayr. blue bellow
(rundgeschickt am So 23.05.2004 19:36)

Ojo Music, Breitscheid, 12 Tracks mit zusammen 54,33 Minuten. http://www.johannes-mayr.de


http://www.johannes-mayr.de/bilder/bluebellowcd_big.jpg

„Die schönsten Lieder haben immer die traurigsten Texte“, sagte Johannes Mayr mal bei einem Auftritt im Bonner Folktreff, als er das Lied „Annan Waters“ ankündigte. Auch wenn auf dieser CD nur zwei Lieder und ansonsten Instrumentalstücke vertreten sind, drückt dieser Satz meines Erachtens doch die Stimmung der CD sehr gut aus. Wer Johannes nur als Mitglied von Lynch the Box kennt, erwartet eher eine andere Musik, auch wer ihn von Hölderlin Express kennt, wird leicht auf die falsche Fährte geführt, eher hat schon der den richtigen Vorgeschmack, wer ihn mit Rolling Drones gehört hat, ganz bestimmt aber, wer seine zwei Konzerte beim Bonner Folktreff besucht hat.

Johannes hat schon eine lange musikalische Laufbahn hinter sich. Gebürtiger Bayer, genauer Augsburger, lange regelmäßiger Mitspieler bei der Boulanger Session in Tübingen, jetzt lebend im Westerwald, hat er nun seine erste Solo-CD veröffentlicht, in welcher er sich trotz seiner vielfältigen Instrumentbeherrschung auf das Akkordeon beschränkt, abgesehen von zwei Liedern, in welchen er auch seine Stimme benutzt. So ganz solo ist er aber nicht, denn zum Einen begleitet ihn seine Frau Ingrid Mayr-Feilke (Drehleier (übrigens in Stück 6 „Endless 5“, nicht in Stück 9 „Danse pour les leons“, wie im Begleitheft genannt), Low Whistle und Blockflöte), zum Anderen Olaf Sickmann (akustische und elektrische Gitarren) und Gudrun Walther (Geige).

Acht der zwölf Stücke sind Eigenkompositionen von Johannes, zwei von Olaf. Von den beiden Liedern ist „Wassermann Wenzel“ von Cesar Bresgen aus dessen Schuloper „Die Stadthüpfer“ von 1985 und „Annan Waters“ traditionell englisch. Beide Lieder handeln von unglücklichen Liebesbeziehungen, das erste erinnert zudem an romantische Wassermannballaden, und auch die Instrumentalstücke strahlen nicht unbedingt eine traurige, aber eine ernste Stimmung aus, und doch scheinen die meisten tanzbar zu sein (ich bin kaum Tänzer, deswegen das „scheint“). Ich hatte anfangs etwas Schwierigkeiten, hineinzukommen, aber je öfter ich die CD höre, desto besser gefällt sie mir. Ich bin eher ein visueller, als ein auditiver Typ, und mir kommen beim Hören von Musik oft Landschaftsbilder vor das innere Auge, wobei es bei den meisten Melodien dieser CD norddeutsche oder allgemeiner Landschaften des Raumes südlich von Nord- und Ostsee sind, irgendwo zwischen Bretagne und Estland, geprägt von einer endlosen, grünen Weite, durchzogen von Flüssen und Kanälen, Alleen und kleinen Waldungen in riesigen Feldern und Wiesen. Gleichwohl hörte ich die CD auch letztens sehr gerne bei einer Fahrt durch das weit weniger flache Rheinhessen. Der bayerisch-französisch anmutende „Zwiebacker“ ist übrigens schon auf der 1998er Deutscher Folk-Förderpreis-CD drauf, dort allerdings eine Minute kürzer.

Ich möchte „blue bellow“ all denen ans Herz legen, die sich die Zeit nehmen können, sie sich mehrmals anzuhören, um Ihr auf die Spur zu kommen, und die sich gerne auf etwas melancholischere und dabei doch spannungsreiche Töne einlassen wollen. Sie ist irgendwie so, wie Andreas Rogge mir mal den Menschentyp seiner mecklenburgischen Heimat beschrieb: Er hält sich Fremden gegenüber eher zurück, aber wenn er mal Freundschaft geschlossen hat, dann ist das ernst gemeint. Und dann kann man eben auch einer zwanzigjährigen Löwin ein Geburtstagsständchen komponieren und beim Laubrechen im Herbst einen Walzer tanzen.

MAS

Saturday, April 24, 2004

Konzertrezension: 3. Bonner Irish Folk Festival am 24.4.2004 in der Harmonie in Bonn-Endenich


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3. Bonner Irish Folk Festival am 24.4.2004 in der Harmonie in Bonn-Endenich

Am Samstagabend, dem 24. April 2004 war es wieder so weit: Die Bonner Irish Session Musiker unter der Führung von Sabrina Palm luden zum Bonner Irish Folk Festival ein, und zwar zur Nr. 3 dieser Reihe. Drei Gruppen erklommen nacheinander und zum Schluss auch noch gemeinsam die Bühne und brachten das Publikum zum Toben.

Gruppe Nr. 1 war Laundry List, nicht aus Bonn oder der näheren Umgebung, sondern als offizielle Gastgruppe aus Deutschlands Norden, genauer aus Hamburg und Bremen angereist. Olaf und Heike spielten auf Mundharmonika bzw. Fiddle flotte irische und anfangs auch französiche Tunes, begleitet von Jørgen (für des ø nicht mächtige Programme: Jörgen) auf der Gitarre. Letzterer sang zwischendurch auch ein paar schottische und irische Songs, zu denen ich mir auch gerne noch eine Tinwhistle-Begleitung gewünscht hätte, wohl auch in Erinnerung an die Boulanger Session in Tübingen, wo ich diesen Begleitungspart zu „Sleep ye Mary“ und „Paddy’s Lamentation“ gerne übernommen habe. Das Trio hatte große Mühe, dem Publikum eine gewünschte Zugabe zu versagen, aber Zugaben gab es eh nicht, dazu war das Programm zu gedrängt.
Im Web ist die Wäschereiliste zu finden unter http://www.worldmusic.de/laundry_list/

Dann kamen die Einheimischen zum Zuge, und zwar zunächst Till Nine. Dazu brauche ich ja eigentlich nicht viel zu schreiben, denn sie waren schon beim 1. BIFF vor zwei Jahren dabei, aber auch in dieser Zwischenzeit haben sie sich wieder weiter entwickelt. Christa sang, Matthias flötete und Bernd und Werner erzeugten ihren typischen, clannadähnlichen Klangteppich auf Gitarre und Bouzouki. Sehr schön fand ich dann die gelungenen Sets, die aus einem Lied und eingespielten Tunes bestanden, die sich immer wieder abwechselten. Als könnten die vier nicht alleine ihren Part bestreiten, baten sie noch Näx und Nicole hinzu, die auf Whistle, Uilleann Pipe und Fiddle der Torte das Sahnehäubchen aufsetzten. Da kann man echt froh sein, dass sie nicht nur unter der Dusche vor sich her trällern, der Welt würde was Wunderbares vorenthalten!
Till Nine ist im Web unter http://www.till-nine.de/ zu finden, Näx und Nicole bei Tjunichtgut unter http://www.tjunichtgut.de und bei Ryans Airs http://www.ryansairs.de/.

Band Nr. 3 hat sich eigentlich den falschen Namen zugelegt. Denn wenn sie loslegt, kann man gar nicht anders als zuzuhören, und es ist nicht notwendig, mit einem „Whisht!“ um Ruhe und Aufmerksamkeit zu bitten. Johannes, Sabrina, Holger und Eckhard heizten ordentlich ein mit Whistles, Pipes, Fiddle, Percussion und Gitarre, und zwar irisch, schottisch und bretonisch. So sang Johannes auch Alan Stivells Lied über den Zauberwald Broceliande, begleitete sich selbst aber nicht auf der Harfe, sondern auf dem Keyboard. Sabrina zeigte dabei, dass man einer Geige nicht nur schöne Töne entlocken kann und bei den schnelleren Tunes dass es durchaus möglich ist, wie ein Massai zu hüpfen und gleichzeitig zu fiddeln. Rhythm&Reel ist bei weitem der Schwerpunkt von Whisht!, und das in einer Qualität, die der der guten irischen Gruppen nicht nachsteht. Nur mit dem Vortragen einer tanzbaren Ridée bzw. Laridée hapert es ein wenig: ich hätte bei dem Tempo meiner Holden beinahe den kleinen Finger ausgerenkt. Aber vielleicht lag das auch an meiner mangelhaften Tanztechnik.
Whisht! findet man im Netz unter http://www.whisht.de.

Bei der Festivalsession aller drei Gruppen dann wurde ganz treffend gesungen: „You couldn’t have come to a better time.“ Oh ja, es waren wundervolle, mitreißende, verzaubernde dreieinhalb Stunden! Wozu noch nach Irland reisen?

Nein, den letzten Satz nehme ich zurück, denn die Deutsch-Irische Gesellschaft, die das Fest gesponsert hat, möchte ja nicht, dass dadurch der Irland-Tourismus geschädigt wird. Es soll ja auch noch andere Gründe geben, die grüne Insel zu besuchen. Ich jedenfalls hoffe, in einem Jahr wieder die Harmonie besuchen zu dürfen, wenn Sabrina und Co. einladen zu 4. Bonner Irish Folk Festival!

MAS

Tuesday, February 17, 2004

CD-Rezension: Lokal Heroes. Hurrah...

Lokal Heroes. Hurrah...
Eigenverlag 2003 mit wenigen Infos und Foto14 Tracks, 42,17 Minuten

Hi Folks,

mir wurde eine CD zwecks Rezension im folkigen Rundbrief zugesandt.


http://www.fivestrings.de/images/CDCover_000.jpg

„Hurrah...“ ist nach „live!“ (1996) und „Sailing Damages Health“ (2001) die dritte CD der Bonner Irish Folk Rock Gruppe Lokal Heroes. Was man beim Besuch der Livegigs erfahren kann, das merkt man auch bei den CD: Entwicklung!

Die Lokal Heroes waren einst eigentlich typische Vertreter der Kategorie, die Petr Pandula einst polemisch „die Pogues von überall“ nannte. Sie waren in erster Linie eine Pogues-Coverband, die mit rauhen und schnellen Pub- und Rebellsongs für eine urige, den Guinnessdurst anheizende Stimmung sorgte.

Im Grunde ist das jetzt nicht so sehr viel anders und soll es auch gar nicht sein. Noch immer ist die Musik von der nach Whisky klingenden Stimme Christoph Spixs und einem alle Songs begleitenden Schlagzeug geprägt. Dahinter und rundherum aber klingt es sehr differenziert, mal schräg, mal sehr harmonisch, vielstimmig, vielstilig auf Whistles, Violine, Manduline und anderem. Man hört außer irischen Melodien auch Skandinavisches, Slavisches, Jazziges, Raeggae. Gastmusiker Matthias Höhn, Mitglied von Morris Open, und Liene Séjáne sorgen auf Sackpfeife bzw. Flöte für noch mehr Abwechslung. Und alles ist stimmig, fügt sich passend ineinander, bildet einen angenehmen, runden Klangteppich.

Beim vergleichenden Blick auf die Inhaltsverzeichnisse der drei CDs mag es einen überraschen, dass „Parting Glass“ schon auf CD 1 und „The Rover“ (= „I’m A Rover And Seldom Sober“) schon auf CD 2 vorhanden sind, aber beim vergleichenden Hören stellt sich heraus: Das sind keine Wiederholungen aufgrund mangelnden Liedrepertoires, sondern es sind neue Variationen, je nach Geschmack bessere.

Ich kann also durchaus empfehlen, die 13,- Euro anzulegen. Die CD eignet sich sehr gut zum Autofahren, macht gute Laune und hebt die Stimmung. Schade ist nur, dass es kein Büchlein gibt, in dem man etwas über die Songs nachlesen könnte.

Apropos Büchlein: Im Booklet der 1. CD sind zwei Damen abgebildet, Marion Lex und Bärbel Langenberg, die nicht mehr bei der Gruppe sind. Auf der CD sind ihre Stimmen leider auch nicht zu hören, und dabei erinnere ich mich bei einem Liveauftritt eine der beiden zusammen mit Christoph Stix „The Fairytale of New York“ singen gehört zu haben. Das sollte man mal bei der nächsten CD aufnehmen!

http://www.lokalheroes.de/

Sunday, December 14, 2003

Konzertrezension: Bonner Folktreff mit Irish Stew am 14.12.2003 im Anno Tubac in Bonn

Bonner Folktreff mit Irish Stew am 14.12.2003 im Anno Tubac in Bonn
Ein folkiger Tanzabend


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Vor der Bühne hatte man extra zum Tanzen die Tische zur Seite geräumt, denn bei dieser Musik konnte ich jedenfalls nicht ruhig auf dem Stuhl sitzenbleiben, die temperamentvolle Musik geht mir regelmässig sofort in die Beine.


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So tanzte ich denn in meinem Kilt, der übrigens aus irischer Produktion stammt, etliche Male mit. Auch einige Damen trieb es auf die kleine Tanzfläche.


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Hier kam Eva gleich mit auf die Tanzfläche. Sie ist auch eine der treuesten Besucherinnen des Folktreffs. Einige ruhigere Stücke liessen uns dann eine kleine Atempause, trotz meines luftigen Rockes kam ich ganz gut ins Schwitzen. Aber es macht sehr viel Spass, zu dieser Musik zu tanzen.


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Nach der Pause gab Michael, unser Mit-Organisator und Ansager, eine kleine Probe seines Könnens auf der Mundharmonika. Am Anfang leitete er den Abend mit einer Darbietung auf der Tin-Whistle ein. Eine besondere Einlage bot ein Mitglied der Band, in dem er auf einer richtigen Säge spielte, so wie sie von Waldarbeitern benutzt wird.



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Mit einem speziell dafür hergerichteten Bogen entlockte er diesem Werkzeug einige glasklare Töne. Wir haben nur so gestaunt, dass das ging.

Nun, das war wieder einer der schönsten Abende des Folktreffs. Es ist schade, dass dies die vorletzte Veranstaltung war. Vielleicht findet sich noch jemand, der bereit und in der Lage ist, die Lücke, die Claudia hinterlassen wird, zu schliessen und dem Folktreff damit eine Überlebenschance zu bieten.


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Es wäre schade, wenn dieser Saal in Zukunft leer bleiben würde.

http://www.irishstew.de

FLR

[Diesen Bericht stellt Ferdi ursprünglich auf eine Unterseite unserer Homepage, die aber nicht mehr existiert. Zum Glück wurde er von Irish Stew gerettet, die ihn auf ihre eigene Seite stellten, wo wir ihn jetzt wieder her haben. MAS]

Saturday, April 26, 2003

Konzertrezension: 2. Bonner Irish Folk Festival am 26.4.2003 in der Harmonie in Bonn-Endenich


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2. Bonner Irish Folk Festival am 26.4.2003 in der Harmonie in Bonn-Endenich

Ich weiß gar nicht so recht, was es ist, kenne mich mit Tonarten, Harmonien, Rhythmen usw. kaum aus, aber irgendwie merke ich es doch, dass sich in der irischen Musik da was tut, dass da etwas anders klingt bei Gruppen wie Lúnasa, Solas oder Flook als bei Gruppen wie Planxty, Bothy Band, Altan, Dé Danann oder den altehrwürdigen Chieftains, obwohl letztere bestimmt Pate gestanden haben. Und ich merke auch, dass dieser etwas andere, etwas schrägere, etwas jazzigere, etwa avantgardistischere Klang nun auch in deutsche Irish Folk Gruppen Eingang findet.
Sicher war dieser etwas andere Klang vor allem beim ersten Stück zu hören, mit dem Tj:unichtgut das 2. Bonner Irish Folk Festival begann, denn es stammte aus der Feder von Michael Mc Goldrick. Aber zwischen den auf herkömmlich-traditionelle Art gespielten Tunes, tauchte immer wieder mal dieses etwas Andere auf, auch bei Friel’s Kitchen, der letzten Gruppe des Abends.

Das Konzert begann also mit Tj:unichtgut, einer Nachfolgeband von Cromlech, die sich vor allem in Jigs, Reels, Slipjigs und dergleichen auf Pipes, Whistles, Fiddles, Gitarren, Bouzoki, Bhodran u.a. ergingen, unterbrochen aber von getragenen Liedern von Nicole Maldonado, die ich noch nie hatte singen hören. Sagenhaft! Ich kenne die Musiker(innen) ja von den Fiddler’s Session her, auch wenn ich im letzten Jahr kaum Zeit hatte, diese zu besuchen, aber ich schlackere schon mit den Ohren, wenn ich mir so anhöre, wie diese sich entwickeln. Ich muss mal wieder öfter zu Session kommen (jeden 1. und 3. Mittwoch im Monat), um weiter Zeuge davon zu werden. Gratulation!!!
Homepage von Tj:unichtgut: http://www.tjunichtgut.de

The Bleedin’ Hearts in irisch-schottisch-deutsch-amerikanischer Mischbesetzung spielten und vor allem sangen eher Gassenhauer und Evergreens, aber so, dass auch die Dubliners ihre Hüte ziehen würden, wenn sie denn welche trügen. Es war ein Schuss Toss the Feathers mit drin und auch etwas Tannahill Weavers, und in der Stimme von Carlos McCarthy war eine Ähnlichkeit mit der von Kieran Halpin zu hören. Das eine oder andere Lied würde ins Kölsche übersetzt auch sehr gut ins Repertoire der Bläck Fööss oder der Höhner passen. In dem vorwärtstreibenden Drive von Stimmen und Gitarren kam aber Mihael (stimmt das so, ohne c?) Miholes Fiddlespiel nicht so richtig zum Ausdruck, d.h. er konnte sein Talent, dass er immer wieder mal in der Fiddler’s Session zeigt, nicht so richtig austoben., sondern musste sich zurückhalten. Aber auch in dieser Zurückhaltung war seine Kraft zu spüren.
Homepage der Bleedin’ Hearts: http://homepages.compuserve.de/MeiklPoelchau/tbhearts/welcome.htm

Die dritte Gruppe war Friel’s Kitchen mit dem bekannten Bandleader Jens Kommnick und dem nicht weniger bekannten Piper Johannes Schiefner, sowie sechs weiteren Musiker(innen), die auf Fiddle, Bhodran, Gitarre, Keyboard und nicht zuletzt ihren Stimmen ein breites Repertoire an Tunes und Songs aus Irland, Asturien, der Bretagne und eigener Feder zum Besten gaben. Die Stimme von Lisa Olivier war mir indes ein wenig zu kräftig und erinnerte mich an Minne Graw von Ougenweide, die mir auch etwas zu kräftig singt. Ich bin eben kein Opernfan, was der meinem Respekt vor der objektiven Qualitiät keinen Abbruch tut.
Homepage von Friel’s Kitchen: http://www.frielskitchen.de/

Den Abschluss bildete die obligatorische Festivalsession, zu der auch die Hauptorganisatorin des Festivals Sabrina Palm mit ihrer Fiddle auf die Bühne durfte. Und was soll ich sagen: Auch auf den großen, den echten Irish Folk Festivals mit dem copyright-geschützen „The“ davor habe ich noch keine bessere Schlusssession gehört!
Also ich freue mich auf den April 2004, wenn die soeben begonnene „Tradition“ fort gesetzt wird.

Festivalsession
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Um Euch auf dem Laufenden zu Halten schaut bisweilen hier rein:
http://achimweimer.de/cromlechinfo/biff/

MAS

Sunday, February 09, 2003

Konzertrezension: Bonner Folktreff mit Secret Seven im Februar 2003

Nachlese "secret 7"


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Zum Konzert von "secret 7" waren sehr viele Besucher gekommen, der Saal war voll, es gab keine Sitzplätze mehr. Den temperamentvollen und abwechslungsreichen Vortrag der Gruppe wollten sich viele nicht entgehen lassen. Hier einige Impressionen des Abends.


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The lion sleeps tonight?....Eben nicht!


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So schön - schön war die Zeit - und die Beine der sechs "secret 7"


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"loss mer Skateboard fohre" - und der Saal fuhr mit!


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Mit der Mode gehen, Röcke über Hosen sind in - und secret 7" geht mit!


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Das gab´s noch nie beim Folktreff: Eine begeisterte Zuschauerin überreicht den Männern Blumen.


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Jedes Konzert hat einmal ein Ende. Die zweite Zugabe spendierten die Künstler aus der Mitte des Saales heraus. Es war einer der schönsten Folktreff-Abende, die ich erlebt habe - dank der Vielseitigkeit und dem Einfallsreichtum von "secret 7". Vielen Dank!

FLR

[Ferdi hatte dieses Rezension unter http://www.maennerrock.de/folktreff/secret7.html ins Netz gestellt, dann aber nicht mehr verlinkt gelassen. Leider stand kein Datum mehr dabei, aber es müsste der Folktreff im Februar 2003 gewesen sein. MAS]

Saturday, April 20, 2002

Konzertrezension: 1. Bonner Irish Folk Festival am 20.4.2002 in der Harmonie in Bonn-Endenich

1. Bonner Irish Folk Festival am 20.4.2002 in der Harmonie


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Noch hatte ich wunderschöne tibetische (Folk-?)Musik im Herzen, die ich am Nachmittag auf dem Tibetischen Kulturtag in der Beethovenhalle gehört hatte und die mich sehr dafür entschädigt hat, dass der als besondere Attraktion angekündigte Vortrag von Michael von Brück nur 20 Minuten dauerte, da MvB sofort wieder zum Flugzeug musste (modern times), als meine holde Gattin und ich unsere Schritte nach Endenich in die Harmonie lenkten, um in bönnsch-irische Klänge einzutauchen.

Unter absichtlicher Nichtbeachtung des ähnlich, aber eben nicht gleich, konzipierten 1. Irish Folk Festes im Brückenforum vom Dezember 2000 fand nun in der Harmonie das 1. Bonner Irish Folk Festival statt, bei welchem fünf Irish Folk - Gruppen aus Bonn und näherer Umgebung (Königswinter und, was Einzelmitglieder anbelangt, auch Köln und Düsseldorf), ihr Bestes auf die Bühne brachten.

Zuerst spielten die Erkelteten, die Gruppe aus acht Kindern und Jugendlichen unter der Leitung von Tom, der seine Brötchen bekanntlich als Musiklehrer verdient. An Instrumenten brachten sie Gitarren, Harfe, Tinwhistle, Uilleann Pipe, Fiddle, Bodhran und Stimme mit. Frontfrau Felicita verhaspelte sich aufregungsbedingt zwar mal im Text, doch wurde sie von der Band und vom Publikum über die Panne hinweg getragen und bekam die Kurve auch wieder. Auch der neunjährige Piper beherrschte sein schwieriges Instrument (in dem Alter dachte ich noch, Dudelsäcke gäbe es nur in Schottland) und aus fachkundiger Quelle erhielt ich die Einschätzung: „Wenn die am Ball bleiben, stecken sie uns in zehn Jahren in die Tasche.“ Die Zukunft des Irish Folk in Bonn könnte also gesichert sein.

Cromlech spielten an diesem Abend nur zu fünft, da Hans-Olaf sein Banjo downunder gebracht hat. Mit Uilleann Pipe, Tinwhistle, Bodhran, Fiddle, Gitarre, Cister, Bouzouki, Querflöte, Harfe und Gesang brachten die fünf einen Spannungsbogen von flotter Sessionmusik und getragenen Liedern dar. Besonders Alexanders stakatohaftes Pipespiel machte deutlich, wie komplex und kunstvoll Volksmusik sein kann. Schade, dass die Gruppe schon wieder auseinander geht, kaum dass sie gegründet wurde!
Homepage von Cromlech: http://www.cromlechinfo.de (Die Seite gibt es nicht mehr, da die Gruppe sich inzwischen wieder aufgelöst hat.)

Till Nine mit Tin- und Lowwhistle, Bodhran, Gitarre und Mandoline schoß für mich den Vogel des Abends ab. Ich hatte sie seit ca. zwei Jahren nicht mehr gehört und war vollkommen überrascht, wie Musiker sich entwickeln können. Mattes Flötespiel trillerte in fröhlichen hohen Tönen, Christa brachte die Bodhran zu tiefen Klängen, die an neuere Kinofilmsounds erinnerten, obgleich sie das Leder bisweilen mit einer gewöhnlichen Haarbürste traktierte und Bernd und Werner ersetzten mit Gitarre und Mandoline die Harfe, die bei Clannad und Norland Wind diesen typischen dichten, rhytmischen, atmosphärischen Sound produziert. Nimmt man noch Christas Gesang und den mehrstimmigen der ganzen Band hinzu, kommen sie genannten zwei Gruppen recht nahe. Musik für Genießer. Einfach phantastisch! Welch ein Glück, dass sie nicht nur bis neun, sondern fast bis halb zehn spielten
Homepage von Till Nine: http://www.till-nine.de

Toms Ensemble für Fortgeschrittene, Rolling Wave, folgte als nächstes. Mit Gitarren, Bass, Uilleann Pipe, Tinwhisle, Querflöte, Harfe, Fiddle, Bodhran und Gesang praktizierten die sieben Musiker(innen) bodenständige traditionelle Musik, gespickt mit lustigen Diskussionen darüber, ob man nun in B oder D spielen solle.
Homepage von Rolling Wave: http://www.rolling-wave.bonn.com (Die Seite gibt es nicht mehr, da die Gruppe sich inzwischen wieder aufgelöst hat.)

Sodann folgte ein Special Act oder, wie wir beim Bonner Folktreff einen kurzen Intermezzo-Auftritt nennen, ein Floorspot und zwar von einem irischen Sprachlehrer, der ein sehnsuchtsvolles gälisches Lied mit Trommel- und Keyboard-Begleitung zum Besten brachte.

Davon, dass es für das Publikum keine Stühle gab profitierten Ben Bulben, die nach einjähriger Babypause wieder back on stage waren. Die fünf Musiker(innen) bedienten mit Gitarren, Querflöten, Bhodran, Tinwhistle, Keyboard und Gesang die Rubrik Speedfolk zum Mitklatschen. Mir persönlich liegt das nicht so, aber das Publikum ließ sich mitreißen, und die beiden Flötistinnen brachten neben erstklassig beherrschten und abwechslungsreich dargebrachten irischen Melodien auch ein paar Filmmusiksequenzen zu Gehör.
Homepage von Ben Bulben: http://www.ben-bulben.de

Wie es sich für ein IFF gehört, bildete den Abschluss eine Festivalsession aller Musiker mit Ausnahme der kleinen Erkelteten, für die es wohl etwas spät geworden wäre. 25 Musiker(innen) sangen „Step it out Mary“, auf Wunsch des begeisterten Publikums auch zweimal. So ging das 1. Bonner Irish Folk Festival zu Ende, erwachsen aus einer Idee Sabrinas, der begnadeten Fiddlerin der Rolling Wave und der Fiddlers Session, die das Ganze dann auch organisiert hat. Herzlichen Dank!!!

Das Festival zeigte, wie vielseitig Irish Folk Musik sogar in einer kleinen deutschen Großstadt sein kann. Und dabei waren noch nicht mal alle Bonner Bands dieses Genres dabei, denn es fehlten die Lokal Heroes, die dafür 2000 im Brückenforum mitmachten. Sabrinas Einschätzung, dass deren Stilrichtung (Pub- und Rebelsongs) nicht so dazu passen würden, teile ich nach der an diesem Abend gehörten Spannbreite nicht. Nun, es war wohl nicht das letzte BIFF. Hoffentlich!

Für den Fall, dass man die Umgebung Bonns etwas weiter fasst, gibt es noch zahlreiche Gruppen, die man einladen könnte, wie z.B. Lynch the Box (http://www.lynch-the-box.de), Mahones (http://www.mahones.de), Irish Stew (http://www.irishstew.de), Limerick, Garlic Stench und wahrscheinlich noch einige mehr.

Noch ein paar Worte zur Organisation: Sehr gut fand ich die kurzen Umbauzeiten zwischen den Gruppen. Etwas unbequem fand ich die nicht vorhandene Bestuhlung. Aber ich bin eher ein sitzender Genießer als ein Rumhopser, und anderen geht es gerade anders herum. Zum Glück hatte ich aber einen Stehplatz direkt vor der Bühne, so dass zumindest mir und meiner Camera niemand im Weg stand. So konnte ich auch ein paar der Fotos schießen, die unter http://achimweimer.de/biff/bilder.htm zu sehen sind. Achim reichte seine Digitalcamera mal diesem, mal jenem, und so auch mal mir. Meine eigenen Dias sind indes noch nicht digitalisiert.

Hier zum Besipiel ein Bild von Alexander "Näx" May, das ich mit Achims Digitalcamera gemacht habe:

http://achimweimer.de/biff/IMG_0221.jpg


MAS

Wednesday, March 21, 2001

Konzertrezension: Norland Wind am 21.3.2001 in der Harmonie

Norland Wind am 21.3.2001 in der Harmonie


http://www.thomasloefke.de/images/plakat5.jpg

Während Harald, ob solo oder mit Band, jährlich mehrmals in Bonn spielt, so dass sie schon fast fest zur Bonner Folk-Szene gehören, gab es gestern (21. März) eine Premiere in unserm Städtchen. Ich weiß nicht, wer von Euch beim Konzert von Norland Wind in der Harmonie war. Mir hat es jedenfalls so gut gefallen, dass ich hier ein paar Worte darüber verwenden möchte:

Zunächst sagte mir der Name nichts, als ich im Irischen Rundbrief davon las. Dann sah ich die Plakate, die mich auch nicht sonderlich ansprachen, außer, dass da die Namen Noel und Pádraig Duggan von der legendären Clannad drauf standen. Seit dem ich Clannad in den 1980ern erstmals auf dem 1975er IFF-Sampler hörte, wollte ich sie unbedingt mal life hören, was aber nicht ging und auch nicht mehr geht, da sie keine Lifeauftritte mehr machen. So wollte ich die Gelegenheit nutzen, zumindest zwei Vertreter dieses Clans zu hören. 30,- DM Eintritt hätten mich beinahe wieder davon abgebracht. Gottlob haben sie es nicht!

Was ich da hörte, war Clannad. Nein, die deutsch-irisch-schottische Gruppe Norland Wind ist keine Epigonen-Band, die Clannadstücke nachspielt. Mitnichten! Sie spielten fast durchweg Kompositionen der Bandmitglieder Thomas Loefke (Harfe), Kerstin Blodig (Gesang, Gitarre, Bouzouki), Ian Melrose (Gesang, Gitarre, Lowhistle), Máire Breatnach (Gesang, Geige, Viola), Matthias Giesling (Keyboard) und eben auch Pádraig Duggan (Gesang, Mandoline, Percussion) und Noel Duggan (Gesang, Mandoline) und einige Traditionals. Aber sie spielten so, wie Clannad in den 70ern spielte, bevor sie mit dem elektronischen Mysticsound anfingen. Die Rhythmik, die Mehrstimmigkeit im Gesang, aber auch bei den Instrumentals, das Tempo, der gesamte Klangkörper, alles erinnerte an Clannad. Auch Kerstins Gesang steht dem von Maire Brennan nicht nach. Sie sang übrigens auf Gälisch, Englisch und Norwegisch. Und Thomas Harfenspiel war weit entfernt von langweiligem Geklimpere, sondern brachte zusätzliche Spannung in die Musik. Ich kann Musik so schlecht beschreiben, mir fehlen die Fachbegriffe und vor allem das Fachverständnis, aber es war das schönste Konzert, das ich seit langer Zeit gehört habe.

Und was mir auch gefiel, war die bescheidene Art der Präsentation, ganz ohne Starallüren oder dergleichen. Wer die Namen kannte, kannte sie, wer nicht, konnte die Musik hören und nach dem beurteilen, was er hörte. Die Musiker(innen) waren Menschen, die Musik machten, ohne Glanz und Glimmer, einfach so. Mal stehen sie auf der Bühne und mal am Strand, mal werden sie vom Publikum und mal von Seehunden beäugt.

Sie versprachen, wieder nach Bonn zu kommen, und wem ich jetzt den Mund wässrig bzw. die Ohren und die Seele durstig gemacht habe, der wende sich am besten an Thomas Loefke (Loefke@aol.com), der schickt Euch bestimmt gerne die Tourdaten zu. Ansonsten erfahrt Ihr davon von Ralf oder mir oder sonst wem.

Homepage von Norland Wind: http://www.thomasloefke.de/

MAS

Tuesday, December 12, 2000

Konzertrezension: Das 1. Irish Folk Fest im Brückenforum am 12.12.2000

Das 1. Irish Folk Fest im Brückenforum am 12.12.2000

Das 1. Irish Folk Fest in Bonn ...

... war nichts für Puristen vom Schlage eines WR aus BN oder eines PP aus RT. Nein, es war etwas für Leute, die Spass an deftiger Folk-Rock-Kost haben. Aber eines nach dem Anderen:

Rainer, seines Zeichens Wirt der Musiktruhe in der Maxstrasse in der Bonner Altstadt, hatte dieses Fest organisiert und dazu extra die grosse Halle im Beueler Brückenforum gemietet. Selbige wurde nicht so voll, wie er es sich gewünscht hätte. Nun, ein Dienstagabend in der Advents- (neudeutsch: Vorweihnachts- und damit sehr stressige Zeit) war auch nicht sooo günstig. Aber so hatte jeder genug Platz zum Tanzen, und es tummelte sich einiges auf der Tanzfläche.

Drei deutsche Gruppen spielten also zum Tanze auf: Den Anfang machte die Bantree Band aus Worms. Das war wirklich Rock (obwohl sie alle Hosen trugen): Gitarre, E-Gitarre, Bass-Gitarre, Schlagzeug und Keyboard, gespielt von vier Musikern, darunter eine -in, und zwar eine Irin, die nicht schlecht sang. Aber manchmal war vor lauter Bass und Heavy die eigentliche Melodie kaum noch zu vernehmen, und das, obwohl sie fast ausschliesslich Traditionals spielten. Das letzte Stück war eher eines aus dem Country-Rock-Bereich, und mir scheint, da liegt ihr eigentliches Talent.

Die Lokal Heroes aus Bonn überraschten mich. Ich hörte sie zum vierten Mal, und sie schienen besser als je. Fünf Musiker mit Gitarren, Keyboard, Tinwhistles, Blockflöten, Sackpfeifen (ein französischer und einer aus der Renaissance), Akkordeon, Schlagzeug gaben schwerpunktmässig Pogues-Versionen bekannter Songs zum Besten, die sie mit Jigs und Reels abwechselten, sowie einer wunderbaren Air auf der Tinwhistle. Die besonders gute Imitation der Pogues hatte aber auch den Nachteil, dass ich gelegentlich auf eine besondere Stelle erpicht war, die dann doch anders gespielt wurde. Matthias, der u.a. Sackpfeifer der Gruppe, sagte mir... Nee, das lasse ich lieber, denn das war vielleicht doch nicht für die Öffentlichkeit gedacht. Jedenfalls spielt er noch in einer anderen Band mit, auf deren Homepage er aufmerksam machte: http://www.morris-open.de. Die Lokal Heroes spielen wieder am 27.1.2001 in der Harmonie in Bonn-Endenich.

Dann, von ihrer Fangemeinde sehnsüchtig erwartet: Paddy goes to Holyhead aus Darmstadt. Was soll man sagen? Ihre aus irischen Pub- und Rebel-Songs hervorgegangene Musik ist ja nicht mehr so eindeutig einzuordnen. „German Folk-Rock“ und „Irish Folk-Pop“ sind Begriffe, die ich mal las. Ihre Eigenkompositionen lassen slavische Einflüsse erkennen, nicht nur wenn „Ivan Kalaschnikow“ die Geige spielt. Sie heizten mit Geige, Gitarren, Mundharmonika, Tinwhistle, Keyboard und einem superguten Schlagzeug dem Publikum ordentlich ein, und das ohne dabei hektisch oder grell zu werden. Nein, die Musik wogte in ruhigen und kräftigen Wellen durch den Saal, wenn auch noch nicht so, wie man es vielleicht von Rawlins Cross kennt, aber die Richtung stimmt. Kalle erinnerte mich hinter seinem Schlagzeug an Pilote von „Farscape“, der mit seinen vielen Armen (oder waren es nur zwei?) das Raumschiff sicher durchs Weltall steuert. Der könnte auch alleine den Saal unterhalten, was er auch in einer ca. zehnminütigen Soloeinlage tat. Ich wünsche ihm, dass er seinen Studienabschluss in Chemie nächstes Jahr genau so gut hinkriegt!

Der 1. Irish Folk Fest in Bonn war also etwas ganz etwas anderes als die Irish Folk Festivals, an die der Name doch erinnert. Wenn ich mir selber auch wünsche, dass beim nächsten Mal, so es ein solches gibt, auch etwas weniger rockige, dafür mehr traditionelle Musik dazu käme (wie wäre es z.B. mit den Rolling Waves aus Bonn), so bin ich mir doch nicht sicher, ob es das selbe Publikum ansprechen würde. Eine Gruppe mit weniger aufwendig aufzubauender Technik zwischendrinn würde wohl auch die Umbaupausen verkürzen, die mit 20 Minuten doch sehr lang waren. Bei den Irish Folk Festivals lösen sie dieses Problem jedenfalls auf die Weise ganz geschickt.

So, ich hoffe, nicht so viel Unsinn Geschrieben zu haben! Falls doch möchte ich mich damit entschuldigen, dass ich eben kein Musik-, sondern Religionswissenschaftler bin.