Wednesday, June 15, 2005

Konzertrezension: Geraldine MacGowan Band am 15.6.2005 in der Brotfabrik in Bonn

Geraldine MacGowan & Band in der Brotfabrik in Bonn-Beuel am 15.6.2005

Geraldine MacGowan sang am Mittwoch, dem 15. Juni 2005 in der Bonner Brotfabrik zusammen in Begleitung ihrer dreiköpfigen Band bestehend aus Eamonn de Barra (Klavier, Flöte), Shane McGowan (Gitarre) und Brian O’Connor (Flöte). Schon von Kindesbeinen an singend, zwischendurch aber ein paar Jahre als Kneipenwirtin ihren Lebensunterhalt verdienend, merkte man ihrer Stimme diese biograpfischen Ereignisse durchaus an, denn sie klang geübt und einfach schön in den meisten Partien, aber erreicht auch ihre Grenzen vor allem in den höheren Tönen. So traf sie den gewollten Ton zu Beginn von “Blackwaterside” nicht, und – so Ralf Wackers Beobachtuzng – erschrak selbst darüber. Diesen einen Patzer glich sie mit der Ballade “Go from my window” aber mehr als aus, „bei der MacGowans Stimme so samtig glänzt, wie das Fell einer schwarzen Katze, deren Schnurrhaare langsam grau werden“ (Elise Schirrmacher. Rezension der CD „Somewhere along the Road“ in Folker! 5/2004, http://www.folker.de/200405/rezi-eu.htm#02).
Es kamen aber keineswegs nur die Freunde irischen Gesangs auf ihre Kosten, sondern auch die der Instrumentalmusik, denn Eamonn, Shane und Brian beschränkten sich nicht darauf, Geraldines Lieder zu begleiten, sondern bliesen, zupften und schlugen zudem noch einige flotte Tunes, die den Saal zum Beben brachten. Brian erwies sich dabei seinem Vornamensvetter Brian Finnegan von Flook zumindest fast ebenbürtig. Auch Geraldine machte bei den Tunes nicht immer eine Pause, sondern bediente sehr gekonnt die Bodhrán.
In dieser Mischung aus Songs und Tunes, langsamen und schnellen war das Konzert bestens dazu geeignet, irische Musik zu repräsentieren, in all den Stimmungslagen, die wir so an ihr lieben.
Im Anschluss an das Konzert durfte ich Geraldine und Eamonn auch noch interviewen, und den Artikel, den ich daraus zimmerte, kann man im Folker! 5/2005 lesen. Hier gibt es eine Vorschau darauf: http://www.folker.de/200505/05geraldinemacgowan.htm

Hier folgen nun noch ein paar Bilder, die ich an diesem Abend machte:


Geraldine MacGowan

Brian O’Connor, Eamonn de Barra, Geraldine MacGowan und Shane McGowan




Geraldine MacGowan und Eamonn de Barra













Ralf Wackers, Ellen D. Jeikner und Geraldine MacGowan

MAS

http://www.geraldinemacgowan.com/

Wednesday, June 08, 2005

CD-Rezension: Faust. vildsint

CD-Rezension: Faust. vildsint
Eigenverlag, 2005, mit Infos engl. schwed. u. Fotos
12 Tracks, 54,46 Minuten



Wer meine Rezension vom Faust-Konzert vom 3.5.2005 im Feuerschlösschen gelesen hat und sich nun ärgert, dass er das Konzert verpasst hat, sei getröstet, denn mit der neuen CD vildsint bekommt man 12 Stücke dieser urigen und doch so kunstvollen Musik zum dauerhaften Anhören. Auf mich wirkt die CD noch schwedischer als das Konzert, was auch, aber nicht nur an den von Anders Ådin gesungenen vier schwedischen Liedern liegt, sondern auch an den vier Polskas, aber auch andere Instrumentalstücke vermitteln eine durch und durch schwedische Stimmung, die einen rote Holzhäuser auf grünen Wiesen an blauen Seen sehen lässt. Traditionelle Stücke und Eigenkompositionen von Alban Faust und Christer Ådin bilden die Mehrheit, an sonstigen Komponisten sind genannt: J.C. & B. Blanc, Gilles Chabenat und T. Theuns, die allesamt keine Schweden, sondern Franzosen und ein Belgier sind. Damit, aber auch mit dem von Christer komponierten „Bretonska Mardrömmer“ („Bretonischer Alptraum“) wird die Brücke zu weiteren westeuropäischen Bordunmusik gebaut, wobei vor allem Chabenats Schottischer „La grand bête“ („Das große Tier“ oder „Der große Dummkopf“) dermaßen groovig mit Drehleier, Sackpfeife und Percussion gespielt ist, dass sie die CD schon allein deshalb lohnt.

Kurzum: dieses CD ist ein Muss für die Schnittmenge der Liebhaber skandinavischer Folkmusik und westeuropäischer Bordunmusik, ein Soll für die, die nur eines von beiden mögen und auch denen zu empfehlen, die von alle dem noch keine Ahnung haben, aber gerne hätten. Jutta Mensing vom Folk im Feuerschlösschen müsste noch welche auf Kommission da haben. Sie kostet allerdings 18,- €.

Die Besetzung der CD:
Alban Faust: schwedische Sackpfeife, Dalsland Pfeife, Schlüsselfiedel, hölzerne Low Whistle;
Christer Ådin: Bordunmandola, mandola, Akkordeon, Maultrommel
Anders Ådin: Drehleier, Gitarre, Gesang, Stuhl
Gastmusiker Ulf Gruvberg: Maultrommel, Gesang
http://www.faust.se

Tuesday, May 03, 2005

Konzertrezension: Faust bei Folk im Feuerschlösschen in Bad Honnef am 3.5.2005

Konzertrezension: Faust bei Folk im Feuerschlösschen in Bad Honnef am 3.5.2005



Svensk Folkmusik, schwedische Volksmusik, hört man hierzulande weitaus seltener als Irish Folk Music, irische Volksmusik. So war ich sehr erpicht auf das Konzert des Trios Faust am 3. Mai 2005 im Feuerschlösschen in Bad Honnef. Die ersten Klänge erinnerten mich indes viel mehr an Mittelaltermärkte, denn an das, was ich bisher an schwedischem Folk kannte. Alban Faust blies eine Sackpfeife, begleitet von Anders Ådin auf einer Drehleier. So mancher deutsche Zeitgenosse ordnet, wenn er schon darüber hinaus ist, Sackpfeifen einseitig als schottisch einzustufen, die Kombination aus Sackpfeife und Drehleier einseitig der Mittelaltermusik zu, denn Bordunmusik ist leider nicht sehr bekannt in unserm Land. Das schwedische Trio dieses Abends setzte aber noch einiges bordunmäßig drauf, denn nicht nur die Nyckelharpa, die Schlüsselfiedel, bei welcher ja unter den Spielsaiten auch spezielle Bordunsaiten mitklingen, kam zum Einsatz, sondern auch eine Mandola war ein Borduninstrument, mit einer Bordunsaite neben jeder Spielsaite. Außer diesen Bordun-, kamen auch noch „normale“ Instrumente hinzu, nämlich Gitarre, diatonisches Akkordeon, Flöte (eine Art hölzerner Low Whistle), Maultrommel, elektronische Percussion (aber nur bei einem Stück), und die menschliche Stimme. Auf diesen Instrumenten gaben Alban Faust, Anders Ådin und dessen Bruder Christer Ådin ein uriges, volltönendes, oft temporeiches, manchmal bedächtigeres Konzert. Tänze wie Walzer, Polskas, Schottische, sowie Hochzeits- und Liebes- und Kinderlieder hallten durch das wegen seiner guten Akustik berühmte Foyer des Feuerschlösschens.

Von drei verschiedenen Sackpfeifen, die Alban spielte, waren zwei Ellbogensackpfeifen, gewissermaßen also Uilleann Pipes, aber durchaus im Stehen zu spielen, nicht im Sitzen. Alban ist ja auch Instrumentenbauer, und hat diese beiden Ellbogenpfeifen selbst entwickelt, und die eine mit einem schwedischen, die andere mit einem französischen Chanter versehen. Er sagt mir in der Pause, die Ellbogenpfeifen seien bei Konzerten mit häufigerem Instrumentwechsel stabiler gestimmt zu spielen als die Mundpfeifen. Übrigens hat auch unser Bonner Matthias Höhn Sackpfeifen von Alban, der früher mal einige Jahre in Bonn lebte. Wer also mehr darüber wissen will, möge ihn fragen. Auch Christer ist Instrumentenbauer, Anders Musiklehrer. Für meine Ohren klangen neben den Liedern natürlich die Polskas am schwedischsten. Viele der anderen Stücke hätte ich genau so gut nach Frankreich oder Belgien einordnen können, was teilweise auch tatsächlich so war, aber doch wurden auch von denen für mich nicht so schwedisch klingenden Stücken die Meisten von Musikern komponiert, die vor 100 Jahren oder so dort lebten, wo die drei heute zu Hause sind: in Dalsland, Südwestschweden, nahe der Riksgränsen nach Norwegen. Somit war es eine Mischung aus regional verwurzelter und allgemein europäischer Bordunmusik. Einen Walzer meinte ich, wenn auch in einer etwas anderen Variation, aus der Filmmusik des Fantasyfilms „Zeit der Wölfe“ („Company of Wolfs“) wieder zu erkennen, dort „Village Wedding“, hier „Steklåten“ genannt, also einmal „Dorfhochzeit“ und einmal „Bratenstück“, wobei damit der beim Hochzeitsgelage herein getragene Braten gemeint ist.

Diese wirklich wunderschöne Konzert, das eventuell mit schwedischem Folk Namen wie „Garmana“, „Triakel“, „Groupa“, „Hoven Droven oder „Den Fule“ oder aber die riesigen Geigenformationen mit Bezeichnungen wie „Spelmanförbund“ oder „Spelmanslag“ verbindenden Zuhörern einen anderen musikalischen Eindruck bot, der Fans von deutscher, französischer oder belgischer Bordunmusik vertrauter klang, war indes leider nicht sehr gut besucht. Der kleine Saal war nur ca. halbvoll. Ohne eine in Bad Honnef ansässige schwedische Firma als Sponsor wäre das Konzert dieser drei Profimusiker kaum zu realisieren gewesen, und uns wäre wirklich etwas entgangen.

Eine Rezension der neuen CD von Faust, die ich mir noch mitnahm, folgt demnächst. Die habe ich mir bis nach dem Schreiben dieser Konzertrezension noch nicht angehört, um von der CD unbeeinflusst zu sein.

Infos im Netz:
http://www.faust.se
http://www.inter-times.de/Components/Vereine/Vereine_Bad_Honnef/Stapelseiten_Bad_Honnef_/stapelseiten_bad_honnef__33.html

Saturday, April 23, 2005

Konzertrezension: 4. Bonner Irish Folk Festival am 23.4.2005 in der Harmonie in Bonn-Endenich

4. Bonner Irish Folk Festival am 23.4.2005 in der Harmonie in Bonn-Endenich



Zum vierten Mal lud Sabrina Palm zum Bonner Irish Folk Festival ein. Das ursprüngliche Konzept, ein Festival von Bonner Musikern für Bonner Musiker zu sein, war ja schon beim 2. BIFF durchbrochen worden, aber erstmals waren die Bonner Musiker in diesem Jahr in der Minderheit, denn von den drei Bands war nur noch eine aus Bonn. Ob so auch der gestiegene Eintrittspreis zu erklären ist, weiß ich nicht.

Ryan’s Airs eröffneten den Reigen. Wie schon in der Rezension von dem Konzert am 13.4.2005 erwähnt, ist Ryan’s Airs die Nachfolgeband von Rolling Wave und besteht aus Sabrina Palm (Fidddle), Näx = Alexander May (Uilleann Pipes, Tin Whistle, Flute, Gesang), Stefan Hennes (Gitarre, Gesang), Andrea Fritz (Gitarre, Gesang) und Andreas Schneider (Bhodrán). Stilistisch bewegen sie sich zwischen den ihnen von ihrem ehemaligen Lehrer Tom Kannmacher nahe gebrachten Einfluss von Chieftains und Planxty und moderneren Einflüssen der Bands, bei denen Michael McGoldrick mitspielt(e). Zwischen den traditionell bis jazzig interpretierten Tunes boten sie einige Lieder, nicht nur von Andrea, sondern auch von Stefan und sogar von Näx gesungen. Letzterer, der ja sonst als virtuoser Piper berühmt ist (übrigens auch zu hören in der Filmmusik der Neuverfilmung von „Das Gespenst von Canterville“), hatte während seines Studienaufenthaltes in Glasgow ein lustiges Lied über Fußballer aufgeschnappt, das wirklich gute Laune verbreitete. Andrea sang ein Antikriegslied, das ich vor allem von Clannad kenne, und Stefan eines von Dan Ar Braz, dem bekannten bretonischen Gitarristen. Extra erwähnen möchte ich aber auch das Bhodrán-Spiel von Andreas (der in o.g. Filmmusik auch mitspielt), das nämlich nicht einfach nur schnell und rhythmisch, sondern sogar melodiös ist, so wie ich es mal bei den Rezension der Flook-Konzerte beschrieben hatte. Na ja, ganz so weit wie John Joe Kelly ist er noch nicht, aber er ist auf dem richtigen Weg! Der ehemalige Lehrer kam diesmal als Gastmusiker dazu. Tom sang seine selbstgedichtete Version von „I have a wife of my own“, bei der es um einen Streit zwischen Eheleuten geht, wobei er sich ein Segelboot kaufen will, um es zu Hause in den Gemüsegarten zu stellen, wovon sie – hier von Andrea personifiziert, obwohl Toms eigene Frau im Publikum lauschte – überhaupt nicht begeistert ist.

Die zweite Band des Abends war Déirin Dé aus Hamm in Westfalen in folgender Besetzung: Ann Grealy (Gesang), Thomas Hecking (Diatonisches Akkordeon), Ulrike Steinborn (Geige), Tobias Kurig (Bouzouki), Benedikt (nein, nicht XVI., sondern) Terrahe (Bodhrán) und Regina Elling (Flute und Tin Whislte). Letztere spielt ja sonst bei Friel’s Kitchen mit und war in der Formation beim 2. BIFF schon dabei und vertrat an diesem Abend den abwesenden Colman Conolly. Regina und Ann sind also trotz der sichtbaren Ähnlichkeit nicht miteinander verwandt. Ann war die einzige „echte“ Irin beim 4.BIFF. Ihr Gesang war weich und sehr voll und voluminös, geradezu operntauglich, ihr Stil sehr modern, nicht nur bei einem allgemein bekannten Popsong, den sie zwischendurch zwecks Abwechslung darbot, sondern auch z.B. bei „The Newry Highway Man“, welches eigentlich völlig neu komponiert war und nur den bekannten Text noch enthielt. Die Tunes bewegten sich hauptsächlich in dem recht harten, fast schottischen Donegal Style, den Altan-Fans (so auch ich) zu würdigen wissen. Thomas zeigte seine Qualitäten nicht nur auf dem Akkordeon, sondern auch als witziger Ansager: Was ist die westfälische Version einer Kai Pirinha? Doppelkorn auf zerstoßener Zuckerrübe. Auch wusste er von einem japanischen Flötespieler zu berichten, dessen aus der Flöte tropfendes, von einem vorher verspeisten Kugelfisch stammendes, batteriesäureähnliches Kondenswasser Löcher in seine Hose brannte. Interessant fand ich auch die Bouzouki von Tobias, denn die schien mir übergroß zu sein, und er entlockte ihr teils metallisch harte, dann aber auch wieder ganz weiche, stets aber sehr rhythmische Klänge.

Eine Bouzouki spielte auch beim dritten Act eine wichtige Rolle. Die Amsterdamer Band Kill da Goose war nach neun Stunden Fahrtzeit mit einer Reifen- und zwei Motorpannen per Mietwagen, zuletzt von Leverkusen aus per Taxi gerade noch rechtzeitig in Bonn angekommen und musste ihren Soundcheck unmittelbar vor ihrem Auftritt nachholen. So klang es anfangs auch zu hart und schrill, dass die Ohren schmerzten, aber der Tonmeister am Mischpult bekam es dann doch auf die Reihe. Kaspar Laval (Bouzouki, Gesang. Low Whislte), Stijn van Beek (Uilleann Pipes, Low Whislte), Anneke Eijekboom (Fiddle) und Dudu Puente (E-Bass) zeigten sich vor allem von der instrumentellen Seite. Stijns quirliges Pipespiel erinnerte mich teilweise an das von Eoin Dillon von Kíla. Anneke fiddelte traditioneller dazu, Dudus Bass wirkte beruhigend dabei, kam aber gegen den hellen, aufgestachelten Hauptton seiner Mitspieler kaum an. Dudu stammt übrigens aus Asturien, wo es ja auch eine (neo)keltische Musiktradition gibt. Einige der Tunes stammten indes nicht aus dem keltischen oder westeuropäischen, sondern aus dem südosteuropäischen Raum, aus Mazedonien und der Türkei. Wie aufmerksame Leser meiner Rezensionen wissen, mag ich die Musik aus dieser Gegend unseres Subkontinents sehr gerne, auch wenn ich mich da wenig auskenne. Jedenfalls scheint es derzeit in der irischen Musik Mode zu sein, die beiden Musikregionen in diversen Tunes zumeinst recht jazzig miteinander zu verschmelzen, ein Trend, der für meine Ohren Wunderbares hervorbringt. Eine der Melodien hätte ich ohne die Ansage aber als bretonisch eingestuft. Ein einziges Lied brachten sie mit: „Streched out on your grave“ von Sinéad O’Connor, das Kaspar so expressiv sang, dass ich mich an Andy Irvine erinnerte, auch wenn die Stimmlage voller und weicher war. Und Stijn begleitete ihn auf den Pipes dabei mit einer sehr komplexen, sehnsuchtsvollen Melodie, so dass mir das gesamte Arrangement durch und durch ging.

Natürlich gab es dann eine Abschlusssession aller Musiker, von Thomas Hecking „dudeln in Rudeln“ genannt. Da brummte der Saal, und Sabrina hüfte vor Freude. Ich weiß gerade nicht, wie das Stück von Michael McGoldrick heißt, das sie da unter anderem spielten, aber ich liebe es sowohl von ihm selbst gespielt, als auch von den BIFF-Musikern an diesem Abend!
Bei der anschließenden Session im Fiddler’s war ich leider nicht dabei, und kann von daher auch nichts berichten.

Infos im Netz:

http://achimweimer.de/biff/
http://www.ryansairs.de/
http://www.deirinde.de/
Von Kill da Goose gibt es leider keine Homepage.

Wednesday, April 13, 2005

Konzertrezension: Die Erkelteten und Rolling Wave in der Musikschule Bonn am 13.4.2005

Die Erkelteten und Rolling Wave in der Musikschule Bonn am 13.4.2005



Thomas Kannmacher – meist nur Tom genannt – ist wohl der dienstälteste Aktivist der irischen Musikszene in Bonn und hat dabei auch noch den Vorteil, dass er es als Musiklehrer in der Bonner Musikschule hauptberuflich machen kann. An diesem Abend gab es nun ein Doppelkonzert zweier Bands, die auf seine Initiative zurück gehen.

Die Erkelteten sind eine Jugendband, bestehend aus sieben Jungs und Mädels im Alter um die 16 oder so. Ich hatte sie schon in der Rezension des 1. Bonner Irish Folkfestivals 2002 erwähnt, was bedeutet, dass sie tatsächlich nun seit drei Jahren aktiv sind, beharrlich üben und sich fort entwickeln. Auf Uilleann Pipes, Whistles, Querflöte, Harfe, Gitarre, Geige, Bhodran und mit Gesang gaben sie unter Mitwirkung Toms auf Whistles und Cello ein feines, traditionelles Konzert, bei dem alles stimmte. Das klingt nun etwas sehr nach Schule, aber es ist ja auch eine Schulgruppe, und auch von anderen Schülern Toms wurde mir schon mal zugetragen, dass er eher ein Freund konservativerer Spielweisen sei, was eigentlich soviel bedeutet, dass seine irischen Vorbilder im 70er-Jahre-Folkrevival zu finden sind, wobei er vor allem Planxty gerne nennt. Aber ganz so streng, wie sich das jetzt anhört, ist es keineswegs, denn zum einen spielten sie unter den vielen Reels des Abend auch einen, den ich letztens von Foggy Stew hörte, der nach deren Info von Calico stammt und gemäß Toms Ansage „Up and down“ heißt und zwar schon in die Tradition eingegangen sei, insofern er hier und da auswendig gespielt würde, aber moderne Off-beats enthalte. Ich schrieb ja auch schon, dass er mir balkanisch vorkam. Ein anderes Vorbild hörte ich aber auch aus den Arrangements heraus, noch mehr als bei den Erkelteten aber bei Rolling Wave.

Rolling Wave, die älteste bestehende Irish Folk Band Bonns gab an diesem Abend auf Geige, Uilleann Pipes, Whistles, zwei Gitarren, Bhodran und mit Gesang ihr Last Farwell, denn – so Tom – sie seien aus dem Schülerdasein herausgewachsen und passten nicht mehr in die städtische Musikschule, die ihnen Konzerte mit eigenen Einnahmen verbiete. Die Wurzeln von Rolling Wave gehen bis 1984 zurück, und es ging noch eine andere Gruppe voraus. Den Namen erhielten sie Ende der 80er, seit wann die einzelnen Musiker(innen) dabei sind, weiß ich jetzt nicht, Stefan, der Gitarrist, seit 1989. Sie experimentieren schon mehr mit moderneren Einflüssen, aber oben erwähnten Einfluss einer altehrwürdigen irischen Formation, der Kulturbotschafter Irlands schlechthin, nämlich der seit über 40 Jahren spielenden Chieftains hörte ich zuerst sehr deutlich zu Beginn eines meines Wissens schottischen Liedes namens „I have a wife of my own“ bei welchem Tom auf der Whistle, Sabrina auf der Geige und Näx auf der Pipe einzelne Fetzen der Melodie abwechselnd spielten und sich so gegenseitig zuwarfen. Das war für meine Ohren vielleicht der deutlichste, aber nicht der einzige Verweis auf die Häuptlinge. Dass es aber nicht darum geht, Spielweisen irischer Gruppen zu kopieren, sondern auch eigenes hinein zu bringen, zeigte Tom u.a. dadurch, dass er diesem Lied einen selbst geschriebenen deutschen Text einverleibte, um so eine Brücke zwischen Irland und Deutschland zu schlagen. Gegen Ende des Konzerts spielten und sangen die fünf ihrem Lehrer ein besonders Ständchen, und zwar hatten sie ein 30 Jahre altes Lied von Tom heraus gekramt, mit dem er damals Straßenmusik gemacht hatte. Ein Rahmen voller Rolling Wave-Fotos, eine Preisurkunde von 1994 und Dauerfreikarten für Konzerte von Ryan's Airs schenkten sie ihm auch noch, bevor sie und die Erkelteten noch gemeinsam eine Abschlusssession gaben.

Ah, ich hab’s schon indirekt verraten: Rolling Wave als solche hören zwar auf, machen aber – wenn auch ohne Lehrer – als Ryan's Airs weiter, und werden beim 4. BIFF auch dabei sein, inklusive Toms, allerdings „nur“ als Gastmusiker. Überhaupt geht das BIFF, das Sabrina ins Lebens rief, insofern auf Rolling Wave zurück, die ja auch die Hauptinitiatoren der Bonner Sessionszene waren. Darüber könnte man einiges schreiben, was vielleicht noch irgendwann kommt.

Die Auflistung der Besetzung der beiden Bands:

Die Erkelteten:
Anna Lück: Harfe
Julia Lück: Flute, Tin Whistle
Jonas Heidebrecht: Uilleann Pipes, Whistle
Julian Goertz: Gitarre, Bodhran, Baß
Patrick Osikominu: Gitarre
Heike Kosmider: Fiddle
Thea Staab: Gesang
Thomas Kannmacher: Cello, Gesang, 2. Fiddle, 2. Whistle, 2. Flute ...

Rolling Wave:
Sabrina Palm: Fidddle
Näx = Alexander May: Uilleann Pipes, Tin Whistle, Flute, Gesang
Stefan Hennes: Gitarre, Gesang
Andrea Fritz: Gitarre, Gesang
Andreas Schneider: Bhodran
Thomas Kannmacher: Pipes, Cello

Infos im Internet:
http://www.Kannmachmusik.de
http://www.ryansairs.de/

Friday, April 08, 2005

Konzertrezension: Celtic Attractions – 1. Irish/Scottish Folkfestival im Zirkuszelt im Köln-Weiß am 8.4.2005

Celtic Attractions – 1. Irish/Scottish Folkfestival im Zirkuszelt im Köln-Weiß am 8.4.2005




Ralf Wackers, der Herausgeber der Irischen Rundbriefe, wohnte, bevor er nach Bonn zog, in Köln-Weiß, und hat von da her noch enge Kontakte zum dortigen Jugendzentrum. Dieses wiederum organisierte ein mehrtägiges Festival, bei welchem in einem auf dem Gelände des Jugendzentrums aufgebauten Zirkuszelt verschiedene Programmpunkte angeboten wurden, und anderem das Irish/Scottish Folkfestival, von dem ich hier berichten will.

Den ersten der drei Acts des Abends boten Foggy Stew, die neben Last Night’s Fun zweite Band, die in den letzten zwei Jahren aus der Fiddlers Session in Bonn hervorgegangen ist. Margret Hüffer sang und spielte Gitarre und Tin Whistle, Michael Heuser Gitarre, Mandoline und verschiedene Banjos, Keth Pryke Concertina, Gitarre und Bhodran, und neu dabei war Nicole Maldonado mit ihrer Stimme und Geige, die ansonsten Mitglied von Tj:unichtgut ist. Nun kann ich also die von der Last Night’s Fun-Rezension her offen gebliebene Frage, was die beiden Bands voneinander unterscheidet etwas eingehender beantworten. Es stimmt, was mir Michael Heuser dazu gesagt hatte, rockig spielten sie nicht, sondern viel tradioneller, dabei aber trotzdem auch modern. Songs, einerseits von Margret mit härterer, und Nicole mit weicherer Stimme gesungen, wechselten sich ab mit diversen Tunes wie Jigs, Reels, Slides, Hornpipes, Slipjigs und dergleichen wechselten einander ab. Die beiden Damen boten mit ihren sehr unterschiedlichen Stimmlagen und auch Singweisen, Margret mit Gitarre dabei, Nicole ohne sich dabei zu begleiten, einen spannenden Kontrast zueinander. Sie sollten es mal mit mehrstimmigen Arrangements versuchen, das wäre bestimmt noch spannender. Ein Instrumentalarragement möchte ich besonders hervorheben. Es war ein Set, das mit einem balkaninspirierten Stück begann, das – wenn ich richtig verstanden habe - einer der Musiker von Calico komponiert hat -, gefolgt von zwei Reels, die vor allem Margret auf der Whistle spielte, wonach sie wieder zu dem ersten Stück zurück kamen, worauf dann Nicole auf der Geige einen Reel spielte, dann wieder zurück zu Stück eins, worauf Keth dann „Toss the feathers“ (ah, ausnahmsweise kenne ich mal den Namen eines Reels) auf der Concertina vortrug, dann wieder zum ersten Stück, anschließen ein gemeinsam gespielter Reel und zum Abschluss nochmal Stück eins. Wirklich klasse! Günstig für Keths Conceretina war auch, dass er zwei Mikrophone links und rechts seines Instumentes hatte, so dass man es diesmal auch dann hören konnte, wenn er kein Solo spielte.

Der zweite Progammpunkt war ganz anders. Michael Klevenhaus sang ohne jede Instumentbegleitung (wenn man vom Fingerschnipsen bei den schnelleren Liedern absieht) Lieder auf schottischem Gälisch. Es gibt ja oft Irische Festivals, in denen auch schottische Lieder oder Musiker vorkommen, ohne dass das im Festivalnamen erwähnt ist. Diesen Act aber konnte man nicht einfach unter den grünen Teppich kehren, sondern er war eindeutig blau, also schottisch. Außer Michael, der im Zentrum für gälische Sprache und Kultur tätig ist, verstand wohl keiner, was er da sang, aber das war auch kaum notwendig. Er zog uns mit Liebes-, Arbeits- und Heimatliedern und tanzbarer Mundmusik aus der Zeit, da Instrumente von den Engländern verboten waren hinein in ein altes gälisches Lebensgefühl zwischen Pathos und Unsinn und ohne – zumindest von mir erkennbare – moderne Einflüsse, unterbrochen mit kultur- und landeskundlichen Kommentaren in den Ansagen. Ossian, der mythische Barde, hätte seine Freude gehabt, wir, das Publikum, hatten sie!

Den dritten Act boten Currach dar, mit Ralf P. Wackers an Gitarre, Bouzouki, Banjo und Mundharmonika, Ellen D. Jeikner an Gitarre, Harfe und ihrer Stimme, Antonia Wernig an Uilleann Pipes und Whistles, LeAnn Eriksson Guyton an der Querflöte und Katja Gross an der Geige. Sie spielten wieder vor allem Jigs, Reels, Hornpipes, Polkas Tunes mit einem sehr dichten Klang im Wechsel mit Liedern, die Ellen mit ihrer ausdrucksstarken Stimme vortrug. Ihre Version von „The Star of the County Down“ zur Harfe wirkte verträumter, als die sonst meinst zu hörenden Versionen dieses bekannten Liedes. Ein ebenfalls, zumindest für Clannad-Fans, berühmtes Lied, Kadesha (man schriebt es bestimmt anders, aber wie weiß ich jetzt nicht), gefiel mir indes besonders gut, was nicht zuletzt daran lag, dass Antonia auf der Tinwhistle eine sehr ergreifende zweite Stimme zur Hauptmelodie spielte. Antonia spielte früher bei Rolling Wave mit, lebt jetzt aber in Wien und ist extra für dieses Festival angereist, wirklich nicht zum Schaden für dieses.

Den Abschluss bildete eine Festivalsession aller Musiker(innen), bei der die Tunes noch dichter klangen und das Publikum in Rage versetzten. Dass die gemeinsam gesungenen Lieder vom Blatt abgelesen wurden, ist verzeihlich. Die letzten Klänge gehörten aber nochmal Michael Klevenhaus, der uns sanft in die regnerische Aprilnacht entließ.

Fazit dieses Festivals: Ralf, das hast Du gut organisiert! Neben den Musikern möchte ich auch das Publikum loben, denn die Leute waren echt bei der Sache, quatschten nicht und rauchten nicht (was in dem Zelt eh verboten war). Ich hoffe, dieses erste wird nicht das letzte gewesen sein. Ob die zeitliche Nähe zum BIFF so günstig ist, mag man überlegen. Und eigentlich ist es ja auch interessant, dass fast alle Musiker(innen) in Bonn wohnen, eine in Bergisch Gladbach und eine in Wien. Bonn scheint eine Hochburg der irischen und schottischen Musik im Rheinland zu sein. Da dürfen dann auch gerne die Kölner von profitieren.

Infos im Netz:
http://www.currach.de/Festival/festival.html
http://www.currach.de/
http://www.schottisch-gaelisch.de/
http://www.brotfabrik-bonn.de/bildungswerk/kurse/gaelische_lieder_klevenhaus.htm
http://www.buch.de/buch/04629/172_schottisch_gaelisch_wort_fuer_wort.html
http://www.irishfolk.at/
http://www.norainrecords.com/team




Saturday, March 19, 2005

Konzertrezension: Irish Spring - The Festival of Irish Folk Music "The Sky's the Limit!" am 19.3.2005 in der Kunst- und Ausstellungshalle in Bonn

Konzertrezension: Irish Spring - The Festival of Irish Folk Music
"The Sky's the Limit!" am 19.3.2005 in der Kunst- und Ausstellungshalle in Bonn




Das hat man ja nicht oft, innerhalb von eineinhalb Wochen zwei große Festivals der irischen Musik besuchen zu können, aber in diesem Jahr hatte ich das Glück zuerst das St. Patrick’s Day Celebration Festival (SPCDF) und dann das Irish Spring – Festival of Irish Music (ISF) erleben zu dürfen und zwischendurch ein Konzert unserer Bonner Gruppe Last Night’s Fun. So kam ich so richtig in Stimmung, und eigentlich könnte es so weiter gehen.

Vier Programmpunkte waren es an diesem Abend, deren ersten das Duo Meabh O’Hare & Conor Byrne auf Geige und Querflöte bestritt, und zwar mit ultrafeiner traditioneller irischer Musik, in etwa im Stile von Altan oder eben im Donegal Style. Johannes Schiefner (Whisht!) meinte in der Pause, die beiden hätten ihm besonders gut gefallen, da sie ihre zwei Instrumente spielten, als sei es nur eines, haargenau aufeinander eingestimmt und punktgenau gespielt. Damit auch noch andere Klänge hinzu kamen, wurden sie in der zweiten Hälfte ihres Acts von Alan Doherty auf der Gitarre und Anne Marie O'Malley auf dem Bodhran (beide Gráda) begleitet. Ja, das brachte noch etwas Würze ins Spiel.

Ruhiger und melancholischer wurde es beim zweiten Programmpunkt. Deirdre Starr, eine in Irland lebende Neuseeländerin, sang mehrere Lamentations in einer so süßen Stimme, dass (abgesehen von einem Handy) der Saal muksmäuschenstill lauschte, als gälte es, den Gesang einer Elfe zu vernehmen. Viele Musiker versuchen sich in diesen traurigen Liedern, aber nur bei wenigen klingen sie so echt traurig wie man es hier von Deirdre hören konnte. Hunger, Heimweh und Liebeskummer sind eben nicht zum Spaßen. Gerry Paul (Gráda) untermalte die Lieder gekonnt mit seiner Gitarre. Zum Abschluss vor der Pause gab es aber auch ein fröhliches Lied, damit die Stimmung des andächtigen Publikums wieder nach oben kam.

Nach der Pause ertönte der harte Klang eines Banjos, gespielt von Darren Malony, und Joe Brennan, der als Moderator durch das Konzert führte, durfte auch mal zur Gitarre greifen. „Duellin’ Banjos“ ist ja ganz nett, aber die beiden gaben ein Duell der Meisterklasse. Beide trieben ihre Instrumente zu einem Tempo, dass mir ihre Finger leid taten. Fans von Gerry O’Connor dürften voll auf ihre Kosten gekommen sein. Joe sang dabei gewissermaßen als Kontrastharmonie Lieder mit sehr lang gezogenen Silben, ähnlich, wie man es vom Blue Grass kennt, aber nicht so nasal. Es ist immer wieder bewundernswert, wie die Iren importierte Instrumente ihrer traditionellen Spielweise einverleiben und diese dadurch auch leicht verändern und bereichern, ohne dass sie sich selbst untreu wird.

Nach den zwei Duos und der Solistin kam dann die Band auf die Bühne, die die ersten beiden Acts schon unterstütz hat: Gráda. Sie fingen an mit einem ganz langsamen Querflötenstück, das an balkanische Panflötenmusik erinnerte, gefolgt von einem ebenfalls balkanisch klingenden Tanz. Dann wurde es doch irischer, Jigs und Reels und andere typische Tunearten wurden auf Flöte und Low Whistle (Alan Doherty), Geige (Brendan O'Sullivan), Gitarre (Gerry Paul), Kontrabaß (Andrew Laking, der zweite Neuseeländer des Abends), Bodhran (Anne Marie O'Malley) und Schlagzeug (den Namen das Drummers habe ich gerade nicht parat) vorgetragen und das auf eine sehr jazzige, teils balkanisch, teils skandinavisch (vor allem wegen der Bässe) aber auch immer irisch klingende Art. Sehr oft kommt es nicht vor, dass mir bei Instrumentals die Tränen kommen, hier kamen sie, nicht aus Trauer, nicht aus Rührung, sondern einfach weil die Energie, die da in meine Nervenbahnen hinein schoss, irgendwo wieder heraus wollte. Lustig sah es aus, das Flöter Alan manchmal auf einem Bein stand, so wie Sarah Allen (Flook), nur dass Alan um einiges korpulenter ist. Anne sang auch Lieder zwischendurch, zumeist sehr schnelle, mal auf Englisch, mal auf Gälisch. Ich glaube nicht zu untertreiben, wenn ich Gráda zu den Avangarde-Bands der heutigen irischen Musik zähle, gleichauf mit Flook, Lúnasa und Solas, aber mit keiner von denen zu verwechseln.

Bei der Festival-Session am Schluss durfte auch – wie immer beim ISF – gab der mongolische Tourbegleiter Epi (richtig geschrieben?) auf seiner Pferdehaarkniegeige ein irisches Lied zum Besten, diesmal unterbrochen von einer Obertongesangseinlange.

Sehr schön war außer der Musik selber auch die Einbindung des Publikums. So dressierte uns Joe dazu, nach seinem auf Deutsch gezählten „Eins, zwei drei“ gleichzeitig zu klatschen und mit den Füßen auf zu stampfen, so gab Alan bekannt, dass Brendan sich während der Tour in das deutsche Mädchen Sarah verliebt habe, neben der ich zufälligerweise Platz genommen hatte, und die zur Session auf die Bühne gebeten wurde, und so wurden mehrmals zwei kleiner Kinder, ein Mädchen und ein Junge gelobt, die in der ersten Reihe saßen und bis zu letzt interessiert bei der Sache waren. Deirdre, die sagte, ihr vierjähriger Sohn würde das nie aushalten, sondern lieber fernsehen, holte das kleine Mädchen zum Schluss auf die Bühne, doch war diese dann froh, wieder heil zum Papa zu kommen.

Dieser super Konzertabend ging dann mit einem Plausch mit ein paar der Gráda-Musiker im Foyer zu Ende.

Ich möchte aber auch erwähnen, dass das ISF vom Folker! und Mad for Trad mit präsentiert wurde.

Infos im Netz:
http://www.ceolbavan.com/
http://www.gradamusic.com/
http://www.deirdrestarr.com/
http://www.darrenmaloney.com/
http://www.eofeasa.ie/goodgigs/CeolTone/Joe_pg.htm
http://www.musiccontact.com/deutsch/artists/folk/isf.htmlhttp://www.folker.de/200502/01irishspring.htm


MAS

Thursday, March 17, 2005

Konzertrezension: Last Night’s Fun am 17.3.2005 in der Mausefalle 33 1/3 in Bonn

Last Night’s Fun am 17.3.2005 in der Mausefalle 33 1/3 in Bonn




In den letzten zwei Jahren sind aus der Fiddlers Session in Bonn zwei Gruppen entstanden, zuerst Last Nights Fun und dann aus dieser heraus Foggy Stew. Letztere habe ich im Herbst 2004 im Weinhaus Alt Kessenich einmal gehört, aber keine Rezension geschrieben, denn das war zu der Zeit, als ich damit anfing, regelmäßiger Rezensionen zu schreiben, aber es noch nicht von nahezu jedem Konzert tat. Am St. Patrick’s Day 2005 nun aber wusste ich von zwei irischen Konzerten in Bonn, von den Lokal Heroes in der Musiktruhe und von Last Night’s Fun in der Mausefalle. Ferdi ging zu ersteren, ich zu letzteren, ob Ferdi was dazu schreiben will, weiß ich nicht.

Last Night’s Fun – nicht zu verwechseln mit der namensgleichen irischstämmigen Gruppe aus England, die derzeit mit dem Celtic Spring Festival durch Österreich und Italien tourt – bestehend aus Barbara Kloep, Andrea Fritz, Keth Pryke und Herbert Thienpont boten in der Mausefalle 33 1/3 in der Bonner Südstadt trotz für mich und meine Frau als Nichtraucher fast unerträglicher Rauchbelästigung ein mit viel Energie und unbändiger Spielfreude dargebrachtes ca. zweistündiges Konzert. Hauptsächlich waren es Stücke, die mir aus der Fiddlers Session bekannt waren, die von Herbert auf Querflöte, Keth auf Concertina oder Percussion, Barbara auf Geige und Andrea auf Gitarre gespielt wurden. Aber es war keineswegs ein endloses Dideldadideldadideldadei, sondern die vier zeigten, dass man auch Reels mit recht verschieden betonten Rythmen spielen kann, so dass ich mit auch mal einen dazu getanzten An Dro oder was Balkanisches vorstellen konnte. Und zwischen den Instrumentals sang Andrea mit ihrer recht tiefen Stimme Lieder, großenteils sehr treibende und folkrockig vorgetragene Pubsongs und Balladen, aber teilweise auch schön verzierte Lamentations und Lovesongs, da auch in dieser ansonsten als Rock- und Blueskneipe bekannten Wirtschaft einige Gäste ganz scharf auf traurige und langsame Lieder waren. Ich muss sagen, ich war sehr positiv überrascht von dem, was ich da zu hören bekam!

Schade war, dass man die Concertina kaum hörte. Es wurde viel gequatscht im Publikum, so dass auch die Elektroverstärkung das nicht ganz ausgleichen konnte, und zudem kommen bei so einer Ziehharmonika die Töne ja links und rechts heraus, und das Mikrophon stand vor Keth, statt dass er links und recht je eines aufgebaut hätte. Und dabei kann der sehr gut mit seinem Instrument umgehen. Andreas mit Stahlsaiten bespannte Gitarre dagegen kam sehr gut durch.

Kann man einen markanten Unterschied zwischen Last Night’s Fun und Foggy Stew konstatieren? Ich bin mit nicht sicher. Keth spielt in beiden Bands, aber ich vergaß ihn zu fragen. Michael Heuser, der von Last Night‘s Fun zu Foggy Stew gewechselt war, war auch sehr begeistert von diesem Abend. Er meinte, gerade die rockigen Songs hätten sehr gut in diese Kneipe gepasst, die hätten Foggy Stew nicht im Repertoire. Na ja, sie werden ja am 8.4. in Köln spielen, und vielleicht schaffe ich es dahin, dann kann ich mehr berichten.

MAS

Wednesday, March 09, 2005

Konzertrezension: 16. St. Patrick’s Day Celebration Festival am 9.3.2005 in Max Ernst Museum in Brühl

Konzertrezension: 16. St. Patrick’s Day Celebration Festival am 9.3.2005 in Max Ernst Museum in Brühl


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Dieses 16. SPDCF war, wenn ich keines vergesse, das 7., das ich besuchte. Es war ja lange das Frühlingspendant zum im Herbst tourenden Irish Folk Festival, und seit 2000 sind ja beide in der Hand von Petr Pandula, der das SPDCF aufgebaut, das altehrwürdige IFF aber von Carsten Linde übernommen hat. Seit 3 Jahren hat das SPDCF aber im Frühling Konkurrenz durch Rainer Zellners Irish Spring – Festival of Irish Music bekommen, Konkurrenz insofern, als gelegentlich beide Festivals geographisch nahe beieinander und in engem zeitlichem Abstand voneinander gastieren, wir Musikliebhaber aber nicht immer genug Zeit und Geld haben, beide zu besuchen und so auswählen müssen. Ich habe in diesem Jahr beide Festivals besuchen zu können, und so kann ich nun beide Festivals vergleichend beschreiben.

Irish Folk Music ist nun wirklich zu einer internationalen Angelegenheit geworden. Petr Pandula, der Veranstalter, ist Tscheche, lebte lange in Deutschland und nun in Irland, die Musiker(innen) dieser Tour II des diesjährigen SPDCF leben in Kanada, England und Deutschland, und stammen nur teilweise aus Irland oder Schottland.

Als erstes erschien das Duo Kirk MacGeachy & David Gossage aus Quebec auf der Bühne, ersterer aus Schottland nach Kanada ausgewandert, mit einer Gitarre, letzter zuerst mit einer Querflöte bewaffnet, und boa ey, was David da seinem Rohr entlockte elektrisierte mich auf Anhieb. Ich hatte ihn wohl auch schon mit den Paperboys vor einigen Jahren beim SPDCF erlebt, aber in einem Duo fällt ein Musiker mehr auf als in einer Gruppe. Er spielte auf traditionell irischem Boden mit einer Hand voll Balkanerde (die von Franz Schubert so genannte „Balkan Connection“ der irischen Musik lebt) aufbauend dermaßen jazzig, dass er sich nicht hinter Sarah Allen (Flook) verstecken muss. Später tat er desgleichen auch noch mit einigen Tin Whistles, und auch eine Mundharmonika hatte er dabei. Kirk stand eher felsenfest da mit seiner Gitarre, sang alte Songs, die David improvisierend umspielte, so dass mich der Anblick etwas an das Colonia Duett erinnerte mit David als Süper und Kirk als Zimmermann, nur dass letzterer seiner Gitarre nicht nur langsame Akkorde, sondern rasante Tonartenwechsel entlockte. David kam mir aber auch wie ein etwas groß geratener Hobbit vor, der fröhlich seine Flöte spielt, wobei er nicht nur irisch spielte, sondern auch mal ins Spanische bzw. Lateinamerikanische abdriftete, was meinem Sitznachbarn nicht gefiel. Ihm hatte beim letzten IFF die Musik vom Carlos Nunez auch nicht gefallen. Mir gefiel alles was er spielte, auch die ruhigen Sachen. Fantastisch!!!

Nach der ersten Pause spielten dann vier Damen auf Geigen (Elaine Conwell und Karen Ryan) Querflöte (Dee Havlin) und Knopfakkordeon (Maureen Linane) und ein Mann (Pete Quinn) auf Keyboard in Pianoeinstellung traditionelle Ceilidh-Musik, also Jigs, Reels, Slipjigs und Walzer, unterbrochen von zwei ebenfalls traditionellen Liedern einer fünften Dame (Kathleen O’Sullivan). Der Name der Band lautet The London Lasses & Pete Quinn, wobei die vier Damen die Lasses sind und Pete extra erwähnt ist, weil er, wie Elaine sagte, keinen Rock tragen wolle. Nun, von den Damen trug nur Kathleen einen Rock, die anderen Hosen, und trotzdem nennen sie sich Lasses und nicht Lads. Sie stammen alle aus Irland, leben aber in London. Ihre Tunes waren schnell, rasant schnell, vor allem machte es mir Freude, Maureens Finger über die Akkordeonknöpfe tanzen zu sehen. Mein Platznachbar meinte, das sei ihre Musik, also die von ihm und seiner Band. Teilweise empfand ich es als etwas langweilig, wenn die drei Melodieinstrumente haargenau zueinander passend die gleichen Töne hervorbrachten und auch bei den Wiederholungen nicht variierten, begleitet von Pianoakkorden, die auch in sich gleich blieben. Dann aber hatten sie Stücke, bei denen die Instrumente nacheinander oder abwechselnd einsetzten, was wiederum spannender war. Und das erste Lied von Kathleen, eine Lamentation, begleiteten Dee und Karen mit zwei Tin Whistles in zwei Tonlagen. Wirklich gut! Kathleen schnappte sich zwischendurch auch mal den einen oder andere Zuhörer für einen Walzer. (Ich hoffe, die Namen der Damen nicht verwechselt zu haben.)

Die dritte Gruppe brach mit brachialer Lautstärke über unsere Ohren herein. Eine langhaarige Rockband, wie geradewegs aus den 1970ern auf uns gekommen, aber eben aus dem heutigen Osten unserer wiedervereinten Republik: The Aberlour’s, angekündigt als Celtic Rock Band. Zuerst erklangen nur Geige (Steffen Knaul) und E-Bass (Kai Büttner), dann aber schlug der Schlagzeuger Matthias Schemetzek zu, und meine erste Assoziation war die australische Bush Wackers Band, dann Toss the Feathers, und Andreas Fabian Querflöte erinnerte an Ian Anderson (Jethro Tull). Als aber Klaus Adolphi anfing zu singen, kam mir eine ganz andere Assoziation, nämlich Christoph Pelgen (Adaro), und damit nicht Celtic, sondern Mittelalter Rock. Ja, auch die folgenden Stücke, seien sie auch irischer Provenienz, wurden wenig (oder gar nicht) filigran, sondern bombastisch und dabei doch sehr treibend vorgetragen. Im Endeffekt sind die Aberlour’s ein Tipp für Fans von Gruppen wie Subway to Sally. Als ob das Schlagzeug nicht schon genug wäre, griffen auch Klaus und Kai ihre Gitarre bzw. Bouzouki und E-Bass zur Seite legend zur weiteren Pauke und Trommel, und es wurde stonkmäßig draufgehauen, so dass dabei sogar ein Schläger zu Bruch ging. Zum Ausgleich spielte Klaus auch mal Blockflöte. Interessant! Dass aber Klaus in einer Ansage meinte, für die Iren während der großen Hungersnot im 19. Jahrhundert sei es schlimmer gewesen, keinen Whiskey brennen zu können als nichts zu essen zu haben, war meines Erachtens eine auch für eine Band, die ihren Namen von einer Whiskysorte ableitet, nicht sein müssende Mitgefühlslosigkeit den damals Verhungerten gegenüber.

Klaus bat sodann als vierten Teil des Konzerts nach und nach alle Musiker(innen) des Abends auf die Bühne zurück zur Festival Session, bei der dann alle, die konnten, ein paar schnelle traditionelle Tunes zum Besten gaben, was auch ganz gut klappte, obwohl dies das erste Konzert der Tournee war und vorher keine Zeit bestand, gemeinsam etwas einzustudieren. Aber so soll es doch auch sein auf einer Session, gell?! So ging ein spannungs- und abwechslungsreicher international-irischer Abend zu Ende, der wieder mal zeigte, wie wunderbar vielfältig auf Traditionen aufbauende Musik sein kann.

Wer jetzt vielleicht noch neugierig ist, was ich denn da für einen Platznachbarn hatte, dem sei es mitgeteilt: Der Herr ist aus Bergheim und spielt dort in einer neuen Band namens Skyrig. Vielleicht hört man sie demnächst mal. Auf jeden Fall hört man demnächst – wie oben angekündigt – das ISF (am 19.3. in der KAH), und ich werde davon berichten.

Infos im Internet unter:
http://www.st-patricksday.de/
http://www.orealis.ca/
http://www.londonlasses.net/
http://www.concertidee.de/aberlours/

Und bzgl. meines Platznachbarn:
http://www.skyrig.de/


MAS

Thursday, February 24, 2005

Ehren-Ruth für Jan Reichow

Ehren-Ruth für Jan Reichow



http://www.folkpreis.de/images_2005/reichow/reichow_sma.jpg


An dieser Stelle einen herzlichen Glückwunsch an Jan Reichow vom WDR in Köln für die Ehren-Ruth 2005!

Infos dazu und zu den anderen Ruth-Preisträgern 2005 Biermösl Blosn, Rabih Abou-Khalil, Tango Crash, Malbrook und Nomad Sound System gibt es hier:
http://www.folkpreis.de/03.htm

MAS

Friday, February 18, 2005

Konzertrezension: Bedlam am 18.2.2005 im Café Tiferet in Bonn

Bedlam am 18.2.2005 im Café Tiferet in Bonn


http://www.bedlam-folk.de/galerie/images/2_01s.JPG

Bedlam sind ein seit eineinhalb Jahren bestehendes Quartett mit Alexa Christ (Gesang), Norbert Simonis (Geige), Volker Becker (Geige, Gitarre) und Andreas Weber (Gitarre, Mandoline, Whistles). Dank Ralf Wackers irischem Rundbrief wurde ich auf ihr Konzert im Café Tiferet in Bonn aufmerksam. Ralf meinte schon, in den irischen Rundbrief passten sie ja eigentlich gar nicht rein. Nun, so eng würde ich das nicht sehen.

Das Café Tiferet ist der kleinste mir bekannte Konzertsaal in Bonn, aber ein sehr sympathischer. Aber darüber will ich jetzt nicht schreiben. Die vier Bedlams, die ihre Band nach der 1247 in London gegründeten ersten Irrenanstalt der Welt Bethlehem Royal Hospital benannt haben, trugen Folkmusik aus England, Schottland, Irland, Deutschland, Norwegen und Frankreich, letztere vor allem aus der Bretagne vor. Dabei sang Alexa als Frontfrau in einer relativ tiefen, also altähnlichen Stimme, die vor allem zu den düsteren Texten blutrünstiger Balladen gut passte. Die drei Jungs umwebten ihren Gesang mit einem dichten und doch abwechslungsreichen Klangteppich auf Gitarren und Mandoline. Volker spielte oft eine zweite Stimme dazu auf der Geige. Bisweilen hörte ich ein Tröten und hielt vergeblich Ausschau danach, wer denn da eine Tröte in Mund habe. Nein, auch das war Volker mit seiner Geige. Andreas bediente auch Tin und Low Whistles recht gekonnt.

Es waren hauptsächlich englische Balladen, die ich fast alle nicht kannte. Die norwegischen Lieder kannte ich von Kerstin Blodig (Norland Wind, Kelpi, ...), und auch die Ansagen der Lieder über „gekrönte Häupter auf unnatürliche Weise ums Leben gekommen“ hatte ich irgendwo schon mal gehört. Alexa unterstrich die Liedtexte passend zu den jeweiligen Stellen mit markanten Gesten, die bei Popsängerinnen häufiger zu sehen sind, als bei Folksängerinnen. Sehr günstig fand ich, dass sie die Inhalte der Lieder in den Ansagen erklärte, denn auch bei englischen Stücken höre ich oft nicht so genau auf den Text. Besonders schön fand ich, dass zwischen den Strophen der Lieder Tanzmelodien gesetzt wurden, und dieses sogar grenzübergreifend, so ein irischer Tune in einem norwegischen Lied, oder eine französische Melodie in einem mittelhochdeutschen Minnesang. Ja, die deutschen Liederwaren fast alle mittelalterlich, und das modern folkig dargebracht, ganz in der Tradition von Ougenweide und Co. Zwischendurch gab es auch Jigs und Reels, so dass sie also sehr wohl in den irischen Rundbrief passen. Ach ja, die Jungs sangen auch einmal, und zwar einen Shanty.

So boten die Bedlam Boys und das Bedlam Girl eine moderne nordwesteuropäische Folkmusik, noch nicht ganz vom feinsten, aber doch sehr hörenswert, und in ihrem Repertoire stellen sie zweifelsohne eine Bereicherung unserer Folkszene dar. Ich kann nur hoffen, dass sie zusammen bleiben und sich in der eingeschlagenen Richtung weiter entwickeln!

http://www.bedlam-folk.de/
http://www.tiferet.de/
http://www.vauxhallsociety.org.uk/Bethlehem.html

MAS

Saturday, January 29, 2005

Konzertrezension: Lokal Heroes am 29.1.2005 in der Harmonie in Bonn-Endenich

Lokal Heroes am 29.1.2005 in der Harmonie in Bonn-Endenich

(Fortsetzung des letzten Satzes aus der Rezension: Weihnachtskonzert „mit Dudelsack und Drehleier“ am 26.12.2004 in der Nachfolge-Christi-Kirche in Bonn-Beuel)
...Mitglied der Lokal Heroes und spielt heute ab und zu noch als Gastmusiker da mit, zum Beispiel beim Konzert zum zehnjährigen Bandjubiläum am 29.1.2005 in der Harmonie.



http://www.fivestrings.de/images/L.H.05-Verbeugung.jpg



Unsere Lokaleros traten an dem Abend in folgender Besetzung auf:

Matthias Höhn: Dudelsack, Blockflöte, Bouzouki, Akkordeon (Gast)
Guido Überbach: Mandoline, Gitarre(Gast)
Liene Sèjàne: Flute
Ralf Wolfgarten: Tin – Low- Whistle; Backup Vokals, Bodhràn
Kristaps Grasis: Gitarre, Mandoline, Backup Vokals
Wendel Biskup: Bass
Mike Haarman: Schlagzeug, Perkussion
Christoph Spix: Lead Vokals; Akkordeon

Sie spielten in fast ausverkauftem Hause in gewohnter folk-rockiger Spielweise, die manche mögen, andere nicht, aber das ist ja mit jedem Musikstil so. Ich war jedenfalls wieder richtig begeistert, und habe ich letztens in einer CD-Rezension, die voraussichtlich im Folker! 2/05 erscheinen wird, die neue Tears for Beers - Scheibe als beste Celtic Rock Musik deutscher Provenienz gelobt, die ich bisher gehört habe, so meine ich, dass die Lokal Heroes da nicht viel nachstehen. Christoph sang mit rauer Stimme und spielte urig sein Akkordeon dazu, Kristaps entlockte seinen diversen Zupfinstrumenten dermaßen funkige und groovige Klänge, dass er damit auf jedem R’n’B-Konzert Lorbeeren geerntet hätte, Liene, die neue Flötistin, spielte zwar nicht sehr filigran, dafür aber teilweise Jethru Tull-mäßig, Wendels Können war eigentlich mehr bei seinem Solo richtig zu vernehmen, auch sehr funkig, Guido fiel mir jetzt nicht sooo sehr auf, Ralf gab der ansonsten sehr deftigen Musik doch einen Hauch irischer Filigranität, und Matthias spielte mit seinem Gebläse oft die zweite Stimme, wobei er einmal echte Demut zeigte, denn statt das Mikro zu sich hoch zu schrauben, beugte er sich zu diesem hinunter und flötete fast kopfüber. Und, da hätte ich beinahe den Schlagzeuger vergessen, denn der saß ja immer im Hintergrund, aber er verschaffte sich nicht nur mit Trommeln, sondern auch mit allerlei sonstiger Perkussion gehör, zum Beispiel mit metallenen Klangstäben (sorry, ich weiß nicht ,wie die heißen) oder mit Kamerunischen Ziegenfüßen.

Apropos deftig: Es scheint mir klar, dass die Stärke der Lokal Heroes in einer keinesfalls plumpen, sondern groovigen Deftigkeit liegt. Und neben irischen und schottischen Liedern und Stücken, brachten sie nicht nur das finnische Eins-Zwei-Kanaldeckel-Lied, sondern auch einige schwedische Stücke, und mir scheint, dass darin nun wirklich ihre Stärke liegt. Skandinavische Musik ist in Bonn ja nun wirklich nicht viel vertreten, da gibt es wirklich Bedarf, den die Lokal Heroes decken könnten. Der skandinavische Folkrock wie bei Garmana, Hoven Droven oder Den Fule ist ja hierzulande nicht so bekannt, aber eingemischt in die bekannteren Tunes von den Inseln könnte man damit bestimmt ein Fanpublikum aufbauen.

Nichts desto trotz sollten sie die Flöten etwas besser zu Gehör bringen. Manchmal hörte man die hohen Töne, aber nicht die tiefen. Und gerade Blasinstrumente sind es ja, die zumindest für mich den Folkrock gegenüber dem normalen Rock so angenehm hörbar und interessant machen.

In einem Jahr soll die neue CD raus kommen, die Nr. 4. Ich lebe in freudiger Erwartung darauf hin.

http://www.lokalheroes.de/


MAS

Sunday, December 26, 2004

Konzertrezension: Weihnachtskonzert „mit Dudelsack und Drehleier“ am 26.12.2004 in der Nachfolge-Christi-Kirche in Bonn-Beuel

Weihnachtskonzert „mit Dudelsack und Drehleier“ am 26.12.2004 in der Nachfolge-Christi-Kirche in Bonn-Beuel





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Am 2. Weihnachtsfeiertag fand in der evangelischen Nachfolge-Christi-Kirche in Bonn-Beuel ein etwas ungewöhnliches Weihnachtskonzert statt. Noëls, Christmas Carols, Irish Tunes und Weihnachtsmusik von Delalande, Correte, Fauré, Corelli, Fux, J.S. Bach u.a. gespielt von Matthias Höhn (Dudelsäcke, Mandoline), Ton Kannmacher (Uilleann Pipe, Drehleier), Anke Kreuz (große und kleine Querflöten), Christiane Klövekorn (Violoncello) und Huber Arnold (kleine und große Orgel). Überdies durfte das Publikum auch mit singen.

Es war größtenteils ein Barockkonzert, auch wenn Tom ein paar typische irische Sessiontunes zum Besten gab. Mir scheint ja oft, dass diese eher höfische und klerikale Musik des 17. Jahrhunderts so mancher Folkmusik sehr verwandt ist. Ich bin nicht Fachmann genug, um das belegen zu könne, aber ich spüre da häufig eine Ähnlichkeit der Stimmung.

Die Zuhörer wussten oft nicht, ob sie klatschen sollten oder nicht, was nicht daran lag, dass ihnen die Musik nicht gefiel, sondern dass es in einer Kirche statt fand. Aber dann brauste der Applaus los wie ein Sturm, und Tom sah man die Erleichterung an. Ihn umringten nach dem Konzert auch etliche Leute, die tatsächlich nie zuvor eine Drehleier oder eine Uilleann Pipe gesehen hatten, und ließen sich die beiden Instrumente erklären. „Ja, werden die denn heute noch gebaut“, fragte jemand. Ich denke, das war eine gute Art und Weise, den musikalischen Horizont einiger Mitmenschen zu erweitern.

Die anderen Instrumente schienen den Leuten bekannter zu sein, auch um Matthias` Renaissance- u.a. Dudelsäcke kümmerte sich niemand großartig. Und es klang alles gut zusammen, ungewohnt, aber wirklich gut! Nun ja, in der Bretagne sind Orgel und Bombarde ja eine klassische Zusammenstellung, warum dann nicht Orgel und Dudelsack?


http://www.mz.uni-essen.de/usr/bernd/Matthias.jpg


Matthias Höhn war ja auch mal... (Fortseztung des Satzes in der Rezension: Lokal Heroes am 29.1.2005 in der Harmonie in Bonn-Endenich)

MAS

Monday, December 20, 2004

Ein paar unausgereifte Gedanken über bulgarische Einflüsse auf die irische Musik

Ein paar unausgereifte Gedanken über bulgarische Einflüsse auf die irische Musik
(rundgeschickt am Mo 20.12.2004 18:26)

Vielleicht ist das, was ich hier jetzt schreibe für Euch ja längst bekannt und alter Kaffee, aber mit kommt es wie ein Aha-Erlebnis. Für gegenteilige Stellungnahmen bin ich aber offen.

Es könnte sein, dass ich der Frage, was es denn sei, was die ganz moderne irische Musik von der ganz traditionellen und auch der aus den 1970ern unterscheidet, gefunden habe. Ich vermutete bisher, es seien vor allem Einflüsse aus den verschiedenen Musikrichtungen vor allem aus den USA, also vor allem Jazz, Funk, Rock, Raggae. Der Einfluss dieser und anderer Musikstile, auch von Country, Blues, Soul u.a. hat sicherlich einiges dazu beigetragen, dass sich schon die Musik des Folk-Revivals der 1970er von der davor unterschied. Aber, es wird mir nun deutlich hörbar, dass es noch was anderes ist, was übrigens schon in den 1970ern anfing, wobei es letztlich Richard Schuberths Lexikon „CrossRoots“ ist, das mich mit der Nase drauf stieß.

2002 hörte ich mal in Rudolstadt den Andy Irvine aus seinem Leben erzählen. Eine wichtige Passage in seinem Leben war eine Reise durch den Balkan, von der er Rhythmen und Melodien aus der bulgarischen und mazedonischen Volksmusik mit nach Irland zurück brachte. Das meinte ich auch schon mal aus dem einen oder anderen Stück von ihm heraus gehört zu haben. Nach Schuberth ist der Einfluss, der davon ausging, aber viel größer.

Ihm voran sei in Irland die Kreativität von Seán Ó Riada und in Bulgarien die von Philip Kutev gegangen, die der jeweiligen traditionellen Musik Neuerungen hinzugefügt habe, die heute als typisch irisch bzw. typisch bulgarisch gelten. Die so für Neues geöffnete und eigentlich nie hermetisch abgeschlossene irische Musik habe nun also die ungeraden, versetzten und sonst wie anderen Rhythmen in ihre Jigs und Reels integriert.

Das ist es! Die heutigen Avantgarde-Gruppen wie Flook oder Solas, Caipercaillie oder Lúnasa, also nicht nur in Irland, sondern auch in England, Schottland und USA, haben diese balkanischen Rhythmen noch viel intensiver eingebracht, als Irvine es tat, allerdings auch so, dass es sich nach wie vor irisch bzw. schottisch anhört. Die neuen Rhythmen erscheinen nicht als Fremdkörper, sondern sind assimiliert, wenn auch vielleicht nicht für die Ohren von Puristen. Ich habe mir letztens die Solas-CD „The Edge of Silence“ gekauft, und da sind ein paar Tunes drauf, die allerdings nach meinem ungeübten Gehör auch sehr gut als bulgarische oder mazedonische durchgehen könnten oder sagen wir mal: wenn mir jemand das unter der Rubrik „neue bulgarische Folkmusik“ vorgespielt hätte, ich hätte es ihm geglaubt.

Ich finde es auch für die deutsche Rezeption einerseits keltischer und andererseits balkanischer Musik sehr interessant. Gibt es denn Überschneidungen der Szenen? Und könnte man die beiden Einflüsse dermaßen rezipieren und assimilieren, dass da eine entsprechend groovende deutsche Folkmusik bei raus kommt, wie die Iren, Schotten, Bretonen u.a. es können? An guten Musikern mangelt es ja nicht, aber gibt die deutsche Musiktradition das her, da eine lückenlose Verbindung zu schaffen?

Jedenfalls habe jetzt Interesse daran, mehr irische, schottische und andere keltische und bulgarische, mazedonische und andere balkanische Musik zum Vergleich zu hören.

Vgl.
http://www.lyrikwelt.de/autoren/schuberth.htm
http://www.concerto.at/mitarbeiter/Folk&World.htm
http://www.yopi.de/Schuberth_Richard_CrossRoots_Musik_Lexika-zeige_details

MAS

Friday, December 17, 2004

Konzertrezension: Jochen Vogel u.a. am 17.12.2004 auf einer Weihnachtsfeier in Bonn

Jochen Vogel u.a. am 17.12.2004 auf einer Weihnachtsfeier in Bonn


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Endlich kam ich mal dazu, Jochen Vogel zu hören, von dem mein Kommilitone Christof Drobny mir so oft vorgeschwärmt hat, denn selbiger hatte ihn für die Weihnachtsfeier, die unsere religionswissenschaftliche Fachschaft zusammen mit der musikwissenschaftlichen feierte, engagiert.

Nun, Jochen spielt die keltische Harfe, ist aber keineswegs Traditionalist, wenngleich ein paar irische Traditionals bzw. Klassiker auch auf seinem Programm standen. Nein, er sang auch selbstgeschriebene Lieder in deutscher Sprache dazu und spielte auch selbstkomponierte Stücke, die außer irischem Einfluss auch arabischen, indischen und japanischen und wohl noch manch anderen enthielten. Außer den Saiten benutzte er auch den Rahmen und zwar zur Perkussion oder zum Erzeugen sonstiger Geräusche. Das alles fügte sich zu einer modernen, harmonischen und auch spannungsreichen, sehr hörenswerten Weltmusik zusammen.

Außer ihm boten natürlich auch die MuWis einiges an, z.B. Lieder aus fünf Jahrhunderten, teils im Chor, teils solo gesungen, ein ironisches Liebesehnsuchtslied zur Gitarre und ein erzgebirgisch-mundartliches Weihnachtslied zum Klavier. Ein schönes Programm, eine sehr musikalische Weihnachtsfeier oder vielmehr ein Konzertabend mit Glühwein.

http://www.jochen-vogel.de/
http://www.fs-muwi.uni-bonn.de/fachschaft.htm
http://www.fs-rewi.uni-bonn.de/fr.html

MAS

Sunday, December 05, 2004

Konzertrezension: Bal Folk mit Mensch Mayr und Jostal in Marienthal am 5.12.2004

Bal Folk mit Mensch Mayr und Jostal in Marienthal am 5.12.2004

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http://www.mpmai.de/jostal/IMAGES/jostal-group.jpg



Ich bin ja schon kaum ein Musiker, aber erst recht kein Tänzer. Letzteres merkte ich mal wieder bei einem Bal Folk am Sonntag, dem 5.12.2004. Und zwar luden die Gruppen Mensch Mayr mit Johannes Mayr (Akkordeon) und Ingrid Mayr-Feilke (Drehleider und Blockflöten) und Jostal mit Johannes Mayr, Alexander Loch (Drehleier) und Stefan Emde (elektrische Geige) zu einem Tanznachmittag nach Marienthal ein, und zwar das Marienthal im Westerwald zwischen Altenkirchen und Wissen, ein kleines Dorf, das besonders durch seine katholische Wallfahrtskirche bekannt ist. Der Bal Folk fand auf dem Heinzelmännchen Hof etwas unterhalb der Ortschaft statt, einem Fachwerkhaus, in dessen Scheune neuerdings ein uriges Restaurant eingerichtet ist. In selbigem gab es erst einmal einen rustikalen Brunch, der in den 15,- Euro Eintritt enthalten war. Gegen 13 oder 14 Uhr – so genau schaute keiner auf die Uhr – wurden Tische und Stühle beiseite geräumt, und zuerst spielte Johannes und Elke auf, gefolgt nach einer Pause von Johannes, Alexander und Stefan.

Anfangs gab es noch kurze Anleitungen für Leute wie mich, die noch nicht so viele Bal Folk oder Ceilidhs mitgemacht haben und zudem lange brauchen, bis die Koordination von Beinen und Armen richtig stimmt und es schneller wieder vergessen, als sie es gelernt haben. Walzer, An Dros, Schottische, Fröhlicher Kreis und andere, also Paar- und Gruppentänze gemischt nacheinander, forderten meine ganze Aufmerksamkeit. Trotzdem lief es ruhig und harmonisch ab, nicht so autoscootermäßig, wie ich es mal in Glasgow erlebt habe. Die ca. 30 Teilnehmer(innen) waren vom Säuglings- bis ins Rentenalter, ein gemischtes Volk eben, wenn auch die meisten zwischen 30 und 50 waren.

Jostal spielte sodann aber wild drauf los, sehr zur Freude der Fortgeschrittenen. Bourrées und Mazurkas waren mir zum Mittanzen dann wirklich zu schwierig, und auch eine Polka war mir ungewohnt, aber das Zugucken und Zuhören machte auch riesigen Spaß! Sonst höre ich die Musik ja auch von CD z.B. beim Autofahren, ohne dabei zu tanzen, nicht aber ohne zumindest innerlich mitzuwippen. Das ging dann so bis 18 Uhr, aber wir verabschiedeten uns schon etwas früher, denn vor einer Woche in der Fremde und voller Arbeit, sind Petra und mir die Sonntagabende gemütlich zu Hause lieber als anderswo.

Die Tänze waren zumeinst französische und bretonische, aber auch deutsche, schwedische, englische, schottische. Mir scheint, so um 1900 herum waren das noch allgemein europäische oder zumindest westeuropäische Standardtänze, und ich erhaschte ein paar Gesprächsfetzen zweier Männer, wonach diese Art zu tanzen in Belgien und den Niederlanden oder auch in Schweden noch sehr verbreitet sein soll, auch bei jungen Leuten unter 30. Von Schottland kenne ich das ja, dort ist es gesellschaftlicher Standard, gemäß der Tradition. Hier in Deutschland aber muss man lange warten oder weit reisen, um solche Tänze mitzukriegen. Ein Teilnehmer kam gar aus Düsseldorf, und ein Autokennzeichen war aus Friedberg, ganz zu schweigen davon, dass Alexander derzeit in Ost Timor wohnt, und dabei machte es den Eindruck, als tanzte da die Dorfbevölkerung in der Scheune.

Im Sommer soll es wieder einen Bal Folk dort geben, und ich hoffe, dann auch Zeit zu haben, damit nicht nur meine Ohren, sondern auch meine Beine die Musik einmal ihr Eigen nennen.

Infos:
http://www.johannes-mayr.de/menschmayr.htm
http://www.mpmai.de/jostal/index.html
http://www.folker.de/200406/rezi-d.htm#06

MAS

Sunday, November 21, 2004

Konzertrezension: Flook am 21.11.2004 in der Brotfabrik in Bonn-Beuel

Flook am 21.11.2004 in der Brotfabrik in Bonn-Beuel


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In der Ankündigung dieses Konzerts schrieb ich: Eine Warnung an alle Whistle- und Flötenspieler: Seid nicht frustriert, wenn Ihr Euer Spiel mit dem von Flook vergleicht. Die üben wahrscheinlich nur mehr;-) Flook ist einfach die genialste Band die ich in Bezug auf diese beiden Instrumente bisher kennen lernen durfte.

Ja, ich dachte nach dem Konzert auch, dass deren Spielkunst nicht nur die meine, sondern auch meine Kunst Musik zu beschreiben übersteigt. Aber Näx, also Alexander May (Tj:unichtgut) meinte, er freue sich auf eine Rezension von mir, so dass ich wohl nicht umhin kann, eine zu versuchen.

Ich war ja noch unter dem Eindruck des Musicals „Anatevka“ und der DITIB-Demonstration, als ich in der Brotfabrik am Sonntagabend dieser englisch-irischen Band lauschen durfte, die ich 2001 auf dem Irish Folk Festival schon gehört habe. Christian Rath schrieb dazu im Folker! Nr. 1/2002 auf S. 27: „Obwohl sie viele groovende Stücke im Programm haben, machen sie keine Mitklatsch-Musik. Beim Irish Folk Festival konnten sie sich deshalb keine Triumphe, sondern nur Achtungserfolge erspielen.“ Na, ich denke, das lag eher am Publikum als an Flook. Ich erachte die Wertung als Mitklatsch-Musik nicht unbedingt als ein Gütekriterium. Oder machen etwa die Berliner Symphoniker Mitklatschmusik? Eher trifft das doch auf De Randfichten zu, und Flook, obwohl eine Folkband, steht ersteren näher als letzteren. Eine Folkband? Brian Finnegan sagt, sie seien keine irische Band. Klar, sie sind drei Engländer und ein Ire. Aber sind sie ein Folkband?

Schauen wir mal auf die Musik:
Brian Finnegan spielt diverse Tinwhistles und andere Flöten, Sarah Alen ebenso, aber auch ein Akkordeon, Ed Boyd spielt Gitarre und John Joe Kelly Bodhran. Das ist schon eigentlich eine nicht unübliche Irish Folk – Instrumentierung. Und ganz klar wurzelt ihre Musik in der irischen Tradition als Stand- und diversen anderen ethnischen Traditionen als Spielbein. Wie viele Folkbands zeigen sie ihr Können auch, indem sie ein Set langsam anfangen und dann immer schneller werden. Dass sie dabei ihre Instrumente virtuos oder gar akrobatisch beherrschen, hebt sie auch nicht so sehr hervor, denn das tun viele Musiker der Irish Folk und Traditional – Musik, ein Grund, warum ich diese Musik so sehr liebe. Nein, es ist der eigenwillige Stil ihrer Akrobatik, der das tut. Gut, Sarah geht mit ihrem Akkordeon zumeinst sehr behutsam um, benutzt es mehr als Begleit-, denn als Melodieinstrument, vor allem bei den schnellen Stücken, aber wenn sie ihre Querflöte bläst, befindet sie sich auf einer anderen Ebene, die auch sie selbst nur einbeinig erträgt. Mal spielt sie rasant, mal benutzt sie das Blas- als Percussionsinstrument, indem sie kurze, kräftige Atemstöße über das Mundstück jagt, ähnlich wie Ian Anderson (Jethro Tull). Ed wechselt zwischen Filigranem Fingerpicking und rasanten (ja, ich weiß, das Wort hatte ich schon) Akkorden. John Joe schlägt die Bodhran zwar nicht so schnell, dass man sein Handgelenk nicht mehr sieht, aber er nutzt wohl nicht nur die ganze Fläche des Trommelfells, sondern auch noch den Rahmen aus, um mal in kräftigen Paukenschlägen mal in harten Trillern in verschiedenen Tonhöhen geradezu Melodien zu spielen. Und Brian, der muss wohl „Stein und Flöte“, den faszinierenden Märchenroman von Hans Bemmann gelesen, ach was, eingeatmet haben. In einer für mich nicht nachvollziehbaren Geschwindigkeit wechselt er zwischen dem für irische Whistlespieler typischen Tanz der Finger auf den Löchern bei konstantem Ausatmen, akupunkturhaftem Zungenspiel und mal ganz sachtem, mal stürmischem Ausatmen mit plötzlichen Atemstößen, die auch wieder die Percussion ersetzen könnten, und dabei steht auch er bisweilen lieber auf einem Bein als auf zweien. Als Michael McGoldrick noch als dritter Flöter statt John Joes dabei war, mussten sie ja auch ohne Trommel auskommen. Jou, da endet meine Beschreibungskunst.

Ist das nun eine Folkband? Oder ist es Jazz oder sonstige experimentelle Musik, die sie da spielen? Das Mitklatschen war tatsächlich nicht durchweg möglich, denn zu oft wechselten sie das Tempo oder den Rhythmus, ein zuviel an Lärm seitens des Publikums hätte aber auch das Lauschen auf die vielen Feinheiten gestört. Nein, es juckt einem zwar in den Tanzbeinen, aber andererseits will man nur da sitzen und zuhören, einfach nur zuhören.

Zwischendurch rief Brian per Handy einen Freund in Irland an, und wir alle sangen „Happy Birthday“ zu dessen 60. Erdenjubiläum. Das erinnerte mich an die Mahones, die mal während der Aufnahme im Studio einen Freund in Irland anriefen und ihn baten ein Lied zu singen, welches nun auf der CD „Get stuffed“ zu hören ist.
Matthias Klose (Till Nine), Ralf Wolfgarten (Lokal Heroes) und ich berieten, ob wir es nach diesem Konzert noch wagen dürften, die Tinwhistle auszupacken. Näx meinte, nach dreimillionenmalem Durchhören der Flook-CDs käme man ihnen vielleicht auf die Schliche. Aber ja, es wird gewagt, ob auf den Inseln oder auf dem Festland, überall lassen sich Session- und Bandmusiker von Flook nicht nur verzaubern, sondern auch inspirieren. Sie setzen neue Maßstäbe, und auch wenn man die Meister nicht erreicht, so haben sie doch Einfluss auf die Folkmusik und so sind sie auch eine Folkband, oder wie man manchmal liest, eine innovative Folkband.

Wir klatschten zwar nicht so viel während sie spielten, aber um so heftiger, um noch eine Zugabe mehr zu bekommen. Und da zeigte Ed, dass er auch singen kann, in etwa mit einer so sanften Stimme wie unser Bonner Shay McVeigh, vielleicht nicht ganz so schön, aber niemand kann alles.

Flook – und nichts ist mehr so, wie es mal war. Nee, der Satz ist abgedroschen, das passt nicht zu ihrer Musik. Ich bin jetzt einfach still und lausche – das passt! ...


http://www.flook.co.uk/
http://www.folker.de/200201/flook.htm
http://www.folker.de/200401/rezi-eu.htm#03

MAS

Demonstrationsrezension: Gedanken zur DITIB-Antiterrorismus-Demonstration in Köln am 21.11.2004

Gedanken zur DITIB-Antiterrorismus-Demonstration in Köln am 21.11.2004


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(Das ist jetzt zwar keine Musikrezension, aber vielleicht interessiert es ja doch einige Leser(innen)).

Die Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion DITIB, wobei diese Anstalt eine Abteilung des türkischen Innenministerium ist, rief zu einer Demonstration gegen den Missbrauch des Islam durch die Terroristen auf. Schon lange fordern sowohl die nichtmuslimische Öffentlichkeit als auch muslimische Intellektuelle solche Demonstrationen, die sowohl den Terroristen und deren Sympathisanten als auch den Nichtmuslimen zeigen sollen, dass Terroristen nicht das Recht zugesprochen bekommen, ihren Terror im Namen des Islam auszuüben. Viel zu viele Nichtmuslime verdächtigen die Muslime generell, den Terrorismus gut zu heißen und zu unterstützen. Und von muslimischer Seite werden diese Anschuldigungen meistens zwar vehement zurück gewiesen, aber es fehlte bisher an Kundgebungen, die den Anti-Bush Demos an Größe gleich kam, sondern es blieb bei Pressemitteilungen und anderen schriftlichen und mündlichen Stellungnahmen, die einfach nicht genug Leute erreichten.

Diese Demonstration nun sollte das ändern. Ca. 25 000 Teilnehmer, zumeist Türken, aber auch Deutsche (z.B. meine Frau und ich) füllten den Rudolfplatz in Köln und lauschten den Reden der Damen und Herren auf der Tribüne, darunter der Kölner OB, die Innenminister von NRW und Bayern, Claudia Roth und Guido Westerwelle. Der Tenor der Reden war immer wieder: Religion und Gewalt schlössen einander aus, ein Terrorist sei kein gläubiger Muslim und ein gläubiger Muslim sei kein Terrorist (was auch auf einigen Bandarolen zu lesen war), ein Moscheen beschädigender Randalierer sei kein anständiger Deutscher (oder Niederländer), Religionen hätten die Aufgabe, miteinander im Frieden zu leben und dem Frieden auf der Welt zu dienen, Deutschland sei ein multikulturelles Land auf demokratischer und rechtsstaatlicher Grundlage, die Vielfalt der Kulturen und Religionen stelle einen Reichtum dar, jeder Mensch habe das Recht, seine kulturelle und religiöse Identität selbst zu bestimmen und zu leben, aber um sich miteinander verständigen zu können und in der deutschen Gesellschaft die gleichen politischen und beruflichen Chancen zu haben, müssten auch alle Deutsch beherrschen, und die Predigten in den Moscheen dürften in welcher Sprache auch immer gehalten werden, nur dürften ihre Inhalte nicht dem Gesetz und der Menschenwürde widersprechen, da seien auch die muslimischen Moscheebesucher gefordert, drauf zu achten und Hasspredigten nicht zu dulden. Ein Dichter meinte, die Unterschiede seien gar nicht so wichtig, sondern „wichtiger ist, dass wir Freunde sind“.

Das waren alles schöne und abhängig von der jeweiligen Wortdefinition richtige Reden, die die Politiker da sehr laut über dem Rudolfplatz ertönen ließen, dass mir ihre Stimmbänder leid taten. Die Teilnehmer brachen immer wieder in Beifall aus, außer dass sie Herrn Beckstein zunächst ausbuhten, wonach sie seinen Sätzen aber doch wieder zustimmten. Ich bemerkte aber auch, dass der Beifall da lauter war, wo die türkische Kultur und der Islam gelobt wurde oder wo von der deutschen Mehrheitsgesellschaft Integrationsleistungen verlangt wurden, als dort, wo von den Türken diesbezüglich mehr Engagement verlangt wurde. Die Redner verstanden es auch gut, bei den türkischen Teilnehmern unbeliebtere Forderungen in der ersten Hälfte eines Satzes zu platzieren und die beliebteren in der zweiten, so dass ihnen der Beifall am Ende des Satzes sicher war. Nur einmal war es umgekehrt: Ich weiß nicht, ob es in Frau Roths Rede war, jedenfalls betonte eine Rednerin das Recht der Musliminnen, ein Kopftuch zu tragen, was viel Beifall mit sich brachte, worauf sie das einbettete in das generelle Selbstbestimmungsrecht der Frauen, was weniger Beifall erntete, worauf sie dann noch was bei den anwesenden Männern beliebteres nach schob. Nun, man darf von Tevje (vgl. die Gedanken zu „Anatevka“) nicht zu viel auf einmal erwarten.

Was mein oben angedeutetes Hinterfragen der Wortdefinitionen angeht, möchte ich nur sagen, dass religionswissenschaftlich gesehen zwischen „Religion“ und „Verbrechen“ kein Widerspruch besteht, sondern die beiden Worte ganz verschiedene Bereiche betreffen, denn sehr wohl gibt es religiöse Verbrecher, denn Religion schützt nicht per se vor Illegalität. Auch kann man den Terroristen nicht einfach so ihren Glauben absprechen, nur muss man sehen, dass ihr Glaube und der der meisten Muslime sich sehr weit voneinander unterscheiden, sie konstruieren Islam einfach sehr unterschiedlich. Nur in der Annahme, dass beide den gleichen Islam meinen, kann man von einem richtigen und einem falschen Verständnis reden. Für uns wichtig ist aber, dass sich hier Muslime, deren Islamverständnis einen Islam konstruiert, der unserem Grundgesetz nicht widerspricht, sondern es vielleicht sogar stützt, sich von solchen Muslimen distanzieren, deren Islamverständnis einen fanatischen und gewaltsamen Islam konstruiert. Beide Seiten beanspruchen für sich die Definitionshoheit. Die Grenzen von gut und böse im Sinne einer Ethik, die Gewaltlosigkeit als hohen Wert anerkennt, gehen hier also wie so oft mitten durch eine Gemeinschaft hindurch, und insofern bei beiden Seiten dieser Gemeinschaftssinn als hoher Wert gesehen wird, kann die Distanzierung der friedlichen Mehrheit von der gewalttätigen Minderheit diese durch einen normativen Entzug dieser Gemeinschaft vielleicht zum Umdenken zwingen. Und ob eine multikulturelle Vielfalt eine Bereicherung, eine Bedrohung oder noch was anderes ist, hängt viel mehr von dem Menschen ab, auf den diese Vielfalt einwirkt, als von der Vielfalt selber. Es gibt Menschen, die suchen das Neue oder Fremde, und es gibt Menschen, die meiden es. Es gibt Menschen, die empfinden die Fladenbrot backenden, sehr verhüllend gekleideten türkischen Nachbarn im Garten als einen schönen Anblick, und es gibt welche, die fühlen sich dadurch in ihrer Freiheit, sich wie gewohnt in der Badehose bzw. Bikini in den Garten zu legen, eingeengt, weil sie meinen, in den Augen der neuen Nachbarn als unmoralisch zu gelten. Wichtig ist es für das friedliche Miteinander nicht nur, dass wir Deutschen die Migranten, sondern auch dass die Migranten uns Deutsche als Bereicherung empfinden. Es ist auf beiden Seiten noch viel an gegenseitigem Aufeinanderzugehen zu leisten, und den Grad an selbstkritischer Reflexion gilt es auf beiden Seiten zu steigern.

Ein Meer von türkischen, deutschen und europäischen Flaggen wehte auf dem Platz, und ihre Farben leuchteten fröhlich in der Kölner Herbstsonne. Die Medien berichteten vielfach und wohlwollend über diese Demonstration. Der Bemühung der Türkei, in die EU aufgenommen zu werden, dürfte sie sicher sehr genützt haben. Ich hoffe, sie hat vor allem dem friedlichen Miteinander von Muslimen und Nichtmuslimen in unserer Gesellschaft genützt und noch dringlicher, dass sie Sympathisanten des Terrorismus beim Umdenken hilft, ähnlich wie die Demonstrationen gegen den ETA-Terror in Spanien und im Baskenland.

Viele Muslime sagen, sie empfänden es als Demütigung, sich ständig für den Terror den sie weder begehen noch gut heißen, rechtfertigen zu müssen, nur weil die Terroristen auch Muslime seien. Ich denke aber, es geht nicht um eine Rechtfertigung, sondern um eine Distanzierung. Herr Westerwelle verglich es damit, dass er sich als Christ auch von dem in Nordirland von Christen begangenen Terror distanziere und ich vergleiche es gerne damit, dass ich mich als Deutscher vom Rechtsradikalismus distanziere. So mancher Erdenbürger nennt Deutschland und Hitler ja noch in einem Atemzug, und ich muss ihm erklären, dass ich damit nichts zu tun habe und mich dafür schäme, was da von Deutschen getan wurde und zum Teil noch getan wird. Das ist dann weder eine Rechtfertigung noch eine Entschuldigung, sondern nur eine Distanzierung. Sicher nervt mich das, wenn ich das zu oft betonen muss, aber es ist notwendig den Menschen gegenüber, die nicht differenziert genug denken, sondern alle Mitglieder eines Volker oder einer Religion über einen Kamm scheren oder in einen Sack stecken und dann drauf hauen. Dieses undifferenzierte Denken zu bekämpfen ist eine viel schwierigere Angelegenheit, und so bleiben immer wieder geforderte Distanzierungen notwendig, auch wenn sie nerven. Ich denke, diese Leitung kann man von unseren muslimischen Mitmenschen genau so erwarten, wie von uns Deutschen. Und wer ein deutscher Muslim ist, muss sich evtl. sowohl vom islamistischen Terrorismus als auch vom deutschen Rechtsradikalismus distanzieren, je nach dem, wer ihn gerade wessen anschuldigt.
Vgl. auch: http://www.faz.net/s/RubFC06D389EE76479E9E76425072B196C3/Doc~EB04911846EB546AFB4A48B5B62E7BE14~ATpl~Ecommon~Scontent.html

MAS

Saturday, November 20, 2004

Konzertrezension: Ein paar Gedanken zum Musical „Anatevka“ anlässlich eines Besuches einer Aufführung in der Bonner Oper am 20.11.2004

Ein paar Gedanken zum Musical „Anatevka“ anlässlich eines Besuches einer Aufführung in der Bonner Oper am 20.11.2004


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http://www.musicals-unlimited.de/anatevka/anatevka_004.jpg

Meine Frau schleppte mich mal wieder in die Oper, was nicht so sehr häufig vorkommt, und immer ein wenig wie ein Staatsakt anmutet, denn ich soll mich dann immer irgendwie festlicher kleiden, obwohl ich doch nur Zuschauer bin und kein Repräsentant oder Darsteller auf der Bühne. Egal, diesmal war „Anatevka“ angesagt, ein Musical, das ich schon als Kind im Fernsehen gesehen habe, wobei ich mich auch noch an Szenen erinnerte, vor allem an das Lied „Wenn ich einmal reich wär“, aber der Inhalt des Musicals war mir nicht mehr geläufig. Und siehe da, es ist eine überaus spannende Geschichte um ethnische und religiöse Identität, Tradition und Moderne, Fremdenhass und Migration. Tevje, ein kleiner Bauer und Händler, lebt mit Frau und fünf Töchtern in dem russischen Dorf Anatevka irgendwann in der Endphase des Zarenreiches. Die jüdische Gemeinde lebt streng nach den Vorschriften und Gewohnheiten der Tradition, deren Ursprünge sich dem historischen Bewusstsein entziehen. Ohne diese Tradition wäre die kollektive ethnisch-religiöse Identität als jüdische Minderheit nicht zu bewahren gewesen, man würde die Sicherheit verlieren und gefährdet sein, wie ein Geiger auf dem Dach, der jederzeit herunter fallen kann. Nun aber brechen drei der Töchter mit der Tradition und bestehen darauf, sich ihren Ehemann selbst auszuwählen. Die erste wählt einen armen jüdischen Schneider, die zweite einen jüdischen sozialrevolutionären Gelehrten. Beide Male ringt Tevje mit zwei Kräften, seiner Traditionstreue und seiner Liebe zu seinen Töchtern, wägt im Gebet zu Gott das Einer- und das Andererseits ab und entscheidet in beiden Fällen, die Liebesheirat zu erlauben und seinen Segen zu geben. Als die dritte Tochter aber einen nichtjüdischen Intellektuellen heiraten möchte, zerbricht er innerlich daran und kann es nicht erlauben. Während der Hochzeit der ältesten Tochter mit dem Schneider greift ein Schlägertrupp an und verprügelt die Hochzeitsgesellschaft, ein Ereignis, das ein Vorbote der Vertreibung der Juden aus dem Dorf ist. Während sie ihre Habseligkeiten zusammen packen, um nach Amerika oder sonst wohin auszuwandern, überwindet sich Tevje doch noch, und wünscht der Tochter und ihrem nichtjüdischen Mann Gottes Schutz.
Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass so mancher türkisch-muslimischer Vater ähnliche Probleme wälzt, wenn seine Tochter einen ethnisch und religiös anders sozialisierten Freund hat. Und all die Geschichten von Vertreibung aus der Heimat, egal wen es trifft, ob Iren oder Juden, Deutsche oder Polen, Vietnamesen oder Somalier kamen mir in den Sinn. Die Iren und die Juden haben die Thematik in ihre Musik sehr intensiv aufgearbeitet, so dass aus der Tragik Ästhetik wurde. Auch in dem Musical kam jiddische Volksmusik neben der typischen Operettenmusik vor, was es für mich noch mal interessanter machte. Jedenfalls war das ein sehr ergiebiger Opernbesuch.

Vgl. auch http://home.t-online.de/home/realschule.linz.rhein/schulleb/musical.htm
http://www.musicals-unlimited.de/anatevka/premiere.html

MAS

Saturday, October 30, 2004

Konzertrezension: PS Gitarrenduo am 30.10.2004 im AnnoTubac in Bonn

PS Gitarrenduo am 30.10.2004 im AnnoTubac in Bonn


http://www.ps-gitarrenduo.de/img/left_pic.jpg


So voll hätten wir uns beim Bonner Folktreff den Saal im AnnoTubac auch oft gewünscht! Nun, manchmal war er es ja auch, und er war es an diesem Samstagabend, als meine Petra und ich Evas Rundmail folgend dieses mir vertraute Gefilde betraten. Das Duo besteht aus Bastian Palmersheim und Christof Schmitz, letzter ist Evas Bruder. Rock und Funk war angekündigt, was vor allem Petras Metier ist.

Bevor sie begannen als Duo zu spielen, traten sie in Begleitung zweier Gastmusiker als ihre eigene Vorgruppe auf unter dem Namen „Funky Fred and the free freakin’ Frickel Brothers“, gewandet im Hippie-Look der 1970er mit bunten Tüchern und Locken- oder Langhaar-Perücken, und sie spielten auf E-Gitarren, E-Baß und E-Schlagzeug eine dermaßen funkige Musik, die auch mich vollends begeisterte, und zwar fast 40 Minuten lang. Hinter mir meinte ein Mitglied der Metal-Band „Nothammer“, der Christof mal angehört hatte, die Musik gefalle ihm nicht, aber man müsse ja offen sein, und es sei sehr witzig. Es schien, die Musiker hätten das Ganze auch mehr als Scherz gemeint und seien sehr überrascht gewesen, dass das so gut ankam.

Ganz anders saßen die beiden dann in dezenten 00er Klamotten, der eine mit Glatze, der andere mit echten langen Haaren als PS-Gitarrenduo da und spielten auf elektroakustischen Gitarren weitere zwei Stunden lang, wozu sie selbstgemachte deutsche Lieder sangen, nicht unähnlich einigen Duos, die schon beim Folktreff auf dieser Bühne gesungen haben, etwa KönenBecker oder Joint Venture oder auch Eric’n Krainy, nur eben auf Deutsch. Und ähnlich wie bei diesen, wurde mir der Gesang auf Dauer etwas eintönig, aber die Gitarren rissen mich immer wieder ins musikalische Hier und Jetzt wenn ich mit vor Rauch der Fans und der Musiker brennenden Augen und kratziger Kehle kurz gedanklich abgedriftet war. (Ach wie angenehm war das Rauchverbot beim Bonner Folktreff!) Von den Texten ist mir gar nicht mehr so viel in Erinnerung, aber das expressive, harte und teils auch wieder funkige Gitarrenspiel könnte mich eventuell auch den Rauch übersehen und noch einmal ein Konzert von ihnen besuchen lassen, etwa im Dezember in der Klangstation. Mal sehen.

Auf jeden Fall bleibt mir ja ihre neue CD „na immerhin...“ mit Titel, die zwar nur 5 Stücke enthält, deren Erwerb aber auch in den 5 Euro Eintrittspreis enthalten waren. Alle Achtung! Und die kann ich ja auch bei sauberer Atemluft genießen.

http://www.ps-gitarrenduo.de/

MAS

Monday, October 25, 2004

Konzertrezension: The Irish Folk Festival 04 – Celtic Legends am 25.10.2004 in der Philharmonie in Köln

The Irish Folk Festival 04 – Celtic Legends am 25.10.2004 in der Philharmonie in Köln


http://www.irishfolkfestival.de/iff-logo1-eng.gif


Petr Pandula schreibt im diesjährigen IFF-Programmheft, dass das IFF-Publikum heute relaxter und offener sei als in den 1970ern, denn damals habe einmal etwa ein Drittel des Publikums unter Protest den Saal verlassen, als David Spillanes Band Schlagzeug, E-Gitarre und E-Baß einsetzte und auf der Uilleann Pipes bluesige Riffs gespielt wurden. Ja wirklich, das heutige Publikum, 30 Jahre nach dem 1. IFF, ist sehr offen, was in diesem Jahr zum Beispiel Carlos Núñez positiv zu spüren bekam.

Den Opener aber bildete das Duo Ian Smith & Stephen Campbell aus Donegal mit Gitarre, Fiddle und Gesang. Es wäre keineswegs langweilig geworden, den beiden noch ein Stündchen länger zuzuhören, so expressiv waren alle drei Instrumente. Ian Stimme erinnerte mich an Dick Gaughans, und das vorgetragene Schlaflied wirkte alles andere als zum Einschlafen geeignet. Stephens Geige erinnerte mich an norwegische Hardanger-Fidels, aber sie war von den Shetlands. Ein geniales Duo!

Solas aus USA und Irland hatte ich sehr gespannt erwartet, und war, nun, nicht gerade enttäuscht, aber vielleicht hatte ich einfach zu viele Vorerwartungen von dem einen Stück her, das ich auf einer Klingenden Post CD von Old Songs New Songs von ihnen habe. Das Quintett spielte und sang äußerst spannungsgeladen, nur schien sich die Spannung vieler Tunes immer weiter zu steigern, dann eine Zeit lang auf dem Niveau zu bleiben, um dann wieder abzuebben, ohne sich richtig zu entlanden. Ihre Musik ist recht jazzig, und auch vom Blue Grass beeinflusst, modern und urban, dabei aber unverkennbar irisch oder iro-amerikanisch.

Jim Hayes ist Bauer, wie dereinst der Micho Russel, und ähnlich wie dieser ein echter Volksmusiker. Er stand da, eine Hand in der Tasche, in leicht gebückter Haltung, sang alte Lieder, und drehte nach fast jedem Lied dem Publikum den Rücken zu, um sich die Kehle mit Wasser zu befeuchten. 71 Jahre ist er alt und war nun erstmals außerhalb Irlands unterwegs. Seine Lieder sind ganz anders, als das was man sonst so von den Iren hört und erinnerten mich zum Teil an deutsche Volkslieder vor der „Stadl“-Zeit.

Und dann Carlos Núñez, der galizische Ehren-Chieftain, und seine Band. Dieser forderte mit weit ausladender Geste um Applaus, ehe er den ersten Ton gespielt hatte. Welche eine andere Erscheindung im Vergleich zu Jim Hayes! „Wir sspielen keltisse Musik mit Leidenssaft“ sagte Carlos auf Deutsch, und ich verstand „mit kleinen Sserzen“, und die brachte er auch zwischendurch: „Was hat der Ssotte und dem Kilt? Die Ssukunft Ssottlands!“ Ha ha, und er meinte tatsächlich, den Witz hätte keiner verstanden, als niemand lachte. Sein Bruder Xurxu trommelte wild und kirmesreif den Rhythmus, durch den Carlos Gaïta es schwer hatte, sich Gehör zu verschaffen. Und dabei spielte er meisterhaft auf der galizischen Sackpfeife sowie zahlreichen Flöten Tunes aus Galizien, der Bretagne, Schottland und Irland. Wirklich zauberhaft aber sang meines Erachtens Bagoña Rioboo ein Lied über den Tankerunfall vor der galizischen Küste 2002 mit einer Melodie, die sehr arabisch klang. Ja, in Galizien nimmt die keltische Musik Kontakt zur spanischen und maurischen auf, und dort, wohin die Galizier auswanderten, zum Beispiel nach Kuba, beeinflusste sie die dortige Musik. So mancher Zuhörer mag sich über diese Mischung keltisch-arabisch-romanisch-lateinamerikanscher Musik als Höhepunkt eines irischen Konzertabends gewundert haben, aber die meisten hatten ihren Spaß dabei und klatschen heftig mit, eben voller Leidenssaft.

Vor dem Konzert gab es Dias irischer Landschaften von Thomas Frühwacht zusehen, vor jeder Gruppe Dias aus deren jeweiliger Heimat und zu Beginn der irisch-amerikanisch-galizischen Schlusssession Dias von den bisherigen Irish Folks Festivals, begleitet mit „The Parting Glass“, gesungen von Deidre Scanlan von Solas. So ging ein schöner, sehr kontrastreicher Abend zu Ende, gefolgt von diesen verarbeitenden Gesprächen im Foyer und im Zug zurück nach Bonn mit ein paar unserer regionalen Musiker, wovon diese meine Rezension nicht unbeeinflusst ist.

Ach ja, und so teuer wie erwartet war es gar nicht, sondern hielt sich vollkommen im Rahmen der Eintrittspreise die auch bei den Pure Irish Drops oder bei Whisht verlangt wurden, solange man nicht die vorderen Plätze verlangte, zumal die Philharmonie einen Studentenrabatt gewährt. Und die Akustik dort ist wirklich erstklassig. Petr Pandula erklärt im Programmheft, die moderaten Eintrittspreise (noch vor 2 Jahren waren sie doppelt so teuer) könne man der Konkurrenz verdanken.

http://www.irishfolkfestival.de/
http://www.folker.de/200405/01iff.htm
http://www.folker.de/200406/rezi-eu.htm#01

MAS

Saturday, October 09, 2004

Konzertrezension: Whisht! am 9.10.2004 im Feuerschlösschen in Bad Honnef

Whisht! am 9.10.2004 im Feuerschlösschen in Bad Honnef


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Warum nicht mal zwei irische Konzerte an zwei aufeinander folgenden Abenden, zumal beide zusammen preiswerter waren als ein IFF-Besuch? Klar, die Whishtler sind keine Iren, und brauchen keine Ausländersteuer zu zahlen, die Drops dagegen schon, aber irgendwie schaffte es Florian Fürst, den Eintrittspreis niedrig zu halten.

In meiner Rezension vom 3. Bonner Irish Folkfestival im April 2004 habe ich schon was über Whisht (ich lasse das Ausrufezeichen weg, weil ich solche Satzzeichen mitten im Satz nicht mag) geschrieben und habe auch kaum etwas hinzuzufügen, außer dass in der konsternierten – nee, das ist das falsche Wort, ähm, ach ja – in der konzertanten Atmosphäre des Feuerschlösschens die Details viel besser zu hören waren, und diese Details waren einfach schön, inklusive des – in der Weise wie Tom Busse von Slide Kick es gerne macht – auf der auf dem Schoß liegenden Gitarre von Eckhart Topp gespielten Intros zu Alan Stivells „Broceliande“, das er (Eckhart, nicht Alan) als Ausbeute eines ansonsten eher trägen Wochenendes mitbrachte und natürlich inklusive Eckharts ausführlicher verbaler Intros zu den einzelnen Stücken. Eckhart auf Gitarre, Johannes Schiefner auf Uilleann Pipes, Tinwhislte und Keyboard, Sabrina Palm auf ihrer Geige, Holger Ries auf Bhódran und anderen Percussions und alle auch mit ihren eigenen Stimmen boten dem Publikum in dem Gewölbeflur des Feuerschlösschens einen modern-tradtionellen Abend irischer und teilweise bretonischer Musik, weniger rustikal als die Drops, eher urban und etwas jazzig, weniger ethnisch-authentisch primär, eher gut sekundär sozialisiert, aber mit keinem Quäntchen weniger Spielfreude als die alten Meister und keineswegs einfach nur nachgespielt, sondern originell arrangiert. Und Profis im Sinne von Die-Brötchen-damit-Verdiener sind es auch nicht, sondern auch in diesem Sinne echte Volksmusiker, die trotzdem professionelle Musik anbieten.

http://www.whisht.de/

Es war mit eine Freude, diese beiden Kurzrezensionen zu schreiben.

MAS

Friday, October 08, 2004

Konzertrezension: Pure Irish Drops am 8.10.2004 in der Brotfabrik in Bonn-Beuel

Pure Irish Drops am 8.10.2004 in der Brotfabrik in Bonn-Beuel


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Seit 1989 touren die Pure Irish Drops durch Deutschland, keine Gruppe, sondern ein Tourneekonzept, wonach drei irische Musiker vor relativ kleinem Publikum – verglichen mit dem seit 1974 (wenn auch nicht ununterbrochen) jährlich durch Deutschland tourenden Irish Folk Festival, in dessen Rahmen die Idee für die Pure Irish Drops erstmals aufkam – traditionelle Musik spielen. Von den 16 Tourneen gastierten acht auch in der Brotfabrik, nun am 8. Oktober 2004 mit Christy Barry (whistles, flutes, spoons), Gerry Ó Connor (fiddle) und Tony MacMahon (button accordeon), die allesamt Weggefährten des 1994 bei einem Autounfall in seinem Heimatort Doolin ums Leben gekommenen Micho Russel waren, für den die diesjährige Tournee unter dem Titel „Ten Years dead but not forgotten – Im Memory of Micho Russel“ eine Hommage bildete.

Wer Micho Russel noch nie gehört hat, nehme sich mal die Aufnahmen der ersten beiden Irish Folk Festivals vor, die ja auch noch käuflich zu erwerben sind. Seine etwas quäkige Stimme in dem südwestirischen Dialekt und sein ungekünsteltes, aber kunstvolles Whistlespiel mit relativ wenigen Verzierungen und eher etwas stakatohaft, machten auf mich einen sehr positiven Eindruck von echter bäuerischer Volksmusik. Er war ja auch Bauer, und Wolfgang Koll, der Wirt der Harmonie, erzählte mit letztens, dass er ihn mal auf einem Konzert in Doolin erlebt habe, zu welchem Micho Russel von der Arbeit auf dem Feld gekommen und wohin er auch anschließend zurück gekehrt sei.

Bauern sind die drei Musiker der diesjährigen Tournee zwar nicht, aber Christy Berry sagte, er habe noch nie vor einem so großen Publikum gespielt. Nach jeweiliger Solovorstellung ihrer Spielweise gaben die drei nach der Pause ihr Können als Duo und Trio zum Besten. Reine, traditionelle, aber variationsreiche Volksmusik im besten Sinne des Wortes. Sie spielten, als säßen sie zu Hause im Wohnzimmer oder in ihrem Stammpub bei einer Session. Von Sessions kannte ich das eine oder andere Stück, einige natürlich auch von anderen Interpeten. Einige Musiker unserer Bonner Sessionelite saßen in der ersten Reihe und schauten ihnen ehrfürchtig auf die Finger. Anschließend konnten sie dann mit ihnen fachsimpeln. Musiker ohne Starallüren, ohne Showbiz-Wichtigtuerei, einfach sympathische Menschen, die echt gute Musik machen!

http://www.ffmusik.de/Pure_Irish_Drop_2003_d.html

MAS