Le Clou am 31.3.2006 in der Harmonie Bonn-Endenich
Cajun Swamp Groove vom Feinsten!
Die nicht nur in unserer Region Bonn/Rhein-Sieg wohlbekannte Band "Le
Clou" erfreute uns an diesem noch kühlen Märzabend wieder mit ihrer
wundervollen Musik aus dem tiefen heißen Süden der USA. Die Einmaligkeit
und Vielseitigkeit dieser Gruppierung zeigt sich schon durch ihre
Instrumentierung: Michel David bediente die Gitarre, zeigte aber auch,
dass man ein altmodisches rubbeliges Waschbrett aus Uromas Zeiten als
Rhythmus-Instrument effektvoll einsetzen kann - übrigens ein Wahrzeichen
von Le Clou. Michel, der aus Paris kommt, sang auch die meistens
selbstkomponierten Lieder. Es ist nämlich guter Brauch bei Le Clou, dass
möglichst viele der dargebotenen Stücke selbst komponiert werden, denn
man will nicht nur einfach irgendetwas nachspielen, sondern man stellt
etwas ganz Neues auf die Ohren der Zuhörer. Yves Gueit trug zu der
Vielseitigkeit der Darbietungen mit Akkordeon, Saxophon, Klarinette und
Flöten bei. Johannes Epremian unterstützte den singenden Michel mit
seiner Stimme, ausserdem machte er mit seiner Geige und diversen Gitarren eine ausgesprochen rhythmische Musik, die die Zuschauer schnell zum Mitklatschen und auch
zum Mittanzen in dem grossen, stuhlfreien Raum animierte, der übrigens
so gut besucht war, dass zum temperamentvolleren Tanzen kaum Platz
blieb. Gero Gellert (E-Bass) und Ralf Schläger (Schlagzeug)
komplettierten die instrumentelle Ausstattung.
Cajun ist die Musik von französischen Einwanderern, die zunächst in
Kanada lebten, die von den Engländern im 18. Jahrhundert von dort
vertrieben wurden und in Louisiana, in den "Swamplands" (Schwemmland)
des Mississippideltas eine neue Heimat fanden. Ihre Musik übernahm und
integrierte unter anderem Elemente der Country and Western-Musik der
anglo-amerikanischen Einwohner, woraus sich die Cajun-Musik entwickelte.
Die Texte sind alle in französicher Sprache. Da bei uns wohl die
wenigsten in der Lage sind, diese Texte zu verstehen, brachte uns Johannes
in einer sehr unterhaltsamen Conference zwischen den einzelnen Stücken
die Inhalte der Lieder rüber. Vieles davon, oder besser gesagt, das
meiste davon sind erfundene lustige Geschichten, wie zum Beispiel die
von den in einem See ausgesetzten japanischen Zierfischen, die mit ihrer
Gefräßigkeit die ganze andere Fauna zu vernichten drohten. Kein Mittel
half, die Tiere wieder aus dem See zu entfernen. Bis die Behörden ein
Gesetz erließen, das die Tiere unter Schutz stellte. Da die Cajuns alles
andere als obrigkeitshörig sind, machten sie sich sofort über die Fische
her und nach wenigen Tagen war kein einziger mehr in dem See zu finden.
Solche und andere lustige Stories, die sich auch oft um den während der
Prohibition schwarz gebrannten Whisky drehten, der wegen des nächtlichen
Geheimbrennens "Mondschein-Whisky" genannt wurde, waren die Textinhalte
der sehr temperamentvoll klingenden Lieder.
Ich selbst bevorzuge temperamentvolle, rhythmische Musik und weniger die
sehr melancholischen, balladenhaften Varianten, aber bei Le Clou werden
auch solche mehr nachdenkliche Stücke so vorgetragen, dass sie den
Zuhörer immer rhythmisch mitnehmen, wozu auch Johannes Epremians
Geigenspiel beitrug, das für ein eher melodisch klingendes Instrument
sehr stark rhythmusbetont gespielt wurde. Unterstützt wurde das durch
das Schlagzeug von Ralf Schläger (Nomen est omen?). Ich habe Le Clou zum
ersten Mal vor 4 Jahren im Sommerfestival im Biergarten des
Parkrestaurants Rheinaue gehört. Bis dahin habe ich nicht gewusst, dass
es solche Musik gibt, aber seitdem gehört Le Clou zu den "must hear"
einer jeden musikalischen Folk-Saison.
http://www.leclou.com
http://www.bungertshof.de
Michaels Artikel und frühere Rezi über Le Clou:
http://www.folker.de/200602/09clou.htm
http://folktreff-bonn-rhein-sieg-rezensionen.blogspot.com/2006/02/konzertrezension-le-clou-am-322006-in.html bzw. http://tinyurl.com/7zgux
FLR
Rezensionsseite von http://www.bonn.folk.welt.musik.de.vu --- Inhaltsverzeichnis ganz unten!
Friday, March 31, 2006
Konzertrezension: Le Clou am 31.3.2006 in der Harmonie Bonn-Endenich
Tuesday, March 28, 2006
Konzertrezension: Die Erkelteten und Keen on Tunes am 28.3.2006 in der Musikschule Kirschallee in Bonn
Die Erkelteten und Keen on Tunes am 28.3.2006 in der Musikschule Kirschallee in Bonn
Die Musikschule in der Kirschallee in Bonn-Poppelsdorf feierte vom 26.3. bis zum 1.4.2006 mit zahlreichen Konzerten und auch anderen Veranstaltungen ihr 25-jähriges Bestehen. Tom Kannmacher war von Anfang an dabei und begann auch sofort, Schülerinnen und Schüler in traditioneller irischer Musik zu unterrichten, woraus dann schon 1982 die Band Cherry Alley hervorging, die parallel zu der von 1985 bis 2004 von ihm geschulten Band Rolling Wave bis 2002 bestand. Seit 2002 sind es die Bands Keen On Tunes und Die Erkelteten, die durch Tom in das Wesen und die Praxis irischer Musik eingeweiht werden, und diese beiden gaben nun an diesem Abend ihren Beitrag zum Jubiläum der Musikschule. Der Abend war dreigeteilt in je ein Konzert der beiden Gruppen und eine anschließende Session, und damit die Gäste außer Musik auch noch andere irische Spezialitäten genießen konnten, gab es Guinness Drought Stout aus der Dose mit Widget-Kapsel und drei Sorten irischen Käse.
Schon zwei Konzerte der Erkelteten durfte ich erleben und rezensieren, nämlich beim 1. BIFF und vor einem Jahr, als sie mit Rolling Wave beim letzten Konzert der letzteren vor deren Umbenennung in Ryan’s Airs zusammen spielten. Man kann es der unten angefügten Besetzungsliste entnehmen, dass die Kids allmählich schon fast (Heike Kosmider auch ganz) junge Erwachsene sind. Es ist eine gewisse Routine ins Spiel gekommen, ob Hornpipes, Jigs und Reels oder Lamentations und Seefahrtlieder auf Englisch und Gälisch, sie gaben unter Toms Anleitung ein sehr schön arrangiertes Konzert, fein gespielt, an die Chieftains erinnernd, die Liedstrophen abwechselnd mit Pipes, Fiddle, Flute, Whistle oder Harfe begleitend, Gitarre und Bodhrán natürlich auch immer dabei, bei den Tunes eher unisono spielend, wobei Tom selber manchmal eine zweite Stimme hinzu fügte. Was ihnen noch fehlt ist ein gewisser Pep, den ich vor allem bei einem Lied der Pogues vermisste, da ich das sehr aggressiv vorgetragene Original im Hinterkopf hatte. Das Lied wirkte zu brav. Und überhaupt gerade die Lieder könnten noch etwas mehr Expressivität vertragen. Aber das kann ja noch kommen.
Keen On Tunes besteht nun mehr aus Leuten die noch älter sind als ich, woran man sieht, dass auch ältere Semester noch lernen können. Es liegt wohl an Tom als gemeinsamem Lehrer, dass sie sich so sehr anders als die Erkelteten auch nicht anhörten, aber vielleicht hatte ich auch einen ungünstigen Sitzplatz, so dass mir einige Feinheiten entgingen. Auch hier wieder: schöne Arrangements, fein vorgetragen, aber auch bei den Liedern etwas zu brav. Tom wirkte außer als Mitspieler auch etwas als Dirigent, der den Auftritt überwachte und leitete. So hatte das Konzert etwas Klassisches an sich und es fehlte mir etwas das Spontane und Improvisierende, das ich gerade in den letzen Monaten bei einigen Spitzenbands gehört habe. Aber oh je, was tue ich da: Ich vergleiche Schülerbands mit den großen Meistern, das ist unfair. Nein, ich möchte nicht diesen Eindruck hervorheben, sondern den, dass es ein wunderschöner Abend war, dass mich die Musik berührte, und dass ich es gerade in einer Zeit, in der in durchschnittlichen Jugendbüchern über Musik der Dudelsack noch nicht einmal im Register vorkommt, besonders wichtig und herzerfrischend finde, was Tom hier in Bonn leistet. Er teilte mir noch mit, dass es noch ein paar Kollegen in Deutschland gibt, die irische Musik unterrichten, teils traditionelle, teils Folk im weiteren Sinne, aber dass sein Unterricht wohl der traditionsverwurzelste sei.
Ein Besonderes Schmankerl gab es am Ende des zweiten Teiles, und zwar eine Bönnsche Umtextung von Fiddler’s Green, in deren Refrain es dann hieß:
Pack misch in in ming Hemp un’ ming Jöppsche
He’ am Kai seht ihr nie mih ming Köppsche
Sach denne Jungs, dat isch up minge letzte Reis bin,
Doch mir sehn uns all widder in Fiddler’s Green.
Herrlich!!!
Zur anschließenden Session gesellten sich noch sieben andere Musiker(innen) dazu, die fast alle durch Toms Schule gelaufen sind, und ohne die Bands wie Ryan’s Airs, Whisht!, Last Night’s Fun und Foggy Stew nicht das wären, was sie sind. Und dank dieser Meisterschüler(innen) kam dann auch noch etwas mehr Drive in die Musik, wenn Tom das Tempo auch absichtlich bremste, damit in der Schule nicht das darwinistische Ausleseprinzip der Fiddler’s Session griff, nach welchem man ausfällt, wenn man nicht mehr mithält. Ich spielte auch ein wenig mit, soweit ich es konnte, und ich weiß nicht, wie viele der Zuhörer an diesem Abend ihren Erstkontakt mit Irish Folk Musik hatten, aber der Eindruck dürften nicht der Schlechteste sein.
Hier die Besetzunglisten des Abends, die Tom mir zuschickte:
Die Erkelteten:
Jonas Heidebrecht (16): Uilleann Pipes, Whistle
Heike Kosmider (21): Fiddle, Gesang
Anna Lück (16): Harfe
Julia Lück (18): Flute, Whistle, Gesang
Mario Wagner (15): Gitarre
Julian Goertz (16): Bodhrán, Gitarre
Thea Staab (z.Z. krank) (16): Gesang
Keen On Tunes:
Heinz Peter "Henry" Goergens (52): Bodhrán, (spielt außerhalb der Band Great
Highland Bag Pipe)
Ute Goergens (48): Flute
Dagmar Hoffmann: Tin Whistle
Joachim Hoffmann (47): Uilleann Pipes
Maryanna Krah: Flute, Tin Whistle
Heike Vielmetter (44): Fiddle
Resia Lehmacher (59): Harfe, Gesang
Tom Kannmacher (57) spielt, was der Besetzung noch fehlt (Cello, Whistle,
Pipes, Gitarre, Flute, Fiddle, Gesang...) und erstellt Arrangemententwürfe.
http://www.kannmachmusik.de/
http://www.bonn.de/familie_gesellschaft_bildung_soziales/musikschule/index.html
Frühere Rezis von mir zu den Erkelteten:
http://folktreff-bonn-rhein-sieg-rezensionen.blogspot.com/2002/04/konzertrezension-1-bonner-irish-folk.html
http://folktreff-bonn-rhein-sieg-rezensionen.blogspot.com/2005/04/konzertrezension-die-erkelteten-und.html
MAS
Die Musikschule in der Kirschallee in Bonn-Poppelsdorf feierte vom 26.3. bis zum 1.4.2006 mit zahlreichen Konzerten und auch anderen Veranstaltungen ihr 25-jähriges Bestehen. Tom Kannmacher war von Anfang an dabei und begann auch sofort, Schülerinnen und Schüler in traditioneller irischer Musik zu unterrichten, woraus dann schon 1982 die Band Cherry Alley hervorging, die parallel zu der von 1985 bis 2004 von ihm geschulten Band Rolling Wave bis 2002 bestand. Seit 2002 sind es die Bands Keen On Tunes und Die Erkelteten, die durch Tom in das Wesen und die Praxis irischer Musik eingeweiht werden, und diese beiden gaben nun an diesem Abend ihren Beitrag zum Jubiläum der Musikschule. Der Abend war dreigeteilt in je ein Konzert der beiden Gruppen und eine anschließende Session, und damit die Gäste außer Musik auch noch andere irische Spezialitäten genießen konnten, gab es Guinness Drought Stout aus der Dose mit Widget-Kapsel und drei Sorten irischen Käse.
Schon zwei Konzerte der Erkelteten durfte ich erleben und rezensieren, nämlich beim 1. BIFF und vor einem Jahr, als sie mit Rolling Wave beim letzten Konzert der letzteren vor deren Umbenennung in Ryan’s Airs zusammen spielten. Man kann es der unten angefügten Besetzungsliste entnehmen, dass die Kids allmählich schon fast (Heike Kosmider auch ganz) junge Erwachsene sind. Es ist eine gewisse Routine ins Spiel gekommen, ob Hornpipes, Jigs und Reels oder Lamentations und Seefahrtlieder auf Englisch und Gälisch, sie gaben unter Toms Anleitung ein sehr schön arrangiertes Konzert, fein gespielt, an die Chieftains erinnernd, die Liedstrophen abwechselnd mit Pipes, Fiddle, Flute, Whistle oder Harfe begleitend, Gitarre und Bodhrán natürlich auch immer dabei, bei den Tunes eher unisono spielend, wobei Tom selber manchmal eine zweite Stimme hinzu fügte. Was ihnen noch fehlt ist ein gewisser Pep, den ich vor allem bei einem Lied der Pogues vermisste, da ich das sehr aggressiv vorgetragene Original im Hinterkopf hatte. Das Lied wirkte zu brav. Und überhaupt gerade die Lieder könnten noch etwas mehr Expressivität vertragen. Aber das kann ja noch kommen.
Keen On Tunes besteht nun mehr aus Leuten die noch älter sind als ich, woran man sieht, dass auch ältere Semester noch lernen können. Es liegt wohl an Tom als gemeinsamem Lehrer, dass sie sich so sehr anders als die Erkelteten auch nicht anhörten, aber vielleicht hatte ich auch einen ungünstigen Sitzplatz, so dass mir einige Feinheiten entgingen. Auch hier wieder: schöne Arrangements, fein vorgetragen, aber auch bei den Liedern etwas zu brav. Tom wirkte außer als Mitspieler auch etwas als Dirigent, der den Auftritt überwachte und leitete. So hatte das Konzert etwas Klassisches an sich und es fehlte mir etwas das Spontane und Improvisierende, das ich gerade in den letzen Monaten bei einigen Spitzenbands gehört habe. Aber oh je, was tue ich da: Ich vergleiche Schülerbands mit den großen Meistern, das ist unfair. Nein, ich möchte nicht diesen Eindruck hervorheben, sondern den, dass es ein wunderschöner Abend war, dass mich die Musik berührte, und dass ich es gerade in einer Zeit, in der in durchschnittlichen Jugendbüchern über Musik der Dudelsack noch nicht einmal im Register vorkommt, besonders wichtig und herzerfrischend finde, was Tom hier in Bonn leistet. Er teilte mir noch mit, dass es noch ein paar Kollegen in Deutschland gibt, die irische Musik unterrichten, teils traditionelle, teils Folk im weiteren Sinne, aber dass sein Unterricht wohl der traditionsverwurzelste sei.
Ein Besonderes Schmankerl gab es am Ende des zweiten Teiles, und zwar eine Bönnsche Umtextung von Fiddler’s Green, in deren Refrain es dann hieß:
Pack misch in in ming Hemp un’ ming Jöppsche
He’ am Kai seht ihr nie mih ming Köppsche
Sach denne Jungs, dat isch up minge letzte Reis bin,
Doch mir sehn uns all widder in Fiddler’s Green.
Herrlich!!!
Zur anschließenden Session gesellten sich noch sieben andere Musiker(innen) dazu, die fast alle durch Toms Schule gelaufen sind, und ohne die Bands wie Ryan’s Airs, Whisht!, Last Night’s Fun und Foggy Stew nicht das wären, was sie sind. Und dank dieser Meisterschüler(innen) kam dann auch noch etwas mehr Drive in die Musik, wenn Tom das Tempo auch absichtlich bremste, damit in der Schule nicht das darwinistische Ausleseprinzip der Fiddler’s Session griff, nach welchem man ausfällt, wenn man nicht mehr mithält. Ich spielte auch ein wenig mit, soweit ich es konnte, und ich weiß nicht, wie viele der Zuhörer an diesem Abend ihren Erstkontakt mit Irish Folk Musik hatten, aber der Eindruck dürften nicht der Schlechteste sein.
Hier die Besetzunglisten des Abends, die Tom mir zuschickte:
Die Erkelteten:
Jonas Heidebrecht (16): Uilleann Pipes, Whistle
Heike Kosmider (21): Fiddle, Gesang
Anna Lück (16): Harfe
Julia Lück (18): Flute, Whistle, Gesang
Mario Wagner (15): Gitarre
Julian Goertz (16): Bodhrán, Gitarre
Thea Staab (z.Z. krank) (16): Gesang
Keen On Tunes:
Heinz Peter "Henry" Goergens (52): Bodhrán, (spielt außerhalb der Band Great
Highland Bag Pipe)
Ute Goergens (48): Flute
Dagmar Hoffmann: Tin Whistle
Joachim Hoffmann (47): Uilleann Pipes
Maryanna Krah: Flute, Tin Whistle
Heike Vielmetter (44): Fiddle
Resia Lehmacher (59): Harfe, Gesang
Tom Kannmacher (57) spielt, was der Besetzung noch fehlt (Cello, Whistle,
Pipes, Gitarre, Flute, Fiddle, Gesang...) und erstellt Arrangemententwürfe.
http://www.kannmachmusik.de/
http://www.bonn.de/familie_gesellschaft_bildung_soziales/musikschule/index.html
Frühere Rezis von mir zu den Erkelteten:
http://folktreff-bonn-rhein-sieg-rezensionen.blogspot.com/2002/04/konzertrezension-1-bonner-irish-folk.html
http://folktreff-bonn-rhein-sieg-rezensionen.blogspot.com/2005/04/konzertrezension-die-erkelteten-und.html
MAS
Saturday, March 18, 2006
Konzertrezension: Soul United am 18.3.2006 im Session in Bonn
Soul United am 18.3.2006 im Session in Bonn
Petra, meine Frau, geht ja oft mit zu Irish Folk-Konzerten und war auch von Iontach sehr begeistert, aber ihr musikalisches Herz schlägt doch mehr für Rap, Raeggae, Blues, Pop, Rock und Soul. So traf es sich gut, dass endlich mal ein Soul-Konzert an einem dafür angenehmen Wochentag und zu annehmbarer Uhrzeit in erreichbarer Entfernung geboten wurde und zwar von Soul United im Session, der kleinen Kellerkneipe fast neben dem Münster in Bonn, die mit den zirka 30 Gästen des Abends schon recht voll war. Das Konzert begann mit einem E-Gitarren-, E-Bass- und Schlagzeug-Instrumental, das sofort für eine mitreißende Stimmung sorgte. Neben uns begann ein junger Mann heftig mit zu klatschen, und wir dachten, das sei aber ein eingefleischtes Fanpublikum, doch ging er nach vorne zu einem der noch freien Mikrophone und begann zu singen in einer tiefen, rauen Stimme und im Text jemand anders aufzufordenrm auch dazu zu kommen, und das war dann eine junge Frau, die sich als Sängerin der Gruppe entpuppte. Nachdem noch ein Keyboarder dazu gekommen war, war die Combo vollständig: Michael „Groove“ Boecker aus Köln (Gesang, Percussion), Charlotte Smith, ursprünglich aus Louisina, jetzt aus Köln (Gesang), Carol Knauber aus Bonn (E-Gitarren; den kennen wir ja von Sahara und String Attack), Thomas Schneider aus Hennef (E-Bass), Michael Teichen aus Köln (Keyboards) und Lothar Simon (Schlagzeug und Bandleader).
Ja, Michael Boecker sang und bediente zugleich ein Minischlagzeug, aber so was Ähnliches kennen wir seit dem Auftritt von Schöne Weile ja auch vom Folk. Das Repertoir von Soul United besteht vor allem aus Stücken aus den 1990ern von The Nevile Brothers, The Brand New Heavies, Incognito und anderen, sowie aus welchen aus den 1980ern von The Crusaders, Diana Ross und anderen, aber natürlich fehlten auch nicht Stücke von James Brown wie „sex machine“ oder „I feel good“, die auch mir bekannt waren, sowie anderen Größen des Soul, und es gibt auch noch ganz aktuelle Hits von Anastacia, Mary Mary und anderen. Ich muss sagen, ich wusste gar nicht, dass Soul nach wie vor so viel komponiert wird, und auch nicht, dass so mancher Radio-Charts-Hit zum Soul gehört. Die Musik war fast durchweg im Viervierteltakt, der aber in sich durch Dehnen des einen oder anderen Taktes und vor allem durch zahlreicher jazzige und oft funkige Soli der Gitarre, des Basses oder des Keyboards in jedem Stuck sehr vielgestaltig war. Ich habe ja nicht so viel Ahnung von Soul, kenne als Lifegruppe aus eigener Erfahrung nur noch Souled Out, und von daher vermisste ich eine Bläsergruppe mit Trompete, Posaune und Saxophon, aber es war nun auch nicht so, dass die wirklich fehlten. Ich machte Ähnlichkeiten zu oder Einflüsse von Blues, Gospel, Jazz, Cajun & Zydeco und Rock aus. An Gospel ernnerte vor allem so manches von Charlotte gesungene Intro. Und dann kam auch noch ein spontaner Gast ans Mikro und sang „diggin’ on james brown“ von Tower of Power aus den 90ern und auf Wunsch des Publikums in der Zugabe „I feel good“ vom Altmeister selbst. Der Gast sang so kraftvoll und schrill, dass ich mir schon dachte, dass das nicht einfach nur ein spontaner Gast war, und wie ich dann erfuhr, war sein Name Walter Stremmel, und Carol meinte, er sei ein Urgestein des Rock in Bonn und schon seit den 1960ern kräftig dabei. Carol und Lothar sind ja mittlerweile auch schon in ihren 50ern, was der Energie ihrer Spielweise aber keinen Abbrucht tut. Respekt!!!
Petra war den ganzen Abend in ihrem Element, mir gefiel es auch, aber sie meinte, ich hätte nicht irisch darauf tanzen sollen, das habe nicht gepasst. Ich meinte: „Wieso, das war ein Viertvierteltakt, da passt ein Pas de Basques“, den ich übrigens beim Scottish Coutry Dancing gelernt habe. Wer will da dann so harte Grenzen ziehen? Wie meinte Carol: „Na Hauptsache, es hat Euch Spaß gemacht!“ Hat es!
Am nächsten Abend traten sie dann noch in der Klangstation auf.
http://www.soul-united.de/
http://www.carolknauber.de/content/view/21/55/
Session:
http://www.bonn-nordstadt.de/gastro/betriebe/session.html
http://www.typo3cms.info/toms_blues_session.0.html
http://www.bonnaparte.de/locations_new.php3?locationid=70&subcat=40&art=Kneipe
Einträge zu Walter Stremmel, der wohl nur mir und Petra ein Unbekannter war:
http://www.fme-hifi.de/company.html
http://www.bonner-rock-lexikon.de/leseprobe_s112_the-guards.html
http://www.secondhand-bonn.de/band.html
http://www.kaiser-passage.de/detail_fme.htm
http://www.fme-hifi.de/
Frühere Rezis von mir zu Carol Knauber:
http://folktreff-bonn-rhein-sieg-rezensionen.blogspot.com/2006/02/konzertrezension-sahara-am-1122006-in.html
bzw. http://tinyurl.com/8qfzs
und
http://folktreff-bonn-rhein-sieg-rezensionen.blogspot.com/2006/03/cd-rezension-carol-knaubers-string.html
bzw. http://tinyurl.com/pwc5q
MAS
Petra, meine Frau, geht ja oft mit zu Irish Folk-Konzerten und war auch von Iontach sehr begeistert, aber ihr musikalisches Herz schlägt doch mehr für Rap, Raeggae, Blues, Pop, Rock und Soul. So traf es sich gut, dass endlich mal ein Soul-Konzert an einem dafür angenehmen Wochentag und zu annehmbarer Uhrzeit in erreichbarer Entfernung geboten wurde und zwar von Soul United im Session, der kleinen Kellerkneipe fast neben dem Münster in Bonn, die mit den zirka 30 Gästen des Abends schon recht voll war. Das Konzert begann mit einem E-Gitarren-, E-Bass- und Schlagzeug-Instrumental, das sofort für eine mitreißende Stimmung sorgte. Neben uns begann ein junger Mann heftig mit zu klatschen, und wir dachten, das sei aber ein eingefleischtes Fanpublikum, doch ging er nach vorne zu einem der noch freien Mikrophone und begann zu singen in einer tiefen, rauen Stimme und im Text jemand anders aufzufordenrm auch dazu zu kommen, und das war dann eine junge Frau, die sich als Sängerin der Gruppe entpuppte. Nachdem noch ein Keyboarder dazu gekommen war, war die Combo vollständig: Michael „Groove“ Boecker aus Köln (Gesang, Percussion), Charlotte Smith, ursprünglich aus Louisina, jetzt aus Köln (Gesang), Carol Knauber aus Bonn (E-Gitarren; den kennen wir ja von Sahara und String Attack), Thomas Schneider aus Hennef (E-Bass), Michael Teichen aus Köln (Keyboards) und Lothar Simon (Schlagzeug und Bandleader).
Ja, Michael Boecker sang und bediente zugleich ein Minischlagzeug, aber so was Ähnliches kennen wir seit dem Auftritt von Schöne Weile ja auch vom Folk. Das Repertoir von Soul United besteht vor allem aus Stücken aus den 1990ern von The Nevile Brothers, The Brand New Heavies, Incognito und anderen, sowie aus welchen aus den 1980ern von The Crusaders, Diana Ross und anderen, aber natürlich fehlten auch nicht Stücke von James Brown wie „sex machine“ oder „I feel good“, die auch mir bekannt waren, sowie anderen Größen des Soul, und es gibt auch noch ganz aktuelle Hits von Anastacia, Mary Mary und anderen. Ich muss sagen, ich wusste gar nicht, dass Soul nach wie vor so viel komponiert wird, und auch nicht, dass so mancher Radio-Charts-Hit zum Soul gehört. Die Musik war fast durchweg im Viervierteltakt, der aber in sich durch Dehnen des einen oder anderen Taktes und vor allem durch zahlreicher jazzige und oft funkige Soli der Gitarre, des Basses oder des Keyboards in jedem Stuck sehr vielgestaltig war. Ich habe ja nicht so viel Ahnung von Soul, kenne als Lifegruppe aus eigener Erfahrung nur noch Souled Out, und von daher vermisste ich eine Bläsergruppe mit Trompete, Posaune und Saxophon, aber es war nun auch nicht so, dass die wirklich fehlten. Ich machte Ähnlichkeiten zu oder Einflüsse von Blues, Gospel, Jazz, Cajun & Zydeco und Rock aus. An Gospel ernnerte vor allem so manches von Charlotte gesungene Intro. Und dann kam auch noch ein spontaner Gast ans Mikro und sang „diggin’ on james brown“ von Tower of Power aus den 90ern und auf Wunsch des Publikums in der Zugabe „I feel good“ vom Altmeister selbst. Der Gast sang so kraftvoll und schrill, dass ich mir schon dachte, dass das nicht einfach nur ein spontaner Gast war, und wie ich dann erfuhr, war sein Name Walter Stremmel, und Carol meinte, er sei ein Urgestein des Rock in Bonn und schon seit den 1960ern kräftig dabei. Carol und Lothar sind ja mittlerweile auch schon in ihren 50ern, was der Energie ihrer Spielweise aber keinen Abbrucht tut. Respekt!!!
Petra war den ganzen Abend in ihrem Element, mir gefiel es auch, aber sie meinte, ich hätte nicht irisch darauf tanzen sollen, das habe nicht gepasst. Ich meinte: „Wieso, das war ein Viertvierteltakt, da passt ein Pas de Basques“, den ich übrigens beim Scottish Coutry Dancing gelernt habe. Wer will da dann so harte Grenzen ziehen? Wie meinte Carol: „Na Hauptsache, es hat Euch Spaß gemacht!“ Hat es!
Am nächsten Abend traten sie dann noch in der Klangstation auf.
http://www.soul-united.de/
http://www.carolknauber.de/content/view/21/55/
Session:
http://www.bonn-nordstadt.de/gastro/betriebe/session.html
http://www.typo3cms.info/toms_blues_session.0.html
http://www.bonnaparte.de/locations_new.php3?locationid=70&subcat=40&art=Kneipe
Einträge zu Walter Stremmel, der wohl nur mir und Petra ein Unbekannter war:
http://www.fme-hifi.de/company.html
http://www.bonner-rock-lexikon.de/leseprobe_s112_the-guards.html
http://www.secondhand-bonn.de/band.html
http://www.kaiser-passage.de/detail_fme.htm
http://www.fme-hifi.de/
Frühere Rezis von mir zu Carol Knauber:
http://folktreff-bonn-rhein-sieg-rezensionen.blogspot.com/2006/02/konzertrezension-sahara-am-1122006-in.html
bzw. http://tinyurl.com/8qfzs
und
http://folktreff-bonn-rhein-sieg-rezensionen.blogspot.com/2006/03/cd-rezension-carol-knaubers-string.html
bzw. http://tinyurl.com/pwc5q
MAS
Friday, March 17, 2006
Konzertrezension: Lokal Heroes am 17.3.2006 im Bungertshof in Königswinter-Oberdollendorf
Lokal Heroes am 17.3.2006 im Bungertshof in Königswinter-Oberdollendorf
St. Patrick’s Day mit den Lokal Heroes
Auftritt am 17. März im Bungertshof Königswinter-Oberdollendorf
Besetzung: Wendel Biskup (E-Gitarre), Mike Haarmann (Schlagzeug),
Kristaps Grasis (Mandoline), Liene Sejane (Flöte), Christoph Spix
(Gesang, Conference), Ralf Wolfgarten (Tin-Whistle, Gesang).
Der St. Patrick’s Day ist in jedem Jahr einer der Höhepunkte der irischen
Folk-Musik und ihrer Bands. Ich besuchte in diesem Jahr das Konzert der
Lokal Heroes im Bungertshof. Das Publikum erschien so zahlreich, dass
zusätzlich Tische und Stühle aufgestellt werden mußten, um alle Gäste
unterzubringen, und dennoch mußten etliche mit Stehplätzen vorlieb
nehmen. Unter der Leitung ihres Frontmannes Christoph Spix (Gesang,
Conference) heizten die sechs Lokal Heroes gleich zu Beginn mit "Rover"
und "County Down" ordentlich ein und fuhren die Stimmung im Publikum in
kürzester Zeit hoch. "Frontman" ist eigentlich bei den Lokal Heroes eine
unpassende Bezeichnung, weil alle der sechs Bandmitglieder musikalische
"Frontleute" sind.
Besonders erwähnen möchte ich das einzige weibliche Mitglied dieser
vielseitigen Band, Liene Sejane aus Lettland, die mit ihrem Flötenspiel
das Melodiöse der irischen Musik ganz hervorragend zu Gehör brachte,
perfekt begleitet von Christoph Spix (Gesang) und Mike Haarmann am
Schlagzeug. So wurden nicht nur die irischen und schottischen Weisen zu
Gehör gebracht, es gab auch Abstecher in die rockige Musik der USA und
zu den Rhythmen der Karibik, wie zum Beispiel den "Flowers of Bermuda".
Gerade auch hier zeigte sich wieder die bekannte musikalische
Vielseitigkeit dieser Band, die mich als Zuhörer schon immer fasziniert hat.
Melancholisch-melodische Liebeslieder wechselten sich ab mit
temperamentvollen Tunes, deren Rhythmus so manches Bein zum Mitschwingen
brachte und der das Publikum begeistert mitklatschen liess. Irische
Sauflieder, deren Thema der Whiskey ist und schottische Kriegsballaden,
traurige Liebeslieder, die vom Leid verschmähter Liebe berichteten, und
die äusserst temperamentvollen Lieder der Iren, die sie auf ihren Festen
singen und die jedes Bein in ein Tanzbein verwandeln möchten, alles war
an diesem Abend vertreten. Besonders schön ein kleines Potpourri aus
drei verschiedenen Tunes, die trotz ihrer grundverschiedenen Tempi zu
einem einzigen längeren Stück (Tuneset) zusammenwuchsen und ohne Gesang
vorgetragen wurden. Wenn es nicht vorher angesagt worden wäre, so hätte
ich nicht bemerkt, dass es sich eigentlich um drei verschiedene Stücke
handelte. Wendel Biskup (E-Gitarre), Ralph Wolfgarten (Tin-Whistle,
Gesang) und Kristaps Grasis (Mandoline) komplettierten die musikalische
Bandbreite, die das Publikum immer wieder von den Stühlen riss und zum
Mitklatschen und Mittanzen animierte. Leider war das Tanzen wegen des
übervollen Raumes nicht so ungehindert möglich, der Stimmung im Saal tat
das aber keinen Abbruch. Schliesslich spendierte uns Mike Haarmann noch
ein Sahnehäubchen in Form eines mitreißenden Schlagzeugsolos.
Das Publikum hat natürlich nicht mit Applaus gespart und forderte immer
wieder Zugaben, so dass die Lokal Heroes weit über eine halbe Stunde
länger spielen mußten.
Es war wieder mal ein St. Patrick-Day vom Feinsten und ich bin froh,
dass ich mich bei dem Riesenangebot von Irish Folk in der Region an
diesem Tag für diese Veranstaltung entschieden habe. Ich bedanke mich
ganz herzlich bei den Lokal Heroes für diesen hervorragenden
musikalischen Abend.
FLR
http://www.lokalheroes.com
http://www.bungertshof.de/
Frühere Lokal Heroes-Rezension von Michael
http://folktreff-bonn-rhein-sieg-rezensionen.blogspot.com/2000_12_01_folktreff-bonn-rhein-sieg-rezensionen_archive.html bzw. http://tinyurl.com/bkaka
http://folktreff-bonn-rhein-sieg-rezensionen.blogspot.com/2004/02/cd-rezension-lokal-heroes-hurrah.html
bzw. http://tinyurl.com/97rws
http://folktreff-bonn-rhein-sieg-rezensionen.blogspot.com/2005/01/konzertrezension-lokal-heroes-am.html
bzw. http://tinyurl.com/agzk7
http://folktreff-bonn-rhein-sieg-rezensionen.blogspot.com/2006/01/cd-rezension-lokal-heroes-smash.html
bzw. http://tinyurl.com/8lowz
http://folktreff-bonn-rhein-sieg-rezensionen.blogspot.com/2006/01/konzertrezension-lokal-heroes-am.html
bzw. http://tinyurl.com/7wsr9
FLR
St. Patrick’s Day mit den Lokal Heroes
Auftritt am 17. März im Bungertshof Königswinter-Oberdollendorf
Besetzung: Wendel Biskup (E-Gitarre), Mike Haarmann (Schlagzeug),
Kristaps Grasis (Mandoline), Liene Sejane (Flöte), Christoph Spix
(Gesang, Conference), Ralf Wolfgarten (Tin-Whistle, Gesang).
Der St. Patrick’s Day ist in jedem Jahr einer der Höhepunkte der irischen
Folk-Musik und ihrer Bands. Ich besuchte in diesem Jahr das Konzert der
Lokal Heroes im Bungertshof. Das Publikum erschien so zahlreich, dass
zusätzlich Tische und Stühle aufgestellt werden mußten, um alle Gäste
unterzubringen, und dennoch mußten etliche mit Stehplätzen vorlieb
nehmen. Unter der Leitung ihres Frontmannes Christoph Spix (Gesang,
Conference) heizten die sechs Lokal Heroes gleich zu Beginn mit "Rover"
und "County Down" ordentlich ein und fuhren die Stimmung im Publikum in
kürzester Zeit hoch. "Frontman" ist eigentlich bei den Lokal Heroes eine
unpassende Bezeichnung, weil alle der sechs Bandmitglieder musikalische
"Frontleute" sind.
Besonders erwähnen möchte ich das einzige weibliche Mitglied dieser
vielseitigen Band, Liene Sejane aus Lettland, die mit ihrem Flötenspiel
das Melodiöse der irischen Musik ganz hervorragend zu Gehör brachte,
perfekt begleitet von Christoph Spix (Gesang) und Mike Haarmann am
Schlagzeug. So wurden nicht nur die irischen und schottischen Weisen zu
Gehör gebracht, es gab auch Abstecher in die rockige Musik der USA und
zu den Rhythmen der Karibik, wie zum Beispiel den "Flowers of Bermuda".
Gerade auch hier zeigte sich wieder die bekannte musikalische
Vielseitigkeit dieser Band, die mich als Zuhörer schon immer fasziniert hat.
Melancholisch-melodische Liebeslieder wechselten sich ab mit
temperamentvollen Tunes, deren Rhythmus so manches Bein zum Mitschwingen
brachte und der das Publikum begeistert mitklatschen liess. Irische
Sauflieder, deren Thema der Whiskey ist und schottische Kriegsballaden,
traurige Liebeslieder, die vom Leid verschmähter Liebe berichteten, und
die äusserst temperamentvollen Lieder der Iren, die sie auf ihren Festen
singen und die jedes Bein in ein Tanzbein verwandeln möchten, alles war
an diesem Abend vertreten. Besonders schön ein kleines Potpourri aus
drei verschiedenen Tunes, die trotz ihrer grundverschiedenen Tempi zu
einem einzigen längeren Stück (Tuneset) zusammenwuchsen und ohne Gesang
vorgetragen wurden. Wenn es nicht vorher angesagt worden wäre, so hätte
ich nicht bemerkt, dass es sich eigentlich um drei verschiedene Stücke
handelte. Wendel Biskup (E-Gitarre), Ralph Wolfgarten (Tin-Whistle,
Gesang) und Kristaps Grasis (Mandoline) komplettierten die musikalische
Bandbreite, die das Publikum immer wieder von den Stühlen riss und zum
Mitklatschen und Mittanzen animierte. Leider war das Tanzen wegen des
übervollen Raumes nicht so ungehindert möglich, der Stimmung im Saal tat
das aber keinen Abbruch. Schliesslich spendierte uns Mike Haarmann noch
ein Sahnehäubchen in Form eines mitreißenden Schlagzeugsolos.
Das Publikum hat natürlich nicht mit Applaus gespart und forderte immer
wieder Zugaben, so dass die Lokal Heroes weit über eine halbe Stunde
länger spielen mußten.
Es war wieder mal ein St. Patrick-Day vom Feinsten und ich bin froh,
dass ich mich bei dem Riesenangebot von Irish Folk in der Region an
diesem Tag für diese Veranstaltung entschieden habe. Ich bedanke mich
ganz herzlich bei den Lokal Heroes für diesen hervorragenden
musikalischen Abend.
FLR
http://www.lokalheroes.com
http://www.bungertshof.de/
Frühere Lokal Heroes-Rezension von Michael
http://folktreff-bonn-rhein-sieg-rezensionen.blogspot.com/2000_12_01_folktreff-bonn-rhein-sieg-rezensionen_archive.html bzw. http://tinyurl.com/bkaka
http://folktreff-bonn-rhein-sieg-rezensionen.blogspot.com/2004/02/cd-rezension-lokal-heroes-hurrah.html
bzw. http://tinyurl.com/97rws
http://folktreff-bonn-rhein-sieg-rezensionen.blogspot.com/2005/01/konzertrezension-lokal-heroes-am.html
bzw. http://tinyurl.com/agzk7
http://folktreff-bonn-rhein-sieg-rezensionen.blogspot.com/2006/01/cd-rezension-lokal-heroes-smash.html
bzw. http://tinyurl.com/8lowz
http://folktreff-bonn-rhein-sieg-rezensionen.blogspot.com/2006/01/konzertrezension-lokal-heroes-am.html
bzw. http://tinyurl.com/7wsr9
FLR
Konzertrezension: Iontach am 17.3.2006 im Feuerschlösschen in Bad Honnef
Iontach am 17.3.2006 im Feuerschlösschen in Bad Honnef
Am diesjährigen St. Patrick’s Day hatten es Freundinnen und Freunde der Irish Folk Music wirklich schwer. Nicht weil es keine Konzerte gegeben hätte, nein, im Gegenteil, man musste sich von fünf Konzerten eines aussuchen, und sich somit gegen vier andere entscheiden. Last Night’s Fun spielten in der Mausefalle, Ben Bulben in der Gesamtschule in Beuel, die Lokal Heroes im Bungertshof, Irish Stew in Hennef, und im Feuerschlösschen trat Iontach auf. Ich entschied mich für letztere, zum einen, weil sie den weitesten Anreiseweg hatten (sie kommen aus Wremen, was zwischen Cuxhaven und Bremerhaven liegt), zum anderen weil das FiF ein gemeinnütziger Verein ist, vor allem aber, weil ich 2004 die CD von Iontach für den Folker! rezensiert habe und diese mir so gut gefiel, dass ich ganz zaghaft Mike Kamp sagte, dass ich sie für besonders gut halte, was er mir bestätigte, worauf hin „the half gate“ als erste in Deutschland produzierte Irish Folk-CD in der bis dato siebenjährigen Geschichte des Folker! als „Besondere“ gekürt wurde. (Im nächsten Heft wird es die zweite „Besondere“ aus dieser Kategorie geben, und der Folker! befindet sich nun im neunten Jahr. Welche CD das sein wird, werde ich hier rechtzeitig bekannt geben.) Also war ich sehr gespannt auf das Life-Erlebnis der Iren von der Waterkant.
Irgendwie scheinen auch bei diesem Konzert die Ankündigungen auf fruchtbaren Boden gefallen zu sein. Das Foyer im Feuerschlösschen war so voll, dass selbst alle noch aus dem Nebenräumen herbeigetragenen Stühle, einschließlich aller Kinderstühle, nicht ausreichten, um allen einen Sitzplatz zu gewähren. Da standen sie also, Auge in Auge mit ca. 100 Hörwilligen Rheinländern, die ihre Ohren spitzten: Angelika Berns (Bodhrán, Tin Whistle, Rassel, Keyborads und Gesang), Siobhán Kennedy (Geige, Tin Whistle, Querflöte und Gesang) und Jens Kommnick (Gitarre, Bouzouki, Mandoline, Uilleann Pipes, Tin Whistle, Cello, Keyboards und Gesang) (natürlich nicht alle Instrumente gleichzeitig spielend), und begannen wie auf der CD mit dem Reelset „the dream of home“. Im Laufe des Konzertes spielten sie noch mehr Jigs und Reels, Hornpipes, Airs und anderes, was sie wirklich gut können, aber die besondere Stärke dieses Trios liegt in der Mehrstimmigkeit, sowohl bei Instrumentals, aber besonders auch bei Liedern. Zum Beispiel war da die auch auf der CD vorhandene Muneira (die Tilde über dem n lasse ich hier mal weg), ein galizischer Tanz, dreistimmig auf drei Tin Whistles gepielt, oder das von Siobhán auf Gälisch, dann von Angelika und Englisch gesungene Lied “brighid’s kiss“, das die jweils zwei anderen mit zweiter und dritter Stimme zuerst summend, dann im Satzgesang begleiteten. Mich durchfuhren wahre Schauer der Wonne! Zwischen den Liedern gab es den einen oder anderen lustigen Schnack, darunter einen Witz über Heino, den ich hier aber nicht erzähle. (Ich habe auch gar nichts gegen Heino und kann nur empfehlen, mal in Bad Münstereifel ins Heino Café einzukehren und dort den Nusskuchen zu probieren.) Und all das taten sie totally unploughed, also ohne Mikrophone oder Verstärker, was trotz der aufgestellten Dämmplatten von einer Bad Honnefer und zugleich dänischen HiFi-Firma, die zur Klangverbesserung und Werbung für eben diese Firma aufgestellt waren, akustisch gut rüber kam.
Der gälische Name „Iontach“ wird übrigens „Intach“ ausgesprochen und bedeutet einerseits soviel wie „gut“, „super“, „spitze“ und andererseits soviel wie „seltsam“, „komisch“, „merkwürdig“, und Jens meinte, im Spannungsfeld dieser zwei Bedeutungrichtungen sähen sie sich auch gerne. Ich fragte Jens einmal, wie das eigentlich gemacht werde bei einer Studioaufnahme, wenn er anschließend auf zwei Instrumenten gleichzeitig zu hören sei, ob er dann zuerst eine Tonspur mit dem einen Instrument aufnehme und diese dann beim Aufnehmen der zweiten Tonspur über Kopfhörer höre oder nicht. Ja, erklärte er, er höre das bisher Aufgenommene, während er das nächste Instrument aufnehme. Für viele von Euch mag das selbstverständlich sein, für mich war e jedenfalls interessant, das zu erfahren.
Die beiden Deutschen und die eine Irin ließen dann Bad Honnef noch ein wenig verzauberter zurück, als es eh schon ist. Wer jetzt traurig ist, an dem Abend nicht dabei gewesen zu sein, der oder die sei getröstet, denn am 26.5.2006 treten Iontach beim 2. Celtic Attractions Festival im Zirkuszelt in Köln-Weiß auf, das Ralf Wackers organsiert, und als zweite Gruppe wird Dán dabei sein.
www.iontach.de
http://www.inter-times.de/Components/Vereine/Vereine_Bad_Honnef/Stapelseiten_Bad_Honnef_/stapelseiten_bad_honnef__33.html
Hier meine CD-Rezension, wobei da ein Fehler drin ist, denn es ist nicht Regina Elling, die im Büchlein abgebildet ist, sondern es sind Angelika und Siobhán:http://www.folker.de/200406/bescd.htm#03
MAS
Am diesjährigen St. Patrick’s Day hatten es Freundinnen und Freunde der Irish Folk Music wirklich schwer. Nicht weil es keine Konzerte gegeben hätte, nein, im Gegenteil, man musste sich von fünf Konzerten eines aussuchen, und sich somit gegen vier andere entscheiden. Last Night’s Fun spielten in der Mausefalle, Ben Bulben in der Gesamtschule in Beuel, die Lokal Heroes im Bungertshof, Irish Stew in Hennef, und im Feuerschlösschen trat Iontach auf. Ich entschied mich für letztere, zum einen, weil sie den weitesten Anreiseweg hatten (sie kommen aus Wremen, was zwischen Cuxhaven und Bremerhaven liegt), zum anderen weil das FiF ein gemeinnütziger Verein ist, vor allem aber, weil ich 2004 die CD von Iontach für den Folker! rezensiert habe und diese mir so gut gefiel, dass ich ganz zaghaft Mike Kamp sagte, dass ich sie für besonders gut halte, was er mir bestätigte, worauf hin „the half gate“ als erste in Deutschland produzierte Irish Folk-CD in der bis dato siebenjährigen Geschichte des Folker! als „Besondere“ gekürt wurde. (Im nächsten Heft wird es die zweite „Besondere“ aus dieser Kategorie geben, und der Folker! befindet sich nun im neunten Jahr. Welche CD das sein wird, werde ich hier rechtzeitig bekannt geben.) Also war ich sehr gespannt auf das Life-Erlebnis der Iren von der Waterkant.
Irgendwie scheinen auch bei diesem Konzert die Ankündigungen auf fruchtbaren Boden gefallen zu sein. Das Foyer im Feuerschlösschen war so voll, dass selbst alle noch aus dem Nebenräumen herbeigetragenen Stühle, einschließlich aller Kinderstühle, nicht ausreichten, um allen einen Sitzplatz zu gewähren. Da standen sie also, Auge in Auge mit ca. 100 Hörwilligen Rheinländern, die ihre Ohren spitzten: Angelika Berns (Bodhrán, Tin Whistle, Rassel, Keyborads und Gesang), Siobhán Kennedy (Geige, Tin Whistle, Querflöte und Gesang) und Jens Kommnick (Gitarre, Bouzouki, Mandoline, Uilleann Pipes, Tin Whistle, Cello, Keyboards und Gesang) (natürlich nicht alle Instrumente gleichzeitig spielend), und begannen wie auf der CD mit dem Reelset „the dream of home“. Im Laufe des Konzertes spielten sie noch mehr Jigs und Reels, Hornpipes, Airs und anderes, was sie wirklich gut können, aber die besondere Stärke dieses Trios liegt in der Mehrstimmigkeit, sowohl bei Instrumentals, aber besonders auch bei Liedern. Zum Beispiel war da die auch auf der CD vorhandene Muneira (die Tilde über dem n lasse ich hier mal weg), ein galizischer Tanz, dreistimmig auf drei Tin Whistles gepielt, oder das von Siobhán auf Gälisch, dann von Angelika und Englisch gesungene Lied “brighid’s kiss“, das die jweils zwei anderen mit zweiter und dritter Stimme zuerst summend, dann im Satzgesang begleiteten. Mich durchfuhren wahre Schauer der Wonne! Zwischen den Liedern gab es den einen oder anderen lustigen Schnack, darunter einen Witz über Heino, den ich hier aber nicht erzähle. (Ich habe auch gar nichts gegen Heino und kann nur empfehlen, mal in Bad Münstereifel ins Heino Café einzukehren und dort den Nusskuchen zu probieren.) Und all das taten sie totally unploughed, also ohne Mikrophone oder Verstärker, was trotz der aufgestellten Dämmplatten von einer Bad Honnefer und zugleich dänischen HiFi-Firma, die zur Klangverbesserung und Werbung für eben diese Firma aufgestellt waren, akustisch gut rüber kam.
Der gälische Name „Iontach“ wird übrigens „Intach“ ausgesprochen und bedeutet einerseits soviel wie „gut“, „super“, „spitze“ und andererseits soviel wie „seltsam“, „komisch“, „merkwürdig“, und Jens meinte, im Spannungsfeld dieser zwei Bedeutungrichtungen sähen sie sich auch gerne. Ich fragte Jens einmal, wie das eigentlich gemacht werde bei einer Studioaufnahme, wenn er anschließend auf zwei Instrumenten gleichzeitig zu hören sei, ob er dann zuerst eine Tonspur mit dem einen Instrument aufnehme und diese dann beim Aufnehmen der zweiten Tonspur über Kopfhörer höre oder nicht. Ja, erklärte er, er höre das bisher Aufgenommene, während er das nächste Instrument aufnehme. Für viele von Euch mag das selbstverständlich sein, für mich war e jedenfalls interessant, das zu erfahren.
Die beiden Deutschen und die eine Irin ließen dann Bad Honnef noch ein wenig verzauberter zurück, als es eh schon ist. Wer jetzt traurig ist, an dem Abend nicht dabei gewesen zu sein, der oder die sei getröstet, denn am 26.5.2006 treten Iontach beim 2. Celtic Attractions Festival im Zirkuszelt in Köln-Weiß auf, das Ralf Wackers organsiert, und als zweite Gruppe wird Dán dabei sein.
www.iontach.de
http://www.inter-times.de/Components/Vereine/Vereine_Bad_Honnef/Stapelseiten_Bad_Honnef_/stapelseiten_bad_honnef__33.html
Hier meine CD-Rezension, wobei da ein Fehler drin ist, denn es ist nicht Regina Elling, die im Büchlein abgebildet ist, sondern es sind Angelika und Siobhán:http://www.folker.de/200406/bescd.htm#03
MAS
Wednesday, March 15, 2006
Konzertrezension: Irish Spring – Festival of Irish Folk Music am 15.3.2006 in der Kunst- und Ausstellungshalle in Bonn
Irish Spring – Festival of Irish Folk Music am 15.3.2006 in der Kunst- und Ausstellungshalle in Bonn
Das 6. Irish Spring Festival gastierte wieder in der KAH und war trotz des Termins mitten in der Woche fast restlos ausverkauft. Da hat sich wohl die Plakatierung gelohnt, oder erfuhren die etwa alle durch den folkigen Rundbrief davon? Wohl kaum, so viele Leute habe ich gar nicht im Verteiler, und unsere Internetseite hat keinen Zähler. Es war betimmt Ralf mit seinem Irischen Rundbrief, ja so muss es sein! Oder die Terminseite im Folker!
Der Opener war Tony McManus, ein jetzt in Südontario lebender Schotte, der hauptsächlich Instrumtentals auf der Gitarre spielte. Einige Stücke waren ruhig und verträumt, meiner Frau kam spontan die Assoziation „NDR-Pausenmusik“, andere aber waren regelrechte Reels, bei denen er die Gitarre ohne Fingerpicking als Melodieinstrument einsetzte, wobei er zwischendurch auch mal zu Akkorden überwechselte, als würde er ein Melodieinstrument begleiten. Sowas habe ich bislang noch nicht gehört! Und dann sang er auch ein Lied, und seine Stimme erinnerte micht an Sean Keane, nur nicht ganz zu quakig, sondern etwas tiefer. Dass er zwischendurch deutsches Bier lobte, machte ihn noch sympatischer, doch schwand dieser Bonus gleich wieder, als er sein Lob auf Bitburger zuspitzte. Ich schrieb es schon mal: 5 Mio. Hektoliter müssen nicht noch per Schleichwerbung angepriesen werden, während kleine Brauereien dicht machen. Es bleibt also die einfach erstklassige Musik als Bonus übrig, aber das reicht ja auch für ein Konzert.
Den Solisten löste sodann ein Quartett ab, auch aus Nordamerika, und zwar aus Michigan. Millish, bestehend aus Brad Phillips (Geige, Mandoline), Jesse Lee Mason (Gitarre), Tyler Duncan (Uilleann Pipes, Saxophon, Low Whistles) und Mike Shimmin (Schlagzeug, Darabuka) bot eine Musik, die sie selbst als „Progressive Irish Folk“ oder „Avantgarde Irish Folk“ bezeichnen, die für meine Ohren aber ein gutes Beispiel für moderne Weltmusik mit irischen Wurzeln war. Die Einflüsse, die ich heraus hörte, und die mir Jesse Lee Mason dann im Gespräch bestätigte, kamen aus Ungarn, dem Balkan, Mexiko, Arabien und jede Menge Jazz war auch dabei. Sie spielten zwar auch Jigs und Reels, und das so quirlig, dass es mich an Kíla erinnerte, was Jesse als Kompliment auffasste, als ich es ihm sagte, aber die Arrangement waren zumeinst nicht zum Tanzen gedacht, sondern zum Zuhören, denn die Tempi wurden immer wieder durch langsamere Passagen unterbrochen. Leider war das Mikrophon bei der Uilleann Pipe etwas leise eingestellt, aber davon abgesehen war es einfach prima was die Jungs da in den letzten zwei Jahren, in denen sie sich mit irischer Musik beschäftigen, entwickelt haben! Die Pause kam viel zu schnell!
Nach der Pause wurde es ruhiger und traditioneller. Mary McPartlan aus Irland sang irische Lieder, teils a capella, teils begleitet von Tony McManus und zum Schluss auch von Mike Shimmin. Ihre Stimme war tief, aber ansonsten erinnerte mich ihr Stil an Geraldine MacGowan. Sie sang echten Folk im engeren Sinne, Volkslieder eben aus verschiedenen Jahunderten, so dass sie „A Rainy Night in Soho“ von Shane MacGowan aus den 1980ern als „contemporary music“ ankündigte. Aber auch eine Version eines Liedes von Elvis Presley („Love me Tender“) war dabei, nur mit einem anderen Text, so wie sie es mal in der Muppet Show gehört hatte.
Den Abschluss bildeten die Schwestern Breda und Cora Smyth auf Fiddles, Tin und Low Whistles in Begleitung eines Sean Leahy (Gitarre) und Paul O' Driscoll (Kontrabass) Sie sind durch die Lord of the Dance-Show berühmt geworden und heizten auch ohne Tanzbrigade dem Publikum ordentlich ein. Mir gefiel ihr an Mary Bergin erinnerndes, helles, fließendes und dabei doch leicht stakatohaftes Whistlespiel noch besser als ihr Fiddlespiel. Die meisten Tunes waren mir bekannt, wenn auch nicht dem Namen nach, und es erwies sich im Nachhinein als richtig, sie an den Schluss zu setzen, denn das Publikum klatsche mit, bis die Hände schmerzten. Da zieht Tradition mehr als Avantgarde. Mitklatschfähigkeit ist zwar in meinen Augen kein besonderes Gütekriterium für Musik, aber die Musik war gut, daran lässt sich nichts rütteln.
Natürlich gab es eine Festivalsession aller Musiker ganz am Schluss. Enkh Jargal, also Epi, leitete es wie gewohnt auf seiner mongolischen Pferdekopfkniegeige ein, auf der er wie auch bei den letzen Malen und vielleicht schon seit Beginn des ISF überhaupt „Jimmy Mó Mhíle Stór“ spielte. Valentin, der Tourmanager kündigte es als Experiment an. Nun, es war sein erstes ISF. Ober- und Untertongesang des „Irish County of Mongolia“, wie Tony McManus, der ihn begleitete, es nannte und dann im Unterton-Brummton die Aufforderung „CD kaufen!“ zeigten, dass man das alles nicht so ernst nehmen muss, und so sei es Mary McPartlan auch nachgesehen, dass sie beim letzten Lied „The Spanish Lady“ die Melodie nicht so sang, wie ich sie kannte. Außerdem sang sie „the handsome lady“. Aber meine bescheidenen Kenntnisse der irischen Musik sind ja auch nicht das Maß aller Dinge.
Nach diesem aufweckenden Konzert muss nun aber der Frühling kommen!
http://www.irishspring.de
http://www.tonymcmanus.com/
http://www.millish.com
http://www.marymcpartlan.com/
http://www.epi.beep.de
http://www.kah-bonn.de/
meine ISF-Rezi 2005:
http://folktreff-bonn-rhein-sieg-rezensionen.blogspot.com/2005/03/konzertrezension-irish-spring-festival.html
http://tinyurl.com/buqlf
MAS
Das 6. Irish Spring Festival gastierte wieder in der KAH und war trotz des Termins mitten in der Woche fast restlos ausverkauft. Da hat sich wohl die Plakatierung gelohnt, oder erfuhren die etwa alle durch den folkigen Rundbrief davon? Wohl kaum, so viele Leute habe ich gar nicht im Verteiler, und unsere Internetseite hat keinen Zähler. Es war betimmt Ralf mit seinem Irischen Rundbrief, ja so muss es sein! Oder die Terminseite im Folker!
Der Opener war Tony McManus, ein jetzt in Südontario lebender Schotte, der hauptsächlich Instrumtentals auf der Gitarre spielte. Einige Stücke waren ruhig und verträumt, meiner Frau kam spontan die Assoziation „NDR-Pausenmusik“, andere aber waren regelrechte Reels, bei denen er die Gitarre ohne Fingerpicking als Melodieinstrument einsetzte, wobei er zwischendurch auch mal zu Akkorden überwechselte, als würde er ein Melodieinstrument begleiten. Sowas habe ich bislang noch nicht gehört! Und dann sang er auch ein Lied, und seine Stimme erinnerte micht an Sean Keane, nur nicht ganz zu quakig, sondern etwas tiefer. Dass er zwischendurch deutsches Bier lobte, machte ihn noch sympatischer, doch schwand dieser Bonus gleich wieder, als er sein Lob auf Bitburger zuspitzte. Ich schrieb es schon mal: 5 Mio. Hektoliter müssen nicht noch per Schleichwerbung angepriesen werden, während kleine Brauereien dicht machen. Es bleibt also die einfach erstklassige Musik als Bonus übrig, aber das reicht ja auch für ein Konzert.
Den Solisten löste sodann ein Quartett ab, auch aus Nordamerika, und zwar aus Michigan. Millish, bestehend aus Brad Phillips (Geige, Mandoline), Jesse Lee Mason (Gitarre), Tyler Duncan (Uilleann Pipes, Saxophon, Low Whistles) und Mike Shimmin (Schlagzeug, Darabuka) bot eine Musik, die sie selbst als „Progressive Irish Folk“ oder „Avantgarde Irish Folk“ bezeichnen, die für meine Ohren aber ein gutes Beispiel für moderne Weltmusik mit irischen Wurzeln war. Die Einflüsse, die ich heraus hörte, und die mir Jesse Lee Mason dann im Gespräch bestätigte, kamen aus Ungarn, dem Balkan, Mexiko, Arabien und jede Menge Jazz war auch dabei. Sie spielten zwar auch Jigs und Reels, und das so quirlig, dass es mich an Kíla erinnerte, was Jesse als Kompliment auffasste, als ich es ihm sagte, aber die Arrangement waren zumeinst nicht zum Tanzen gedacht, sondern zum Zuhören, denn die Tempi wurden immer wieder durch langsamere Passagen unterbrochen. Leider war das Mikrophon bei der Uilleann Pipe etwas leise eingestellt, aber davon abgesehen war es einfach prima was die Jungs da in den letzten zwei Jahren, in denen sie sich mit irischer Musik beschäftigen, entwickelt haben! Die Pause kam viel zu schnell!
Nach der Pause wurde es ruhiger und traditioneller. Mary McPartlan aus Irland sang irische Lieder, teils a capella, teils begleitet von Tony McManus und zum Schluss auch von Mike Shimmin. Ihre Stimme war tief, aber ansonsten erinnerte mich ihr Stil an Geraldine MacGowan. Sie sang echten Folk im engeren Sinne, Volkslieder eben aus verschiedenen Jahunderten, so dass sie „A Rainy Night in Soho“ von Shane MacGowan aus den 1980ern als „contemporary music“ ankündigte. Aber auch eine Version eines Liedes von Elvis Presley („Love me Tender“) war dabei, nur mit einem anderen Text, so wie sie es mal in der Muppet Show gehört hatte.
Den Abschluss bildeten die Schwestern Breda und Cora Smyth auf Fiddles, Tin und Low Whistles in Begleitung eines Sean Leahy (Gitarre) und Paul O' Driscoll (Kontrabass) Sie sind durch die Lord of the Dance-Show berühmt geworden und heizten auch ohne Tanzbrigade dem Publikum ordentlich ein. Mir gefiel ihr an Mary Bergin erinnerndes, helles, fließendes und dabei doch leicht stakatohaftes Whistlespiel noch besser als ihr Fiddlespiel. Die meisten Tunes waren mir bekannt, wenn auch nicht dem Namen nach, und es erwies sich im Nachhinein als richtig, sie an den Schluss zu setzen, denn das Publikum klatsche mit, bis die Hände schmerzten. Da zieht Tradition mehr als Avantgarde. Mitklatschfähigkeit ist zwar in meinen Augen kein besonderes Gütekriterium für Musik, aber die Musik war gut, daran lässt sich nichts rütteln.
Natürlich gab es eine Festivalsession aller Musiker ganz am Schluss. Enkh Jargal, also Epi, leitete es wie gewohnt auf seiner mongolischen Pferdekopfkniegeige ein, auf der er wie auch bei den letzen Malen und vielleicht schon seit Beginn des ISF überhaupt „Jimmy Mó Mhíle Stór“ spielte. Valentin, der Tourmanager kündigte es als Experiment an. Nun, es war sein erstes ISF. Ober- und Untertongesang des „Irish County of Mongolia“, wie Tony McManus, der ihn begleitete, es nannte und dann im Unterton-Brummton die Aufforderung „CD kaufen!“ zeigten, dass man das alles nicht so ernst nehmen muss, und so sei es Mary McPartlan auch nachgesehen, dass sie beim letzten Lied „The Spanish Lady“ die Melodie nicht so sang, wie ich sie kannte. Außerdem sang sie „the handsome lady“. Aber meine bescheidenen Kenntnisse der irischen Musik sind ja auch nicht das Maß aller Dinge.
Nach diesem aufweckenden Konzert muss nun aber der Frühling kommen!
http://www.irishspring.de
http://www.tonymcmanus.com/
http://www.millish.com
http://www.marymcpartlan.com/
http://www.epi.beep.de
http://www.kah-bonn.de/
meine ISF-Rezi 2005:
http://folktreff-bonn-rhein-sieg-rezensionen.blogspot.com/2005/03/konzertrezension-irish-spring-festival.html
http://tinyurl.com/buqlf
MAS
Saturday, March 11, 2006
CD-Rezension: Carol Knauber’s String Attack. the journey
Carol Knauber’s String Attack. the journey
Swinging Banana Records 2000 mit englischen Informationen und ein paar Fotos
11 Tracks, 49,42 Minuten
Carol Knauber’s Sting Attack dürfte noch Besuchern des Bonner Folktreffs im Anno Tubac bekannt sein. Zwei- oder dreimal hörte ich dort dieses kleine aber feine Bonner Ensemble, meiner Erinnerung nach immer ein Trio, auf dieser mittlerweile schon sechs Jahre alten CD aber ein dreifaches Trio, also ein Novett, wenn man das so sagt, bestehend aus Hans Greuel (Bass; wie Carol auch bei Sahara dabei), Ingmar Meissner (Violine), Michael Pölchau (Violine), Phillip Richter (Violine), Mario Argandona (Percussion), Alfonso Garrido (Percussion), Roland Peil (Percussion), Tom Busse (Dobro; er ist Folktreffbesuchern auch als Slidin’ Tom B. oder auch als die eine Hälfte von Slide Kick bekannt) und Carol T. Knauber (Steel String Guitars, Nylon String Guitars, 12 String Guitars, Octave Guitar, Quart Guitar, Sitar Guitar, Mandolin, Octave Manoldine und Percussion).
Meiner Empfindung nach handelt es sich dabei um Kammermusik im Sinne einer feinen, minutiös gespielten, nicht sehr aufregenden, sondern mehr für den stillen und aufmerksamen Hörgenuss gedachten Instrumentalmusik. Aber es ist keine Klassik, sondern alle elf Stücke sind Carols Eigenkompositionen. Beim oberflächlichen Hören mag man denken: na ja, ganz nett, klingt etwas nach der Gitarrenmusik, die früher mal der NDR bei Fernsehpausen ausgestrahlt hat, wobei ein Zeichentrickbalon über die Landschaft flog. Beim genaueren Zuhören merkt man aber, wie zahlreich die musikalischen Einflüsse sind, die da verarbeitet wurden: Bluegrass, Raϊ, Irish Traditional, Barock, deutsche Volksmusik, verschiedene Arten von Jazz z.B. Ragtime, und noch mehr, und das, ohne dass es ein wirres Gemisch wäre, sondern bei aller Komplexität der Instrumentbenutzung und der Arrangements merkt man: diese Musik kommt direkt aus dem Herzen. Die Musik ist durchweg sehr rhythmisch, in den Feinheiten auch innerhalb der einzelnen Stücke sehr abwechlsungsreich, und die vielfältigen Einflüsse zeigen sich in den einzelnen Stücken sehr unterschiedlich, „Montain View“ klingt nach der Filmmusik eines Jugendabenteuerfilms, wie Christian Bruhn sie schrieb, „It’s About Time“ klingt etwas skandinavisch, „Bue Men“ am meisten nach Ragtime, „Take 5 Ad 6“ nach Raϊ, nur eben ohne Gesang und „Wrong Time“ barock. Carol selber nennt als Musiker, die ihn in Bezug auf diese CD am meisten inspirierten Tony Rices, Al DiMeola, John McLaughlin, Michael Flatley, Sam Bush, David Grismann, Mike Marshall, Butch Baldassari, Simon Mayer und Khaled. Ob alle diese Namen einem was sagen oder nicht, man möge der CD einfach unvoreingenommen begegnen und ihre Stärken entdecken.
Sting Attack gibt es derzeit leider nicht life zu hören, sondern müsste wieder belebt werden, aber Carol - übrigens einer der besten Gitarristen, die ich kenne - kann man mit seiner Formation Soul United am 18.3.2006 im Session in der Bonner Innenstadt (21 Uhr) und am 19.3. in der Klangstation in Bad Godesberg (20 Uhr) hören und mit Sahara am 29.4. im Kubana in Siegburg (19 Uhr).
http://www.carolknauber.de
Swinging Banana Records 2000 mit englischen Informationen und ein paar Fotos
11 Tracks, 49,42 Minuten
Carol Knauber’s Sting Attack dürfte noch Besuchern des Bonner Folktreffs im Anno Tubac bekannt sein. Zwei- oder dreimal hörte ich dort dieses kleine aber feine Bonner Ensemble, meiner Erinnerung nach immer ein Trio, auf dieser mittlerweile schon sechs Jahre alten CD aber ein dreifaches Trio, also ein Novett, wenn man das so sagt, bestehend aus Hans Greuel (Bass; wie Carol auch bei Sahara dabei), Ingmar Meissner (Violine), Michael Pölchau (Violine), Phillip Richter (Violine), Mario Argandona (Percussion), Alfonso Garrido (Percussion), Roland Peil (Percussion), Tom Busse (Dobro; er ist Folktreffbesuchern auch als Slidin’ Tom B. oder auch als die eine Hälfte von Slide Kick bekannt) und Carol T. Knauber (Steel String Guitars, Nylon String Guitars, 12 String Guitars, Octave Guitar, Quart Guitar, Sitar Guitar, Mandolin, Octave Manoldine und Percussion).
Meiner Empfindung nach handelt es sich dabei um Kammermusik im Sinne einer feinen, minutiös gespielten, nicht sehr aufregenden, sondern mehr für den stillen und aufmerksamen Hörgenuss gedachten Instrumentalmusik. Aber es ist keine Klassik, sondern alle elf Stücke sind Carols Eigenkompositionen. Beim oberflächlichen Hören mag man denken: na ja, ganz nett, klingt etwas nach der Gitarrenmusik, die früher mal der NDR bei Fernsehpausen ausgestrahlt hat, wobei ein Zeichentrickbalon über die Landschaft flog. Beim genaueren Zuhören merkt man aber, wie zahlreich die musikalischen Einflüsse sind, die da verarbeitet wurden: Bluegrass, Raϊ, Irish Traditional, Barock, deutsche Volksmusik, verschiedene Arten von Jazz z.B. Ragtime, und noch mehr, und das, ohne dass es ein wirres Gemisch wäre, sondern bei aller Komplexität der Instrumentbenutzung und der Arrangements merkt man: diese Musik kommt direkt aus dem Herzen. Die Musik ist durchweg sehr rhythmisch, in den Feinheiten auch innerhalb der einzelnen Stücke sehr abwechlsungsreich, und die vielfältigen Einflüsse zeigen sich in den einzelnen Stücken sehr unterschiedlich, „Montain View“ klingt nach der Filmmusik eines Jugendabenteuerfilms, wie Christian Bruhn sie schrieb, „It’s About Time“ klingt etwas skandinavisch, „Bue Men“ am meisten nach Ragtime, „Take 5 Ad 6“ nach Raϊ, nur eben ohne Gesang und „Wrong Time“ barock. Carol selber nennt als Musiker, die ihn in Bezug auf diese CD am meisten inspirierten Tony Rices, Al DiMeola, John McLaughlin, Michael Flatley, Sam Bush, David Grismann, Mike Marshall, Butch Baldassari, Simon Mayer und Khaled. Ob alle diese Namen einem was sagen oder nicht, man möge der CD einfach unvoreingenommen begegnen und ihre Stärken entdecken.
Sting Attack gibt es derzeit leider nicht life zu hören, sondern müsste wieder belebt werden, aber Carol - übrigens einer der besten Gitarristen, die ich kenne - kann man mit seiner Formation Soul United am 18.3.2006 im Session in der Bonner Innenstadt (21 Uhr) und am 19.3. in der Klangstation in Bad Godesberg (20 Uhr) hören und mit Sahara am 29.4. im Kubana in Siegburg (19 Uhr).
http://www.carolknauber.de
Tuesday, February 21, 2006
Konzertrezension: Positano am 21.2.2006 im Café Tiferet in Bonn
Positano am 21.2.2006 im Café Tiferet in Bonn
Liedermacher mit Herz
"Positano" im Cafe Tiferet
Nach längerer Zeit gab es am 22. Februar im Cafe Tiferet wieder einen
musikalischen Leckerbissen zu geniessen. "Positano", das sind Daniel und
John, zwei junge Männer aus Bonn, die ihre neuesten Kompositionen zu
Gehör brachten und die mit ihren Liedern das Publikum zu langanhaltendem
Beifall hinrissen. Mit zwei Gitarren, zeitweise unterstützt durch eine
Mundharmonika, trugen sie mit wohlklingenden Stimmen ihre
selbstkomponierten Chansons vor. Die zum Nachdenken und Hinterfragen
anregenden Liedtexte spießten gnadenlos gesellschaftliche Kuriositäten
und menschliche Unzulänglichkeiten aus dem täglichen Leben auf. Seien es
die wirtschaftlichen Folgen der Globalisierung, die narzistischen
Selbstinszenierungen von Politikern und Konzernbossen oder militärische
Befehlsausführungsautomaten, alle gesellschaftlichen Gruppen von
Relevanz bekamen ihr Fett weg. Jedes Lied der beiden sympathischen
Musiker war eine gesungene und gelungene Karikatur dessen, was im
täglichen Geschehen so passiert und was die Menschen manchmal so richtig
ärgert. Wie zum Beispiel das Lied "Kleine Männer", welches die maßlose
Selbstbeweihräucherung der "mächtigen" und "wichtigen" Männer aus
Wirtschaft, Gesellschaft und Politik gnadenlos aufs Korn nimmt. Einfach
unbeschreiblich dieser Höhepunkt, wie Daniel seine Mütze abnimmt, sie
vor die Brust hält, die beiden dann "Haltung annehmen" und zu der leicht
abgeänderten Melodie der Deutschlandhymne den Text singen: "Kleine
Männer/kleine Geister/Hab´n die Welt in ihrer Hand/Kleinigkeit, Komplex
und Geilheit/sind nochmal ihr Untergang!". Das Publikum überhäuft den
Vortrag mit Applaus und ein Zuhörer hält spontan die beiden Sänger frei
und spendiert ihnen Getränke nach ihrem Wunsch.
Der musikalische Vortrag erinnert mich an den Stil von Reinhard Mey und
auch Elemente von Udo Lindenberg glaubte ich erkennen zu können.
Besonders schön anzuhören fand ich die Änderung von Tonart und Rhythmus
während eines Liedes, was dem Ganzen eine besondere Lebendigkeit
verlieh. Jedenfalls kam es nicht vor, dass sich Unterhaltungen zwischen
den Gästen entwickelten, alles hörte fast schon "andächtig" zu. Eines
spürte ich selbst ganz deutlich: die Lieder wurden mit Herz vorgetragen,
sie kamen aus dem Herzen und erreichten auch die Herzen der Zuhörer, was
sich nach Ende des Vortrags in Gesprächen und Diskussionen mit den
Anwesenden herauskristallisierte.
Ich habe "Positano" jetzt dreimal gehört und immer konnte ich eine
Steigerung ihrer Vortragskunst feststellen. "Positano" ist wirklich eine
ganz besondere Gruppe, der es gelungen ist, Lieder mit sehr
nachdenklichem Inhalt musikalisch gekonnt und sehr unterhaltsam zu
präsentieren.
Der Name "Positano" stammt übrigens von einer italienischen Stadt, in
der der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder Urlaub machen wollte und
diesen wegen eines Faux-pas des italienschen Regierungschefs Silvio
Berlusconi ganz spontan absagte.
Am 1. April ist "Positano" wieder im Cafe Tiferet zu hören.
http://www.positano-underground.de/
http://www.posiversum.de
http://www.tiferet.de/
http://folktreff-bonn-rhein-sieg-rezensionen.blogspot.com/2006/01/cd-rezension-positano-mehr.html
FLR
Liedermacher mit Herz
"Positano" im Cafe Tiferet
Nach längerer Zeit gab es am 22. Februar im Cafe Tiferet wieder einen
musikalischen Leckerbissen zu geniessen. "Positano", das sind Daniel und
John, zwei junge Männer aus Bonn, die ihre neuesten Kompositionen zu
Gehör brachten und die mit ihren Liedern das Publikum zu langanhaltendem
Beifall hinrissen. Mit zwei Gitarren, zeitweise unterstützt durch eine
Mundharmonika, trugen sie mit wohlklingenden Stimmen ihre
selbstkomponierten Chansons vor. Die zum Nachdenken und Hinterfragen
anregenden Liedtexte spießten gnadenlos gesellschaftliche Kuriositäten
und menschliche Unzulänglichkeiten aus dem täglichen Leben auf. Seien es
die wirtschaftlichen Folgen der Globalisierung, die narzistischen
Selbstinszenierungen von Politikern und Konzernbossen oder militärische
Befehlsausführungsautomaten, alle gesellschaftlichen Gruppen von
Relevanz bekamen ihr Fett weg. Jedes Lied der beiden sympathischen
Musiker war eine gesungene und gelungene Karikatur dessen, was im
täglichen Geschehen so passiert und was die Menschen manchmal so richtig
ärgert. Wie zum Beispiel das Lied "Kleine Männer", welches die maßlose
Selbstbeweihräucherung der "mächtigen" und "wichtigen" Männer aus
Wirtschaft, Gesellschaft und Politik gnadenlos aufs Korn nimmt. Einfach
unbeschreiblich dieser Höhepunkt, wie Daniel seine Mütze abnimmt, sie
vor die Brust hält, die beiden dann "Haltung annehmen" und zu der leicht
abgeänderten Melodie der Deutschlandhymne den Text singen: "Kleine
Männer/kleine Geister/Hab´n die Welt in ihrer Hand/Kleinigkeit, Komplex
und Geilheit/sind nochmal ihr Untergang!". Das Publikum überhäuft den
Vortrag mit Applaus und ein Zuhörer hält spontan die beiden Sänger frei
und spendiert ihnen Getränke nach ihrem Wunsch.
Der musikalische Vortrag erinnert mich an den Stil von Reinhard Mey und
auch Elemente von Udo Lindenberg glaubte ich erkennen zu können.
Besonders schön anzuhören fand ich die Änderung von Tonart und Rhythmus
während eines Liedes, was dem Ganzen eine besondere Lebendigkeit
verlieh. Jedenfalls kam es nicht vor, dass sich Unterhaltungen zwischen
den Gästen entwickelten, alles hörte fast schon "andächtig" zu. Eines
spürte ich selbst ganz deutlich: die Lieder wurden mit Herz vorgetragen,
sie kamen aus dem Herzen und erreichten auch die Herzen der Zuhörer, was
sich nach Ende des Vortrags in Gesprächen und Diskussionen mit den
Anwesenden herauskristallisierte.
Ich habe "Positano" jetzt dreimal gehört und immer konnte ich eine
Steigerung ihrer Vortragskunst feststellen. "Positano" ist wirklich eine
ganz besondere Gruppe, der es gelungen ist, Lieder mit sehr
nachdenklichem Inhalt musikalisch gekonnt und sehr unterhaltsam zu
präsentieren.
Der Name "Positano" stammt übrigens von einer italienischen Stadt, in
der der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder Urlaub machen wollte und
diesen wegen eines Faux-pas des italienschen Regierungschefs Silvio
Berlusconi ganz spontan absagte.
Am 1. April ist "Positano" wieder im Cafe Tiferet zu hören.
http://www.positano-underground.de/
http://www.posiversum.de
http://www.tiferet.de/
http://folktreff-bonn-rhein-sieg-rezensionen.blogspot.com/2006/01/cd-rezension-positano-mehr.html
FLR
Thursday, February 16, 2006
Konzertrezension: Angelo Branduardi: Die Laude des Heiligen Franziskus am 16.2.2006 im Brückenforum in Bonn-Beuel
Angelo Branduardi: Die Laude des Heiligen Franziskus am 16.2.2006 im Brückenforum in Bonn-Beuel
Dies ist nun ein für mich etwas ungewohntes Rezensionsobjekt: eine Laude. Dass eine Laude ein Lob ist, weiß man ja als alter Lateiner, dass im katholischen Bereich Loblieder als „laudes" bezeichnet auch. Aber was es nun mit dieser Laude auf sich hatte, erfuhr ich erst zu Beginn der Veranstaltung selbst, zu der ich weniger der Laude wegen, als wegen Maestro troubadouriensis Angelo Branduardi selber, den ich vor einigen Jahren schon mal am selben Ort erleben, und über dessen heurigen Auftritt ich nun eine Rezension schreiben durfte.
Eine Laude also ist ein musikalisches Theater, wie es im Italien des 13. Jahrhunderts in der Franziskanischen Frömmigkeitsbewegung aufkam und in welcher in unterhaltsamer Form religiöse Inhalte dem Volke vermittelt wurden. Und eine solche bot nun Angelo Branduardi dem Volke vom Bonn zu Beginn des 21. Jahrhunderts, wobei er alte und neue Formen der Darbietung meisterhaft miteinander verband. Zunächst sah man auf der Bühne noch eine Bühne, und zwar ein Holzgestell mit Treppen, Rampen und Plattformen, so wie sie damals im mittelalterlichen Italien für die Lauden üblich waren, aber links und rechts auf zwei Leinwänden konnte man wie in einem Filmabspann dann lesen, worum es ging. Angelo stand da mit einer E-Geige, spielte ein wenig, Tänzer und Tänzerinnen erschienen auf der Bühne, zunächst wusste ich das nicht so richtig einzuordnen. Außer Angelo spielten noch drei Musiker mit: Davide Ragazzoni auf Schlagzeug und anderen Percussionsinstumenten wie Gong und E-Trommel hinter einer Glaswand etwas versteckt, Giovanni Vianelli auf Keyboard und später auch mal Akkordeon und Stefano Olivato auf einem E-Kontrabass. Da war also viel Elektronik im Spiel, trotz aller Mittelalterlichkeit. Die Melodien hörten sich großenteils auch nicht mittelalterlich an, sondern waren in dem für Angelo so typischen postmodernen Stil zwischen kräftigen Rhythmen, Sphärenklängen und Volkslied. Angelo überraschte mich dann mit einem besonderen Instrument, mit einem wunderbar vollen Klang, einer Gitarre, die oberhalb des Griffes noch einen Bogen hatte, an dem wie an einer Harfe oder einer Leiser weitere Saiten befestigt waren: eine Harfengitarre, wie er am Schluss erklärte, die um 1820 in Italien erfunden und dann vor allem von Serenadensängern unter den Fenstern ihrer Liebsten benutzt wurde. Diese Liebsten beantworteten die Serenaden aber nicht selten mit einem Wasserschwall, so dass Harfengitarren meist nur wenige Jahre überlebten. Das zumindest erzählte der Meistertroubadour dem staunenden Publikum, so wie Gigi in „Momo" den Touristen allerhand zu erzählen pflegt.
Aber zurück zur Laude: Allmählich entwickelte sich aus Musik und Tanz eine Handlung, die der Maestro auf deutsch ein wenig erklärte. Es war im Endeffekt die Lebensgeschichte des Heiligen Franziskus von Assisi, nicht unbedingt ganz historisch, dafür um so legendärer. Von der Gründung des Franziskanerordens nebst des Clarissinnenordnes über die ersten Missionsreisen in Italien, Spanien und Marokko, die Reise zum Sultan während des 5. Kreuzzuges und zahlreiche Wundertaten bis zur endgültigen Heimkehr im Tode. Angelo erklärte und sang einiges auf Deutsch, Daniel Cafer spielte den Franziskus, Jessica Higgins die Clara und Andreas Thele Franzens engsten Gefährten Bernardo, wobei sie ihre Texte auch alle auf Deutsch sprachen. Vor allem Jessica und Daniel strahlten dabei so eine Begeisterung aus, dass man meinte, es handele sich um eine Liebesgeschichte, und im Grunde war es das ja auch, wenn auch weniger sexuell als spirituell. Italienische Liedertexte wurden auf den schon erwähnten Leinwänden in Übersetzung zum Mitlesen angeboten, wobei Luisa Zappa Branduardi die italienischen und Burkhard Brozat sie deutschen Lyriken geschrieben hat. Die Tänzerinnen Monica Uallini, Elisa Ferrari, Tiziana Uitto, Scilla Zizifo, Daina Pezzoti und Maria Tirelli spielten verschiedene Rollen, mal das Volk, mal die Mönche, zumeist aber die Nonnen rund um Clara, wobei ihre Ballettbewegungen alles andere als monastisch anmuteten, sondern sie wirkten eher wie Elfen oder Feen. Aldo Esposito spielte mal einen Mönch, mal ich weiß nicht wen, und tanzte nicht minder elfisch. Angelo setzte auch mal Blockflöten ein, und es gab zwischendurch doch auch mal mittelalterliche Tunes, wie z.B. „A la via". Eine Melodie aber, die ich sowohl mit Angelo Branduardi als auch mit Franz von Assisi immer in Verbindung gebracht hatte, wurde nur mal in einer anderen Version angespielt, aber kam nicht so, wie ich sie von einem Film über Franziskus, bei dem Angelo die Filmmusik gemacht hatte, im Kopf hatte. Den berühmten Sonnengesang brachte er mit einer für mich neuen Melodie, die in Teilen große Ähnlichkeit zum Loch Lomond-Lied von Runrig hatte.
Die Laude selber dauerte ca. 1 ½ Stunden, und in der Zugabe sang Angelo einige seiner Evergreens wie „La Pulce d’Aqua", „Cogli la Prima Mela" und „Momo’s Lied", das Publikum ging gut mit, ganz zum Abschluss gab es dann noch „Stella Matutina" aus dem Libre Vermell, zu dem er auch eine Panflöte spielte, und Angelo erklärte, dass die Pilgerströme nach San Diago des Compostella die Grundlagen für das heutige Europa gelegt hätten. So erlebte das Volk von Bonn, bzw. so viele davon, dass der Saal im Brückenforum zu ca. ¾ voll war, einen zauberhaften Abend aus Historie und Legende, Spiritualität und Erotik, Tradition und Moderne und vor allem wunderbarer italienischer Musik.
Man mag sich fragen, warum ich immer von „Angelo" schreibe, als kennte ich ihn persönlich. Nein, er ist für mich genau so „nur" eine Berühmtheit, aber ich tue das ja in meinen Rezensionen mit allen Musikern so, dass ich sie beim Vornamen nenne, egal, ob ich sie näher kenne oder nicht. Unter Folkies ist man schnell beim Vornamen, und Angelo Branduardi ist sich sicher nicht zu fein, dazu zu gehören, auch wenn er ein 2-4000 Zuhörer zählendes Publikum als angenehm kleinen Rahmen empfindet. Die Namen der anderen Künstler auf der Bühne konnte man zwar im Abspann lesen, aber eine Liste zum Mitnehmen oder ein Programmheft gab es leider nicht. Einer der beiden CD- und T-Shirt-Verkäufer am Merchandisingstand war aber so nett, sie mir alle aufzuschreiben und mir dann auch noch die Single-CD „die sonne gesang" mitzugeben, worauf das Angelo den Sonnengesang auf Deutsch singt. Mille Grazie!!!
http://www.angelo-branduardi.com/ger/index.htm
http://www.brueckenforum.de/
Mehr interessante Infos unter:
http://www.angelo-branduardi.com/ger/inter_angelo.htm
http://www.tiscali.de/ital/ital_center_cultur.72449500.html
http://www.wz-newsline.de/sro.php?redid=104810
http://www.europamici.com/interview5.html
MAS
Dies ist nun ein für mich etwas ungewohntes Rezensionsobjekt: eine Laude. Dass eine Laude ein Lob ist, weiß man ja als alter Lateiner, dass im katholischen Bereich Loblieder als „laudes" bezeichnet auch. Aber was es nun mit dieser Laude auf sich hatte, erfuhr ich erst zu Beginn der Veranstaltung selbst, zu der ich weniger der Laude wegen, als wegen Maestro troubadouriensis Angelo Branduardi selber, den ich vor einigen Jahren schon mal am selben Ort erleben, und über dessen heurigen Auftritt ich nun eine Rezension schreiben durfte.
Eine Laude also ist ein musikalisches Theater, wie es im Italien des 13. Jahrhunderts in der Franziskanischen Frömmigkeitsbewegung aufkam und in welcher in unterhaltsamer Form religiöse Inhalte dem Volke vermittelt wurden. Und eine solche bot nun Angelo Branduardi dem Volke vom Bonn zu Beginn des 21. Jahrhunderts, wobei er alte und neue Formen der Darbietung meisterhaft miteinander verband. Zunächst sah man auf der Bühne noch eine Bühne, und zwar ein Holzgestell mit Treppen, Rampen und Plattformen, so wie sie damals im mittelalterlichen Italien für die Lauden üblich waren, aber links und rechts auf zwei Leinwänden konnte man wie in einem Filmabspann dann lesen, worum es ging. Angelo stand da mit einer E-Geige, spielte ein wenig, Tänzer und Tänzerinnen erschienen auf der Bühne, zunächst wusste ich das nicht so richtig einzuordnen. Außer Angelo spielten noch drei Musiker mit: Davide Ragazzoni auf Schlagzeug und anderen Percussionsinstumenten wie Gong und E-Trommel hinter einer Glaswand etwas versteckt, Giovanni Vianelli auf Keyboard und später auch mal Akkordeon und Stefano Olivato auf einem E-Kontrabass. Da war also viel Elektronik im Spiel, trotz aller Mittelalterlichkeit. Die Melodien hörten sich großenteils auch nicht mittelalterlich an, sondern waren in dem für Angelo so typischen postmodernen Stil zwischen kräftigen Rhythmen, Sphärenklängen und Volkslied. Angelo überraschte mich dann mit einem besonderen Instrument, mit einem wunderbar vollen Klang, einer Gitarre, die oberhalb des Griffes noch einen Bogen hatte, an dem wie an einer Harfe oder einer Leiser weitere Saiten befestigt waren: eine Harfengitarre, wie er am Schluss erklärte, die um 1820 in Italien erfunden und dann vor allem von Serenadensängern unter den Fenstern ihrer Liebsten benutzt wurde. Diese Liebsten beantworteten die Serenaden aber nicht selten mit einem Wasserschwall, so dass Harfengitarren meist nur wenige Jahre überlebten. Das zumindest erzählte der Meistertroubadour dem staunenden Publikum, so wie Gigi in „Momo" den Touristen allerhand zu erzählen pflegt.
Aber zurück zur Laude: Allmählich entwickelte sich aus Musik und Tanz eine Handlung, die der Maestro auf deutsch ein wenig erklärte. Es war im Endeffekt die Lebensgeschichte des Heiligen Franziskus von Assisi, nicht unbedingt ganz historisch, dafür um so legendärer. Von der Gründung des Franziskanerordens nebst des Clarissinnenordnes über die ersten Missionsreisen in Italien, Spanien und Marokko, die Reise zum Sultan während des 5. Kreuzzuges und zahlreiche Wundertaten bis zur endgültigen Heimkehr im Tode. Angelo erklärte und sang einiges auf Deutsch, Daniel Cafer spielte den Franziskus, Jessica Higgins die Clara und Andreas Thele Franzens engsten Gefährten Bernardo, wobei sie ihre Texte auch alle auf Deutsch sprachen. Vor allem Jessica und Daniel strahlten dabei so eine Begeisterung aus, dass man meinte, es handele sich um eine Liebesgeschichte, und im Grunde war es das ja auch, wenn auch weniger sexuell als spirituell. Italienische Liedertexte wurden auf den schon erwähnten Leinwänden in Übersetzung zum Mitlesen angeboten, wobei Luisa Zappa Branduardi die italienischen und Burkhard Brozat sie deutschen Lyriken geschrieben hat. Die Tänzerinnen Monica Uallini, Elisa Ferrari, Tiziana Uitto, Scilla Zizifo, Daina Pezzoti und Maria Tirelli spielten verschiedene Rollen, mal das Volk, mal die Mönche, zumeist aber die Nonnen rund um Clara, wobei ihre Ballettbewegungen alles andere als monastisch anmuteten, sondern sie wirkten eher wie Elfen oder Feen. Aldo Esposito spielte mal einen Mönch, mal ich weiß nicht wen, und tanzte nicht minder elfisch. Angelo setzte auch mal Blockflöten ein, und es gab zwischendurch doch auch mal mittelalterliche Tunes, wie z.B. „A la via". Eine Melodie aber, die ich sowohl mit Angelo Branduardi als auch mit Franz von Assisi immer in Verbindung gebracht hatte, wurde nur mal in einer anderen Version angespielt, aber kam nicht so, wie ich sie von einem Film über Franziskus, bei dem Angelo die Filmmusik gemacht hatte, im Kopf hatte. Den berühmten Sonnengesang brachte er mit einer für mich neuen Melodie, die in Teilen große Ähnlichkeit zum Loch Lomond-Lied von Runrig hatte.
Die Laude selber dauerte ca. 1 ½ Stunden, und in der Zugabe sang Angelo einige seiner Evergreens wie „La Pulce d’Aqua", „Cogli la Prima Mela" und „Momo’s Lied", das Publikum ging gut mit, ganz zum Abschluss gab es dann noch „Stella Matutina" aus dem Libre Vermell, zu dem er auch eine Panflöte spielte, und Angelo erklärte, dass die Pilgerströme nach San Diago des Compostella die Grundlagen für das heutige Europa gelegt hätten. So erlebte das Volk von Bonn, bzw. so viele davon, dass der Saal im Brückenforum zu ca. ¾ voll war, einen zauberhaften Abend aus Historie und Legende, Spiritualität und Erotik, Tradition und Moderne und vor allem wunderbarer italienischer Musik.
Man mag sich fragen, warum ich immer von „Angelo" schreibe, als kennte ich ihn persönlich. Nein, er ist für mich genau so „nur" eine Berühmtheit, aber ich tue das ja in meinen Rezensionen mit allen Musikern so, dass ich sie beim Vornamen nenne, egal, ob ich sie näher kenne oder nicht. Unter Folkies ist man schnell beim Vornamen, und Angelo Branduardi ist sich sicher nicht zu fein, dazu zu gehören, auch wenn er ein 2-4000 Zuhörer zählendes Publikum als angenehm kleinen Rahmen empfindet. Die Namen der anderen Künstler auf der Bühne konnte man zwar im Abspann lesen, aber eine Liste zum Mitnehmen oder ein Programmheft gab es leider nicht. Einer der beiden CD- und T-Shirt-Verkäufer am Merchandisingstand war aber so nett, sie mir alle aufzuschreiben und mir dann auch noch die Single-CD „die sonne gesang" mitzugeben, worauf das Angelo den Sonnengesang auf Deutsch singt. Mille Grazie!!!
http://www.angelo-branduardi.com/ger/index.htm
http://www.brueckenforum.de/
Mehr interessante Infos unter:
http://www.angelo-branduardi.com/ger/inter_angelo.htm
http://www.tiscali.de/ital/ital_center_cultur.72449500.html
http://www.wz-newsline.de/sro.php?redid=104810
http://www.europamici.com/interview5.html
MAS
Saturday, February 11, 2006
Konzertrezension: Sahara am 11.2.2006 in der Harmonie in Bonn-Endenich
Sahara am 11.2.2006 in der Harmonie in Bonn-Endenich
Sahara gehört auch wie Le Clou zu den Gruppen, die ich schon oft gehört, über die ich aber noch nie eine Rezension geschrieben habe. Und wie Le Clou und die Lokal Heroes gehört Sahara seit Jahren zum festen Bestandteil der Konzerte im Parkrestaurant Rheinaue und spielen auch oft in der Harmonie, wo ich sie diesmal hörte. Jetzt fehlt nur noch, dass sie auch im Bungertshof auftreten, dann wäre das noch eine Gemeinsamkeit, von denen es tatsächlich noch ein paar gibt, sogar in musikalischer Hinsicht, auch wenn man das auf den ersten Blick bzw. Klang nicht glauben mag.
„Sahara“, das klingt nach Wüste, nach Nordafrika, und da kommt auch die Musik her, sowie zwei der Musiker, nämlich der marokkanische Hauptsänger und Keyboardspieler Ibrahim Hnine und der ägyptische Darabukatrommler Moustafa Osh. Die andern drei Musiker sind Deutsche, nämlich Carol Knauber mit seinen diversen E-Gitarren und einer mit wunderschönen Intarsien versehenen Laute, der E-Bassist Hans Greuel und der Schlagzeuger Andreas Pietralczyk. Carol und Hans sind Besuchern des Bonner Folktreffs eventuell noch durch ihre Zupfinstrument-Kammermusik-Formation String Attack bekannt, wobei ich mit „Kammermusik“ nicht Abwertendes meine, sondern die Filigranität ihrer Spielweise unterstreichen möchte. Sahara aber spielt Raϊ (für den Fall, dass ein Programm das Sonderzeichen falsch wiedergibt: das i hat zwei Punkte; vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Ra%C3%AF), eigentlich eine Popmusik, die vor allem im Maghreb und in Frankreich verbreitet ist, und deren zumindest für mich bekanntester Vertreter Khaled (vgl. http://www.folker.de/200501/02khaled.htm und http://de.wikipedia.org/wiki/Cheb_Khaled) ist. Die Sahara-Musiker aber nennen es nicht „Pop-“, sondern „Weltmusik“, und das nicht nur, damit ich einen Grund habe, diese Rezension zu schreiben.
Ibrahims Stimme transportierte arabische und französische Texte, die wohl kaum jemand aus dem altersmäßig sehr durchmischten Publikum verstand, auch ich nicht, obwohl ich beide Sprachen mal lernte, aber es waren auch nicht die Texte, die faszinierten und schon vor der Pause einige Zuhörer auf die Tanzfläche lockten, sondern diese Mischung aus langen Tönen aus Ibrahims Keyboard und Mund und der ansonsten mehr rhythmischen Spielweise der anderen, insofern eine ähnliche Konstellation wie bei Le Clou. Welche Bestanteile dieser Musik traditionell waren, weiß ich nicht, sicher die arabesken Schnörkel bei Ibrahims Gesang und Moustafas Tamburaspiel, ansonsten war es eine hochmoderne Musik, die sich zahlreicher Provenienzen bediente, so auch nord- und südamerikanischer, ja Reaggaerhythmen konnte man ohne Zweifel bei einigen Lieder ausmachen, und Carols E-Gitarrenspiel erinnerte meine Frau mal an Jimmy Hendrix, mal an Carlos Santana, was ich ihr einfach mal so glaube, während ich diese beiden Berühmtheiten mehr dem Namen nach kenne. Mich erinnerte sein E-Gitarrenspiel und auch wie er da stand an der aus Bühnenperspektive gesehen linkern vorderen Ecke mit seiner Sonnenbrille an Kristap Grasis, der mit den Lokal Heroes noch zwei Wochen zuvor genau an der gleichen Stelle stand und spielte. Carol und Hans entlockten ihren Zupfinstumenten auch einen funkigen Sound, der dem der Lokal Heroes in nichts nachstand, eher sogar noch ein wenig funkiger war. Und Alexander unterstütze das Ganze mit seinem Schlagzeug kräftig. Die meisten Stücke waren noch gecovert von diesem oder jenem aus den Raϊ-Carts, aber Moustafa und Carol hatten auch Selbstkomponiertes dabei. Meine Lieblingsstücke von Sahara heißen „N’ssi, n’ssi“ und „Harba“, wobei ich nicht weiß, was das auf Deutsch heißt, das erste in etwa „Gemach, gemach“, das zweite soll ein algerischer Dialekt sein, den auch Moustafa mir nicht übersetzten konnte. Ganz am Schluss der Zugabe spielten sie das auch westeuropäischen Radiohörern bekannte „Aisha“ von Khaled.
Man merkt wohl, dass ich in dieser Musik nicht so zu Hause bin, aber dass sie mir gefällt. Der nächste mir bekannte und erreichbare Sahara-Gig wird am 29.4.2006 in Siegburg im Kubana (vgl. http://www.kubana.de/kubana/) leider zeitgleich mit dem 5. Bonner Irish Fok Festival in der Harmonie.
Der Saal war dieses Mal übrigens bestuhlt und betischt, so dass ich keine Probleme hatte, mein Bier abzustellen, und auch keines, ein neues zu bestellen, denn es wurde an den Tischen flott bedient. Mir fiel auch erstmals auf, dass sie Kölsch (Sion) halbliterweise ausschenken, nichts für Reagenzglasfanatiker, sorry, Kölschstangenliebhaber, aber ich finde es praktisch!
http://www.oshmusic.com/osh.htm
http://www.carolknauber.de/index.php?option=com_content&task=view&id=22&Itemid=57http://www.harmonie-bonn.de/
MAS
Sahara gehört auch wie Le Clou zu den Gruppen, die ich schon oft gehört, über die ich aber noch nie eine Rezension geschrieben habe. Und wie Le Clou und die Lokal Heroes gehört Sahara seit Jahren zum festen Bestandteil der Konzerte im Parkrestaurant Rheinaue und spielen auch oft in der Harmonie, wo ich sie diesmal hörte. Jetzt fehlt nur noch, dass sie auch im Bungertshof auftreten, dann wäre das noch eine Gemeinsamkeit, von denen es tatsächlich noch ein paar gibt, sogar in musikalischer Hinsicht, auch wenn man das auf den ersten Blick bzw. Klang nicht glauben mag.
„Sahara“, das klingt nach Wüste, nach Nordafrika, und da kommt auch die Musik her, sowie zwei der Musiker, nämlich der marokkanische Hauptsänger und Keyboardspieler Ibrahim Hnine und der ägyptische Darabukatrommler Moustafa Osh. Die andern drei Musiker sind Deutsche, nämlich Carol Knauber mit seinen diversen E-Gitarren und einer mit wunderschönen Intarsien versehenen Laute, der E-Bassist Hans Greuel und der Schlagzeuger Andreas Pietralczyk. Carol und Hans sind Besuchern des Bonner Folktreffs eventuell noch durch ihre Zupfinstrument-Kammermusik-Formation String Attack bekannt, wobei ich mit „Kammermusik“ nicht Abwertendes meine, sondern die Filigranität ihrer Spielweise unterstreichen möchte. Sahara aber spielt Raϊ (für den Fall, dass ein Programm das Sonderzeichen falsch wiedergibt: das i hat zwei Punkte; vgl. http://de.wikipedia.org/wiki/Ra%C3%AF), eigentlich eine Popmusik, die vor allem im Maghreb und in Frankreich verbreitet ist, und deren zumindest für mich bekanntester Vertreter Khaled (vgl. http://www.folker.de/200501/02khaled.htm und http://de.wikipedia.org/wiki/Cheb_Khaled) ist. Die Sahara-Musiker aber nennen es nicht „Pop-“, sondern „Weltmusik“, und das nicht nur, damit ich einen Grund habe, diese Rezension zu schreiben.
Ibrahims Stimme transportierte arabische und französische Texte, die wohl kaum jemand aus dem altersmäßig sehr durchmischten Publikum verstand, auch ich nicht, obwohl ich beide Sprachen mal lernte, aber es waren auch nicht die Texte, die faszinierten und schon vor der Pause einige Zuhörer auf die Tanzfläche lockten, sondern diese Mischung aus langen Tönen aus Ibrahims Keyboard und Mund und der ansonsten mehr rhythmischen Spielweise der anderen, insofern eine ähnliche Konstellation wie bei Le Clou. Welche Bestanteile dieser Musik traditionell waren, weiß ich nicht, sicher die arabesken Schnörkel bei Ibrahims Gesang und Moustafas Tamburaspiel, ansonsten war es eine hochmoderne Musik, die sich zahlreicher Provenienzen bediente, so auch nord- und südamerikanischer, ja Reaggaerhythmen konnte man ohne Zweifel bei einigen Lieder ausmachen, und Carols E-Gitarrenspiel erinnerte meine Frau mal an Jimmy Hendrix, mal an Carlos Santana, was ich ihr einfach mal so glaube, während ich diese beiden Berühmtheiten mehr dem Namen nach kenne. Mich erinnerte sein E-Gitarrenspiel und auch wie er da stand an der aus Bühnenperspektive gesehen linkern vorderen Ecke mit seiner Sonnenbrille an Kristap Grasis, der mit den Lokal Heroes noch zwei Wochen zuvor genau an der gleichen Stelle stand und spielte. Carol und Hans entlockten ihren Zupfinstumenten auch einen funkigen Sound, der dem der Lokal Heroes in nichts nachstand, eher sogar noch ein wenig funkiger war. Und Alexander unterstütze das Ganze mit seinem Schlagzeug kräftig. Die meisten Stücke waren noch gecovert von diesem oder jenem aus den Raϊ-Carts, aber Moustafa und Carol hatten auch Selbstkomponiertes dabei. Meine Lieblingsstücke von Sahara heißen „N’ssi, n’ssi“ und „Harba“, wobei ich nicht weiß, was das auf Deutsch heißt, das erste in etwa „Gemach, gemach“, das zweite soll ein algerischer Dialekt sein, den auch Moustafa mir nicht übersetzten konnte. Ganz am Schluss der Zugabe spielten sie das auch westeuropäischen Radiohörern bekannte „Aisha“ von Khaled.
Man merkt wohl, dass ich in dieser Musik nicht so zu Hause bin, aber dass sie mir gefällt. Der nächste mir bekannte und erreichbare Sahara-Gig wird am 29.4.2006 in Siegburg im Kubana (vgl. http://www.kubana.de/kubana/) leider zeitgleich mit dem 5. Bonner Irish Fok Festival in der Harmonie.
Der Saal war dieses Mal übrigens bestuhlt und betischt, so dass ich keine Probleme hatte, mein Bier abzustellen, und auch keines, ein neues zu bestellen, denn es wurde an den Tischen flott bedient. Mir fiel auch erstmals auf, dass sie Kölsch (Sion) halbliterweise ausschenken, nichts für Reagenzglasfanatiker, sorry, Kölschstangenliebhaber, aber ich finde es praktisch!
http://www.oshmusic.com/osh.htm
http://www.carolknauber.de/index.php?option=com_content&task=view&id=22&Itemid=57http://www.harmonie-bonn.de/
MAS
Thursday, February 09, 2006
CD-Rezension: Battlefield Band. the Road of Tears
Battlefield Band. the Road of Tears
Templerecords 2005 mit zahlreichen englischen Infos und Texten und ein paar Fotos
17 Tracks, 71,50 Minuten
Die Battlefield Band, benannt nach dem Glasgower Stadtteil Battlefield, in dem sich die Band gründete (Dank an Mike Kamp, der dachte, das sei allgemein bakannt, für die Info!) legt mit dieser CD ein Themenalbum vor, wie es auch schon auf ihrer 2006er Konzerttournee zu hören war (vgl. meine Rezension vom Konzert in der Bonner Brofabrik am 1.2.2006: http://tinyurl.com/8jxnl). Das Thema Migration, als Wanderung im Sinne von unfreiwilligem Auswanderen aus der Heimat und Einwandern in ein fremdes Land wird in neun Liedern behandelt, die natürlich auch vom Auswandern aus der schottischen Heimat nach Amerika oder Australien handeln, aber auch von der Auswanderung von Irland nach Schottland oder von Mexiko in die USA. Politische Verfolgung, Armut, Arbeitslosigkeit, Hunger oder geplant durchgeführte Landvertreibung werden in Texten aus drei Jahrhunderten als Ursachen genannt, wobei außer Alan Reid auch Robert Burns und Woody Guthry als Autoren genannt werden, und einige Texte keinen bekannten Autor haben, daunter auch eines von Burns in nur Eingeweihten verständlichem schottischem Englisch, wie z.B. „Wee, sleekit, cow’rin, tim’rous beastie, ...“. Dass dies bei weitem nicht nur historische, sondern hochaktuelle Themen sind, wird im Büchlein ausführlich betont. Abgesehen von Guthrys „Plane Wreck at Los Gatos“ kann man alle Texte im Büchlein mit- oder nachlesen. Ohne die zahlreichen Infos zu den einzelnen Stücken im Büchlein würde man nicht heraus hören, dass auch einige der acht Instrumentals (bzw. es sind ja viel mehr, wenn man die Tunes der Sets einzeln zählt) die Migration oder verwandte politische Ereignisse zum Thema haben, so z.B. „Ely Parker“ benannt nach einem Seneca-Indianer, der im 19. Jh. als erster Indianer Kommissar für Indianerangelegenheiten war bis ihm als Nicht-US-Bürger das Anwaltspatent entzogen wurde, oder „Mr. Galloway goes to Washington“ über einen britischen Abgeordneten, der für die Vermeidung beider Golfkriege eintrat und deshalb nach Washington ging, um eine Anschuldigung wegen angeblicher Ölgeschäfte mit dem Irak zu widerlegen, beide Tunes übrigens im ersten Set. Auch der Ohrwurm, der im Konzert den Opener darstellte, ist dabei, wenn auch auf Position 15, und heißt „Mary’s Dream“, was mit dem Albenthema mal nichts zu tun hat, so wie auch andere Tunes von anderen Themen inspiriert sind, z.B. von der Hochzeit, und da wird im Büchlein versichert, dass „surely girls and marriage have nothing ideologycally to do with hardship, cruelty, pain, slavery, and immigration, or do they?“.
Musikalisch haben wir bei diesem Album wieder mal ein exzellentes Beispiel traditionsverwurzelter und doch moderner schottischer Volksmusik mit einigen irischen und eben einem mexikanisch-amerikanischen Stück dabei. Alan Reid singt und spielt Keyborad, Akkordeon und Melodika, Mike Katz spielt Highland Pipes, Small Pipes, Low Whistles, Tin Whistles (im Konzert auch, die hatte ich nur vergessen zu erwähnen), Bassgitarre und Bouzouki, Sean O’Donnel, der Ire in der Truppe, singt und spielt Gitarre, und Alasdair White spielt Fiddle, Whistles und Bouzouki. Es geht oft rasend schnell zu, oft aber auch sehr melancholisch, dem Thema angemessen. Zwei Lieder sind Übernahmen von zwei früheren Alben, und da singt eine Frau mit, deren Name wahrscheinlich in den Büchlein besagter zwei Alben steht, aber leider nicht in diesem. Vielleicht sind es ja auch zwei verschiedene Frauen.
Zum Schluss noch eine Strophe des Titelliedes und Openers des Albums von Alan Reid :
„They came at dawn out the darkness
Swords and torches in their hand
They said it was the chieftain’s orders
Clear the hillside and the glens
No more we’d smell the broom and the heather
Share the bannock with our kin
Be laid to rest beside our fathers
It almost broke our hearts and minds
To board the ship, the ship of tears
To board the ship, the ship of tears.”
http://www.battlefieldband.co.uk/
http://www.templerecords.co.uk/
http://www.folker.de/200601/02battlefieldband.htm
MAS
Templerecords 2005 mit zahlreichen englischen Infos und Texten und ein paar Fotos
17 Tracks, 71,50 Minuten
Die Battlefield Band, benannt nach dem Glasgower Stadtteil Battlefield, in dem sich die Band gründete (Dank an Mike Kamp, der dachte, das sei allgemein bakannt, für die Info!) legt mit dieser CD ein Themenalbum vor, wie es auch schon auf ihrer 2006er Konzerttournee zu hören war (vgl. meine Rezension vom Konzert in der Bonner Brofabrik am 1.2.2006: http://tinyurl.com/8jxnl). Das Thema Migration, als Wanderung im Sinne von unfreiwilligem Auswanderen aus der Heimat und Einwandern in ein fremdes Land wird in neun Liedern behandelt, die natürlich auch vom Auswandern aus der schottischen Heimat nach Amerika oder Australien handeln, aber auch von der Auswanderung von Irland nach Schottland oder von Mexiko in die USA. Politische Verfolgung, Armut, Arbeitslosigkeit, Hunger oder geplant durchgeführte Landvertreibung werden in Texten aus drei Jahrhunderten als Ursachen genannt, wobei außer Alan Reid auch Robert Burns und Woody Guthry als Autoren genannt werden, und einige Texte keinen bekannten Autor haben, daunter auch eines von Burns in nur Eingeweihten verständlichem schottischem Englisch, wie z.B. „Wee, sleekit, cow’rin, tim’rous beastie, ...“. Dass dies bei weitem nicht nur historische, sondern hochaktuelle Themen sind, wird im Büchlein ausführlich betont. Abgesehen von Guthrys „Plane Wreck at Los Gatos“ kann man alle Texte im Büchlein mit- oder nachlesen. Ohne die zahlreichen Infos zu den einzelnen Stücken im Büchlein würde man nicht heraus hören, dass auch einige der acht Instrumentals (bzw. es sind ja viel mehr, wenn man die Tunes der Sets einzeln zählt) die Migration oder verwandte politische Ereignisse zum Thema haben, so z.B. „Ely Parker“ benannt nach einem Seneca-Indianer, der im 19. Jh. als erster Indianer Kommissar für Indianerangelegenheiten war bis ihm als Nicht-US-Bürger das Anwaltspatent entzogen wurde, oder „Mr. Galloway goes to Washington“ über einen britischen Abgeordneten, der für die Vermeidung beider Golfkriege eintrat und deshalb nach Washington ging, um eine Anschuldigung wegen angeblicher Ölgeschäfte mit dem Irak zu widerlegen, beide Tunes übrigens im ersten Set. Auch der Ohrwurm, der im Konzert den Opener darstellte, ist dabei, wenn auch auf Position 15, und heißt „Mary’s Dream“, was mit dem Albenthema mal nichts zu tun hat, so wie auch andere Tunes von anderen Themen inspiriert sind, z.B. von der Hochzeit, und da wird im Büchlein versichert, dass „surely girls and marriage have nothing ideologycally to do with hardship, cruelty, pain, slavery, and immigration, or do they?“.
Musikalisch haben wir bei diesem Album wieder mal ein exzellentes Beispiel traditionsverwurzelter und doch moderner schottischer Volksmusik mit einigen irischen und eben einem mexikanisch-amerikanischen Stück dabei. Alan Reid singt und spielt Keyborad, Akkordeon und Melodika, Mike Katz spielt Highland Pipes, Small Pipes, Low Whistles, Tin Whistles (im Konzert auch, die hatte ich nur vergessen zu erwähnen), Bassgitarre und Bouzouki, Sean O’Donnel, der Ire in der Truppe, singt und spielt Gitarre, und Alasdair White spielt Fiddle, Whistles und Bouzouki. Es geht oft rasend schnell zu, oft aber auch sehr melancholisch, dem Thema angemessen. Zwei Lieder sind Übernahmen von zwei früheren Alben, und da singt eine Frau mit, deren Name wahrscheinlich in den Büchlein besagter zwei Alben steht, aber leider nicht in diesem. Vielleicht sind es ja auch zwei verschiedene Frauen.
Zum Schluss noch eine Strophe des Titelliedes und Openers des Albums von Alan Reid :
„They came at dawn out the darkness
Swords and torches in their hand
They said it was the chieftain’s orders
Clear the hillside and the glens
No more we’d smell the broom and the heather
Share the bannock with our kin
Be laid to rest beside our fathers
It almost broke our hearts and minds
To board the ship, the ship of tears
To board the ship, the ship of tears.”
http://www.battlefieldband.co.uk/
http://www.templerecords.co.uk/
http://www.folker.de/200601/02battlefieldband.htm
MAS
CD-Rezension: Dán. Stranger at the Gate
Dán. Stranger at the Gate
Eigenverlag 2005 mit mit deutschen Infos und Fotos
12 Tracks, 56,35 Minuten
Ein Foto einer steinernen Buddhafigur auf einem Torpfosten ziert das orangene Cover. Der Buddha als Fremder am Tor auf einem Cover in der Farbe buddhistischer Mönchsroben, aber nein, es handelt sich nicht um eine CD mit buddhistischer Musik, worauf auch die keltische Ornamentik links oben hinweis, sondern um keltische Musik aus Irland und Schottland nebst einigen kontinentaleuropäischen Melodien und einer aus Quebec. Die Musiker sind ein Oldenburger, ein Augsburger und eine Münsterländerin, Joergen W. Lang (Gitarre, Low Whistle und Hauptsänger), Johannes Mayr (Akkordeon, Kontrabass und Gesang) und Franziska Urton (Fiddle und Gesang), eben die selben, deren Konzert am 20.1.2006 im Bungertshof in Königswinter-Oberdollendorf in auch rezensiert habe (vgl. http://tinyurl.com/8fmug). Acht Tunes bzw. Tunesets (Jigs, Reels, Polkas, Lamentations u.a.) und vier Lieder („When I First Came to Caledonia“, „The Snows They Melt the Soonest“, „Hares on the Mountain“ und „Sandy Bell’s Broadstreet“) enthält diese von Anfang bis Ende spannungsreiche Scheibe, zumeist Traditionals oder aus den Federn irischer Musiker wie z.B. Jerry O’Connor, Mick Kensella oder Cathal McConnell, wobei das der CD den Titel gebende „The Stranger“ vom amerikanischen Sackpfeifer Benedict Koehler stammt. Aber auch Joergen Lang hat zwei Eigenkompositionen beigesteuert, das schon in der Konzertrezi erwähnte „Nem Üzemel“ unverkennbar aus seiner und Johannes` Hölderlin Express-Zeit, an dem ich mich gar nicht satt hören kann, und die „Lament for Kim“. Und natürlich sind alle Stücke ganz neu arrangiert, so dass man zwar das eine oder andere kennen mag, aber so gespielt dann doch noch nie gehört hat. Anders als beim Live-Auftritt kann auf der CD Joergen auch mal gleichzeitig Gitarre und Low Whistler spielen. Wunderbar finde ich zum Beispiel auch die Kombination der Meldodie des deutschen Volksliedes „Wie schön blüht uns der Maien“ mit dem irischen Lied „Hares on the Mountain“, wobei diese Zusammenstellung zwei Liebende, die zueinander finden, symbolisiert. Alle diese und viel mehr Infos findet man in dem Büchlein mit sechs schlicht, aber sehr ansprechend gestalteten Innenseiten. So nach dem vierten oder fünften Durchhören mag man da hinein schauen, aber besser ist, man schließt die Augen und hört einfach zu, und das werde ich noch oft tun.
http://www.danmusic.de/ (dort kann man auch die CD bestellen)
MAS
Eigenverlag 2005 mit mit deutschen Infos und Fotos
12 Tracks, 56,35 Minuten
Ein Foto einer steinernen Buddhafigur auf einem Torpfosten ziert das orangene Cover. Der Buddha als Fremder am Tor auf einem Cover in der Farbe buddhistischer Mönchsroben, aber nein, es handelt sich nicht um eine CD mit buddhistischer Musik, worauf auch die keltische Ornamentik links oben hinweis, sondern um keltische Musik aus Irland und Schottland nebst einigen kontinentaleuropäischen Melodien und einer aus Quebec. Die Musiker sind ein Oldenburger, ein Augsburger und eine Münsterländerin, Joergen W. Lang (Gitarre, Low Whistle und Hauptsänger), Johannes Mayr (Akkordeon, Kontrabass und Gesang) und Franziska Urton (Fiddle und Gesang), eben die selben, deren Konzert am 20.1.2006 im Bungertshof in Königswinter-Oberdollendorf in auch rezensiert habe (vgl. http://tinyurl.com/8fmug). Acht Tunes bzw. Tunesets (Jigs, Reels, Polkas, Lamentations u.a.) und vier Lieder („When I First Came to Caledonia“, „The Snows They Melt the Soonest“, „Hares on the Mountain“ und „Sandy Bell’s Broadstreet“) enthält diese von Anfang bis Ende spannungsreiche Scheibe, zumeist Traditionals oder aus den Federn irischer Musiker wie z.B. Jerry O’Connor, Mick Kensella oder Cathal McConnell, wobei das der CD den Titel gebende „The Stranger“ vom amerikanischen Sackpfeifer Benedict Koehler stammt. Aber auch Joergen Lang hat zwei Eigenkompositionen beigesteuert, das schon in der Konzertrezi erwähnte „Nem Üzemel“ unverkennbar aus seiner und Johannes` Hölderlin Express-Zeit, an dem ich mich gar nicht satt hören kann, und die „Lament for Kim“. Und natürlich sind alle Stücke ganz neu arrangiert, so dass man zwar das eine oder andere kennen mag, aber so gespielt dann doch noch nie gehört hat. Anders als beim Live-Auftritt kann auf der CD Joergen auch mal gleichzeitig Gitarre und Low Whistler spielen. Wunderbar finde ich zum Beispiel auch die Kombination der Meldodie des deutschen Volksliedes „Wie schön blüht uns der Maien“ mit dem irischen Lied „Hares on the Mountain“, wobei diese Zusammenstellung zwei Liebende, die zueinander finden, symbolisiert. Alle diese und viel mehr Infos findet man in dem Büchlein mit sechs schlicht, aber sehr ansprechend gestalteten Innenseiten. So nach dem vierten oder fünften Durchhören mag man da hinein schauen, aber besser ist, man schließt die Augen und hört einfach zu, und das werde ich noch oft tun.
http://www.danmusic.de/ (dort kann man auch die CD bestellen)
MAS
CD-Rezension: Woltähr. Trier night & day. bonus tracks 2001 – 2005
Woltähr. Trier night & day. bonus tracks 2001 – 2005
2005 Eigenverlag mit Fotos und wenigen Infos
15 Tracks, 58,17 Minuten
Eine CD voller Bonus Tracks für Fans. Tatsächlich, das ist der Zweck dieser selbstgebrannten Scheibe, die kostenlos an alle abgegeben wird, die „Trier by night“ (vgl. http://tinyurl.com/axchx) schon besitzen und zu schätzen wissen. Sie beginnt mit einer fast melodielosen 1. Versuchsversion von „Trier bei Naocht“, die zwar interessant ist, aber mich doch froh sein lässt, dass für der dann offiziell veröffentlichten CD eine andere Version genommen wurde. Auch der „Kirchgang“ von Heinrich Heine ist hier in einer anderen Version zu hören, mit vertauschten Gesangsrollen von Walter Liederschmitt und Chris Oberweis, und auch viele der anderen Stücke sind Alternativversionen zu den auf „Trier by night“ veröffentlichten, so z.B. vom „Musleindijaner-Singsang“ oder vom „Höhenflug (Santa Fe)“, auch diese weniger gut als die offiziellen Versionen. Aber es gibt auch mehrere Lieder, die einfach nicht mehr drauf gepasst haben, so z.B. „Riki Tiki Tavi“ und „Jersey Thursday“ ursprünglich von Donvan, hier aber frei interpretiert, „Il fait chaud“ von Florence Absolu und ansonsten Eigenkompositionen von Walter Liederschmitt, Carsten Söns und Uwe Heil, allesamt genussreich zu hören für die, die die Musik von Woltähr generell mögen, wie mich eben. Diese drei und Uli Hilsamer, soewie Norbert Brenner, Ron Bankley und Rivière Baudette sind denn auch zu hören, wie sie singen und/oder ihre Instumente bedienen, also Gitarre, Leier, Drums, Bass u.a. Der letzte Titel ist indes ganz neu: „Der Meeres und der Liebe Wellen“, entstanden 2005 im Urlaub in Kanada.
http://www.woltaehr.de
MAS
2005 Eigenverlag mit Fotos und wenigen Infos
15 Tracks, 58,17 Minuten
Eine CD voller Bonus Tracks für Fans. Tatsächlich, das ist der Zweck dieser selbstgebrannten Scheibe, die kostenlos an alle abgegeben wird, die „Trier by night“ (vgl. http://tinyurl.com/axchx) schon besitzen und zu schätzen wissen. Sie beginnt mit einer fast melodielosen 1. Versuchsversion von „Trier bei Naocht“, die zwar interessant ist, aber mich doch froh sein lässt, dass für der dann offiziell veröffentlichten CD eine andere Version genommen wurde. Auch der „Kirchgang“ von Heinrich Heine ist hier in einer anderen Version zu hören, mit vertauschten Gesangsrollen von Walter Liederschmitt und Chris Oberweis, und auch viele der anderen Stücke sind Alternativversionen zu den auf „Trier by night“ veröffentlichten, so z.B. vom „Musleindijaner-Singsang“ oder vom „Höhenflug (Santa Fe)“, auch diese weniger gut als die offiziellen Versionen. Aber es gibt auch mehrere Lieder, die einfach nicht mehr drauf gepasst haben, so z.B. „Riki Tiki Tavi“ und „Jersey Thursday“ ursprünglich von Donvan, hier aber frei interpretiert, „Il fait chaud“ von Florence Absolu und ansonsten Eigenkompositionen von Walter Liederschmitt, Carsten Söns und Uwe Heil, allesamt genussreich zu hören für die, die die Musik von Woltähr generell mögen, wie mich eben. Diese drei und Uli Hilsamer, soewie Norbert Brenner, Ron Bankley und Rivière Baudette sind denn auch zu hören, wie sie singen und/oder ihre Instumente bedienen, also Gitarre, Leier, Drums, Bass u.a. Der letzte Titel ist indes ganz neu: „Der Meeres und der Liebe Wellen“, entstanden 2005 im Urlaub in Kanada.
http://www.woltaehr.de
MAS
CD-Rezension: Walter Liederschmitt & Andreas Sittmann. Treverer Barden. Trier/Mosel
Walter Liederschmitt & Andreas Sittmann. Treverer Barden. Trier/Mosel
Eigenverlag 2005 mit Fotos und deutschen u. teilweise englischen Infos, und einem Text in Latein, Deutsch und Englisch
12 Tracks, 38.07 Minuten
Walter Liederschmitts Spezialität mit seiner Band Woltähr ist die Verbindung von moselfränkischer Mundart, Hochdeutsch und anderen Sprachen mit Texten über seine Trierer und moselländische Heimat mit zahlreichen Bezügen zur keltisch-römischen Antike, zur engen Nachbarschaft zu Frankreich, zu den keltischen Verwandten in der Bretagne und auf den britischen Inseln und zum Kampf gegen jegliche obrigkeitliche Bevormundung. Andreas Sittmann ist Frontsänger der Trierer Irish Folk – Gruppe Ramblin Rovers. Für diese CD haben sie sich mit elf weitern Musikern Triers zusammen getan, nämlich mit Volker Dellwe (Flöten, Dudelsack), Chris Oberweis (Gesang, Violine, Mandola); Ulrike Jockum (Kontrabass), Thommis oder Thomas Kramer (Violine; auch Rambing Rovers), Werner Schlöder (Bass; auch Rambing Rovers), Thomas Meier (Drums); Uli Hilsamer (Brums), Carsten Söns (Bass, Gesang; auch Woltähr), Uwe Heil (Gitarre, Gesang; auch Woltähr), Ralf Hess (Piano) und Walter Jäger (Violine), wobei Walter singt und Concertina, Leier und Gitarre spielt und Andreas singt und Gitarre spielt. Nun ist diese CD keine hundertprozentige Neueinspielung von 2005, sondern enthält auch Aufnahmen von 1986, 1996, 1997, 1998 und 2003.
Das erste Lied „Trever per dulzer“ stammt aus dem 12. Jh. und wird lateinisch gesungen, das letzte „Son ar chistre“ ist die bretonische Urversion von „Was wollen wir trinken“, zwischendurch ist fast alles auf Hochdeutsch und Moselfränkisch mit einzelnen französischen und englischen Einschüben. Dabei geht es sehr frankophil zu, auch politisch, wenn da Sympathie für die französische Revolution bekundet und die Preußen lieber in die Mosel geworfen werden, dann auch im Heuschrecken-Lied von 1848, als mit Heuschrecken noch nicht neoliberale Global Players, sondern eben die Revolutionäre gemeint waren, deren freies Hüpfen von der Obrigkeit nicht geduldet wurde. Zwichendurch gibt es auch Lieder zu Wein und Mosel, wie man sie aber nicht von Kegelclub-Moselwein-Stimmungsplatten kennt. Und mein Lieblingslied aus Walters Repertoire „Meine Heimat“ ist auch wieder dabei, diesmal begleitet von Walter Jäger auf der Violine.
Musikalisch ist es wieder sehr vielfältig, nicht selten countryartig, vor allem Chris Oberweis Geigenspiel, ansonsten klingen oft deutsche und französische Volkstänze an, ein „Trinkwunsch“ ist mehrstimmig a capella, Walters Stimme klingt bisweilen, als habe er Wein und Cidre kräftig zugesprochen, vor allem bei dem Wörtchen „Urbs“ ganz am Anfang.
Trier, zeitweise Regierungssitz des römischen Reiches, heute rheinland-pfälzische Bezirksregierungsstadt am deutsch-luxemburgisch-französischen Dreiländereck in der Eurregio Mosel-Saar-Luxemburg-Lothringen hat in seinen Barden wackere Söhne der Stadt, die mit Tiefgang, Fröhlichkeit, Aufmüfigkeit und Zartheit Heimatliebe beweisen, die keine Grenzen zieht, sondern selbige immer wieder überschreitet und ganz Europa und die Welt mit offenen Armen aufnimmt.
Die nächste Möglichkeit, sie live zu hören:
05.04.06
54318 Mertesdorf Karlsmühle “Treverer Barden“ mit W. Liederschmitt, Dorle Schausbreitner und A. Sittmann
Vgl. auch meine Rezension hier:
http://tinyurl.com/axchx
http://www.woltaehr.de
http://www.r-rovers.de
unter http://www.r-rovers.de/presse01.htm gibt es auch eine Konzertrezension von meinem Bruder Norbert
MAS
Eigenverlag 2005 mit Fotos und deutschen u. teilweise englischen Infos, und einem Text in Latein, Deutsch und Englisch
12 Tracks, 38.07 Minuten
Walter Liederschmitts Spezialität mit seiner Band Woltähr ist die Verbindung von moselfränkischer Mundart, Hochdeutsch und anderen Sprachen mit Texten über seine Trierer und moselländische Heimat mit zahlreichen Bezügen zur keltisch-römischen Antike, zur engen Nachbarschaft zu Frankreich, zu den keltischen Verwandten in der Bretagne und auf den britischen Inseln und zum Kampf gegen jegliche obrigkeitliche Bevormundung. Andreas Sittmann ist Frontsänger der Trierer Irish Folk – Gruppe Ramblin Rovers. Für diese CD haben sie sich mit elf weitern Musikern Triers zusammen getan, nämlich mit Volker Dellwe (Flöten, Dudelsack), Chris Oberweis (Gesang, Violine, Mandola); Ulrike Jockum (Kontrabass), Thommis oder Thomas Kramer (Violine; auch Rambing Rovers), Werner Schlöder (Bass; auch Rambing Rovers), Thomas Meier (Drums); Uli Hilsamer (Brums), Carsten Söns (Bass, Gesang; auch Woltähr), Uwe Heil (Gitarre, Gesang; auch Woltähr), Ralf Hess (Piano) und Walter Jäger (Violine), wobei Walter singt und Concertina, Leier und Gitarre spielt und Andreas singt und Gitarre spielt. Nun ist diese CD keine hundertprozentige Neueinspielung von 2005, sondern enthält auch Aufnahmen von 1986, 1996, 1997, 1998 und 2003.
Das erste Lied „Trever per dulzer“ stammt aus dem 12. Jh. und wird lateinisch gesungen, das letzte „Son ar chistre“ ist die bretonische Urversion von „Was wollen wir trinken“, zwischendurch ist fast alles auf Hochdeutsch und Moselfränkisch mit einzelnen französischen und englischen Einschüben. Dabei geht es sehr frankophil zu, auch politisch, wenn da Sympathie für die französische Revolution bekundet und die Preußen lieber in die Mosel geworfen werden, dann auch im Heuschrecken-Lied von 1848, als mit Heuschrecken noch nicht neoliberale Global Players, sondern eben die Revolutionäre gemeint waren, deren freies Hüpfen von der Obrigkeit nicht geduldet wurde. Zwichendurch gibt es auch Lieder zu Wein und Mosel, wie man sie aber nicht von Kegelclub-Moselwein-Stimmungsplatten kennt. Und mein Lieblingslied aus Walters Repertoire „Meine Heimat“ ist auch wieder dabei, diesmal begleitet von Walter Jäger auf der Violine.
Musikalisch ist es wieder sehr vielfältig, nicht selten countryartig, vor allem Chris Oberweis Geigenspiel, ansonsten klingen oft deutsche und französische Volkstänze an, ein „Trinkwunsch“ ist mehrstimmig a capella, Walters Stimme klingt bisweilen, als habe er Wein und Cidre kräftig zugesprochen, vor allem bei dem Wörtchen „Urbs“ ganz am Anfang.
Trier, zeitweise Regierungssitz des römischen Reiches, heute rheinland-pfälzische Bezirksregierungsstadt am deutsch-luxemburgisch-französischen Dreiländereck in der Eurregio Mosel-Saar-Luxemburg-Lothringen hat in seinen Barden wackere Söhne der Stadt, die mit Tiefgang, Fröhlichkeit, Aufmüfigkeit und Zartheit Heimatliebe beweisen, die keine Grenzen zieht, sondern selbige immer wieder überschreitet und ganz Europa und die Welt mit offenen Armen aufnimmt.
Die nächste Möglichkeit, sie live zu hören:
05.04.06
54318 Mertesdorf Karlsmühle “Treverer Barden“ mit W. Liederschmitt, Dorle Schausbreitner und A. Sittmann
Vgl. auch meine Rezension hier:
http://tinyurl.com/axchx
http://www.woltaehr.de
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unter http://www.r-rovers.de/presse01.htm gibt es auch eine Konzertrezension von meinem Bruder Norbert
MAS
Friday, February 03, 2006
Konzertrezension: Le Clou am 3.2.2006 in Bungertshof in Königswinter-Oberdollendorf
Le Clou am 3.2.2006 in Bungertshof in Königswinter-Oberdollendorf
Le Clou wird in diesem Jahr 30. Deshalb habe ich Michel David, Yves Gueit und Johannes Epremian im letzten Herbst interviewt und aus dem Interview und einigen sonstigen Infos einen Artikel gemacht, der im Folker! 02.06 erscheinen wird. Aber obwohl ich in den letzten cirka zehn Jahren schon einige ihrer Konzerte gehört habe, habe ich noch nie eine Konzertrezension darüber geschrieben, so dass ich das nun hier endlich mal tue:
Johannes Epremian (Geige, Gitarren, E-Gitarre, Gesang), Michel David (Gesang, Gitarre, Waschbrett) und Yves Gueit (diatonische Akkordeons, diverse Flöten, dabei auch eine Okkarina, Oboe, Saxophon, Klarinette) standen aus Zuschauerperspektive von links nach rechts auf der Bühne im restlos gefüllten Bungersthof, hinter ihnen auch von links nach rechts Gero Gelert (E-Bass) und Ralf Schläger (Schlagzeug, was zum Namen passt), wobei letzterer natürlich saß. In der Anordnung stehen und sitzen sie anscheinend immer, was in die quirlige Musik einen Hauch von Ordnung bringt. Fans wissen, was sie erwartet, ihre Musik weist durch die Jahre eine hohe Kontinuität auf, auch neue Stücke passen sich ein in ihren Stil, und neue Stücke gibt es immer wieder, Eigenkompositionen überwiegen gegenüber Traditionals. Doch was ist das für eine Musik, mit der sie seit drei Jahrzehnten erfolgreich in Deutschland touren und von der sie auch leben können? „Cajun Swamp Groove“ nennen sie sie, oder „altmodische Tanzmusik aus dem Mississippi-Delta“.
Na, was heißt schon altmodisch? Johannes legte sofort mit seiner Geige los, schnell, rhythmisch, mehr deftig als verziert, aber äußerst mitreißend. Michel sang ein Lied nach dem anderen, auf Französisch, seiner Muttersprache, die ich leider nur ganz wenig verstehe, und sein Gesang bot einen scharfen Kontrast zur Rhythmik der Instrumente, auch seiner Gitarre oder seines Waschbretts, denn er bestand hauptsächlich auch sehr lang gezogenen Vokalen, na nicht nur, es gab auch schnelle Sätze, aber immer wieder diese lange Os und As und Es. Dann das Akkordeon von Yves, ähnlich dem Gesang, mal schnell, mal lang gezogen. Und so wogte es zwei Stunden lang durch den Raum, immer mitgetragen von E-Bass und Schlagzeug, meistens im 2/4-Takt des Two Step, aber auch mal im 3/4 oder 4/4. Allmählich gingen auch die Gespräche derjenigen Gäste, die Musik mehr zur Begeleitung ihrer Unterhaltung mögen, in Rhythmus über. Das war wirklich interessant, wie die Musik nach und nach die Aufmerksamkeit auch der Leute an den hintersten Tischen, wo auch wir saßen, eroberte. Es gibt Musik, da schwindet die Aufmerksamkeit, und es gibt Musik, da steigt die Aufmerksamkeit, und dazu gehört die von Le Clou. Da lag nicht nur daran, dass die Lautsprecher im hinteren Saalabschnitt nicht von anfang an optimal eingestellt waren, auch nicht nur daran, dass Johannes mit seiner Geige auf die Tische stieg und so auch nach hinten kam, obwohl das schon Eindruck machte. Das macht er übrigens gerne, und bei einer solchen Gelegenheit entstand auch das auf unserer Startseite unseres Internetportals für Folk- und Weltmusik in Bonn und Umgebung zu sehende Foto, ja jetzt habe ich es offiziell verraten: es ist Johannes Epremian, der Teufelsgeiger von Le Clou, der dienstältesten Bonner Folkband.
Der Two Step ist der Reel der Cajuns, eine Verballhorunung von „Arcadiens“, der französischsprachigen Einwanderer in Louisiana, die von den Engländern aus Arcadien in Ostkanada vertrieben worden waren, doch Cajun-Musik hat noch mehr Einflüsse aufgenommen, vom kreolischen Zydeco, vom Blues, vom Jazz, vom Dixieland, von der Country & Western Music, von den Volksmusiken irischer, schottischer, deutscher und anderer Zuwanderer, und das hört man auch bei Le Clou heraus. Wenn Johannes seine 1937er Metallgitarre bedient wird es bisweilen westernartig, wenn Yves seine Flöten spielt wird es französisch, bretonisch, beim Saxophon jazzig, bei der Klarinette dixieländlich. Johannes erzählte zwischendurch wieder lustige Geschichten zum Beispiel von vom Moonshine Whiskey aufgedunsenen Polizisten, Michel machte Grimassen, die bestens in ein Asterixheft passen würden, Yves schaute wie ein Walross über seinen Schurbart, als könne ihn nichts erschüttern, dann spielt er auch mal zwei Blockflöten gleichzeitig oder eine nepalesische Bambusflöte mit mehr Löchern als ein Mensch Finger hat. Mein Liebelingsstück spielten sie erst bei der Zugabe: „La robe à Tante Dolly“, ein Two Step der klassischen Art. Man mag es kaum glauben, dass ein Land, das eigentlich hauptsächlich aus träge dahin fließenden Flussarmen besteht, eine solche Musik hervor gebracht hat. Vielleicht ist das aber auch gar kein Gegensatz, denn Flüsse steigen manchmal über die Ufer wie Johannes auf die Tische, die wirken friedlich, aber haben eine enorme Kraft, sie schleppen eine Menge Treibgut heran und wieder hinweg, sie sind immer in Bewegung, alles fließt. Am Schluss saß niemand mehr, außer Ralf am Schlagzeug. Wenn das altmodisch ist, bin ich gerne altmodisch.
Von meinen Bekannten aus der Bonner Folk-Szene sah ich niemanden im Publikum, aber es wird am 31.3.2006 in der Harmonie wieder die Gelegenheit geben, und im Laufe des Jahres beim Beuler Rheinuferfest und im Sommer im Biergarten des Parkrestaurants Rheinaue, wo auch besagtes Foto entstand. Johannes spielt eigentlich lieber auswärts, wo ihn niemand kennt, als müsste er sich schämen dafür, dass er so gerne auf die Tische steigt. Ob für ihn in der Harmonie extra Tische aufgestellt werden? Warten wir es ab! Zwischenzeit könnt Ihr den im März neuen Folker! kaufen und dort nachlesen, was Ihr schon immer über Le Clou wissen wolltet und Euch nie getraut habt zu fragen: Wie die Band enstanden ist, wie sie zu ihrem Namen kam, wer daran Schuld ist, dass sie überhaupt Cajun spielen, denn das war nicht immer so, was die magische Drei bedeutet, warum sie nicht so gerne in Frankreich spielen, was die Cajuns in Louisiana von Le Clou und was die drei Frontmänner von ihrem Publikum halten.
http://www.leclou.com
http://www.bungertshof.de
http://www.folker.de
MAS
Le Clou wird in diesem Jahr 30. Deshalb habe ich Michel David, Yves Gueit und Johannes Epremian im letzten Herbst interviewt und aus dem Interview und einigen sonstigen Infos einen Artikel gemacht, der im Folker! 02.06 erscheinen wird. Aber obwohl ich in den letzten cirka zehn Jahren schon einige ihrer Konzerte gehört habe, habe ich noch nie eine Konzertrezension darüber geschrieben, so dass ich das nun hier endlich mal tue:
Johannes Epremian (Geige, Gitarren, E-Gitarre, Gesang), Michel David (Gesang, Gitarre, Waschbrett) und Yves Gueit (diatonische Akkordeons, diverse Flöten, dabei auch eine Okkarina, Oboe, Saxophon, Klarinette) standen aus Zuschauerperspektive von links nach rechts auf der Bühne im restlos gefüllten Bungersthof, hinter ihnen auch von links nach rechts Gero Gelert (E-Bass) und Ralf Schläger (Schlagzeug, was zum Namen passt), wobei letzterer natürlich saß. In der Anordnung stehen und sitzen sie anscheinend immer, was in die quirlige Musik einen Hauch von Ordnung bringt. Fans wissen, was sie erwartet, ihre Musik weist durch die Jahre eine hohe Kontinuität auf, auch neue Stücke passen sich ein in ihren Stil, und neue Stücke gibt es immer wieder, Eigenkompositionen überwiegen gegenüber Traditionals. Doch was ist das für eine Musik, mit der sie seit drei Jahrzehnten erfolgreich in Deutschland touren und von der sie auch leben können? „Cajun Swamp Groove“ nennen sie sie, oder „altmodische Tanzmusik aus dem Mississippi-Delta“.
Na, was heißt schon altmodisch? Johannes legte sofort mit seiner Geige los, schnell, rhythmisch, mehr deftig als verziert, aber äußerst mitreißend. Michel sang ein Lied nach dem anderen, auf Französisch, seiner Muttersprache, die ich leider nur ganz wenig verstehe, und sein Gesang bot einen scharfen Kontrast zur Rhythmik der Instrumente, auch seiner Gitarre oder seines Waschbretts, denn er bestand hauptsächlich auch sehr lang gezogenen Vokalen, na nicht nur, es gab auch schnelle Sätze, aber immer wieder diese lange Os und As und Es. Dann das Akkordeon von Yves, ähnlich dem Gesang, mal schnell, mal lang gezogen. Und so wogte es zwei Stunden lang durch den Raum, immer mitgetragen von E-Bass und Schlagzeug, meistens im 2/4-Takt des Two Step, aber auch mal im 3/4 oder 4/4. Allmählich gingen auch die Gespräche derjenigen Gäste, die Musik mehr zur Begeleitung ihrer Unterhaltung mögen, in Rhythmus über. Das war wirklich interessant, wie die Musik nach und nach die Aufmerksamkeit auch der Leute an den hintersten Tischen, wo auch wir saßen, eroberte. Es gibt Musik, da schwindet die Aufmerksamkeit, und es gibt Musik, da steigt die Aufmerksamkeit, und dazu gehört die von Le Clou. Da lag nicht nur daran, dass die Lautsprecher im hinteren Saalabschnitt nicht von anfang an optimal eingestellt waren, auch nicht nur daran, dass Johannes mit seiner Geige auf die Tische stieg und so auch nach hinten kam, obwohl das schon Eindruck machte. Das macht er übrigens gerne, und bei einer solchen Gelegenheit entstand auch das auf unserer Startseite unseres Internetportals für Folk- und Weltmusik in Bonn und Umgebung zu sehende Foto, ja jetzt habe ich es offiziell verraten: es ist Johannes Epremian, der Teufelsgeiger von Le Clou, der dienstältesten Bonner Folkband.
Der Two Step ist der Reel der Cajuns, eine Verballhorunung von „Arcadiens“, der französischsprachigen Einwanderer in Louisiana, die von den Engländern aus Arcadien in Ostkanada vertrieben worden waren, doch Cajun-Musik hat noch mehr Einflüsse aufgenommen, vom kreolischen Zydeco, vom Blues, vom Jazz, vom Dixieland, von der Country & Western Music, von den Volksmusiken irischer, schottischer, deutscher und anderer Zuwanderer, und das hört man auch bei Le Clou heraus. Wenn Johannes seine 1937er Metallgitarre bedient wird es bisweilen westernartig, wenn Yves seine Flöten spielt wird es französisch, bretonisch, beim Saxophon jazzig, bei der Klarinette dixieländlich. Johannes erzählte zwischendurch wieder lustige Geschichten zum Beispiel von vom Moonshine Whiskey aufgedunsenen Polizisten, Michel machte Grimassen, die bestens in ein Asterixheft passen würden, Yves schaute wie ein Walross über seinen Schurbart, als könne ihn nichts erschüttern, dann spielt er auch mal zwei Blockflöten gleichzeitig oder eine nepalesische Bambusflöte mit mehr Löchern als ein Mensch Finger hat. Mein Liebelingsstück spielten sie erst bei der Zugabe: „La robe à Tante Dolly“, ein Two Step der klassischen Art. Man mag es kaum glauben, dass ein Land, das eigentlich hauptsächlich aus träge dahin fließenden Flussarmen besteht, eine solche Musik hervor gebracht hat. Vielleicht ist das aber auch gar kein Gegensatz, denn Flüsse steigen manchmal über die Ufer wie Johannes auf die Tische, die wirken friedlich, aber haben eine enorme Kraft, sie schleppen eine Menge Treibgut heran und wieder hinweg, sie sind immer in Bewegung, alles fließt. Am Schluss saß niemand mehr, außer Ralf am Schlagzeug. Wenn das altmodisch ist, bin ich gerne altmodisch.
Von meinen Bekannten aus der Bonner Folk-Szene sah ich niemanden im Publikum, aber es wird am 31.3.2006 in der Harmonie wieder die Gelegenheit geben, und im Laufe des Jahres beim Beuler Rheinuferfest und im Sommer im Biergarten des Parkrestaurants Rheinaue, wo auch besagtes Foto entstand. Johannes spielt eigentlich lieber auswärts, wo ihn niemand kennt, als müsste er sich schämen dafür, dass er so gerne auf die Tische steigt. Ob für ihn in der Harmonie extra Tische aufgestellt werden? Warten wir es ab! Zwischenzeit könnt Ihr den im März neuen Folker! kaufen und dort nachlesen, was Ihr schon immer über Le Clou wissen wolltet und Euch nie getraut habt zu fragen: Wie die Band enstanden ist, wie sie zu ihrem Namen kam, wer daran Schuld ist, dass sie überhaupt Cajun spielen, denn das war nicht immer so, was die magische Drei bedeutet, warum sie nicht so gerne in Frankreich spielen, was die Cajuns in Louisiana von Le Clou und was die drei Frontmänner von ihrem Publikum halten.
http://www.leclou.com
http://www.bungertshof.de
http://www.folker.de
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Wednesday, February 01, 2006
Konzertrezension: Battlefield Band am 1.2.2006 in der Brotfabrik in Bonn-Beuel
Battlefield Band am 1.2.2006 in der Brotfabrik in Bonn-Beuel
DI dada dideldideldidada DI dada dideldideldidada dadeldideldideldadel DI dada … Ja, ich gebe es zu, so sollte man keine Rezension beginnen, aber ich fand den Opener des Battlefield Band – Konzertes mal wieder so phantastisch, dass er mich nun als Ohrwurm begleitet. Mal wieder? Ja, 1991, also vor 15 Jahren hörte ich die BB zum ersten Mal, damals im Café Hahn in Koblenz, und Iain MacDonald begann damals mit DI dada dada dadadaDAAA di dadada DIII dada dadaDAAA ... auf der Querflöte, ein Stück namens „Farewell my love“, zu högen auf der LP/CD „New Spring“. Diesmal war es Mike Katz, der das mir namentlich nicht bekannte Stück auf der Low Whistle begann, von Anfang an druckvoll begleitet von Sean O’Donnal auf der DADGAD-Gitarre, und dann die Whistle gegen seine Highland Pipe tauschte, besagte Melodie auf selbiger fortsetzte und dann in einen Reel überging. Das fuhr tief in die Nervenbahnen und brachte sie in Wallung!
So ging es weiter, der Spannung wurde keine Chance zum Nachlassen gegeben, auch wenn die Lieder, die mal Sean, mal Alan Reid sang, etwas ruhiger waren. Sie handelten hauptsächlich von Emigration aus Schottland oder auch aus Irland nach Amerika, Australien oder sonst wo hin, unfreiwillig versteht sich, den Wunsch zur Rückkehr immer im Gepäck. Heute geht es Schotten und Iren ja besser, aber weltweit ist das Thema aktuell wie eh und je oder eher noch aktueller als eh und je, worauf Alan hinwies. Sie ist also politisch, die Schlachtfeldbande aus Schottland, daraus machen die Musiker keinen Hehl, verpacken aber ihr politisches Engangement in super gute Musik. Alan begleitete die Songs und Tunes meistens auf dem Keyboard, nur einmal auf einem Akkordeon. Er sang die schottischen, Sean, der aus Nord-Irland stammt, die irischen Lieder, darunter auch „By the hush“, das auch den Namen „The emigrant“ trage, also nun der dritte Name des selben Stücks, das auch als „Paddy’s lamentation“ bekannt ist. Anfangs hatte Sean etwas Probleme mit seiner Stimme, da er „einen Kuli verschluckt“ hatte, aber am Schluss sang er einen Popsong mit Höhen, die männlichen Stimmbändern eigentlich sehr unangenehm sein dürften.
Die Schlachtfeldbande besteht aber aus vier Männern, und Alasdair White von der Isle of Lewis (dem Jubel zufolge war das halbe Publikum schon mal auf dieser letzten schottischen Insel vor Neufundland) bediente zwei Geigen und eine sehr dicke Bouzouki und eimal auch eine Higland Pipe. Wenn er seine Fiddle unisono parallel zu Mikes Highland Pipe spielte, hörte man sie kaum, wenn er aber eine zweite Stimme spielte oder Variationen des Themas oder eben solo, dass fand ich sein Spiel das Faszinierenste des Abends, egal ob bei langsamen oder rasend schnellen Stücken, der Bogen tanzte über die Saiten und verlor dabei so manches Haar. Dabei sind die schottischen Tunes ja meistens etwas härter und kräftiger als die irischen, und wenn er die Taktbetonung im vergleich zur Pipe etwas versetzte, dahinter die Gitarre und das Keyboard, und das zum Beispiel in einem Set, der mit langsamen, dann schneller werdenden Strathpeys begann und in Reels überging, dann vibrierten nicht nur die Gehörknöchelchen, sondern das ganze Publikum. Einige wagten es dann auch zu tanzen, denn es war etwas Platz zwischen der vordersten Stuhlreihe es fast restos besetzten Konzertsaales und der Bühne.
Mike Kamps Artikel über die BB im aktuellen Folker! 01-06 zufolge, war die Battlefield Band die erste, die die Highand Pipe in den 1970ern aus den militärischen Pipes&Drums-Formationen heraus nahm und in die Folkmusik integrierte. Dass dies nicht die ursprüngliche Bestimmung dieses Instruments war, hörte man LAUT UND DEUTLICH. Eines Mikrophons hätte die Pipe nun wirklich nicht mehr bedurft. Und trotzdem passte es, und Mike Katz zeigte, dass man darauf genau so schnell spielen kann, wie man es sonst eher von Uilleann Pipern gewohnt ist.
30 Jahre hat die BB nun schon auf dem Buckel, aber nur Alan ist als Gründungsmitglied noch dabei, so dass ich ihn auch 1991 in Koblenz und 1992 in Sulz am Neckar hörte. Mike Katz hörte ich auch 2000 beim Scottish Folk Festival im Brückenforum, Sean und Alasdair waren mir neu. Und diese Spannung von langer Bandgeschichte und ständiger Erneuerung durch Fluktuation scheint dieser Band nicht schlecht zu bekommen. Auch die Neuen passen sich in den Bandsound hinein, es hört sich auch durch die Jahrzehnte kontinuierlich an, und wirkt doch wie eine junge Band. Ich hatte es ja in Erinnerung, 1991 den Brian MacNeill noch dabei gehört zu haben, aber er verließ die BB schon 1990 wie Mike Kamp es schrieb und Alan Reid es bestätigte. Alan half meinem Gedächtnis nach und da kam es mir, dass ich Brian auch um 1991 herum ebenfalls im Café Hahn zusammen mit Tom McDonagh gehört und die beiden Konzerte in der Erinnerung zusammen geschmissen hatte. Dies war nun auch mein erstes BB-Konzert ohne John McCusker, der fast bei jedem Stück ein anderes Instrument gespielt hatte. Aber wie gesagt, die Fluktuation schadet der Band nicht, sondern es gilt nach wie vor „Forward with Scotland’s Past“.
Eine Rezension der neuen CD „The Road of Tears“ folgt demnächst.
Vielleicht noch das: Brotfabrik-Programmchef Jürgen Becker sagte mir, dass Bonn wohl eine Ausnahmestadt sei, was Folkkonzerte anbelangt. Statt der gewohnten etwa 40 Termine, hatte die Battlefield Band in diesem Jahr nur etwa 20, und hatte z.B. in Köln keinen Auftrittsort gefunden. Aber die Konzerte in der Brotfabrik seien generell gut besucht. Das liegt sicher nicht nur an dem leckeren Baltikabier, das man sich in der Pause an der Theke holen kann, und die gute Akustik und auch, dass man dank der Stufung niemanden so richtig vor der Nase sitzten hat, erklärt es auch nicht alleine. Irgendwie scheinen wir Bonner und Rhein-Sieg-Kreisler ein besonders folkiges Völkchen zu sein. Und das soll auch so bleiben!
http://www.folker.de/200601/02battlefieldband.htm
http://www.battlefieldband.co.uk/
http://www.templerecords.co.uk/
http://www.magnetic-music.de
http://www.brotfabrik-bonn.de/
MAS
DI dada dideldideldidada DI dada dideldideldidada dadeldideldideldadel DI dada … Ja, ich gebe es zu, so sollte man keine Rezension beginnen, aber ich fand den Opener des Battlefield Band – Konzertes mal wieder so phantastisch, dass er mich nun als Ohrwurm begleitet. Mal wieder? Ja, 1991, also vor 15 Jahren hörte ich die BB zum ersten Mal, damals im Café Hahn in Koblenz, und Iain MacDonald begann damals mit DI dada dada dadadaDAAA di dadada DIII dada dadaDAAA ... auf der Querflöte, ein Stück namens „Farewell my love“, zu högen auf der LP/CD „New Spring“. Diesmal war es Mike Katz, der das mir namentlich nicht bekannte Stück auf der Low Whistle begann, von Anfang an druckvoll begleitet von Sean O’Donnal auf der DADGAD-Gitarre, und dann die Whistle gegen seine Highland Pipe tauschte, besagte Melodie auf selbiger fortsetzte und dann in einen Reel überging. Das fuhr tief in die Nervenbahnen und brachte sie in Wallung!
So ging es weiter, der Spannung wurde keine Chance zum Nachlassen gegeben, auch wenn die Lieder, die mal Sean, mal Alan Reid sang, etwas ruhiger waren. Sie handelten hauptsächlich von Emigration aus Schottland oder auch aus Irland nach Amerika, Australien oder sonst wo hin, unfreiwillig versteht sich, den Wunsch zur Rückkehr immer im Gepäck. Heute geht es Schotten und Iren ja besser, aber weltweit ist das Thema aktuell wie eh und je oder eher noch aktueller als eh und je, worauf Alan hinwies. Sie ist also politisch, die Schlachtfeldbande aus Schottland, daraus machen die Musiker keinen Hehl, verpacken aber ihr politisches Engangement in super gute Musik. Alan begleitete die Songs und Tunes meistens auf dem Keyboard, nur einmal auf einem Akkordeon. Er sang die schottischen, Sean, der aus Nord-Irland stammt, die irischen Lieder, darunter auch „By the hush“, das auch den Namen „The emigrant“ trage, also nun der dritte Name des selben Stücks, das auch als „Paddy’s lamentation“ bekannt ist. Anfangs hatte Sean etwas Probleme mit seiner Stimme, da er „einen Kuli verschluckt“ hatte, aber am Schluss sang er einen Popsong mit Höhen, die männlichen Stimmbändern eigentlich sehr unangenehm sein dürften.
Die Schlachtfeldbande besteht aber aus vier Männern, und Alasdair White von der Isle of Lewis (dem Jubel zufolge war das halbe Publikum schon mal auf dieser letzten schottischen Insel vor Neufundland) bediente zwei Geigen und eine sehr dicke Bouzouki und eimal auch eine Higland Pipe. Wenn er seine Fiddle unisono parallel zu Mikes Highland Pipe spielte, hörte man sie kaum, wenn er aber eine zweite Stimme spielte oder Variationen des Themas oder eben solo, dass fand ich sein Spiel das Faszinierenste des Abends, egal ob bei langsamen oder rasend schnellen Stücken, der Bogen tanzte über die Saiten und verlor dabei so manches Haar. Dabei sind die schottischen Tunes ja meistens etwas härter und kräftiger als die irischen, und wenn er die Taktbetonung im vergleich zur Pipe etwas versetzte, dahinter die Gitarre und das Keyboard, und das zum Beispiel in einem Set, der mit langsamen, dann schneller werdenden Strathpeys begann und in Reels überging, dann vibrierten nicht nur die Gehörknöchelchen, sondern das ganze Publikum. Einige wagten es dann auch zu tanzen, denn es war etwas Platz zwischen der vordersten Stuhlreihe es fast restos besetzten Konzertsaales und der Bühne.
Mike Kamps Artikel über die BB im aktuellen Folker! 01-06 zufolge, war die Battlefield Band die erste, die die Highand Pipe in den 1970ern aus den militärischen Pipes&Drums-Formationen heraus nahm und in die Folkmusik integrierte. Dass dies nicht die ursprüngliche Bestimmung dieses Instruments war, hörte man LAUT UND DEUTLICH. Eines Mikrophons hätte die Pipe nun wirklich nicht mehr bedurft. Und trotzdem passte es, und Mike Katz zeigte, dass man darauf genau so schnell spielen kann, wie man es sonst eher von Uilleann Pipern gewohnt ist.
30 Jahre hat die BB nun schon auf dem Buckel, aber nur Alan ist als Gründungsmitglied noch dabei, so dass ich ihn auch 1991 in Koblenz und 1992 in Sulz am Neckar hörte. Mike Katz hörte ich auch 2000 beim Scottish Folk Festival im Brückenforum, Sean und Alasdair waren mir neu. Und diese Spannung von langer Bandgeschichte und ständiger Erneuerung durch Fluktuation scheint dieser Band nicht schlecht zu bekommen. Auch die Neuen passen sich in den Bandsound hinein, es hört sich auch durch die Jahrzehnte kontinuierlich an, und wirkt doch wie eine junge Band. Ich hatte es ja in Erinnerung, 1991 den Brian MacNeill noch dabei gehört zu haben, aber er verließ die BB schon 1990 wie Mike Kamp es schrieb und Alan Reid es bestätigte. Alan half meinem Gedächtnis nach und da kam es mir, dass ich Brian auch um 1991 herum ebenfalls im Café Hahn zusammen mit Tom McDonagh gehört und die beiden Konzerte in der Erinnerung zusammen geschmissen hatte. Dies war nun auch mein erstes BB-Konzert ohne John McCusker, der fast bei jedem Stück ein anderes Instrument gespielt hatte. Aber wie gesagt, die Fluktuation schadet der Band nicht, sondern es gilt nach wie vor „Forward with Scotland’s Past“.
Eine Rezension der neuen CD „The Road of Tears“ folgt demnächst.
Vielleicht noch das: Brotfabrik-Programmchef Jürgen Becker sagte mir, dass Bonn wohl eine Ausnahmestadt sei, was Folkkonzerte anbelangt. Statt der gewohnten etwa 40 Termine, hatte die Battlefield Band in diesem Jahr nur etwa 20, und hatte z.B. in Köln keinen Auftrittsort gefunden. Aber die Konzerte in der Brotfabrik seien generell gut besucht. Das liegt sicher nicht nur an dem leckeren Baltikabier, das man sich in der Pause an der Theke holen kann, und die gute Akustik und auch, dass man dank der Stufung niemanden so richtig vor der Nase sitzten hat, erklärt es auch nicht alleine. Irgendwie scheinen wir Bonner und Rhein-Sieg-Kreisler ein besonders folkiges Völkchen zu sein. Und das soll auch so bleiben!
http://www.folker.de/200601/02battlefieldband.htm
http://www.battlefieldband.co.uk/
http://www.templerecords.co.uk/
http://www.magnetic-music.de
http://www.brotfabrik-bonn.de/
MAS
Saturday, January 28, 2006
Konzertrezension: Lokal Heroes am 28.1.2006 in der Harmonie in Bonn-Endenich
Lokal Heroes am 28.1.2006 in der Harmonie in Bonn-Endenich
Wie schon in der Rezension der neuen CD „Smash the Windows!“ angekündigt, fand am 28. Januar die CD-Releas-Party in der Harmonie statt. Und anders als in besagter Rezension behauptet, sind die Lokal Heroes keineswegs alle, auch nicht fast alle, Hobbymusiker, sondern das trifft nur auf zwei der Stamm- und einen Gastmusiker zu, nämlich auf Christoph Spix (immerhin der Frontsänger), Ralf Wolfgarten und Matthias Höhn. Alle anderen vier Stamm- und auch die zwei zusätzlichen Gastmusiker, die an diesem Abend auf der Bühne waren, verdienen also ihre Brötchen mit Musik, wenn auch nicht hauptsächlich bei den Lokal Heroes. Diese Unterscheidung ist nicht allen Bandmitgliedern gleich wichtig, aber ich möchte es korrekterweise doch nicht auf meiner Fehrleinschätzung beruhen lassen, und fordere alle Musiker auf, meine Rezensionen ihrer CDs und Konzerte kritisch zu lesen und mir Sachfehler mitzuteilen.
Die Plakate der Lokal Heroes, mit denen sie für das Konzert warben, enthielten noch die Stilbezeichnung „Irish Folk Rock“, doch hat die Änderung ihres Repertoires und ihrer Spielweise, auf das ich schon in früheren Rezensionen aufmersksam gemacht habe, nun auch ihren Niederschlag auf der Homepage gefunden: „Scandic-Celtic-Funky-Folk“. So wundert es nicht, dass das erste Stück des Abends „Music for a found Harmonium“ und auch das letzte vor der Zugabe „Üxi Kaksi“ dem skandinavisch inspirierten Repertoire entstammten. Und doch bilden die von Christoph rau und markant gesungenen irischen Songs in Pogues- und Dubliners-Manier die Basis, auf der alles andere aufbaut. Mike Haarman unterlegte die meisten Stücke mit seinem Schlagzeug unüberhörbar, Christoph spielte sein gefundenes Akkordeon, Kristap Grasis diverse Zupfinstrumente von Madoline und Ukulele bis E-Gitarre, Wendel Biskup seinen E-Bass, Liene Séjáne ihre Querflöte, als Gastmusiker waren Matthias Höhn mit diversen Flöten, Dudelsack und Akkordeon, Leons Séjáns mit Gitarre und Inga Meijere mit einem Saxophon dabei, aber – aufmerksame Leser werden es schon gemerkt haben – Hobby- und Stammmusiker Ralf Wolfgarten fehlte leider krankheitsbedingt. Das machte sich besonders bei dem „Flook Salad“ bemerkbar, als Liene alleine flötete und ihr der Flötenpartner fehlte. Sie bekam das schon hin, und die anderen waren ja nicht untätig, aber Flook nur mit Querflöte und ohne Tin Whistle ist eben nicht ganz vollständig. Nichtsdestotrotz groovte es ganz gewaltig, funkig, soulig, jazzig, vor allem wegen der rhythmischen Spielweise Lienes, Kristaps und Wendels. Kristaps meinte später, man dürfe natürlich nicht zu viel auf einmal ändern, sonst hänge man die Fans ab, und Ralf meinte noch später am Telefon, Christophs irsche und schottische Lieder bildeten das Rückrat, und er werde auch weiterhin englisch singen und sich nicht mit skandinavischen Sprachen versuchen, denn das sei schon mal in die Hose gegangen, und auch inselkeltische Tunes, also Reel, Jigs, Polkas usw. werden ebenso noch ausgebaut wie Stücke von rund um die Ostsee, aus der Bretagne und aus Galizien. Ich kann nur wiederholen, was ich bei der CD-Rezi geschrieben habe: Unsere Bonner Lokahelden haben sich in den letzten Jahren nach und nach mit Geduld, Hartnäckigkeit, Disziplin und vor allem unbändiger Spielfreude einen eigenen, unverwechselbaren Bandsound erarbeitet. Den Abschluss der Zugabe bildete wie eh und je – was sonst? - „Molly Malone“.
Der Saal der Harmonie war gut gefüllt. Leider gab es zu wenige Abstellmögliochkeiten für Gläser, und einmal kurz verlassene Stehplätze an den in die Wände eingebauten Glasabstellbänken wurden, eh man sich versah, von anderen Gästen eingenommen, und man konnte mit dem Glas in der Hand nicht mehr klatschen. Man tinkt dann schneller leer, aber ein neues Guinness zu holen müsste sich man durch die wippende, hüpfende und völlige begeisterte Menge zur Seitentheke kämpfen, da es an der Haupttheke keines gab. Nun, so trank man dann doch wieder weniger.
Am St. Patricks Day, also am 17.3.2006 werden sie im Bungertshof spielen, hoffentlich wieder mit Ralf dabei! Da dort weniger Leute rein passen als in die Harmonie, sollte man rechtzeitig reservieren.
http://www.lokalheroes.de/
http://www.harmonie-bonn.de
Frühere Lokal Heroes Rezensionen von mir:
http://folktreff-bonn-rhein-sieg-rezensionen.blogspot.com/2000_12_01_folktreff-bonn-rhein-sieg-rezensionen_archive.html
http://folktreff-bonn-rhein-sieg-rezensionen.blogspot.com/2004_02_01_folktreff-bonn-rhein-sieg-rezensionen_archive.html
http://folktreff-bonn-rhein-sieg-rezensionen.blogspot.com/2005_01_01_folktreff-bonn-rhein-sieg-rezensionen_archive.html
http://folktreff-bonn-rhein-sieg-rezensionen.blogspot.com/2006_01_01_folktreff-bonn-rhein-sieg-rezensionen_archive.html
MAS
Wie schon in der Rezension der neuen CD „Smash the Windows!“ angekündigt, fand am 28. Januar die CD-Releas-Party in der Harmonie statt. Und anders als in besagter Rezension behauptet, sind die Lokal Heroes keineswegs alle, auch nicht fast alle, Hobbymusiker, sondern das trifft nur auf zwei der Stamm- und einen Gastmusiker zu, nämlich auf Christoph Spix (immerhin der Frontsänger), Ralf Wolfgarten und Matthias Höhn. Alle anderen vier Stamm- und auch die zwei zusätzlichen Gastmusiker, die an diesem Abend auf der Bühne waren, verdienen also ihre Brötchen mit Musik, wenn auch nicht hauptsächlich bei den Lokal Heroes. Diese Unterscheidung ist nicht allen Bandmitgliedern gleich wichtig, aber ich möchte es korrekterweise doch nicht auf meiner Fehrleinschätzung beruhen lassen, und fordere alle Musiker auf, meine Rezensionen ihrer CDs und Konzerte kritisch zu lesen und mir Sachfehler mitzuteilen.
Die Plakate der Lokal Heroes, mit denen sie für das Konzert warben, enthielten noch die Stilbezeichnung „Irish Folk Rock“, doch hat die Änderung ihres Repertoires und ihrer Spielweise, auf das ich schon in früheren Rezensionen aufmersksam gemacht habe, nun auch ihren Niederschlag auf der Homepage gefunden: „Scandic-Celtic-Funky-Folk“. So wundert es nicht, dass das erste Stück des Abends „Music for a found Harmonium“ und auch das letzte vor der Zugabe „Üxi Kaksi“ dem skandinavisch inspirierten Repertoire entstammten. Und doch bilden die von Christoph rau und markant gesungenen irischen Songs in Pogues- und Dubliners-Manier die Basis, auf der alles andere aufbaut. Mike Haarman unterlegte die meisten Stücke mit seinem Schlagzeug unüberhörbar, Christoph spielte sein gefundenes Akkordeon, Kristap Grasis diverse Zupfinstrumente von Madoline und Ukulele bis E-Gitarre, Wendel Biskup seinen E-Bass, Liene Séjáne ihre Querflöte, als Gastmusiker waren Matthias Höhn mit diversen Flöten, Dudelsack und Akkordeon, Leons Séjáns mit Gitarre und Inga Meijere mit einem Saxophon dabei, aber – aufmerksame Leser werden es schon gemerkt haben – Hobby- und Stammmusiker Ralf Wolfgarten fehlte leider krankheitsbedingt. Das machte sich besonders bei dem „Flook Salad“ bemerkbar, als Liene alleine flötete und ihr der Flötenpartner fehlte. Sie bekam das schon hin, und die anderen waren ja nicht untätig, aber Flook nur mit Querflöte und ohne Tin Whistle ist eben nicht ganz vollständig. Nichtsdestotrotz groovte es ganz gewaltig, funkig, soulig, jazzig, vor allem wegen der rhythmischen Spielweise Lienes, Kristaps und Wendels. Kristaps meinte später, man dürfe natürlich nicht zu viel auf einmal ändern, sonst hänge man die Fans ab, und Ralf meinte noch später am Telefon, Christophs irsche und schottische Lieder bildeten das Rückrat, und er werde auch weiterhin englisch singen und sich nicht mit skandinavischen Sprachen versuchen, denn das sei schon mal in die Hose gegangen, und auch inselkeltische Tunes, also Reel, Jigs, Polkas usw. werden ebenso noch ausgebaut wie Stücke von rund um die Ostsee, aus der Bretagne und aus Galizien. Ich kann nur wiederholen, was ich bei der CD-Rezi geschrieben habe: Unsere Bonner Lokahelden haben sich in den letzten Jahren nach und nach mit Geduld, Hartnäckigkeit, Disziplin und vor allem unbändiger Spielfreude einen eigenen, unverwechselbaren Bandsound erarbeitet. Den Abschluss der Zugabe bildete wie eh und je – was sonst? - „Molly Malone“.
Der Saal der Harmonie war gut gefüllt. Leider gab es zu wenige Abstellmögliochkeiten für Gläser, und einmal kurz verlassene Stehplätze an den in die Wände eingebauten Glasabstellbänken wurden, eh man sich versah, von anderen Gästen eingenommen, und man konnte mit dem Glas in der Hand nicht mehr klatschen. Man tinkt dann schneller leer, aber ein neues Guinness zu holen müsste sich man durch die wippende, hüpfende und völlige begeisterte Menge zur Seitentheke kämpfen, da es an der Haupttheke keines gab. Nun, so trank man dann doch wieder weniger.
Am St. Patricks Day, also am 17.3.2006 werden sie im Bungertshof spielen, hoffentlich wieder mit Ralf dabei! Da dort weniger Leute rein passen als in die Harmonie, sollte man rechtzeitig reservieren.
http://www.lokalheroes.de/
http://www.harmonie-bonn.de
Frühere Lokal Heroes Rezensionen von mir:
http://folktreff-bonn-rhein-sieg-rezensionen.blogspot.com/2000_12_01_folktreff-bonn-rhein-sieg-rezensionen_archive.html
http://folktreff-bonn-rhein-sieg-rezensionen.blogspot.com/2004_02_01_folktreff-bonn-rhein-sieg-rezensionen_archive.html
http://folktreff-bonn-rhein-sieg-rezensionen.blogspot.com/2005_01_01_folktreff-bonn-rhein-sieg-rezensionen_archive.html
http://folktreff-bonn-rhein-sieg-rezensionen.blogspot.com/2006_01_01_folktreff-bonn-rhein-sieg-rezensionen_archive.html
MAS
Thursday, January 26, 2006
CD-Rezension: Lokal Heroes. Smash the Windows.
Lokal Heroes. Smash the Windows.
Eigenverlag 2005 mit englischen Infos und Texten, sowie Fotos
12 Tracks, 49,42 Minuten
Der Reihenfolge des Eingangs nach, müssten zwei andere CDs noch vorher besprochen werden, aber da ja am Samstag der offizielle CD-Release in der Harmonie sein wird und Ralf Wolfgarten (Tin & Low Whistle, Vocals) kürzlich die CD-Werbung rund schickte, will ich diese Scheibe vorziehen.
Unsere Bonner Lokalhelden haben diesen Silberling in Lettland eingespielt, denn wie bestimmt einige wissen, stammen Kristaps Grasis (Vocals, E & A-Guitars, Mandolin, Ukulele und Saz) und Liene Sêjâne (Flute, Piccolo Flute, Overtone Flute und Vocals) aus eben diesem baltischen Land und haben dort Verbindungen. Wer die Lokal Heroes kennt und ihre Entwicklung in den letzten Jahren verfolgt hat, wird nicht sehr überrascht sein, den harten und rauhen Folk-Rock-Gesang Christophs Spix (Leas Vocals, Akkordeon), das eine oder andere skandinavische Stück umrahmt von vielen irischen und schottischen, sowie eine sich immer weiter in den Vordergund schiebende funkige Spielweise vorzufinden. Da wird „The Rocky Road to Dublin“ zum Sprechgesang, da werden die Songmelodien von Tanztunes unterbrochen und ergänzt, da haut Mike Haarmann mal kräftiger, mal weicher auf seine Drums und Perrcussions. Überrascht, na zumindest etwas, war ich aber, im Inhaltsverzeichnis ein Stück namens „Flook Salad“ zu entdecken. Das spielte ich auch gleich als erstes an, und tatsächlich, es ist ein Set aus drei Tunes der berühmten Formation Flook, natürlich, und das zu lesen wird niemandem weh tun, nicht ganz so flookig wie Flook selbst, aber durchaus hörenswert. Nun, Ralf war ja auch in der Brotfabrik als Flook dort spielte, und der Besuch hat sich gelohnt. Man merkt es also, die Lokal Heroes entfernen sich immer mehr vom Klischee der „Pogues von überall“ und entwickeln mehr und mehr einen eigenen und unverwechselbaren Bandsound, und das obwohl sie fast alle Hobbymusiker sind. Gratulation!
Noch nicht erwähnt aber mit von der Party sind auf dieser Scheibe Wendel Biskup (Bass), der zur Stammbesetzung gehört, und als lettische Gastmusiker Reinis Sêjâns (Tablas & Frogs), Juris Kulakovs (melodica, Accordeon), Leon Sêjâns (Acousic Guitar) und als ehemals Stamm-, aber schon seit Jahren gern gehörter deutscher Gastmusiker Matthias Höhn (Gadulka, Bagbipes, Recorder, Kaval). Ja, ich habe die englischen Instrumentbezeichnungen von dem durch und durch englischsprachigen mit meisterhaften Fotos versehenen Booklet übernommen.
Klar, diese Rezension hört sich an wie eine Werbung für Freunde. Aber ich meine es ehrlich!
Für Veranstalter gibt es übrigens auch eine Demo-DVD mit fünf Stücken darauf.
http://www.lokalheroes.de
MAS
Eigenverlag 2005 mit englischen Infos und Texten, sowie Fotos
12 Tracks, 49,42 Minuten
Der Reihenfolge des Eingangs nach, müssten zwei andere CDs noch vorher besprochen werden, aber da ja am Samstag der offizielle CD-Release in der Harmonie sein wird und Ralf Wolfgarten (Tin & Low Whistle, Vocals) kürzlich die CD-Werbung rund schickte, will ich diese Scheibe vorziehen.
Unsere Bonner Lokalhelden haben diesen Silberling in Lettland eingespielt, denn wie bestimmt einige wissen, stammen Kristaps Grasis (Vocals, E & A-Guitars, Mandolin, Ukulele und Saz) und Liene Sêjâne (Flute, Piccolo Flute, Overtone Flute und Vocals) aus eben diesem baltischen Land und haben dort Verbindungen. Wer die Lokal Heroes kennt und ihre Entwicklung in den letzten Jahren verfolgt hat, wird nicht sehr überrascht sein, den harten und rauhen Folk-Rock-Gesang Christophs Spix (Leas Vocals, Akkordeon), das eine oder andere skandinavische Stück umrahmt von vielen irischen und schottischen, sowie eine sich immer weiter in den Vordergund schiebende funkige Spielweise vorzufinden. Da wird „The Rocky Road to Dublin“ zum Sprechgesang, da werden die Songmelodien von Tanztunes unterbrochen und ergänzt, da haut Mike Haarmann mal kräftiger, mal weicher auf seine Drums und Perrcussions. Überrascht, na zumindest etwas, war ich aber, im Inhaltsverzeichnis ein Stück namens „Flook Salad“ zu entdecken. Das spielte ich auch gleich als erstes an, und tatsächlich, es ist ein Set aus drei Tunes der berühmten Formation Flook, natürlich, und das zu lesen wird niemandem weh tun, nicht ganz so flookig wie Flook selbst, aber durchaus hörenswert. Nun, Ralf war ja auch in der Brotfabrik als Flook dort spielte, und der Besuch hat sich gelohnt. Man merkt es also, die Lokal Heroes entfernen sich immer mehr vom Klischee der „Pogues von überall“ und entwickeln mehr und mehr einen eigenen und unverwechselbaren Bandsound, und das obwohl sie fast alle Hobbymusiker sind. Gratulation!
Noch nicht erwähnt aber mit von der Party sind auf dieser Scheibe Wendel Biskup (Bass), der zur Stammbesetzung gehört, und als lettische Gastmusiker Reinis Sêjâns (Tablas & Frogs), Juris Kulakovs (melodica, Accordeon), Leon Sêjâns (Acousic Guitar) und als ehemals Stamm-, aber schon seit Jahren gern gehörter deutscher Gastmusiker Matthias Höhn (Gadulka, Bagbipes, Recorder, Kaval). Ja, ich habe die englischen Instrumentbezeichnungen von dem durch und durch englischsprachigen mit meisterhaften Fotos versehenen Booklet übernommen.
Klar, diese Rezension hört sich an wie eine Werbung für Freunde. Aber ich meine es ehrlich!
Für Veranstalter gibt es übrigens auch eine Demo-DVD mit fünf Stücken darauf.
http://www.lokalheroes.de
MAS
Saturday, January 21, 2006
Konzertrezension: „Klang der Kulturen“ auf dem Symposium des Annemarie Schimmel-Forums am 21.01.2006 im Haus der Evangelischen Kirche in Bonn
„Klang der Kulturen“ auf dem Symposium des Annemarie Schimmel-Forums am 21.01.2006 im Haus der Evangelischen Kirche in Bonn
Das soll nur eine kurze Bemerkung sein. Im Rahmen des Internationalen Symposiums „Islamisches Denken im Wandel und die Europäische Aufklärung“ des Annemarie Scuimmel-Forums gab es nicht nur Vorträge und Diskussionen, sondern auch ein kleines Konzert. Ich weiß es gerade nicht mehr ganz genau, aber ca. zehn Musiker aus dem Iran und der Türkei spielten auf Rahmentrommeln, anderen Trommeln, einem mit namentlich unbekannten Zupfinstrument, dessen Klangkörper aus zwei kürbisähnlichen Teilen bestand, einer Gitarre, einer Geige und der berühmten Flöte Ney klassische Musik aus eben diesen Ländern, mit Texten des berühmten Sufis Dschalaledin Rumi auf persisch, deutsch und auch englisch. Wenn man diese Musik hört, weiß man, wo die europäische mittelalterliche Musik ihre Inspiration her hatte. Die Gitarrenspielerin aber spielte Eigenkompistionen, die muslimische Texte mit einer klezmer- und gospelbeeinflussten Musik begleitete. Und der blinde Geiger bediente auch mal ein Klavier. Da ich diese Musik zwar mag, aber in ihr nicht so sehr zu Hause bin wie in der irischen und deutschen, lasse ich es mit diesem Textlein mal gut sein.
MAS
Das soll nur eine kurze Bemerkung sein. Im Rahmen des Internationalen Symposiums „Islamisches Denken im Wandel und die Europäische Aufklärung“ des Annemarie Scuimmel-Forums gab es nicht nur Vorträge und Diskussionen, sondern auch ein kleines Konzert. Ich weiß es gerade nicht mehr ganz genau, aber ca. zehn Musiker aus dem Iran und der Türkei spielten auf Rahmentrommeln, anderen Trommeln, einem mit namentlich unbekannten Zupfinstrument, dessen Klangkörper aus zwei kürbisähnlichen Teilen bestand, einer Gitarre, einer Geige und der berühmten Flöte Ney klassische Musik aus eben diesen Ländern, mit Texten des berühmten Sufis Dschalaledin Rumi auf persisch, deutsch und auch englisch. Wenn man diese Musik hört, weiß man, wo die europäische mittelalterliche Musik ihre Inspiration her hatte. Die Gitarrenspielerin aber spielte Eigenkompistionen, die muslimische Texte mit einer klezmer- und gospelbeeinflussten Musik begleitete. Und der blinde Geiger bediente auch mal ein Klavier. Da ich diese Musik zwar mag, aber in ihr nicht so sehr zu Hause bin wie in der irischen und deutschen, lasse ich es mit diesem Textlein mal gut sein.
MAS
Friday, January 20, 2006
Konzertrezension: Dán am 20.01.2006 im Bungertshof in Königswinter-Oberdollendorf
Dán am 20.01.2006 im Bungertshof in Königswinter-Oberdollendorf
Als ich erfuhr, dass Dán am 20. Januar im Bungertshof auftreten sollte, war ich traurig darüber, den Abend schon anders verplant zu haben. Mein Zug aus Würzburg sollte nämlich erst um 19.42 Uhr in Bonn ankommen, und da ich seit Dienstag ein Journalistenseminar besucht hatte, zu dem mich der Folker! geschickt hatte, wohl damit die Redaktion nicht mehr so viel Arbeit mit meinen Texten hat, wollte ich den Abend dann gemütlich zu Hause mit Petra verbringen, zumal ich am Samstag und Sonntag wieder auf eine Tagung wollte. Die Dozentin des besagten Seminars hätte mir diesen viel zu langen Satz vermutlich um die Ohren gehauen, aber dies ist ja auch keine Nachricht auf der Titelseite einer Tageszeitung, sondern eine Rezension in einem E-Post-Rundbrief, und da er laube ich mir einen etwas anderen Stil.
Nun habe ich aber eine sehr verständnisvolle Frau, und sie sagte, wenn mir das Konzert so wichtig sei, dann solle ich da ruhig hingehen. Und warum war es mir so wichtig? Nun, zwei der Musiker, nämlich Joergen W. Lang und Johannes Mayr, sind alte Freunde von mir. Mit ihnen und einigen anderen hatte ich 1991/92 meine ersten Session-Erlebnisse im Boulanger in Tübingen, und sehr oft sah und hörte ich die beiden seit dem nicht. Joergen war 2004 beim 3. Bonner Irish Folk Festival dabei mit seiner anderen Band Laundry List, Johannes, der ja jetzt im Westerwald wohnt, durfte ich auch ein paar mal mit Lynch the Box, Mensch Mayr oder Jostal hören, aber Dán kannte ich bisher nur aus dem Internet. So schmiss ich also meinen Koffer in die Wohung und startete durch zum Bungertshof.
Glücklicherweise hatten sie trotz meiner Verspätung gerade erst angefangen. Der Doppelsaal stand dem Konzert nur zur Hälfte zur Verfügung, da es generell recht spät angekündigt war und nicht mehr genug Leute erreicht werden konnten, mal abgesehen davon dass der Januar als der Monat der Versicherungs- und Abonnementrechnungen bei vielen eh nicht mehr viel Geld für Konzertbesuche übrig lassen dürfte. Soweit mein Präludium, aber ich will ja auch von der Musik erzählen.
Fetzige Reels waren das erste, was ich vernahm. Joergen mit seiner auf DADGAD gestimmten Gitarre (Joergen bat mich, nicht zu erwähnen, dass ... und das tue ich auch nicht), Johannes auf seinem riesigen Akkordeon (mein Platznachbar meinte: „Der Jackie Daly Deutschlands!“) und zwischen den beiden Franziska Urton, die ich noch nicht gekannt hatte, auf der Fiddle. Die Reels, Polkas und anderen schnellen Tunes steigerten sich im Laufe des Konzerts zu einer Komplexität und einem Variantenreichtum, die und der nicht nur mir bisweilen einen Schauer durch den Körper schickte. Franziska spiele einen recht harten und sehr punktierten Stil, der auch die kleinste der zahlreichen Verzierungen haargenau auf den Punkt brachte. Wenn ich nicht befürchten würde, ein schon von andern Schreibern benutztes Wortspiel zu benutzen, würde ich jetzt eines mit ihrem Nachnamen machen. Zwischendurch sang Joergen mit seiner expressiven Stimme Lieder aus Irland und Schottland, die die andern beiden bisweilen im Hintergrund begleiteten und die vom Auswandern, von der Liebe, vom Krieg und von den Vorteilen einer Frau, die einen guten Tee bereiten kann, handelten. Franzi meinte auf erdverbunden Münsterländisch dazu: „Schönheit vergeht, Hektar besteht.“ Und dann gab es auch langsame Tunes, wirklich traumhaft, mal die Geige in der ersten, das Akkordeon in der zweiten Stimme, dann umgekehrt, dann beide parallel, so dass kein Blatt mehr dazwischen passte. Einige der Melodien passten indes nicht in die pure irisch-schottische Stimmung, sondern waren von hier und da kontinentaleuropäisch beeinflust, so zum Beispiel das Stück mit dem ungarischen Titel “Nem Üzemel“, auf deutsch „Nicht benutzen“, zu dem es eine lustige Geschichte gibt, bei der ich aber empfehle, sie sich von Joergen persönlich erzählen zu lassen. Mir kam beim Hören des balkanischen Rhythmuses, den ich ja eh mag, sofort die Assoziation „Hölderlin Express“, die Independet-Folk-Band, die Joergen und Johannes dereinst mitbegründet haben und die derzeit eine hoffentlich kreative Pause einlegt. Und tatsächlich las ich dann im CD-Büchlein, dass das Stück aus der gemeinsamen HöEx-Zeit stammt. Äußerst hörenswert! Joergen spielte zwischendurch auch mal Lowwhistles und Johannes seinen noch riesigeren Kontrabass und sogar mal Klavier. Man mag sich einen mit dem gezupften Bass jazzig begleiteten Reel vorstellen, wenn man kann. Nun genug der Musikbeschreibung, denn etwas muss ich ja auch noch für die CD-Rezension in der Hinterhand behalten.
Mehr oder weniger nahtlos ging das Konzert in eine Session über, der sich außer den drei Abendsternen (das kommt dabei hereaus, wenn man „stars of the evening“ eindeutschen will) dreizehn andere Musiker aus Bonn und Umgebung zugesellten, darunter auch meine Wenigkeit. Auch dabei war Till, den ich auch schon in Tübingen kennen gelernt hatte, und der seine schon damals atemberaubende Whistleakrobatik noch weiter ausgebaut hatte. Er lebt jetzt in Köln und bat mich, nicht zu erwähnen, dass es auch dort ... ja, richtig, ich schweige wie ein Grab. Aber Johannes wollte durchaus eine Sache der Öffentlichkeit nicht vorenthalten, nämlich dass er im Gegensatz zu dem, was eine Überschrift eines Artikels über ihn in einer Westerwälder Tageszeitung suggiert, nicht deshalb irische Musik mache, weil er Irland so sehr liebe, sondern weil diese Musik sein Lebensgefühl ausdrücke. Ich denke, das geht nicht nur ihm so, sondern z.B. auch ... mir. Im Gegensatz zu den meisten anderen hatte ich aber nicht nur Mühe, sondern es war nicht selten unmöglich, bei den schnellen und variationsreichen Tunes mitzuhalten. Nun, ich besuche auch viel zu selten Sessions, aber umso mehr genoss ich diese bis um ca. 2 Uhr nur noch die Häfte der Musiker da waren, und ich mich auch im Angsicht eines Seminars mit wenig Schlaf hinter und zweier vortragsreicher Symposiumstage vor mir zurückzog, nicht ohne Stolz, dass ein kleines Stücklein, das ich mir erdachte, gut angekommen war.
Besonders muss ich an dieser Stelle auch mal die Kellner loben, die sich erstens nicht aufdrängten, wenn das Glas leer war, aber schnell da waren, wenn man was wollte, und deren einer sich zweitens um 2 Uhr einfach dazu setzte und die Musik genoss. So müssen Kellner von Musikkneipen sein!
Die nächste mir bekannte Gelegenheit, Dán life zu hören, gibt es am 16.03.2006 im Buergerhaus Gieleroth bei Altenkirchen im Westerwald.
http://www.danmusic.de/
http://www.bungertshof.de
MAS
Als ich erfuhr, dass Dán am 20. Januar im Bungertshof auftreten sollte, war ich traurig darüber, den Abend schon anders verplant zu haben. Mein Zug aus Würzburg sollte nämlich erst um 19.42 Uhr in Bonn ankommen, und da ich seit Dienstag ein Journalistenseminar besucht hatte, zu dem mich der Folker! geschickt hatte, wohl damit die Redaktion nicht mehr so viel Arbeit mit meinen Texten hat, wollte ich den Abend dann gemütlich zu Hause mit Petra verbringen, zumal ich am Samstag und Sonntag wieder auf eine Tagung wollte. Die Dozentin des besagten Seminars hätte mir diesen viel zu langen Satz vermutlich um die Ohren gehauen, aber dies ist ja auch keine Nachricht auf der Titelseite einer Tageszeitung, sondern eine Rezension in einem E-Post-Rundbrief, und da er laube ich mir einen etwas anderen Stil.
Nun habe ich aber eine sehr verständnisvolle Frau, und sie sagte, wenn mir das Konzert so wichtig sei, dann solle ich da ruhig hingehen. Und warum war es mir so wichtig? Nun, zwei der Musiker, nämlich Joergen W. Lang und Johannes Mayr, sind alte Freunde von mir. Mit ihnen und einigen anderen hatte ich 1991/92 meine ersten Session-Erlebnisse im Boulanger in Tübingen, und sehr oft sah und hörte ich die beiden seit dem nicht. Joergen war 2004 beim 3. Bonner Irish Folk Festival dabei mit seiner anderen Band Laundry List, Johannes, der ja jetzt im Westerwald wohnt, durfte ich auch ein paar mal mit Lynch the Box, Mensch Mayr oder Jostal hören, aber Dán kannte ich bisher nur aus dem Internet. So schmiss ich also meinen Koffer in die Wohung und startete durch zum Bungertshof.
Glücklicherweise hatten sie trotz meiner Verspätung gerade erst angefangen. Der Doppelsaal stand dem Konzert nur zur Hälfte zur Verfügung, da es generell recht spät angekündigt war und nicht mehr genug Leute erreicht werden konnten, mal abgesehen davon dass der Januar als der Monat der Versicherungs- und Abonnementrechnungen bei vielen eh nicht mehr viel Geld für Konzertbesuche übrig lassen dürfte. Soweit mein Präludium, aber ich will ja auch von der Musik erzählen.
Fetzige Reels waren das erste, was ich vernahm. Joergen mit seiner auf DADGAD gestimmten Gitarre (Joergen bat mich, nicht zu erwähnen, dass ... und das tue ich auch nicht), Johannes auf seinem riesigen Akkordeon (mein Platznachbar meinte: „Der Jackie Daly Deutschlands!“) und zwischen den beiden Franziska Urton, die ich noch nicht gekannt hatte, auf der Fiddle. Die Reels, Polkas und anderen schnellen Tunes steigerten sich im Laufe des Konzerts zu einer Komplexität und einem Variantenreichtum, die und der nicht nur mir bisweilen einen Schauer durch den Körper schickte. Franziska spiele einen recht harten und sehr punktierten Stil, der auch die kleinste der zahlreichen Verzierungen haargenau auf den Punkt brachte. Wenn ich nicht befürchten würde, ein schon von andern Schreibern benutztes Wortspiel zu benutzen, würde ich jetzt eines mit ihrem Nachnamen machen. Zwischendurch sang Joergen mit seiner expressiven Stimme Lieder aus Irland und Schottland, die die andern beiden bisweilen im Hintergrund begleiteten und die vom Auswandern, von der Liebe, vom Krieg und von den Vorteilen einer Frau, die einen guten Tee bereiten kann, handelten. Franzi meinte auf erdverbunden Münsterländisch dazu: „Schönheit vergeht, Hektar besteht.“ Und dann gab es auch langsame Tunes, wirklich traumhaft, mal die Geige in der ersten, das Akkordeon in der zweiten Stimme, dann umgekehrt, dann beide parallel, so dass kein Blatt mehr dazwischen passte. Einige der Melodien passten indes nicht in die pure irisch-schottische Stimmung, sondern waren von hier und da kontinentaleuropäisch beeinflust, so zum Beispiel das Stück mit dem ungarischen Titel “Nem Üzemel“, auf deutsch „Nicht benutzen“, zu dem es eine lustige Geschichte gibt, bei der ich aber empfehle, sie sich von Joergen persönlich erzählen zu lassen. Mir kam beim Hören des balkanischen Rhythmuses, den ich ja eh mag, sofort die Assoziation „Hölderlin Express“, die Independet-Folk-Band, die Joergen und Johannes dereinst mitbegründet haben und die derzeit eine hoffentlich kreative Pause einlegt. Und tatsächlich las ich dann im CD-Büchlein, dass das Stück aus der gemeinsamen HöEx-Zeit stammt. Äußerst hörenswert! Joergen spielte zwischendurch auch mal Lowwhistles und Johannes seinen noch riesigeren Kontrabass und sogar mal Klavier. Man mag sich einen mit dem gezupften Bass jazzig begleiteten Reel vorstellen, wenn man kann. Nun genug der Musikbeschreibung, denn etwas muss ich ja auch noch für die CD-Rezension in der Hinterhand behalten.
Mehr oder weniger nahtlos ging das Konzert in eine Session über, der sich außer den drei Abendsternen (das kommt dabei hereaus, wenn man „stars of the evening“ eindeutschen will) dreizehn andere Musiker aus Bonn und Umgebung zugesellten, darunter auch meine Wenigkeit. Auch dabei war Till, den ich auch schon in Tübingen kennen gelernt hatte, und der seine schon damals atemberaubende Whistleakrobatik noch weiter ausgebaut hatte. Er lebt jetzt in Köln und bat mich, nicht zu erwähnen, dass es auch dort ... ja, richtig, ich schweige wie ein Grab. Aber Johannes wollte durchaus eine Sache der Öffentlichkeit nicht vorenthalten, nämlich dass er im Gegensatz zu dem, was eine Überschrift eines Artikels über ihn in einer Westerwälder Tageszeitung suggiert, nicht deshalb irische Musik mache, weil er Irland so sehr liebe, sondern weil diese Musik sein Lebensgefühl ausdrücke. Ich denke, das geht nicht nur ihm so, sondern z.B. auch ... mir. Im Gegensatz zu den meisten anderen hatte ich aber nicht nur Mühe, sondern es war nicht selten unmöglich, bei den schnellen und variationsreichen Tunes mitzuhalten. Nun, ich besuche auch viel zu selten Sessions, aber umso mehr genoss ich diese bis um ca. 2 Uhr nur noch die Häfte der Musiker da waren, und ich mich auch im Angsicht eines Seminars mit wenig Schlaf hinter und zweier vortragsreicher Symposiumstage vor mir zurückzog, nicht ohne Stolz, dass ein kleines Stücklein, das ich mir erdachte, gut angekommen war.
Besonders muss ich an dieser Stelle auch mal die Kellner loben, die sich erstens nicht aufdrängten, wenn das Glas leer war, aber schnell da waren, wenn man was wollte, und deren einer sich zweitens um 2 Uhr einfach dazu setzte und die Musik genoss. So müssen Kellner von Musikkneipen sein!
Die nächste mir bekannte Gelegenheit, Dán life zu hören, gibt es am 16.03.2006 im Buergerhaus Gieleroth bei Altenkirchen im Westerwald.
http://www.danmusic.de/
http://www.bungertshof.de
MAS
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