Capercaillie am 30.6.2007 auf dem Marktplatz in Bonn
Innovativer schottischer Folk beim Bonner Sommer
Der Bonner Sommer, die Freiluftkonzertreihe, die uns die Bundesstadt Bonn jeden Sommer umsonst und draußen präsentiert, steht in diesem Jahr unter keltischen Vorzeichen. Am letzten Freitag schon spielte die bretonische Folk Rock-Band Red Cardell, die ich aber nicht hören konnte, weil ich zeitgleich bei den Tannahill Weavers im Bungertshof war. Meine Kommilitonin Yolande indes war ganz begeistert von der Mischung aus traditionellen bretonischen und modernen rockigen Elementen von deren Musik und lamentiert nur etwas, dass das Bonner Publikum so gar nicht dazu zu bewegen gewesen sei, auf bretonische Weise zu tanzen, abgesehen von ganz am Schluss des Konzertes. Nun ja, aber das ist doch normal.
Nun zu Capercaillie musste ich aber hin. Doch bevor ich von diesem Konzert berichte, mache ich einen kleinen subjektiven Rückblick in das Jahr 1992. Da hörte ich nämlich Capercailllie zum ersten Mal, und zwar auf dem Irish Folk Festival in der Schwabenlandhalle in Fellbach. Und schon damals gefielen sie mir ausgezeichnet. Noch ein halbes Jahr vorher, im März 1992 hörte ich im Rahmen des St. Patrick’s Day Celebration Festival in der Mensa der Tübinger Uni die in Liverpool ansässige Irish Folk Rock-Band Toss the Feathers. Auch die gefiel mir sehr gut, obgleich ihre Musik ganz anders war, rockiger, härter. Unter den Musikern viel mir aber einer auf, der sein Instrument, die Querflöte, besonders virtuos beherrschte. Ich wusste nicht, wer das war, überhaupt merke ich mir Namen von Bandmitgliedern nicht so leicht, sondern muss die häufig wieder nachlesen, doch bei diesem ist es was anderes, sein Name ist für mich (und nicht nur für mich) ein Markenzeichen innovativer keltischer Flötenmusik geworden: Michael McGoldrick, in Manchaster geborener Ire, Mitbegründer von Flook und seit Ende der 1990er Mitglied bei Capercaillie.
Nun zum Konzert: Der Marktplatz war voller Leute. Einige hatten sich rechtzeitig, also so gegen19 Uhr, an Tischen der Restaurant nieder gelassen, so auch einige unserer Bonner Folkies, wie Näx und Nicole, Margret, Michael Heuser, Mattes, Ralf Wolfgarten, Sabrina, aber die meisten standen, so auch Till Storz, Manuel, Karsten, Ralf Wackers, Winni. Margret war sogar extra aus Ostfriesland, wo sie zu einer Familienfeier war, rechtzeitig zurück gekopmmen, um Capercaillie hören zu können. Ralf stand hinterm Mischpult in Platzmitte und schickte mir ein paar Bemerkungen, die Ihr unten lesen könnt.
Auf der Bühne tat sich ab 20 Uhr auch was. Von links nach rechts aus Zuschauerperspektive standen und saßen dort Ewen Vernal (Bass), dahinter Che Beresford (Drums), dann wieder vorne Karen Matheson (Gesang), Charlie McKerron (Fiddle), Michael McGoldrick (Querflöte, Low Whistle, Uilleann Pipes), Donald Shaw (Keyboard, Akkordeon), Manus Lunny (Bouzouki, Gitarre) und recht hinten in der Ecke, David Chimp Robertson (Percussion; Bodhrán), der aus Petras und meiner Perspektive, die wir neben dem China-Restaurant an der Hauswand standen, leider durch einen Bühnendachtragepfeiler verdeckt. Sie spielten den für sie typischen, modernen, etwas poppigen, leicht jazzigen, ganz leicht rockigen und doch immer folkigen Folk, hauptsächlich schottisch, aber auch mal irisch, und natürlich mit allerlei Einflussen aus genannten anderen Musikrichtungen und auch vom Balkan. Das war ein sehr voller Sound, ein großenteils wiegender und keineswegs hektischer Rhythmus, der vom Schlagzeug merklich, aber unaufdringlich angetrieben wurde. Viele Folkies mögen ja keine Schlagzeuge, so meinte auch Margret, das hätte man ruhig weg lassen können, während meine Kommilitonin Yolande meinte, der Schlagzeuger hätte ruhig noch ein bisschen mehr Einsatz zeigen können. Wie war das mit den Geschmäckern? Meines Erachtens passte es sehr gut zu der Musik von Capercaillie, und unterstützte sehr angenehm den manchmal funkigen Stil von Bass und Gitarre. Karen sang mit markanter, doch schön femininer Stimme. Fiddle, Flute und Akkordeon zeigten, das man Jigs und Reels nicht im Affenzahn herunter spielen muss und diese trotzdem schnell und mitreißend klingen können. Fiddle und Akkordeon brachten auch mal ein wenig Cajun-Stimmung hinein, und Fiddle im Zusamenspiel mit den Uilleann Pipes klangen zwischendurch mal bluegrassig, obgleich die Pipes ja kein Bluegrassinstument ist (oder sind? „Pipes“ ist ja Plural). Ja, da sind wir ja schon beim Michael McGoldrick. Sein Pipesspiel erinnerte mich in seiner jazzig-poppigen Art an Davy Spillane, sein Flute- und Whistlespiel an ... Michael McGoldrick. Ja, gut, das Flutespiel auch mal Ian Andersson, aber wer ist hier der Meister? Michael hat einfach einen ganz eigenen Stil, den zu beschreiben meine Kenntnis übersteigt: mal traditionell irisch, mal funkig, mal jazzig, mal balkanisch und das alles in einer Mischung, die ein Ganzes bildet. Nicht umsonst ist er Vorbild für viele Flöter und Whistler. Ich fragte Margret, die doch sonst die zu modernen und balkanischen Einfluss in der irischen und schottischen Musik nicht so schätzt, warum ihr dieses Konzert so wichtig gewesen sei. Antwort: Michael McGoldrick. Nach meiner Einschätzung hat sich die Band seit 1992 extrem weiter entwickelt, aber so genau sind meine Erinerungen an damals auch wieder nicht. Zweieinhalb Stunden und zwei Zugaben vergingen viiieeel zu schnell!!!
Wie oben erwähnt stand Ralf Wackers hinterm Mischpult und schickte mir ein paar Bemerkungen zu, die ich hier als Gastbeitrag hinzufügen darf:
Capercaillie waren schon klasse, auch wenn sicher viele das Schlagzeug verflucht haben, waren Schlagzeuger und Bassist exakt aufeinander abgestimmt und haben einen tollen Teppich für den Rest der Band gelegt.
Ich stand hinter dem Mixer. Berufsbedingt guckt man natürlich was die Kollegen so machen. Er fummelte mir zu viel in die Stücke rein, so dass sie sich nach dem Start noch teilweise hart veränderten. Instrumente drehte er zu spät auf, oder vergas sie einfach. Und mir war die Bassdrum zu laut, so dass die Folkinstrumente etwas untergingen. Ausserdem zerrte sie im Kick. Die Snare kam größtenteils nur von der Monitoranlage. Irgendwann hat er es dann doch gemerkt und den Mute `rausgedrückt. Irgendwie hatte ich das Gefühl, er verliert teilweise die Übersicht. Dem Mixer der Verleihfirma ging es wohl sichtlich ähnlich wie mir, aber er sagte nichts. Der Kunde ist eben König!
Und zur Erklärung lieferte Ralf noch nach:
Die "Mute"-taste schaltet einen Kanalzug aus und damit das Mikrofon für das Publikum stumm, lässt aber den Monitorweg bestehen. Das passiert jedem mal (auch mir), dass man den vergisst wieder einzuschalten. Dafür haben die meistem Mischpulte eine große rote Lampe
an der Taste. Die Snare rasselt gerne, wenn sie nicht gebraucht wird, weswegen er sie wohl weggedrückt hat.
Soweit Ralf, mit einer Expertise, die ich nicht hätte liefern können.
Capercaillie:
http://www.capercaillie.co.uk
http://de.wikipedia.org/wiki/Capercaillie
Bonner Sommer:
http://www.bonn.de/tourismus_kultur_sport_freizeit/bonn_ist_kultur/bonner_sommer/?lang=de
MusicContact, Rainer Zellner
http://www.musiccontact.de
Und hier zur Erinnerung die nächsten keltischen Bonner Sommer-Termine:
Urban Trad am 14. Juli, 20 Uhr Marktplatz
Trans-European sound adventure
http://www.urbantrad.com/
http://de.wikipedia.org/wiki/Urban_Trad
http://www.folker.de/200603/20urbantrad.htm
Beoga am 4. August, 20 Uhr Marktplatz
New Folk Wizards
http://www.beogamusic.com
Und vgl. auch meine Rezi:
The Irish Folk Festival – Tunes for Tara Tour am 15.11.2005 in der Philharmonie in Köln
http://folktreff-bonn-rhein-sieg-rezensionen.blogspot.com/2005/11/konzertrezension-irish-folk-festival.html bzw. http://tinyurl.com/bvnoeKeltische Nacht – Oidhche na Gàidhlig des Deutschen Zentrums für gälische Sprache und Kultur am 11. August, 20 Uhr Marktplatz
http://www.schottisch-gaelisch.de
Vgl. auch Punkt I.8. unten, denn das dürfte mehr oder weniger identisch sein
Tri Yann am 8. September, 20 Uhr, Marktplatz
http://de.wikipedia.org/wiki/Tri_Yann
http://www.folker.de/9806/triyann.htm
MAS
Rezensionsseite von http://www.bonn.folk.welt.musik.de.vu --- Inhaltsverzeichnis ganz unten!
Saturday, June 30, 2007
Konzertrezension: Capercaillie am 30.6.2007 auf dem Marktplatz in Bonn
Sunday, June 24, 2007
Konzertrezension: Solas am 24.6.2007 in der evangelischen Kirche in Höhr-Grenzhausen
Solas am 24.6.2007 in der evangelischen Kirche in Höhr-Grenzhausen
Urbaner amerikanisch-irischer Rhythm & Reel in Westerwälder Dorfkirche
Dieses Konzert besuchte ich im Auftrag des Folker!, allerdings nicht wegen Solas, sondern um den Veranstalter Uli Schmidt über die Kleinkunstbühne Mons Tabor e.V. und die Veranstaltungsreihe „Musik in alten Dorfkrichen“ zu interviewen. Über diesen Zusammenhang verliere ich hier also kein weiteres Wort sondern vertröste Interessenten auf meinen Heimspiel-Artikel, den ich für den Folker! 05.07 noch schreiben werde. Ich sollte einfach ein Konzert der Reihe besuchen, und ich wähle Solas.
Solas hörte ich nun zum dritten Mal, nach ihren IFF-Aufrtitten 2004 und 2005 nun aber erstmals ein ganzen Konszert von ihnen, mit Pause gut 2 ½ Stunden full power. Und das in einer Kirche, die in ihren 800 Jahren wohl schon so manches erlebt hat, und auch nach diesem Konzet sichtlich unbeeindruckt stehen blieb. Ich indes bin nicht aus Stein und Holz, und mich beeindruckte es tief. Die Kirche war rappelvoll, aber Uli hatte Petra und mir Plätze reserviert und mich sogar offiziell als Vertreter von Deutschlands wichtigster Folk-Zeitschrift begrüßt. Uih, da kam ich mir aber vor ...
Im Altarraum bauten sich die fünf Musiker(innen) auf, aus Zuschauerperspektive von links nach rechts: Seamus Egan aus Pennsylvania (Querflöte, Tenorbanjo, Mandoline, Gitarre, Low Whistle), Mick McAuley aus Irland (Akkordeon, Low Whislte, Gesang), Deidre Scanlan auch aus Irland (Hauptsängerin, Fiddle), Winifred Horan aus New York (Fiddle, Gesang) und Eamon McElholm wiederum aus Irland (Gitarren, Keyboardm Gesang). Full power war von Anfang an angesagt: ein grooviges, teibendes Liebeslied auf Gälisch, gefolgt von einem Reelset. So ging das weiter, schnell, sehr schnell, noch schneller, ungemein rhythmisch und das ganz ohne Percussion, so rhythmisch, dass die Melodien manchmal nicht so richtig durchkamen, was aber auch an der immensen Lautstärke lag, die mir nichts ausmachte (Petra meint manchmal, ich sei schwerhörig), über die ein paar Leute in der Pasue aber lamentierten. Rhythm & Reel, wenn es den Begriff nicht schon gäbe, müsste er für Solas erfunden werden. Richard Schubert schreibt im CrossRoots-Lexikon außerdem auch was von Celtic Swing und Newgrass. Ja, das passt. Aufbauend auf traditioneller Spielweise wurde es ungemein jazzig, urban, newyorkerisch, aber das war nicht aufgesetzt, sondern kam aus der Mitte heraus. Die beiden Seiten des Nordatlantiks begrüßten sich und tanzten miteinander, vom Empire State Building wehte die orange-weiß-grüne Flagge mit 50 Sternen um eine Harfe herum oder viel mehr um Akkordeon, Banjo und Fiddle. Es gabe auch ruhige Stücke, Instrumentals und Lieder, bei einem solchen, dass ein wenig osteuropäisch anmutete – also nicht balkanisch, sondern eher russisch – war Fiddlerin Winifred selbst so gerührt, dass sie dem Publikum versichern musste, dass sie ansonsten ganz fröhlich drauf sei und es ihr gut gehe. Ein anderes Stück basierte auf Erlebnissen in einem Amsterdamer Coffee-Shop und klang französisch-musette-mäßig. Ja, der Balkan war auch vertreten, ganz klar, aber eingebettet in irische Tunes, ganz organisch, wie selbstverständlich. Standing ovations am Schluss, drei Zugaben wurden ihnen abverlangt. Sie sagten, das sei von allen Deutschlandtourneen, die sie bislang gemacht hatten, ihr schönstes Wochenende gewesen, am Freitag waren sie in Bad Rappenau beim Folk im Schlosshof, und nun in einer alten Westerwälder Kirche. Und das sagt eine Band, die sonst in riesigen Hallen spielt, wie in Chicago, wo sie ihren nächsten Gig haben. Mick hatte übrigens Geburtstag. Petra übrigens auch, Und so konnte ich die beiden Geburtstagskinder mal zusammen ablichten.
Was Uli mir dann im Interview erzählte, wie gesagt, davon berichte ich im Folker! 05.07. erhältlich im gut Sortierten Zeitschriftenhandel im Septmeber 2007 oder abonnierbar.
Ah doch, eine bat mich Uli zu erwähnen: Die Kreissparkasse Westerwald unterstützt die Konzertreihe großzügig und zuverlässig, dafür das im Gegenzug Werbing für sie gemacht wird.
Solas:
http://www.solasmusic.com/
Kleinkunstbühne Mons Tabor, Region Montabour:
http://www.kleinkunst-mons-tabor.de
Magnetic Music, Petr Pandula:
http://www.magnetic-music.com/
Folk im Schlosshof 2007:
http://www.folkig.de/news/news.php3#wn56
http://www.folk-im-schlosshof.de/index.htm?partner.htm
Hier zur Erinnerung die nächsten Termine der Musik in alten Dorfkirchen:
Kal am 22.7.2007 in Neuhäusel
http://www.asphalt-tango.de/kal/artist.html
http://www.musicballkan.com/kal.htm
Urs Karpatz am 5.8.2007 in Selters
http://www.urskarpatz.com/
Cantos del Pueblo am 23.9.2007 in Nordhofen
http://www.cantosdelpueblo.com/
MAS
Urbaner amerikanisch-irischer Rhythm & Reel in Westerwälder Dorfkirche
Dieses Konzert besuchte ich im Auftrag des Folker!, allerdings nicht wegen Solas, sondern um den Veranstalter Uli Schmidt über die Kleinkunstbühne Mons Tabor e.V. und die Veranstaltungsreihe „Musik in alten Dorfkrichen“ zu interviewen. Über diesen Zusammenhang verliere ich hier also kein weiteres Wort sondern vertröste Interessenten auf meinen Heimspiel-Artikel, den ich für den Folker! 05.07 noch schreiben werde. Ich sollte einfach ein Konzert der Reihe besuchen, und ich wähle Solas.
Solas hörte ich nun zum dritten Mal, nach ihren IFF-Aufrtitten 2004 und 2005 nun aber erstmals ein ganzen Konszert von ihnen, mit Pause gut 2 ½ Stunden full power. Und das in einer Kirche, die in ihren 800 Jahren wohl schon so manches erlebt hat, und auch nach diesem Konzet sichtlich unbeeindruckt stehen blieb. Ich indes bin nicht aus Stein und Holz, und mich beeindruckte es tief. Die Kirche war rappelvoll, aber Uli hatte Petra und mir Plätze reserviert und mich sogar offiziell als Vertreter von Deutschlands wichtigster Folk-Zeitschrift begrüßt. Uih, da kam ich mir aber vor ...
Im Altarraum bauten sich die fünf Musiker(innen) auf, aus Zuschauerperspektive von links nach rechts: Seamus Egan aus Pennsylvania (Querflöte, Tenorbanjo, Mandoline, Gitarre, Low Whistle), Mick McAuley aus Irland (Akkordeon, Low Whislte, Gesang), Deidre Scanlan auch aus Irland (Hauptsängerin, Fiddle), Winifred Horan aus New York (Fiddle, Gesang) und Eamon McElholm wiederum aus Irland (Gitarren, Keyboardm Gesang). Full power war von Anfang an angesagt: ein grooviges, teibendes Liebeslied auf Gälisch, gefolgt von einem Reelset. So ging das weiter, schnell, sehr schnell, noch schneller, ungemein rhythmisch und das ganz ohne Percussion, so rhythmisch, dass die Melodien manchmal nicht so richtig durchkamen, was aber auch an der immensen Lautstärke lag, die mir nichts ausmachte (Petra meint manchmal, ich sei schwerhörig), über die ein paar Leute in der Pasue aber lamentierten. Rhythm & Reel, wenn es den Begriff nicht schon gäbe, müsste er für Solas erfunden werden. Richard Schubert schreibt im CrossRoots-Lexikon außerdem auch was von Celtic Swing und Newgrass. Ja, das passt. Aufbauend auf traditioneller Spielweise wurde es ungemein jazzig, urban, newyorkerisch, aber das war nicht aufgesetzt, sondern kam aus der Mitte heraus. Die beiden Seiten des Nordatlantiks begrüßten sich und tanzten miteinander, vom Empire State Building wehte die orange-weiß-grüne Flagge mit 50 Sternen um eine Harfe herum oder viel mehr um Akkordeon, Banjo und Fiddle. Es gabe auch ruhige Stücke, Instrumentals und Lieder, bei einem solchen, dass ein wenig osteuropäisch anmutete – also nicht balkanisch, sondern eher russisch – war Fiddlerin Winifred selbst so gerührt, dass sie dem Publikum versichern musste, dass sie ansonsten ganz fröhlich drauf sei und es ihr gut gehe. Ein anderes Stück basierte auf Erlebnissen in einem Amsterdamer Coffee-Shop und klang französisch-musette-mäßig. Ja, der Balkan war auch vertreten, ganz klar, aber eingebettet in irische Tunes, ganz organisch, wie selbstverständlich. Standing ovations am Schluss, drei Zugaben wurden ihnen abverlangt. Sie sagten, das sei von allen Deutschlandtourneen, die sie bislang gemacht hatten, ihr schönstes Wochenende gewesen, am Freitag waren sie in Bad Rappenau beim Folk im Schlosshof, und nun in einer alten Westerwälder Kirche. Und das sagt eine Band, die sonst in riesigen Hallen spielt, wie in Chicago, wo sie ihren nächsten Gig haben. Mick hatte übrigens Geburtstag. Petra übrigens auch, Und so konnte ich die beiden Geburtstagskinder mal zusammen ablichten.
Was Uli mir dann im Interview erzählte, wie gesagt, davon berichte ich im Folker! 05.07. erhältlich im gut Sortierten Zeitschriftenhandel im Septmeber 2007 oder abonnierbar.
Ah doch, eine bat mich Uli zu erwähnen: Die Kreissparkasse Westerwald unterstützt die Konzertreihe großzügig und zuverlässig, dafür das im Gegenzug Werbing für sie gemacht wird.
Solas:
http://www.solasmusic.com/
Kleinkunstbühne Mons Tabor, Region Montabour:
http://www.kleinkunst-mons-tabor.de
Magnetic Music, Petr Pandula:
http://www.magnetic-music.com/
Folk im Schlosshof 2007:
http://www.folkig.de/news/news.php3#wn56
http://www.folk-im-schlosshof.de/index.htm?partner.htm
Hier zur Erinnerung die nächsten Termine der Musik in alten Dorfkirchen:
Kal am 22.7.2007 in Neuhäusel
http://www.asphalt-tango.de/kal/artist.html
http://www.musicballkan.com/kal.htm
Urs Karpatz am 5.8.2007 in Selters
http://www.urskarpatz.com/
Cantos del Pueblo am 23.9.2007 in Nordhofen
http://www.cantosdelpueblo.com/
MAS
Friday, June 22, 2007
Konzertrezensionen: Tannahill Weavers am 22.6.2007 im Bungertshof in Königswinter-Oberdollendorf
Tannahill Weavers am 22.6.2007 im Bungertshof in Königswinter-Oberdollendorf
Schottlands härteste Folkband lässt den Bungertshof beben
Nun ja, zumindest kenne ich keine schottische Folkband, die härter spielt, aber eines nach dem anderen: Wenn ich es richtig zusamenzähle, hörte ich sie sein Anfang der 1990er nun zum vierten Mal. Da hätte ich ja eigentlich auch Red Cardell auf dem Marktplatz hören können, die, wie mit meine Kommilitonin Yolande berichtete, auch ein mitreißendes bretonisches Konzert boten. Aber ich hatte im Bungertshof schon zugesagt, dass ich komme, und so ging ich auch dahin.
Dort standen dann aus zuschauerperspektive von links nach rechts John Martin (Fiddle, Bassgesang), Phil Smillie (Querflöte, Tin Whistle, Bodhrán, Harmoniegesang), Roy Gullane (Gesang, Gitarre, Gitouki (so nenne ich mal das eine Instrument, das halb wie eine Gitarre und halb wie eine Bouzouki aussah)), Leslie Wilson (Gitarre, Bouzouki, Keyboards, Gesang) und Colin Melville (Highland Bagipe). Und direkt bei den ersten beiden Stücken zeigten sie ihre zwei Stärken: schnelle pipelastige Tunes und mehrstimmiger Gesang, und das alles auf eine harte, druckvolle, mitreißende, laute, ja gerade zu matialische Weise, so als wollten sie gleich die blaue Flagge mit dem weißen Andreaskreuz hissen und damit über die Hügel stürmen, um die Engländer oder sonst wen das Fürchten zu lehren. Trotz seines zur Fklagge passenden Vornamens ergriff ein Andreas im Publikum auch sogleich die Flucht in der Pause. Ihm war es einfach zu laut, zu songlastig und zu hart. Mir gefiel es, ich wäre sonst auch kaum zum vierten Mal zu einem Tannie-Konzert gegangen. „The Standard On The Braes O’Mar / Haughs O’Cromdale” ist so ein Song aus kriegerischen Zeiten, der mich einfach immer wieder überwältigt. Unsere Bonner Lokal Heroes haben ihn auch im Repertoire, aber ich finde, den bringt niemand so gut wie die Tannahill Weavers. Oder Roys Leadgesang begleitet vom Harmoniegesang von Phil und Leslie, auch bei langsameren Stücken, „a kind of love songs“, einfach phänomenal! Oder auch Highland Pipe und Tin Whistle im Duett, letztere dabei natürlich durch ein Mikro verstärkt, erstere nicht: da sind die Highlands so weit und melancholisch, Moorhühner steigen auf, Wolkenfetzen lassen ab und zu einen Blick auf die kahlen Gipfel der Monroes zu. So schottisch können wohl doch nur echte Schotten klingen, auch wenn Roy in Groningen wohnt, in den Niederlanden, und Leslie gar in England. Letzterer spricht auch gut deutsch – und kann so auch diese Rezi lesen – und sagt, seine Frau habe fest gestellt, dass die Männer ihres Wohnortes – der, wo der Glasgower Flughafen liegt – früher sehr hässlich gewesen seien, was die Männer heute mit ihnen gemeisam hätten, was er kommentierte: „Nun, damit muss ich leben. Und sie auch.“ Phil, bei dem mir eine komische Bewegung von Zeige- und Mittelfinger der rechten Hand aufgefallen waren, da diese bei der Tin Whistle dort Löcher zuzuhalten schienen, wo die linke Hand zuständig war, zeigte mir dann einen Trick: Tippt man mit besagten zwei Fingern ganz schnell auf Mittel- und Ringfinger der linken Hand, so dass diese ganz kurz das zweit- und drittoberste Loch der Whistle schließen, kommt ein kurzer Triller zusande, den man mit der linken Hand alleine so nicht hinkriegen würde. Na, man lernt doch nie aus, das muss ich mal üben.
Eigentlich hätte ich einen Whisky bestellen sollen, aber so klischeehaft muss man ja auch nicht sein, obwohl bei dem Wetter ... (Ja, ich habe mir jetzt, da ich dies schreibe, einen eingeschenkt, einen Loch Lomond Single Malt – leicht nach Apfel, etwas zitronig, leicht rauchig, fruchtig, recht mild dabei, vor allem im Abgang auch leicht süßlich.) Aber ich kann Euch endlich verraten, wo denn das Höfe-Bräu gebraut wird, das sie im Bungertshof seit ein paar Monaten neu im Ausschank haben, nämlich in Herborn in der Bären-Brauerei, wo ja auch die obergärigen Biere von Steffens seit über einem Jahr gebraut werden. Frau Jansen, die Wirtin hatte es mir neulich mal erklärt, dass das eine Sonderanfertigung sei für ein paar Restaurants hier in der Umgebung, so auch den Margaretenhof auf der Margaretenhöhe im Siebengebirge, wo ich sie auch traf und fragen konnte. Leider aber haben sie das Weizen wieder aus dem Verkehr genommen, da es zu sehr geschäumt habe. So halte ich mich an Kölsch oder Export, und kann das auch für das nächste Mal dem Leslie empfehlen, der meinte, in Jever Fun sei doch gar kein Fun drin. Na, ich hoffe doch, dass es ein nächstes Mal gibt, denn die Tannies höre ich mir auch gerne zum fünften Mal an.
Tannahill Weavers:
http://www.tannahillweavers.com/
Bungertshof:
http://www.bungertshof.de/
MAS
Schottlands härteste Folkband lässt den Bungertshof beben
Nun ja, zumindest kenne ich keine schottische Folkband, die härter spielt, aber eines nach dem anderen: Wenn ich es richtig zusamenzähle, hörte ich sie sein Anfang der 1990er nun zum vierten Mal. Da hätte ich ja eigentlich auch Red Cardell auf dem Marktplatz hören können, die, wie mit meine Kommilitonin Yolande berichtete, auch ein mitreißendes bretonisches Konzert boten. Aber ich hatte im Bungertshof schon zugesagt, dass ich komme, und so ging ich auch dahin.
Dort standen dann aus zuschauerperspektive von links nach rechts John Martin (Fiddle, Bassgesang), Phil Smillie (Querflöte, Tin Whistle, Bodhrán, Harmoniegesang), Roy Gullane (Gesang, Gitarre, Gitouki (so nenne ich mal das eine Instrument, das halb wie eine Gitarre und halb wie eine Bouzouki aussah)), Leslie Wilson (Gitarre, Bouzouki, Keyboards, Gesang) und Colin Melville (Highland Bagipe). Und direkt bei den ersten beiden Stücken zeigten sie ihre zwei Stärken: schnelle pipelastige Tunes und mehrstimmiger Gesang, und das alles auf eine harte, druckvolle, mitreißende, laute, ja gerade zu matialische Weise, so als wollten sie gleich die blaue Flagge mit dem weißen Andreaskreuz hissen und damit über die Hügel stürmen, um die Engländer oder sonst wen das Fürchten zu lehren. Trotz seines zur Fklagge passenden Vornamens ergriff ein Andreas im Publikum auch sogleich die Flucht in der Pause. Ihm war es einfach zu laut, zu songlastig und zu hart. Mir gefiel es, ich wäre sonst auch kaum zum vierten Mal zu einem Tannie-Konzert gegangen. „The Standard On The Braes O’Mar / Haughs O’Cromdale” ist so ein Song aus kriegerischen Zeiten, der mich einfach immer wieder überwältigt. Unsere Bonner Lokal Heroes haben ihn auch im Repertoire, aber ich finde, den bringt niemand so gut wie die Tannahill Weavers. Oder Roys Leadgesang begleitet vom Harmoniegesang von Phil und Leslie, auch bei langsameren Stücken, „a kind of love songs“, einfach phänomenal! Oder auch Highland Pipe und Tin Whistle im Duett, letztere dabei natürlich durch ein Mikro verstärkt, erstere nicht: da sind die Highlands so weit und melancholisch, Moorhühner steigen auf, Wolkenfetzen lassen ab und zu einen Blick auf die kahlen Gipfel der Monroes zu. So schottisch können wohl doch nur echte Schotten klingen, auch wenn Roy in Groningen wohnt, in den Niederlanden, und Leslie gar in England. Letzterer spricht auch gut deutsch – und kann so auch diese Rezi lesen – und sagt, seine Frau habe fest gestellt, dass die Männer ihres Wohnortes – der, wo der Glasgower Flughafen liegt – früher sehr hässlich gewesen seien, was die Männer heute mit ihnen gemeisam hätten, was er kommentierte: „Nun, damit muss ich leben. Und sie auch.“ Phil, bei dem mir eine komische Bewegung von Zeige- und Mittelfinger der rechten Hand aufgefallen waren, da diese bei der Tin Whistle dort Löcher zuzuhalten schienen, wo die linke Hand zuständig war, zeigte mir dann einen Trick: Tippt man mit besagten zwei Fingern ganz schnell auf Mittel- und Ringfinger der linken Hand, so dass diese ganz kurz das zweit- und drittoberste Loch der Whistle schließen, kommt ein kurzer Triller zusande, den man mit der linken Hand alleine so nicht hinkriegen würde. Na, man lernt doch nie aus, das muss ich mal üben.
Eigentlich hätte ich einen Whisky bestellen sollen, aber so klischeehaft muss man ja auch nicht sein, obwohl bei dem Wetter ... (Ja, ich habe mir jetzt, da ich dies schreibe, einen eingeschenkt, einen Loch Lomond Single Malt – leicht nach Apfel, etwas zitronig, leicht rauchig, fruchtig, recht mild dabei, vor allem im Abgang auch leicht süßlich.) Aber ich kann Euch endlich verraten, wo denn das Höfe-Bräu gebraut wird, das sie im Bungertshof seit ein paar Monaten neu im Ausschank haben, nämlich in Herborn in der Bären-Brauerei, wo ja auch die obergärigen Biere von Steffens seit über einem Jahr gebraut werden. Frau Jansen, die Wirtin hatte es mir neulich mal erklärt, dass das eine Sonderanfertigung sei für ein paar Restaurants hier in der Umgebung, so auch den Margaretenhof auf der Margaretenhöhe im Siebengebirge, wo ich sie auch traf und fragen konnte. Leider aber haben sie das Weizen wieder aus dem Verkehr genommen, da es zu sehr geschäumt habe. So halte ich mich an Kölsch oder Export, und kann das auch für das nächste Mal dem Leslie empfehlen, der meinte, in Jever Fun sei doch gar kein Fun drin. Na, ich hoffe doch, dass es ein nächstes Mal gibt, denn die Tannies höre ich mir auch gerne zum fünften Mal an.
Tannahill Weavers:
http://www.tannahillweavers.com/
Bungertshof:
http://www.bungertshof.de/
MAS
CD-Rezension: Tom Bombadil Folkband. dans mon village
Tom Bombadil Folkband. dans mon village
Leiselaut 2007 http://www.leislaut.de/; http://www.tombombadilband.de/
13 Tracks, 49:53, mit deutschen Infos, Fotos und Zeichnungen
Rheinhessisch-französische Bordun-Tanzmusik
Wie ich an diese CD kam, das erzähle ich gerne bei einem Bierchen. Das ist recht kompliziert, und ich gehe hier lieber gleich in media res.
Roihesse war bekanntlich, wie der gesamte linksrheinische Bereich, von Zeit zu Zeit französisch besetzt, verwaltet, regiert oder wie auch immer. Das ist aber mindestens so 50 Jahre her, dass das das letzte Mal der Fall war, und eigentlich spielt das hier auch keine sonderliche Rolle, denn wir waren ja auch noch nie irisch bestzt und trotzdem spielen und lieben viele von uns die irische Musik. Und Tom Bombadil lebt ja bekanntlich auch nicht in Frankreich sondern in Mittelerde.
Der Titel der CD „dans mon village“ ist schon mal ein hübsches Wortspiel. Heißt es nun „in meinem Dorf“ oder „tanz mein Dorf“? Das Cover zeigt Dorfhäuser in Form einer Drehleier, eines Akkordeons, einer Gitarre und einer Sackpfeife die irgendwie schlumpfig anmuten. Der Inhalt – der CD, nicht der Häuser, aber vielleicht auch das – besteht aus fünf Liedern und acht Instrumentalstücken, großenteils in französischer Balfolk-, und bretonischer Fest Noz-, zum Teil aber auch in deutscher Volkstanztradition: Schottische, Walzer, Ridées, Polkas und Bourées und Lieder in rheinhessischer Mundart, einer Unterart des Rheinfränkischen, und eines auf Französisch. Die Idee, diese Traditionen zusammen zu bringen finde ich besonders schön. Sie ist nicht neu, sondern wird von vielen Balfolk- und Bordunbands praktiziert, ist also gewissermaßen typisch für die Szene. Gerade die Verwendung der rheinhessischen Mundart lässt die Musik der Tom Bombadill Folkband aber noch ein bisschen bodenständiger und in der Region verwurzelter erscheinen. Und trotzdem musste die Band die Erfahrung machen, auf die auch Harald Schmidt mal aufmerksam machte, als er sagte, man solle sich als Fernsehschauspieler nie eine Mundartrolle geben lassen, denn die werde nie ernst genommen. Im CD-Büchlein steht zum Lied „Frederike“: „Dieses schöne und traurige Lied haben wir in Hanns von der Aus Sammlung „Hessische Volkstänze“ gefunden. Bei unseren Konzerten lachen die Leute oft bei den ersten Strophen – vielleicht, weil Mundartlieder immer erst mal für lustig gehalten werden.“ Gut, dass sie sich diesem Problem stellen und der Mundart wie jeder Sprache das gesamte Spektrum menschlicher Themen zutrauen. Und zu diesem Spektrum gehören dann natürlich auch lustige Lieder, wie das über „Weck, Worscht und Woi“.
Die Musik selber ist tanzbar und rhythmisch auch ohne viel Percussion, was auch für die Lieder gilt. Zum Nurhören fehlt es hier und da etwas an Abwechlung bei den Arrangements, die mir doch ein weing zu brav vorkommen. Themen werden bei der Widerholung so gespielt wie im ersten Durchgang, da würde ich mir etwas mehr Variation wünschen. Auch könnte für meinen Geschmack die Drehleier etwas lauter und durchdringender sein und mehr schnarren. Es gibt aber auch wirklich schöne zweistimmige Passagen von Drehleier und Akkordeon. Es ist also für meine Bedürfnisse keine ganz hervorragende, aber doch eine sehr schöne CD. Besonders freue ich mich darüber, dass da „Allons en Bois“ mit drauf ist, ein Schottischer, den ich oft und gerne von Elke Rogge in Tübingen gehört habe und bislang auf keiner CD hatte.
Wer spielt und singt nun mit: Lothar Schwab (Drehleier, Concertina, Mandoline, Gesang), Klaus Ebling (Diatonisches Akkordeon, Piano-Akkodeon, Gesang), Rudi Winkler (Dudelsäcke, Flöten, Bodhrán, Löffel, Gesang), Friedrich Vollrath (Gitarren, Bouzouki, Gesang) und als Gäste Nils Nolte (Holzquerflöte) und Frederick Schwamb (Recken).
Trackliste:
1. Allons en Bois, Varg Timmens, Bosse Nordins
2. Scottish du Marronnier, Gasdebois, Mominette
3. Frederike
4. La Belle Jardinière, La Mal Aimable
5. Ridées
6. Madeleine, Polka Champeix
7. Suite Plinn
8. Rosenstock
9. Valse Clog
10. Bourrées
11. Weck, Worscht un Woi
12. La Boite à Frissons
13. Wingertsweiber
Einige der Bandmiglieder spielen auch bei Goo Birds Flight mit.
Vgl. http://www.folker.de/200703/rezi-d.htm#06 bzw.
http://folktreff-bonn-rhein-sieg-rezensionen.blogspot.com/2007/05/cd-rezensionen-im-folker-0307.html
MAS
Leiselaut 2007 http://www.leislaut.de/; http://www.tombombadilband.de/
13 Tracks, 49:53, mit deutschen Infos, Fotos und Zeichnungen
Rheinhessisch-französische Bordun-Tanzmusik
Wie ich an diese CD kam, das erzähle ich gerne bei einem Bierchen. Das ist recht kompliziert, und ich gehe hier lieber gleich in media res.
Roihesse war bekanntlich, wie der gesamte linksrheinische Bereich, von Zeit zu Zeit französisch besetzt, verwaltet, regiert oder wie auch immer. Das ist aber mindestens so 50 Jahre her, dass das das letzte Mal der Fall war, und eigentlich spielt das hier auch keine sonderliche Rolle, denn wir waren ja auch noch nie irisch bestzt und trotzdem spielen und lieben viele von uns die irische Musik. Und Tom Bombadil lebt ja bekanntlich auch nicht in Frankreich sondern in Mittelerde.
Der Titel der CD „dans mon village“ ist schon mal ein hübsches Wortspiel. Heißt es nun „in meinem Dorf“ oder „tanz mein Dorf“? Das Cover zeigt Dorfhäuser in Form einer Drehleier, eines Akkordeons, einer Gitarre und einer Sackpfeife die irgendwie schlumpfig anmuten. Der Inhalt – der CD, nicht der Häuser, aber vielleicht auch das – besteht aus fünf Liedern und acht Instrumentalstücken, großenteils in französischer Balfolk-, und bretonischer Fest Noz-, zum Teil aber auch in deutscher Volkstanztradition: Schottische, Walzer, Ridées, Polkas und Bourées und Lieder in rheinhessischer Mundart, einer Unterart des Rheinfränkischen, und eines auf Französisch. Die Idee, diese Traditionen zusammen zu bringen finde ich besonders schön. Sie ist nicht neu, sondern wird von vielen Balfolk- und Bordunbands praktiziert, ist also gewissermaßen typisch für die Szene. Gerade die Verwendung der rheinhessischen Mundart lässt die Musik der Tom Bombadill Folkband aber noch ein bisschen bodenständiger und in der Region verwurzelter erscheinen. Und trotzdem musste die Band die Erfahrung machen, auf die auch Harald Schmidt mal aufmerksam machte, als er sagte, man solle sich als Fernsehschauspieler nie eine Mundartrolle geben lassen, denn die werde nie ernst genommen. Im CD-Büchlein steht zum Lied „Frederike“: „Dieses schöne und traurige Lied haben wir in Hanns von der Aus Sammlung „Hessische Volkstänze“ gefunden. Bei unseren Konzerten lachen die Leute oft bei den ersten Strophen – vielleicht, weil Mundartlieder immer erst mal für lustig gehalten werden.“ Gut, dass sie sich diesem Problem stellen und der Mundart wie jeder Sprache das gesamte Spektrum menschlicher Themen zutrauen. Und zu diesem Spektrum gehören dann natürlich auch lustige Lieder, wie das über „Weck, Worscht und Woi“.
Die Musik selber ist tanzbar und rhythmisch auch ohne viel Percussion, was auch für die Lieder gilt. Zum Nurhören fehlt es hier und da etwas an Abwechlung bei den Arrangements, die mir doch ein weing zu brav vorkommen. Themen werden bei der Widerholung so gespielt wie im ersten Durchgang, da würde ich mir etwas mehr Variation wünschen. Auch könnte für meinen Geschmack die Drehleier etwas lauter und durchdringender sein und mehr schnarren. Es gibt aber auch wirklich schöne zweistimmige Passagen von Drehleier und Akkordeon. Es ist also für meine Bedürfnisse keine ganz hervorragende, aber doch eine sehr schöne CD. Besonders freue ich mich darüber, dass da „Allons en Bois“ mit drauf ist, ein Schottischer, den ich oft und gerne von Elke Rogge in Tübingen gehört habe und bislang auf keiner CD hatte.
Wer spielt und singt nun mit: Lothar Schwab (Drehleier, Concertina, Mandoline, Gesang), Klaus Ebling (Diatonisches Akkordeon, Piano-Akkodeon, Gesang), Rudi Winkler (Dudelsäcke, Flöten, Bodhrán, Löffel, Gesang), Friedrich Vollrath (Gitarren, Bouzouki, Gesang) und als Gäste Nils Nolte (Holzquerflöte) und Frederick Schwamb (Recken).
Trackliste:
1. Allons en Bois, Varg Timmens, Bosse Nordins
2. Scottish du Marronnier, Gasdebois, Mominette
3. Frederike
4. La Belle Jardinière, La Mal Aimable
5. Ridées
6. Madeleine, Polka Champeix
7. Suite Plinn
8. Rosenstock
9. Valse Clog
10. Bourrées
11. Weck, Worscht un Woi
12. La Boite à Frissons
13. Wingertsweiber
Einige der Bandmiglieder spielen auch bei Goo Birds Flight mit.
Vgl. http://www.folker.de/200703/rezi-d.htm#06 bzw.
http://folktreff-bonn-rhein-sieg-rezensionen.blogspot.com/2007/05/cd-rezensionen-im-folker-0307.html
MAS
Friday, June 15, 2007
Konzertrezension: Günter Gall & Konstantin Vassiliev am 15.6.2007 beim Folk im Feuerschlösschen in Bad Honnef
Günter Gall & Konstantin Vassiliev am 15.6.2007 beim Folk im Feuerschlösschen in Bad Honnef
Zeitreise nach Stockholm im Jahre 1768
Das war mal ganz was anderes. Als der in Dortmund wohnende Russe Konstantin Vassiliev anfing, auf der Gitarre zu zupfen, begann ich, entspannt dieser schönen und feinen Musik zu lauschen, und dachte, das werde ein stiller Abend des gehobenen Musikgenusses, wohl aber ein wenig ohne Mitreißendes dabei. Als dann aber der in Osnabrück lebende Niederrheiner Günter Gall aus der Tür des Nebensraumes ins Foyer trat, gekleidet in Rokokospitzen und einen Schellenbaum kräftig auf den Boden stampfte, so dass das so rein gar nicht zur Stimmung der Gitarre passte, war wohl nicht nur ich überrascht und gespannt, was da wohl kommen werde. „Stockholm im Jahre 1768“ rief er in den Saal und begann zu erzählen von Carl Michael Bellmann, der in einer Dichtung einer illustre Runde von Lebemännern und –frauen rund um einen gewissen Fredmann ein Denkmal gesetzt habe. Diese Runde war wohl mehr oder weniger frei erfunden, aber zu den Vorbildern gehörte wohl auch Bellmann selber, der mit seinen Freunden ein geradezu epikureeisches Lebens führte.
Günter sang nun also Lieder aus den Sammlungen „Fredmans Lieder“ und „Fredmanns Episteln“, zum Glück ins Deutsche übersetzt, wofür eine reihe deutscher Dichter verantwortlich zeichneten, die sich des schwedischen Nationaldichters – ja als solcher gilt Bellmann – angenomen hatten. Es ging zu einem nicht geringen Teil ums Saufen. Trink- und Kneipenlieder, mal deftig in Vorfreude auf einen feuchtfröhlichen Abend oder schon in angeheiterter Stimmung oder auch melancholisch, wenn die Geldbörse leer oder aber der Kopf schon zu voll des Weines war oder wenn nach durchzechter Nacht aus Brummschädelperspektive die Welt gar zu traurig und ihre Vergänglichkeit allzu offensichtlich war. Natürlich blieb auch die Liebe oder zumindest das geschlechtliche Verlangen nicht aus, und da wurde vor allem einer gewissen Dama namens Ulla gedacht, die sich der sauflustigen Herren wohl all zu gerne angenommen hatte. Die engen Gassen der schwedischen Hauptstadt, das geschäftige Treiben im Hafen, die Dürftigkeit billiger Wohnungen, die ländliche Idylle außerhalb der Stadt, das alles wurde besungen. Dabei erinnerten die Melodien nicht selten an Mozart, während mir schwedisch eigentlich nichts vorkam, außer wenn Günter mal eine Stophe auf Schwedisch sang. Und geradezu als Kontrast zum epikureischen Günter Gall zupfte Konstantin Vassiliev in stoischer Gelassenheit seine Gitarre und bediente zwischendurch mal ein Harmonium. Er sagte mir auch, dass tatsächlich auch ein Stück von Mozart dabei gewesen sei. Er war ja ein Zeitgenosse Belmanns.
War das nun Folk? Na, wer wird das schon so eng sehen? Es war ein interessanter Ausflug 200 Jahre zurück, akustischer Geschichtsunterricht sozusagen, und ein Unterricht in einem mir bislang unbekannten Teil schwedischer Kultur. Eine schwedische Dame im Publikum war mit Bellman viel vertrauter. Mike Kamp wunderte sich, dass nicht noch mehr Schweden gekommen waren. Nun ja, vielleicht hatten sie zu viel Bellmann in der Schule. Wer weiß?
Folk im Feuerschlösschen ging nach diesem letzten Konzert des ersten Halbjahres 2007 in die Sommerpause und erwartet neue Musiker und alte wie neue Zuhörer im September wieder.
Hompage von und Infos zur Günter Gall:
http://www.guenter-gall.de/
http://www.folker.de/200506/08guentergall.htm
Infos zu Konstantin Vassiliev:
http://www.orphee.com/solos/vassiliev.html
Infos zu Carl Michael Bellmann:
http://de.wikipedia.org/wiki/Carl_Michael_Bellman
http://www.waggonhalle.de/veranstaltungen/2000/0011bagge.htm
Homepage des Folk im Feuerschlösschen e.V.:
http://www.folkimfeuerschloesschen.de.vu/
MAS
Zeitreise nach Stockholm im Jahre 1768
Das war mal ganz was anderes. Als der in Dortmund wohnende Russe Konstantin Vassiliev anfing, auf der Gitarre zu zupfen, begann ich, entspannt dieser schönen und feinen Musik zu lauschen, und dachte, das werde ein stiller Abend des gehobenen Musikgenusses, wohl aber ein wenig ohne Mitreißendes dabei. Als dann aber der in Osnabrück lebende Niederrheiner Günter Gall aus der Tür des Nebensraumes ins Foyer trat, gekleidet in Rokokospitzen und einen Schellenbaum kräftig auf den Boden stampfte, so dass das so rein gar nicht zur Stimmung der Gitarre passte, war wohl nicht nur ich überrascht und gespannt, was da wohl kommen werde. „Stockholm im Jahre 1768“ rief er in den Saal und begann zu erzählen von Carl Michael Bellmann, der in einer Dichtung einer illustre Runde von Lebemännern und –frauen rund um einen gewissen Fredmann ein Denkmal gesetzt habe. Diese Runde war wohl mehr oder weniger frei erfunden, aber zu den Vorbildern gehörte wohl auch Bellmann selber, der mit seinen Freunden ein geradezu epikureeisches Lebens führte.
Günter sang nun also Lieder aus den Sammlungen „Fredmans Lieder“ und „Fredmanns Episteln“, zum Glück ins Deutsche übersetzt, wofür eine reihe deutscher Dichter verantwortlich zeichneten, die sich des schwedischen Nationaldichters – ja als solcher gilt Bellmann – angenomen hatten. Es ging zu einem nicht geringen Teil ums Saufen. Trink- und Kneipenlieder, mal deftig in Vorfreude auf einen feuchtfröhlichen Abend oder schon in angeheiterter Stimmung oder auch melancholisch, wenn die Geldbörse leer oder aber der Kopf schon zu voll des Weines war oder wenn nach durchzechter Nacht aus Brummschädelperspektive die Welt gar zu traurig und ihre Vergänglichkeit allzu offensichtlich war. Natürlich blieb auch die Liebe oder zumindest das geschlechtliche Verlangen nicht aus, und da wurde vor allem einer gewissen Dama namens Ulla gedacht, die sich der sauflustigen Herren wohl all zu gerne angenommen hatte. Die engen Gassen der schwedischen Hauptstadt, das geschäftige Treiben im Hafen, die Dürftigkeit billiger Wohnungen, die ländliche Idylle außerhalb der Stadt, das alles wurde besungen. Dabei erinnerten die Melodien nicht selten an Mozart, während mir schwedisch eigentlich nichts vorkam, außer wenn Günter mal eine Stophe auf Schwedisch sang. Und geradezu als Kontrast zum epikureischen Günter Gall zupfte Konstantin Vassiliev in stoischer Gelassenheit seine Gitarre und bediente zwischendurch mal ein Harmonium. Er sagte mir auch, dass tatsächlich auch ein Stück von Mozart dabei gewesen sei. Er war ja ein Zeitgenosse Belmanns.
War das nun Folk? Na, wer wird das schon so eng sehen? Es war ein interessanter Ausflug 200 Jahre zurück, akustischer Geschichtsunterricht sozusagen, und ein Unterricht in einem mir bislang unbekannten Teil schwedischer Kultur. Eine schwedische Dame im Publikum war mit Bellman viel vertrauter. Mike Kamp wunderte sich, dass nicht noch mehr Schweden gekommen waren. Nun ja, vielleicht hatten sie zu viel Bellmann in der Schule. Wer weiß?
Folk im Feuerschlösschen ging nach diesem letzten Konzert des ersten Halbjahres 2007 in die Sommerpause und erwartet neue Musiker und alte wie neue Zuhörer im September wieder.
Hompage von und Infos zur Günter Gall:
http://www.guenter-gall.de/
http://www.folker.de/200506/08guentergall.htm
Infos zu Konstantin Vassiliev:
http://www.orphee.com/solos/vassiliev.html
Infos zu Carl Michael Bellmann:
http://de.wikipedia.org/wiki/Carl_Michael_Bellman
http://www.waggonhalle.de/veranstaltungen/2000/0011bagge.htm
Homepage des Folk im Feuerschlösschen e.V.:
http://www.folkimfeuerschloesschen.de.vu/
MAS
CD-Rezension: Marcel Adam. Starke Frauen. Femmes de caractère
Marcel Adam. Starke Frauen. Femmes de caractère
LEICO-music 2006 http://www.leico.de/ ; http://www.marcel-adam.de/,
17 Tracks, 60:28, mit deutschen Infos, lothringischen, deutschen und französischen Texten, sowie Fotos
Der lothringische Liedermacher und Sänger Marcel Adam widmet seine mindestens sechste CD seit mindestens 1994 dem wahrhaft starken Geschlechte, dem weiblichen. Er lobt die Frauen, die ihr Schicksal tapfer (er)tragen, und das aus zweifelsohne männlicher Perspektive, voller Be- aber auch Verwunderung darüber, wie frau das alles so schafft, zum Beispiel alleine ein Kind aufzuziehen und sich dabei noch vom Tratsch der Leute verachtet zu fühlen. Oder er singt vom eigenen (fiktiven?) Fremdgehen und zugleich Verwundertsein, dass seine Frau sich das gleiche Recht heraus nimmt. Eine jungen Frau passiert es dummerweise, eines Mordes beschuldigt zu werden, obwohl das Blut am Messer ihr eigenes ist. Aber auch das Leben eines Klavierspielers wird in drei Stophen besungen, ein Liebeslied an das Saarland vor dem Krieg ist auch dabei und einiges andere.
Die Texte erfordern Aufmerksamkeit beim Zuhören oder man liest sie am besten mal mit, denn sie sind alle vollständig im Büchlein abgedruckt., z.B.:
Unne uff de Trepp, do steht e Kind
Es luhd in de Leere, so als wär es blind
Owwe uff de Brig wartet e herrlisch scheeni Frau
De longe roode Hoor fladdere im Wind
Din Babbe isch iwwerall gelond
Uff em Meer von Venus uff em Sond vom Mond
Dehemm im e Bunker waad e stolzi juni Frau
Die kennt Baba nur vom Foto on de Wond.
(1. Strophe von „Elaine im Weltall“)
Und da sieht man schon, was einen Großteil des Reizes von Marcel Adams Liedern ausmacht, nämlich die Lothringische Mundart, ein Unterdialekt des Rheinfränkischen. Und da Lothringen nun mal in Frankreich liegt, mischt sich ab und zu auch mal etwas Französisch hinein:
„E alder Monn om Klavier
Verliert sich in e so scheener Souvenir
Wie isch die Zitt verfloh
Zitt domols do im Salon
De Finger flieh’n noch uff’s Klavier
Trotz all die Wehwesche unn
Magegeschwihr
Er denkt on e Mademoiselle
A oui, la vie était belle.
(3. Strophe von „Das Kind om Klavier.“)
Zwei Lieder sind fast vollständig auf Französisch und zwei auf Hochdeutsch, eines davon von Gerd Schinkel aus Köln aus dem kanadischen Französisch übersetzt: „Das Mädchen und der Apotheker“ von Felix Leclerc, bei dem es „La chanson du pharmacien“ heißt. Auf Türkisch ist nur ein Liedtitel: „Bir iki ütz“, also „Eins, zwei, drei“.
Die meisten Lieder stammen aus Marcels Feder, aber ander sind von Wolfgang Eickelberg und Pete Wyoming Bender, Nono Ferrer, Chopin, Angel Cabral und Enrique Dizeo oder eben Felix Leclerc. Und auch Herr oder Frau Trad. aus Mexiko ist einmal mit von der Partie.
Bei einigen Liedern wird marcel auch stimm- oder klangkräftig unterstützt von Petra Lamy (Gesang), Méllanie Hamm (Gesang), Helmut Eisel (Klarinette)m Wolf Giloi (Klavier), Yann Loup Adam (Marcels Sohn; Klavier), Laurent Kremer (Gitarren, Ukulele, Tasteninstrumente, Drums, Gesang), Ivo Müller (Gitarre, Bass, Dobro), Sabine Heimsch (Cello), Joscho Stephan (Gitarre) Rainer Rodin (Gesang), Vincent Carduccio (Akkordeon, Gesang), Dirko Juchem (Sax, Klarinette), Helmut Engelhadt (Sax, Klarinette), Perre Paquette (Sax, Klarinette), Oliver Strauch (Schlagzeug), René El Payo (Gitarre, Gesang), Michel Sully (Gesang), Roland Helm (Gesang), und andere haben natürlich auch mit gestaltet, organsiert, aufgenommen und so weiter.
Die Melodien sind zumeist eher still, unaufdringlich, den nachdenklichen Texten entsprechend, abere auch ein echet Ohrwurm ist dabei, den ich manchmal vor mich hin pfeife, nämlich die Melodie von „Noh die Liebe geh’ ich hämm zu minni Frau.“
Trackliste:
1. Lisa im Donzpalaschd
2. Elaine im Weltall
3. Lolita Rose
4. Ich habe diese Frau geliebt
5. Noh die Liebe geh’ ich hämm zu minni Frau
6. Vor de Kriesch (Le sud)
7. Lousie unn de Ligne Maginot
8. Désirée von Lindenallee
9. Das Kind om Klavier
10. Die Menge (Que na die sepa mi sa frir)
11. Doña Gabriella
12. De kläne Dod von Papa Sitas
13. Regine, hibscher Giftzwersch
14. Bir iki ütz 2006
15. Das Mädchen und der Apotheker
16. Liane 2006
17. Bir iki ütz 2006 – Bonus
Ich wollte jetzt gerne den Link zu meiner Konzertrezension von Marcel Adam am 18.5.2007 im Bungertshof in Königswinter-Oberdollendorf hier angeben, aber ich habe sie noch nicht im Netz. Das wird nachgeholt.
Hier könnt Ihr Euch über den Rheinfränlischen Dilekt
http://de.wikipedia.org/wiki/Rheinfränkisch
und hier über Lothringen
http://de.wikipedia.org/wiki/Lothringen
informieren.
MAS
LEICO-music 2006 http://www.leico.de/ ; http://www.marcel-adam.de/,
17 Tracks, 60:28, mit deutschen Infos, lothringischen, deutschen und französischen Texten, sowie Fotos
Der lothringische Liedermacher und Sänger Marcel Adam widmet seine mindestens sechste CD seit mindestens 1994 dem wahrhaft starken Geschlechte, dem weiblichen. Er lobt die Frauen, die ihr Schicksal tapfer (er)tragen, und das aus zweifelsohne männlicher Perspektive, voller Be- aber auch Verwunderung darüber, wie frau das alles so schafft, zum Beispiel alleine ein Kind aufzuziehen und sich dabei noch vom Tratsch der Leute verachtet zu fühlen. Oder er singt vom eigenen (fiktiven?) Fremdgehen und zugleich Verwundertsein, dass seine Frau sich das gleiche Recht heraus nimmt. Eine jungen Frau passiert es dummerweise, eines Mordes beschuldigt zu werden, obwohl das Blut am Messer ihr eigenes ist. Aber auch das Leben eines Klavierspielers wird in drei Stophen besungen, ein Liebeslied an das Saarland vor dem Krieg ist auch dabei und einiges andere.
Die Texte erfordern Aufmerksamkeit beim Zuhören oder man liest sie am besten mal mit, denn sie sind alle vollständig im Büchlein abgedruckt., z.B.:
Unne uff de Trepp, do steht e Kind
Es luhd in de Leere, so als wär es blind
Owwe uff de Brig wartet e herrlisch scheeni Frau
De longe roode Hoor fladdere im Wind
Din Babbe isch iwwerall gelond
Uff em Meer von Venus uff em Sond vom Mond
Dehemm im e Bunker waad e stolzi juni Frau
Die kennt Baba nur vom Foto on de Wond.
(1. Strophe von „Elaine im Weltall“)
Und da sieht man schon, was einen Großteil des Reizes von Marcel Adams Liedern ausmacht, nämlich die Lothringische Mundart, ein Unterdialekt des Rheinfränkischen. Und da Lothringen nun mal in Frankreich liegt, mischt sich ab und zu auch mal etwas Französisch hinein:
„E alder Monn om Klavier
Verliert sich in e so scheener Souvenir
Wie isch die Zitt verfloh
Zitt domols do im Salon
De Finger flieh’n noch uff’s Klavier
Trotz all die Wehwesche unn
Magegeschwihr
Er denkt on e Mademoiselle
A oui, la vie était belle.
(3. Strophe von „Das Kind om Klavier.“)
Zwei Lieder sind fast vollständig auf Französisch und zwei auf Hochdeutsch, eines davon von Gerd Schinkel aus Köln aus dem kanadischen Französisch übersetzt: „Das Mädchen und der Apotheker“ von Felix Leclerc, bei dem es „La chanson du pharmacien“ heißt. Auf Türkisch ist nur ein Liedtitel: „Bir iki ütz“, also „Eins, zwei, drei“.
Die meisten Lieder stammen aus Marcels Feder, aber ander sind von Wolfgang Eickelberg und Pete Wyoming Bender, Nono Ferrer, Chopin, Angel Cabral und Enrique Dizeo oder eben Felix Leclerc. Und auch Herr oder Frau Trad. aus Mexiko ist einmal mit von der Partie.
Bei einigen Liedern wird marcel auch stimm- oder klangkräftig unterstützt von Petra Lamy (Gesang), Méllanie Hamm (Gesang), Helmut Eisel (Klarinette)m Wolf Giloi (Klavier), Yann Loup Adam (Marcels Sohn; Klavier), Laurent Kremer (Gitarren, Ukulele, Tasteninstrumente, Drums, Gesang), Ivo Müller (Gitarre, Bass, Dobro), Sabine Heimsch (Cello), Joscho Stephan (Gitarre) Rainer Rodin (Gesang), Vincent Carduccio (Akkordeon, Gesang), Dirko Juchem (Sax, Klarinette), Helmut Engelhadt (Sax, Klarinette), Perre Paquette (Sax, Klarinette), Oliver Strauch (Schlagzeug), René El Payo (Gitarre, Gesang), Michel Sully (Gesang), Roland Helm (Gesang), und andere haben natürlich auch mit gestaltet, organsiert, aufgenommen und so weiter.
Die Melodien sind zumeist eher still, unaufdringlich, den nachdenklichen Texten entsprechend, abere auch ein echet Ohrwurm ist dabei, den ich manchmal vor mich hin pfeife, nämlich die Melodie von „Noh die Liebe geh’ ich hämm zu minni Frau.“
Trackliste:
1. Lisa im Donzpalaschd
2. Elaine im Weltall
3. Lolita Rose
4. Ich habe diese Frau geliebt
5. Noh die Liebe geh’ ich hämm zu minni Frau
6. Vor de Kriesch (Le sud)
7. Lousie unn de Ligne Maginot
8. Désirée von Lindenallee
9. Das Kind om Klavier
10. Die Menge (Que na die sepa mi sa frir)
11. Doña Gabriella
12. De kläne Dod von Papa Sitas
13. Regine, hibscher Giftzwersch
14. Bir iki ütz 2006
15. Das Mädchen und der Apotheker
16. Liane 2006
17. Bir iki ütz 2006 – Bonus
Ich wollte jetzt gerne den Link zu meiner Konzertrezension von Marcel Adam am 18.5.2007 im Bungertshof in Königswinter-Oberdollendorf hier angeben, aber ich habe sie noch nicht im Netz. Das wird nachgeholt.
Hier könnt Ihr Euch über den Rheinfränlischen Dilekt
http://de.wikipedia.org/wiki/Rheinfränkisch
und hier über Lothringen
http://de.wikipedia.org/wiki/Lothringen
informieren.
MAS
Sunday, June 03, 2007
Konzertrezension: Bach meets Celtic am 3.6.2007 in der Nommensens-Kirche in Bonn-Beuel-Pützchen
Bach meets Celtic am 3.6.2007 in der Nommensens-Kirche in Bonn-Beuel-Pützchen
Es war ein Gemeindefest einer evangelischen Gemeinde in Pützchen, einem Ortsteil von Beuel, was wiederum ein Stadtteil von Bonn ist, op dr schäl Sick, also rechtrheinisch. Pützchen ist vor allem wegen Pützchens Makt bekannt, Deutschlands größtem Rummel jedes jahr im September. Das Gemeindefest der Nommensens-Kirche war klein und überschaubar, mit Reibekuchen, Würtchen, Steaks, Kartoffelsalat und Kölsch, Kaffee und Kuchen, Hüpfburg für die Kinder, Theater- und Musikaufführungen, darunter das des Bach meet Celtic – Projektes, das vor kurzem noch „Bach meets Irish Folk“ hieß. Ich vergaß nach dem Grund der Umbenennung zu fragen. Das Konzert bildete am Sonntagnachmittag den Abschluss des Gemeindefestes, es fand in der Kirche statt, die zwar nicht groß ist, dafür aber recht voll war.
Die Besetzung des Ensembles (das Wort passt hier besser als „Band“) war etwas anders als bei meinem letzten Besuch. Cembalo, Akkordeon und Orgel wurde wieder von Hubert Arnold bedient und die Uilleann Pipes von Tom Kannmacher und von Alexander „Näx“ May, der auch Tin Whistle spielte, aber statt Heike Kosmider bediente diesmal Ann Kölsch die Fiddle und statt Charlotte Schmidt spielte Anna Lück auf der Harfe. Julian Görtz und Matthias Höhn waren anderwärtig verhindert und somit nicht anwesend. Und Stefen Hennes war auch nicht da.
Worin es bei dem Projekt geht, nämlich die Konfrontation und Verbindung von traditioneller irischer Musik mit der von Johann Sebastian Bach bzw. der seiner Familie und Zeitgenossen, habe ich schon geschrieben. Mir fiel nun auch nicht sonderlich auf, wie anders das Repertoire war, so sehr anders war es wohl nicht, aber mit fiel auf, dass Toms Ankündigung, schwer geübt zu haben, stimmte. Ja, es passte nun alles noch besser zusammen, Sets, die sich aus Stücken beider Musikrichtungen zusammen setzten, bildeten in sich eine harmonische Einheit, ohne dass alles einfach gleichgeschaltet war. Nicht nur die Fiddle, sondern auch die Tin Whistle wirkte überzeugend bei den deutschen barocken Stücken, allein bei den Uilleann Pipes hapert es noch. Das aber lag nicht an den Musikern, sondern, wie mir Tom erklärte, daran, dass die irischen Sackpfeifen nicht temperiert waren. Nein, das hat nun nichts mit dem schwül-warmen Wetter dieses Sonntags zu tun, sondern damit, dass die Abstände zwischen den Noten nicht gleichmäßig sind und somit die Pipes anders gestimmt sind als es für die deutsche Barockmusik und überhaupt auch für die Klassik und so weiter nötig wäre. Das lässt sich nicht ändern, es sei denn, man würde ein neues Instrument bauen, aber dann wären es keine irischen Uilleann Pipes mehr. Und so schräg war es auch gar nicht, nur hier und da passte es nicht so ganz, aber das machte durchaus auch einen Teil des Reizes dieser Fusion aus. Und die Kombination Orgel & Uilleann Pipes gefiel mir wieder wunderbar!
Auch das gemeine, äh, Gemeinde-Publikum war ganz hin und weg und verlangte ein paar Zugaben. Ws mich nur wunderte, war, dass ihm gar nicht erst großartig erklärt wurde, worum es ging, sondern Hubert machte recht kurze Ansagen und ließ die Musik dann für sich sprechen. Das tat sie dann auch und sprache die Evangelischen aus Pützchen auch an. Auch für ein paar Folkies, die weit aus anderen Stadtteilen angereist kamen – oder gar geradewegs von einem Gig aus Bad Neuenahr – Ahrweiler – war das eine neuer Hörgenuss. Margret Hüffer, Michael Heuser, Sabrina Palm und Jonathan William lauschten gespannt und fasziniert.
Es gibt mittlerweile auch eine CD des Projekts. Die Rezi davon muss ich aber noch schreiben.
vgl. auch meine frühere Rezi:
Bach meets Irish Folk am 3.12.2006 in der Nachfolge-Christi-Kirche in Bonn-Beuel
http://folktreff-bonn-rhein-sieg-rezensionen.blogspot.com/2006/12/konzertrezension-bach-meets-irish-folk.html
MAS
Es war ein Gemeindefest einer evangelischen Gemeinde in Pützchen, einem Ortsteil von Beuel, was wiederum ein Stadtteil von Bonn ist, op dr schäl Sick, also rechtrheinisch. Pützchen ist vor allem wegen Pützchens Makt bekannt, Deutschlands größtem Rummel jedes jahr im September. Das Gemeindefest der Nommensens-Kirche war klein und überschaubar, mit Reibekuchen, Würtchen, Steaks, Kartoffelsalat und Kölsch, Kaffee und Kuchen, Hüpfburg für die Kinder, Theater- und Musikaufführungen, darunter das des Bach meet Celtic – Projektes, das vor kurzem noch „Bach meets Irish Folk“ hieß. Ich vergaß nach dem Grund der Umbenennung zu fragen. Das Konzert bildete am Sonntagnachmittag den Abschluss des Gemeindefestes, es fand in der Kirche statt, die zwar nicht groß ist, dafür aber recht voll war.
Die Besetzung des Ensembles (das Wort passt hier besser als „Band“) war etwas anders als bei meinem letzten Besuch. Cembalo, Akkordeon und Orgel wurde wieder von Hubert Arnold bedient und die Uilleann Pipes von Tom Kannmacher und von Alexander „Näx“ May, der auch Tin Whistle spielte, aber statt Heike Kosmider bediente diesmal Ann Kölsch die Fiddle und statt Charlotte Schmidt spielte Anna Lück auf der Harfe. Julian Görtz und Matthias Höhn waren anderwärtig verhindert und somit nicht anwesend. Und Stefen Hennes war auch nicht da.
Worin es bei dem Projekt geht, nämlich die Konfrontation und Verbindung von traditioneller irischer Musik mit der von Johann Sebastian Bach bzw. der seiner Familie und Zeitgenossen, habe ich schon geschrieben. Mir fiel nun auch nicht sonderlich auf, wie anders das Repertoire war, so sehr anders war es wohl nicht, aber mit fiel auf, dass Toms Ankündigung, schwer geübt zu haben, stimmte. Ja, es passte nun alles noch besser zusammen, Sets, die sich aus Stücken beider Musikrichtungen zusammen setzten, bildeten in sich eine harmonische Einheit, ohne dass alles einfach gleichgeschaltet war. Nicht nur die Fiddle, sondern auch die Tin Whistle wirkte überzeugend bei den deutschen barocken Stücken, allein bei den Uilleann Pipes hapert es noch. Das aber lag nicht an den Musikern, sondern, wie mir Tom erklärte, daran, dass die irischen Sackpfeifen nicht temperiert waren. Nein, das hat nun nichts mit dem schwül-warmen Wetter dieses Sonntags zu tun, sondern damit, dass die Abstände zwischen den Noten nicht gleichmäßig sind und somit die Pipes anders gestimmt sind als es für die deutsche Barockmusik und überhaupt auch für die Klassik und so weiter nötig wäre. Das lässt sich nicht ändern, es sei denn, man würde ein neues Instrument bauen, aber dann wären es keine irischen Uilleann Pipes mehr. Und so schräg war es auch gar nicht, nur hier und da passte es nicht so ganz, aber das machte durchaus auch einen Teil des Reizes dieser Fusion aus. Und die Kombination Orgel & Uilleann Pipes gefiel mir wieder wunderbar!
Auch das gemeine, äh, Gemeinde-Publikum war ganz hin und weg und verlangte ein paar Zugaben. Ws mich nur wunderte, war, dass ihm gar nicht erst großartig erklärt wurde, worum es ging, sondern Hubert machte recht kurze Ansagen und ließ die Musik dann für sich sprechen. Das tat sie dann auch und sprache die Evangelischen aus Pützchen auch an. Auch für ein paar Folkies, die weit aus anderen Stadtteilen angereist kamen – oder gar geradewegs von einem Gig aus Bad Neuenahr – Ahrweiler – war das eine neuer Hörgenuss. Margret Hüffer, Michael Heuser, Sabrina Palm und Jonathan William lauschten gespannt und fasziniert.
Es gibt mittlerweile auch eine CD des Projekts. Die Rezi davon muss ich aber noch schreiben.
vgl. auch meine frühere Rezi:
Bach meets Irish Folk am 3.12.2006 in der Nachfolge-Christi-Kirche in Bonn-Beuel
http://folktreff-bonn-rhein-sieg-rezensionen.blogspot.com/2006/12/konzertrezension-bach-meets-irish-folk.html
MAS
Friday, May 25, 2007
CD-Rezensionen im Folker! 03.07.
CD-Rezensionen im Folker! 03.07.
Hier veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung der Folker!-Redaktion.
Colman Conolly, Tobi Kurig, Franziska Urton. Blue
In Folker! 03.07, S. 80
online http://www.folker.de/200703/rezi-d.htm#01
COLMAN CONOLLY, TOBI KURIG, FRANZISKA URTON
Blue
(Fox Music 2007, www.colmanconnolly.com/blue
11 Tracks, 47:16 mit Fotos u. engl. Infos)
Es häufen sich in letzter Zeit die Beispiele dafür, dass auch deutsche Musikerinnen und Musiker die moderne Spielweise der keltischen Trad- und Folkmusik nicht nur nachahmen, sondern in der Meisterklasse mitspielen, und ein solches liegt hier vor. Zwar ist Frontpiper, -whistler und -flöter Colman Conolly Ire und sein traumhaft schönes Spiel dominiert auch die elf ausnahmslos instrumentellen Tunes, aber man muss sich auf jeden Fall genau anhören, was sich neben und hinter ihm tut, denn da fabrizieren Tobias Krug (Ten String Bouzouki), Fanziska Urton (Fiddle), Catriona Price (Fiddle), Johannes Mayr (Kontrabass), Holger Ries (Cajon, Percussion), Camine Roja (E-Bass), Rolf Wagels (Bodhrán) und Wolfgang Brammertz (E-Bass) ein ungemein dichtes, vielstimmiges und -schichtiges, durchdringendes melodiöses und rhythmisches Spiel mit inselkeltischen, französischen, balkanischen und anderen Wurzeln, so dass ich nach vollendetem Track 11 sofort wieder auf Play drücke, weil ich gar nicht genug bekomme. Die neun Musiker(innen) spielen ansonsten großenteils bei Déirin Dé, Dán, Whisht!, Steampacket und anderen Avangardebands der deutschen Keltenszene, das heißt, Catriona Price ist von Orkney und spielt dort bei Hadhirgaan.
*
Goo Birds Flight. Villains and Brides
In Folker! 03.07, S. 80
online http://www.folker.de/200703/rezi-d.htm#06
GOO BIRDS FLIGHT
Villains and Brides
(Leiselaut 2006, http://www.goobirdsflight.de/
9 Tracks, 44:42 mit Fotos u. engl. Texten und Infos)
Selten bis nie hörte ich eine Musik der Rubrik Celtic Folk Rock made in Germany, die mich so ansprach wie die dieser Band aus Sörgenloch in Rheinhessen. Frontsängerin Ina Breivogel singt mit feiner, mädchenhafter Stimme zumeist in einem atemberaubenden Tempo, das aber in keiner Weise gehetzt wirkt. Dabei bewegt sie sich auf einem wiegenden, rockigen, groovigen Klangteppich, den Lothar Schwamb auf Keyboards und Drehleier, Volker Hünefeld auf Bass und Mandoline, Peter Erb auf Gitarre, Akkordeon und Low Whistle und Manfred Vollrath auf Schlagzeug und Percussion, sowie die Gastmusiker Nils Nolte auf Low Whistle und mit Hintergrundgesang und Klaus Ebeling auf dem diatonischen Knopfakkordeon produzieren, der zu dem zarten Gesang eine sehr spannende und zugleich entspannende Kontrastharmonie bildet. Am ehesten erinnert mich die Musik von Melodieführung und Takt her an Paddy goes to Holyhead, die ja auch schräg gegenüber auf der anderen Rheinseite zu Hause sind. Die Texte sind indes anders als bei PdgtH fast alle traditionell, wenn auch ganz eigen, zumindest teilweise geradezu genial arrangiert.
*
Fling. Lost in Dunkineely
In Folker! 03.07, S. 91
FLING
Lost in Dunkineely
(Eigenverlag 2006, http://www.flingmusic.com/
11 Tracks, 48:19 mit Fotos u. engl. Texten und Infos)
Das vierte Album dieses niederländischen Quartetts begeistert mich mit melancholischen Airs und Songs und mitreißenden Tunes in der Tradition des Irish Folks Revivals der 1970er, aber auch mit neueren Anklängen. Evertjan ’t Harts Uilleann Pipes-Spiel und Annemarie de Bies Gesang dringen tief ein und vermitteln Sehnsucht und Lebensfreude.
*
Guitavio. songs of love and loss
In Folker! 03.07, S. 91
GUITAVIO
songs of love and loss
(Moon Sound Records 2007, http://www.guitavio.de/
15 Tracks, 54:46 mit Fotos u. engl. Texten und Infos)
Das Acoustik Folk’n Soul-Quartett aus Kellinghusen nördlich von Hamburg präsentiert sein siebtes Album in 20 Jahren. Die zehn Songs und fünf Tunes sind eine interessante Mischung aus Irish & Scottish Folk mit Soul, Blues und Jazz, dabei viele Eigenkompositionen der Musiker und Texte des in Israel lebenden Engländers Paul Thomas, aber auch Traditionals.
*
Mohanders. End of our Lies
In Folker! 03.07, S. 92
MOHANDERS
End of our Lies
(Relax Records 2006, http://www.mohanders.de/
14 Tracks, 53:06 mit Fotos, dt. u. engl. Infos u. engl. Texten)
Sven Bäzner und Michael Graefe aus Elmshorn bei Hamburg ließen sich für ihr Debutalbum, das sie dann mit fünf Kolleg(inn)en aufnahmen, drei Jahre Zeit. Auch ich brauche Zeit, mich in ihre Singer/Songwriter-Musik hinein zu hören und mich mit den Texten zu beschäftigen. Aber sie klingt gut: Rauhe Stimme zum Spiel von Gitarren und anderen Instrumenten.
*
Sperris & Wicca. Indian Queen
In Folker! 03.07, S. 93
SPERRIS & WICCA
Indian Queen
(Eigenverlag 2006, www.sperris-wicca.de
14 Tracks, 51:45 mit Fotos u. engl. Texten und Infos)
Das Münsteraner Duo Ralf Schomacher und Sabine Hillen liefert in seinem vierten Album wieder eine CD mit sehr, sehr ruhigen englischen, irischen und schottischen Liedern zur Gitarre, nebst Gasteinsprengeln eines Cellos, einer Drehleier, eines Kontrabasses, einer Highland Bagpipe und im Titelsong einer Sitar.
*
Whistling to the Bird. road to lisdoonvarna
In Folker! 03.07, S. 93
WHISTLING TO THE BIRD
road to lisdoonvarna
(Eigenverlag 207, www.wttb.de
15 Tracks, 55:07 mit Fotos u. dt. Infos)
Zweite CD des Irish-English-Deutsch-Svenska-Folk-Quartetts aus Bastheim in der Rhön. Die Musik ist eher ruhig, aber keineswegs langatmig, sondern mit meist weiblichem Gesang, Gitarren, Geige, Harfe und Bhodhrán dargebracht klingt sie sympathisch, angenehm rhythmisch, ohne viel Schnickschnack, bodenständig folkig eben.
MAS
Hier veröffentlicht mit freundlicher Genehmigung der Folker!-Redaktion.
Colman Conolly, Tobi Kurig, Franziska Urton. Blue
In Folker! 03.07, S. 80
online http://www.folker.de/200703/rezi-d.htm#01
COLMAN CONOLLY, TOBI KURIG, FRANZISKA URTON
Blue
(Fox Music 2007, www.colmanconnolly.com/blue
11 Tracks, 47:16 mit Fotos u. engl. Infos)
Es häufen sich in letzter Zeit die Beispiele dafür, dass auch deutsche Musikerinnen und Musiker die moderne Spielweise der keltischen Trad- und Folkmusik nicht nur nachahmen, sondern in der Meisterklasse mitspielen, und ein solches liegt hier vor. Zwar ist Frontpiper, -whistler und -flöter Colman Conolly Ire und sein traumhaft schönes Spiel dominiert auch die elf ausnahmslos instrumentellen Tunes, aber man muss sich auf jeden Fall genau anhören, was sich neben und hinter ihm tut, denn da fabrizieren Tobias Krug (Ten String Bouzouki), Fanziska Urton (Fiddle), Catriona Price (Fiddle), Johannes Mayr (Kontrabass), Holger Ries (Cajon, Percussion), Camine Roja (E-Bass), Rolf Wagels (Bodhrán) und Wolfgang Brammertz (E-Bass) ein ungemein dichtes, vielstimmiges und -schichtiges, durchdringendes melodiöses und rhythmisches Spiel mit inselkeltischen, französischen, balkanischen und anderen Wurzeln, so dass ich nach vollendetem Track 11 sofort wieder auf Play drücke, weil ich gar nicht genug bekomme. Die neun Musiker(innen) spielen ansonsten großenteils bei Déirin Dé, Dán, Whisht!, Steampacket und anderen Avangardebands der deutschen Keltenszene, das heißt, Catriona Price ist von Orkney und spielt dort bei Hadhirgaan.
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Goo Birds Flight. Villains and Brides
In Folker! 03.07, S. 80
online http://www.folker.de/200703/rezi-d.htm#06
GOO BIRDS FLIGHT
Villains and Brides
(Leiselaut 2006, http://www.goobirdsflight.de/
9 Tracks, 44:42 mit Fotos u. engl. Texten und Infos)
Selten bis nie hörte ich eine Musik der Rubrik Celtic Folk Rock made in Germany, die mich so ansprach wie die dieser Band aus Sörgenloch in Rheinhessen. Frontsängerin Ina Breivogel singt mit feiner, mädchenhafter Stimme zumeist in einem atemberaubenden Tempo, das aber in keiner Weise gehetzt wirkt. Dabei bewegt sie sich auf einem wiegenden, rockigen, groovigen Klangteppich, den Lothar Schwamb auf Keyboards und Drehleier, Volker Hünefeld auf Bass und Mandoline, Peter Erb auf Gitarre, Akkordeon und Low Whistle und Manfred Vollrath auf Schlagzeug und Percussion, sowie die Gastmusiker Nils Nolte auf Low Whistle und mit Hintergrundgesang und Klaus Ebeling auf dem diatonischen Knopfakkordeon produzieren, der zu dem zarten Gesang eine sehr spannende und zugleich entspannende Kontrastharmonie bildet. Am ehesten erinnert mich die Musik von Melodieführung und Takt her an Paddy goes to Holyhead, die ja auch schräg gegenüber auf der anderen Rheinseite zu Hause sind. Die Texte sind indes anders als bei PdgtH fast alle traditionell, wenn auch ganz eigen, zumindest teilweise geradezu genial arrangiert.
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Fling. Lost in Dunkineely
In Folker! 03.07, S. 91
FLING
Lost in Dunkineely
(Eigenverlag 2006, http://www.flingmusic.com/
11 Tracks, 48:19 mit Fotos u. engl. Texten und Infos)
Das vierte Album dieses niederländischen Quartetts begeistert mich mit melancholischen Airs und Songs und mitreißenden Tunes in der Tradition des Irish Folks Revivals der 1970er, aber auch mit neueren Anklängen. Evertjan ’t Harts Uilleann Pipes-Spiel und Annemarie de Bies Gesang dringen tief ein und vermitteln Sehnsucht und Lebensfreude.
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Guitavio. songs of love and loss
In Folker! 03.07, S. 91
GUITAVIO
songs of love and loss
(Moon Sound Records 2007, http://www.guitavio.de/
15 Tracks, 54:46 mit Fotos u. engl. Texten und Infos)
Das Acoustik Folk’n Soul-Quartett aus Kellinghusen nördlich von Hamburg präsentiert sein siebtes Album in 20 Jahren. Die zehn Songs und fünf Tunes sind eine interessante Mischung aus Irish & Scottish Folk mit Soul, Blues und Jazz, dabei viele Eigenkompositionen der Musiker und Texte des in Israel lebenden Engländers Paul Thomas, aber auch Traditionals.
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Mohanders. End of our Lies
In Folker! 03.07, S. 92
MOHANDERS
End of our Lies
(Relax Records 2006, http://www.mohanders.de/
14 Tracks, 53:06 mit Fotos, dt. u. engl. Infos u. engl. Texten)
Sven Bäzner und Michael Graefe aus Elmshorn bei Hamburg ließen sich für ihr Debutalbum, das sie dann mit fünf Kolleg(inn)en aufnahmen, drei Jahre Zeit. Auch ich brauche Zeit, mich in ihre Singer/Songwriter-Musik hinein zu hören und mich mit den Texten zu beschäftigen. Aber sie klingt gut: Rauhe Stimme zum Spiel von Gitarren und anderen Instrumenten.
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Sperris & Wicca. Indian Queen
In Folker! 03.07, S. 93
SPERRIS & WICCA
Indian Queen
(Eigenverlag 2006, www.sperris-wicca.de
14 Tracks, 51:45 mit Fotos u. engl. Texten und Infos)
Das Münsteraner Duo Ralf Schomacher und Sabine Hillen liefert in seinem vierten Album wieder eine CD mit sehr, sehr ruhigen englischen, irischen und schottischen Liedern zur Gitarre, nebst Gasteinsprengeln eines Cellos, einer Drehleier, eines Kontrabasses, einer Highland Bagpipe und im Titelsong einer Sitar.
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Whistling to the Bird. road to lisdoonvarna
In Folker! 03.07, S. 93
WHISTLING TO THE BIRD
road to lisdoonvarna
(Eigenverlag 207, www.wttb.de
15 Tracks, 55:07 mit Fotos u. dt. Infos)
Zweite CD des Irish-English-Deutsch-Svenska-Folk-Quartetts aus Bastheim in der Rhön. Die Musik ist eher ruhig, aber keineswegs langatmig, sondern mit meist weiblichem Gesang, Gitarren, Geige, Harfe und Bhodhrán dargebracht klingt sie sympathisch, angenehm rhythmisch, ohne viel Schnickschnack, bodenständig folkig eben.
MAS
Friday, May 18, 2007
Konzertrezension: Marcel Adam am 18.5.2007 im Bungertshof in Königswinter-Oberdollendorf
Marcel Adam am 18.5.2007 im Bungertshof in Königswinter-Oberdollendorf
Lothringische Mundart, französiche Chansons und deutsche Liedermacherei
Nun ist man mal pünktlich schon gegen 19.30 Uhr im Bungertshof, da ist der Saal noch völlig leer, und nur eine Gitarre und eine Madoline auf der Bühne verraten, dass man sich nicht im Termin vertan hat. Er saß noch im Biergarten, Marcel Adam aus Lothringen, zusammen mit seiner Frau Claudia, seinem kleinen Hund und Gerd und Martina Schinkel. Na, dachte ich, da sitzten ja die richtigen beisammen, Petra und ich wurden dazu gebeten, uns schon begann die Fachsimpelei über Deutschfolk, den Folker! und sonstiges Folks, aber davon will ich hier gar nicht berichten. Nicht nur Iren nehmen es mit der Zeit gemütlich, auch Franzosen – und ein solcher ist Marcel als Lothringer ja – aber auch Saarländer lassen sich nicht durchs Leben hetzen, so dass cum tempore sich der Künstler auf die Bühne begab, vor der sich mittlerweile ein 44 Ohren zählendes Publikum eingefunden hatte. Marcel ist wohl die zehnfache Menge gewohnt, was zu betonen er immer wieder einen Anlass fand.
Nun ja, so möchte sich so mancher beim Lesen der Ankündigung gedacht haben, für einen Sänger mit Gitarre sich in den Bungertshof zu begeben, lohne sich nicht, und mit Lothringer Mundart mag so mancher wohl auch nichts anzufangen wissen. Französisch ist schon schwer genug, und dann auch noch im Dialekt! Aber nein weit gefehlt, auf Französisch sang Marcel nur ein paar wenige Lieder, und Lothringisch ist so wenig Französisch wie beispielsweise Elsässisch oder – der Vergleich wird Marcel besser gefallen und ist philologisch auch korrekter – Saarländisch, Pfälzisch oder Nordbadisch, denn zu dieser rheinfränkischen Dialektgruppe gehört das Lothringische, was man zweifelsfrei auch heraus hört. Alsi ich erst mal neugierig CDs von Marcel hörte, war ich über diese Nähe doch einigermaßen erstaunt. Es hat nun keineswegs damit zu tun, Elsass-Lothringen „heim ins Reich“ holen zu wollen, wenn man also einen Franzosen, dessen Muttersprache ein deutscher Dialekt ist, ins Rheinland einlädt. Nein, es hat etwas damit zu tun, dass Marcel Adam nicht irgendeein Bänkelsänger ist, sondern zwei Mundartbereiche weiter südlich (dazwischen liegt ja noch der moselfränkische Bereich, aus dem ich stamme) eine gefragte Größe, die in Saarbrücken, Ludwigshafen und Mannheim ein großes Stammpublikum hat, in Ludwigshafen vielleicht sogar mehr als in Saarbrücken, wie ich nach den vielen Seitenhieben auf die Saarländer zwischen den Liedern mutmaße. Die Pälzer und die Saarlänner sind da so in etwa wie hier die Rheinländer und die Westfalen oder wie weiter südlich die Badener und die Schwaben. Und die Lothringer? Ja von denen weiß wohl kaum noch einer, dass sie exisitieren, so als eigene Ethnie neben Elsässern, Bretonen, Okzitanen, Basken und Korsen. Lothringisch soll – anders als Elsässich – am Aussterben sein, weil es nur noch von den Alten gesprochen, den Jungen aber nicht mehr beigebracht wird. Marcel, der nun aber tatsächlich Französisch als erste und Hochdeutsch als zweite Fremdsprache lernte, hält erst recht – oder wie es auf Lothringisch heißt: grad’ze lääd (nicht grad’ze lääds, denn das sei ein saarländischer Sprachfehler, wie marcel erklärte) – die Fahne seiner Muttersprache hoch.
Und was sang er nun auf Lothringisch? Hauptsächlich waren es Alltagsgeschichten: Erinnerungen an die erste Liebe oder an die Oma, mahnende Worte darüber, wie hart die Frauen für die Familie arbeiten müssen, eine Schilderung einer lustige Beerdigung, über die Wäschkisch (Waschküche) als häuslichem Lebensmittelpunkt und dergleichen sehr persönliche und damit authentische Dinge. Die Melodien erinnerten zum Teil an deutsche Schlager, zum großen Teil aber sehr an französische Chansons, und wenn sich dann hin und wieder ein französisches Wort einschlich, hatte ich das Gefühl: das passt! Aber es gab auch ein paar hochdeutsche Lieder, darunter eines, das Gerd Schinkel aus dem kanadischen Französisch übersetzt hat und das von einem Mord an einem Apotheker handelt (es ist auch auf der CD „Starke Frauen“ die ich noch rezensieren werde) und von den Höhnern „Das schönste Mädchen vom Westerwald“. Und da fällt mir ein, dass Marcel etwas mit den Huusmestern gemeinsam hat: Die Abneigung gegenüber der zwangsläufigen Verbindung von Mundart und Karneval. Er meinte, die Kollegen im Saarland sängen immer nur vom Lyoner Wurst, die in der Pfalz von Weck, Woscht un Woi und die in Köln von Kölsch, Kanveval und Lecker Määdsche (bzw. das waren meine Ergänzungen zu den Lyoner), aber man könne auch ernsthafe Texte auf Mundart singen. Kann man, ja! Aber auch hier wie bei den Huusmeistern: Distanz zur karnevalistischen und ähnlichen oberflächlichen Vereinnahmung von Mundart lässt leicht übersehen, dass auch diese Texte oft nur vordergründig so oberflächlich erscheinen. Mit dem schönsten Mädchen vom Westerwald, das ja übrigens auf Hochdeutsch ist, macht Marcel bewusst eine Ausnahme, und betonte stolz, er sei wohl der einzige Franzose, der das im Repertorie hat.
Ich fand die Begegnung mit Marcel Adam sehr interessant. Einen besseren Vertreter des „Europas der Regionen“, das ja so oft propagiert wird, lässt sich wohl kaum denken. In erster Linie fühlt er sich als Lothringer, in zweiter Linie als Franzose. Sein Hauptpublikum hat er im rheinfränkischen Dialektbereich, aber auch sonst eher in Deutschland als in Frankreich. Und doch ist seine Perspektive auf Deutschland, wie man vielen ironischen Bemerkungen über deutsche Eigenarten entnehmen kann, eine französische. Er wohnt in Grosbliedertroff, direkt an das Saar auf lothringischer Seite und gegenüber dem Saarländischen Kleinblittersdorf. Claudia, seine Frau, ist Saarländerin und erträgt seine Witze über ihre Landsleute und deren eigenartigem Dialekt, der durch viele kleine Feinheiten doch etwas anders ist als das Lothringische, was mir aber von selber nicht auffiel, mit Humor. Was sich liebt, das neckt sich, und für mich hörte es sich nicht viel anders an als Gerd Dudenhöfer. Unser Bereich hier ist jenseits seines regionalen Bewusstseins, so fragte er, wo denn der Westerwald sei und ob wir hier noch in Rheinland-Plalz seien. Nun ja, ich musste auch nachgucken, ob Chalons sur Marne noch in Lothringen ist und fand heraus, dass es zur Champagne gehört und fand auch erst durch einen Blick in einen historischen Atlas heraus, dass der deutsch-, also lothringischsprachige Teil Lothringens nur ein kleiner Teil der Region ist, und die Orte, in denen ich schon war, zum Beispiel Verdun, Nancy und Bar le Duc schon weit im französischsprachigen Teil liegen.
Wer nun neugierig geworden ist, hat am 15.6. die Gelegenheit, Marcel zusammen mit Helmut Eisel in Linz zu hören und/oder sich seine CDs zu kaufen. Seine neuste CD gab er mir mit, und ich werde sie noch rezensieren.
Noch was zum Bungertshof: Ein großes Lob an die Küche für die sehr leckere Folienkartoffel mit gebratenen Pilzen, an die Winzerfamilie Broehl-Blöser aus Oberdollendorf für den süffigen milden Portugieser und an die Höfe-Brauerei für ihr nicht Kölsch heißen dürfendes Obergäriges (+++; Farbe: mittelgelb; Duft: sehr samtig, süßlich-würzig; Geschm.: dto., sehr vollmundig; Abg.: dto., lang, intensiv, auch süß-sauer-herb), kein Lob für den Kellner dafür, dass er immer noch nicht wusste, wo denn das Bier gebraut wird. Ich bin gespannt, ob ich da beim nächsten Besuch im Bungertshof eine andere Antwort bekomme als „irgendwo in der Pampa“.
http://www.marcel-adam.de
http://www.folker.de/200105/adam.htm
http://www.bungertshof.de/
Zu den erwähnten Huusmeistern vgl.:
Huusmeister am 17.3.2007 beim Folk im Feuerschlösschen in Bad Honnef
online: http://folktreff-bonn-rhein-sieg-rezensionen.blogspot.com/2007/04/konzerrezension-huusmeister-am-1732007.html
Und wer was über moselfränkische Mundartmusik wissen will lese meine CD-Rezis:
Woltähr. Trierer Venus
Woltähr. Trier by night
http://folktreff-bonn-rhein-sieg-rezensionen.blogspot.com/2004/07/cd-rezension-wolthr-trierer-venus.html bzw. http://tinyurl.com/axchx und http://www.folkig.de/reviews/woltaehr.php3
und auch
Walter Liederschmitt & Andreas Sickmann. Treverer Barden. Trier/Mosel
http://folktreff-bonn-rhein-sieg-rezensionen.blogspot.com/2006/02/cd-rezension-walter-liederschmitt.html bzw. http://tinyurl.com/977wx
und
Woltähr. Trier night & day. bonus tracks 2001 – 2005
http://folktreff-bonn-rhein-sieg-rezensionen.blogspot.com/2006/02/cd-rezension-wolthr-trier-night-day.html bzw. http://tinyurl.com/9ype6
Und bei weiterem Interesse an ripuarischer Mundartmusik ohne Karnevalsklischees:
Wibbelstetz. De Kopp voll Dröhm
http://folktreff-bonn-rhein-sieg-rezensionen.blogspot.com/2005/09/cd-rezension-wibbelstetz-de-kopp-voll.html bzw. http://tinyurl.com/75mpc
und
Günter Hochgürtel. Troubadour. Günter Hochgürtel singt eigene und andere Lieder.
http://folktreff-bonn-rhein-sieg-rezensionen.blogspot.com/2005/10/cd-rezension-gnter-hochgrtel.html bzw. http://tinyurl.com/dsbzy
Interessanterweise sind sowohl Walter Liederschmidt, als auch Günter Hochgürtel sehr frankophil.
MAS
Lothringische Mundart, französiche Chansons und deutsche Liedermacherei
Nun ist man mal pünktlich schon gegen 19.30 Uhr im Bungertshof, da ist der Saal noch völlig leer, und nur eine Gitarre und eine Madoline auf der Bühne verraten, dass man sich nicht im Termin vertan hat. Er saß noch im Biergarten, Marcel Adam aus Lothringen, zusammen mit seiner Frau Claudia, seinem kleinen Hund und Gerd und Martina Schinkel. Na, dachte ich, da sitzten ja die richtigen beisammen, Petra und ich wurden dazu gebeten, uns schon begann die Fachsimpelei über Deutschfolk, den Folker! und sonstiges Folks, aber davon will ich hier gar nicht berichten. Nicht nur Iren nehmen es mit der Zeit gemütlich, auch Franzosen – und ein solcher ist Marcel als Lothringer ja – aber auch Saarländer lassen sich nicht durchs Leben hetzen, so dass cum tempore sich der Künstler auf die Bühne begab, vor der sich mittlerweile ein 44 Ohren zählendes Publikum eingefunden hatte. Marcel ist wohl die zehnfache Menge gewohnt, was zu betonen er immer wieder einen Anlass fand.
Nun ja, so möchte sich so mancher beim Lesen der Ankündigung gedacht haben, für einen Sänger mit Gitarre sich in den Bungertshof zu begeben, lohne sich nicht, und mit Lothringer Mundart mag so mancher wohl auch nichts anzufangen wissen. Französisch ist schon schwer genug, und dann auch noch im Dialekt! Aber nein weit gefehlt, auf Französisch sang Marcel nur ein paar wenige Lieder, und Lothringisch ist so wenig Französisch wie beispielsweise Elsässisch oder – der Vergleich wird Marcel besser gefallen und ist philologisch auch korrekter – Saarländisch, Pfälzisch oder Nordbadisch, denn zu dieser rheinfränkischen Dialektgruppe gehört das Lothringische, was man zweifelsfrei auch heraus hört. Alsi ich erst mal neugierig CDs von Marcel hörte, war ich über diese Nähe doch einigermaßen erstaunt. Es hat nun keineswegs damit zu tun, Elsass-Lothringen „heim ins Reich“ holen zu wollen, wenn man also einen Franzosen, dessen Muttersprache ein deutscher Dialekt ist, ins Rheinland einlädt. Nein, es hat etwas damit zu tun, dass Marcel Adam nicht irgendeein Bänkelsänger ist, sondern zwei Mundartbereiche weiter südlich (dazwischen liegt ja noch der moselfränkische Bereich, aus dem ich stamme) eine gefragte Größe, die in Saarbrücken, Ludwigshafen und Mannheim ein großes Stammpublikum hat, in Ludwigshafen vielleicht sogar mehr als in Saarbrücken, wie ich nach den vielen Seitenhieben auf die Saarländer zwischen den Liedern mutmaße. Die Pälzer und die Saarlänner sind da so in etwa wie hier die Rheinländer und die Westfalen oder wie weiter südlich die Badener und die Schwaben. Und die Lothringer? Ja von denen weiß wohl kaum noch einer, dass sie exisitieren, so als eigene Ethnie neben Elsässern, Bretonen, Okzitanen, Basken und Korsen. Lothringisch soll – anders als Elsässich – am Aussterben sein, weil es nur noch von den Alten gesprochen, den Jungen aber nicht mehr beigebracht wird. Marcel, der nun aber tatsächlich Französisch als erste und Hochdeutsch als zweite Fremdsprache lernte, hält erst recht – oder wie es auf Lothringisch heißt: grad’ze lääd (nicht grad’ze lääds, denn das sei ein saarländischer Sprachfehler, wie marcel erklärte) – die Fahne seiner Muttersprache hoch.
Und was sang er nun auf Lothringisch? Hauptsächlich waren es Alltagsgeschichten: Erinnerungen an die erste Liebe oder an die Oma, mahnende Worte darüber, wie hart die Frauen für die Familie arbeiten müssen, eine Schilderung einer lustige Beerdigung, über die Wäschkisch (Waschküche) als häuslichem Lebensmittelpunkt und dergleichen sehr persönliche und damit authentische Dinge. Die Melodien erinnerten zum Teil an deutsche Schlager, zum großen Teil aber sehr an französische Chansons, und wenn sich dann hin und wieder ein französisches Wort einschlich, hatte ich das Gefühl: das passt! Aber es gab auch ein paar hochdeutsche Lieder, darunter eines, das Gerd Schinkel aus dem kanadischen Französisch übersetzt hat und das von einem Mord an einem Apotheker handelt (es ist auch auf der CD „Starke Frauen“ die ich noch rezensieren werde) und von den Höhnern „Das schönste Mädchen vom Westerwald“. Und da fällt mir ein, dass Marcel etwas mit den Huusmestern gemeinsam hat: Die Abneigung gegenüber der zwangsläufigen Verbindung von Mundart und Karneval. Er meinte, die Kollegen im Saarland sängen immer nur vom Lyoner Wurst, die in der Pfalz von Weck, Woscht un Woi und die in Köln von Kölsch, Kanveval und Lecker Määdsche (bzw. das waren meine Ergänzungen zu den Lyoner), aber man könne auch ernsthafe Texte auf Mundart singen. Kann man, ja! Aber auch hier wie bei den Huusmeistern: Distanz zur karnevalistischen und ähnlichen oberflächlichen Vereinnahmung von Mundart lässt leicht übersehen, dass auch diese Texte oft nur vordergründig so oberflächlich erscheinen. Mit dem schönsten Mädchen vom Westerwald, das ja übrigens auf Hochdeutsch ist, macht Marcel bewusst eine Ausnahme, und betonte stolz, er sei wohl der einzige Franzose, der das im Repertorie hat.
Ich fand die Begegnung mit Marcel Adam sehr interessant. Einen besseren Vertreter des „Europas der Regionen“, das ja so oft propagiert wird, lässt sich wohl kaum denken. In erster Linie fühlt er sich als Lothringer, in zweiter Linie als Franzose. Sein Hauptpublikum hat er im rheinfränkischen Dialektbereich, aber auch sonst eher in Deutschland als in Frankreich. Und doch ist seine Perspektive auf Deutschland, wie man vielen ironischen Bemerkungen über deutsche Eigenarten entnehmen kann, eine französische. Er wohnt in Grosbliedertroff, direkt an das Saar auf lothringischer Seite und gegenüber dem Saarländischen Kleinblittersdorf. Claudia, seine Frau, ist Saarländerin und erträgt seine Witze über ihre Landsleute und deren eigenartigem Dialekt, der durch viele kleine Feinheiten doch etwas anders ist als das Lothringische, was mir aber von selber nicht auffiel, mit Humor. Was sich liebt, das neckt sich, und für mich hörte es sich nicht viel anders an als Gerd Dudenhöfer. Unser Bereich hier ist jenseits seines regionalen Bewusstseins, so fragte er, wo denn der Westerwald sei und ob wir hier noch in Rheinland-Plalz seien. Nun ja, ich musste auch nachgucken, ob Chalons sur Marne noch in Lothringen ist und fand heraus, dass es zur Champagne gehört und fand auch erst durch einen Blick in einen historischen Atlas heraus, dass der deutsch-, also lothringischsprachige Teil Lothringens nur ein kleiner Teil der Region ist, und die Orte, in denen ich schon war, zum Beispiel Verdun, Nancy und Bar le Duc schon weit im französischsprachigen Teil liegen.
Wer nun neugierig geworden ist, hat am 15.6. die Gelegenheit, Marcel zusammen mit Helmut Eisel in Linz zu hören und/oder sich seine CDs zu kaufen. Seine neuste CD gab er mir mit, und ich werde sie noch rezensieren.
Noch was zum Bungertshof: Ein großes Lob an die Küche für die sehr leckere Folienkartoffel mit gebratenen Pilzen, an die Winzerfamilie Broehl-Blöser aus Oberdollendorf für den süffigen milden Portugieser und an die Höfe-Brauerei für ihr nicht Kölsch heißen dürfendes Obergäriges (+++; Farbe: mittelgelb; Duft: sehr samtig, süßlich-würzig; Geschm.: dto., sehr vollmundig; Abg.: dto., lang, intensiv, auch süß-sauer-herb), kein Lob für den Kellner dafür, dass er immer noch nicht wusste, wo denn das Bier gebraut wird. Ich bin gespannt, ob ich da beim nächsten Besuch im Bungertshof eine andere Antwort bekomme als „irgendwo in der Pampa“.
http://www.marcel-adam.de
http://www.folker.de/200105/adam.htm
http://www.bungertshof.de/
Zu den erwähnten Huusmeistern vgl.:
Huusmeister am 17.3.2007 beim Folk im Feuerschlösschen in Bad Honnef
online: http://folktreff-bonn-rhein-sieg-rezensionen.blogspot.com/2007/04/konzerrezension-huusmeister-am-1732007.html
Und wer was über moselfränkische Mundartmusik wissen will lese meine CD-Rezis:
Woltähr. Trierer Venus
Woltähr. Trier by night
http://folktreff-bonn-rhein-sieg-rezensionen.blogspot.com/2004/07/cd-rezension-wolthr-trierer-venus.html bzw. http://tinyurl.com/axchx und http://www.folkig.de/reviews/woltaehr.php3
und auch
Walter Liederschmitt & Andreas Sickmann. Treverer Barden. Trier/Mosel
http://folktreff-bonn-rhein-sieg-rezensionen.blogspot.com/2006/02/cd-rezension-walter-liederschmitt.html bzw. http://tinyurl.com/977wx
und
Woltähr. Trier night & day. bonus tracks 2001 – 2005
http://folktreff-bonn-rhein-sieg-rezensionen.blogspot.com/2006/02/cd-rezension-wolthr-trier-night-day.html bzw. http://tinyurl.com/9ype6
Und bei weiterem Interesse an ripuarischer Mundartmusik ohne Karnevalsklischees:
Wibbelstetz. De Kopp voll Dröhm
http://folktreff-bonn-rhein-sieg-rezensionen.blogspot.com/2005/09/cd-rezension-wibbelstetz-de-kopp-voll.html bzw. http://tinyurl.com/75mpc
und
Günter Hochgürtel. Troubadour. Günter Hochgürtel singt eigene und andere Lieder.
http://folktreff-bonn-rhein-sieg-rezensionen.blogspot.com/2005/10/cd-rezension-gnter-hochgrtel.html bzw. http://tinyurl.com/dsbzy
Interessanterweise sind sowohl Walter Liederschmidt, als auch Günter Hochgürtel sehr frankophil.
MAS
Monday, May 14, 2007
Konzertrezension: Tom McConville & Dave Wood am 14.5.2007 beim Folk im Feuerschlösschen in Bad Honnef
Tom McConville & Dave Wood am 14.5.2007 beim Folk im Feuerschlösschen in Bad Honnef
Folk vom Newcastle Fiddler
Zu diesem Feuerschlösschenkonzert kam ich erst kurz nach der Pause, da sich noch ein Vortrag über „Wer vertritt den Islam in Deutschland?“ in meinen Terminkalender geschoben hat, von dem ich im interreligiösen Rundbrief berichten werde. So bekam ich noch etwa die Hälte mit, aber „richtige“ Reporter kommen ja oft auch nur, um mal kurz hinein zu hören, und schreiben trotzdem über das Konzert.
Tom McConville, ein älterer Herr mit zurück gekämmtem Haar und Dave Wood, ein Jüngling mit Lockenkopf boten ein ungleiches Bild, wie sie da, ersterer mit Geige, letzterer mit Gitarre auf der Bühne im Feuerschlösschen standen. 30 Lebensjahre trennen die beiden, Dave ist 24, Tom 54. Das erste, was ich hörte, waren ein paar flotte Fiddletunes, begleitet mit Gitarre, aber sie boten dann auch langsamere Sachen an, und Tom sang auch ein paar Lieder. Fiddlespiel und Gesang lagen in einem nicht kleinen Kontrast zueinander, denn war ersteres mitunter sehr filigran, so war letzterer eher urwüchsig. Die Musik war nicht explizit als English Folk angekündigt und hörte sich auch eher irisch-schottisch an, manches aber auch norwegisch und anderes klassisch. Tom war unverkennbar der Kopf des Duos, denn Dave begleitet nur, zumindest in der zweiten Konzerthälfte, die ich erlebte. Passend zur Herkunft der beiden gönnte ich mir ein Newcastle Brown Ale, entspannte mich und genoß einfach die schöne Musik und das leckere Bier aus dem Norden Englands; mochte den Islam in Deutschland vertreten wer wollte, Tom und Dave vertraten gekonnt und angenehm die britische Folkmusik
http://www.tommcconville.co.uk/
http://www.folkimfeuerschloesschen.de.vu/
MAS
Folk vom Newcastle Fiddler
Zu diesem Feuerschlösschenkonzert kam ich erst kurz nach der Pause, da sich noch ein Vortrag über „Wer vertritt den Islam in Deutschland?“ in meinen Terminkalender geschoben hat, von dem ich im interreligiösen Rundbrief berichten werde. So bekam ich noch etwa die Hälte mit, aber „richtige“ Reporter kommen ja oft auch nur, um mal kurz hinein zu hören, und schreiben trotzdem über das Konzert.
Tom McConville, ein älterer Herr mit zurück gekämmtem Haar und Dave Wood, ein Jüngling mit Lockenkopf boten ein ungleiches Bild, wie sie da, ersterer mit Geige, letzterer mit Gitarre auf der Bühne im Feuerschlösschen standen. 30 Lebensjahre trennen die beiden, Dave ist 24, Tom 54. Das erste, was ich hörte, waren ein paar flotte Fiddletunes, begleitet mit Gitarre, aber sie boten dann auch langsamere Sachen an, und Tom sang auch ein paar Lieder. Fiddlespiel und Gesang lagen in einem nicht kleinen Kontrast zueinander, denn war ersteres mitunter sehr filigran, so war letzterer eher urwüchsig. Die Musik war nicht explizit als English Folk angekündigt und hörte sich auch eher irisch-schottisch an, manches aber auch norwegisch und anderes klassisch. Tom war unverkennbar der Kopf des Duos, denn Dave begleitet nur, zumindest in der zweiten Konzerthälfte, die ich erlebte. Passend zur Herkunft der beiden gönnte ich mir ein Newcastle Brown Ale, entspannte mich und genoß einfach die schöne Musik und das leckere Bier aus dem Norden Englands; mochte den Islam in Deutschland vertreten wer wollte, Tom und Dave vertraten gekonnt und angenehm die britische Folkmusik
http://www.tommcconville.co.uk/
http://www.folkimfeuerschloesschen.de.vu/
MAS
Saturday, April 21, 2007
Konzertrezension: 6. Bonner Irish Folk Festival am 21.4.2007 in der Harmonie in Bonn-Endenich
6. Bonner Irish Folk Festival am 21.4.2007 in der Harmonie in Bonn-Endenich

Von fein bis deftig – Foggy Stew, Midnight Court und Five Alive O begeisternen das Bonner Folk
Sabrina Palm und ihr Team luden zum sechsten Mal zum BIFF in die Harmonie ein. Und die war proppe voll! Drei Bands standen auf dem Programm: Foggy Stew aus Bonn als Repräsentanten der einheimischen Irish Folk Szene, Midnight Court aus Berlin und Five Alive O aus ... – ja, das weiß ich gar nicht, wo die zu Hause sind, aber einer der Musiker, Michael Poelchau, ist jedenfalls Bonner. Wie gewohnt führte Näx, also Alecander May, durchs Programm.
Foggy Stew hörte ich zum dritten Mal seit 2004 und hate auch die Ehre, deren CD zu besprechen, abgesehen davon, dass die drei, nämlich Margret Hüffer, Nicole Maldonado und Michael Heuser unabhängig von der Band aus der Bonner Irish Session Szene nicht mehr weg zu denken sind. Die Annahme „kenne ich schon“ erwies sich aber sofort zu Beginn ihres Acts als voreiliger Trugschluss. Nein, so kannte ich sie noch nicht. Sie fingen langsam an, ganz sachte, fein, leise und doch durchdringend. Der noch kurz zuvor von Unterhaltungen laute Saal wurde leise, alle lauschten gespannt. Margret spielte eine Low Whistle, Nicole ihre Geige, Michael eine Gitarre. Der Tune war eindringlich, lieblich, doch einzelne Töne waren anders, eine Note oder einen halben Ton höher als erwartet, um dann bei der Wiederholung dort zu sitzen, wo er sein sollte, was die Spannung glättete, um sich dann durch weitere Variationen sofort wieder aufzubauen. Der Tune wurde schneller, aber wurde nicht hektisch, Margret wechselte zu Tin Whistle. Dann ein Lied: „Caledonia“, oft gehört, aber hier verwundert: Mensch Margret: sagenhaft! dann wiede ein Tuneset, bestehend ncihteinfach aus zwei-drei aneinander gereihten Reels, sondern einer bildete den Rahmen, kehrte immer wieder (es war „Up downy“) und wurde unterbrochen durch andere Reels zwischendrinn, abwechselnd auf Whistle und Fiddle gespielt. Michael wechselte auch mal zur Mandoline und zu seinen zwei Banjos, und da war es mir, als hörte ich Barny McKenna. Einem von Nicole engelsgleich gesungenen Lied gab er mit dem Banjo aber auch einen Schuss Blue Grass hinzu, und auch Nicole selbst könnte gut und gerne in Nashville auftreten! Ich war ja schon beim 2. BIFF, auf dem sie mit Tj:unichtgut auftrat, von ihrem Geasng begeistert. Mit „Casey’s“, dem Leid über den irischen Pfarrer, in dessen Fireston-Reifen sich Irlands Schäferhunde verbeißen, schafften sie es, das ganze Publikum zum Mitsingen zu bringen.
Aaron Shirlow (Gitarre, Gesang), Bernd Lüdtke (Fiddle, Gesang) und Noel Minogue (Akkordeon, Banjo, Gesang) bilden die Band Midnight Court aus Berlin, wobei Aaron und Noel aber aus Irland stammen. Die kannte ich nur von dem Sampler des 9th St. Patrick’s Day Celebration Festvial, und freute mich sehr, sie endlich mal life erleben zu dürfen. Ich war auch keineswegs enttäuscht, außer vielleicht, dass die das auf der CD gesungene „Step it out Mary“ nicht dabei hatten, da das meine Lieblingsversion des Liedes ist. Aber sie hatten viele andere bekannte Songs und Tunes, die sie unheimlich treibend, groovig, energiegeladen vortrugen. Dabei erinnerten mich einige Stücke an eine andere Band, die auf dem selben SPDCF-Sampler mit drauf ist: At the Racket, die Irish Folk im Stil der 1930er Jahre spielen. Bemerkenswert war auch der Gesang aller drei Herren, zum Beispiel in einem Shanty: Ich fühlte mich zurück versetzt in die Zeit, in der irische Seeleute auf britischen Schiffen über die Meere segelten. Sie sollten ruhig öfter mal in die Gegend kommen, ich würde ihnen auch gerne mal länger zuhören.
Beim BIFF aber mussten sie die Bühne schon bald, also nach 45 Minuten, die jeder Band hatte, an Five Alive O abgeben, die da waren (bzw. immer noch sind): Seán Reeves (Gesang, Bodhrán, Cajon), Jonathan Williams (Fiddle, Keyboards), Gert Neumann (Gitarre, Mandola)
Michael Poelchau (Fiddle) und Volker Kamp (E-Kontra-Bass). Diese legten auf die schon deftige Vorlage von Midnight Court noch eins drauf, sangen Gassenhauer, die von den Dubliners, auf die auch Bezug genommen wurde und mit denen zusammen Seán, der Ire ist, auch schon aufgetreten ist, bekannt sind (z.B. „Follow me up to Carlow“, „Spancil Hill“, „The Star of the County Down“und „Whiskey in the Jar“ ) und Tunes, die vor allem durch Geschwindikeit glänzten. Ich fühlte mich zurück versetzt (nein, nicht in alte Seefahrerzeiten, die ich ja nicht selbst erlebt habe, sondern) in die Zeit, in der ich anfing, irische Musik zu hören und nach und nach viele deutsche Bands kennen lernte, die im Fahrwasser der Dubliners und der Pogues unterwegs waren. Das tat gut, so die eigene biographische Brücke zu schlagen. Seáns Stimme erinnerte mich aber auch an Van Morrison, vor allem bei „Carrigfergus“. Das Publikum war auch total aus dem Häuschen, klatschte mit, und tat das sogar im 4/4Takt bei jedem Takt und nicht nur bei jedem zweiten oder 1-2-3-Aussetzer, also nicht so langweilig, wie man es oft hört. Bei einem Lied sagte Karsten neben mir: „Das ist doch Casey’s“, aber es war „The Batchelor“, ein anderer Text, aber die selbe Melodie, und ja, dieses Lied kannte ich schon vorher, wusste es aber nicht mehr. Bei den Reels, Jigs, Polkas usw, war es interessant, Jonathans und Michaels Gesicher zu beobachten: Während ersterer so guckte, als wolle er einen ausschimpfen, schien sich letzterer entspannt zurück zu legen. Beim 2. BIFF trat Michael ja mit den Bleedin’ Heards auf, und heute wie damals hatte nicht nur ich den Eindruck: Er war unterfordert, auch wenn er ins Schwitzen kam.
Natürlich endete das BIFF nicht ohne die Festival-Session aller Musiker(innen) inklusive Sabrina mit ihrer Fiddle und Näx mit seiner Whistle zusammen. Da wurde noch mal richtig losgelegt, wieder mit neueren Tunes, also von Goldrick und so.
Fazit: Begeisterung pur, nicht bei jedem, mit dem ich mich unterhielt über die gleichen Beiträge, aber von der Gesamtkonstellation und auch von der Reihenfolge: 1. feine Filigranität, 2. grooviges Treiben und 3. fetzige Gassenhauer und dass bei gleichbleibender Qualität der Musik. Das passt!
Von der anschließenden offenen Session im Fiddler’s kann ich leider nicht berichten, da es mich nach Hause zog.
http://www.foggystew.de/
http://www.midnightcourt.com/
http://www.fivealiveo.net/
http://www.irishcoffee.de/html/five_alive_o.html
http://www.biff.de.vu/
http://www.musikwissenschaft.uni-bonn.de/dozenten/palm.html
http://www.harmonie-bonn.de/
Frühere BIFF-Reis von mir:
1. Bonner Irish Folk Festival am 20.4.2002 in der Harmonie in Bonn-Endenich
http://folktreff-bonn-rhein-sieg-rezensionen.blogspot.com/2002/04/konzertrezension-1-bonner-irish-folk.html bzw. http://tinyurl.com/8oltl
2. Bonner Irish Folk Festival am 26.4.2003 in der Harmonie in Bonn-Endenich
http://folktreff-bonn-rhein-sieg-rezensionen.blogspot.com/2003/04/konzertrezension-2-bonner-irish-folk.html bzw. http://tinyurl.com/7dtj3
3. Bonner Irish Folk Festival am 24.4.2004 in der Harmonie in Bonn-Endenich
http://folktreff-bonn-rhein-sieg-rezensionen.blogspot.com/2004/04/konzertrezension-3-bonner-irish-folk.html bzw. http://tinyurl.com/7a877
4. Bonner Irish Folk Festival am 23.4.2005 in der Harmonie in Bonn-Endenich
http://folktreff-bonn-rhein-sieg-rezensionen.blogspot.com/2005/04/konzertrezension-4-bonner-irish-folk.html bzw. http://tinyurl.com/auwdz
5. Bonner Irish Folk Festival am 29.4.2006 in der Harmonie in Bonn-Endenich
http://folktreff-bonn-rhein-sieg-rezensionen.blogspot.com/2006/04/konzertrezension-5-bonner-irish-folk.html bzw. http://tinyurl.com/ftoh5
5. Bonner Irish Folk Festival am 29.4.2006 in der Harmonie in Bonn-Endenich
Ortstermin
Irland am Rhein. 5. Bonner Irish Folk Festival. Harmonie, Bonn-Endenich, 29.4.2006
mit einem Foto von Till Storz
In: Folker! 04.06., S. 72
Frühere Rezis zu Foggy Stew:
1. Celtic Attractions Festival
Celtic Attractions – 1. Irish/Scottish Folkfestival im Zirkuszelt am 8.4.2005 in Köln-Weiß
http://folktreff-bonn-rhein-sieg-rezensionen.blogspot.com/2005/04/konzertrezension-celtic-attractions-1.html bzw. http://tinyurl.com/85qdj
CD: Foggy Stew. one more payment and it’s mine
http://folktreff-bonn-rhein-sieg-rezensionen.blogspot.com/2006/07/cd-rezension-foggy-stew-traditional.html
MAS

Von fein bis deftig – Foggy Stew, Midnight Court und Five Alive O begeisternen das Bonner Folk
Sabrina Palm und ihr Team luden zum sechsten Mal zum BIFF in die Harmonie ein. Und die war proppe voll! Drei Bands standen auf dem Programm: Foggy Stew aus Bonn als Repräsentanten der einheimischen Irish Folk Szene, Midnight Court aus Berlin und Five Alive O aus ... – ja, das weiß ich gar nicht, wo die zu Hause sind, aber einer der Musiker, Michael Poelchau, ist jedenfalls Bonner. Wie gewohnt führte Näx, also Alecander May, durchs Programm.
Foggy Stew hörte ich zum dritten Mal seit 2004 und hate auch die Ehre, deren CD zu besprechen, abgesehen davon, dass die drei, nämlich Margret Hüffer, Nicole Maldonado und Michael Heuser unabhängig von der Band aus der Bonner Irish Session Szene nicht mehr weg zu denken sind. Die Annahme „kenne ich schon“ erwies sich aber sofort zu Beginn ihres Acts als voreiliger Trugschluss. Nein, so kannte ich sie noch nicht. Sie fingen langsam an, ganz sachte, fein, leise und doch durchdringend. Der noch kurz zuvor von Unterhaltungen laute Saal wurde leise, alle lauschten gespannt. Margret spielte eine Low Whistle, Nicole ihre Geige, Michael eine Gitarre. Der Tune war eindringlich, lieblich, doch einzelne Töne waren anders, eine Note oder einen halben Ton höher als erwartet, um dann bei der Wiederholung dort zu sitzen, wo er sein sollte, was die Spannung glättete, um sich dann durch weitere Variationen sofort wieder aufzubauen. Der Tune wurde schneller, aber wurde nicht hektisch, Margret wechselte zu Tin Whistle. Dann ein Lied: „Caledonia“, oft gehört, aber hier verwundert: Mensch Margret: sagenhaft! dann wiede ein Tuneset, bestehend ncihteinfach aus zwei-drei aneinander gereihten Reels, sondern einer bildete den Rahmen, kehrte immer wieder (es war „Up downy“) und wurde unterbrochen durch andere Reels zwischendrinn, abwechselnd auf Whistle und Fiddle gespielt. Michael wechselte auch mal zur Mandoline und zu seinen zwei Banjos, und da war es mir, als hörte ich Barny McKenna. Einem von Nicole engelsgleich gesungenen Lied gab er mit dem Banjo aber auch einen Schuss Blue Grass hinzu, und auch Nicole selbst könnte gut und gerne in Nashville auftreten! Ich war ja schon beim 2. BIFF, auf dem sie mit Tj:unichtgut auftrat, von ihrem Geasng begeistert. Mit „Casey’s“, dem Leid über den irischen Pfarrer, in dessen Fireston-Reifen sich Irlands Schäferhunde verbeißen, schafften sie es, das ganze Publikum zum Mitsingen zu bringen.
Aaron Shirlow (Gitarre, Gesang), Bernd Lüdtke (Fiddle, Gesang) und Noel Minogue (Akkordeon, Banjo, Gesang) bilden die Band Midnight Court aus Berlin, wobei Aaron und Noel aber aus Irland stammen. Die kannte ich nur von dem Sampler des 9th St. Patrick’s Day Celebration Festvial, und freute mich sehr, sie endlich mal life erleben zu dürfen. Ich war auch keineswegs enttäuscht, außer vielleicht, dass die das auf der CD gesungene „Step it out Mary“ nicht dabei hatten, da das meine Lieblingsversion des Liedes ist. Aber sie hatten viele andere bekannte Songs und Tunes, die sie unheimlich treibend, groovig, energiegeladen vortrugen. Dabei erinnerten mich einige Stücke an eine andere Band, die auf dem selben SPDCF-Sampler mit drauf ist: At the Racket, die Irish Folk im Stil der 1930er Jahre spielen. Bemerkenswert war auch der Gesang aller drei Herren, zum Beispiel in einem Shanty: Ich fühlte mich zurück versetzt in die Zeit, in der irische Seeleute auf britischen Schiffen über die Meere segelten. Sie sollten ruhig öfter mal in die Gegend kommen, ich würde ihnen auch gerne mal länger zuhören.
Beim BIFF aber mussten sie die Bühne schon bald, also nach 45 Minuten, die jeder Band hatte, an Five Alive O abgeben, die da waren (bzw. immer noch sind): Seán Reeves (Gesang, Bodhrán, Cajon), Jonathan Williams (Fiddle, Keyboards), Gert Neumann (Gitarre, Mandola)
Michael Poelchau (Fiddle) und Volker Kamp (E-Kontra-Bass). Diese legten auf die schon deftige Vorlage von Midnight Court noch eins drauf, sangen Gassenhauer, die von den Dubliners, auf die auch Bezug genommen wurde und mit denen zusammen Seán, der Ire ist, auch schon aufgetreten ist, bekannt sind (z.B. „Follow me up to Carlow“, „Spancil Hill“, „The Star of the County Down“und „Whiskey in the Jar“ ) und Tunes, die vor allem durch Geschwindikeit glänzten. Ich fühlte mich zurück versetzt (nein, nicht in alte Seefahrerzeiten, die ich ja nicht selbst erlebt habe, sondern) in die Zeit, in der ich anfing, irische Musik zu hören und nach und nach viele deutsche Bands kennen lernte, die im Fahrwasser der Dubliners und der Pogues unterwegs waren. Das tat gut, so die eigene biographische Brücke zu schlagen. Seáns Stimme erinnerte mich aber auch an Van Morrison, vor allem bei „Carrigfergus“. Das Publikum war auch total aus dem Häuschen, klatschte mit, und tat das sogar im 4/4Takt bei jedem Takt und nicht nur bei jedem zweiten oder 1-2-3-Aussetzer, also nicht so langweilig, wie man es oft hört. Bei einem Lied sagte Karsten neben mir: „Das ist doch Casey’s“, aber es war „The Batchelor“, ein anderer Text, aber die selbe Melodie, und ja, dieses Lied kannte ich schon vorher, wusste es aber nicht mehr. Bei den Reels, Jigs, Polkas usw, war es interessant, Jonathans und Michaels Gesicher zu beobachten: Während ersterer so guckte, als wolle er einen ausschimpfen, schien sich letzterer entspannt zurück zu legen. Beim 2. BIFF trat Michael ja mit den Bleedin’ Heards auf, und heute wie damals hatte nicht nur ich den Eindruck: Er war unterfordert, auch wenn er ins Schwitzen kam.
Natürlich endete das BIFF nicht ohne die Festival-Session aller Musiker(innen) inklusive Sabrina mit ihrer Fiddle und Näx mit seiner Whistle zusammen. Da wurde noch mal richtig losgelegt, wieder mit neueren Tunes, also von Goldrick und so.
Fazit: Begeisterung pur, nicht bei jedem, mit dem ich mich unterhielt über die gleichen Beiträge, aber von der Gesamtkonstellation und auch von der Reihenfolge: 1. feine Filigranität, 2. grooviges Treiben und 3. fetzige Gassenhauer und dass bei gleichbleibender Qualität der Musik. Das passt!
Von der anschließenden offenen Session im Fiddler’s kann ich leider nicht berichten, da es mich nach Hause zog.
http://www.foggystew.de/
http://www.midnightcourt.com/
http://www.fivealiveo.net/
http://www.irishcoffee.de/html/five_alive_o.html
http://www.biff.de.vu/
http://www.musikwissenschaft.uni-bonn.de/dozenten/palm.html
http://www.harmonie-bonn.de/
Frühere BIFF-Reis von mir:
1. Bonner Irish Folk Festival am 20.4.2002 in der Harmonie in Bonn-Endenich
http://folktreff-bonn-rhein-sieg-rezensionen.blogspot.com/2002/04/konzertrezension-1-bonner-irish-folk.html bzw. http://tinyurl.com/8oltl
2. Bonner Irish Folk Festival am 26.4.2003 in der Harmonie in Bonn-Endenich
http://folktreff-bonn-rhein-sieg-rezensionen.blogspot.com/2003/04/konzertrezension-2-bonner-irish-folk.html bzw. http://tinyurl.com/7dtj3
3. Bonner Irish Folk Festival am 24.4.2004 in der Harmonie in Bonn-Endenich
http://folktreff-bonn-rhein-sieg-rezensionen.blogspot.com/2004/04/konzertrezension-3-bonner-irish-folk.html bzw. http://tinyurl.com/7a877
4. Bonner Irish Folk Festival am 23.4.2005 in der Harmonie in Bonn-Endenich
http://folktreff-bonn-rhein-sieg-rezensionen.blogspot.com/2005/04/konzertrezension-4-bonner-irish-folk.html bzw. http://tinyurl.com/auwdz
5. Bonner Irish Folk Festival am 29.4.2006 in der Harmonie in Bonn-Endenich
http://folktreff-bonn-rhein-sieg-rezensionen.blogspot.com/2006/04/konzertrezension-5-bonner-irish-folk.html bzw. http://tinyurl.com/ftoh5
5. Bonner Irish Folk Festival am 29.4.2006 in der Harmonie in Bonn-Endenich
Ortstermin
Irland am Rhein. 5. Bonner Irish Folk Festival. Harmonie, Bonn-Endenich, 29.4.2006
mit einem Foto von Till Storz
In: Folker! 04.06., S. 72
Frühere Rezis zu Foggy Stew:
1. Celtic Attractions Festival
Celtic Attractions – 1. Irish/Scottish Folkfestival im Zirkuszelt am 8.4.2005 in Köln-Weiß
http://folktreff-bonn-rhein-sieg-rezensionen.blogspot.com/2005/04/konzertrezension-celtic-attractions-1.html bzw. http://tinyurl.com/85qdj
CD: Foggy Stew. one more payment and it’s mine
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MAS
Friday, April 20, 2007
Konzertrezension: Serras am 20.4.2007 im Bungertshof in Königswinter-Oberdollendorf
Serras am 20.4.2007 im Bungertshof in Königswinter-Oberdollendorf
Rockiger Jazz mit dänischen Folkwurzeln auf Tournee durch Tyskland
Wer schon mal in Dänemark war, weiß, wie weit dort die Landschaft ist und wie sich die Entfernungen dahin ziehen können, obwohl das Land so groß gar nicht ist. Ob die Musiker der Gruppe Serras daher die Ruhe weg haben, mal eben so durch ihr südliches Nachbarland zu tingeln, gestern in Halle, heute in Königswinter und morgen in Berlin? Wie auch immer, nun standen oder saßen sie im Bungertshof auf der Bühne, aus Publikumsperspektive von links nach rechts: Sune Rahek (Schlagzeug), Mads Riishede (E-Bass), (vor ihm) Hans Mydtskov (Tenor- & Sopranosaxophon), Harald Haugaard (Geige) und Sune Hånsbæk (Gitarre), und so mit dem Instrumentarium wirkten sie alles andere als typisch folkig, und auch die Musik sollte sich als nur unter anderem folkig entpuppen.
Harald Haugaard hatten wir, also Petra und ich, ja schon zusammen mit Morten Alfred Høirup in Januar im Feurschlösschen gehört, und auch Mattes und Christa Klose waren Fans von seinem Geigenspiel und eigentlich seinetwegen gekommen. Serras aber spielten zwar auch dänische Volksmusik, aber ganz anders als Haugaard & Høirup. Sie spielten in erster Linie jazzig, dann auch rockig und eigentlich nur an dritter Stelle folkig im Sinne von traditionell.
Der Name Serras indes leitet sich von einem traditionellen dänischen Tanz im ¾-Takt ab, den man schneller undauch langsamer, heftiger und melancholischer spielen kann. Und davon spielten sie einige Beispiele, aber auch Polonaisen, Polkas, Walzer, und nicht wenige der Melodien stammten aus dem 18. Jahrhundert, etwa von Rasmus Storm, Jens Christian Svabo oder Dieter Hys (da bin ich mir bei der Schreibweise unsicher). Nur merkte man, also nicht nur ich, das den Stücken nicht an, denn sie waren modern arrangiert, und so von den Eigenkompositionen gar nicht zu unterscheiden, die ebenfalls alte Tänze in neuem Gewand waren. Zwischendurch dann wurde der traditionelle Boden auch gänzlich verlassen, und jazzige Saxophonklänge und rockige E-Gitarrenriffs und E-Bass-Grooves könnten auch aus Ney York oder sonst einer Metropole stammen. Doch immer wieder gewann vor allem die typisch skandinavische Wuchtigkeit und Basslastigkeit die Oberhand. Dann wurde es bisweilen mittelalterrockig, ähnlich wie bei Adaro, nur dass die Drehleier oder Christoph Pelgens Gesang fehlte. Gesang gab es gar keinen, es war ein rein instrumentelles Konzert.
Und Harald, dessentwegen wir doch gekommen waren? Ja, der spielte phänomenal wie gekannt, aber gegen die anderen Instrumente kam die Geige nicht immer so an. Zum Ausgleich spielte er dann ein paar Passagen, die aus Vivaldis „Vier Jahreszeiten“ stammen könnten. Und in dem ruhigeren Part eines seiner Heimatinsel Fünen (Fyn) gewidmeten Stückes spielte er so lieblich, dass mir Bilder von Feldern und Hecken vor dem Hintergrund der Ostsee kamen, bis in der Mitte des Stückes die anderen wie eine Sturmflut in das Idyll hinein breschten. Petra schrieb mir mal auf einen Zettel, denn verstehen konnte ich es akustisch nicht: Heavy Folk. So kann das also klingen, wenn sich Musiker mit recht unterschiedlichen musikalischen Hintergründen zusammen tun.
Veranstalterin Andrea Daun war auch mit dabei, und wie die am Mischpult hießen, weiß ich nicht mehr, aber ohne sie hätte es nicht so schön geklungen. Andrea Daun managt ja auch die Braven Buben und ich kann ihr nur meine Hochachtung zollen solche experimentierfreudigen und doch verwurzelten Musiker auf Tour zu schicken. Ich wünsche Ihnen weiterhin viel Erfolg und komme gerne wieder!
Auch in den Bungertshof komme ich gerne wieder, und das nicht nur wegen der Weine von Blöser direkt aus dem Ort, sondern zum Einen, weil sie jetzt wohl generell ein Rauchverbot bei Konzerten haben, was nicht nur den Musikern gut tut, und zum Anderen, weil sie nun Biere einer kleinen Brauerei namens Höfe-Bräu anbieten, von der noch nicht mal die Kellner wussten, wo sie liegt, außer eben „irgendwo in der Pampa“. Es gibt ein Obergäriges (also ein Kölsch außerhalb der Konvention), ein Hefeweizen und ein Export. Letzteres ließ ich mir kommen und notierte mir dazu: Farbe: mittel- bis dunkelgold; Duft: zuerst etwas herb, dann süßlich-blumig-aromatisch-würzig; Geschmack: leicht rezent, süßlich-herb-aromatisch-würzig, vollmundig; Abgang: dto., dann leicht bitter. Mit anderen Worten: sehr lecker!
http://www.serras.dk/
http://www.kleine-feine-konzerte.de/
http://www.bungertshof.de/
Hier ein Artikel von Tom Daun:
http://www.folker.de/200702/17serras.htm
Noch ein paar Infos zu Hintergründen:
http://www.dankultur.de/Archive/Archiv_2006/musik.htm
http://de.wikipedia.org/wiki/Fünen
http://de.wikipedia.org/wiki/Jens_Christian_Svabo
MAS
Rockiger Jazz mit dänischen Folkwurzeln auf Tournee durch Tyskland
Wer schon mal in Dänemark war, weiß, wie weit dort die Landschaft ist und wie sich die Entfernungen dahin ziehen können, obwohl das Land so groß gar nicht ist. Ob die Musiker der Gruppe Serras daher die Ruhe weg haben, mal eben so durch ihr südliches Nachbarland zu tingeln, gestern in Halle, heute in Königswinter und morgen in Berlin? Wie auch immer, nun standen oder saßen sie im Bungertshof auf der Bühne, aus Publikumsperspektive von links nach rechts: Sune Rahek (Schlagzeug), Mads Riishede (E-Bass), (vor ihm) Hans Mydtskov (Tenor- & Sopranosaxophon), Harald Haugaard (Geige) und Sune Hånsbæk (Gitarre), und so mit dem Instrumentarium wirkten sie alles andere als typisch folkig, und auch die Musik sollte sich als nur unter anderem folkig entpuppen.
Harald Haugaard hatten wir, also Petra und ich, ja schon zusammen mit Morten Alfred Høirup in Januar im Feurschlösschen gehört, und auch Mattes und Christa Klose waren Fans von seinem Geigenspiel und eigentlich seinetwegen gekommen. Serras aber spielten zwar auch dänische Volksmusik, aber ganz anders als Haugaard & Høirup. Sie spielten in erster Linie jazzig, dann auch rockig und eigentlich nur an dritter Stelle folkig im Sinne von traditionell.
Der Name Serras indes leitet sich von einem traditionellen dänischen Tanz im ¾-Takt ab, den man schneller undauch langsamer, heftiger und melancholischer spielen kann. Und davon spielten sie einige Beispiele, aber auch Polonaisen, Polkas, Walzer, und nicht wenige der Melodien stammten aus dem 18. Jahrhundert, etwa von Rasmus Storm, Jens Christian Svabo oder Dieter Hys (da bin ich mir bei der Schreibweise unsicher). Nur merkte man, also nicht nur ich, das den Stücken nicht an, denn sie waren modern arrangiert, und so von den Eigenkompositionen gar nicht zu unterscheiden, die ebenfalls alte Tänze in neuem Gewand waren. Zwischendurch dann wurde der traditionelle Boden auch gänzlich verlassen, und jazzige Saxophonklänge und rockige E-Gitarrenriffs und E-Bass-Grooves könnten auch aus Ney York oder sonst einer Metropole stammen. Doch immer wieder gewann vor allem die typisch skandinavische Wuchtigkeit und Basslastigkeit die Oberhand. Dann wurde es bisweilen mittelalterrockig, ähnlich wie bei Adaro, nur dass die Drehleier oder Christoph Pelgens Gesang fehlte. Gesang gab es gar keinen, es war ein rein instrumentelles Konzert.
Und Harald, dessentwegen wir doch gekommen waren? Ja, der spielte phänomenal wie gekannt, aber gegen die anderen Instrumente kam die Geige nicht immer so an. Zum Ausgleich spielte er dann ein paar Passagen, die aus Vivaldis „Vier Jahreszeiten“ stammen könnten. Und in dem ruhigeren Part eines seiner Heimatinsel Fünen (Fyn) gewidmeten Stückes spielte er so lieblich, dass mir Bilder von Feldern und Hecken vor dem Hintergrund der Ostsee kamen, bis in der Mitte des Stückes die anderen wie eine Sturmflut in das Idyll hinein breschten. Petra schrieb mir mal auf einen Zettel, denn verstehen konnte ich es akustisch nicht: Heavy Folk. So kann das also klingen, wenn sich Musiker mit recht unterschiedlichen musikalischen Hintergründen zusammen tun.
Veranstalterin Andrea Daun war auch mit dabei, und wie die am Mischpult hießen, weiß ich nicht mehr, aber ohne sie hätte es nicht so schön geklungen. Andrea Daun managt ja auch die Braven Buben und ich kann ihr nur meine Hochachtung zollen solche experimentierfreudigen und doch verwurzelten Musiker auf Tour zu schicken. Ich wünsche Ihnen weiterhin viel Erfolg und komme gerne wieder!
Auch in den Bungertshof komme ich gerne wieder, und das nicht nur wegen der Weine von Blöser direkt aus dem Ort, sondern zum Einen, weil sie jetzt wohl generell ein Rauchverbot bei Konzerten haben, was nicht nur den Musikern gut tut, und zum Anderen, weil sie nun Biere einer kleinen Brauerei namens Höfe-Bräu anbieten, von der noch nicht mal die Kellner wussten, wo sie liegt, außer eben „irgendwo in der Pampa“. Es gibt ein Obergäriges (also ein Kölsch außerhalb der Konvention), ein Hefeweizen und ein Export. Letzteres ließ ich mir kommen und notierte mir dazu: Farbe: mittel- bis dunkelgold; Duft: zuerst etwas herb, dann süßlich-blumig-aromatisch-würzig; Geschmack: leicht rezent, süßlich-herb-aromatisch-würzig, vollmundig; Abgang: dto., dann leicht bitter. Mit anderen Worten: sehr lecker!
http://www.serras.dk/
http://www.kleine-feine-konzerte.de/
http://www.bungertshof.de/
Hier ein Artikel von Tom Daun:
http://www.folker.de/200702/17serras.htm
Noch ein paar Infos zu Hintergründen:
http://www.dankultur.de/Archive/Archiv_2006/musik.htm
http://de.wikipedia.org/wiki/Fünen
http://de.wikipedia.org/wiki/Jens_Christian_Svabo
MAS
Wednesday, April 18, 2007
Konzertrezension: Jim Malcom am 18.4.2007 beim Folk im Feuerschlösschen in Bad Honnef
Jim Malcom am 18.4.2007 beim Folk im Feuerschlösschen in Bad Honnef
Sanfte Lieder aus Schottland unterwegs in der Welt
Das Feuerschlösschen-Team, zu dem ja auch Mike Kamp, seines Zeichens Mitherausgeber des Foker! gehört, der in das Heft 02.07 einen Schottlandschwerpunkt hinein gebracht hat, in welchem auch die Termine des Festivals Highland 2007 stehen, muss sich wohl gedacht haben, dass so mancher Folkie es nicht schafft, zum Musikhören nach Schottland zu fahren und trotzdem gerne schottische Musik hören möchte. So wurde nach der Emily Smith Band im Februar nun zum zweiten Mal in diesem Jahr ein schottischer Abend im Feuerschlösschen geboten.
Jim Malcom ist ein Singer/Songwirter aus der Gegend von Perth, nördlich von Edinburgh. Sein Auftreten und Instrumentarium ist so typisch singer/songwritermäßig und folkig, dass ich es schon fast als archetypisch bezeichnen möchte: Ein Handlungsreisender in Sachen Musik mit der Gitarre in den Händen und der Mundharmonika vor dem Mund, tief verwurzelt in der eigenen regionalen und nationalen Musiktradition und dabei doch kreativ beim Schreiben neuer Melodien und Texte, um die Tradition fort zu führen. So trat er auf im gut besuchten, wenn auch nicht vollen Feuerschlösschen, sang und spielte je gut zur Hälfte Lieder seines berühmtesten schottischen Kollegen Robert Burns und welche aus eigener Feder. Die Burns-Lieder waren mir vertraut, die habe ich oft gehört und sie sind immer wiede schön. Natürlich drängte sich mir der Vergleich zu Andy M. Steward auf, der ja auch so ein Burnsianer ist, und meine, Jim singt weicher, nicht so markant. Auch sein Gitarrenspiel ist weich und nicht sehr markant, also nicht zu verwechseln mit dem Dick Gaughans. Aber schön war es, sehr harmonisch, sehr meldodiös.
Jim ist viel unterwegs in Europa und Nordamerika. Einige seiner eigenen Sings handeln davon. So besingt er den Indian Summer in Neuengland oder die Sehnsucht nach seiner Frau während eines bierseligen Abends in einer fränkischen Kleinstadt. Dieser Moonlight Song gefiel mir besonders gut. Er hat eine sehr aparte Melodie, die ich mir gut von einer Band wie Tarras arrangiert vorstellen kann. Darin kommt dann auch ein deutsches Wort vor: „Fledermaus“, Jims liebstes deutsches Wort nach ... „Dudelsack“. Und noch etwas schätzt er an Deutschland: das Bier. Es sei das beste in der Welt, während das schottische „buäh“ sei. Aus Schottland möge er nur den Whisky und da würde er mal gerne ein Lied drüber schreiben: „Scottsh whisky and German beer“ mit Humpatäterä und Dudelsackgequäke. (Als ich seinem negativen Urteil über schottisches Bier in der Pause widersprach und Deuchars India Pale Ale und Fraoch Heather Ale als positive Gegenbeispiele nannte, stimmte er mir zu. Aber das seien Ausnahmen, meinte er.
Am Schluss holte er eine Holzpuppe heraus, die er auf einen Tune aus der Munharmonika mit Hilfe eines Stöckchens tanzen ließ. Und ganz am Schluss – nee, das war das drittletzte Lied – sang er „Rolling home“ und erklärte, es heiße „to Calodinia“ und nicht „to dear Hamburg“, ja und dann ganz am Schluss sangen wir alle pfadfindermäßig „Should auld acquaintance be forgot“, und Jim wünschte uns allen ein „happy new year“.
Auch, ich vergaß noch was Lustiges: Als rocktragender Mann wird man nicht selten gefragt, ob man ein Schotte sei, selbst wenn man einen langen Jeansrock trägt. Jim dagegen fragte, ob ich da eine hier regionale Tracht träge. Ich meinte, nein, wir seien eine kleine, aber internationale Männerrockbewegung, worauf er meinte, ich sähe aus wie ein Römer.
http://www.jimmalcolm.com/
http://www.folkimfeuerschloesschen.de.vu/
MAS
Sanfte Lieder aus Schottland unterwegs in der Welt
Das Feuerschlösschen-Team, zu dem ja auch Mike Kamp, seines Zeichens Mitherausgeber des Foker! gehört, der in das Heft 02.07 einen Schottlandschwerpunkt hinein gebracht hat, in welchem auch die Termine des Festivals Highland 2007 stehen, muss sich wohl gedacht haben, dass so mancher Folkie es nicht schafft, zum Musikhören nach Schottland zu fahren und trotzdem gerne schottische Musik hören möchte. So wurde nach der Emily Smith Band im Februar nun zum zweiten Mal in diesem Jahr ein schottischer Abend im Feuerschlösschen geboten.
Jim Malcom ist ein Singer/Songwirter aus der Gegend von Perth, nördlich von Edinburgh. Sein Auftreten und Instrumentarium ist so typisch singer/songwritermäßig und folkig, dass ich es schon fast als archetypisch bezeichnen möchte: Ein Handlungsreisender in Sachen Musik mit der Gitarre in den Händen und der Mundharmonika vor dem Mund, tief verwurzelt in der eigenen regionalen und nationalen Musiktradition und dabei doch kreativ beim Schreiben neuer Melodien und Texte, um die Tradition fort zu führen. So trat er auf im gut besuchten, wenn auch nicht vollen Feuerschlösschen, sang und spielte je gut zur Hälfte Lieder seines berühmtesten schottischen Kollegen Robert Burns und welche aus eigener Feder. Die Burns-Lieder waren mir vertraut, die habe ich oft gehört und sie sind immer wiede schön. Natürlich drängte sich mir der Vergleich zu Andy M. Steward auf, der ja auch so ein Burnsianer ist, und meine, Jim singt weicher, nicht so markant. Auch sein Gitarrenspiel ist weich und nicht sehr markant, also nicht zu verwechseln mit dem Dick Gaughans. Aber schön war es, sehr harmonisch, sehr meldodiös.
Jim ist viel unterwegs in Europa und Nordamerika. Einige seiner eigenen Sings handeln davon. So besingt er den Indian Summer in Neuengland oder die Sehnsucht nach seiner Frau während eines bierseligen Abends in einer fränkischen Kleinstadt. Dieser Moonlight Song gefiel mir besonders gut. Er hat eine sehr aparte Melodie, die ich mir gut von einer Band wie Tarras arrangiert vorstellen kann. Darin kommt dann auch ein deutsches Wort vor: „Fledermaus“, Jims liebstes deutsches Wort nach ... „Dudelsack“. Und noch etwas schätzt er an Deutschland: das Bier. Es sei das beste in der Welt, während das schottische „buäh“ sei. Aus Schottland möge er nur den Whisky und da würde er mal gerne ein Lied drüber schreiben: „Scottsh whisky and German beer“ mit Humpatäterä und Dudelsackgequäke. (Als ich seinem negativen Urteil über schottisches Bier in der Pause widersprach und Deuchars India Pale Ale und Fraoch Heather Ale als positive Gegenbeispiele nannte, stimmte er mir zu. Aber das seien Ausnahmen, meinte er.
Am Schluss holte er eine Holzpuppe heraus, die er auf einen Tune aus der Munharmonika mit Hilfe eines Stöckchens tanzen ließ. Und ganz am Schluss – nee, das war das drittletzte Lied – sang er „Rolling home“ und erklärte, es heiße „to Calodinia“ und nicht „to dear Hamburg“, ja und dann ganz am Schluss sangen wir alle pfadfindermäßig „Should auld acquaintance be forgot“, und Jim wünschte uns allen ein „happy new year“.
Auch, ich vergaß noch was Lustiges: Als rocktragender Mann wird man nicht selten gefragt, ob man ein Schotte sei, selbst wenn man einen langen Jeansrock trägt. Jim dagegen fragte, ob ich da eine hier regionale Tracht träge. Ich meinte, nein, wir seien eine kleine, aber internationale Männerrockbewegung, worauf er meinte, ich sähe aus wie ein Römer.
http://www.jimmalcolm.com/
http://www.folkimfeuerschloesschen.de.vu/
MAS
Monday, March 26, 2007
Konzertrezension: Irish Spring – Festival of Irish Folk Music 2007 – Spring is in the Air am 26.3.2007 in der Kunst- und Ausstellunghalle in Bonn
Irish Spring – Festival of Irish Folk Music 2007 – Spring is in the Air am 26.3.2007 in der Kunst- und Ausstellunghalle in Bonn
Noch den Klang Till Nine im Herzen besuchten wir einen Abend später das ISF in der KAH. Für dieses war es auch eine Abschiedsveranstaltung, aber nur der normale Abschluss der diesjährigen Tour, also nichts so tragisches. Zwei Bands, eine Sängerin und eine Tänzerin waren angekündigt: Clan Ranald aus dem County Donegal, Tina McSherry in Vertretung für Brid Ní Mhaoileoin, Marie McTague und At First Light aus Belfast.
Clan Ranald ist eine Trio aus drei jungen Burschen, die so um die zwanzig Jahre alt, aber trotz des „Clan“ im Namen nicht miteinander verwandt sind: Luke Ward (Bouzouki), Máirtín Tourish (Akkordeon), Stiofan O’Broin (Bhodrán, Spoons) (so von links nach rechts aus Publikumsperspektive). Nach einen ruhigen Stück als Intro legten die drei sofort kräftig los und bedienten ihre Instrumente mit atemberaubender Geschwindigkeit und zugleich mit einem abwechslungsreichen Variantenreichtum, dass alles andere als ein Herunterspielen traditioneller Standards war. Máirtín glänzte zudem als bei seinen Ansprachen routinierter Entertainer, bisweilen unterstützt von Stiofan, während Luke der Werner Rösner der Band war (absolutly no vocals). Máirtín zeigte sich auch tief beeindruckt davon, in der Geburtsstadt Beethovens spielen zu dürfen und zeigte auch sonst keine Berührungsängste zu anderen Musikrichtungen. So erzählte er von dem heute multiethnischen Irland in dem Musikstile aus aller Welt ineinander fließen und auch die traditionelle irische Musik mit Elementen des Klezmer, der Musik aus dem Balkan oder aus Indien bereichern, wobei er meinte, manchmal höre er ein solches importiertes Stück und halte es für ein irisches. Volksmusik sei sich in ihren Grundlagen weltweit doch sehr ähnlich. Und damit bei der Volksmusik das Volk auch mitmachte, spannte er uns alle, also die ganze rappelvolle KAH, ein, zu einem indisch beeinflussten Stück einen Bordun zu summen, der dann tatsächlich ähnlich wie ein indisches Harmonium klang. Marie Mc Tague tanzte auch auf einige der Tunes auf der Bühne, und trat so immer wieder während des Abends auf und zwar immer wieder in einem anderen Kleid, so dass wir eine kleine Modeschau geboten bekamen.
Tina McSherry sang sodann in Begleitung von Alan Burke ein paar Lieder, sowohl langsame, melancholische (so auch „Skibbereen“ so wunderbar traurig, wie ich es selten hörte), also auch schnelle, druckvolle. Ihre Stimme erinnerte mich an Marilyn Monroe, denn Tina sang auch so leicht angehaucht, und noch mehr an eine irische Sängerin, deren Name mir nicht einfiel, die ich aber auf zwei CDs habe. Die Ähnlichkeit zu letzterer wurde noch deutlicher, als für das letzte Lied („The Lowlands of Holland“) die gesamte Band des zweiten Teiles, At First Light, sie begleitete. Und vor allem auch der Klang Uilleann Pipe dazu machte aus der Ähnlichkeit eine Gleichheit und ja, Till Storz, der wieder Fotos machte, klärte mich auf: es war die Band Tamalin, die ich schon lange so gerne mal hören wollte, der Tina und ihr Bruder John, der hier die Pipes bediente, angehörten. So ist unerwartet an diesem Abend ein lang gehegter Wunsch in Erfüllung gegangen, wenn es auch nicht die ganze Band Tamalin war, die hier auftrat. Aber solche Überraschungen sind nur möglich, wenn man zwar Bandnamen kennt, sich aber nicht die Namen der einzelnen Musiker(innen) merkt.
In der Pause gab es im Foyer eine Stepptanzvorführung der Bon(n) Roses, von der ich aber wenig sah, da zu viele Leute um sie herum standen.
Nach der Pause tanzte Mary McTague einen Broomstick Dance, also einen Besenstiltanz, der, wie Tourmanager Valentin erklärte, daher rührte, dass früher mal jemand, der keinen Tanzpartner abbekam, sich statt dessen einen Besenstil nahm. Die Jungs von Clan Ranald begleiteten sie dazu und spielten dann noch den „Clumpsy Lover“, den ich auch sehr mag. Máirtín sagte übrigens, er habe in der Pause gehört, dass es in Bonn 70 bis 80 (irisch-) traditionelle Musiker gebe. So viele sind es? Das hätte ich auch nicht gedacht. Wer hat ihm das nur erzählt?
Dann waren At First Light dran, bestehend aus (von links nach rechts): Rúben Bada (aus Asturien; Bouzouki), Francis McIlduff (Bhodrán, Uilleann Pipes, Low Whistle), Dónal O’Connor (Fiddle, Keyboards), John McSherry (Uilleann Pipes, Low Whistle) und Alan Burke (Gitarre, Gesang und witzige Ansagen), die, wie Valentin ansagte, die zur Zeit beste Band Irlands sein soll, zumindest ihrer Generation. Um das zu bestätigen, müsste ich alle kennen, aber ich kann bestätigen, dass mir die Musik durch und durch ging und ihre Energie mir Tränen heraus presste, wie es zuletzt von zwei Jahren auch auf dem ISF die Musik von Gráda schaffte. Rainer Zellner, der Veranstalter, hat schon ein besonderes Händchen, was die Auswahl der Musiker angeht! Alan und Francis pflügten mit tiefen, im Bauch spürbaren Gitarren- und Bhodrántönen einen tiefen Graben, über die dann John, Dónal und Rúben mit hohen Tönen der Pipes, Fiddle und Bouzouki hin und zurück hüpften und wirbelten. Welche Kontrastharmonie! Aber auch jedes Instrument für sich und auch Alans Gesang waren unheimlich ausdrucksstark und mitreißend. Slow Airs, Marches, Jigs, Reels und was weiß ich noch, teilweise neu geschrieben, teils traditionell oder aus der Zeit des Folk Revivals etwa von Finbar Furey, ließen den Saal vibrieren. Näx, der auch im Publikum saß, war anschließend so platt, das er gar nicht aufstehen wollte. So findet unser Bonner Meisterpiper auch noch seine Meister. Auch die Begleitung der Songs, die Alans Stimme ummalte, vorwärts schob, zwischen den Strophen oder nach den Textzeilen andere Melodien einfließen ließ oder jazzige Improvisationen (oder war es minutiös arrangiert?) einstreute, dabei aber immer den Kontakt zum Lied behielt, faszinierte zutiefst. Ich verwende ja gerne den Satz „Viel zu schnell verging die Zeit“, aber hier war es so, dass mir letztlich die drei Stunden wie drei Minuten vorkamen allerdings mit der Energie von drei Tagen.
Zur Festivalsession kamen sie dann noch mal alle auf die Bühne, auch wie immer beim ISF Epi, also Enkh Jargal, der in Mannheim lebende mongolische Tourbegleiter mit seiner Pferdekniegeige und seinem Ober- und Untertongesang. Diesmal spielte er aber nicht „Jimmy Mó Mhíle Stór“, wie sonst immer, sondern „Wild Mountain Thyme“ und dann gab es noch Reels, zu denen einige der Bon(n) Roses und Leute aus dem Publikum auf und vor der Bühne tanzten.
An dieser Stelle möchte ich doch sehr gerne mal sagen, dass wir es solchen Leuten wie Rainer Zellner, Petr Pandula, Florian Fürst, Karsten Jahnke und natürlich Vorreiter Carsten Linde zu verdanken haben, dass wir solche Festival-Touren in Deutschland haben und die Creme der Creme der Irish & Scottish Folk & Traditional Music hier bei uns life zu hören bekommen. Sie mögen sich gegenseitig mal mehr als Konkurrenten, mal mehr als Kollegen betrachten, für uns Musikfreunde ist es ein Segen, dass es sie gibt! Und ohne diese Veranstalter und die von ihnen hergebrachten Musiker fehlte es auch unserer hiesigen Folkszene, von der einige Vertreter im Publikum waren (Näx, Nicole, Sabrina, Manuel, Till, Ralf, Ellen, und ich bin mir jetzt nicht sicher wer es sonst noch namentlich war) an greifbaren Vorbildern, und so gäbe es wohl kein Bonner Irish Folk Festival, kein Celtic Attractions Festival usw.
Mehr Infos unter:
http://www.musiccontact.de/
http://www.irishspring.de/
http://www.bundeskunsthalle.de/
zu Clan Ranald:
http://www.thesession.org/recordings/display/1800
zu Tamalin:
http://en.wikipedia.org/wiki/Tamalin_(band)
At First Light:
http://www.atfirstlight.net/
Bon(n) Roses:
http://www.tanzcenterrose.de/
Frühere ISF-Rezis von mir:
Irish Spring - The Festival of Irish Folk Music"The Sky's the Limit!" am 19.3.2005 in der Kunst- und Ausstellungshalle in Bonn
http://folktreff-bonn-rhein-sieg-rezensionen.blogspot.com/2005/03/konzertrezension-irish-spring-festival.html bzw. http://tinyurl.com/buqlf
Irish Spring – Festival of Irish Folk Music am 15.3.2006 in der Kunst- und Ausstellungshalle in Bonn
http://folktreff-bonn-rhein-sieg-rezensionen.blogspot.com/2006/03/konzertrezension-irish-spring-festival.html
MAS
Noch den Klang Till Nine im Herzen besuchten wir einen Abend später das ISF in der KAH. Für dieses war es auch eine Abschiedsveranstaltung, aber nur der normale Abschluss der diesjährigen Tour, also nichts so tragisches. Zwei Bands, eine Sängerin und eine Tänzerin waren angekündigt: Clan Ranald aus dem County Donegal, Tina McSherry in Vertretung für Brid Ní Mhaoileoin, Marie McTague und At First Light aus Belfast.
Clan Ranald ist eine Trio aus drei jungen Burschen, die so um die zwanzig Jahre alt, aber trotz des „Clan“ im Namen nicht miteinander verwandt sind: Luke Ward (Bouzouki), Máirtín Tourish (Akkordeon), Stiofan O’Broin (Bhodrán, Spoons) (so von links nach rechts aus Publikumsperspektive). Nach einen ruhigen Stück als Intro legten die drei sofort kräftig los und bedienten ihre Instrumente mit atemberaubender Geschwindigkeit und zugleich mit einem abwechslungsreichen Variantenreichtum, dass alles andere als ein Herunterspielen traditioneller Standards war. Máirtín glänzte zudem als bei seinen Ansprachen routinierter Entertainer, bisweilen unterstützt von Stiofan, während Luke der Werner Rösner der Band war (absolutly no vocals). Máirtín zeigte sich auch tief beeindruckt davon, in der Geburtsstadt Beethovens spielen zu dürfen und zeigte auch sonst keine Berührungsängste zu anderen Musikrichtungen. So erzählte er von dem heute multiethnischen Irland in dem Musikstile aus aller Welt ineinander fließen und auch die traditionelle irische Musik mit Elementen des Klezmer, der Musik aus dem Balkan oder aus Indien bereichern, wobei er meinte, manchmal höre er ein solches importiertes Stück und halte es für ein irisches. Volksmusik sei sich in ihren Grundlagen weltweit doch sehr ähnlich. Und damit bei der Volksmusik das Volk auch mitmachte, spannte er uns alle, also die ganze rappelvolle KAH, ein, zu einem indisch beeinflussten Stück einen Bordun zu summen, der dann tatsächlich ähnlich wie ein indisches Harmonium klang. Marie Mc Tague tanzte auch auf einige der Tunes auf der Bühne, und trat so immer wieder während des Abends auf und zwar immer wieder in einem anderen Kleid, so dass wir eine kleine Modeschau geboten bekamen.
Tina McSherry sang sodann in Begleitung von Alan Burke ein paar Lieder, sowohl langsame, melancholische (so auch „Skibbereen“ so wunderbar traurig, wie ich es selten hörte), also auch schnelle, druckvolle. Ihre Stimme erinnerte mich an Marilyn Monroe, denn Tina sang auch so leicht angehaucht, und noch mehr an eine irische Sängerin, deren Name mir nicht einfiel, die ich aber auf zwei CDs habe. Die Ähnlichkeit zu letzterer wurde noch deutlicher, als für das letzte Lied („The Lowlands of Holland“) die gesamte Band des zweiten Teiles, At First Light, sie begleitete. Und vor allem auch der Klang Uilleann Pipe dazu machte aus der Ähnlichkeit eine Gleichheit und ja, Till Storz, der wieder Fotos machte, klärte mich auf: es war die Band Tamalin, die ich schon lange so gerne mal hören wollte, der Tina und ihr Bruder John, der hier die Pipes bediente, angehörten. So ist unerwartet an diesem Abend ein lang gehegter Wunsch in Erfüllung gegangen, wenn es auch nicht die ganze Band Tamalin war, die hier auftrat. Aber solche Überraschungen sind nur möglich, wenn man zwar Bandnamen kennt, sich aber nicht die Namen der einzelnen Musiker(innen) merkt.
In der Pause gab es im Foyer eine Stepptanzvorführung der Bon(n) Roses, von der ich aber wenig sah, da zu viele Leute um sie herum standen.
Nach der Pause tanzte Mary McTague einen Broomstick Dance, also einen Besenstiltanz, der, wie Tourmanager Valentin erklärte, daher rührte, dass früher mal jemand, der keinen Tanzpartner abbekam, sich statt dessen einen Besenstil nahm. Die Jungs von Clan Ranald begleiteten sie dazu und spielten dann noch den „Clumpsy Lover“, den ich auch sehr mag. Máirtín sagte übrigens, er habe in der Pause gehört, dass es in Bonn 70 bis 80 (irisch-) traditionelle Musiker gebe. So viele sind es? Das hätte ich auch nicht gedacht. Wer hat ihm das nur erzählt?
Dann waren At First Light dran, bestehend aus (von links nach rechts): Rúben Bada (aus Asturien; Bouzouki), Francis McIlduff (Bhodrán, Uilleann Pipes, Low Whistle), Dónal O’Connor (Fiddle, Keyboards), John McSherry (Uilleann Pipes, Low Whistle) und Alan Burke (Gitarre, Gesang und witzige Ansagen), die, wie Valentin ansagte, die zur Zeit beste Band Irlands sein soll, zumindest ihrer Generation. Um das zu bestätigen, müsste ich alle kennen, aber ich kann bestätigen, dass mir die Musik durch und durch ging und ihre Energie mir Tränen heraus presste, wie es zuletzt von zwei Jahren auch auf dem ISF die Musik von Gráda schaffte. Rainer Zellner, der Veranstalter, hat schon ein besonderes Händchen, was die Auswahl der Musiker angeht! Alan und Francis pflügten mit tiefen, im Bauch spürbaren Gitarren- und Bhodrántönen einen tiefen Graben, über die dann John, Dónal und Rúben mit hohen Tönen der Pipes, Fiddle und Bouzouki hin und zurück hüpften und wirbelten. Welche Kontrastharmonie! Aber auch jedes Instrument für sich und auch Alans Gesang waren unheimlich ausdrucksstark und mitreißend. Slow Airs, Marches, Jigs, Reels und was weiß ich noch, teilweise neu geschrieben, teils traditionell oder aus der Zeit des Folk Revivals etwa von Finbar Furey, ließen den Saal vibrieren. Näx, der auch im Publikum saß, war anschließend so platt, das er gar nicht aufstehen wollte. So findet unser Bonner Meisterpiper auch noch seine Meister. Auch die Begleitung der Songs, die Alans Stimme ummalte, vorwärts schob, zwischen den Strophen oder nach den Textzeilen andere Melodien einfließen ließ oder jazzige Improvisationen (oder war es minutiös arrangiert?) einstreute, dabei aber immer den Kontakt zum Lied behielt, faszinierte zutiefst. Ich verwende ja gerne den Satz „Viel zu schnell verging die Zeit“, aber hier war es so, dass mir letztlich die drei Stunden wie drei Minuten vorkamen allerdings mit der Energie von drei Tagen.
Zur Festivalsession kamen sie dann noch mal alle auf die Bühne, auch wie immer beim ISF Epi, also Enkh Jargal, der in Mannheim lebende mongolische Tourbegleiter mit seiner Pferdekniegeige und seinem Ober- und Untertongesang. Diesmal spielte er aber nicht „Jimmy Mó Mhíle Stór“, wie sonst immer, sondern „Wild Mountain Thyme“ und dann gab es noch Reels, zu denen einige der Bon(n) Roses und Leute aus dem Publikum auf und vor der Bühne tanzten.
An dieser Stelle möchte ich doch sehr gerne mal sagen, dass wir es solchen Leuten wie Rainer Zellner, Petr Pandula, Florian Fürst, Karsten Jahnke und natürlich Vorreiter Carsten Linde zu verdanken haben, dass wir solche Festival-Touren in Deutschland haben und die Creme der Creme der Irish & Scottish Folk & Traditional Music hier bei uns life zu hören bekommen. Sie mögen sich gegenseitig mal mehr als Konkurrenten, mal mehr als Kollegen betrachten, für uns Musikfreunde ist es ein Segen, dass es sie gibt! Und ohne diese Veranstalter und die von ihnen hergebrachten Musiker fehlte es auch unserer hiesigen Folkszene, von der einige Vertreter im Publikum waren (Näx, Nicole, Sabrina, Manuel, Till, Ralf, Ellen, und ich bin mir jetzt nicht sicher wer es sonst noch namentlich war) an greifbaren Vorbildern, und so gäbe es wohl kein Bonner Irish Folk Festival, kein Celtic Attractions Festival usw.
Mehr Infos unter:
http://www.musiccontact.de/
http://www.irishspring.de/
http://www.bundeskunsthalle.de/
zu Clan Ranald:
http://www.thesession.org/recordings/display/1800
zu Tamalin:
http://en.wikipedia.org/wiki/Tamalin_(band)
At First Light:
http://www.atfirstlight.net/
Bon(n) Roses:
http://www.tanzcenterrose.de/
Frühere ISF-Rezis von mir:
Irish Spring - The Festival of Irish Folk Music"The Sky's the Limit!" am 19.3.2005 in der Kunst- und Ausstellungshalle in Bonn
http://folktreff-bonn-rhein-sieg-rezensionen.blogspot.com/2005/03/konzertrezension-irish-spring-festival.html bzw. http://tinyurl.com/buqlf
Irish Spring – Festival of Irish Folk Music am 15.3.2006 in der Kunst- und Ausstellungshalle in Bonn
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Sunday, March 25, 2007
Konzertrezension: Till Nine am 25.3.2007 im Bungertshof in Königswinter-Oberdollendorf
Till Nine am 25.3.2007 im Bungertshof in Königswinter-Oberdollendorf
Leider ist es schon nach neun – Abschiedskonzert der beliebten Königswinterer/Bonner Irish Folk Gruppe Till Nine
Ja, leider, leider war nun der Termin gekommen, an dem sich Christa Klose, Matthias Klose, Werner Rösner und Bernd Büsch als Quartett von ihrem Publikum verabschiedeten. Das Konzert hätte ja schon am 23.2. stattfinden sollen, aber da Christa am Hals erkrankt war, gab es damals nur eine Session. Aber nun war es so weit. Der Bungertshof war proppevoll, wenn es auch nicht zu 100% die selben Leute waren, die zum ersten Termin erschienen waren. Von den Musikern waren Karsten, Mario, Nicole und Näx da, und letzterer, also Alexander May, hielt vor Beginn des Konzertes eine Laudatio auf die Scheidenden. Er wies darauf hin, dass Till Nine eine aus drei Familien bestehende Band sei, da, wenn auch nicht auf der Bühne, so doch oft am Mischpult oder bei der Organisation auch Sabine und Birgit, die Frauen von Bernd und Werner dazu gehörten (man könnte also auch sagen, Till Nine sei eine Clanband), und er würdigte die Spielweise der Till Niner, vor allem, dass sie nicht einfach nur irische Idole wie Planxty, die Bothy Band, die Dubliners, die Pogues, Flook oder wen auch immer nachahmten, sondern, dass sie, vor allem was den Gesang und das Saitenspiel angeht, einen ganz eigenen Stil entwickelt hätten, der jedes Konzert in den letzten elf Jahren zu einer spannenden Angelegenheit gemacht habe. Näx nannte Till Nine deshalb eine große Band und gab seiner Hoffnung Ausdruck, dass sie, wenn sie schon wie andere große Bands wüssten, wann es Zeit sei, aufzuhören, auch wie andere große Bands wüssten, wann es Zeit sei, wieder auf die Bühne zurück zu kehren. Gut gesprochen, Näx, dem Wunsch schließe ich mich an und damit sind wir beide nicht alleine, wie man dem brausendem Beifall auf Deine Worte entnehmen konnte!
Bevor ich was zum Konzert erzähle, fasse ich kurz ein paar Stationen aus der Geschichte der Band zusammen. 1996 waren Christa und Mattes in Irland. Dort gibt es einen Stein, dessen Name mir gerade nicht einfällt. Jedenfalls heißt es, man könne auf diesen großen Stein ein kleines Steinchen werfen, und wenn das liegen bleibe, bekomme man einen Wunsch erfüllt. Christa warf geschickt genug und wünschte sich, zu Hause in Deutschland die Möglichkeit zu bekommen, irische Musik zu machen. Wieder daheim las sie in der „Annonce“ eine Suchmeldung, in der ein gewisser Günter Koch, sich selbst als Nichtmusiker bezeichnend, Musiker suchte, die mit ihm Irish Folk machen wollten. So bildete sich bald zunächst eine Probecombo bestehend aus Christa, Mattes, Günter, Werner und Carola Mittler. Und da sie so sessionmäßig zusammen saßen nannten sie sich „Sessúin“. Ganz knapp vor dem ersten oder einem der ersten Konzerte wurde ihnen aber mitgeteilt, dass es im Aachener Raum schon eine
Band dieses Namens gebe und sie sich umbenennen müssten. Da sie es sich zur Gewohnheit gemacht hatten, ihre wöchentliche Probe wegen der Kinder immer um 21 Uhr zu beenden, kamen sie auf den Namen „Till Nine“. Ich weiß jetzt nicht, ob es der allererste Auftritt war, aber zumindest traten sie in der Anfangszeit auch beim Bonner Folktreff im Anno Tubac auf, wo auch ich sie erstmals hörte. (Anfangs war ich auch gar nicht sooo begeistert von ihnen, wenn ich das hier mal so schreiben darf.) Günter allerdings ging 1997 für ein paar Jahre in die USA, doch wurde die dadurch entstandene Bandkrise beendet, indem Bernd in die Gruppe aufgenommen wurde. Günter, Carola und einige andere gründeten nach Günters Rückkehr die Band Irish Stew. Irgendwann bekam Till Nine noch mehr Zuwachs in Form von Sylvia Stephan. Sie war bis zuletzt auch noch hin und wieder Spezialgast. Das Quartett Christa, Mattes, Werner und Bernd bildete aber in den letzten Jahren den eigentlichen Kern der Gruppe, auch wenn Näx und Nicole ebenfalls immer wieder mal gerne als Gastmusiker mitspielten. 2002 brachten sie ihre CD „No Parking“ heraus. Ebenfalls 2002 und noch mal 2004 traten sie beim 1. und 3. Bonner Irish Folkfestival auf. Auch 2002 hatten sie einen weitnachmitternächtlichen Auftritt in der Balver Höhle. 2004 spielten sie eine Woche nach dem BIFF auf Petras und meiner Hochzeitsfeier im Kloster Heisterbach. Auch 2004 erlebte ich sie auch mal auf dem Dach der Kunst- und Ausstellungshalle. Dort spielten sie so heftig, dass ein noch heftiger Sturm heraufzog und in der Geschwindigkeit eines Stellungswechsels bei der Bundeswehr abgebaut werden musste. So vergingen die 11 Jahre wie im Fluge, ich habe sie mindestens sieben mal gehört, aber bislang nur zwei mal rezensiert, das heißt ab jetzt drei mal. Die Zukunftspläne der Vier sind mir auch unbekannt. Werner will sich musikstilistisch anders orientieren, die andern drei denken schon mal daran, vielleicht ja doch ... zumindest häufiger die Sessions zu besuchen, da ja jetzt die wöchentliche Probe weg fällt.
Nun aber zum Konzert des Abends selber: Das war wirklich schön, wie immer, und doch auch wieder anders als sonst. Von links nach rechts aus Publikumsperspektive saßen oder standen Werner (Gitarre, Bouzouki, Mandoline, Klangschale), Bernd (Gitarre, Mandoline, Djembe, Gesang), Christa (Gesang, Bhodrán, Mandoline) und Mattes (Tin und Low Whistles, Gesang, Gitarre, Djembe). Der gewohnte volle, eher weiche, harmonische Klang von Mattes’ Whistles, Christas Stimme und Bernds und Werners Saitenspiel erfüllte den Bungertshof und die Gemüter der Gäste mit Wohlbefinden. Und da möchte ich doch in einem Punkt dem Näx widersprechen: Es gibt doch ein Idol der Till Niner, das man auch heraushört: Clannad. Sowohl war Repertoire, als auch was die Spielweise angeht, sind sie auf ähnliche Weise in deren Fahrwasser wie auch Norland Wind es ist. „Newgrange“, „Struggles“, „Sally gardens“ und andere Lieder machen das deutlich. Klar, sie kopieren sie nicht, sondern bearbeiten die Stücke und arrangieren sie im Detail neu, und sie hatten natürlich auch andere Lieder dabei. Und vor allem klingt es immer wieder so wunderbar, dass man sie, zumindest wenn man ihnen den Amateurbonus zugesteht, denn die Proben finden ja immer am Feierabend nach vielstündiger Arbeit in ganz anderen Berufen statt, mit den Profis von Norland Wind in einem Atemzug nennen kann. Dann aber hat Näx wieder vollkommen Recht: Selbst mit Klassikern wie „Tell me Ma“ oder „Sister, oh sister“ überraschten sie zumindest mich an diesem Abend: Schon wieder neu arrangiert. Und dann Christas Gesang auf Walisisch (also Kymrisch) und auf Gälisch nebst dem Herumrätseln, welches Lied denn nun auf welcher keltischen Sprache ist. Dann der A-Capella-Gesang, an dem Werner sich stets weigert, mit zu singen (absolutly no vocals, weshalb er auch keine Ansagen machte). Dann die lustigen Ansprachen von Bernd, Christa und Mattes. Dann Mattes’ Whistlespiel: Er hat sich eine ganz eigene Blastechnik angewöhnt, die es bei geschlossenen Augen bisweilen nach Panflöte klingen ließ, so leicht übergehaucht. Dann die so fröhlichen Verbindungen von Songs und Reels in einem Stück. Die aber ließen das eine oder andere vom Text her traurige Lied, wie zum Beispiel „Skibbereen“ etwas zu fröhlich klingen (im Übrigen war es nicht der Kartoffelkäfer, sondern die Kartoffelfäule, die in den 1840ern in Irland die Hungersnot verursachte, eine Pilzerkrankung, und insofern stimmt Bernds Vergleich mit dem Pilz, der Ende des 19. Jh. Europas Weinberge verwüstete doch), während die „Weila Weile“ von Dur nach Moll umschrieben, damit es etwas schauriger klang. Und eines meiner Lieblingsstücke, die Kombination des Liedes „I will wear a ring“ (oder so) mit dem Reel, der Näx nach dem 2. BIFF unter der Dusche einfiel, und den er nun „Till Nine’s Reel“ nannte, war auch dabei, wobei Näx und Mattes im Duett flöteten. In der Zugabe gab es dann noch ein Leckerli: „The Star of the County Down“ in wunderbar soulig-jazziger Version, völlig neu arrangiert und variiert, und sehr originell war dann auch die Übersetzung des ursprünglich Kölschen „Joode Naach“ von den Bläck Fööss ins Irisch-Englische „Save farewell“, also mal der umgekehrte Weg, wie sonst üblich. Das alles zeigt, wie viel Potential in dieser Gruppe steckt. Das darf doch nicht einfach so ad acta gesteckt werden!!!
Viel zu schnell vergingen drei volle Konzertstunde (na gut, mit Pause). Es gab anschließend wieder eine Session, zu der wir aber nicht blieben, denn einem Sonntagabend folgt ein Montagmorgen.
Ob sie alle 30 noch vorhandenen CDs verkauften, weiß ich nicht. Notfalls fragt mal nach. Es lohnt sich! Eine zweite CD wurde auch schon mal aufgenommen, doch wurden die Aufnahmen gestohlen. Ich kann nur hoffen, dass sie vielleicht doch noch mal... Ja, das letzte Parting Glass ist noch nicht getrunken, das wage ich zu prophezeien!
http://www.till-nine.de
http://www.bungertshof.de/
Frühere Till Nine-Rezis von mir:
1. Bonner Irish Folk Festival am 20.4.2002 in der Harmonie in Bonn-Endenich
http://folktreff-bonn-rhein-sieg-rezensionen.blogspot.com/2002/04/konzertrezension-1-bonner-irish-folk.html bzw. http://tinyurl.com/8oltl
3. Bonner Irish Folk Festival am 24.4.2004 in der Harmonie in Bonn-Endenich
http://folktreff-bonn-rhein-sieg-rezensionen.blogspot.com/2004/04/konzertrezension-3-bonner-irish-folk.html bzw. http://tinyurl.com/7a877
Die Große Hungersnot in Irland:
http://de.wikipedia.org/wiki/Gro%C3%9Fe_Hungersnot_in_Irland
Rezis zu Irish Stew gibt es unter:
Bonner Folktreff mit Irish Stew am 14.12.2003 im Anno Tubac in Bonn (von Ferdi)
http://folktreff-bonn-rhein-sieg-rezensionen.blogspot.com/2003/12/konzertrezension-bonner-folktreff-mit.html bzw. http://tinyurl.com/aqr44
Irish Stew am 1.4.2006 in der Harmonie in Bonn-Endenich
http://folktreff-bonn-rhein-sieg-rezensionen.blogspot.com/2006/04/konzertrezension-irish-stew-am-142006.html bzw. http://tinyurl.com/msc95
MAS
Leider ist es schon nach neun – Abschiedskonzert der beliebten Königswinterer/Bonner Irish Folk Gruppe Till Nine
Ja, leider, leider war nun der Termin gekommen, an dem sich Christa Klose, Matthias Klose, Werner Rösner und Bernd Büsch als Quartett von ihrem Publikum verabschiedeten. Das Konzert hätte ja schon am 23.2. stattfinden sollen, aber da Christa am Hals erkrankt war, gab es damals nur eine Session. Aber nun war es so weit. Der Bungertshof war proppevoll, wenn es auch nicht zu 100% die selben Leute waren, die zum ersten Termin erschienen waren. Von den Musikern waren Karsten, Mario, Nicole und Näx da, und letzterer, also Alexander May, hielt vor Beginn des Konzertes eine Laudatio auf die Scheidenden. Er wies darauf hin, dass Till Nine eine aus drei Familien bestehende Band sei, da, wenn auch nicht auf der Bühne, so doch oft am Mischpult oder bei der Organisation auch Sabine und Birgit, die Frauen von Bernd und Werner dazu gehörten (man könnte also auch sagen, Till Nine sei eine Clanband), und er würdigte die Spielweise der Till Niner, vor allem, dass sie nicht einfach nur irische Idole wie Planxty, die Bothy Band, die Dubliners, die Pogues, Flook oder wen auch immer nachahmten, sondern, dass sie, vor allem was den Gesang und das Saitenspiel angeht, einen ganz eigenen Stil entwickelt hätten, der jedes Konzert in den letzten elf Jahren zu einer spannenden Angelegenheit gemacht habe. Näx nannte Till Nine deshalb eine große Band und gab seiner Hoffnung Ausdruck, dass sie, wenn sie schon wie andere große Bands wüssten, wann es Zeit sei, aufzuhören, auch wie andere große Bands wüssten, wann es Zeit sei, wieder auf die Bühne zurück zu kehren. Gut gesprochen, Näx, dem Wunsch schließe ich mich an und damit sind wir beide nicht alleine, wie man dem brausendem Beifall auf Deine Worte entnehmen konnte!
Bevor ich was zum Konzert erzähle, fasse ich kurz ein paar Stationen aus der Geschichte der Band zusammen. 1996 waren Christa und Mattes in Irland. Dort gibt es einen Stein, dessen Name mir gerade nicht einfällt. Jedenfalls heißt es, man könne auf diesen großen Stein ein kleines Steinchen werfen, und wenn das liegen bleibe, bekomme man einen Wunsch erfüllt. Christa warf geschickt genug und wünschte sich, zu Hause in Deutschland die Möglichkeit zu bekommen, irische Musik zu machen. Wieder daheim las sie in der „Annonce“ eine Suchmeldung, in der ein gewisser Günter Koch, sich selbst als Nichtmusiker bezeichnend, Musiker suchte, die mit ihm Irish Folk machen wollten. So bildete sich bald zunächst eine Probecombo bestehend aus Christa, Mattes, Günter, Werner und Carola Mittler. Und da sie so sessionmäßig zusammen saßen nannten sie sich „Sessúin“. Ganz knapp vor dem ersten oder einem der ersten Konzerte wurde ihnen aber mitgeteilt, dass es im Aachener Raum schon eine
Band dieses Namens gebe und sie sich umbenennen müssten. Da sie es sich zur Gewohnheit gemacht hatten, ihre wöchentliche Probe wegen der Kinder immer um 21 Uhr zu beenden, kamen sie auf den Namen „Till Nine“. Ich weiß jetzt nicht, ob es der allererste Auftritt war, aber zumindest traten sie in der Anfangszeit auch beim Bonner Folktreff im Anno Tubac auf, wo auch ich sie erstmals hörte. (Anfangs war ich auch gar nicht sooo begeistert von ihnen, wenn ich das hier mal so schreiben darf.) Günter allerdings ging 1997 für ein paar Jahre in die USA, doch wurde die dadurch entstandene Bandkrise beendet, indem Bernd in die Gruppe aufgenommen wurde. Günter, Carola und einige andere gründeten nach Günters Rückkehr die Band Irish Stew. Irgendwann bekam Till Nine noch mehr Zuwachs in Form von Sylvia Stephan. Sie war bis zuletzt auch noch hin und wieder Spezialgast. Das Quartett Christa, Mattes, Werner und Bernd bildete aber in den letzten Jahren den eigentlichen Kern der Gruppe, auch wenn Näx und Nicole ebenfalls immer wieder mal gerne als Gastmusiker mitspielten. 2002 brachten sie ihre CD „No Parking“ heraus. Ebenfalls 2002 und noch mal 2004 traten sie beim 1. und 3. Bonner Irish Folkfestival auf. Auch 2002 hatten sie einen weitnachmitternächtlichen Auftritt in der Balver Höhle. 2004 spielten sie eine Woche nach dem BIFF auf Petras und meiner Hochzeitsfeier im Kloster Heisterbach. Auch 2004 erlebte ich sie auch mal auf dem Dach der Kunst- und Ausstellungshalle. Dort spielten sie so heftig, dass ein noch heftiger Sturm heraufzog und in der Geschwindigkeit eines Stellungswechsels bei der Bundeswehr abgebaut werden musste. So vergingen die 11 Jahre wie im Fluge, ich habe sie mindestens sieben mal gehört, aber bislang nur zwei mal rezensiert, das heißt ab jetzt drei mal. Die Zukunftspläne der Vier sind mir auch unbekannt. Werner will sich musikstilistisch anders orientieren, die andern drei denken schon mal daran, vielleicht ja doch ... zumindest häufiger die Sessions zu besuchen, da ja jetzt die wöchentliche Probe weg fällt.
Nun aber zum Konzert des Abends selber: Das war wirklich schön, wie immer, und doch auch wieder anders als sonst. Von links nach rechts aus Publikumsperspektive saßen oder standen Werner (Gitarre, Bouzouki, Mandoline, Klangschale), Bernd (Gitarre, Mandoline, Djembe, Gesang), Christa (Gesang, Bhodrán, Mandoline) und Mattes (Tin und Low Whistles, Gesang, Gitarre, Djembe). Der gewohnte volle, eher weiche, harmonische Klang von Mattes’ Whistles, Christas Stimme und Bernds und Werners Saitenspiel erfüllte den Bungertshof und die Gemüter der Gäste mit Wohlbefinden. Und da möchte ich doch in einem Punkt dem Näx widersprechen: Es gibt doch ein Idol der Till Niner, das man auch heraushört: Clannad. Sowohl war Repertoire, als auch was die Spielweise angeht, sind sie auf ähnliche Weise in deren Fahrwasser wie auch Norland Wind es ist. „Newgrange“, „Struggles“, „Sally gardens“ und andere Lieder machen das deutlich. Klar, sie kopieren sie nicht, sondern bearbeiten die Stücke und arrangieren sie im Detail neu, und sie hatten natürlich auch andere Lieder dabei. Und vor allem klingt es immer wieder so wunderbar, dass man sie, zumindest wenn man ihnen den Amateurbonus zugesteht, denn die Proben finden ja immer am Feierabend nach vielstündiger Arbeit in ganz anderen Berufen statt, mit den Profis von Norland Wind in einem Atemzug nennen kann. Dann aber hat Näx wieder vollkommen Recht: Selbst mit Klassikern wie „Tell me Ma“ oder „Sister, oh sister“ überraschten sie zumindest mich an diesem Abend: Schon wieder neu arrangiert. Und dann Christas Gesang auf Walisisch (also Kymrisch) und auf Gälisch nebst dem Herumrätseln, welches Lied denn nun auf welcher keltischen Sprache ist. Dann der A-Capella-Gesang, an dem Werner sich stets weigert, mit zu singen (absolutly no vocals, weshalb er auch keine Ansagen machte). Dann die lustigen Ansprachen von Bernd, Christa und Mattes. Dann Mattes’ Whistlespiel: Er hat sich eine ganz eigene Blastechnik angewöhnt, die es bei geschlossenen Augen bisweilen nach Panflöte klingen ließ, so leicht übergehaucht. Dann die so fröhlichen Verbindungen von Songs und Reels in einem Stück. Die aber ließen das eine oder andere vom Text her traurige Lied, wie zum Beispiel „Skibbereen“ etwas zu fröhlich klingen (im Übrigen war es nicht der Kartoffelkäfer, sondern die Kartoffelfäule, die in den 1840ern in Irland die Hungersnot verursachte, eine Pilzerkrankung, und insofern stimmt Bernds Vergleich mit dem Pilz, der Ende des 19. Jh. Europas Weinberge verwüstete doch), während die „Weila Weile“ von Dur nach Moll umschrieben, damit es etwas schauriger klang. Und eines meiner Lieblingsstücke, die Kombination des Liedes „I will wear a ring“ (oder so) mit dem Reel, der Näx nach dem 2. BIFF unter der Dusche einfiel, und den er nun „Till Nine’s Reel“ nannte, war auch dabei, wobei Näx und Mattes im Duett flöteten. In der Zugabe gab es dann noch ein Leckerli: „The Star of the County Down“ in wunderbar soulig-jazziger Version, völlig neu arrangiert und variiert, und sehr originell war dann auch die Übersetzung des ursprünglich Kölschen „Joode Naach“ von den Bläck Fööss ins Irisch-Englische „Save farewell“, also mal der umgekehrte Weg, wie sonst üblich. Das alles zeigt, wie viel Potential in dieser Gruppe steckt. Das darf doch nicht einfach so ad acta gesteckt werden!!!
Viel zu schnell vergingen drei volle Konzertstunde (na gut, mit Pause). Es gab anschließend wieder eine Session, zu der wir aber nicht blieben, denn einem Sonntagabend folgt ein Montagmorgen.
Ob sie alle 30 noch vorhandenen CDs verkauften, weiß ich nicht. Notfalls fragt mal nach. Es lohnt sich! Eine zweite CD wurde auch schon mal aufgenommen, doch wurden die Aufnahmen gestohlen. Ich kann nur hoffen, dass sie vielleicht doch noch mal... Ja, das letzte Parting Glass ist noch nicht getrunken, das wage ich zu prophezeien!
http://www.till-nine.de
http://www.bungertshof.de/
Frühere Till Nine-Rezis von mir:
1. Bonner Irish Folk Festival am 20.4.2002 in der Harmonie in Bonn-Endenich
http://folktreff-bonn-rhein-sieg-rezensionen.blogspot.com/2002/04/konzertrezension-1-bonner-irish-folk.html bzw. http://tinyurl.com/8oltl
3. Bonner Irish Folk Festival am 24.4.2004 in der Harmonie in Bonn-Endenich
http://folktreff-bonn-rhein-sieg-rezensionen.blogspot.com/2004/04/konzertrezension-3-bonner-irish-folk.html bzw. http://tinyurl.com/7a877
Die Große Hungersnot in Irland:
http://de.wikipedia.org/wiki/Gro%C3%9Fe_Hungersnot_in_Irland
Rezis zu Irish Stew gibt es unter:
Bonner Folktreff mit Irish Stew am 14.12.2003 im Anno Tubac in Bonn (von Ferdi)
http://folktreff-bonn-rhein-sieg-rezensionen.blogspot.com/2003/12/konzertrezension-bonner-folktreff-mit.html bzw. http://tinyurl.com/aqr44
Irish Stew am 1.4.2006 in der Harmonie in Bonn-Endenich
http://folktreff-bonn-rhein-sieg-rezensionen.blogspot.com/2006/04/konzertrezension-irish-stew-am-142006.html bzw. http://tinyurl.com/msc95
MAS
Sunday, March 18, 2007
Konzertrezensionen: Dikanda am 18.3.2007 in der Brotfabrik in Bonn-Beuel
Dikanda am 18.3.2007 in der Brotfabrik in Bonn-Beuel
Die Musik unserer östlichen Nachbarländer ist zumindest mir weitaus weniger bekannt, als die unserer Westlichen und besteht aus einer Menge böhmischer Dörfer, oder polnischer, wie in diesem Fall. Ich glaube sogar, dass dies erst das dritte Konzert einer polnischen Band ist, das ich je besucht habe. 2001 hörte ich mal was in Rudolstadt, das mir nicht so gefiel, aber 2003 hörte ich auf der Waldeck das Orkiestra św. Mikołaja, und da ich von diesem sehr begeistert war und über Dikanda so Renomierliches im Folker! las, lenkte ich meine Schritte voller positiver Voreingenommenheit gen Brotfabrik, und sollte auch nicht enttäuscht werden.
Nun wird die Musik von Dikanda nicht als polnische Volks- oder Folkmusik, sondern als Weltmusik aus Polen angekündigt. Aber das alles kann man auch woanders nachlesen. An diesem Abend jedenfalls erfreute meine Augen zunächst der Anblick zweier Musikerinnen und dreier Musiker unter dem Banner ihrer neuen CD mit einer Art Sonne darauf. Aus Zuschauerperspektive links saß vorne Ania Witczak in einem weiten, mit Sternen geschmückten Rock und einem riesigen Akkordeon in den Armen auf einem Hocker, und rechts vorne stand Kasia Dziubak mit einer Geige. Dahinter dann von rechts nach links saßen oder standen Piotr Rejdag mit einer Gitarre, Daniel Kaczmarczyk hinter einigen Trommeln und Grzegorz Kolbrecki an einem Kontrabass. Sie fingen langsam an, mit einem getragenen Lied auf welcher Sprache auch immer, polnisch, makedonisch oder etwa auf dikandisch, der Phantasiesprache, auf die ich so neugierig war. Manche Musiker machen so etwas ja, sie erfinden einfach eine Sprache ohne Sinninhalt, die sich aber gut anhört. Ja, das tat sie auch, vor allem weil die beiden Damen wunderbare Stimmen haben. Es ging bald sehr rhythmisch weiter, Daniel bediente die Trommeln und anderes Schlagwerk, sowie eine Langhalslaute, Piotr spielte die Gitarre oft flamencostilisch, der Kontrabass gab dem zusätzlichen Groove, und vorne waren die beiden Frauenstimmen, vor allem Anias, aber auch mal beide, was sich so ähnlich wie die mystischen Stimmen aus Bulgarien anhörte, und dann das Akkordeon und die Geige. Whow, was waren das für Töne und Rythmen!
Ania machte immer schöne Ansagen auf Deutsch mit niedlichem polnischem Akzent und lustigen Versprechern (sie sang zum Beispiel mal von einem Mann, der leider nicht zurück kehrte und meinte in der Ansage, er komme hoffentlich nicht wieder). Ah, gibt es da doch einen Sinn in den Texen? Klar doch, denn es waren auch polnische Texte dabei und makadonische und was weiß ich noch. Dieser Sprachen unkundig könnte aber auch alles Dikandisch gewesen sein, und der vermeintliche Textinhalt nur in den Ansagen vorhanden. Doch da war auch ein Lied auf Jiddisch über einen tanzenden Rebbe, das verstand ich.
Und dann wieder die Musik. Was da polnische Wurzeln hatte, was ukrainische, was makedonische, was bulgarische, fragt mich nicht. Aber vieles hörte sich auch maurisch-spanisch an, manches indisch, ein Tanz schwarzafrikanisch, den die Damen auch mit weit ausladender Gestik vorführten. Mich rührte diese Mischung traditioneller Melodien oder zumindest Melodieteile und (post)moderner Arrangements einfach an und riss mich mit. Meine Sitznachbarin zur Rechten störte sich anfangs daran, dass ich nicht still saß, aber bald sah sie wohl ein, dass sie nicht den ganzen Saal zur Ruhe zwingen konnte, einschließlich ihres Begleiters, der auch wippte und mit den Händen trommelte, wie es Anias Aufforderung zur Revolution im Saal ja auch gemeint hat. Elektronik wurde auch verwendet, aber die Loops, die Echos und der Hall verstärkten nur die akustischen Instrumente und überlagerten sie nicht.
Zwischendurch wurden auch wir Zuhörer zum Mitsingen aufgefordert, wobei sich das Polnische als schwieriger erwies als das Dikandische. Ganz am Schluss war es besonders schön: Ania forderte uns auf, immer wieder „anijassa ma didi“ zu singen und während wir das taten, verließ sie sie langsam die Bühne, nicht ohne uns sich selbst umdrehend immer wieder aufzufordern, nicht aufzuhören.
mehr Infos:
http://www.dikanda.com/
http://www.dikanda.prv.pl/
http://www.kultur-i-d-landschaft.de/worldmusic/DIKANDA/dikanda.html
http://www.folkmusic.ch/publish/dikanda_pl.asp
http://www.brotfabrik-bonn.de/
Artikel von Luigi Lauer:
http://www.folker.de/200701/03dikanda.htm
CD-Rezi von Jürgen Brehme:
http://www.folker.de/200501/bescd.htm#03
MAS
Die Musik unserer östlichen Nachbarländer ist zumindest mir weitaus weniger bekannt, als die unserer Westlichen und besteht aus einer Menge böhmischer Dörfer, oder polnischer, wie in diesem Fall. Ich glaube sogar, dass dies erst das dritte Konzert einer polnischen Band ist, das ich je besucht habe. 2001 hörte ich mal was in Rudolstadt, das mir nicht so gefiel, aber 2003 hörte ich auf der Waldeck das Orkiestra św. Mikołaja, und da ich von diesem sehr begeistert war und über Dikanda so Renomierliches im Folker! las, lenkte ich meine Schritte voller positiver Voreingenommenheit gen Brotfabrik, und sollte auch nicht enttäuscht werden.
Nun wird die Musik von Dikanda nicht als polnische Volks- oder Folkmusik, sondern als Weltmusik aus Polen angekündigt. Aber das alles kann man auch woanders nachlesen. An diesem Abend jedenfalls erfreute meine Augen zunächst der Anblick zweier Musikerinnen und dreier Musiker unter dem Banner ihrer neuen CD mit einer Art Sonne darauf. Aus Zuschauerperspektive links saß vorne Ania Witczak in einem weiten, mit Sternen geschmückten Rock und einem riesigen Akkordeon in den Armen auf einem Hocker, und rechts vorne stand Kasia Dziubak mit einer Geige. Dahinter dann von rechts nach links saßen oder standen Piotr Rejdag mit einer Gitarre, Daniel Kaczmarczyk hinter einigen Trommeln und Grzegorz Kolbrecki an einem Kontrabass. Sie fingen langsam an, mit einem getragenen Lied auf welcher Sprache auch immer, polnisch, makedonisch oder etwa auf dikandisch, der Phantasiesprache, auf die ich so neugierig war. Manche Musiker machen so etwas ja, sie erfinden einfach eine Sprache ohne Sinninhalt, die sich aber gut anhört. Ja, das tat sie auch, vor allem weil die beiden Damen wunderbare Stimmen haben. Es ging bald sehr rhythmisch weiter, Daniel bediente die Trommeln und anderes Schlagwerk, sowie eine Langhalslaute, Piotr spielte die Gitarre oft flamencostilisch, der Kontrabass gab dem zusätzlichen Groove, und vorne waren die beiden Frauenstimmen, vor allem Anias, aber auch mal beide, was sich so ähnlich wie die mystischen Stimmen aus Bulgarien anhörte, und dann das Akkordeon und die Geige. Whow, was waren das für Töne und Rythmen!
Ania machte immer schöne Ansagen auf Deutsch mit niedlichem polnischem Akzent und lustigen Versprechern (sie sang zum Beispiel mal von einem Mann, der leider nicht zurück kehrte und meinte in der Ansage, er komme hoffentlich nicht wieder). Ah, gibt es da doch einen Sinn in den Texen? Klar doch, denn es waren auch polnische Texte dabei und makadonische und was weiß ich noch. Dieser Sprachen unkundig könnte aber auch alles Dikandisch gewesen sein, und der vermeintliche Textinhalt nur in den Ansagen vorhanden. Doch da war auch ein Lied auf Jiddisch über einen tanzenden Rebbe, das verstand ich.
Und dann wieder die Musik. Was da polnische Wurzeln hatte, was ukrainische, was makedonische, was bulgarische, fragt mich nicht. Aber vieles hörte sich auch maurisch-spanisch an, manches indisch, ein Tanz schwarzafrikanisch, den die Damen auch mit weit ausladender Gestik vorführten. Mich rührte diese Mischung traditioneller Melodien oder zumindest Melodieteile und (post)moderner Arrangements einfach an und riss mich mit. Meine Sitznachbarin zur Rechten störte sich anfangs daran, dass ich nicht still saß, aber bald sah sie wohl ein, dass sie nicht den ganzen Saal zur Ruhe zwingen konnte, einschließlich ihres Begleiters, der auch wippte und mit den Händen trommelte, wie es Anias Aufforderung zur Revolution im Saal ja auch gemeint hat. Elektronik wurde auch verwendet, aber die Loops, die Echos und der Hall verstärkten nur die akustischen Instrumente und überlagerten sie nicht.
Zwischendurch wurden auch wir Zuhörer zum Mitsingen aufgefordert, wobei sich das Polnische als schwieriger erwies als das Dikandische. Ganz am Schluss war es besonders schön: Ania forderte uns auf, immer wieder „anijassa ma didi“ zu singen und während wir das taten, verließ sie sie langsam die Bühne, nicht ohne uns sich selbst umdrehend immer wieder aufzufordern, nicht aufzuhören.
mehr Infos:
http://www.dikanda.com/
http://www.dikanda.prv.pl/
http://www.kultur-i-d-landschaft.de/worldmusic/DIKANDA/dikanda.html
http://www.folkmusic.ch/publish/dikanda_pl.asp
http://www.brotfabrik-bonn.de/
Artikel von Luigi Lauer:
http://www.folker.de/200701/03dikanda.htm
CD-Rezi von Jürgen Brehme:
http://www.folker.de/200501/bescd.htm#03
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