Thursday, September 27, 2007

CD-Rezension: Geraldine Mac Gowan. Through the Years

Geraldine Mac Gowan. Through the Years

Eigenverlag 2007, http://www.geraldinemacgowan.de
14 Tracks, 66:26 mit verträumte verfremdeten Fotos von Shay MacGowan und Brian O’Connor und wenigen engl. Infos, aber ohne Büchlein und somit ohne Texte

„I won’t Stopp singing“ hatte mir Geraldine MacGowan in einem Interview für einen Folker!-Artikel gesagt. Das war vor zwei Jahren, und ja, es steht nicht nur wieder eine Deutschlanftournee an, sondern es liegt auch wieder eine CD vor. Es ist eine Art Best of, oder wie sie es selber auf der Rückseite des Covers schreibt: „’Through The Years’ is a collection of my favourite Irish songs & tunes.“ Nun, Tunes im Sinne von Instrumentals sind es nur drei, denn sie ist ja Sängerin, aber natürlich hat auch jeder Song seinen Tune im Sinne von Melodie. Ein solches Instrumentel bildet aber sogleich den Opener, eine modern arrangierte Synopse einige bekannter Jigs, der dann aber sogleich eines ihrer meiner Meinung nach besten Lieder folgt: „Go from my Window“. Bevor ich selber nach Worten suche, die dem Lied gerecht werden, zitiere ich lieber Elise Schirrmacher die im Folker! 05/2004 die Ballade beschrieb, „bei der MacGowans Stimme so samtig glänzt, wie das Fell einer schwarzen Katze, deren Schnurrhaare langsam grau werden“. Das passt! Und überdies ist es so melancholisch, dass ich beim Hören so richtig den Blues kriege. Und zugleich beginne ich zu verstehen, warum ich den bei so vielen Blues-Stücken nicht kriege, denn mit denen ist das passiert, was auch auf dieser CD mit Liedern wie „Lowlands“ (also „The Lowlands of Holland“) oder „Jealousy“ passierte, nämlich eine groovige Modernisierung, dass sie ihre ursprüngliche Melancholie verloren und zu mitreißenden Tunes wurden, voller Rhythmus und eben Groove. Daran sind selbstredend auch die Mitmusiker „schuld“, die Geraldine erstklassig begleiten, und deren sind es, die Gastmusiker mitgeechnet, nicht gerade wenige. So ist diese CD eine wunderbare Mischung zwischen melancholischen Texten und Melodien, feinen Gitarrenpickings und vorwärts treibenden und tief furchenden Rhythmen mit Gitarren, Flöten, Mundharmonika, Akkordeon, Banjo und Bodhrán. Sehr empfehlenswert für Fans moderner Irish Folk Music vorgetragen von einer reifen Frauenstimme und modernen, aber nicht zu rockigen und nicht zu jazzigen Instrumentalisten. Und als Best off-CD ist sie zugleich wohl auch ein guter Einstieg für Hörer, die noch nichts von Geraldine Mac Gowan kennen. Ich kann nur hoffen, dass Geraldine auch weiterhin ihr oben erwähntea Versprechen hält!

Leider hat die CD kein Büchlein und somit keine Texte zum Mitlesen oder merh als die Minimalinfos. Vielleicht habe ich ja nur eine Promo-Version, aber einen derartigen Hinweise fand ich nicht.

Die Musiker(innen) sind:
Garaldine MacGowan: Lead & Backings Vocals, Bodhrán
Shay MacGowan: Lead & Backings Vocals, 6 & 12 String Guitars
Brian O’Connor: Flute, Low Whistle, Backing Vocals
Anne Conroy: Accordeon
Chris Jones: Guitar, Backing Vocals
Gastmusiker(innen): Èamonn de Barra, Shane McGowan, Paddy Glackin, Tom McDonagh, Davy Spillane, Mick Davis, Mich O’Brien, Steve Cooney, Nolliag Bridgeman, Cormac de Barra, Maire Breathnach, Gerry “Banjo” O’Connor, Jimi Slevin, Frank Mulcahy, Wayne Sheady, Frieder Gottwald, Michael Witzel, Johannes Eichenauer.

Trackliste:
1. Doolin Harbour
2. Go From My Window
3. Lowllands
4. Jealousy
5. Johnny Miner
6. Jeannie C
7. Bonny Irish Maid
8. Inishfree
9. Lark In The Morning
10. Whatever Goeas Around Comes Around
11. Battering Ram/Kinneagad Slashers/Leg Of The Dug (Jigs)
12. Streets Of Derry
13. West Coast Of Claire
14. Aill Na Searrach – Hill Of White Horses

Die oben erwähnte Rezi von Elise Schirrmacher findet man unter:
http://www.folker.de/200405/rezi-eu.htm#02

Bisherige Texte zu Geraldine MacGowan von mir:
Geraldine MacGowan & Band am 15.6.2005 in der Brotfabrik in Bonn-Beuel
http://folktreff-bonn-rhein-sieg-rezensionen.blogspot.com/2005/06/konzertrezension-geraldine-macgowan.html bzw. http://tinyurl.com/a3knf
„I won’t stop singing“. Geraldine MacGowan. Eine irische Sängerin und ihr Verhältnis zu Deutschland. In: Folker! 05.2005, S. 20f..
Zum Teil online unter http://www.folker.de/200505/05geraldinemacgowan.htm

MAS

CD-Rezension: Whisht! touchdown

Whisht! touchdown

Eigenverlag 2007, http://www.whisht.de
11 Tracks, 52:50 mit Fotos, deutschen und englischen Infos

Hochkarrätiger Irish Folk aus Bonn am Rhein

„So steht es nicht im Baedecker“, heißt es manchmal in Merian-Heften, und hier heißt es: So steht es nicht im Folker! Gut, so sowieso nie, denn im Folker! habe ich immer viel weniger Platz, aber eine Rezi dieser CD werdet Ihr im Folker! gar nicht finden. Nicht, dass die CD eine solche nicht verdiente, nein, es ist einfach so, dass zwei der Musiker, nämlich Johannes und Sabrina selber Folker!-Mitarbeiter sind, und über Produkte von solchen wird dort lediglich informiert, aber sie werden nicht rezensiert. Da nun aber keiner der Musiker Mitarbeiter(in) beim folkigen Rundbrief ist, kann ich sie also gnadenlos verreißen oder auch in den Himmel loben, wie ich es für richtig halte.

Was ich nicht gut finde an dieser Scheibe, und das gilt auch für die Whisht!-Konzerte, die ich bisher besuchte, ist, dass sich Sabrina partout weigert, zu singen. Lieber laden sie sich eine Gastsängerin ein, als dass Sabrina mal ihre Fiddle los ließe und ein Lied ihren Stimmbändern anvertraute. Das wäre es aber auch schon, was ich zu meckern habe. Oder? Na vielleicht fällt mir noch was ein ...

Nun ist sie also da, die lang angekündigte Scheibe. Und diese beginnt nahezu flookig mit tiefen Gitarren- und Bodhrán-Rhythmen, und dann mit einem Uilleann-Pipe-Reelset, wenn auch nicht flookig, so doch so groovig, da wähnt man sich sofort bei einer der Avantgardebands der Inseln oder von Übersee. Diese Qualität zieht sich duch alle Stücke hindurch, die Musik der Uilleann Pipes oder Whistles und der Fiddle fließt nur so dahin, ist aber durchaus versehen mit markanten Betonungen der Gitarre und des Cajon oder des Bodhrán, ähnlich wie bei einem Wildfluss voller Stromschnellen, hier und da aber auch mit ein paar verträumten langsameren Keyboard- und Harfen-Partien, die aber alsbald wieder Tempo aufnehmen, ohne aber auch nur einziges Mal gehetzt zu wirken. So muss irische Musik sein! Oder, um es nicht ganz so apodiktisch zu formulieren und da ja auch ein paar bretonische Stücke und ein englisches dabei sind: so gefällt es mir!

Vier der elf Stücke sind Lieder, gesungen von Johannes, Ekhart und Holger, sowie eine Strophe von Gastsängerin Gudrun Walther, eines davon das bretonische „Brocéliande“ von Alan Stivel. Gegen den Gesang ist nichts einzuwenden, er ist sauber und recht druckvoll vorgetragen, aber die Stärken von Whisht! liegen zweifeslohne bei den Instrumentals und auch bei den Zwischen- und Begleitspielen der Lieder. Hätte ich die CD für den Folker! besprochen, hätte ich sie vielleicht als Besondere vorgeschlagen, wenn auch der Gesang nicht die ausgesprochene Stärke der Band ist. Gudrun hat doch bestimmt schon mehr als genug Termine. Vielleicht sollte Sabrina doch mal mitsingen?

Auch erwähnenswert ist, dass fünf Melodien von Johannes sind, eine davon in Zusamenarbeit mit Ekhart, und besonders erwähnenswerte ist auch, dass zumindest Johannes kein Profimusikser ist, sondern sich seine musikalische Meisterschaft neben seinem Beruf als Arzt erarbeitet hat. Hut ab!!!

Lineup:
Sabrina Palm: Fiddle
Johannes Schiefner: Uilleann Pipes, Keyboards, Lead Vocal (Tracks 3 & 10)
Ekhart Topp: Guitar, Lead Vocal (Track 8)
Holger Ries: Cajon, Lead Vocal (Track 5) Bodhrán, Percussion
Gastmusiker:
Gudrun Walther: Vocals (Track 3) (im Büchlein fehlt das h von “Walther”; ich vergaß es bisher auch immer)
Tets Halbertsma: Celtic Harp (Track 11)
Dirk Neuhoff: Double Bass (Track 3), Frettless Upright Bass (Tracks 2 & 9)

Trackliste:
1. Islandbawn
2. Pigs & Jigs
3. Broomfield Hill
4. Reidées á 6 temps
5. The Evictions
6. Loughing Eyes
7. The Kesh Clone
8. The Lazy Farmer
9. Gleanntán
10. Brocéliande
11. Polcai an Domhain

Frühere Rezis von mir zu Whisht!:
3. Bonner Irish Folk Festival am 24.4.2004 in der Harmonie in Bonn-Endenich
http://folktreff-bonn-rhein-sieg-rezensionen.blogspot.com/2004/04/konzertrezension-3-bonner-irish-folk.html bzw. http://tinyurl.com/7a877
Whisht! am 9.10.2004 im Feuerschlösschen in Bad Honnef
http://folktreff-bonn-rhein-sieg-rezensionen.blogspot.com/2004/10/konzertrezension-whisht-am-9102004-im.html bzw. http://tinyurl.com/aqjjt
Whisht! im Bungersthof am 16.12.2005 in Königswinter-Oberdollendorf
http://folktreff-bonn-rhein-sieg-rezensionen.blogspot.com/2005/12/konzertrezension-whisht-im-bungersthof.html bzw. http://tinyurl.com/bnyt7
5. Bonner Irish Folk Festival am 29.4.2006 in der Harmonie in Bonn-Endenich
http://folktreff-bonn-rhein-sieg-rezensionen.blogspot.com/2006/04/konzertrezension-5-bonner-irish-folk.html bzw. http://tinyurl.com/ftoh5

Zu Gudrun Walther (ja, auch ich vergaß bisher immer das h):
Deitsch am 6.9.2006 beim Folk im Feuerschlösschen in Bad Honnef
http://folktreff-bonn-rhein-sieg-rezensionen.blogspot.com/2006/09/konzertrezension-deitsch-am-692006.html
Deitsch. Königskinder.
http://folktreff-bonn-rhein-sieg-rezensionen.blogspot.com/2005/11/cd-rezension-deitsch-knigskinder.html bzw. http://tinyurl.com/ddp3h
Cara. in between times.
http://www.folker.de/200704/bescd.htm#01

MAS

Sunday, September 23, 2007

Konzertrezension: Sessioneers und Greenwood School am 23.9.2007 auf dem Münsterplatz in Bonn

Sessioneers und Greenwood School am 23.9.2007 auf dem Münsterplatz in Bonn

Das ist keine Rezension, aber doch eine Notiz. Letzten Sonntag spielten einige unserer Bonner Irish-Session-Musiker unter dem Namen „Sessioneers“ (Achim Weimer auf dem Bodhrán, ein Querflöter, dessen Namen ich nicht kenne, Alexander „Näx“ May auf Uilleann Pipes, Tinwhislte und Gesang, Nicole Maldonado auf Fiddle und Gesang und Werner Nitsche auf der Gitarre in einem Zelt auf dem Bonner Münsterplatz zum Tanze auf. Auf ihre Musik tanzten Teilnehmerinnen der Tanzkurse der Greenwood School unter der Anleitung von Jelea Haramis und Heike Fröhling, dann aber auch normales Volk, erst recht unter Anleitung. Das war sehr hünsch anzuschauen und sehr schön wie immer anzuhören. Zum Mittanzen hatte ich gerade keine rechte Lust. Dass auch Näx sang war ein Schmankerl besonderer Art. Die Veranstalung fand im Rahmen des NRW-Projekts „Ab in die Mitte“ statt. Sowas könnte es ruhig öfter geben!


Sessioneers (keine Gruppe, aber ein Überblick über die Irish Sessions der Region):
http://www.sessioneers.de/
Jelena Haramis & Heike Fröhling:
http://www.schottisch-gaelisch.de/texte/storas/Jelenaheike.html
http://www.khadira.de/greenwood/impressum.shtml
Ab in die Mitte:
http://www.mybonn.de/main.php?seite=top-events/news-2007-05-001

MAS

Saturday, September 22, 2007

Konzertrezension: 27. Lahnsteiner Bluesfestvial am 22.9.2007 in der Stadthalle Lahnstein

27. Lahnsteiner Bluesfestvial am 22.9.2007 in der Stadthalle Lahnstein

Kein Grund, den Blues zu kriegen – mitreißendes Festival im „Mekka der Bluesfreunde“

Den Blues könnte ich höchstens kriegen und mir selber in den Allerwertesten treten, weil ich, der ich doch aus Lahnstein stamme und bis 2001 auch noch meinen Zweitwohnsitz in der elterlichen Wohnung dort hatte, erst jetzt, in dessen 27. Jahr, das Lahnsteiner Bluesfestival zum ersten Mal besuchte. Da muss schon ein Bretone kommen, um mich, der ich ja sonst Celtic Folk-Fan bin, mit einer freundlichen Einladung mal zu diesem Zwecke zu bewegen, die mir durch viellerlei andere Veranstalungen bekannte Stadthalle in Oberlahnstein aufzusuchen. Der Bretone ist Yannick Monot und ist eigentlich Cajun-Musiker, Mitbegründer von Le Clou und lebt seit vielen Jahren im Rhein-Lahn-Kreis und trotzdem im Verteiler meines folkigen Rundbriefes für Bonn, Rhein-Sieg und Umgebung. Nun ja, was heißt „trotzdem“? Umgebung ist es ja noch.

Warum dieses so bedeutende Festival bisher nahezu gänzlich, also abgesehen von Radio- und Fernsehübertragungen, an mit vorrüber ging, ich kann es nicht begründen, zumal ich gerne Blues höre. Der Mensch ist endlich und hat Grenzen, wenn bislang auch ganz unnötige.

Lahnstein wurde tatsächlich schon „das Mekka der Bluesfreunde“ oder „des Blues“ oder so genannt, sogar in einer „Bilderbuch Deutschland“-Sendung über die Lahn ist das Lahnsteiner Bluesfestival erwähnt. Und tatsächlich standen zwei Autos vom SWR auf dem voll geparkten Saalhofplatz vor der Stadthalle. Ich dachte sofort ans Äffle und’s Pferdle und ihren „Hafer- und Bananenblues“. Gepäckkontrolle an Eingang, noch eine Absperrung zwecks Kartenkontrolle, dann hoch die Treppen über den 70er-Jahre-Teppichboden, der seine saubersten Zeiten längst hiner sich hat, hinein ins Gewühle der Blueser und Bluesfreunde, die teilweise recht bullige Typen, aber ansonsten ein guten Querschnitt des normalen Volkes. Die weiteste Anreise hatte laut Info des Moderators Thoma C. Breuer ein Ehepaar aus Fuerteventura.

Nun aber zur Musik: Yannick Monot hatte schon im letzten Jahr extra für das Lahnsteiner Bluesfestival eine eigene Combo auf die Beine gestellt, die sich Lahnstein Blues All Stars nennt. Diese, aber wenn ich es richtig verstanden habe, wieder mit anderer Besetzung oder zumindest zum Teil, eröffnete auch das diesjährige Festival. Yannick sang und spielte Gitarre, Mundharmonika (im Programmheft immer als „Harp“ bezeichnet, aber ein Harfe war weit und breit nicht zu sehen) und Akkordeon, wobei er vor allem letzterem, wenn auch ganz dezent, ein paar Cajun- oder Zydeco-Akkorde entlockte. Biber Herrmann, ein gelernter Winzer aus dem Rheingau, sang ebenfalls und spielte Gitarre und Mundharmonika, aber auch Dobro, also Metallgitarre. Er meinte zudem, dass man ja meinen könne, ein Weißer dürfe keinen Blues spielen, denn der sei die Musik der unterdrückten Afroamerikaner, aber wer im Rheingau bei 40°C im Weinberg Unkraut gejätet habe, könne die Arbeit auf den Baumwollfeldern im Süden der USA sehr gut nachvollziehen und wisse auch sehr gut, was ein Blues sei. Klaus Nol bediente einen Kontrabass und Peter Bingart ein Piano, sowie eine Melodica, das er vor sich auf dem Klavier liegen hatte und ihm die nötige Luft durch ein Mundstück mit Schauch zukommen ließ. Dann war noch ein Gitarrist dabei, nämlich Lulu Reihnard aus Koblenz, dessen Gitarrenspiel, auch bei einem musetteähnlichen Walter starke Flamencoeinflüsse aufwies. Lulu stammt aus einer Roma oder Sintifamilie, so wie der berühmte Chango Reinhard. Nina Thomas, auch aus Koblenz, bediente „nur“ ihre Stimmbänder, denen sie aber einen volltönigen Gesang entlockte, der auch einer schwarzen Gospelsängerin zur Ehre gereichen würde. Schließlich war da noch mit Gitarre und rauer, eigentlich kaum vorhandener Stimme, Werner Lämmerhirt, der dem Blues eine gute Portion nordeutschem Fingerpicking und Deutschfolk hinzu gesellte. Diese Combo spielte eine Musikmischung, die nach meinem Verständnis zur Hälfte aus Blues im engeren Sinn und zu anderen Hälfte aus Swing, anderem Jazz, Deutschfolk, Flamenco, Gospel, Country, Cajun und anderen Musikstilen bestand, ein buntes Mosaik also, und so gar nicht geeignet, einen traurig zu stimmen.

Der zweite Act war eine Preisrede von Reinhard Lorenz vom Internationalen Jazz- und Bluesarchiv Eisenach auf Günther Kieser, einen Künstler, der sich seit den 1950ern als Entwerfer von Konzertplakaten und Plattencovers einen Namen gemacht hat. Wie auch in Rudolstadt des öfteren erlebt, war das Publikum anschließend großenteils froh, als die Rede vorbei war und die Musik weiter ging. Dabei was das doch sehr interessant, die Vita eines Menschen zu hören, von dem ich noch nie etwas gehört hatte, der sich aber um die visuelle Darstellung musikalischen Schaffens so verdient gemacht hat. Bevor er sich an die konkrete Gestaltung eines Plakates gemacht hat, soll er sich zuerst tief in die Musik des betreffenden Musikers hineingehört haben, so zum Beispiel in die von Jimmy Hendrix. Es gab auch eine kleine Ausstellung in einem anderen Raum, die ich mir in einer Pause anschaute. Plakate aus der Zeit vor meiner Geburt, zum Beispiel vom American Folk Blues Festvial von 1962 und anderen Jahren, als Folk und Blues noch die Musik einer breiten Jugend war, neben Jazz, Rock, und Schlager die Massen erreichte. Oder wie war das damals? Das irische Folk Revival stand zu der Zeit jedenfalls noch bevor. Dem Künstler wurde dann natürlich auch ein Preis verliehen, eine kleine Skulptur, nicht unähnlich der Ruth, nur hier Blues-Louis mit Namen, benannt nach Louis Amstrong, den ich bislang nicht mit Blues in Verbindung gebracht hatte. Dieser Preis wird seit 1997 jährlich vergeben, und zu den Preisträgerinnen gehört auch die in Folk-Kreisen berühmte Hildegard Döbner, an deren Küchentisch in Witten dereinst Johannes Epremian erstmals auf Le Clou traf. Zur Feier des Preisträgers spielte eine Frankfurter Band namens Herbert Christ And His Bluesicians, bestehend aus Hebert Christ (Trompete, Horn und Gesang), Olaf Polziehn (Flügel), Achim Hamacher (ein riesiges Ding von Bass Saxophon) und Siggi Gerhard (normales Saxophon), sowie noch mal Biber Herrmann (Gesang und Gitarre) ein paar doch eher wieder jazzige Stücke zwischen Swing und Dixieland und vor allem in dem Stil von Louis Armstrong, doch auch ein paar eigentliche Bluesstücke, darunter ein von Biber auf Deutsch gesungenes Loblied auf den Preisträger.

Dann gab es die Pause, in der ich froh darum war, mit trotz des Sponserings und daher auch der Herrschaft über den Biersausschank von Bitburger ein Lahnsteiner Weizenbier zu ergattern und für Petra einen trockenen Silvaner und uns beiden Flammkuchenbaguettes. Lecker! Derweil war zwar Yannick, den ich natürlich begrüßen wollte, schon wieder entschwunden, aber ein Schulkamerad von mir, der seit 1983 fast jährlich das Bluesfestival besucht, und der Braubacher Bluesmundharmonikaspieler Willi Küppers, den wir schon ein paar Mal in Bonn, Siegburg und Lahnstein gehört hatten, kreuzten unsere Wege.

So gut uns schon die ersten beiden Band gefallen hatten, so sehr riss uns nun die Charlie Musselwhite Band mit, die nicht, wie ich erst dachte, nach einer Verenglischung des Koblenzer Stadtteils Moselweiß benannt war, sondern eben nach Charlie Musselwhite, einem Südstaatler Chaktaw-indianischer Herkunft (ja das Programmheft ist voller Hintergrundinfos), der seit Jugendzeiten in Chicago wohnt. Der 1944 Geborene spielte schon mit Muddy Waters, Howlin Wolf und John Lee Hooker – wem die Namen dieser Blueslegenden was sagen. Charlie spielte Gitarre, Mundharmonika und sang, Chris „Kid“ Anderson aus Norwegen spielte E-Gitarre, Randy Bermudes aus USA E-Bass und June Core aus USA Schlagzeug. Und wie man bei dieser mitreißenden Musik den Blues bekommen kann, ist mir echt ein Rätsel. Ja gut, die Texte, so man sie verstand, waren ernst bis traurig, aber die Melodien und Rhythmen wirkten zumindest auf mich eben mitreißend oder aber cool-entspannend-wiegend, blues-rockig. Petra und ich sagten spontan: „Das klingt nach Sommer ’97“, denn vor 10 Jahren und je (fast) 10 kg waren wir oft bei der Blues Session in der Jazz Galery in Bonn zu Gast, und der Rhythmus bestimmte den damaligen Sommer, den wir auch großenteils am und auf dem Rhein verbrachten, ahc ja, der war blau und der Himmel darüber auch und weit und groß, ja, das war auch eine Art Blues Feeling, aber ohne Traurigkeit, eher im Sinne von „blau machen“. Einiges erinnerte mich auch an Chris Rear oder war eher soulig, aber dann ging anderes so schnell ab, dass ich mal versuchte, die Takte zu zählen und dabei feststellte, dass es nach 16 Takten Wiederholungen gab, ja, 16/8, Reel-Rhythmus.

Den Blues bekamen wir aber dann, als ein Blick auf die Uhr uns zeigte, dass es Zeit zum Aufbruch war. Denn justament in diesem Monat zeigte es sich, dass mein 1988er Ford Scorpio nur noch mit hohem finanziellen Aufwand über den TÜV kommen würde und gerade der Kühlungsventilator kaputt war, so dass wir lieber mit Bahn und Bus hergereist waren, um nicht mitten in der Nacht irgendwo liegen zu bleiben. Dabei hätte ich die Rorymania so gerne gehört, denn das war eine Hommage an einen irischen Blueser namens Rory Galagher (1949-1995), und im Programmheft steht einiges über Parallelen zwischen afroamerikanischen und irischen Schicksalen in Amerika und zwischen Blues und Irish Folk. Aber nein, ich mochte selber eine Lamentation anstimmen, es half nichts, zwar nicht das Schiff nach Americae, aber der Bus zum Koblenzer Hauptbahnhof hatte einen Fahrplan, der keine Rücksicht auf unsere Bedürfnisse nahm, und auch so waren wir erst gegen 1.20 Uhr wieder in Siegburg, während das Bluesfestival noch bis nach Mitternacht zu dauern angekündig war. Jetzt hoffe ich sehr, die SWR-Fernsehübertragung nicht zu verpassen, wenn sie denn ausgestrahlt wird und vielleicht im nächsten Jahe meiner Heimatstadt wieder einen bluesigen Besuch abstatten zu können.

http://www.lahnsteiner-bluesfestival.de

MAS

Saturday, September 15, 2007

Konzertreznesion: An Rinn am 15.9.2007 beim Folk im Feuerschlösschen in Bad Honnef

An Rinn am 15.9.2007 beim Folk im Feuerschlösschen in Bad Honnef

Irish Folk in MGV-Qualität aus Niedersachsen zu Gast beim FiF

Petra und ich waren froh, schon um 19.30 Uhr im Feuerschlösschen zu sein, denn ansonsten hätten wir wieder nur Stehplätze bekommen, wie so anderen Musikfreunden geschah, denn es wurde rappelvoll. Lag es an dem Wetter, das zu schön war, um zu Hause zu bleiben oder nicht warm genug zum Grillen im Garten oder für den Biergarten, lag es daran, dass es die erste FiF-Veranstaltung im 2. Halbjahr 2007 war oder lag es etwa an der Musik?

Zu Gast war an diesem Abend das Quintett An Rinn aus Bramsche in Niedersachsen, und dieses hatte vor allem Lieder aus Irland und Schottland und den USA dabei, aber auch einige Instrumenals aus eben diesen Ländern und aus Dänemark. Von links nach rechts aus Zuschauerperspektive saßen oder standen da Alexander Maßbaum (Vocals, Accordeon, Flute, Bodhrán, Low & Tin Whistle), Martin Czech (Vocals, Fiddle, Banjo, Guitar, Hammer Dulcimer), Brian McSheffrey (Vocals, Bodhrán, and other things), Matthias Malcher (Vocals, Guitar, Banjo, Dobro) und Helmut Henke-Tiede (Vocals, Bass, Guitar, Bouzouki, Madolin). (Ha, das brauchte ich jetzt nur aus der CD-Rezi zu kopieren). Und nein, das Steigerlied sangen sie leider nicht, sondern blieben englischsprachig, sangen ein-, zwei und mehrstimmig Balladen und Shanties, zumeist mit Inhalten von der Arbeit, der Seefahrt (soll ja auch Arbeit sein), dem (meist unfreiwilligen) Reisen, von Outlaws und unschuldig Verurteilten, man mochte glauben, sie seien überall dabei gewesen: Das Foyer des Feuerschlösschens wurde zum Bergwerk oder zum Segelschiff. Und das alles bekam durch die beiden, nicht gleichzeitig eingesetzten, Banjos (ein lang- und ein normalkurzhalsiges) einen Hauch von Bluegrass mit. Dann Jigs, Reels, ein dänischer Tanz und andere Instrumentals, flott gespielt, auch auf dem Dulcimer rasant gehämmert. Lustige Bemerkungen, gegenseitiges Auf-den-Arm-Nehmen lockterten es noch mehr auf. Und wem das immer noch nicht genug war, der wurde aufgefordert, mit zu singen, was wir auch alle taten, so dass Brian, der echte Ire der Truppe, strahlte vor Glück, als er wie ein Dirigent die Arme schwenkte. Dass anfangs Alexanders und Martins Instrumente zu leise waren, was nach entsprechendem Hinweis korrigiert wurde, sei nur nebenbei erwähnt. Dafür waren die fünf Stimmen, die teils wie ein ganzer Männergesangsverein klangen, um so lauter. Mike Kamp meinte: Nicht viel anderes als in den 60ern, aber sehr gut gemacht.

Ja, ihr lieben Rundbriefleser(innen), das Feuerschlösschen war auch ohne Euch voll, aber ich habe auch wirklich bewusst keinen von Euch da gesehen, außer Mike und Jutta, die das Ganze ja organisierten. Selbst Schuld!

http://www.anrinn.de/
http://www.folkimfeuerschloesschen.de.vu

Früher Rezi von mir zu An Rinn:
An Rinn. Coal. Songs of the working man.
In: Folker! 02.06., S. 88.
online: http://www.folker.de/200602/rezi-d.htm#03

MAS

Saturday, September 08, 2007

Konzertrezension: Tri Yann am 8.9.2007 auf dem Bonner Marktplatz

Tri Yann am 8.9.2007 auf dem Bonner Marktplatz

Bretonisches Finale des Keltischen Sommers in Bonn

Bei der Keltischen Nacht am 11. August, das hätte ich noch erwähnen wollen, sah ich auf dem Fahnenmast auf dem Dach das alten Rathauses eine jener Seemöven (Silbermöve, Mittelmeermöve oder Hybride dazischen, wie mir mal ein Ornitologe erklärte), die seit einigen Jahren auch in Bonn zu Hause sind, sitzen. Unten auf der Bühne klang es gerade so richtig nach den Äußeren Hebriden, man roch förmlich die salzgeschwängerte Seeluft, da stieß die Möve plötzlich ihren langen, klagenden Eruf aus und vier oder fünf andere Seemöven tauchten hinterm Rahthaus auf, als hätte die eine Möve die anderen herbei gerufen, damit auch sie Musik aus ihrer maritimen Heimat hören konnten.

Die Möven hätten mal am 8. September vorbei fliegen sollen, dann hätten sie sich aber gewundert, denn auf der Bühne breitete ein riesiger Artgenosse seine Flügel aus. Freilich, ja, diese Riesenmöve war nicht ohne weiteres als solche zu erkennen, wir rätselten, was das wohl sei, ein indianscher Schamane im Adlerkostüm oder etwa der gallische Hahn. Nein, es war eine Möve, wie mir ein Tri Yann-Fan-Paar aus Stuttgart erklärte. Tri Yann kommen zwar von keiner Insel, aber die Bretagne wird ja auch Armor genannt – nein, nicht der Liebesgott Amor! – das Land am Meer, und Tri Yann haben sich gerade dies auf die Fahnen ihres Programms geschrieben. Gleichzeitig liebäugeln sie mit dem Barock, so dass das Mövenkostüm, aber nicht nur dieses, sehr barock aussah, auch das eines Adeligen, das eines Fischers und andere Kostüme feierten das 17. Jahrhundert.

Die Musik war nun eigentlich nicht barock, wenn man davon absieht, dass die Wurzeln der traditionellen bretonischen Musik weit zurück reichen, aber noch viel weiter als vierhundert Jahre. Sie war aber eher modern, recht rockig, etwas jazzig, die Wurzlen der Band in den 1970ern, der Zeit des Folk-Revivals auch in der Bretagne, hörte man gut heraus, und natürlich folkig. Ich kann jetzt nicht exakt sagen, wer von den acht Musikern wähend des Konzertes wo stand, da sie ja fast immer in Bewegung waren. Die drei Jeans, die der Band ihren Namen gaben, Jean Chocu, Jean-Paul Corbineau, Jean-Louis Jossic, bedienten auußer ihren Stimmbändern Gitarren, Manodline, einer auch Bombarde u.a., Gérard Goron das Schlagzeug, Jean-Luc Chevalier den E-Bass, Konan Mevel Flöten, Sackpfeifen, Saxophon, Fre d Bourgeois das Klavier und Christophe Peloil die Geige, wobei diese Instrumentaufzählung nicht volständig ist. Mein Fanzösisch ist nicht so gut, dass ich die Liedtexte verstanden hätte, doch die Ansagen waren teils auf Deutsch zusammengefasst, so dass ich erstmals vernahm, dass ein mir schon bekanntes Lied von einer Ölpest handelte. Bretonsich kann ich ja noch weniger, aber dass die vielen Leute im Publikum, die bretonische Flaggen dabei hatten, gerade bei dem Lied, in dem „Breizh ma bro“ (Bretagne, mein Land) besungen wurde, die Flaggen nicht wehen ließen, wunderte micht doch. Die Melodie gibt es übringes auch in Wales und ist dort die der Nationalhymne. Einige Lieder erinerten auch sehr an die Bläck Fööss oder die Höhner, was wohl auch daran liegt, dass die Kölner nicht wenige Melodien aus dem keltischen Kulturraum entlehnt haben. Und so ziemlich am Schluss – die Kostüme hatten sie längst ausgezogen und „zivil“ weiter musiziert – sangen sie „The Leaving of Liverpool“ auf Französisch, also zumindest die Melodie dieses irischen Klassikers, aber wohl mit ganz anderem Text.

Was aber wäre ein bretonisches Konzert ohne „Fingerhakentanz“, also An Dro? Unser Bonner Tanzmeister Jürgen Weihoven und seine Frau ließen sich den Spaß nicht nehmen, und prompt wurde daraus eine Polonaise, die auch quer durch die Menge ging und der sich immer mehr anschlossen, darunter auch Tom und Frau Kannmacher, Diarmuid Johnson, der gerade auf der Durchreise von Wales nach Polen, war, Ferdi, Eckhard, den ich seit einem halben Jahr elektronische kannte und nun erstmals leibhaftig, und ich. Oder auch eine Gavotte oder eine Laridée oder anderes. Das machte Freude hoch drei! Nicht dass ich das gut könnte, aber das störte niemanden.

Das war dann das letzte der keltischen Konzerte des diesjährigen Bonner Sommers, und ich nutze die Gelegenheit, der Stadt Bonn meinen Dank für diese schöne Konzertreihe, umsonst und draußen, auszurichten. Wir saßen dann noch in der Bonner Brasserie zusammen, und auch die Tri oder auch Acht Yans kehrten dort ein, begrüßt von vielen Gästen mit einem herzlichen Beifall. Sie aber eilten vorbei ins Innere, als wollten sie mit Fans nichts zu tun haben, oder einfach ihre Ruhe. Nun ja, jeder Jeck is anders.


Mehr Infos zu Tri Yann:
http://edoll.free.fr/
http://www.folker.de/9806/triyann.htm
http://de.wikipedia.org/wiki/Tri_Yann

MAS

Thursday, September 06, 2007

CD-Rezension: Woltähr. Mir schwaeze Platt

Woltähr. Mir schwaeze Platt

Op der Lay 2007, http://www.voltaire-woltaehr.de
20 Tracks, 63:30 mit Fotos, Texten je teils auf Hochdeutsch, Musselfränggisch, Lëtzebuergesch, Français, Breton (keine Ahnung, was „Bretonisch“ auf Bretonisch heißt) und Infos auf Hochdeutsch

Moselfränkische Mundartmusik mit keltischem Blues in der Seele

Wow, was für ein Intro! Keyboard und Bass legen einen rhythmischen Klangteppicch vor, eine Leier kommt von unten herauf mit der Melodie von „Son ar Christr“ (= „Was woll’n wir trinken“), und wie ein aus dem Schlaf erwachender Moselwassermann singt Walter Liederschmitt den bretonischen Text dazu, urig, etwas schräg, ein Schauer fließt mir den Rücken herunter. Walter, alias Woltähr, und seine Bande bieten mit dieser Scheibe wieder eine urige, phantasievolle, rockige, bluesige und folkige Melange und spinnt dabei Zusammenhänge, auf die nicht jeder sofort käme. Wieso zum Beispiel beginnt eine Moselfränkische Mundart-CD – und um eine solche handelt es sich hier – mit einem bretonischen Lied? Und wieso wird auf der CD auch Französisch gesungen? Und wo bitte liegt Austrasien? Und wieso singt der Kerl so schräg?

Zunächst ist zu vermerken, dass Woltähr in Trier zu Hause sind. Trier indes liegt einerseits an der Mittelmosel, nicht weit vom deutsch-luxemburgisch-französischem Dreiländereck und somit an der Euregio Saar-Lor-Lux, wenn als rheinland-pfälzische Bezirksregierungsstadt auch nicht direkt in dieser Region. Trier war zudem einmal Zentrum des Siedlungsgebietes der keltischen Treverer, dann wichtigste Stadt des römischen Imperium nördlich der Alpen, später Zentrum von Austrasien, wie man die Gegend in Fränkischer Zeit nannte, und aus dieser Zeit stammt dann auch die moselfränkische Mundart, die man dort in diversen Unterdialekten spricht, wovon ich aber schon in einer früheren Woltähr-Rezi geschrieben habe. Walter Liederschmitt nun bastelt sich aus diesen Elementen ein ganz eigenes Heimatgefühl, ein einerseits recht künstliches und verkopftes regionales Identitätskonstrukt, das andererseits aber so recht in Gemüt geht. Desweitern ist zu vermerken, dass Walter ein großer Fan von Bob Dylon ist, was er wiederum mit Wolfgang Nideggen gemeinsam hat, woraus sehr wahrscheinlich die recht ähnliche Singweise der beiden resultiert: schräg eben, ein wenig wie noch nicht ganz wach (was in „Et Schloofleed“ auch thematisiert wird), aber gewollt und gut gekonnt.

Ein wenig unglücklich bin ich darüber, dass ich die Texte beim Hören schlechter verstehe, als bei den vorherigen CDs, obwohl mir der Dialekt vertraut ist. Aber gottlob sind die Texte ja im Büchlein zum Mitlesen drin, und das großenteils auch in hochdeutscher Übersetzung. Und die Texte thematisieren auf recht unterschiedliche Weise eben die Besonderheit dieser Region in Rheinland-Pfalz, Saarland, Lothringen und Luxemburg mit häufigem Blick westwärts über Paris bis zur Bretagne. Da mischen sich Moselwein mit Cidre, bretonische Tanzrhythmen (An Dro, Hanter Dro, Laridée 6 temps, Dans Leon, Ront de Saiunt-Vincent und Gavotte) mit rockiger Instrumentik und moselfränkischem (Delsches Platt und Lëtzebuergesch) Text, da mischt sich ein französischer Text dazwischen, dort wird ein jiddischer Klassiker eingemoselt. Ach man möchte sich mit de Schwatz Kaatz in de Kesse wenzele und sich moselwein- und viezselig im Kreise drehen!

Gesponsert scheint die Scheibe von einigen Winzern zu sein, denn für diese wird im Büchlein unaufdringlich, aber deutlich geworben. Leider sind es aber nur deutsche Winzer, keine Luxemburgischen, obgleich dort auch Moselwein wächst. Ob in Lothringen auch, weiß ich nicht. Grenzübergreifende Winzerwerbung hätte den Dreiländerrecks-Charme der CD noch erhöht. Und welche Moselschleife das Coverbild ziert, fand ich leider nirgends erklärt.

Und wer musiziert sonst noch mit?
Uwe Heil (Gitarren, Blues Harp)
Carsten Söns (Bässe)
Christian Meissner (Schlagzeug + Gedöns)
Gert Bukowsi (Keyboards)
Daniel Bukowski (weitere Bässe)
Dorle Schausbreitner (Gesang und Gitarre)
Florian Schaubreitner (Bass)
Markus Mihc (Gesang, Gitarre)
Patric Ludwig (Gesang)
R. Gollo Streffen & Renée Weber (Gesang)

Trackliste:
01. Son ar chistr
02. Et Platt-Leed
03. Austrasien
04. Lothrénger Meedchi
05. Les sabots d’Hélène
06. Et Schloofleed
07. Bei mir bes de scheen
08. Ich haon de Kir kréit
09. Schwatz Kaatz
10. Marion se pomène
11. Kouke mer mol
12. Saarburjer Viezleed
13. Wie Bloo Maathes freie ging
14. H[ae]dekuhr-Knepp
15. Danz danz Quiselchi
16. Echtern-Aacher Springprozess
17. Spillmannslidd
18. Zu Arel op der Knippchen
19. Et Goddelfr[ae]cheleed
20. Konzer-Delsches-Leed


Frühere Woltähr-Rezis von mir:
CD: Woltähr. Trierer Venus
CD: Woltähr. Trier by night
http://folktreff-bonn-rhein-sieg-rezensionen.blogspot.com/2004/07/cd-rezension-wolthr-trierer-venus.html bzw. http://tinyurl.com/axchx
und
http://www.folkig.de/reviews/woltaehr.php3
CD: Walter Liederschmitt & Andreas Sickmann. Treverer Barden. Trier/Mosel
http://folktreff-bonn-rhein-sieg-rezensionen.blogspot.com/2006/02/cd-rezension-walter-liederschmitt.html bzw. http://tinyurl.com/977wx
CD: Woltähr. Trier night & day. bonus tracks 2001 – 2005
http://folktreff-bonn-rhein-sieg-rezensionen.blogspot.com/2006/02/cd-rezension-wolthr-trier-night-day.html bzw. http://tinyurl.com/9ype6

MAS

DVD-Rezension: Ben Bulben. Finest Irish and Celtic Traditionals. live

Ben Bulben. Finest Irish and Celtic Traditionals. live

DVD, Eigenverlag/Cut Production 2006, http://www.ben-bulben.de
13 Tracks, 69:12 Konzertlänge, 73:16 mit Abspann, mit 5:53 Minuten Dia-Show

Bonner Irish Folk Band live in der Balver Höhle

Am 5.8.2006 wurde diese DVD in der Balver Höhle aufgezeichnet, also vor über einem Jahr. Seit Januar 2007 ist sie in meinem Besitz, aber erst jetzt vor ein paar Wochen im August ’07 kaufen wir uns einen DVD-Spieler, so dass ich sie mir endlich ansehen konnte. Deshalb kommt nun die Rezension so spät, wofür ich um Entschuldigung bitte.

Ben Bulben, die sich nach einem Tafelberg in Irland benannten, ist nun abgesehen von einer Demo-DVD von den Lokas Heroes meines Wissens die erste Bonner Irish Folk Band, die eine DVD herausbrachten. Nun habe ich nicht all zu viel Erfahrung mit DVDs, merke aber schon, dass es da in Kameraführung, Schnitt, Ton und so weiter Qualitätsunterschiede gibt, also nicht nur welche, die an der Musik selber liegen. Hier ist es so, dass drei Cameras das Geschehen auf der Bühne für die Nachwelt fest hielten, eine vom Eingang zur Höhle her, über das gesamte Publikum hinweg, eine von fast direkt vor der Bühne aus und eine meist seitwärts von der Bühne selber her. Zwischen diesen drei Einstellungen springt die Perspektive hin und her, wobei erst genannte am seltensten gezeigt wird. Der Ton scheint von einem zentralen Mikrophon her aufgenommen zu sein, so dass man nicht jeden leisen Ton so hört, wie man ihn hören könnte, wäre die Aufnahme über die Mikros auf der Bühne erfolgt. So sitzt man also vor dem Fernseher und guckt und hört sich das Konzert an, lacht beim ersten Mal über die Gags in den Ansagen, zum Beispiel über den roten Mitsubishi, der auf dem Weg nach Balve vor den Musikern her trödelte, so dass sie beinahe zu spät gekommen wären, wobei die Insassen dieses Autos auch das Festival besuchten, hört die Lieder und Tunes, kann sich einen Eindruck von der Räumlichkeit machen, die ich zum Beispiel noch nicht in natura kenne, und hat somit ein schönes Dokument eines Konzertes vorliegen. Nur rein optisch bietet die DVD nicht das, was man von Profis eventuell kennt (ich habe da nur eine DVD von Fiddler’s Green und eine von einer Keltischen Nacht in Lorient zum Vergleich), aber das Budget ist sicher auch ein ganz anderes. Die Live-Stimmung kommt natürlich auch nicht so rüber, als wäre man dabei, das geht ja auch gar nicht. Ganz sicher ist die Scheibe ein Muss für Fans, aber die werden sie schon haben, und interessant generell für Interessierte an deutscher Irish Folk Musik auf der Bühne, und für all die, die mehr Ben Bulben-Konzerte verpasst haben, als sie gerne besucht hätten ist sie zumindest ein Trostpflaster.

Die Musik selber ist eine bunte Mischung aus Songs und Tunes, besonders gefallen mir Ulis Low Whistle- und Claudias und Judiths Querflöteneinsätze. Die Mission Impossible-Melodie, für deren Einbau in einen Tuneset Ben Bulben berühmt sind, ist auch dabei. Nur ist die Spielweise ein wenig abgehackt, nicht so fließend, wie ich es bei irischen Tunes so gerne mag, und es gibt nicht viele Variationen eines Themas beim zweiten oder dritten Durchgang. Es ist also eher gute Hausmannskost als Haute Cusine, aber eben doch gute Hausmannskost, keine schlechte.

Dann gibt es noch eine Diashow mit Fotos eben aus Balve, aber auch vom Konzerten im Bungertshof, in der Gesamtschule Bonn-Beuel, auf dem Bonner Münsterplatz und aus Twist, geographisch wild durcheinander, sortiert aber nach den Musiker(inne)n.

Ja, die Musiker und Musikerinnen sind:
Claudia Anthony: Flute, Keyboard, Vocals, Percussion
Judith Bergerhausen: Flute, Vocals, Keyboard, Percussion
Joe Thar: Acoustic & Electric Guitars, Vocals
Christoph Anthony: Fiddle, Bass & Acoustic Guitar
Uli Wisnitza: Bodhran, Cajon, Tin & Low Whistles, Bass

Trackliste:
Men of the House
Next Market Day
Paddy (da ist das Mission Impossible-Thema eingebaut)
Black is the Colour
Cooley’s Butterfly
Star of the County Down
Dunmore Lassies
Wind that shakes the Barley
Fanmore
Toss the Chickens
Holy Hipp/Congress
Blackbird
Tamlin

Frühere Rezis von mir zu Ben Bulben:
1. Bonner Irish Folk Festival am 20.4.2002 in der Harmonie in Bonn-Endenich
http://folktreff-bonn-rhein-sieg-rezensionen.blogspot.com/2002/04/konzertrezension-1-bonner-irish-folk.html bzw. http://tinyurl.com/8oltl
Ben Bulben am 8.9.2006 im Bungertshof in Königswinter-Oberdollendorf
http://folktreff-bonn-rhein-sieg-rezensionen.blogspot.com/2006/09/konzertrezension-ben-bulben-am-892006.html



MAS

Saturday, August 11, 2007

Konzertrezension: Keltische Nacht – Oidhche na Gáidhlig am 11.8.2007 auf dem Marktplatz in Bonn

Keltische Nacht – Oidhche na Gáidhlig am 11.8.2007 auf dem Marktplatz in Bonn

Ein schottisch-irisches Konzert mit ethnologischen Qualitäten

Bei diesem vorletzten Konzert des Keltischen Sommers in Bonn durften auch vier unserer Bonner „Kelten“ mitmachen, beziehungsweise einer der beiden, Michael Klevenhaus, Dozent im Haus für Keltische Sprachen und Kulturen, leitete durch den Abend und zeichnete wohl verantwortlich für das ganze Konzept. Verwundert schaute ich zu Beginn auf einen Tisch mit einer krumepligen Tischdecke, der auf der Bühne stand, dessen Sinn aber schnell klar wurde. Eine Gruppe von Frauen und Männern, die ich namentlich nicht vorstellen kann, nahm an diesem Platz und begannen ein taktvollens Lied zu singen, in dessen Rhythmus ... ach nee, das klingt jetzt missverständlich, besser so: sie begannen ein rhythmisches Lied zu singen, in dessen Takt sie die Tischdecke noch weiter verkrumpelten. Ja, klar, es war keine Tischdecke, sondern ein Tweedstoff, und der wurde nicht verkrumpelt, sondern gewalkt, so dass das dazu gesungene Lied ein Waulking Song (nicht „Walking Song“, wie ich bei anderen Rezensionen schon mal schrieb; Warum korrigiert mich eigentlich niemand?). Es war also ein Arbeitslied, welches das stundenlange Weichkneten des Stoffes kurzweiliger, ja erträglicher machen sollte. Nun, bei diesem Konzert waren es nur ein paar Minuten, so dass sie nicht hätten singen müssen. Ach so, darum ging es ja. Desweiteren stand bald der Amerikaner Barneby mit einer Highland Pipe, also einer schottischen Hochlandsackpfeife, oder wem das lieber ist, einem Hochlanddudelsack auf der Bühne und spielte ein Solo, das nicht nur den üblichen Vorstellungen von schottischer Musik entsprach, sondern auch wirklich schön war. Interessanter, da unbekannter, war dann aber das Instrumtent, das Barneby anschließend vorstellte: eine Tripple Pipe. Die bestand aus drei Pfeifenröhren, aber deren zwei aber miteinandner verbunden waren. Dieses Instrument sei in Schottland schon gespielt worden, da habe dort noch keiner den Dudelsack gekannt. Mich erinnerte es aber eher an sardinische Schilfpfeifen, und wie ich gerade bei der Internetrecherche feststelle (Link siehe unten) handelt es sich auf Sardinien und in Schottland um ein ganz ähnliches Instrument, die Launeddas, die dort seit der Brinzezeit gespielt wird. Es hört sich ähnlich an wie eine Schalmei, aber leiser und noch etwas nasaler. Der zweite Bonner Musiker des Abends, wenn auch in Grafschaft wohnend, war Tom Kannmacher, der in die bislang schottische Aufführung einen irischen Beitrag hinein brachte, nämlich mit den Uilleann Pipes, der irischen Ellbogensackpfeife, worauf er Jigs & Reels zu besten gab, dabei auch begleitet von Thoma Zöller wiederum auf der Highland Pipe. Ja, das geht. Dann war da noch das amerikanische Ehepaar Ann und Charly Heymann, das mit Harfe und Zister auch ein paar typische irische Zupfinstrumente vorstellte. Michael Klevenhaus wiederum moderierte nicht nur und erklärte die traditionellen Kontexte, in denen die vorgestellten Musikbeiträge entstanden und tradiert wurden, sondern sang ein paar Lieder in der Sean Nos – Weise, der alten gälischen Art, Lieder ohne jede Instrumentalbegleitung zu singen. Was für’s Auge gab es dann auch noch, als zuerste die beiden Töchter von Ann und Charly, und sodann unsere Bonner Irish Dance-Lehrerinnen Jelena Haramis und Heike Fröhling ein paar Kostproben ihres Steptanzes vorführten. Und ganz am Schluss gab es, wie es sich für ein Festival gehört, eine Session aller Musiker, wenn diese auch nicht saßen, sondern standen, und sie alle zusammen ganen noch einen kräftigen Waulking Sing zu Besten. Tom meinte dann zu mir: „Das haben wir aber verpatzt, hast Du das nicht gehört?“. Ich: „Nee, da wo ich stand, hörte sich das gut an.“ „Dann will ich nichts gesagt haben.“ Und ich sage auch nichts, denn die Ohren eines Musiklehrers sind eben feiner als meine. Ich erinnere mich daran dass er bei einer Session, während sei seine lauten Pipes spielte mal zu mir sagte, meine Tin Whistle, die man neben seinen Pipes kaum hörte, sei einen halben Ton zu hoch. Da sieht oder hört man mal, welche Koryphäen wir hier in Bonn haben!

Im Übrigen war kaum einer der Bonner Folkies, die ich kenne, im Publikum, nur Ellen und Ralf. Na, die andern kennen das sicher schon alles. Zwei Begebenheiten seien noch am Rande erwähnt: Mich fragte ein Mann, ob ich meinen Schottenrock aus Sympathie trage. Es war aber ein Jeansrock, und ich sagte, es sei zwar kein Schottenrock, aber ich sei voller Sympathie. Und ein Junge fragte Barnaby Brown hinter der Bühne: „When you play teh bagpipe, why don’t you wear a kilt?“ Seine Antwort: “Because I am American.” Ja, so hat jeder seine Ansichten. Im Männerrockforum im Internet gabe es letztens eine heftige Diskussion darüber, ob Kilts auch Röcke seien oder was ganz eigenes. Wir kamen zu dem Schluss, es seien ganz besondere Röcke.


Homepages von, Infos und Rezensionen von mir zu den Musikern:

Michael Klevenhaus:
http://www.schottisch-gaelisch.de/
1. Celtic Attractions Festival
Celtic Attractions – 1. Irish/Scottish Folkfestival im Zirkuszelt am 8.4.2005 in Köln-Weiß
http://folktreff-bonn-rhein-sieg-rezensionen.blogspot.com/2005/04/konzertrezension-celtic-attractions-1.html bzw. http://tinyurl.com/85qdj

Barneby Brown:
http://www.dudelsack-akademie.de/brown.html

Ann & Charly Heyman:
http://www.annheymann.com

Tom Kannmacher:
http://www.Kannmachmusik.de
1. Bonner Irish Folk Festival am 20.4.2002 in der Harmonie in Bonn-Endenich
http://folktreff-bonn-rhein-sieg-rezensionen.blogspot.com/2002/04/konzertrezension-1-bonner-irish-folk.html bzw. http://tinyurl.com/8oltl
Weihnachtskonzert „mit Dudelsack und Drehleier“ am 26.12.2004 in der Nachfolge-Christi-Kirche in Bonn-Beuel
http://folktreff-bonn-rhein-sieg-rezensionen.blogspot.com/2004/12/konzertrezension-weihnachtskonzert-mit.html bzw. http://tinyurl.com/clmks
Die Erkelteten und Rolling Wave am 13.4.2005 in der Musikschule Bonn
http://folktreff-bonn-rhein-sieg-rezensionen.blogspot.com/2005/04/konzertrezension-die-erkelteten-und.html bzw. http://tinyurl.com/8oy6w
4. Bonner Irish Folk Festival am 23.4.2005 in der Harmonie in Bonn-Endenich
http://folktreff-bonn-rhein-sieg-rezensionen.blogspot.com/2005/04/konzertrezension-4-bonner-irish-folk.html bzw. http://tinyurl.com/auwdz
Die Erkelteten und Keen on Tunes am 28.3.2006 in der Musikschule Kirschallee in Bonn
http://folktreff-bonn-rhein-sieg-rezensionen.blogspot.com/2006/03/konzertrezension-die-erkelteten-und.html bzw. http://tinyurl.com/jnsoe
5. Bonner Irish Folk Festival am 29.4.2006 in der Harmonie in Bonn-Endenich
http://folktreff-bonn-rhein-sieg-rezensionen.blogspot.com/2006/04/konzertrezension-5-bonner-irish-folk.html bzw. http://tinyurl.com/ftoh5
Bach meets Irish Folk am 3.12.2006 in der Nachfolge-Christi-Kirche in Bonn-Beuel
http://folktreff-bonn-rhein-sieg-rezensionen.blogspot.com/2006/12/konzertrezension-bach-meets-irish-folk.html
Bach meets Celtic am 3.6.2007 in der Nommensens-Kirche in Bonn-Beuel-Pützchen
http://folktreff-bonn-rhein-sieg-rezensionen.blogspot.com/2007/06/konzertrezension-bach-meets-celtic-am.html
CD: The Reel Bach Consort – Bach goes Celtic
(noch nicht im Netz)

Thomas Zöller:
http://www.thomaszoeller.com/

Jelena Haramis & Heike Fröhling:
http://www.schottisch-gaelisch.de/texte/storas/Jelenaheike.html
http://www.lag-tanz-nds.de/2006/16-H3
http://www.irishdancer.de/Deutsch/WERWO/body_werwo.html


Infos zu einigen der erwähnten Musikstile und Instrumente:
Waulking Songs:
http://www.houseofscotland.org/waulking.html
Tripple Pipe:
http://www.triplepipe.net/
Sean Nos:
http://www.folkmusic.net/htmfiles/inart378.htm
(Wer mehr wissen will mag mich fragen oder googeln.)

MAS

Saturday, July 28, 2007

Konzertrezension: Currach am 28.7.2007 auf dem 3. Michel-Fest in Siegburg

Currach am 28.7.2007 auf dem 3. Michel-Fest in Siegburg

Bonner Irish Folk-Band zu Gast in Siegburg

Das Michel-Fest ist zwar nicht nach dem FolkMICHEL, dem einen der beiden Vorläufer des Folker!, benannt, sondern nach dem Michel-Bier, dem Siegburger Kölsch, gebraut vom Siegburger Brauhaus Zum Roten Löwen, das seit einiger Zeit auch als Abteibrauerei firmiert und somit mit der Abtei auf dem Michaelsberg verbandelt ist, woher das Bier und dadurch das Fest ihren Namen haben, aber der Auftritt von Currach könnte schon zu solchen Gedanken führen und tat es bei mir ja auch. Das Wochenende war ja sehr verregnet, aber während des Konzerts schien die Sonne von einem blau-weiß-grauen Himmel auf die Wiese auf halber Höbe des Michaelsberges herab. Ganz oben auf dem Berg gab es auch Programmpunkte des Festes, und auch unten in der Stadt nahe des Brauhauses, aber hier hatte ein Verein von Freunden des Mittelalters einen kleinen Kunst- und Handwerkermarkt organisiert und eine Bühne, auf der es aber keine mittelalterliche, sondern irische Muski zu hören gab, auch wenn sich Ralf, Ellen und Katja ein wenig mittelalterlich gewandet hatten. Ja, sie spielten nur zu dritt, Ralf P. Wackers auf Gitarre, Bouzouki, Mundharmonika, Banjo und Bodhán, sowie mit Hintergrundgesang, Ellen D. Jeikner auf Tin Whistle, Gitarre, Harfe und als Hauptsängerin und Katja Mertens auf der Fiddle und mit Hintergrundgesang, aber es war noch ein vierter Künstler mit auf der Bühne, nämlihc Florian Reiners, nicht als Musiker, sondern als Geschichtenerzähler, story teller, doch eines nach dem anderen.

Ellen begann den Gig mit einer traumhaft melancholischen Air auf der Whistle, woraus sich ein Jig entwickelte, in den die beiden anderen einstiegen. Dann folgten Lieder und Tunes in schöner, kurzweiliger Abwechlsung, das Publikum lauschte andächtig oder wippte fröhlich im Takt mit, und genoss Michel oder andere Getränke. Florian erzählte zwischendurch als Fortsetzungsgeschichte, also immer wieder von Musik unterbrochen, die Geschichte von ... – hups, wie hießen die Typen noch mal? – jedenfalls von einem Wettrennen zwischen einem starken Burschen und einem schmächtigen Bettler, der aber aufgrund seiner Zauberkräfte ... ach das verrate ich lieber nicht, besucht lieber selber mal ein solches Konzert mit story teller. Ellen hatte die Geschichte aus dem Englischen übersetzt, wenngleich sie aus einer Zeit stammt, da in Irland noch niemand englisch sprach, ja, in der noch nicht mal der heilige Patrick die Gestaden der Insel betreten hatte. Florian, ein gelernter Schauspieler, erzählte mit verstellten Stimmen, so dass es leicht fiel, sich nach Phantásien zu begeben und sich die grüne Wiese am Hang des Michaelsberges als irische Landschaft vorzustellen und die auf selbiger tolenden Kinder als die beiden Wettläufer. Die drei Musiker(innen) sorgten auch immer wieder für einen passenden Soundtrack. Matthias Mertens am Mischpult spielte hin und wieder ein wenig heftig an den Knöpfen, worauf die Aufmerksamkeit der Zuhörer, die sich doch eher ihrem Tischnachbarn zugewandt hatten, wieder erschrocken der Bühne zuwandte. Und noch ein kleines Manko sei erwähnt: Die Polkas könnten sie ein wenig schneller spielen. So, das waren die beiden Haare in der ansonsten sehr schmackhaften Suppe, die ich mir gerne noch öfter bestelle. Never tire of Currach!

Frühere Rezis zur Currach von mir:
Konzert: 1. Celtic Attractions Festival
Celtic Attractions – 1. Irish/Scottish Folkfestival im Zirkuszelt am 8.4.2005 in Köln-Weiß
http://folktreff-bonn-rhein-sieg-rezensionen.blogspot.com/2005/04/konzertrezension-celtic-attractions-1.html bzw. http://tinyurl.com/85qdj
CD: Currach. Farewell to Old Ireland
In: Folker! 06.06, S. 79.
online: http://www.folker.de/200606/rezi-d.htm#05
und: http://folktreff-bonn-rhein-sieg-rezensionen.blogspot.com/2006/11/cd-rezensionen-fr-den-folker-0606.html
und länger hier:
http://folktreff-bonn-rhein-sieg-rezensionen.blogspot.com/2006/10/cd-rezension-currach-farewell-to-old.html

MAS

Thursday, July 26, 2007

Konzertrezension: Funxion am 25.7.2007 im Parkrestaurent Rheinaue in Bonn

Funxion am 25.7.2007 im Parkrestaurent Rheinaue in Bonn

Nein, das ist eigentlich keine Rezension, sondern nur eine Notiz. Gestern waren Petra und ich mal in den Rheinauen beim Sommerfestival im Biergarten des Parkrestaurents Rheinauen. Dort spielte eine neunköpfige Combo guten Funk & Soul. Es waren eine Sängerin (Svenja Schmidt), ein Sänger (Ralf Alreuther), ein E-Gitarrist (Oliver Stark), ein E-Bassist (Roman Fuchß), ein Schlagzeuger (Garbit Langosch), ein Keyboarder (Gregor Szopa), ein Trompeter (Claus Thormälen) und zwei Sayophonisten (Lothar Paul und Luc Rod). Petra, deren Musikstil es ja eher ist als der Folk, den ich sonst so gerne höre, meinte, die seien nicht so gut wie Souled Out, aber mir gefielen die Bläsereinsätze, die oft aus kurzen, trockenen Trompeten- oder Saxophonstößen bestanden (Souled Out haben keine Bläser) und das wirklich groovige, oft leicht versetze, mit langen und kurzen Takten abwechselnde Rhythmusspiel von Schlagzeug und Bass sehr gut. Zwischendurch sangen zwei Kinder „Alle meine Entchen“ mit Begleitung der Band. Köstlich! Leider war die Akustik an unserm Platz nicht sehr gut und das Publikum schwätzte munter drauf los. Die Ansagen verstanden wir fast gar nicht. Aber es kostet keinen Eintritt, wofür das Bier mit 3,40 € für 0,4 l Sion Kölsch oder Radeberger Pilsner oder noch etwas mehr für eine Hofbräu Hefeweiße etwas teuerer als normal ist.
Und traf ich wen aus der Bonner Folkszene? Ja, Keth war da, und wir fuhren zusammen mit der Bahn zurück.

Funxion:
http://www.funxion-liveband.de/
Parkrestaurant Rheinaue:
http://www.rheinaue.de/

MAS

CD-Rezension: The Reel Bach Consort – Bach goes Celtic

The Reel Bach Consort – Bach goes Celtic

Eigenverlag 2007, http://www.kannmachmusik.de/
14 Tracks, 40:09, mit ausführlichen deutschen Infos und Foto

Nun haben sie eine CD draußen, unsere Bonner Experimentalisten, die deutsche Barockmusik, vornehmlich von Johann Sebastian Bach (1685-1750) mit Irish Folk zu verbinden suchen und selbiges auch gekonnt bewerkstelligen und die sich nun The Reel Bach Consort nennen. Irish Traditionals oder das Concerto vom Turlough O’Carolan (1670- 1738) werden mit Stücken aus dem Bachwerkeverzeichnis BWV zu Sets kombiniert, aber auch Bach selber widmete ein Stück Irland, das er wohl damit zu erwecken hoffte (Ja, schlief es denn, oder war Bach etwa ein Rebell und sein Stück somit ein Rebel Song?) Tom Kannmachers und Alexanders Mays Uilleann Pipes und Hubert Arnolds Cembalo bilden schon ein merk-würdiges Gespann, was nicht negativ gemeint sind, sondern besagt, dass man es sich merken sollte. Tom und Näx holen aus den Pipes raus, was irgend geht, um zum Beispiel ein Gavotte zu spielen, Julian Goertz’ Bodhrán gibt einer Bourée einen wilden Rhythmus. Die Bach’schen Stücke werden auf diese Weise ein wenig vom höfischen Zeremoniell zurück geholt auf den Dorfplatz. Teilweise erinnert mich ihr Spiel an die Chieftains, die ja auch eine Art traditionell irischer Kammermusik aufführten.

Wer also meine beiden Konzertrezis gelesen hat und noch nicht die Kurve kriegte, ein Bach meet Celtic-Konzert zu besuchen, der greife beherzt zu dieser Scheibe, die eine Live-Aufzeichnung ist, wie ich dem einen oder anderen Huster aus dem Publikum entnehmen kann. Bach und O’Carolan würden sich freuen, denke ich, oder vielleicht sitzen sie auch gerade in einem himmlischen Pub zusammen und freuen sich tatsächlich.

Die Musiker(innen) sind:
Hubert Arnold: Akkordeon, Cembalo, Orgel
Tom Kannmacher: Uilleann Pipes, Flute
Alexander may: Uilleann Pipes, Flute, Tin Whistle
Matthias Höhn: Bouzouki, Mandoline, Gitarre
Anne Lück: Harfe
Heike Kosmider: Fiddle, Vocals
Julian Goertz: Bodhrán, Spoons, Gitarre

Trackliste:
1. The Battle of Aughrim / Return from Fingal (Trad.)
2. Wake Ireland, awake! (BWV 645)
3. Marche (V Anh. 126) / Carolan’s Concerto
International Suite No 1:
4. Allemande (BWV 816)
5. Sarabande (BWV 816)
6. Gavotte (BWV 811/ BWV 808)
7. Bourée (BWV 820)
8. Gigue (Kesh Jig, Gigue BWV 816, Haste of Wedding)
9. The Wise Musette (Musette BWV Anh. 126 / The Wise Maid)
10. Major Minuets (BWV Anh. 114, The Munster Cloak, BWV Anh. 116, Si Bheag Si Mhore, The Disty Miller II)
11. Gavotte 1012 (BWV 1012, Quodlibet: Musette BWV Anh. 126)
12. Minor Minuet (BWV Anh. 114 / Eleanor Plunkett / Comb your Hair and Curl it)
13. My Llittle Bourée (Song: “My little Boat” / Bourée MWV 996)
14. Finale (George Brabazon / Carolan’s Draught/ Wir gehn nun, wo der Tudelsack in unsrer Schenke brummt BWV 212,14)

Meine bisherigen Rezensionen dieses Projektes (auch, weil ich mich bei der CD-Rezi nicht unnötig wiederholen wollte):
Bach meets Irish Folk am 3.12.2006 in der Nachfolge-Christi-Kirche in Bonn-Beuel
http://folktreff-bonn-rhein-sieg-rezensionen.blogspot.com/2006/12/konzertrezension-bach-meets-irish-folk.html
Bach meets Celtic am 3.6.2007 in der Nommensens-Kirche in Bonn-Beuel-Pützchen
(bisher noch nicht im Netz)

Im Zusammenhang von Irish Folk und Barock vielleicht auch interessant:
Pure Irish Drops am 8.10.2005 in der Brotfabrik in Bonn-Beuel
http://folktreff-bonn-rhein-sieg-rezensionen.blogspot.com/2005/10/konzertrezension-pure-irish-drops-in.html bzw. http://tinyurl.com/csqne

MAS

CD-Rezension: Trio Manfred Ulrich. Hallo Freunde. Volkslieder pur

Trio Manfred Ulrich. Hallo Freunde. Volkslieder pur

Musikverlag Eifelkrone 2007, http://www.manfred-ulrich.net
12 Tracks, 60:15 mit deutschen Texten, Infos und Fotos

Ja, jetzt haben wir hier mal echte deutsche Volksmusik vorliegen, ohne das jetzt musikwissenschaftlich diskutieren zu wollen, was das denn ist und ob das überhaupt gibt. Es geht um traditionelle Lieder und um Eigenkompositionen und -dichtungen im Stile derselben, aber auch (eingedeutscht) ein französisches Volks- und ein italienisches Partisanenlied. Es ist Manfred Ulrichs Anliegen, seinen Zuhörern den Zugang zu echter, unverfälschter traditioneller deutscher Volksmusik zu erleichtern. Das machen er und seine Mitstreiter Thomas Kagermann, der dereinst Fiedel Michel mitbegründete, und Wolfram Cramer von Clausbruch bei Liveauftritten rein akustisch, sogar ohne Mikrophon. Ohne ein solches kamen sie für die Aufnahme der CD freilich nicht aus, genau so wenig, wie ich ohne Lautsprecher auskomme, wenn ich sie hören will. Solche Kompromisse muss man schon eingehen. Ulrich singt die Lieder in guter alter Bänkelsängermanier, schlicht, ohne viel Schnörkel, hier und da aber auch an volkstümliche Stars wie Ronny und Heino erinnernd, was ja rein gesangsmäßig kein Manko ist. Dank Thomas’ Geige oder Mandoline und Wolframs Akkordeon oder Bouzouki klingt die Instrumentbegleitung recht abwechslungsreich, bisweilen auch vielstimmig. Da sind Einflüsse von Bluegrass, Klezmer, Musette, Dixieland zu hören, und eigentlich ist es das, was vielen volkstümlichen Interpretationen des traditionellen Liedgutes oft fehlt. Ohne das wäre es hier und da doch ein wenig langweilig. So aber ist es eine fröhliche Musik auf dieser Scheibe, empfehlenswert auf jeden Fall für Freunde des besagten Liedgutes, denen Ronny zu langweilig und Achim Reichel zu rockig ist.

Die Musiker sind:
Manfred Ulrich: Gesang, Gitarre, Mundharmonika (Kärtnerland Harmonika)
Thomas Kagermann: Gesang, Geige, Mandoline, Flöte, Gitarre, Tasteninstrumente
Wolfram Cramer von Clausbruch: Gesang, Gitarre, Akkordeon, Bouzouki, Perkussion, Bass

Trackliste:
Jetzt kommen die lustigen Tage
Der Krauter zu Frankfurt
Oh Mariechen
Bella Ciao
Hallo Freunde
Die Krone in der Kapelle zu Niederkail
Scholaren auf Reisen
Sascha
So wie wir beide
Adam und Eva
Abschied
Abends im Tal

Thomas Kagermann hat auch eine einen Seite im Netz:
http://www.kagermann.com/

MAS

CD-Rezension: Finsbury Park. fading

Finsbury Park. fading

Eigenverlag 2007, http://www.finsbury-park.de
13 Tracks, 58:18 mit englischen Texten, Infos und Fotos

Folk ist ein weites Feld, sogar die Sparte Irish Folk lässt vieles zu. So kann man auch bei dieser CD des Kölner Trios Finsbury Park dem kleingedruckten Hinweis auf der Rückseite der Hülle folgen: file under: folk. Aber vielleicht ist es doch eher Pop; oder eben Folk Pop. Ja, in diese Schublade passen die 13 fast ausnahmslos von den Musikern selbst geschriebenen Stücke, die sich zum Teil am Irish Folk orientieren, aber ansonsten ganz frei mit den Stilelementen umgehen und dabei in ruhigen Rhythmen und getragenem Gesang dahin treiben. Ines Caffiers Gesang dominiert vor einem Klangteppich von E-Gitarren, Elektronik und Schlagzeug. Mich erinnert einiges an Filmmusik aus den 1980ern, etwa von „Patrick Pacard“ oder „Oliver Maas“, gerade das Titellied „Fading“ hat aber auch was von Gothic, und so wäre die CD vielleicht ja auch was für Antichrisis-Fans, vielleicht. Auch wer Sperris & Wicca mag, wird Gefallen an dieser CD finden. Sie ist vor allem sehr verträumt, was auch für die Texte gilt und für die schönen Naturfotos im Büchlein. Mir persönlich fehlt etwas der Drive, auch bei „Farewall To Ireland“ das eher so dahin plätschert, während der „Monaghan’s Jig“ mit etwas Orient- und Mittelalter-Rock-Flair sehr interessant klingt. Aber ich bin nicht das Maß aller Dinge. Meine siebenjährige Großnichte Sarah zum Beispiel, der ich eine meiner beiden CDs schenkte (ich erhielt zwei, da ich auch für den Folker! eine Rezi schreiben soll) war ganz hin und weg und hörte sich die Scheibe immer wieder von vorne an. Und da meinte meine Schwester, Sarahs Oma, ich solle ihr doch nicht immer so Musik schenken, die sei doch nichts für Kinder, ich hätte sie in dem Alter auch nicht gehört. Ich entgegnete, ich hätte auch keinen Onkel gehabt, der mich da heran geführt hätte. Nun ja, meine liebe Schwester hört immer Schlager und behauptete felsenfest, es gebe kein mallorcinische Volksmusik, nur weil sie solche in den Strandrestaurants in Palma de Mallorca nie gehört hat. Und Sarah, die ich frug, was ihr denn an dieser CD so besonders gut gefalle, erklärte: „Sie ist einfach schön!“

Die Musiker(innen) sind:
Ines Caffier: Vocals & Flutes
Volker Hauswald : Electric & Acoustic Guitars, Mandolin, Dobro, Percussion, Backing Vocals
Volker Müller: Akkordeon, Keyboards, Samples & Programing, Reed Organ, Percussion, backing Vocals
Und als Gäste:
Stefan Neldner: Frettless Bass
Christian Saettele: Clarinet
Andreas Lasonczyk: Percussion
Melanie Pickhard: Violin

Trackliste:
Semi-Cowgirl
Cuja
Fading
Morning Dew
Sweet Sir Galahad
The World Can Wait
Farewell To Ireland
Hills Of Clare
The Flower Of Magherallyo
Emma’s Garden
Goodbye
Monaghan’s Jig
Silly Dream

Anschließend gibt es noch einen Hidden Track, ein fröhliches, schwungvolles countryähnliches Lied namens “It’s a sunny day“, das mir wirklich gut gefällt!

MAS

Saturday, July 14, 2007

Konzertrezension: Urban Trad am 14.7.2007 auf dem Marktplatz in Bonn

Urban Trad am 14.7.2007 auf dem Marktplatz in Bonn

Das dritte keltische Konzert des diesjährigen Bonner Sommers, der seinen Keltenschwerpunkt wegen des derzeit in Bonn stattfindenden Keltologenkongresses erhielt, bestritt eine Band, die keine keltische Folkband im strengen Sinne ist, also weder aus einem heute keltischen Land stammt, noch sich ausschließlich oder auch nur schwerpunktmäßig der keltischen Musik verschrieben hat, aber die dennoch einen unverkennbaren Einfluss der keltischen Musik unterliegt. Es handelte sich um Urban Trad aus Belgien, und ja, die Belger waren Kelten, aber das ist lange her.

Der eigentliche Grund, Urban Trad zu buchen ist wohl in deren 2. Platz beim European Song Contest 2003 zu suchen. Das hatte mich damals sehr gefreut, dass eine Folkband bei diesem Schlagerwettbewerb so gut abschnitt. Umso enttäuschender war, dass Dervish, die dieses Jahr für Irland antraten, keinen einzigen Punkt erlangten. Ich hörte dazu verschiedene Meinungen, habe ihren Beitrag aber selber nicht gehört, und will dazu auch nicht mehr schreiben.

Der Marktplatz war kurz vor 20 Uhr bei weitem noch nicht so voll wie zur gleichen Uhrzeit vor dem Capercaillie-Konzert. Ist Capercaillie doch noch bekannter, auch beim „normalen“ Publikum, also nicht nur bei den Folkies? Aber auch bei Urban Trad füllte er sich schnell, nachdem sie erst mal angefangen hatten. Auch Bonner und Kölner Folkies waren dabei, wenn auch weniger als bei Capercaillie. Bijan war da, Till auch, und auch Ralf & Ellen.

Und wer war auf der Bühne: Aus Zuschauerperspektive stand zunächst links Dirk Naessens aus Leuven (Violine), Philip Masure aus Schoten (Gitarre), Yves Barbieux aus Gossellies (Blockflöte, Tin & Low Whistle, Sackpfeife, Bandleader), Sophie Cavez aus Woluwé (Diatonisches Akkordeon), dahinter von rechts nach links Cédric Waterschoot aus Elsene (E-Bass) und Michel Morvan aus Brüssel (Schlagzeug). Nach einem Instrumental traten noch Véronica Codesal aus Uccle und Soetkin Collier aus Beveren-Waas, die beiden Sängerinnen der Band hinzu. Außerdem gab es noch einen Musiker am Computer, der den eine oder anderen Rhythmus elektronisch beisteuerte. Das ging ordentlich ab, heftig, kräftig, groovig, folkig, poppig, etwas jazzig, und sich aus allerlei europäischen Musiktraditionen speisend, natürlich der irischen und schottischen, und auch der flämischen, wallonischen und französischen, der bretonischen, der galizischen, dann auch der bulgarischen, mazedonischen, ukrainischen, dass alles mal ordentlich von einander getrennt, mal in ungebremster Fusionsfreude. Die beiden Damen sangen auf Französisch, Englisch und in der Phantasiesprache, mit der sie besagten zweiten Platz des ESC gewonnen hatten, wobei das Lied „Sanomi“, das ihnen den Preis bescherte, in der Zugabe dran kam.

Sie verbreiteten eine ausgezeichnete und mitreißende Partylaune. Yves, Sophie und Dirk waren sehr gut auf ihren Instrumenten, sofern man das hören konnte, Philip und Cédric sicher auch, und die beiden Sängerinnen waren auch nicht ohne, aber leider leider übertönte nicht selten das Schlagzeug alles mit seinem dumpfen Rhythmus. Das war nicht schlecht, aber einfach viel zu laut im Vergleich zu den anderen Instrumenten. Und zu dumpf, zu schlagermäßig. Dass auch elektronischer Rhythmus zum Tragen kam, sei verziehen, wenngleich ich das bei Folk nicht sehr mag. Aber selbst Garmana erlebte ich mal darauf zurück greifend. Die Perfomance war profimäßig, vielleicht daher aber auch ein wenig zu showmäßig. Das sind so die kleinen Haare in der Suppe, die aber doch ganz gut schmeckte. Die Musik von Urban Trad ist meines Erachtens absolut massentauglich und kann Folkies, Schlagerfreunde, Volkstümliche und generell das partysüchtige Volk erreichen (Ferdi war außer Rand und Band), ähnlich wie DJ Ötzi oder die Zillertaler Schürzenjäger, aber doch zehnmal besser. Ich kann mir vorstellen, dass sie auf ihre Weise Leuten den Geschmack am Folk nahe bringen, denen der Einstieg zum Beispiel über Capercaillie zu schwierig wäre und die sonst schwerlich mit Folk in Berührung kämen. Ja, lasst Urban Trad das Musikantenstadl oder die Arena in Palma de Mallorca stürmen und erobern! Den Erfolg wünsche ich ihnen! Und nach Bonn können sie auch gerne wieder kommen, ich höre sie mir gerne wieder an.

Was Ferdi und mich auch besonders freute war, dass Cédric einen Rock trug, wenn auch unsommerlich einen langen schwarz-grünen. Damit zeigte er, dass er emanzipiert ist, und hoffentlich gucken sich das wieder mal ein paar Männer mehr ab. Es wird doch wirklich langsam Zeit, dass wir Männer uns vom Hosenzwang befreien, und zwar nicht nur Ferdi und ich und eine recht überschaubare Anzahl von Männerockbewegten, sondern generell!


Urban Trad:
http://www.urbantrad.com/
http://de.wikipedia.org/wiki/Urban_Trad
http://www.folker.de/200603/20urbantrad.htm

Bonner Sommer:
http://www.bonn.de/tourismus_kultur_sport_freizeit/bonn_ist_kultur/bonner_sommer/?lang=de

Keltologen-Kongress:
http://www.celtic-congress-2007.com/
http://www.kultur-in-bonn.de/nc/nachrichten/archiv/anzeige/article/1184495934.html


MAS

Saturday, July 07, 2007

17. TFF Rudolstadt 6.- 8.7.2007 – Eindrücke

17. TFF Rudolstadt 6.- 8.7.2007 – Eindrücke

Das TFF, also das Tanz & Folk Fest in Rudolstadt steht seit Jahren ganz fest in meinem Kalender, und nun zum dritten Mal besuchte ich es nicht nur als Musikfreund, sondern auch als Journalist für den Folker! und den folkigen Rundbrief. Meine journalistische Tätigkeit beschränkte sich nun aber in erster Linie auf das Fotografieren, denn zusätzlich zu der üblichen Doppelseite mit Fotos vom TFF, sollen künftig auf der Folker!-Homepage noch mehr Fotos veröffentlicht werden. Und wenn ich dann ein paar Lichtbilder dabei habe, die unserem Bildredakteur Ingo Nordhofen gut genug dünken, wird man sie demnächst irgendwann online begutachten können. Interviewaufträge hatte ich sonst keine, sperrte aber trotzdem nicht nur meine Augen, sondern auch meine Ohren weit auf, um zumindest im folkigen Rundbrief ein wenig von dem Fest berichten zu können. Anders als im letzten Jahr gehe ich jetzt nicht themenmäßig, sondern chronologisch vor.

Ankunft am Samstag und eine nicht offizielle Reggae-Band

Ich bin ja immer nur am Samstag und Sonntag vor Ort, so dass ich vom Freitag oder gar vom Sonderkonzert am Donnerstag nichts berichten kann. Aber am Samstag von 10 bis 23 Uhr und am Sonntag von 11 bis 23 Uhr war ich dort und bekam schon einiges mit von dem, was 125 Solisten, Ensembles, Band mit 1091 Musiker aus 29 Ländern bei 245 Auftritten auf 26 Bühnen darboten. Petra und ich übernachten ja immer bei unserm Freund Lothar in Suhl, was auch noch eine Autostunde entfernt liegt. Gerde rechtzeitg kam ich am Samstagmorgen zu Folker!-Mitarbeitertreffen, und konnte mich danach in den Musikgenuss stürzen. Den ersten Musikkontakt hatten wir mit einer Reggae-Band, die vor dem Kino außerhalb des eigentlichen Festivalgeländes spielte und gar nicht im Programm stand. U-Free hieß sie, spielte flott und rhythmisch, auch mit Trompete und Saxophon ein wenig jazzig, und zudem sehr laut.

Mein Höhepunkt direkt am Anfang – Alkinoos Ioannidis aus Zypern

Wir mussten erst noch die vorbestellten Karten in Armbändchen umtauschen und ich meinen Presseanstecker besorgen, spinxten mal kurz in den Tanzworkshop im Stadthaus, zu dem Tants in gartn eydn aufspielte, wobei es aber sehr stark nach dem Schweiß der Tänzerinnen und Tänzer roch, dann passierten wir die Absperrung in den Innenstadtbereich, passierten einige Straßenmusiker und den Marktplatz, auf dem gerade die Brassberries aus England spielten, stoppten kurz am Folker!-Stand, wo uns Lutz einen der Werbe-Luftballons mit der Aufschrift „Folker! liebt Dich“ mitgab, der kurz darauf als Folge der sich im Sonnenlicht ausdehenden Luft zerplatzte, und stiegen hinauf zur Heidecksburg, um einen zypriothischen Liedermacher zu hören, auf den ich durch die Sonder-Klingende Post von Old Songs New Songs aufmerksam geworden war. Und ja, dieser junge Bursche mit seinen drei Mitstreitern (ich lasse Aufzählung von Bandmitgliedern in diesem Bericht mal weg, aber wer sie haben möchte, mag mich fragen, sie stehen nämlich im Programmheft) bot eine Musik mit Gitarre, Laute, Cello, Perkussion, Keyboard, Bass und vor allem Stimme, die mich total begeisterte. Es waren teils traditionelle, teils eigene zypriotische und griechische Lieder mit allerlei mediterranen und orientalischen Einflüssen, mit Polyphonien, mit Satzgesang, mit viel- und mehrschichtigen Einsätzen der Instrumente: da war es gar nicht nötig, auch noch die Texte zu verstehen, um das genießen zu können. Die Moderatorin hatte gesagt, Alkinoos Ionannidis gebe keine Interviews und mache keine Werbung und habe erst durch sie erfahren, dass seine Fans eine Fanhomepage ins Netzt gestellt haben. Ich fragte ihn aber lieber selber mal, und nein, er habe schon viele Interviews gegeben, aber ja, er meine, es sei nicht notwendig, auf diese Art Werbung für sich zu machen, die mache er lieber nur durch die Musik, und die habe ihm auch schon Platin eingebracht. Die meisten seiner Fans lebten in Griechenland und auf Zypern, wo man auch seine Texte verstehe, aber er habe auch Fans in USA, und englische Übersetzungen der Texte wolle er auch mal ins Netz stellen, wobei es auch Deutsche gebe, die extra griechisch lernten, um seine Texte zu verstehen. Das liest sich hier jetzt so, als habe er von einem hohen Ross zu mir herab gesprochen, aber nein, er war sehr freundlich und offen.

Pause auf der Burgterasse mit Dziuks Küche im Hintergrund

Vom Innenhof der Heidecksburg mit der großen Bühne sind es nur ein paar Meter hinunter zur Burgterrasse. Dort spielte Danny Dziuk mit seiner Band Dziuks Küche eine Art deutschen Folkrock mit humorvollen Texten. Doch waren die Wiese vor der Bühne und die nun der Bühne gegenüber statt wie bisher an der Wiesenseite aufgebaute Tribüne proppevoll, so dass wir nur noch hinter der Tribüne Platz für unsere Faltstühle fanden, und da war die Akustik so schlecht, dass wir von den Texten nichts verstanden und auch die Musik nicht richtig mit bekamen. Aber es gab Thüringer Bratwürste und Apoldaer Glocken-Pils (auf der Burgterrasse ist der einzige Bierausschank, bei dem es kein Köstritzer gibt, wobei mit das Köstritzer Edel-Pils eigentlich doch besser schmeckt, da es nicht so bitter ist, aber so zur Bratwurst ist mit das etwas bitterere Apoldaer auch recht), zudem den Blick über die Stadt, von woher zwei, drei andere Konzerte herauf schallten, dann kam noch Folker!-Kollegin Sabine Froese mit ihrem Mann vorbei und wir tauschten Erfahrungen und Meinungen aus, und bald hieß es weiter gehen, zum nächsten Konzert.

Vertreter des ursprünglich geplanten Länderschwerpunkts Tansania – das Mlimani Park Orchestra

Das fand wieder auf der Bühne im Burghof statt. Gut, dass die Bühne wirklich groß ist, denn das Mlimani Park Orchestra spielte mit elf Leuten, und das ist nur die Sparbesetzung. Ursprünglich war ja Tansania als Länderschwerpunkt für dieses TFF geplant gewesen, aber es war wohl zu schwierig, genug Musiker von dort zu organisieren, so dass nun die USA den Schwerpunkt bildeten. Drei Sänger, etliche Perkussionisten und Gitarristen, ein Trompeter, ein Saxophonist spielten zum Tanzen auf. Man konnte aber auch sitzen bleiben, was wir auch taten, und während diese ungemein rhythmische und melodiöse, aber nicht sehr abwechslungsreiche Musik auf mich einwirkte, entspannte ich mich total und schlief ein, zwar nur ganz kurz, aber hinterher war ich wieder voll frisch und genoss die Musik weiter und konnte nicht aufhören, mitzuwippen. Es gibt meines Erachtens keine Musik, die so eine fröhliche und entspannende Wirkung zugleich hat wie afrikanische Musik in ihrer Mischung aus Traditioneller Musik, Pop und Jazz.

Navajo Punk: Blackfire

Durch eine Bemerkung Michael Kleffs neugierig geworden, wollten wir uns anschließend Blackfire anhören, wozu wir in den Heinepark mussten, also runter von der Burg, quer durch die Innenstadt, hinüber auf die andere Seite der Saale, an deren grünem Strande besagter Park liegt, der mit großer Bühne, Tanzzelt und Konzertzelt nebst Kinderspielplatz auch immer ein wichtiger Veranstaltungsort beim TFF ist. Unterwegs trafen wir Bijan beim Tanzzelt; wo sonst? Aus dem Konzertzelt dröhnte uns eine Musik entgegen, die ich als Heavy metal, Punk oder sonst was eingestuft hätte, niemals aber als Musik der Navajo. Aber doch, es war welche, erstgenanntes aber auch. Die drei Geschwister Klee, Jenenda und Clyson Benally gaben auf E-Gitarre, E-Bass und Schlagzeug und mit Gesang eine Metal- oder Punk-Musik zum Besten, bei der ich mir Typen wie ZZ Top vorgestellt hätte, aber es waren tatsächlich Navavo, ohne Bärte, aber mit langen Haaren. Wie kann so ein schlanker Bursche wie Klee so eine tiefe, röhrende Stimme haben? Die Ansagen zwischendurch wiesen auf die Benachteiligung der Indianer in den USA, auf die Zerstörung der Wildnis, auf Krieg und Terror überall auf der Welt und die Notwenigkeit der Solidarität aller fried- und naturliebenden Menschen hin. Aus der Musik konnte ich solche Themen nicht heraushören. Und dann kam doch noch etwas He-ya-ya-Gesang, wie man ihn sich vorstellt.

Ruth-Preisverleihung an Etta Scollo, Mike Kamp, Charlie Mariano und Achim Reichel

Und wieder ging es hinauf auf die Burg. Wie üblich, gab es dort nun am Samstagabend die Verleihung der Ruth, des Deutschen Weltmusikpreises. Wie schon anlässlich der 2005er Ruth-Verleihung erwähnt, ist Folk jetzt in „Weltmusik“ integriert, auch wenn eingefleischte Folkies das bedauern. Aber gerade die diesjährige Verleihung dürfte Folkies wieder versöhnen, denn zumindest zwei der vier Preisträger sind eindeutig Folkies und keine Welties oder integrieren letzteres in ersteres. Im Übringen gab es dieses Mal keine Newcomer-Ruth, da der neue Wettbewerb Creole dieser irgendwie das Wasser abgrub, aber es gab eine Globale und eine Deutsche Rurth und zwei Ehrenruths.
Die Globale Ruth ging an die in Deutschland und Italien aufgewachsene Sizilianerin Etta Scollo, die eine jazzbeeinflusste Version traditioneller sizilianischer Musik mit Gesang, Streichern, Mandoline, Rahmentrommeln und singender Säge zum Besten gab, natürlich das alles nicht alleine, sondern unterstützt durch drei Mitmusiker. Auf diese Weise rettet sie eine alte, bäuerliche Musiktradition, ohne sie zu viel zu verändern, in die Moderne.
Die erste Ehrenruth ging an Mike Kamp für seine musikjournalistische Arbeit seit 30 Jahren. Er begründete den Folk-Michel und gibt nun seit 1998 den Folker! mit heraus. In seiner Bescheidenheit lehnte Mike es ab, im Folker! selbst gefeiert zu werden, aber wir Mitarbeiter ließen wir ihm zu Ehren (und zu Werbezwecken) schon erwähnte Luftballons vor der Bühne in den Abendhimmel steigen. Das rührte ihn dann doch. Und es platzte (fast) keiner!
Die zweite Ehrenruth ging an den amerikanisch-deutschen Saxophonisten Charlie Mariano für sein Lebenswerk. Zusammen mit Musiker(inne)n aus Südindien bot er uns eine Mischung aus traditionell indischer Musik auf diversen Trommeln, Mridangam und Gesang und Jazz auf dem Saxophon. Ich hätte kaum gedacht, dass das geht und sich auch noch so gut anhört.
Die Deutsche Ruth ging an Achim Reichel für seine „Volxlieder“. Der Hamburger Folkrocker sang auf seine rockige Weise eigene und alte deutsche Volkslieder. Dabei erinnerte er mich mal an Hans Albers, mal an Shane McGowan von den Pogues, und auch die Instrumentalbegleitung mit Gitarren, Geige, Akkordeon, Schlagzeug, Mandoline, diversen Whisltles und Flöten war sehr irisch beeinflusst, zum Teil aber auch bluegrassig und countryähnlich. Das war echt mitreißend, zu erleben, wie er bekannte Lieder, ein wenig verfremdet, aber gut erkennbar präsentierte. Und wo erlebt man es sonst, dass in der ersten Reihe stehende Männer mit tätowierten Oberarmen und Piratenkopftuch auf dem Schädel „Der Mond ist aufgegangen“ mitsingen?
Ich möchte extra auch mal den Multiinstrumentalisten Frank Wulf erwähnen, der sowohl Etta Scollo, als auch Achim Reichel auf Gitarre, Mandoline, Tin Whisles, singender Säge und anderen Instrumenten begleitete. Hut ab!

Tagesabschluss mit Nathan & The Zydeco Cha Chas

Nach so einem Konzert kann man ja schlecht schon in die Heia gehen, sondern braucht noch was zum Nachtisch. Auf der total überfüllten Burgterrasse spielte noch Nathan Williams aus Lousiana mit seiner Band heiße Zydeco-Musik, die zum Runterkommen eigentlich nicht geeignet war, sondern nur noch mehr anheizte. Wir standen auf dem Abgang zur Burgterrasse und schauten von oben auf die Bühne und konnten kaum still stehen, so jagten uns die Two Steps und dergleichen in die Beine. Nathan mit einem riesigen weißen Akkordeon und Gesang, Mark William mit dem Waschbrett, zwei weitere Brüder und noch zwei Musiker mit Gitarre, Keyboard, Schlagzeug und Bass holten die Swamps nach Rudolstadt. Was nun aber der Unterschied zwischen Zydeco und Cajun ist, ob es an der schwarzen Hautfarbe der Zydeco-Musiker liegt oder woran sonst, dass das hier nicht „Cajun“ hieß, dass muss ich noch heraus finden. Vielleicht frage ich mal Rainer Zellner, ihren Tourmanager, der mich ja auch in Bonn beim Capercaillie-Konzert auf diese hier aufmerksam machte. Oder ich lese mal den Zydeco-Artikel im TFF-Programm und sage Euch Bescheid, wenn es darin erklärt wird.
Ah, und schon schickte mir Rainer Zellner eine Erklärung:
„Cajun ist rein weiße Musik, abgeleitet von der Kultur der Acadiens, die per schicksalsvoller Geschichte aus Frankreich über Canada nach Louisiana kamen. Typisch sind Walzer und Two Steps. Hauptinstrument Knopfakkordeon, Geige. Rhythmus spielt die Triangel. Gesungen in altmodischem Französisch. Zydeco ist die Adaption von Cajun durch die Kreolen, abstammend durch die Vermischung von u.a. Südamerikanern und Afrikanischen Sklaven. Deswegen auch Blues, Rock'n'Roll und Karibische Rhythmen neben Walzern, Foxtrotts und Two Steps. Beides ist Tanzmusik!“
Leider hatte Lothar Kopfschmerzen, so dass wir uns doch los rissen und die einstündige Rückfahrt nach Suhl antraten.

Achim Reichel im Schminkkasten

Am Sonntag ging es noch mal mit Achim Reichel weiter, und zwar im Schminkkasten, einem kleinen Theaterraum, in dem Mike Kamp immer Musiker interviewt. Dieses Mal interviewte hier ein Ruthpreisträger den anderen. Achim zeigte sich ein wenig belustigt darüber, dass es doch tatsächlich Hörer gibt, die meinten, ihn darauf aufmerksam machen zu müssen, dass er die Volkslieder ein wenig verfremdet singt, als ob ihm das aus versehen unterlaufe und er das nicht absichtlich mache.

Country, wie man es nicht erwartet – die Old Time Music der Crooked Jades

Hier geht es nicht um Verfremdungen, die die Erwartungen ent-täuschen, sondern eher darum, dass wir uns so sehr an einen bestimmten, von Nashville geprägten Countrysound gewohnt haben, dass die alte Art, Country zu spielen, uns ungewohnt vor kommt. Diese alte Art, die so in den 1920ern Oldtime genannt wurde, wurde uns beim TFF im Konzertzelt im Heinepark von den Crooked Jades vorgeführt, einer Band von der amerikanischen Westküste, wo diese Art der Musik eigentlich nicht tradiert wurde. Statt in Cowboy- oder Westerkleidung standen sie da in Anzügen oder im weißen Kleid, Jeff Kazor, Robin Aigner, Josh Rabie, Seth Folsom und Charlie Rose, die übringens auch von Rainer Zellner gemanagt werden. Auf Fiddle, Gitarre, Ukulele, Slide Guitar und Kontrabass, sowie mit Gesang spielten und sangen sie Tanzmusik, wie sie anno dazumal auf dem Lande im Osten der USA zu Tanzveranstaltungen aufgeführt wurde. Instrumental überwogen, wobei manchem auch mal acht Takte gesungen wurde, mehr aber nicht. Seth sang aber auch mal ein langsames Lied, anderes erinnerte an Gospellieder, eine alles in allem sehr mitreißende Musik.

Norwegische Geiger – Majorstuen

Und wieder ging es hinauf auf die Heidecksburg, auf dessen großer Bühne sechs junge Norwegerinnen und Norweger, Ranhild Furebotten, Jorun Marie Kvenberg, Andreas Ljones, um nur die Hälfte zu nennen, uns eine reine, traditionelle norwegische Streichmusik zu Gehör brachten. Geigen und Cellos kamen zum Einsatz, mehr nicht. Aber auch das ging ab, urig, etwas schwerfällig und doch flott. Die mittlerweile einsetzende Mittagshitze ließ indes weniger uns Menschen tanzen als einen Schwarm fliegender Ameisen, der den Burghof bald erfüllte. Die Tierchen hatten anscheinend Orientierungsprobleme und stießen andauernd mit uns Zweibeinern zusammen und krabbelten dann auf uns herum. Das Ende des Konzerts warteten wir trotzdem ab, da die Musik einfach zu schön war, verließen dann aber die Stätte, auf der wir uns ohne die Ameisen sonst noch das Magie-Projekt „Magic Keyboards“ angesehen und -gehört hätten.

Deutsch-Kanadischer Singer/Songwriter – Delf Maria Hohmann

Ein paar Ameisen hatten sich auch in andere Orte der Stadt verirrt, aber dennoch waren wir Menschen im Amtgerichtshof, einem gemütlichen Innenhof, wieder mehr oder weniger unter uns, abgesehen von den Mauerseglern und Turmfalken, die über uns um die Häuser kreisten. Delf Maria Hohmann hatte ich tags zuvor im Medienbüro getroffen. Ich hatte ihn vor zwei Jahren in Rudolstadt kennen gelernt. Er ist ein alter Folker!-Mensch, lebt aber seit 1982 oder so in Neufundland, in Kanada. Hier nun trat er als Straßenmusiker mit Gitarre, Banjo und kanadischen Liedern auf, zumeist auf Englisch, mit skurillen Beziehungsgeschichten und anderem zum Inhalt, dann aber auch „Frère Jaques“ auf Inuktitut, der Sprache der Inuit. Leider waren die Musiker auf der Neumarktsbühne draußen vor dem Tor des Innenhofes so Laut, dass Delf dagegen schwerlich ankam. Seine Lieder kann man aber auch auf der CD „on both sides of the main“ bestellen.

Zum Abschluss – das Abschlusskonzert

Den Abschluss des diesjährigen TFF bildete zwar nicht das Abschlusskonzert, denn danach sang noch Laurie Anderson auf der Heidecksburg, aber für uns war es so. Michael Kleff führte durch das vierstündige Programm auf der großen Marktplatzbühne, ein Gewitter schien herauf zu ziehen, entschied sich aber zum Glück für einen anderen Weg, denn von den vielen Tausend Musik freunden, die sich hier noch versammelt hatten, hatte wohl kaum jemand Regenklamotten dabei. Ich traf auch Joergen W. Lang, der mir verriet, dass er sogar mehrmals aufgetreten sei. Schade, da hatte ich das Programmheft nicht ordentlich genug gelesen. Er spielte bei 3PO mit, einer Tanzband beim Tanzschwerpunkt Polonaise. Und ich traf Heijo Hütt vom Trio Plus aus Remscheid. Aber nun zum Abschlusskonzert: Hui, das kriege ich jetzt gar nicht mehr alles zusammen, wer denn da noch je drei, vier, fünf Stücke zum Besten geben durfte: Blackfire waren dabei, Dazkarieh, eine erstklassige Folkband aus Portugal, Rainald Grebe mit der Kapelle der Versöhnung, der deutsche Volkslieder satirisch auf die Schippe nahm und ein kritisches und doch lustiges Lied über Brandenburg sang, Majorstuen geigten noch mal, Shilpagya, eine but gekleidete Tanzgruppe aus Indien bot Akrobatisches zu langweiliger Musik an, eher was für’s Auge als für’s Ohr, Tutarchela, ein georgischer Frauenchor bezauberte durch Mehrstimmenpower, einige Musiker des Magic Keyboard-Projektes, zum Beispiel Lulinha Alencar aus Brasilien, boten noch Tango und dergleichen auf Akkordeons an, und zum Schuss des Abschlusses konnten wir mit Nathan & The Zydeco Cha Chas noch ein wenig abtanzen. Ich habe jetzt sicher wen vergessen, und bitte schon mal um Entschuldigung. Nicht vergessen hatte ich, dass mir Jutta Mensing noch gar nicht über den Weg gelaufen war. Die traf ich dann hinter der Bühne, doch war sie in heller Aufregung, weil einige ältere Musiker noch wohin chauffiert werden mussten und es da Probleme gab. Rainer Zellner beklagte sich bei mir, dass so viele deutsche Freunde der irischen Musik so enge Scheuklappen hätten, sobald es um amerikanische Musik gehe. Ich konnte ihm aber einige Namen von Bonner Irish-Folkies aufzählen, die da gar keine Berührungsängste haben.

Das war es dann also wieder für dieses Jahr. Wie immer habe ich mehr nicht gehört als gehört und manches musste ich mir mangels Bilokationsvermögen schweren Herzens verkneifen. Ich schwebte noch tage- oder gar wochenlang. Nun ja, nächstes Jahr – so Gott will – geht es wieder nach Rudolstadt. Und zwischendurch gibt es hier bei uns ja auch einiges an Musik.
Und ach ja: 2008 wird Israel der Länderschwerpunkt sein, die Rahmenprogramm das Magie-Instrument, der Rcok’n’Roll der Tanz des Jahres, und es wird auch mal wieder einen Deutschland-Regionalsschwerpunkt geben, nämlich Sachsen.



Hier noch ein paar Links zu Seiten des oder über das TFF und der oder über die oben erwähnten Musiker:

TFF
http://www.tff-rudolstadt.de/
http://de.wikipedia.org/wiki/TFF.Rudolstadt
Wenn Ihr hier rein schaut, seht Ihr, wie klein der Ausschnitt ist, den ich beschrieben habe:
http://www.tff-rudolstadt.de/htm/07/07.htm
Ruth
http://www.weltmusikpreis.de/
http://de.wikipedia.org/wiki/Ruth_(Musikpreis)
U-Free:
http://www.kulturmuehle.de/fileroom/u_free.html
Tants in Gartn Eydn
http://www.gartn-eydn.de/
Alkinoos Ioannidis
http://www.rainaldgrebe.de/
Dziuks Küche
http://www.dziuks-kueche-de/
Mlimani Park Orchestra
http://members.aol.com/dpaterson/mlimani.htm
http://www.masala-festival.de/aktuell/kuenstler/mlimani.shtml
Blackfire
http://www.blackfire.net/
Etta Scollo
http://www.ettascollo.de/
Mike Kamp
http://www.schallplattenkritik.de/bio/kamp.html
Charlie Mariano
http://www.charliemariano.de/
http://de.wikipedia.org/wiki/Charlie_Mariano
Achim Reichel
http://www.achim-reichel.de/
The Crooked Jades
http://www.crookedjades.com/
Majorstuen
http://www.majostuen.biz/
Delf Maria Hohmann
http://www.biohof-gensler.de/Kunststation.html
Dazakrieh
http://www.dazakreih.com/
Rainald Grebe
http://www.rainaldgrebe.de/

Und wer wissen will, wer die Menschen sind, die ich dort so zwischendurch traf und im Text erwähnte:

Michael Kleff
http://www.wdr5.de/moderatoren/michael_kleff.phtml
Sabine Froese
http://komm.bildung.hessen.de/pipermail/politik/2004-December/002730.html
Bijan
http://www.bijan-derspielmann.de/
Joergen W. Lang
http://www.oreilly.de/catalog/csstdg3ger/translator.html
http://www.danmusic.de/band/joergen_d.html
Heijo Hütt
http://www.trioplus.de/seite1.htm

MAS

Wednesday, July 04, 2007

Konzertrezension: Beoga am 4.7.2007 auf dem Marktplatz in Bonn

Beoga am 4.7.2007 auf dem Marktplatz in Bonn

Qurilig-jazziger Irish Folk riß den Bonner Marktplatz aus der Siesta eines heißen Sommertages

Es war Halbzeit des Keltischen Sommers in Bonn, denn drei Konzerte lagen schon hinter uns und mit diesem drei vor uns. Nach Bretonen, Schotten und Belgiern waren nun die Iren dran, als deren Delegation Beoga fungierte, deren Mitglieder zu 4 zu 1 aus Nordirland stammen. Ganz links (aus Zuschaeuerperspektive) saß hinter seinem Keyboard Liam Bradley aus Tobermore im County Derry, dann folgten nach rechts Damian McKee aus Dunloe und Seán Óg Graham aus Portglenone, beide aus dem County Antrim und beide Knopfakkordeons, wobei letzterer auch mal zur Gitarre griff, dann weiter rechts Eamon Murray aus Randalstown im County Antrim, der eine Bodhrán bediente und als einzige Dame, einzige Republikirin und zugleich einziges Bandmitglied, das immer stehen musste, Niamh Dunne aus dem County Limerick, die mit ihrer Fiddle und ihrer Stimme die Frontfrau der Band war.

Bei so vielen sitzenden Musikern ist es klar, dass rein optisch nicht viel Bewegung zu vernehmen war, aber was da akustisch rüber kam, ließ kaum noch jemanden ruhig bleiben. Jigs, Reels, Polkas und andere schnelle Tanztunes in atemberaubender Geschwindigkeit und dazu noch akurrater Punktgenauigkeit, manchmal stakatohaft, manchmal fließend, und dabei trotz irisch-taditioneller Wurzelhaftung voller Anspielungen auf Ragtime und andere Jazzarten, die aber keineswegs als aufgesetzte Fremdkörper dienten. Niamh begeisterte zwischendurch immer wieder mit schnellen, aber auch ruhigen Liedern das Publikum, und auch ruhige Instrumentals gab es hier und da, so dass auch für die Zuhörer, für die Jigs&Reels wie ein gleichförmiges Dideldidelda klingen (solche Leute gibt es tatsächlich) keine Gefahr der Langweile bestand. Am ehesten noch dürften die Folkies mit dieser Musik unzufrieden sein, die entweder keine Jazzeinflüsse mögen oder die meinen, Folk müsse immer etwas fehlerhaft klingen und dürfe nicht minutiös ausgearbeitet sein (auch solche Leute gibt es).

Ich finde es immer interessant, wer von unseren Bonner Folkies, soweit ich sie kenne, zu welchen Konzerten geht. Bei Beoga waren derer viele da: Sabrina, Wini, Näx & Nicole, Ellen & Ralf, Herbert, Andreas mit Freundin, und wohl noch andere. Andreas, der ja bei den Tannahill Weavers vor allem wegen der Lautstärke der Highland Pipe im geschlossenen Raum Reißaus genommen hatte, sagte zu Beoga, das sei seine Musik, und die könne gar nicht zu laut sein. Ja, so sind die Geschmäcker in der Folkszene durchaus differenziert, so differenziert wie die Musikstile ja auch sind. Einige hofften im Anschluss an das Konzert noch auf eine Chance einer gemeinsamen Session mit den Iren. Ob es dazu kam, weiß ich nicht, aber Näx erzählte voller Freude und Stolz, dass es nach dem Capercailliekonzert zu einer Session mit Michael McGoldrick gekommen sei. Ha, da wäre ich gerne dabei gewesen!

Die Seite von Beoga:
http://www.beogamusic.com/
Die von deren Tourmanager:
http://www.magnetic-music.com/
Die vom Bonner Sommer:
http://www.bonn.de/tourismus_kultur_sport_freizeit/bonn_ist_kultur/bonner_sommer/?lang=de

Frühere Rezis von mir zu Beoga :
The Irish Folk Festival – Tunes for Tara Tour am 15.11.2005 in der Philharmonie in Köln
http://folktreff-bonn-rhein-sieg-rezensionen.blogspot.com/2005/11/konzertrezension-irish-folk-festival.html bzw. http://tinyurl.com/bvnoe
CD: The Irish Folk Festival 05. Tunes for Tara.
http://folktreff-bonn-rhein-sieg-rezensionen.blogspot.com/2005/09/cd-rezension-irish-folk-festival-05.html bzw. http://tinyurl.com/cnypa

MAS